Hintergrund


Im folgenden sind Situationen genannt, die im Lehreralltag vorkommen. Bitte sagen Sie, wie Sie darauf reagieren.

1. Ein neuer Kollege spricht Sie im Lehrerzimmer an und berichtet von neuen Ideen und Methoden, die er vorstellen wolle.

[ ] A Ich freue sich über sein Engagement und sage ihm Unterstützung zu.

[ ] B Ich gehe zum Schein darauf ein und sorge bei den Kollegen dafür, daß dieser Klugscheißer kein Bein auf die Erde kriegt. Wir sind schließlich nicht in Finnland!

[ ] C Ich habe ihn genau so lieb wie die anderen Kollegen.

[ ] D Das können wir nicht leisten.

2. Ein Schüler der Grundschule löst eine mathematische Aufgabe, indem er ein Gesetz anwendet, das im Unterricht noch nicht besprochen wurde.

[ ] A Ich lobe ihn und fördere seine besondere Begabung.

[ ] B Ich streiche dem unverschämten Bengel seine Aufgaben durch, tadele ihn vor der Klasse für seine Faulheit und lasse ihn das Ganze noch einmal machen.

[ ] C Ich lasse ihn eine Sonne malen.

[ ] D Das können wir nicht leisten.

3. Ein Schüler ist lustlos und ‚träumt‘.

[ ] A Ich frage ihn, woran das liegt und versuche, auf die Ursachen einzuwirken.

[ ] B Ich rufe ihn nur auf, wenn ich sicher bin, daß er nicht im Bilde ist. Seine mündliche Note steht damit fest.

[ ] C Ich lasse ihn einen Regenbogen malen.

[ ] D Das können wir nicht leisten.

4. Ein Schüler macht keine Hausaufgaben und schreibt sich diese nicht einmal auf.

[ ] A Ich kontrolliere sein Hausaufgabenheft und arbeite mit den Eltern zusammen.

[ ] B Ich schreibe den Eltern eine Mitteilung mit der Aufforderung, sich endlich um die Hausaufgaben zu kümmern.

[ ] C Ich bitte den Schüler lieb, dann wird er sich schon bessern..

[ ] D Das können wir nicht leisten.

5. Ein Schüler zeigt besonders auffälliges Verhalten.

[ ] A Ich ergründe die Hintergründe und biete dem Schüler und seinen Eltern etwas an, um gemeinsam an seiner Integration zu arbeiten.

[ ] B Für so etwas gibt es Sonderschulen und Irrenanstalten.

[ ] C Ich trinke abends ein Bier.

[ ] D Das können wir nicht leisten.

6. Sie haben 36 Schüler in der Klasse. Einige von ihnen fallen oft negativ auf oder kommen nicht mit.

[ ] A Ich mahne an, daß die Klasse zu groß ist und bemühe mich um personelle Ressourcen, um die Probleme in den Griff zu bekommen.

[ ] B Wer nicht mitkommt oder nervt, fliegt. Schließlich das hier ein Gymnasium!

[ ] C Ich lasse die Klasse Mandalas malen und trinke abends zwei Bier.

[ ] D Das können wir nicht leisten.

7. Eltern teilen Ihnen mit, daß ihr Kind sich benachteiligt fühlt.

[ ] A Ich frage nach den Hintergründen, schildere die Lage aus meiner Sicht und versuche, mögliche Mißverständnisse aufzuklären.

[ ] B Ich verbitte mir die unverschämte Einmischung, präsentiere den Eltern das Sündenregister ihres verkommenen Sprößlings und sorge dafür, daß das Thema endgültig erledigt ist.

[ ] C Ich verspreche, mich zu bessern und trinke abends ein Bier und einen Korn.

[ ] D Das können wir nicht leisten.

8. Ein Schüler, der schon lange zur Gewalt neigt, fällt endgültig aus der Rolle.

[ ] A Ich versuche, gemeinsam mit de Familie und ggf. der Jugendhilfe die Probleme zu lösen und sorge für eine bessere Aufsicht des Schülers.

[ ] B Ich befreie den Schüler für mindestens eine Woche vom Unterricht.

[ ] C Ich rufe den Direktor und nehme meine Pillen.

[ ] D Das können wir nicht leisten.

9. Die Mädchen Ihrer Klasse haben Cliquen gebildet und betreiben ein perfides Mobbing..

[ ] A Ich verwende regelmäßig Unterrichtsstunden darauf, daß die Schülerinnen sich Regeln geben und diese selbst kontrollieren.

