Hatten wir nicht geschmunzelt über die DDR und ihre “Wahlergebnisse”? Wo es nur “Ja” oder “Nein” anzukreuzen gab und immer Ergebnisse knapp unter 100% ?

Aktuell haben wir Spitzenkandidaten zur Landtagswahl in NRW, die mit folgenden Ergebnissen gekürt wurden:
Röttgen: 96,4%
Lindner: 99,8%
Kraft: 99%
Löhrmann: 98,4%. Der gute freiheitlich-demokratische Wähler entscheidet sich dann für eine der neoliberalen Geschmackssorten, in deren Namen die oben Genannten den Einheitsbrei servieren.
Dass die Funktionäre die Inhalte nach Gusto bestimmen und die Programme ihrer Partei ebenso ignorieren wie die Interessen ihrer ‘Basis’, versteht sich. Bei uns ist das demokratisch, auch wenn eine Wahl nie wirklich stattfindet.
Übrigens wurde auch Philipp Rösler mit 95,1% gewählt. Der war kürzlich auch noch alternativlos.

FDP Rechtsexperte und Generalbundeskasperle Döring weiß was: Wenn hinter Fliegen Fliegen fliegen, fliegen Fliegen Fliegen nach. Aber! Wer als Strafverfolger Strafbewehrte verfolgt, darf als strafverfolgt gelten, wenn die Verfolgten den Verfolgern Verfolgungsfehler nachsagen können. Diese Rechtsauffassung wird ihnen präsentiert von deutschen Hoteliers, Finanzdienstleistern und dem Verein der Verfolgten des Finanzamtsregimes. Wenn deutsche Steuerfahnder deutschen Steuerverbrechern in der Schweiz nachstellen, so ist das nicht weniger als ein Verbrechen, das weiß jeder, der dort ein Konto hat und es derart verdient, die FDP wählen zu dürfen.

Döring kann Lindner nicht leiden. Er hasst Wähler. Ganze Zahlen sind ihm ein Greuel, selbst als Hundertstel. Er liebt die Null vor den Komma, als deren Repräsentant er sich nicht zu Unrecht empfindet. “0,18% in NRW”, so Döring, „das darf keine Utopie mehr sein.“

 
Dass Goldman Sachs eine der schlimmsten Finanzkraken der Welt ist, lässt sich nicht leugnen, ich halte sie gar für die schlimmste. Und wenn ich auf diesen Umstand hinweise, erhalte ich regelmäßig Kommentare von Rechtsdraußen, von den ganz Schlauen, die mich dann bekehren wollen. Ich müsste doch sehen, dass diese Juden die Welt beherrschen. Sogar Reden von Adolf Selig werden mir zugespielt.

hoell2Goldman Sachs wurde tatsächlich von einem Juden gegründet und fortan jüdisch dominiert. Und es lässt sich ebenso wenig leugnen, dass Juden historisch bedingt den Finanzgeschäften zugetan waren. Vor allem der Ausschluss von Juden aus den Handwerksgilden und das für sie historisch religiös nicht gültige Zinsverbot – dem lange Zeit auch Christen unterworfen waren – bedingten dies. Bis zur Moderne war das nicht gerade ein Vorteil. Erst mit dem Durchstarten des Kapitalismus wurde daraus ein ‘Wettbewerbsvorteil’. Der bestand allerdings nur in der längeren Erfahrung, denn Christen nahmen längst auch Zinsen. Wer noch fundamentalistisch dachte, musste dafür inzwischen das Fegefeuer fürchten, aber immerhin nicht mehr ewige Verdammnis. Der Deal war okay.

Kapitalismus? Ja bitte!

