Alles eine Frage der Perspektive. Okay, das war der Matussek, aber an der Brandstwiete sitzen nicht nur mehr die reaktionären Alpträumer unter sich, sie geifern jetzt auch noch in die Hand, die ihren Extremismus füttert. Könnte einem glatt egal sein, zehrte dieses Finkenblatt nicht von ganz anderer Substanz. So müssen wir noch ein paar Jahre warten, bis es sich endlich selbst erledigt haben wird.
2011
Fleischhauer: “Spiegel” ist linksextreme Postille
Posted by flatter under Journalismus[50] Comments
16. Jun 2011 9:43
„Deckel“ will Tepco jetzt auf die Reaktorgebäude ihrer geplatzten Atomkochtöpfe drücken. Das ist angesichts der inzwischen trotz alledem bekannten Zustände beinahe amüsant. Waren da nicht mal welche drauf? Die chicen Kästen hatten doch ursprünglich nicht nur Decken, sondern sogar richtige Wände. Das hat bloß nichts genützt, als die strahlende Suppe explodiert ist.
Die bildliche Vorstellung davon, wie jemand einen Deckel auf eine brodelnde Ruine setzt, ist eine passende Allegorie auf das durchschaubare Bestreben so zu tun, als sei irgendwer noch Herr der Lage. Die Kernschmelzen haben schon vor Wochen die Böden der Reaktorkammern durchgebraten, da ist ein Deckel natürlich das Mittel der Wahl. Überdies ist die Umgegend weiträumig auf Jahrtausende verseucht, und das Gros des strahlenden Giftes wurde ohnehin im Pazifik verklappt oder in der Stratosphäre entsorgt. Da kommen dann auch überall Deckel drauf. Sobald wir so weit sind.
Aber eins ist sicher
Überhaupt wurde ein Deckel nach dem anderen in den Dampf geworfen, seit diese Tragikomödie von den Leuten in den ulkigen Trainingsanzügen gespielt wird. Es ließ sich dennoch nicht ganz drunter halten, was nicht heraus kommen sollte: Information, Verantwortung, Wahrheit. Es habe keine Kernschmelze stattgefunden, hieß es zuerst. Dann war es eine begrenzte, vielleicht eine, dann doch wieder nicht, dann eine, zwei, drei.
Die Katastrophe wurde als beherrschter Unfall einer Kategorie drei vier fünf sechs verkauft. Ein irgendwie dreivier-größter anzunehmender Unfall. Ach nein, doch ein Super größter anzunehmender Unfall. Okay, wir geben es ja zu. Und jetzt schnell wieder den Deckel drauf.
Wenn morgen Godzylla höchstselbst der Jauche vor Fukushima entsteigt, werden sie ihm ein Mützchen stricken und der Bevölkerung sogleich mitteilen, es sei wie immer alles unter Kontrolle. Die Medien werden das berichten, die Mehrheit der Japaner und der Rest der Jünger einer sicheren Technik ihnen das glauben.
Das ist ja auch die Hauptsache, denn bei der Kernkraft wie an den Finanzmärkten ist Vertrauen das Wichtigste. Der unerschütterliche Glaube, dass sich alles stets zum Besten wendet, wenn der Mensch nur beharrlich nach dem Höchsten strebt: Der Rendite.

Während es überall brennt, von Jemen bis Syrien und von Ägypten bis Westsahara alles im Umbruch ist, bombt die NATO in Libyen einen Diktator in die Flucht. Man soll glauben, das habe nichts mit Öl zu tun. Womit aber dann? Der deutsche Außenminister, von dem man nicht weiß, was er sonst eigentlich für seinen Job hält, hat der militärischen Intervention zunächst nicht zugestimmt. Jetzt aber, nachdem deutlich wird, dass das Mandat der Durchsetzung eines Flugverbots weit überschritten wird, schreitet er eifrig zur Tat: Der Rebellenrat sei die “legitime Vertretung” des Volkes. Den will er also “anerkennen”.
