Politik


In einem “Gastkommentar” von Fred Grimm, versteckt unter “Personalführung” im Wirtschaftsteil, findet sich bei SpOn eine Ungeheuerlichkeit, ein scheinbar unscheinbares Detail, das die Existenz einer Demokratie in Deutschland zu widerlegen geeignet ist, wenn es sich bestätigt. Es heißt dort lapidar:

Über die Hälfte des deutschen Top-Managements stammt aus dem winzigen 0,5-Prozent-Segment der reichsten deutschen Familien.

Daß die sogenannten “Eliten” gern unter sich bleiben, ist nicht neu und nicht verwunderlich. Sollte aber tatsächlich in einem solchem Maße Begünstigung vor Qualifikation gehen, dann ist es Zeit für radikale Veränderungen der Gesellschaftsordnung oder eine simple Unbenennung – was der machbare Weg sein dürfte. Hören wir auf, von einer “Demokratie” zu sprechen!

Gewaltenteilung, begrenzte Macht

Nun ist “Volksherrschaft” ohnehin ein dehnbarer Begriff, daher stützt sich der moderne Demokratiebegriff auch auf Montesquieus Staatsentwurf der Gewaltenteilung. Zu einer Zeit, da der Staat noch als übermächtiges Gebilde seinen Untertanen gegenübertrat, erhob sich mit dem Bürgertum das Streben nach begrenzter Macht. Die staatlichen Gewalten sollten durch gegenseitige Kontrolle in die Schranken gewiesen werden, und es darf angenommen werden, daß das Bürgertum des 18. Jahrhunderts seine Macht ohnehin durch den Staat wirksam begrenzt sah.

Das hat eine Weile ganz passabel funktioniert. Allerdings wurde in den darauf folgenden Jahrhunderten kein Wert auf eine durchgreifende Aktualisierung des Demokratiemodells gelegt und die aufkommenden Gewalten privater Konzerne und Medien immer weniger wirksam kontrolliert. Ganz offen fordern die Verfechter unbegrenzten Eigentums daher auch immer weniger Staat, immer mehr Einfluß für sich und ihresgleichen. War die staatliche Gewaltenteilung der Ausweg aus Diktatur und autoritärem Staat, so ist die schamlose Machtballung der Wohlhabenden das schlichte Gegenteil.

Menschen, unnütz

Auf ein Menschenbild verzichtet diese “Elite” inzwischen völlig. Es geht nur noch um manische Machtballung, die Verfügungsgewalt in Form und Geld. Der Rest, das Volk, hat zu funktionieren und wird so lange als notwendige Ressource betrachet, wie es nützlich ist. Die Unnützen, längst als “Minderleister” offen diffamiert, haben keinen Status mehr, auf den sie sich auch nur berufen dürften, um in Würde ihr karges Dasein zu fristen.

Damit es bleibt wie es ist und die Macht bei denen bleibt, die sich immer häufiger als “genetisch” überlegen darstellen – was übrigens auch in den Forenbeiträgen zum Spiegel-Artikel haarsträubend argumentiert wird – werden alle Register kreuzdämlicher Propaganda gezogen. Wirft man den Abgehängten zähnefletschend in doppelter Lüge “anstrengungslosen Wohlstand” vor, wird genau dieser für sakrosankt erklärt: Das Erbe der Besitzenden sei unantastbar.

Erbhöfe

Als sei etwa eine Aktiengesellschaft ein unmögliches Unternehmen, wird das Hirngespinst des Untergangs der Mittelschicht gepflegt, wenn es eine wirksame Erbschaftssteuer gäbe. Ganz selbstverständlich wird auch die Rückführung von Allgemeingut durch eine Steuer auf Erbschaften aus Privatvermögen bekämpft. Und immer sind es die “Leistungsträger” der “Mittelschicht”, die angeblich zu schützen seien. Doppelt gelogen hält auch hier offenbar besser.

Aber es geht noch dicker. Der Sicherung des Eigentums der Eigentümer durch die Vergabe höchstdotierter und einflußreicher Posten im Management ist durch keine Steuer beizukommen, schon gar nicht von Seiten eines Staates, der dem Treiben an den Erbhöfen nicht reinzureden hat. Was einzig noch stört, ist daß die postmodernen Feudalherren überhaupt Rücksicht zu nehmen haben auf eine Staatsverfassung, die etwas gänzlich anderes verspricht als die gegebenen Zustände. Das muß gekittet werden durch Propaganda, Korruption, Ablenkung und die Verteufelung aller denkbaren Alternativen, die von den aggressivsten Hetzern mit der Sozialismuspeitsche behandelt werden. Mit Erfolg wird schon der Begriff “Kapitalismus” zur Ausgeburt stalinistischer Massenmörder verklärt.