[ ] B Ich schicke den Eltern den Infobrief „Was ist Mobbing“ und fordere sie auf, ihre Gören zur Ordnung zu rufen.

[ ] C Ich erzähle den Mädchen, wie schön wir früher gespielt haben und bitte sie, lieb zueinander zu sein.

[ ] D Das können wir nicht leisten.

10. Der Lehrerberuf hat ein schlechtes Image im Deutschland. Woran liegt das?.

[ ] A Das Schulsystem ist verbesserungsbedürftig. Schule tritt nach außen oft arrogant auf.

[ ] B Leute, die keine Ahnung haben, bestimmen das Bild. Sollen sie doch mal 10 Jahre an meiner Schule arbeiten, dann wissen sie auch, wovon ich rede.

[ ] C Weiß ich nicht, aber es macht mich traurig.

[ ] D Das können wir nicht leisten.

Auswertung:

Für jedes “A” Bekommen Sie 0 Punkte, Für ein “B” 10 Punkte, für “C” 101 Punkte und für “D” 1100.

0-40 Punkte: Sie haben keinerlei Talent. Vergessen Sie’s! Gehen Sie nach Finnland!

50-100 Punkte: Sie sind perfekt geeignet für diesen Beruf. Es kann für Sie nur einen Weg geben. Bis zur Pension!

101-1010 Punkte: Sie waren bereits Lehrer.

1100-11000 Punkte: Sie sind bereits Lehrer.

dope
Doping. Nachdem die Einzefälle Nr. 23485-23512 bekannt geworden sind, muß jetzt endlich etwas geschehen. Karten auf den Tisch! Aufklärung! Ab sofort sauberer Sport! Mehr und bessere Kontrollen!
Die beschuldigten Sportler beeiden natürlich unisono, daß sie nie gedopt haben und in Zukunft noch weniger dopen wollen.
Hätten wir nur einen Roland Koch, der endlich rigoros aufklärt und gnadenlos durchgreift! Man würde Jan Ullrich an den nächsten Baum hängen, und schon würde es keiner mehr wagen, zu dopen. Aber Da diese 68er überall das Sagen haben, bleibt es halt bei diesen windelweichen rechtsstaatlichen Maßnahmen, von denen keinerlei abschreckende Wirkung ausgeht. Kein Wunder, daß jetzt der Russe vor Frankfurt steht.

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Der Radsport ist tot

Einen echten Schenkelklopfer hat Frank Schirrmacher hingelegt, der sich an Jens Jessen heranbrodert, um dann fulminant abzuheben und deutlich zu machen, daß das deutsche Volk bedroht ist. Es wird volksverhetzt, und zwar von Migranten mit deutschem Paß! In diesem aufwühlenden Artikel vermischt sich alles zu einer großen klebrigen Tröpfchenwolke, zusammengestammelt aus Anti-Antifaschismus, Mehrheitsschutz, Deutschtümelei und einer sadomasochistischen Sehnsucht nach der guten Zeit “vor 68″.
Jessen hatte gemutmaßt, der Rentner, der Opfer der U-Bahn-Schläger wurde, sei womöglich ein nörgelnder Alter zuviel gewesen, der die Jugendlichen angepampt hat, so daß sie ihre aufgestaute Wut an ihm abgelassen hätten. Mit dieser Vorstellung kann man sich auseinandersetzen, was sogar zu recht sinnvollen Gedanken führt, wenn man sich vergegenwärtigen möchte, welche Kluften zwischen Teilen der Gesellschaft herrschen, zwischen denen es keine Kommunikation gibt. Man kann Jessens Spekulation ignorieren. Man kann sie sogar für ein Argument halten, das die Tat relativiert und dem Opfer Verantwortung zuschiebt. Dann könnte man es belächeln und weise den Kopf schütteln.
Schirrmacher geht anders damit um: Wie Broder in allen seinen Artikeln sucht er sich ein “Argument” (Broder erfindet auch gern welche), ordnet es dem vermeintlichen Gegner zu und diskutiert sich fortan vor dem Spiegel eine Klinke an den Bart. Was dabei herumkommt, ist selten ein großes Werk.
Schirrmachers Welt geht auch prompt unter. Er sieht die “Mehrheit unter Nazi-Verdacht”. Für ihn ist der Status der “Minderheit” eine unerträgliche Belastung für die Mehrheit, und so fordert er auch ganz konsequent, daß die Beleidigung eines Deutschen von Deutschen in Deutschland als Volksverhetzung gelte. Das Schlimme sei, daß “die Mehrheit keine Sprache für diese Bedrohung hat”. Schon bemerkt? Karneval steht vor der Tür. Ich sehe bei Schirrmacher ebensowenig wie er bei Jessen, “dass er das ironisch meint”. Macht aber nix, ich lache trotzdem drüber, man kann das Augenzwinkern ja geradezu greifen!
Ich möchte die Pointe auch nicht versauen, indem ich erkläre, was eine definierte Minderheit ist und warum es empirische Gründe gibt, sie zu schützen. Daß eine “Mehrheit” dementgegen gar nicht zu definieren ist, beruhigt mich übrigens ungemein. Denn sonst wäre der ganze Spaß ja dahin, und es wäre doch wieder das “Volk”, zu dem die einen gehören und die anderen nicht, mit allen deutschen Konsequenzen. Und das kann jemand, der sich ganz sicher weiß auf dem nazidiskursfreien Terrain, nicht meinen. Ganz sicher nicht.