Jedenfalls gehen Kapitalismus und Judentum prima Hand in Hand. Wie wir von Max Weber wissen, ist es aber der Entwicklung des Protestantismus im Christentum zu verdanken, dass das Kapital den Turbo eingeschaltet hat. Dies verdankt sich einer bizarren Konstruktion:
Man darf annehmen, dass ein Leben in Verzicht, “Askese”, ursprünglich mit freiwilliger Armut verbunden war. Ein solches Leben galt als gottgefällig in manchen Strömungen des Christentums. Mit der Reformation entstanden dann diverse Varianten der Auslegung solcher Gottgefälligkeit, und eine der verrücktesten setzte sich in der Moderne durch, weil sie eben die besten Voraussetzungen bot.

Die Auffassung, dass Gott im Diesseits seine Schäfchen belohnt, führte zu der Einsicht, dass Reichtum demnach ein Zeichen für Gottes Gnade sei – die der Reiche sich wohl ‘verdient’ haben musste. Gleichzeitig aber galten Pomp und Prasserei nach wie vor als sündig. Die Konsequenz: Sich und anderen nichts gönnen, Zaster anhäufen, die Gier nach mehr ausleben ohne davon zu konsumieren. Diese Elemente sind heute in Konstrukten wie “Eigenverantwortung” oder “schädlichem Konsum” [s. vorletzter Absatz] wiederzufinden. Akkumulation als religiös begründeter Selbstzweck – besser kann Kapitalismus nicht gefördert werden. Kapitalismus und Christentum gehen prima Hand Hand.

Gern mehr davon!

Die Letzten, die sich noch zu wehren scheinen und etwa Zinswirtschaft großenteils anrüchig finden, scheinen die Muslime zu sein. Viele Staaten, die muslimisch geprägt sind, stehen eher auf sprichwörtlichem Kriegsfuß mit dem kapitalistischen Westen. Dies wiederum ist ihnen aber gar nicht als Verdienst zu verbuchen, denn vor allem die USA mögen es nicht besonders, wenn man ihnen kein Öl verkaufen will oder das nicht in Dollars abrechnet. Wer so fanatisch ist seine eigenen Prioritäten zu setzen anstatt gutes Geld anzuhäufen, muss eben mit Besuch aus der Luft rechnen.

Aber es ist ja nicht ganz Gallien. Saudi Arabien und die befreundeten Ölbohrinseln mit Staatsflaggen wie Qatar, die Emirate, Bahrain und Kuwait können das ganz gut. Genug Öl und die Bereitschaft es zu verkaufen sind immer wohl gelitten. So entstehen Freundschaften zu Diktaturen mit mittelalterlich muslimischen Rechtssystemen. Kein Problem. Schon die Geschichte zeigt, dass die Sauds den Bogen raus haben: Bereits im 18. Jahrhundert tat sich Muhammad ibn Saud mit Muhammad ibn Abd al-Wahhab zusammen. Der Deal: Saud durfte König sein mit dem Segen von al-Wahhab, der durfte Religionsführer sein und seine Auslegung der Lehre offizielle Religion. Für diese mächtige Konstellation haben die Sauds Mekka und Medina zweimal erobert, was ihnen noch heute die Herrschaft sichert.

Mutter aller Religionen

Auch die Beziehungen zum Westen waren immer gut: Die Engländer waren Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten, die Saudi-Arabien anerkannten und französische Spezialeinheiten halfen 1979 sogar Mekka von Besetzern zu befreien.
Auch im Islam ist die Lehre also Auslegware, und diejenigen, die sich das leisten können, respektive davon ungemein profitieren, tun das eben so, wie es ihnen Macht und Reichtum sichert. Doch: Kapitalismus und Islam gehen prima Hand Hand.

Mit dem Hinduismus dürfte es sich ähnlich verhalten. Eine Religion, in der traditionell die gesellschaftlichen Schichten mit einer religiösen Hierarchie identisch sind, lässt nichts zu wünschen übrig. Ich weiß zu wenig über die konkrete Ausgestaltung des gesellschaftlichen Lebens in Indien und die Ausgestaltung der Wirtschaft im “Schwellenland”, aber Kapitalismus und Hinduismus kann ich mir prima vorstellen. Es ist wie es schon immer war: Der eine hält sie dumm, der andere hält sie arm. Dass der Kapitalismus, zumal in seiner neoliberalen Ausprägung, selbst religiöse Züge trägt, ist kein Zufall. Ebenso wenig wie der Fanatismus, mit dem er der Welt seine Dogmen aufzwingt. Dabei macht er sich jede Religion zunutze, die er für seinen Herrschaftsanspruch gebrauchen kann. Auch das macht ihn so gefährlich.