Was hat das Volk zu sagen
Legitimiert wodurch? Durch eine große Klappe? Fette Waffen? Kriegsglück? Wer sind diese Leute überhaupt? Sicher weiß auch Westerwelle das nicht, genauso wenig wie er sich je Gedanken machte darüber, was ein Volk zu sagen hat, wenn ein solcher “Rat” zusammen findet. Hauptsache man hat wieder wen, der womöglich Macht ausüben kann. Und vielleicht Öl verkaufen?
Deutschland hat wie alle anderen im Westen Gaddafi aus der Hand gefressen, egal wieviel Terror er und seine Familie über andere gebracht haben. Selbst das haarsträubende Todesurteil gegen bulgarische Krankenschwestern oder die Privatfehde gegen die Schweiz haben nichts daran geändert, dass der Diktator als ‘legitim’ betrachtet wurde. Es wurde ihm dafür sogar ein AKW versprochen.
Was hat sich an der Legitimität dieses handelsüblich irren Diktators geändert? Was unterscheidet sein Regime von dem Assads oder dem von Hamad bin Isa Al Chalifa? Marschieren wir da jetzt überall ein? Oder gibt es bei denen keine legitimen Rebellen?
Narren und Trittbrettfahrer
Die Strategie ist ebenso durchschaubar wie die Absichten. Der billige Versuch Westerwelles, sich bei potentiellen Kriegsgewinnlern einzuschmeicheln, entspricht allerdings seiner Kompetenz in außenpolitischen Fragen. Nicht nur, dass er nichts aus dem Balkankrieg gelernt hat. Nicht nur, dass er sich mit solchen Winkelzügen möglicherweise bei den Verbündeten unbeliebt macht. Es ist auch alles andere als klar, wie das Rennen ausgeht. Selbst wer sicher zu sein glaubt, dass Gaddafis Zeit abgelaufen ist, kann kaum vorhersagen, wer ihm nachfolgt. Die “Legitimen”, die sich der Guy d’Eau da ausgesucht hat, können dann schon wieder Geschichte sein.
Sollen also fortan alle selbst ernannten Räte und Heerführer anerkannt werden? Womöglich solche, die zerstritten sind und gänzlich unterschiedliche Interessen verfolgen? Gibt es überhaupt irgendwelche Richtlinien dafür, was der Herr Außenminister als legitim betrachtet und was nicht?
Am Ende wird man sich darauf verlassen können, dass er diese Entscheidung ohnehin nicht trifft. Er ist der nützliche Tor, der solche Spielchen spielen und sich dabei die Finger verbrennen darf. Wenn dann ganz woanders alles entschieden worden ist, wird die Kanzlerin das zu ihrer ganz persönlichen Linie machen und ihren Hofnarren zurechtweisen. Die Frage stellt sich allerdings, wozu wir den dann überhaupt brauchen.
Wir haben alles unter Kontrolle, nur keine Aufregung. Zwar explodieren derzeit andauernd Sprengsätze in IKEA-Konsumtempeln und es sind auch schon Menschen zu Schaden gekommen, das ist aber keine größeren Schlagzeilen wert. Es ist wohl nur die Mafia oder ein handelsüblicher Erpresser? Die Gefahr für Unbeteiligte und der durch Bomben angerichtete Schaden waren vermutlich seit Jahren nicht hoch, dennoch springt keine Heimatschutzbehörde aus dem Helikopter und riegelt Europa ab. Sogar die Möbelmärkte haben noch auf.
Man stelle sich vor, die Ischlamischte hätten ein Bekennerschreiben hinterlassen oder wenigstens eine revolutionäre Zelle. Die Panik wäre entsetzlich, denn die dann anstehenden Hamsterkäufe angesichts des Ausbruchs von Armageddon trieben das verfolgte Volk ausgerechnet dorthin, wo es am gefährlichsten wäre: in die Kaufhäuser.
Einer von uns
“Burn warehouse, burn!” hieß es auch damals, als die Baader-Meinhof-Bande beinahe für eine Renaissance der Todesstrafe gesorgt hätte. Gar nicht auszudenken, fände man den roten Stern oder – das Ende der Welt! – ein Turban schmückte den Elch der schwedischen Dünnbrettbohrer-Gemeinde. Der Sturm auf den nächsten Atombunker wäre unvermeidlich.