Sozialismus?

Der Dualismus des kalten Krieges, Kapitalismus vs. Sozialismus-Kommunismus, ist eine Albernheit, die schon in jenen Zeiten nur zur Propaganda taugte. Heute muß man schon mit unerhörter Brutalität diese Keule schwingen, um damit Wirkung zu erzielen. Wenn alle Mittel recht sind, dann auch dieses.
Ich bemühe mich stets um die Entwicklung von Ideen, die der aktuellen Lage gerecht werden und mag darum nicht von “Sozialismus” sprechen. Aber wenn es denn wirklich so gesehen werden muß, daß es keine anderen Alternativen gibt zum Marsch in die Diktatur der kapitalistischen Clans, ist es höchste Zeit für einen Sozialismus. Er wäre demnach die letzte Chance für die Demokratie.

meimaDa Philip Plickert in der FAZ ganz aktuell Albrecht Müllers “Meinungsmache” entdeckt und ein gut auf Linie getrimmtes Artikelchen darüber gehäkelt hat, gebe ich halt auch noch meinen Senf dazu. Ich habe mir das Buch zu Weihnachten schenken lassen und bin ein wenig hindurchgeflogen. Meine Erwartungen wurden weitgehend bestätigt: Nichts Neues für Leser der “Nachdenkseiten” und gut informierte Kreise, Quadrate oder Blogger. Ich hätte mir genauere Nachweise über einzelne Vorgänge gewünscht, die im Buch aufgelistet sind, etwa zum Fall Ypsilanti, zu dem ich dann selbst ein wenig recherchiert habe.

Daher habe ich getan, was ohnehin geplant war: Ich habe das Buch weiterverschenkt mit der Bitte, es ebenfalls weiterzugeben – leihweise oder eben auch als Geschenk. Die Beschenkte, eine nicht gar so manische Leserin von Blogs und ‘Presse’ wie ich, war recht überrascht und angetan. Da ich annehmen darf, daß viele meiner Leser den Stoff ebenfalls kennen, sei es an dieser Stelle empfohlen – zur Weitergabe. Dies ist kein Buch zur Überführung in staubiges Eigentum, es sollte gelesen werden und zum Meinung Machen beitragen. Zu der Art von “Meinung”, die dem Begriff nicht Hohn spricht.

Schmerzen. Der künftige Wehrbeauftragte des Bundestages hat sich den Colt umgeschnallt und heizt den Taliban ein, denn er weiß:

Wer in das Kanonenrohr eines ´Leopard 2´ schaut, überlegt sich zwei Mal, ob er einen deutsche Patrouille angreift.

Das einnert sehr an den Tränenpatriotismus der Embedded Morons, die vom Einmarsch der USA in den Irak berichten durften. Das Rohr muß nur groß genug sein, dann trollt er sich, der Taliban. Jahrzehnte brutalen Krieges gegen Sowjets und West-Invasoren sind daran gescheitert, daß sie den Leopard nicht dabei hatten. Hätten sie doch bloß Hellmut Königshaus gefragt!
Was die unregulierten Börsen in der Wirtschaft, ist schweres Gerät in den Bergen Afghanistans. Hat schon immer gut geklappt, das. Darum setzen FDP-Politiker wie Königshaus auch auf solch bewährte Strategien.

Er moniert überdies, “der Bundeswehr stehe in Afghanistan nicht alles Gerät zur Verfügung, das sie zum eigenen Schutz brauche”. Sag ich doch. Schon Ende vorletzten Jahres sah ich es kommen: Vor der Küste Afghanistans kreuzt demnächst die deutsche Marine. Wer einmal in das Rohr eines Panzerkreuzers im Wüstensand geschaut hat, überlegt es sich zweimal, ob er solche Experten noch angreifen muß.