 
Terroristen ignoriert

Es gibt sie noch, die “Autonomen” in der öffentlichen Wahrnehmung. Zwar haben wir noch nie etwas erfahren über deren politische Ansichten (außer dass sie “linksradikal” seien”), aber wenn wer vermummt zu einer Demo geht, noch besser: wenn er dann einen Stein wirft, ist er “autonom”. Selbst der “Duden” belehrt uns: “Angehörige einer politisch der Linken zuzuordnenden, nach eigenem Selbstverständnis aber keiner Ideologie verpflichteten Gruppierung, die Staat und Gesellschaftssystem ablehnt und mit Gewaltaktionen bekämpft” seien diese Autonomen.

Lange nichts gehört von denen? In Hessen ist das Kalkül, denn das Ministerium für Wahrheit, die Presseabteilung der demokratischen Schutztruppen, hat systematisch Nachrichten unterdrückt, die Aktivitäten der Autonomen betreffen. Jetzt wurde ein Polizist verletzt, die Aktion war vielleicht auch einfach nicht zu übersehen, dann wird die freie Presse® auch mit entsprechenden Texten versorgt. Das alles dient der demokratischen Gewährleistung von Sicherheit und Ordnung, weshalb die freie Presse® sich an entsprechende Vorgaben halten wird.

Und morgen ganz Europa

Ein europaweites Netz von Gauleitern hätte der Minister für Schuldenbremsen und Rettungsschirmchen gern. Wolfgang Schäuble ist zuletzt mit der Idee eines Protektorats Griechenland vorläufig gescheitert, was ihm aber nur Ansporn ist. Gleiches Recht für alle soll künftig gelten, am gleichesten ist natürlich der Exportweltmeister, der die Regeln für die Bremsschirme und deren Nutzung zum Wohle aller Investoren vorlegt. Die Stabilitätstunion darf dann Abgesandte der heimischen Investmentbanken als Talkmaster in die Quasselbuden der Einzelstaaten entsenden. Der Euro ist gerettet.

Rettungsschirme, letzte Strohhalme

rettschirmRainer Hank schreibt für den Wirtschaftsteil der FAZ. Damit ist er bereits als Komiker qualifiziert, und er heizt uns mächtig ein: “Griechischer gehts nicht” meint er zum Tarifabschluss im Öffentlichen Dienst. Zwar steht noch nicht einmal fest, ob das nach hundert Jahren die erste Reallohnerhöhung ist, von der andere sagen, sie sei eher noch zu niedrig. Genie Hank aber weiß: Was man ausgibt, ist weg und wir können dann unsere Schulden nicht mehr bezahlen. Wer seine Mitarbeiter bezahlt, macht Party, und die ist schlecht:

Bei den Griechen ist das Ausgabenfest inzwischen zu Ende, hierzulande geht es munter weiter.”.

Austerität für alle wollen die neoliberalen Hanswurste, bei Rettungsschirmen, Schuldenbremsen, Sozialabbau und niedrigen Steuern. Das meinen die ernst. Davon sind sie überzeugt. Der Staat ist eine schwäbische Hausfrau auf Diät. Die Erde ist eine Scheibe. Wir leben über unsere Verhältnisse.
Dafür gibt es leider keinen Link.

