einszweiSigmar Gabriel weiß wie es geht: Mit großer Überzeugung Inhalte vermitteln, die man im Leben nicht umzusetzen gedenkt. Er könnte der Erfinder des selbstkritischen ‘Weiter so!’ sein oder der ‘Korrektur ohne Veränderung’. Nur ‘Überholen ohne einzuholen’ war schon vergeben, das hat er aber sicher auch drauf.

Während er in Berlin nicht schnell genug seiner Kanzlerin hinterher dackeln kann und die Träume der Lobbyisten wahr machen hilft, gibt er sich im Interview mit der FAZ und dem ‘Kollegen’ Hollande verbal frisch und kritisch:

“… da stelle ich fest, dass wir Fehleinschätzungen korrigiert und uns neu ausgerichtet haben. Wir haben uns in der Vergangenheit gelegentlich zu stark an den neoliberalen Theologen orientiert. Dreißig Jahre lang galt das neoliberale Dogma, in Europa und weltweit.;

Nein, wir sagen, dass eine ausschließlich auf Austerität ausgerichtet Politik Griechenland und anderen Krisenstaaten nur schadet.

Zustimmung als Opposition

Ach ja? Und wo waren die Vorschläge der SPD, wo die knallharte Opposition gegen Merkels gnadenlosen Kurs? Hat sich das womöglich in der Zustimmung zu all ihren Gesetzen niedergeschlagen und wir haben das nur nicht verstanden? Oder liegt die Erklärung hier:

In Deutschland war es so, dass wir Sozialdemokraten von Anfang an für umfassende Rettungsschirme plädiert haben“?

“Rettungsschirme” für Banken bei forcierten Schuldenbremsen, Billionen für die Finanzwirtschaft, während die Menschen verarmen – das ist ja nicht wirklich “Austerität”, so lange die Reichen auf die Solidarität der “Sozialdemokraten” zählen können. Oder wie? Und wie erklärt man plausibel, dass Steinbrück, Steinmeier und die Seeheimer weiterhin fröhlich ihre neoliberalen Thesen verbreiten und als Kanzlerkandidaten gehandelt werden? Ich sehe da nur eine Möglichkeit: Gabriel schwätzt, während die anderen machen. So geht SPD, ein Konzept von PR-Profis, das satte 30% Zustimmung ermöglicht, obwohl es ohne Inhalt daherkommt. Rettungsschirme als “demokratischer Sozialismus”. Hut ab; wer bei solchen Lügen nicht erwischt wird, hat es zu wahrer Meisterschaft gebracht.

Die anderen demokratischen Sozialisten kann der Meister allerdings gar nicht leiden und wirft ihnen zeternd ihre Existenz vor: Lafontaine “habe es nun geschafft, zum dritten Mal in Folge einen CDU-Regierungschef ins Amt zu bringen“. Das macht Lafontaine, indem er der SPD eine Koalition anbietet, die von dieser abgelehnt wird. Raffiniert. So raffiniert, dass auch Cem Özdemir sich darüber erregt. Gäbe es die Linke nicht, bekämen ja SPD und Grüne deren Stimmen und könnten regieren. Ja sicher! Die Meister der kognitiven Dissonanz waren noch nie welche der Logik. Aber die ist bekanntlich auch verzichtbar in der Politik.

Tod einer Gurkentruppe

Ganz anders die FDP, eine Gurkentruppe, ein Verein von Versagern, der keinen Plan mehr hat, wie man Menschen vereimert. Das dürfte ihr Ende sein. Der angehende Generalsekretär der ein-Prozent-Partei, Patrick Döring, hat herausgestellt, was für ihn liberal ist: Die Meinungsäußerung “im Internet” müsse mit Klarnamen dokumentiert werden, während die Transparenz der Parteien eingeschränkt gehöre. Wer sich öffentlich äußert, muss zur Rechenschaft gezogen werden können. Wer eine Funktion innehat, genießt Immunität. Der Bürger von heute ist demnach Untertan oder Funktionär, Elite oder Betriebseigener, Chef oder Arschloch. Das ist nicht neu und nicht überraschend, beruhigender Weise aber als Programm wenig erfolgreich.