Im Anschluß an den Artikel von gestern komme ich einmal mehr auf die Mär vom “Fördern” Arbeitsloser zu sprechen. Das Wahlgeschenk von Hartz an Schröder in Form des tumben Porpagandaversprechens, zwei Millionen neue Arbeitsplätze zu schaffen, war anfangs eine leider fehlgezündete Lachnummer, inzwischen ist das Ganze sprichwörtlich zum Heulen. Die Hartz-Gesetze sind die neue DDR: Druck, Depression, Repressalien. Wer sich als Vermittlungsmündel seine “Eingliederung” zu Herzen nimmt, macht den Fehler seines Lebens. Das Zittern beim Öffnen der Post muß überwunden werden, Schwäche wird durch noch mehr Druck bestraft.

Die Entwicklung, die bei Hartz IV als Parasitentum denunziert wird, ist beim ALG I dieselbe: Wer sich nicht unterpflügen lassen will, muß sich wappnen. Die Spielchen, mit denen Arbeitslose aus der Statistik gezaubert werden – vor allem “Lehrgänge” und “Existenzgründungen” – sind ein Instrument, das vermeintlich Ruhe schafft, dies aber aber als “Fördern” zu bezeichnen, ist der nächste schräge Gag. Als “Existenzgründer” hat man es gut, man wird nicht mehr mit abenteuerlichen Vermittlunsgvorschlägen behelligt und gilt nicht mehr als arbeitslos. Das Dumme ist nur: Einen passenden Job findet niemand auf diese Weise, und die Selbständigkeit steht auf tönernen Füßen.

Wer weiß, wie’s geht, entwickelt Strategien, die einer echten Jobsuche Hohn sprechen. Am besten auf solche Stellenangebote reagieren, von denen man weiß, daß man eh nicht genommen wird. Bewerbungen so zurecht stricken, daß sie untadelig und ernsthaft wirken, aber spätestens beim persönlichen Gespräch dafür sorgen, daß andere besser aussehen. Alles im Rahmen eines Vorgehens, das einem nicht als Scheinbewerbung ausgelegt wird.

So kann man sich durch den Prozeß würgen, bis es opportun erscheint, sich wirklich zum “Existenzgründer” machen zu lassen. In dieser Zeit kann man sich dann entweder ernsthaft als Selbständiger versuchen oder – was tunlichst zumindest Plan B sein sollte – die Ruhe nutzen und sich eine Beschäftigung suchen, in der man sich halbwegs wohlfühlt.

Auf diese Weise wird das ganze Brimborium zu einer einzigen Farce. Vermittler gegen “Kunden” und umgekehrt, Jobsuche als “Selbständiger” und ohne Unterstützung, weil die “Hilfe” durch die Agentur flächendeckend als Nötigung empfunden wird.
Des Pudels Kern ist der amtliche Sprachgebrauch, der “Vermittlung” sagt und “Zwang” meint, weil nirgends in dem dümmsten Gesetz seit § 175 StGB von der Aufnahme einer Berufstätigkeit die Rede ist, sondern von “zumutbarer Beschäftigung”.

Was ist das für ein Land, das alle Bürger, die zum Lebensunterhalt ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, in jeden Job zwingt, der von Staats wegen als “zumutbar” gilt? Was glauben die Verwalter von menschlichen Existenzen, welchen Einfluß diese Sklavenhalter-Mentalität auf die Motivation und Befindlichkeit der Bürger und Arbeitnehmer hat? Und was ist das für ein Volk, das sich diese Herabwürdigung bieten läßt?

to be continued …

Christoph Butterwege gibt im Interview mit Karl-Heinz Behr im “Freitag” einige Wahrheiten zu Portokoll, deren notwendige Erwähnung schon recht traurig ist. Im Kern dessen steht die Aussage:

Armut erfasst aber nicht bloß immer mehr Bevölkerungsschichten, sondern zerstört auch die sozialpolitische Kultur unseres Landes. Hartz IV wirkt ja nicht nur deprimierend für diejenigen, die davon betroffen sind, sondern macht auch jenen Angst, die fürchten, arbeitslos zu werden und nach kurzer Zeit auf das Sozialhilfeniveau abzusinken.

Das stimmt zunächst einmal und weist auf ein Problem hin, das kaum diskutiert wird: Der Umgang mit Arbeitslosen und Arbeitnehmern, wie er durch die Hartz-Gesetze und die begleitende Propaganda forciert wird, macht Angst. Ich mag gar nicht diskutieren, inwiefern dieser Effekt beabsichtigt ist, ich will vielmehr darauf zu sprechen kommen, was daraus folgt.
Dazu ist es notwendig, den Fokus nicht auf Hatz IV zu richten, sondern auf Lohnarbeit, Arbeitslosigkeit und Zwang. Dazu bietet es sich an – zumal ich dazu Berichte aus erster Hand liefern kann – sich mit dem “ALG I” zu befassen.