Schweizgeruch

Während Hessen seine Steuerfahnder psychiatrisiert, werden die aus Nordrhein-Westfalen gleich per Haftbefehl gesucht, nämlich von der Schweiz. Die Eidgenossen lehnen sich damit weit aus dem Fenster, und man fragt sich, ob sie damit nicht den Bündnisfall ausgelöst haben. Vielleicht ist es ihnen ja entgangen, aber seit sie unseren Weltkrieg nicht mehr finanzieren, gibt es keinen stichhaltigen Grund mehr, dort nicht einzumarschieren. Die Arbeit der Beamten eines Staates zu kriminalisieren ist das Ende jeder Diplomatie und wurde in anderen Zeiten als eindeutige Kriegserklärung aufgefasst.

Nehmen wir’s aber doch mit Humor, den Handschuh auf und frieren den Sackgesichtern ihre Konten ein, fordern die Herausgabe sämtlicher illegal transferierter Mittel und behandeln die Förderung der Steuerhinterziehung durch die alpine Geldsackverschwörung aka “Schweiz” als das, was sie ist. Nageln wir ihnen die Tunnel zu und verabschieden die Finanziers der Mafias dieser Welt aus der Zivilisation. Sollen sie halt von Lochkäse leben und ihre Bergziegen … melken.

Bildquelle: alpha du centaure

Ich könnte mich auf unappetitliche Weise der kürzlich aufgenommenen Nahrung entledigen. Das geht mir inzwischen regelmäßig so, wenn die Verlautbarungen der gemeinsamen Propagandaabteilung von Aufsehern und Arbeitern über sog. “Tarifverhandlungen” publiziert werden. Mal zum Mitschreiben, ihr hohlen Früchte der Systempresse: Wenn in zwei Jahren die Löhne um je 3% angehoben werden, ist das (und hier ziehe ich dann ein bisschen am Ohrläppchen, nur bis es blutet, versteht sich) eine Lohnerhöhung um drei Prozent! Und zwar brutto. Nicht um sechs Prozent, es sei denn, ihr warnt bei der Gelegenheit auch vor einer Preissteigerung von sechs Prozent im nämlichen Zeitraum – wofür ihr von Mutti aber deftig was in die Goschn kriegtet. Wisst ihr ja auch.

Dass sogenannte “Arbeitgeber” Gefallen an derlei Lügenmikado finden, kann ich ja verstehen. Warum aber lässt sich die Arbeiterschaft von Clowns ‘vertreten’, die ihre eigene Klientel derart verkaspern? Umbenennen!

Tarifstreit

Grafik: ©Klaus Petereit

 
pirazIch bleibe ambivalent, und da ich ein “Optimist, der nachgedacht hat” bin, ebenso misstrauisch. Wenn ich höre, die Piraten seien “die neuen Liberalen”, wenn ich von einem Funktionär höre, die Partei habe “einen harten Markenkern” und Angelika Beer mir erklärt, was “piratisch” ist, dann singt hier das Martinshorn. Das ist dasselbe PR-Blabla mit erkennbaren Absichten, das wir schon von den anderen Seelenverkäufern der neoliberalen Flotte kennen, und es ist nicht zu übersehen, dass die Orangen auch deshalb mit Samthandschuhen angefasst werden. “Beliebigkeit” ist das Schlimmste, was die Etablierten ihnen vorwerfen. Der Vorwurf trifft ja auch zu, geht aber nach hinten los.

Denn die ihn erheben, sind nur in einem nicht beliebig: Im neoliberalen Markenkern eben, dem Mitmachen und Abnicken der Interessen jener, die ihnen die Lobbyisten schicken. Die ihnen die Gesetze vorformulieren. Die ihnen eingetrichtert haben, was “alternativlos” bedeutet. Beliebig wurde dadurch längst das Personal und die Wahl einer der etablierten Parteien. Man kriegt von allen dasselbe geliefert.

Das ist bei den Freibeutern anders. Sie sind eine Wundertüte, und jede Überraschung scheint willkommen. Selbst solche Wähler, die sich noch einreden lassen, die Linke sei böse kommunistisch, hoffen vielleicht auf ein bisschen Sozialismus ohne Linke. Hauptsache aber nicht die da, die einen doch alle belügen.