So weit die Sensationspresse.
Aber keine Sorge: Weder das Blog noch der Nick wird stillgelegt. Nur die Email-Adresse, über die ich bei euch kommentiere, ändert sich. Ihr werdet mich weiter eindeutig identifizieren können.
Der tägliche Spam wird langsam 3-stellig, das geht mir schwer auf die Nerven.

Und hier ein Überblick über das Jahr 2008:

Januar: Das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung tritt in Kraft. Sony Entertainment verklagt die ersten 100 000 Nutzer illegaler Downloads.
Wolfgang Schäuble und Franz Josef Jung fordern regelmäßige Patrouillen der Bundeswehr durch deutsche Großstädte.
Februar: Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg verpaßt Olé von Beust knapp die absolute Mehrheit. Nachdem der CCC aufdeckt , daß das vorläufige amtliche Endergebnis schon vor der ersten Hochrechnung feststand, wird neu gewählt. Michael Naumann wird Chef einer Koalition mit der Panikpartei von Udo Lindenberg.
Wolfgang Schäuble fordert Wahlen per Hammelsprung und RFID-Chip.
März: Mario Sixtus, Stefan Niggemeier, Sascha Lobo und Johnny Haeusler werden gekürt, ausgezeichnet und heiliggesprochen. Die Jury, bestehend aus Mario Sixtus, Stefan Niggemeier, Sascha Lobo und Johnny Haeusler, kann sich allerdings nicht einigen, welchen Preis sie verleihen soll. Dazu Don Alphonso: “Linknutten, Awareness-Stricher, Koofmichs!”
Bei den Präsidentschaftswahlen in Simbabwe holt Mugabe 120% der Stimmen. Gerhard Schröder gratuliert dem “Stern der Freiheit Afrikas” als erster.
April: Das neue Kubuntu 8.04 erscheint mit KDE 4.0. Microsoft bietet für Windows Vista Updates und Patches im Umfang von 420 GB an. Der Server bricht unter der Last der Downloads zusammen. Das Open-Source Betriebssystem “Zockenwieblöde” erscheint. Es emuliert DirectX 10, ist schlank und kostet nichts.
Wolfgang Schäuble fordert die Pflicht zur Nutzung von Windows.
Mai: Geiles Wetter, kurze Röcke, Biergarten. Politik kann mich mal. Hormone. Noch bin ich nicht zu alt. Blogpause und Aktion “Macht’s euch selbst”.
Juni: Die SPD fordert Mindestlöhne auch für Manager. Das Bundeskabinett beschließt einen neuen Straftatbestand: Parken in zweiter Reihe. Wolfgang Schäuble fordert Mautstationen für Fußgängerzonen.
Bei der Fußball-EM wird Deutschland zur schlechtesten Mannschaft gewählt, die “einen Müllfußball beleidigenden Ausmaßes auf den Rasen erbricht”. Uns egal, wir sind Europameister!
Juli: Beim G-8 Gipfel in Japan werden zum ersten Mal Überwachungsdrohnen eingesetzt. jeder Demonstrant wird von einer PBD (persönlichen Begleit-Drohne) eskortiert. Wolfgang Schäuble fordert mehr G8-Gipfel.
Feynsinn verleiht zum zweiten Mal den “Underdog”. Der “Weltherrscher” erklärt sich zum Preisträger auf Lebenszeit. Dazu Don Alphonso: “Man kann sich aufsexen, Freunde einspannen, Wichtigkeit behaupten und Kommerz in eine Aktion verpacken, man kann viel erzählen, wenn der Tag lang ist.”
Die erste dopingfreie Tour de France findet unter Ausschluß von Radfahren statt.