Denn das hat sogar der schnarchige Michel erkannt, dass die FDP ihn so sieht. “Tyrannei der Masse” nennt Döring die Einmischung des Volkes in die Politik. Das ist wie ‘Diktatur des Proletariats’, und jetzt kommt es doch endlich heraus: Demokratie ist Kommunismus, hieß es doch auch “Deutsche Demokratische Republik”. Diese Demokraten gefährden die freiheitlich demokratische Grundordnung und gehören vom Verfassungsschutz beobachtet.
Tja, wer nicht einmal kapiert hat, dass ein bisschen Fassade dazugehört beim Herrschen, verliert das Spiel. Ihr seid raus. Schön, dass ihr auch gar nicht mehr rein wollt.

 
Ich weiß nicht, ob Simone Peter, die sich “Spitzenkandidatin der Grünen” im Saarland nannte, das Ritual nicht kapiert hat oder die Unterwürfigkeit schon so verinnerlicht hat, dass sie nicht einmal erkennt, wer ihre Herren sind. Als sie zum Ausgang der Wahl befragt wurde, fiel ihr folgendes ein: Zunächst gab sie sich besorgt über “stabile Verhältnisse”, die Heiko Maas am Herzen lägen. Der ist übrigens der SPD-Spitzenmann, der sich schon vor der Wahl der CDU zu Füßen geworfen hatte.

Ganz nebenbei haben sich die Grünen zuletzt in NRW mit der SPD in einer Minderheitsregierung begeben, womit der Nonsens von den “stabilen Verhältnissen” nicht bloß eine Worthülse ist, sondern sich unmittelbar gegen das ‘Machtstreben’ der Grünen richtet. Oops. Wobei man natürlich vorsichtig sein muss mit dem Wort von der “Macht”. Nicht bloß ist die vielleicht gar nicht zu Hause in einer Landesregierung; wenn man sich an den Kotau von Sylvia Löhrmann vor Hannelore Kraft erinnert, war das auch keine gar so eindrucksvolle Machtdemonstration.

Kommunisten gestern und heute

Das einzige, was sich inzwischen wie ein roter Faden durch das Gewese der grünen Bücklinge vor den “Sozialdemokraten” zieht, ist das Linken-Bashing. Frau Peter ist vermutlich so ungebildet, dass sie nichts weiß von der sehr jungen Geschichte ihrer Partei. Dass die Grünen genau so gemobbt und als “Kommunisten” gebrandmarkt worden sind wie heute die ‘Linke’. Oder dass die Grünen selbst einmal ausdrücklich links sein wollten. Vielleicht muss man die ganze Partei inzwischen als eine von Konvertiten betrachten.

Simone Peter sagte schließlich wörtlich:
Die Partei die Linke kann nicht verantwortungsvoll haushalten, wir haben in den letzten zwei Jahren eine Schuldenbremse mitgetragen …

Chapeau, Applaus, ganz fulminant! Und jetzt? Was hat es die Grünen zu interessieren, wie ein Steigbügelhalter der CDU “Stabilität” definiert? Was interessiert es Wähler der Grünen, ob eine andere Partei “haushalten” kann, die noch nie regiert hat? Was soll das?

Opposition zum Fürchten?

Und als sei das noch nicht genug der bizarren Komik, versucht sich diese politische Geheimwaffe dann noch mit einem Abnicken des infantilen Vehikels der Schuldenbremse zu profilieren. Ich wette, sie glaubt wirklich, Schulden ließen sich bremsen, und zwar per Gesetz. Dass das eine tolle Sache ist und die Rettung für uns alle. Und die Grünen haben mitgemacht! Headache!

Ich finde diesen Einzelbeitrag deshalb erwähnenswert, weil er die Würde der Veranstaltung auf den Punkt bringt. Ernsthaft: Es ärgert mich zutiefst, dass jeder, der noch bis zwei zählen kann, über unsere politische ‘Elite’ nur noch lachen kann.