Hauptsache nicht die da

Sehr dumm ist inzwischen der Vorwurf, die Piraten hätten kein Programm. Das haben sie, auch wenn keiner da draußen das liest. Na und? Die anderen Parteien haben auch Programme, für die sich bedauerlicher Weise gerade deren Funktionäre nicht interessieren. Einsame Spitze in dieser Kunst ist seit eineinhalb Jahrhunderten die SPD.

Was nun das Programm anbetrifft, so ist da reichlich Holz zum Hacken. Schon das “Mehr Demokratie wagen” zum Auftakt bereitet Schmerzen, denn was da unter “Demokratie” firmiert, offenbart, dass es keine werden will. Wahlweise kann man auch feststellen, dass die Autoren und Parteimitglieder nicht wissen, was sie da sagen:

Die Piratenpartei Deutschland sieht Demokratie als die bestmögliche Herrschaftsform“.

Naja, schon stilistisch bescheiden, steht da, es gehe darum uns zu beherrschen. Demokratie wie ich sie verstehe, ist aber Beschränkung von Macht, Selbstorganisation, Primat der Politik. Es ist keine Petitesse, wenn hier von vornherein von “Herrschaft” die Rede ist. Noch “mehr” von solcher “Demokratie” brauche ich wahrlich nicht.

Herrschaftszeiten

Mit dem Problem befasst sich das Programm aber nicht lange und setzt zu einem großen Wünschdirwas an, das mich nicht erkennen lässt, wie etwa sozial-, finanz- oder außenpolitische Schwerpunkte sich gestalten werden. Es ist auch nicht erkennbar, wie überhaupt Programmatisches umgesetzt werden soll. Das Personal ist nicht bloß unbekannt, sondern dessen Anbindung ans Programm bzw. die Haltung zu Fragen, die im Programm offen bleiben, sind nicht prognostizierbar. Dies ist keine gute Basis für Eigenständigkeit und gegen Korrumpierbarkeit.

Nur zwei Bereiche werden scharf umrissen, nämlich das Bekenntnis zur Informationsfreiheit und die Forderung nach Transparenz. Vor allem letztere ist ein Ansatz, der sehr wirksam sein könnte und äußerst förderungswürdig. Das Dumme ist nur, dass ich keine Strategien dahinter erkennen kann. Wie will man auch nur die Parlamente und Regierungen selbst zu mehr Transparenz bewegen? “Bitte bitte” sagen? Geheime Akten veröffentlichen? Oder glauben sie im Ernst, ihnen und ihren Wählern zuliebe würde künftig mit offenen Karten gespielt?

Tatsächlich werden sie nur dann etwas bewegen können, wenn sie realistisch sind und eine klare Aussage machen dahingehend, dass sie gar nicht regieren wollen, weil keine Regierung, kein Parlament der Republik sich auf solche Forderungen einlassen wird. Ein echter Anlass sie zu wählen wäre für mich, wenn als Ziel der Fahrt ausgegeben würde: „Wir machen Deutschland unregierbar“. Aber wem “Herrschaft” so am Herzen liegt, der wird wohl lieber auch herrschen. Und teilen.

Ich bin dieser Tage viel unterwegs und poste daher zwischendurch auch nur Angebissenes. Leider habe ich gerade nicht einmal die Zeit, mir Georg Schramms Rede anlässlich der Verleihung eines weiteren Preises anzuschauen. (Es ist der Erich-Fromm-Preis, zu dem ich auch nicht viel sagen kann; wer da ausgezeichnet wurde, in der Jury sitzt etc.. Zu Fromm selber habe ich ein eher ambivalentes Verhältnis).