Können wir uns das mal merken? Dass wir so gelassen umgehen können mit einer Gefahr, die eben so real ist wie unvermeidlich, die halt mal jemanden trifft, aber eben mit der angemessenen Unwahrscheinlichkeit? Das ist eine rhetorische Frage, richtig. Denn wir waren ja eben noch mit dem Zittern und Beten wegens tödlicher Gurken beschäftigt und haben uns vielleicht nur deshalb nicht in die Hosen gepisst, weil die schon voll und wir schon leer waren.
Andererseits ist es bemerkenswert, wie der Kapitalist die Gefahr sogleich herabstuft, wenn er das Treiben von Seinesgleichen erkennt. Da geht es scheinbar nur um Geld. Dass dabei Köpfe rollen und Bomben hochgehen, das kennt er. Beunruhigend ist schließlich nicht, dass etwas Schlimmes passiert. Beunruhigend ist, wenn es der Fremde verursacht, den wir nicht verstehen. Aus niederen Motiven hingegen, das geht in Ordnung. Das ist kein Terror. Das ist einer von uns.
Unsere Freiheit in Ouagadougou
Posted by flatter under Best of , Politik[9] Comments
11. Jun 2011 0:48
Erst geht es jetzt erst mal nach Tripolis, dem Libyer in den Arsch treten. Der Deutsche stellt sich da etwas sperrig an und ist nicht immer zufrieden damit, irgendwen zu erschießen, weshalb er noch immer den Ami vorschickt, der ihm dann konkrete Ziele vorgibt.
Das spart dann eigentlich auch Munition, was der NATO doch entgegenkommen sollte. Der Ami aber weiß: Kann man nicht genug von haben, dem enstprechend ist sein Schussverlauf wie beim Schlussverkauf: “Alles muss raus”, danach gibt’s neu. Neue Munition, neue Ziele und immer das eine: Freiheit! Freiheit von dem Feind, dem heidnischen. Jeder kann mitmachen.
Jeder? Im Prinzip ja. Der Heide muss, wenngleich selten so recht klar ist, ob als Ziel oder Schütze. Ziel muss er sein, Schütze kann er sein, wenn’s ein guter Hurensohn ist.
Vor dem Gefecht ist vor dem Geschäft
Der Christenmensch wiederum muss können, da wird jetzt differenziert. Wer sein Arbeitszeug in Ordnung hält und genügend davon vorhält, ist Vollmitglied, die anderen können zwar auch müssen, dürfen aber künftig nur, wenn sie auch können wollen. Der Rest geht in die zweite Liga. Wie bei Euro Nord und Euro Süd gibt es dann NATO Mord und NATO müd. Für alle gilt dann: Dabeisein ist alles, aber Mitreden darf nur, wer können kann. Das Nähere regelt der Commander in Chief.
Internationale Verantwortung übernehmen, für die Freiheit einstehen, die Handelswege sichern. Wer kann dazu schon nein sagen? Der Demokrat in Uniform weiß: Vor dem Gefecht ist vor dem Geschäft. Afghanistan war nur keine Übung, der Ernstfall kommt jetzt erst. Da machen wir mit, da müssen wir hin, das wollen wir auch. Wir sind nämlich nicht nur Papst, wir sind jetzt auch Freiheitsmedaille. Und das mit Recht, denn alles, was zugrunde geht, ist wert, dass das, was hier entsteht, auch stets an alle Fronten geht.
Denn bei aller Freundschaft zu grundgesetzwidrigen Angriffskriegen, bei denen Deutschland auch weiterhin gern symbolisch mitkämpfen wird, weiß auch der Freiheitsnobelpreisträger: Wenn die NATO bombt, muss die Bundeswehr nicht viel deutsches Kriegsmaterial mitbringen. Das haben wir längst voraus exportiert. Unsere Handelswege sind eurer Nachschub. Also Ball flach halten, Mr. President!