Erwähnenswert ist ansonsten noch, dass der Vertreter der Piratenpartei ganze zehn Sekunden bekam, um sich äußern zu dürfen. Das Establishment hat offenbar nackte Angst vor denen, und ich hoffe, dass die Piraten etwas daraus machen. Am besten offen und prägnant formulieren, was ihnen da begegnet. Eine schlimmere Opposition könnte es gar nicht geben.

Allein Deutschland hat bislang etwa 36 Milliarden Euro in das Wohlergehen der Afghanen investiert. Einige danken es uns, indem sie in die europäischen Sozialsysteme einwandern®. Aufgrund der demogeographischen Lage führt ihr Weg häufig über Griechenland, wo wir derzeit äußerst wenig Verständnis aufbringen für die Anspruchshaltung® von Wirtschaftsflüchtlingen. Da wundern sie sich darüber, dass sie eher von privaten Organisationen der Volkshygiene betreut werden als dass sie Hilfe von der Polizei erwarten dürfen. Die Hoffnung auf letztere belegt im übrigen eine grobe Unkenntnis der europäischen Kultur und damit wiederum bereits einen erkennbaren Unwillen zur Integration. Das wird man doch wohl einmal sagen dürfen.

Heute Morgen in WDR 2 wurde mal wieder ein “Terrorexperte” vorgestellt, ein “ARD-Terrorexperte” gar. Nun frage ich mich schon seit geraumer Zeit, wie viele Bomben einer erfolgreich gelegt und gezündet haben muss, wen und wie viele er bereits in Angst und Schrecken versetzt haben sollte, um sich so nennen zu dürfen. Oder reicht es aus, einen fürwahr horriblen mentalen Rachengammel spazieren zu tragen wie der (Ex-?) Terrorexperte Udo Ulfkotte, der ansonsten nur als fanatischer Feind des Muslimischen aufgefallen ist?

Und was hatte also der Experte für Anschläge und Großalarm Erhellendes zu berichten?
Die große Frage“, so meinte er, sei ob der Täter “sich selbst radikalisiert” habe oder von anderen oder durch das Internet “radikalisiert worden” sei. Wobei ich schon nicht verstanden habe, ob das Internet jetzt ‘selbst’ oder ‘fremd’ ist. Oder vielleicht auch das Böse selbst.

Meine Herren, welch ein Experte! Natürlich hat so einer es nicht nötig, seine Frage halbwegs von Anzeichen übelster Sprachverlotterung freizuhalten und etwa den Kern der “großen Frage” einer intellektuellen Prüfung zu unterziehen, indem er den Begriff “Radikalisieren” erläutert. Wenigstens sich selbst. Wie man also an die Wurzel geht, an welche und was das dann bedeutet.

Ein Virus aus dem Internet?

Sich selbst verwurzeln? Sich verwurzeln lassen? Durchs Internet? Interessante Vorstellung. Aber gut, ich weiß ja: Der Mann hat keine Ahnung, was er sagt, aber man hat eine Ahnung, was er meint. Er meint, dass da einer eben böse wird, terrorböse. Und nun fragt er, ob er das also aus sich selbst heraus geschafft hat oder von anderen infiziert wurde. Beides recht rührende Vorstellungen, zumal das “Selbst” ja immer von Informationen abhängt, die es nicht selbst erschafft.

Was aber steckt hinter der Vorstellung, jemand könnte durch Lektüre und Informationen zur Zerstörung der Gesellschaft motiviert werden, in der er lebt? Vor allem: Was hilft dagegen?
Es dürfte häufig so sein, dass Menschen nicht mehr glauben, was ihnen gesagt wird. Dass sie all die staatstragenden und systemkompatiblen Informationen zurückweisen, woanders andere Lehren aufnehmen und diese ggf. in eine wütende Tat umsetzen. Würde man denen Informationen bieten, die verständlich sind, plausibel erscheinen, Zusammenhänge erläutern und sich propagandistischer Rhetorik enthalten, dann könnte man wohl viele der Menschen erreichen, die sich heute radikal abwenden in der Gewissheit, dass sie doch nur belogen werden.