Der Satz, an dem ich eben anhielt, lautet : “Ohne Unterhaltungswert hört mir keiner zu”. Das ist für einen Pausenclown wie mich von ganz entscheidender Bedeutung und gehört zum Handwerk genau so wie die Analyse oder das Hintergrundwissen. Dass bestimmte Inhalte noch aufgenommen und alternative Blickwinkel versucht werden, ist von der Wahl einer ansprechenden Form abhängig. Die zu finden ist oft recht schwierig, spätestens wenn der Zorn einen übermannen will.

Ich will keine Hitlervergleiche anstellen und mich auch nicht mit Herrn Schramm in einer Liga wähnen, aber es erschreckt mich beizeiten, dass ich in einer Art thematischem Parallelflug zu ihm vor mich hin reflektiere. Dieser Schreck ist nicht zuletzt der einer Hoffnung, die ich mir selbst nicht glaube: Gibt es womöglich eine Objektivität des Widerstands, des Zorns, der Ohnmacht? Und wenn es so etwas gibt, warum tangiert sie offenbar nur eine winzige Minderheit? Eine Ahnung bekam ich heute, als ich hörte “wir” in unserer Einrichtung der Kinder-und Jugendhilfe könnten uns ja nicht beschweren, wir würden ja ausgelacht, weil die Kolleginnen woanders noch viel schlechter bezahlt würden. Gegen den verinnerlichten Wettbewerb hilft auch der heilige Zorn nicht weiter.

Armageddon auf dem Parkett

Was ich aber eigentlich feststellen wollte, ist etwas Inhaltliches: Ich habe einen Artikel im Vorlauf, der bislang nur eine Überschrift trägt, nämlich “Die Juden von Goldman Sachs”. Rechte Superhirne machen bisweilen in Kommentaren darauf aufmerksam, dass die nämlich die Welt regieren und wir das doch endlich erkennen sollten.

Schramm setzt bei den Evangelikalen an und fokussiert aufs Armageddon, ich setze bei den Juden an und fokussiere auf eine Welterwerbsgesellschaft, in der sich alle einig sind, worin auch das Resultat besteht: Juden, Christen, Muslime, nach meinem rudimentären Kenntnisstand auch Hindus, sie pflegen alle eine sehr ähnliche Auslegung ihrer ‘Religionen’, wenn es um Herrschaft und Profit geht. Ich werde das in Kürze näher ausführen. Aber vielleicht hat der Preisträger ja schon alles dazu gesagt.

Und doch schon wieder zu viel geschwätzt, hört euch die Rede an, von Schramm gibt es immer wieder was auf die Ohren, das die Zeit wert ist.

Der Eimer ist schon voll. Der christliberale Schlossbesetzer Gaucko Antimarx war also “im Land der Freiheit”, als das Polen zu gelten hätte. Als Deutscher lehnt man sich zwar weit aus dem Fenster, wenn man dezent darauf aufmerksam macht, dass die reibungslose Vernichtungsmaschine in WWII auch in Polen auf Kollaborateure angewiesen war. Ich würde mir die Bemerkung auch bei jeder anderen Gelegenheit klemmen, aber ich erkläre mich für ‘unverdächtig’ und stelle fest, dass Pauschalisierungen dieser Art nur die eigene Vergessenheit zum Ziel haben, wenn sie gönnerhaft anderen ins Geschichtsbewusstsein pfuschen.

Denn: Spätestens der böse Kommunismus in Polen kam nicht wirklich ohne die emsige Mitarbeit der Bevölkerung aus. Die sind jetzt aber alle Freiheitskämpfer, weil es gerade ins Kalkül passt. Dabei ist das, was Katholizismus und Pseudokommunismus aus dem Nachbarland gemacht haben, alles andere als bewundernswert. Das hat mit Freiheit so viel zu tun wie Mitmarschieren eben jederzeit und überall.
Was soll’s, es ist die Zeit der neuen liberalen Wahrheiten: Freiheit ist Verantwortung. Verantwortung ist Mitmachen. Mitmachen ist Pflicht. Pflicht ist Freiheit.
Krieg ist Frieden.

 
flattroffSo, dass der Kollege Burks auch in den Sack gehauen hat, ist ein guter Anlass, das Experiment “flattr” für gescheitert zu erklären. Da die Heinis es nicht hingekriegt haben, außer PillePalle und dem toten Pferd Skrill etwas einzurichten, mit dem man an seine Kohle kommt, aber alle fein die Hand aufhalten, um mitzukassieren, schalte ich das jetzt ab. Wer mir noch einen letzten Gruß flattrn möchte, sei hiermit aufgerufen, das zu tun. Danach ziehe ich den Stecker.