Von Schwarzfahrern und Weißwäschern
Posted by flatter under Politik[110] Comments
08. Jun 2011 14:26
Schwarzfahren ist ein Delikt. Im Jahr 2009 wurden 50000 Deutsche wegen “Erschleichung von Leistungen” verurteilt, während in demselben Zeitraum 10000 wegen Steuer-und Zollzuwiderhandlungen verurteilt wurden. (Ich beschränke mich auf Deutsche, da Ausländer bei Zollzuwiderhandlungen aus naheliegenden Gründen die Statistik verzerren).
Man mag zwar meinen, angesichts der zu erwarten höheren Zahl von Schwarzfahrern sei das normal, allerdings geht es hier nicht um alle, sondern nur um solche, die von einem Gericht verurteilt wurden. Es gibt fünf mal so viele verurteilte kriminelle Schwarzfahrer wie Schmuggler und Steuerhinterzieher in diesem Land. Das spricht schon für gewisse Prioritäten. Wenn man dann noch weiß, dass der gemeine Hinterzieher sich durch Selbstanzeige und Nachzahlung seiner einfachen Steuerschuld reinwaschen kann, wird klar, dass der Schwarzfahrer eben ein vergleichsweise besonders schändlicher Mensch sein muss.
Eine Frage der Klasse
Noch deutlicher wird das, was man “Klassenjustiz” zu nennen nicht umhin kommt, wenn man auf den Umgang mit Korruption schaut. Die Anzahl der Verurteilten bei den Delikten “Vorteilsannahme”, “Bestechlichkeit”, “Vorteilsgewährung”, “Bestechung” und “Bestechlichkeit und Bestechung in Besonders schweren Fällen” betrug 2009 insgesamt 248! Davon ist Bestechung mit 129 Fällen die häufigste Straftat. Auf der anderen Seite – dort wo sich der Einfluss auswirkt, gibt es quasi keine Kriminalität.
Wir kennen hinlänglich die Kampagnen unter dem Motto: “Schwarzfahren ist kein Kavaliersdelikt“. Noch besser kennen wir allerdings diejenigen, die stets suggerieren, wer in Deutschland etwas leiste, werde durch viel zu hohe Steuern bestraft. Jeder weiß, was Maschmeyers, Ackermanns und Rürups aus der deutschen Politik gemacht haben, jeder kennt die Käufer der Schröders, Riesters und Clements. Was diese Herren treiben, um Steuermittel in Gewinne von Finanzinstitute zu verzaubern, ist auch kein Kavaliersdelikt. Es ist nämlich gar keines.
Legal, illegal …
Und dort, wo dann dennoch gegen geltendes Recht verstoßen wird, wo Millionen hinterzogen und ins Ausland verschoben werden, steht er: der gemeine Steuerfahnder, der rettet, was zu retten ist. Oder vielmehr: Dort stand er, denn wie die Leser der Frankfurter Rundschau oder dieses Blogs wissen, ist es nicht willkommen, dass effiziente Steuerfahnder in deutschen Großbanken herumschnüffeln. Frank Wehrheim hat darüber ein Buch geschrieben, das Jens Berger rezensiert. Ich hatte einmal das Vergnügen, mit Frank Wehrheim zu plaudern, und wenn sein Buch so kurzweilig ist wie seine Erzählungen, ist es schon allein deshalb lesenswert.
Darüber hinaus ist es – in dem Rahmen, den die Praxis der deutschen Justiz zulässt – ein Teilbericht über einen der größten Skandale in der Geschichte der BRD. Ein Skandal, der Dauerzustand geworden ist und noch immer kaum wahrgenommen wird.
Dass jetzt einige Richter nicht mehr über Schwarzfahrer verhandeln wollen, dass in Zukunft nicht mehr hunderte Beförderungserschleicher die Knäste füllen, darüber ist hingegen noch nicht das letzte Wort gesprochen. Es geht um Schäden in Milliardenhöhe. Die öffentliche Ordnung und Moral ist in Gefahr!
So, die Editierfunktion für die Kommentare läuft wieder. Ich mache mir hier und da Gedanken über das Design und habe eine beinahe komplette Kopie auf Basis eines neueren Themes erstellt. Neuere Erweiterungen und Features sind hier sonst kaum mehr integrierbar. Die Feinjustierung wäre allerdings noch einiges an Arbeit, und ich frage mich, ob Spielereien wie eine dynamische Blogroll und andere spaßige Widgets das Risiko wert sind, ein seit Jahren gepflegtes Design zu wechseln.