Und nun ist die große Frage die, welchen Beitrag der Herr Terrorexperte dazu wohl geleistet hat?

 
wettEin Vehikel des Neusprechs, das dringend zum Gegenstand nachhaltiger Kritik werden muss, ist der sogenannte “Wettbewerb”. Er klingt nett, erinnert an “Wettrennen” und lässt sich gern mit Begriffen wie “fair” in Verbindung bringen, womit er einer der Kernforderungen neoliberaler Konzepte folgt: Es sei ausschließlich positiv über kapitalistisches Wirtschaften zu sprechen. Zuvor war häufig noch die Rede von “Konkurrenz”, die “hart” und “brutal” sein kann und deutlich macht, dass es Verlierer gibt, die ausscheiden.

Einerseits “internationale”, “globale” Bedrohung, ist er aber “Anreiz”, Ansporn zu bestmöglicher “Leistung” im “Vergleich”, dem ‘wir’ standhalten müssen – was ‘uns’ immer wieder gelingt, als “Exportweltmeister”. Das ist wie im Fußball. Resultat solcher Konkurrenz ist das Gute für alle: “Aufschwung”, “Wohlstand”, “Wachstum”.
Hört man regelmäßig vom “Ausschalten”, “Vernichten”, “Zerstören” der Konkurrenz und der gemeinsamen Ressourcen? Von “kontraproduktiver Konkurrenz” etwa, “Ungerechtigkeit”, “Ausbeutung” und “unmenschlicher Atmosphäre”, von “asozialem Kapitalismus”?

Soziopathen am Werk

Wie im wahrsten Sinne irre das Verhalten derer sich gestaltet, die im Zentrum ökonomischer Konkurrenz ihre Soziopathien ausleben, das zeigt eine aktuelle Studie. Dass gnadenlose Konkurrenz einer Gesellschaft nicht dienlich sein kann, wissen diejenigen schon lange, die noch selbst denken dürfen. Dass aber offenbar nicht einmal mehr der eigene Vorteil im Vordergrund steht, sondern im Zweifelsfall zuerst der Nachteil der anderen, ist eine Erkenntnis, die Bände spricht. Zudem erweist sich diese Strategie nicht als erfolgreich, wird aber dennoch befolgt. Kein Wunder, dass diese Deppen dauernd Steuergelder brauchen, um ihre Spielchen zu finanzieren.

Selbst freie Verhandlungen zwischen Profiteuren und Zuträgern stellen in dieser Welt ein Hindernis dar, das überwunden sein will. Wo man die Gewerkschaften also noch nicht gänzlich zur Interessenvertretung der Arbeitgeber umgepolt hat, die ständig für Lohnsenkungen kämpfen, weht ein noch rauherer Wind. Am liebsten würde man Arbeitnehmerrechte ganz abschaffen. Dazu ist nicht nur die ‘Gesetzgebung’ aus der Feder des VW-Managers Hartz hoch willkommen, mit der man Arbeitslose in prekäre Arbeitsverhältnisse treibt. Da ist auch jede Methode recht, Arbeitnehmervertretungen zu korrumpieren und zu zerschlagen. Am besten noch ehe sie entstehen. Das müssen wir uns einmal genauer anschauen: Wie sollen wir im globalen Wettbewerb bestehen, wenn wir Gewerkschaften zulassen?

Bis alles in Scherben fällt?

Eine Basis, auf der die Verklärung dieser Zustände zum Paradies ‘soziale Marktwirtschaft’ beruht, sind das semantische ‘Zuckerbrot und Peitsche’ der Ideologie: “Vollbeschäftigung” vs. “Arbeitsplatzvernichtung”. Wenn eine Kette wie Schlecker pleite geht, wird so getan, als sei diesem grandiosen “Arbeitgeber” eine Träne nachzuweinen. Wenn die Machenschaften von Lidl immer wieder Thema sind, sagt niemand: “macht den Laden dicht!”, denn dass hieße ja – Schock, Horror, Schreck – dass Arbeitsplätze verschwinden.