Das Arbeitslosengeld, das im SGB III geregelt ist, ist eine Versicherungsleistung. Lohnabhängige sind ab einem halbwegs existenzsichernden Lohnniveau dazu verpflichtet, in die Arbeitslosenversicherung einzuzahlen. Wenn sie arbeitslos werden, haben sie Anspruch auf die Auszahlung der Versicherungsleistung. Niemand kann ihnen vorwerfen, sie seien Schmarotzer – nicht einmal diejenigen, die sich nicht schämen, Arbeitslose zweiter Klasse derart zu diffarmieren.

Die Herabwürdigung Lohnabhängiger und die Wirkung des Zwangs beginnt bereits im Arbeitsverhältnis, das sie nicht kündigen können, wenn ihnen die Mittel fehlen, in den darauf folgenden zwölf Wochen ihren Lebensunterhalt ohne Einkommen zu bestreiten. Jedenfalls steht ihnen die Versicherungsleistung in dieser Zeit nicht zu. Ich halte diese Regelung schon für verfassungswidrig. Wie auch immer aber Arbeitslosigkeit eintritt, die Betroffenen werden per Gesetz dazu gezwungen, “zumutbare” Tätigkeiten aufzunehmen und ihre Beschäftigungslosigkeit durch “Eigenbemühungen” so schnell wie möglich zu beenden.

Diese Eigenbemühungen werden in der Praxis in der Regel willkürlich festgelegt und eingefordert. Arbeitslose haben de facto nicht das Recht, sich in Ruhe über ihre Situation zu orientieren, ihre Möglichkeiten zu überdenken und ihre Zukunft zu planen. Sie haben nicht das Recht, Beschäftigungen abzulehnen, die ihren Neigungen nicht entsprechen. Sie haben nicht einmal das Recht, das Angebot eines Arbeitgebers abzulehnen, der ihnen den Eindruck vermittelt, bei ihnen schlecht aufgehoben zu sein.

Die Liste der Rechte, die ihnen nicht gewährt werden, läßt sich meterlang fortsetzen. Jeder ALG I – Empfänger muß minutiös nachweisen, das es Gründe gibt, die ein völlig starres Gesetz für “wichtig” erachtet, wenn ihm das von ihm erarbeitete Geld nicht gekürzt werden soll. Das heißt konkret, daß er es hinnehmen muß, von einem um 30% gekürtzten Hartz IV-Satz zu leben, wenn er sich nicht untertänigst fügt. Obendrein muß er das ALG II dann erst einmal beantragen, mit allen Schikanen. Mit einer “Versicherungsleistung” hat diese Gängelung nichts zu tun.

Diese systematische Einschüchterung wirkt. Der Gang zum Briefkasten wird für viele zur Tortur, die Formulare und “Vermittlungsvorschläge”, mit der sich der fleißige Ex-Einzahler herumzuschlagen hat, sind Waffen im Krieg für den Terror, gegen den es kein rechtes Mittel gibt, wenn man keine Reserven hat, mit denen man seine Würde finanzieren kann. Es gibt keine Atempause vor dem Gang zum Psychiater. Arbeitslosigkeit macht krank und abhängig – fangen Sie erst gar nicht damit an, vermeiden Sie möglichst schon die Lohnabhängigkeit, die sie in eine solche Situation bringen kann!

Ich werde diesen Artikel in Kürze fortsetzen.

Die Worte des Tages schreibt Nico Fried für die Süddeutsche. Es ist dann also zwar im Südosten nichts Neues, es heißt aber jetzt “Krieg”. Daraus folgt – nichts, weil die Regierung nicht regiert und das Parlament seine Armee ohnehin nur mit einem Nicken losgeschickt hat, ohne sich je mit der Realität des Krieges konfrontiert zu haben. Mit Recht fordert Fried eine Orientierung darüber, was aus dem Desaster folgt, erwartet aber ganz realistisch alles andere. Nicht einmal eine vernünftige Debatte traut er den Teilzeitfeldherren zu:

Dass die Kanzlerin diese Debatte anstößt, womöglich sogar eine Richtung mit ihrem politischen Schicksal verbindet, ist unwahrscheinlich. Dem Außenminister ist es nicht zuzutrauen, allein schon weil es sich um eine ernsthafte Diskussion handeln müsste.