Andererseits bin ich nämlich eher panisch, den ganzen Ajax-Schnickschnack zu nutzen, der mir vermutlich mal den Hack mit dem unsichtbaren Benutzer beschert hat. Die aktuelle Plattform hat überdies den Vorteil, dass ich mich inzwischen ganz gut damit auskenne und weiß, wie und wo ich moderate Änderungen vornehmen kann. Kurzum: Sagt mir, dass ich das lassen soll. Verbesserungsvorschläge sind natürlich auch willkommen.
A propos Blogroll: Da finden sich zwei neue Einträge: “Kritik und Kunst” ist wieder drin und Burkhard Schröder, bei dem ich seit Jahren unregelmäßig reinschaue und zuletzt eben regelmäßiger. Was auch zeigt, dass ich nicht so irrsinnig viel Neues entdecke, bei dem ich hängen bleibe.
Bei der Gelegenheit bitte ich auch wieder um Vorschläge zum “Feynsinn Underdog”, dem Blog-Award der objektivsten Jury dieser Welt. Nachdem im letzten Jahr erstmalig ein bis dahin unbekanntes Blog das Rennen gemacht hat, zudem eine Autorin, muss das ja nicht einreißen. Dem gemäß dürfte diesmal wieder die Inzucht walten. Es sei denn, es gäbe einen wirklich überwältigenden Kandidaten irgendwo da draußen …
Bei dem Begriff könnte man es bewenden lassen. Lohnsklaverei ist real, und die verstrahlten Wanderarbeiter der Kernreaktor-Putzkolonnen sind nur ein Beispiel von vielen. Wer jetzt mit dem Argument kommt, die paar Millisievert mehr oder weniger seien der Rede nicht wert, hat den Kern der Sache nicht kapiert: Es gibt Dreck, tief, widerlich und giftig, manchmal auch tödlich, den wollen wir nicht mal in einer versiegelten Mülltonne vor unserer Tür haben. Andere lassen wir darin waten.
“Es gibt doch Arbeit!”, tönen die Selbstgefälligen so gern, die solche nie erledigen würden, die es da noch gibt. Nein, schaut’s euch an: Selbst solche Jobs sind schon vergeben. Dabei geht es uns noch verdammt gut, internationale Solidarität können wir uns schon gar nicht leisten, wir konkurrieren nämlich im globalen Markt. In Rio und Mexiko leben sie auf Müllhalden, da müssen wir uns schon gut überlegen, ob wir die Grenzen der Zumutbarkeit nicht noch viel zu hoch ansetzen.
Die einen steh’n im Dunkeln
Die betroffenen Arbeiter glauben vermutlich noch, der Job sei ‘gut bezahlt’. Sie machen sich wahrscheinlich nicht die Mühe, Euro in Sievert umzurechnen und den Betrag zu ermitteln, der für sie tödlich wäre. Wäre das schon Reichtum? Noch weniger kommen sie aber auf die Idee nachzufragen, was ihr “Arbeitgeber” zur gleichen Zeit ‘verdient’, ohne dafür einen Finger krumm zu machen – geschweige denn Gift zu atmen oder fleißig seltene Isotope zu sammeln. Nur die einen steh’n im Dunkeln – und leuchten.
Je näher man hinschaut, desto deutlicher tritt hervor, wie wir alle doch teilhaben am Wachstum. Bei den einen wächst das Einkommen, bei den anderen die Tumoren. Das Schöne: Beides sieht man nicht, und wenn es doch mal rauskommt, hat das alles seine Ordnung. So ist halt der Wettbewerb, das ist das Risiko. Alles andere wäre Sozialismus.
Gute Herren, böse Sklaven, alte Haudegen
Posted by flatter under Politik[67] Comments
05. Jun 2011 19:05
Schon eineinhalb Jahre ist es her, als ich nur den Kopf schüttelte und mir dachte: “Ja, das seid ihr: Emporkömmlinge, die sich für etwas Besseres halten. Radfahrer, die nach unten treten und nach oben buckeln. Leute, die die Herrschaft nie infrage stellen und jene Sklaven, die noch unter ihnen stehen, verachten”.