Welch ein Unsinn! Was verkauft wird, deckt einen Bedarf (und sei es ein künstlich geschaffener). Wer glaubt, dass die Menschen Waren kaufen, bloß weil die billig sind? Der erlogene “Wettbewerb” fußt auf solchen Nonsensargumenten, um die Löhne zu drücken, damit die Gewinne höher ausfallen. Dieser Weg, auch das ist kein Geheimnis, führt zur Verarmung der Massen, zur Austrocknung der Binnenmärkte, zu volkswirtschaftlichem Schaden, zur Monopolisierung, weil nur noch wenige Großunternehmen in diesem Klima bestehen können. Eine brutale dumme Verdrängung und Vernichtung wirtschaftlicher Vielfalt. Das ist der Wettbewerb®

Wir müssen nicht wieder warten, bis alles in Scherben fällt. Wir können uns heute mit dieser brutalen Ideologie, ihren Urhebern und den Folgen auseinandersetzen. Die Propaganda eines Systems, das Menschen verachtet und als Material zur Gewinnerzielung betrachtet, kann man schon aktuell einem gerechten Urteil zuführen. Ich plädiere daher für eine umfassende Gegenwartsbewältigung.

 
merkddrSie haben es “Demokratie” genannt und waren der Meinung, wenn man dem Volk nur lange genug eintrichterte, es selbst sei der Souverän und nicht die herrschende Oberschicht, Politik sei etwas anderes als korrupte Machtausübung, dann würde es das schon irgendwann glauben. Damit hatten sie nicht einmal ganz unrecht. Die Mehrheit hat sich schon immer irgendwie eingerichtet, solange sie nicht hungern musste.

Dazu gehört auch schon immer das Nachplappern der systemtragenden Reklame, die auf Plakaten, in den Medien und von den sogenannten “Volksvertretern” im Sinne der Herrschenden wieder und wieder aufgelegt wird. Mehr noch: Wer sich offen dagegen stellt, die so nachhaltig eingeübten Slogans als dumme Propaganda abtut, wird nicht ernst genommen, denunziert, ausgegrenzt. Eine “Freiheit der anderen” findet nicht statt. Wo sie sich eindeutig gegen das bestehende System richtet, wird bespitzelt und kriminalisiert.

Systemkritik wird nicht geduldet

Die Parteienlandschaft, ein Witz. Eine Handvoll Parteien in den sogenannten “Parlamenten”, die aber alle dieselbe Weltsicht verbreiten. Von ihnen kommt niemals grundlegende Kritik, die sich auch nur gegen die ewig gleichen Parolen wendet. Von ihnen kommt überhaupt gar nichts Substanzielles, nur die Verwaltung des Status quo, das Abwehren echter Veränderungen, die schiere Reaktion.

Und wenn es doch mal einer wagt, sich gegen die Programmierung der Parteispitze, der Einheitsfront und der Staatsführung zu stellen, wird er entweder ausgespuckt oder als Feigenblatt verwendet für eine Freiheit, die es nicht gibt. Es ist dann eine ‘Kritik’, die im Rahmen der Ordnung geduldet wird, weil sie nichts ändert. Innen-wie außenpolitisch werden nur die ‘Wahrheiten’ des Systems zugelassen, zu denen auch eine blinde Treue zum großen ‘Bündnispartner’ gehört, dem jedes Verbrechen noch als Wohltat ausgelegt wird, als ‘Notwendigkeit”. Und das nennt sich dann “Deutsche Demokratische Republik”!

Nichts als Zustimmung

Wieso kam eigentlich bis heute niemand auf die Idee, aus der Erfahrung der DDR zu schließen, dass Demokratie etwas ist, das entschieden zu bekämpfen wäre? Schließlich hieß der Staat nicht “Deutsche Sozialistische Republik”, und es gab nicht einmal eine “Kommunistische” Partei. Und wenn es denn die oben aufgeführten Aspekte gesellschaftlicher Wirklichkeit waren, die entschieden antidemokratisch sind, warum werden dann nicht dieselben Maßstäbe an die BRD angelegt? Bis zum letzten Satz im zweiten Absatz hat doch jeder gedacht, von der wäre die Rede.

Ebenso wie ja die neulich zitierte Passage aus dem ‘kommunistischen Manifest’ klingt, als beschriebe sie aktuelle Zustände. Gibt es überhaupt noch Kategorien, in denen der politische Diskurs erfasst werden kann oder gilt tatsächlich nur noch die Bestätigung der gegebenen Verhältnisse? Haben wir überhaupt noch die Sprache, in der wir etwas anderes formulieren können als Zustimmung ?