Schön, daß ein Journalist die Wahrheit ausspricht. Was folgt daraus für die öffentliche Diskussion? Man diskutiert die Rettung von Rhein und Ruhr durch deutsches Liedgut und die Beibehaltung der heiligen Dreigliedrigkeit. Der furchtbare Vorstoß der Linken muß aufgehalten werden. Es drohen sonst Debatten im Bundesrat. Der Dolchstoß an der Heimatfront wäre vorprogrammiert, eine angeschossene Regierung würde womöglich zum Handeln gezwungen.
Es folgt das “Lied der Deutschen”, dargebracht von den Schröder/Fischer-Chören.

Angetrieben vom linken Zeitgeist, sind wir auf dem besten Wege in den Kommunismus. Mindestlöhne schießen wie Pilze in die Landschaft, und jetzt hat es die Pflege erwischt. 7,50 Euro bis 8,50 Euro bedeuten für eine Vollzeitstelle 1260 bis zu über 1400 Euro brutto im Monat.
Die “Welt” warnt daher vor der furchtbaren Gefahr der Schwarzarbeit und beruft sich dabei auf den größten Ökonomen seit dem Heiligen Hans-Werner, Professor Michael Hüther, der darin außerdem brutalen “Protektionismus” sieht. Vermutlich sind sogar unsere Exporte in Gefahr.

Verantwortungslos

Wären die Pflegekräfte, die zu solchen Hungerlöhnen arbeiten, nur im Entferntesten so verantwortungslos wie die Neoliberalen, sie gingen einfach nicht mehr zur Arbeit und würden so lange streiken, bis der letzte Halbtote sich dem Sturm auf die Marmorhallen anschlösse und mit letzter Kraft einen Manager erwürgte. Allein der verhasste Staat sorgt noch mit halbherzigen Gesetzen zur Sicherung wenigstens existenzerhaltender Löhne dafür, daß Pflege noch geleistet wird. Wenn Löhne in solcher Höhe wirklich nicht mehr finanzierbar wären, müßte man eben die Steuern entsprechend erhöhen. Und da man das Geld nur noch bei denen holen kann, die immer noch bleiern darauf sitzen, sind Mindestlöhne um die Ecke sogar eine Wohltat für Reiche.

Die Argumentation mit der “Schwarzarbeit” ist schlicht kriminell. Warum fordern Genies wie Hüther nicht Warenpreise unterhalb der Produktionskosten? Schließlich können die Leute sich alles klauen, was sie nicht bezahlen wollen. Aber halt, das wäre ja auch ein staatlicher Eingriff. Würde es den Interessen der Wirtschaftsverbände entsprechen, wir hätten dergleichen längst aufgetischt bekommen.

Zuerst stirbt der Mensch

Der Mensch kommt in solchen Erwägungen nicht mehr vor. Die Sicherung von Eigentumsverhältnissen, das Recht auf Gewinn und ein “Wachstum”, das eines der ohnehin prall gefüllten Konten ist, geht über alles. Daß es die kleine Kaste der Großeigentümer ist, der einzig derartiges “Wirtschaften” nützt, bleibt unausgesprochen. Der Profiteur als Person kommt nicht vor.

Auf der anderen Seite stehen die Kostenfaktoren, die gering zu halten sind. Auch sie tauchen nie mit Namen und Gesicht auf, ihr Leben ist irrelevant. Die miserabel bezahlten Lohnsklaven sind in den Verlautbarungen der Ideologie die meist verschwiegenen Existenzen. Um als “Leistungsträger” erwähnt zu werden, haben sie nicht genug, so lange sie Arbeiten, kann man sie nicht als Schmarotzer denunzieren. Erst wenn sie von ihrem Recht gebraucht machen, sich diesem Markt zu entziehen, trifft sie Acht und Bann. Eventuell zerrt man die Abstraktion dieser Exemplare in falschen Beispielen als enteignete Steuerzahler ans trübe Licht, um diejenigen noch mehr zu beschämen, die nicht einmal solche Jobs bekommen.