Gemeint war damit die Formulierung Sigmar Gabriels, die SPD sei die “Partei der Aufsteiger”. Dieser Titel der Entsolidarisierung klebt zurecht an ihnen, womit sich die Sozen endgültig von der Arbeiterschaft verabschiedet haben. Vor allem von dem Teil, der kein Glück hat, der ausgebeutet oder schlicht nicht gebraucht wird. Letzteres trifft seitdem umso mehr für die SPD zu.
Der ebenso charismatische wie sympathische Wahlprofiteur Olaf Scholz, der nicht wissen kann, wie ausgerechnet er zu einem solchen Erfolg kommen konnte, legt aktuell nach und erweitert eine schon armselige Formel um eine nicht minder wahrheitsfreie Variante. Nunmehr heißt es also, die Partei sei die “der fleißigen Leute”.
Teils log sie noch, teils fiel sie hin
Das wiederum ist Propaganda in Reinkultur, teils log sie noch, teils fiel sie hin. Das soll der Agenda2010-Zyniker dann mal den Leiharbeitern und Minijobbern erklären, die sich für das Nötigste abrackern und sich damit nicht einmal eine Rente auf Sozialhilfe-Niveau erwirtschaften. Verschweigen will er selbstverständlich auch, dass die anstrengungslosen Einkommen aus Finanzgeschäften erst durch Schröder und Eichel so lukrativ wurden, dass es sich kaum mehr lohnt, jemanden zu beschäftigen. Und ganz selbstverständlich verabschieden sich diese Besseresser auch damit von all denen, deren Fleiß nicht mehr gefragt ist. Für die ist kein Platz mehr an der Sonne der Herrschaft à la SPD.
Damit hat eine immer größer werdende Klientel ihre politische Heimat verloren – wie halbgar auch immer der Einsatz der “Sozialdemokraten” für die Arbeiterschaft gewesen sein mag, früher mussten jene diese zumindest noch verraten, heute haben sie sich vollends abgewendet. Wehe, wenn die Restwählerschaft das auch noch merkt oder schlicht ausstirbt!
Wer nichts hat, ist faul
Ein Blick nach Südeuropa lässt ahnen, wohin die Reise geht. Mit Teils über 20% Arbeitslosigkeit und – wie in Spanien – gar 40% bei den Jüngeren, ist das Desaster vorprogrammiert. Bis zu 80% der neueren Beschäftigungsverhältnisse im Südwesten sind prekär. Derweil wird hier darüber lamentiert, ab welchem Alter die Südeuropäer ihre Rente nicht bekommen. Was hierzulande galt, soll auch Europa- ach was, weltweit gelten: Wer nichts hat, ist halt faul.
Frau Merkel schämte sich nicht, das ganz persönlich zu verbreiten, wider alle Fakten, der Beispiele sind es unzählige. Das Ziel der Veranstaltung liegt dann wohl beim flächendeckenden Mindestlohn – für 31 Cent, wie unsere amerikanischen Vorbilder das jüngst durchgesetzt haben.
Wer von Revolution träumt, sollte besser nicht auf die deutsche Jugend setzen. Die ist aus guten Gründen entweder zu satt oder zu dumm zum Widerstand. Der kleine Rest, der sich trotz guter Bildungschancen ein soziales Gewissen erhalten hat, füllt keine Turnhalle.
Es sind die anderen, auf die man setzen muss. Der demographische Wasserkopf, die Leute, die zigmillionenfach im Alter von der Stütze leben werden. Die Massen, denen man alles nehmen wird, was sie noch haben, ehe sie in die Sozialrente gehen. Die nicht einmal mehr viel Leben zu verlieren haben. Vor denen hätte ich zukünftig Angst.
Lafontaine plant kommunistischen Umsturz
Posted by flatter under Politik[33] Comments
04. Jun 2011 12:54
Und zwar im Namen des Liberalismus. Brillant.
p.s.: Derweil sehen die Obamas den Preis der Freiheit bei 31 Cent/Stunde.