Der herrschende Antikommunismus, der ja nicht bloß ein solcher ist, sondern der Kampf gegen jede fundierte Kritik am Kapitalismus, entblößt ein stilles Einvernehmen mit den Funktionären der DDR und ihrer Ignoranz. Das erklärt auch, warum die so nahtlos weiter Karriere machen konnten, wenn sie bloß dem “Sozialismus” abschworen. Es ist das Verständnis von “Demokratie” als Herrschaft einer Elite, die sich Zustimmung verschafft. Letzteres besorgt sie in einem Ritual, bei dem gar nicht vorgesehen ist, dass die ‘Eliten’ abgelöst werden. Es ist die Simulation einer “Demokratie”, in der das wichtigste politische Element fehlt: Die Alternative.

 
Der Liberalismus leitet das Privateigentum aus dem Selbstbestimmungsrecht des Menschen und aus dem Naturrecht auf Selbsteigentum des Menschen an Leib und Leben sowie an den Früchten seiner Arbeit ab. Legitimationsgrund des privaten Eigentums ist also vor allem die persönliche Leistung.

Bundesministerium der Finanzen.

Dieser ungefilterte Unfug steht wortgleich im “Lexikon” der INSM. Ich habe diesen Satz bereits vor einigen Jahren kommentiert, als er noch nicht offizielle Doktrin war.. Die Quelle wird ebenso wenig genannt wie der Preis, den die neoliberale Lobby für die Übernahme des Ministeriums gezahlt hat.

Dank an R@iner.

 
Ihr entsetzt euch darüber, dass wir das Privateigentum aufheben wollen. Aber in eurer bestehenden Gesellschaft ist das Privateigentum für neun Zehntel ihrer Mitglieder aufgehoben, es existiert gerade dadurch, dass es für neun Zehntel nicht existiert. Ihr werft uns also vor, dass wir ein Eigentum aufheben wollen, welches die Eigentumslosigkeit der ungeheuren Mehrzahl der Gesellschaft als notwendige Bedingung voraussetzt.

Man hat eingewendet, mit der Aufhebung des Privateigentums werde alle Tätigkeit aufhören, und eine allgemeine Faulheit einreißen.

Hiernach müsste die bürgerliche Gesellschaft längst an der Trägheit zugrunde gegangen sein; denn die in ihr arbeiten, erwerben nicht, und die in ihr erwerben, arbeiten nicht.

Manifest der Kommunistischen Partei”, 1848

kinako

Die Gutmenschen machen einem das Leben zur Hölle. An jeder Ecke stehen sie und lamentieren, lichterketteln oder helfen wehrlosen Rentnerinnen über die Straße, ohne sich lange zu erkundigen, ob die überhaupt dorthin wollen. Sämtliche Medien halten sie fest im Würgegriff ihrer political Correctness und schreiben uns allen minutiös vor, was wir tun, sagen und denken dürfen.

Ewig liegen sie uns in den Ohren mit der angeblich grassierenden Armut, wobei “Kinderarmut” natürlich am besten wirkt, ein klassisches Affektthema, das sich wunderbar bebildern lässt. Kleine Menschlein mit tellergroßen Augen und dem sprichwörtlichen Hunger im Blick – wobei sie vermutlich gerade um die dritte Tafel Schokolade betteln. Dabei ist hierzulande wie in vielen anderen entwickelten Staaten das Problem völlig hausgemacht.

Den Standort sichern

Die überbordende Bürokratie, mit der sie sich stets im Bunde wissen, beschert uns ja nicht bloß die furchtbarsten Standortnachteile im internationalen Wettbewerb, sie wirkt sich auch unmittelbar unsozial aus auf das Leben derer, die angeblich Not leiden und schon als “arm” gelten, wenn sie sich nicht alle paar Wochen eine neue Waschmaschine leisten können [via Klaus Baum].