Die Kosten der Würde

Mindestlöhne wie die für den Knochenjob der Pfleger und Pflegerinnen sind das Minimum reformistischen Gegensteuerns. Wer nicht dumm genug ist zu ignorieren, daß künftig Millionen Pflegebedürftiger ihrem Siechtum überlassen blieben, kommt gar nicht umhin, die immer noch viel zu niedrigen Löhne auf ein halbwegs erträgliches Niveau anzuheben. Neoliberale Menschenfresser träumen hingegen von der Sklavengesellschaft, die sich zum Wohle des Profits ihre Leibeigenen schon irgendwoher holt. Dabei schreien sie hemmungslos nach dem Staat, wenn es darum geht, sie zur Arbeit zu zwingen.

Ethisch kann man das gar nicht mehr diskutieren, es ist so widerwärtig, daß selbst der trockenste Philosoph zum Eimer greift. Diejenigen, deren akademischer Zynsimus solche Zustände noch rechtfertigt, sind politische Extremisten reinsten Wassers. Ihre Ideologie ist menschverachtend und zutiefst verfassungsfeindlich. Die Würde des Menschen ist für sie eine Frage der Kosten, und die sind ihnen immer zu hoch.

Sie zerstören willentlich und organisiert die Demokratie. Ihr Ziel ist der Umsturz, sei er revolutionär oder autoritär. Sie nehmen die Zerstörung des inneren Friedens, Tod und Leid wissentlich in Kauf.
Gegen solche Verbrechen gibt es Gesetze. Ein weniger “schlanker” Staat würde sie anwenden.

Und zwar “juristisch”, wie die Saar-Grünen drohen. Wohlgemerkt: Es wird nicht etwa mit den Mitteln der Justiz nachgeforscht, wenn der berechtigte Verdacht geäußert wird, daß jemand geschmiert wurde. Das ist nämlich Deutschland hier. Hier wird verfolgt oder bedroht, wer Korruption “Korruption” nennt.
Im Fall des Grünen Polit-Aals Hubert Ulrich hatte ich bereits darauf hingewiesen, daß er die Grenze dessen, was woanders Bestechlichkeit wäre, locker genommen hat. Seine Ausflüchte waren zum Erbarmen, und dann stellte sich heraus, daß er die ganze Partei hat ölen lassen.

Ulrich, der Grüne Befehlshaber der saarländischen Jamaica-Kollaboration, ex-Beschäftigter des FDP-Chefs, hat seiner Partei nicht einmal verraten, daß dieser auch Großspenden an die Grünen geleistet hat. Jetzt meldet die TAZ, daß mehrere Steuerstrafverfahren gegen den sauberen Herrn Ostermann eingestellt worden sind.
Die Linke und die SPD setzen deshalb einen Untersuchungsausschuß ein, um etwas herauszufinden, das es gar nicht gibt: Daß es sich bei diesen durchschaubaren Spielchen eben um Korruption handelt.
Ach Leute, das weiß doch jeder, der es wissen will. Es darf nur niemand sagen. Wie wäre es also mit Gesetzen, die derartige Schweinereien endlich unter Strafe stellen?

Wir mischen uns da nicht ein“, läßt die SPD-Fraktion verlautbaren, wenn sich ein Geheimdientsmitarbeiter einen Parlamentarier mit dessen Wissen nutzbar macht, um sich im Bundestag zu tummeln. Ist doch nichts dabei. Das verstößt sicher nicht einmal gegen das Grundgesetz, dessen Autoren sich nicht jedes kognitive Selbstmordattentat haben vorstellen können, zu dem ein Abgeordnetenhirn fähig ist. Die Verfassungsschützen werden sich gefreut haben, die parlamentarischen Kontrolle geschickt umdrehen zu dürfen.

Artikel wie der von SpOn verschwinden ganz schnell in der unteren Scrollradwüste der Sparte. Es ist schließlich viel wichtiger, vor “linker Gewalt” zu warnen, an der die Demokratie zugrunde zu gehen droht.

Hier könnt ihr einen Ausschnitt aus dem WDR-Radiobeitrag “Stichtag” von heute hören. Erstaunliche Parallelen zu aktuellen “Argumenten” tun sich da auf.
Den ganzen Beitrag (“Ausstellung ‘Das Wunder des Lebens’ eröffnet”) gibt es für einige Zeit noch beim WDR als Podcast. Das kommt exakt zur rechten Zeit – Hörbefehl!

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