Das kostet mich knapp 30 Euro im Monat, die auf dem Wege noch zu mir fanden, aber wie schon PillePalle selber bin ich deren Peripherie jetzt eben leid. Es gibt auch Geld, das keinen Spaß macht. Ich finde das ehrlich gesagt sehr schade, denn grundsätzlich finde ich die Idee des Micropayments gut. Die Flattrer haben es nur verkackt. Anstatt sich als Finanzservice um das Einfachste und Naheliegendste zu kümmern, nämlich eine Auszahlung über ganz normale Konten zu ermöglichen, ändern sie lieber alle zwei Wochen die Benutzeroberfläche. Das geht mir tierisch auf die Murmeln. Ach ja, und die Gebühren sind insgesamt auch recht unverschämt. Das wusste ich zwar vorher, aber da dachte ich noch, es gäbe eine Gegenleistung.

Lampenputzerei

Vielleicht bin ich ein bornierter Gutmensch, aber ich habe schon nicht verstanden, wie ignorant sonst ach so politisch engagierte Kollegen mit den Machenschaften von PayPal verfahren sind. “Da kann man nichts machen” oder “es gibt halt nur PayPal” sind so ‘Argumente’. Herr Godwin bitte auf die Brücke, die Alternativlosen brauchen ein Beispiel. Aber was rede ich, ich habe ja nicht mal eine Facebook – Akte.

Tja, und wenn etwas wirklich schlecht ist – wie eben flattr – und man bleibt dabei, weil es eben doch ein paar Euros abwirft, dann muss man eigentlich die Klappe halten, wenn es ans sich Beschweren geht über Zustände, die einem nicht passen. Alles andere ist Lampenputzerei.
Bei der Gelegenheit wieder einmal ein Dankeschön an die Spender und der Hinweis auf “da Button” in der Sidebar für Menschen, die sich damit auch gern angesprochen fühlen würden. Auch im Jahr 2012 und im www. ist die althergebrachte Banküberweisung noch immer das Mittel der Wahl. Alle anderen wollen noch mehr für noch weniger. Woran mag das bloß liegen?

[update]: Nein, wie geil! Eben schrub mir ein Cleverle, nur durch diese Services würde ich doch überhaupt etwas “verdienen”. Das glauben die echt: Ich tipper mir hier die Finger wund und nette Mitmenschen geben mir etwas dafür, bloß weil es Banken gibt. Überhaupt arbeiten wir alle nur für Geld und Kontostände. Es nützt ja nix (und tut nicht einmal weh), solche Hirne mit Zahnstochern zu spicken, aber manchmal sehe ich schon so einen Partyigel vor meinem geistigen Auge.

»Auf seinem Planeten sind die Leute Menschen. Die Anführer sind Eidechsen. Die Menschen hassen die Eidechsen und die Eidechsen regieren sie. [...]
Sie haben alle das Wahlrecht und so nehmen sie schlichtweg an, dass die Regierung, die sie gewählt haben, mehr oder weniger der Regierung nahekommt, die sie sich wünschen.«
»Du meinst, sie wählen tatsächlich die Eidechsen?«
»Aber ja«, sagte Ford achselzuckend, »natürlich«
»Aber«, sagte Arthur und stürzte von neuem auf die Kernfrage los, »warum?«
»Weil, wenn sie keine Eidechse wählen würden«, sagte Ford, »käme vielleicht die falsche Eidechse ans Ruder.«

Douglas Adams

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