Dabei könnte das Problem sehr einfach gelöst werden, wenn der wirtschaftliche Nachteil “Kind” als Ressource genutzt würde anstatt den Nachwuchs zur Belastung werden zu lassen. In den Schwellenländern wird ganz selbstverständlich so verfahren, und es ist ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis wir endlich einsehen, dass wir uns solche Nachteile gar nicht leisten können, wenn der Standort Deutschland bei fortschreitender Globalisierung bestehen will.

Wer Kinderarbeit verbietet, nimmt Kinderarmut bewusst in Kauf. Jeder, der ökonomische Zusammenhänge ohne die Tabus einer linken Ideologie betrachtet, erkennt das als zwingend logisch. Es ist an der Zeit, dass die Bundesregierung handelt und endlich mutige Reformen einleitet, anstatt sich von der linken Meinungsindustrie am Nasenring führen zu lassen.

 
Von allen zynischen Vehikeln des Neusprechs ist das der “Vollbeschäftigung” eines der dümmsten. Es wird gern hervorgeholt, wenn inmitten der Trümmer einer Gesellschaft die Mittel der Sklavenwirtschaft forciert werden, um noch mehr für noch weniger zu realisieren. Die schiere Menge der Beschäftigungsverhältnisse wird der verschwiegenen sozialen Realität gegenüber gestellt und mit Zwangsapplaus vom Band schmackhaft gemacht. Propaganda ist in allen Systemen gleich ekelhaft, und das ist halt die für uns vorgesehene.

            sponbillig

Der methodische Nonsens beginnt schon damit, dass eine bestimmte Arbeitslosenquote – die immer noch Millionen umfasst – einfach zur “Vollbeschäftigung” erklärt wird. Heute sind es fünf, was dann schon bei sieben anfängt, weil sieben ja ungefähr fünf sind. Morgen können es auch zehn sein, was dann auch zwölf sein dürfen. Schon quantitativ ist das Willkür und Beliebigkeit. Von der Qualität der Arbeit mal ganz zu schweigen. Es ist so einfach: Wenn alle Arbeitslosen in Arbeitslager gesteckt würden und vielleicht eine symbolische Entschädigung bekämen, wäre das auch Vollbeschäftigung. Sogar echte. Es sagt nur nichts, absolut nichts über die Verhältnisse, in denen Lohnabhängige ihr Leben fristen.

Noch viel weniger sagt es über die Verteilungsmodalitäten. Wer wofür was und wieviel bekommt. Und es ist sicher wie das Amen in der Kirche, dass die Vollbeschäftigung, für die da die Trommel geschlagen wird, noch mehr Ungleichheit bringen wird, noch mehr Elend trotz Arbeit, noch höhere Gewinne und noch mehr Konkurrenzdruck.

Nichts davon ist wahr

Womit wir bei dem sind, wovon schon gar nicht die Rede ist: Dass nämlich die Magerkost, mit der sich deutsche Arbeiter abspeisen lassen, unmittelbar das Elend derer noch vergrößert, die in gleicher Währung teurer produzieren. Diejenigen, die früher von Teilen der neoliberalen Einheitsfront als “Brüder” und “Genossen” bezeichnet wurden. Die nicht einmal mehr unterbezahlte Jobs bekommen, weil diese postmodernen Sklaven nicht effizient genug arbeiten. Denen obendrein ihre Unterlegenheit durch sogenannte “Schuldenbremsen” noch zementiert wird, damit sie niemals aufholen. Dafür müssten sie nämlich investieren und neue Wege gehen. Das soll verhindert werden.

Ein Jammer, dass die FR auf das Niveau gesunken ist, auf dem solche Slogans zum Aufmacher taugen. Es wird ihr schaden. Womöglich ist auch das die Absicht eines Autors, der völlig unkritisch die abgedroschenen Stereotypen einer “Unternehmensberatung” übernimmt. Vermutlich zahlt sich das kurzfristig aus, wie das bei Korruption eben üblich ist.
Ich halte im übrigen dagegen. Wir stehen vor einem Desaster, das keineswegs vor Deutschland halt machen wird. Und wir werden das auch 2015 bereits merken. Die meisten von uns. Die Propagandisten natürlich nicht. Die werden weiterhin von blühenden Landschaften und der besten aller möglichen Welten künden.

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