August: Bei den Olympischen Spielen im Peking holt China alle Medaillen. Gerhard Schröder nennt Wen Jiabao, der Hu Jiantao als Staatsoberhaupt abgelöst hat, einen “Märtyrer der Demokratie”. Daraufhin werden die europäischen Sportler freigelassen.
Sommer. Gar keine Röcke mehr. Zweiter Hormonschub. Ich versuche, mein Testosteron durch Bergetappen und wildes Fluchen in den Griff zu bekommen. Funktioniert!
September: Bei der Landtagswahl in Bayern holen Günter Beckstein und Erwin Huber nur 45%. Die F.D.P. scheitert an der 5%-Hürde. Gabriele Pauli tritt für die Grünen an, die ebenfalls nicht ins Parlament einziehen. Die SPD holt die absolute Mehrheit und wählt mangels eigener Kandidaten Erwin Huber zum Ministerpräsidenten.
Wolfgang Schäuble erwägt, in die SPD einzutreten.
Oktober: Die Bischofssynode beschließt im Vatikan die Einführung eines neuen Feiertages. Am “Herodestag” sollen die kleinen Opfer großer Männer geehrt werden.
Das BAFöG wird um 5% erhöht. Hartz IV ebenfalls. Angela Merkel läßt sich als “soziale Kraft der deutschen Politik” feiern. Die Teuerungsrate liegt bei 4%. Die Lebensmittelpreise sind um 22% gestiegen, die Energiepreise um 34%.
November: Bei den Präsidentschaftswahlen in den U.S.A. tritt George Bush gemeinsam mit seinem Bruder Jeb an. Beide holen jeweils mehr als 50% der Stimmen und küren sich zu Präsidenten auf Lebenszeit. Mexiko macht die Grenzen dicht, weil es die Flüchtlingsströme nicht mehr in den Griff bekommt.
Der Bundestag beschließt den Mindestlohn für alle Branchen. Hans-Werner Sinn verbrennt sich daraufhin öffentlich auf den Stufen des Reichstags.
Wolfgang Schäuble fordert die Erfassung der Fingerabdrücke beim Kauf von Streichhölzern.
Dezember: Die Lokführer streiken noch immer. Der erste ganzjährige Bahnstreik geht damit noch lange nicht zu ende. Mehdorn und Schell erkranken am Heiligen Abend unter mysteriösen Umständen an der Vogelgrippe. Man findet Spuren von Polonium im zerrissenen Verhandlungstischtuch.
Angela Merkel heiratet Kurt Beck. Wolfgang Schäuble ist nicht eingeladen.

In diesem Sinne: Ich wünsche meinen Lesern ein gutes Jahr 2009!

 

Die klassische Frauenzeitschrift etwa sei ein reines Wohnzimmersofa-Medium, “bei dem es auf das haptische Moment des Blätterns” ankomme,

zitiert die Sueddeutsche einen “Kilian Müller”. Wie kommen die Qualitätsjournalisten bloß immer an solche Experten? Auf dem Sofa entblättern? Haptisch? Weiber? Sowas gibt es im Internet natürlich nicht. Jedenfalls fühlt sich der Mann in mir einmal mehr bestätigt: Frauen kann man nicht verstehen, aber prima begreifen.

Inspiration… liegt es am Alter? Ich kann mich immerhin noch erinnern, daß ich einmal voller Inspiration war und nichts draus gemacht habe – sei es, daß ich sie nicht filtern konnte, sei es, daß ich zu faul war. Das hat dazu geführt, daß es ziemlich viele Talente gibt, die ich verschlissen habe. Ich kann von allem ein bißchen und nichts wirklich gut. Es gibt Tage, da denke ich, Jimi H. lebt in mir weiter, an anderen Tagen verfluche ich mich, weil ich bis heute nicht anständig Gitarre spiele. Ich bin in diversen Sportarten gut unterwegs gewesen, ohne je auch nur in die Nähe der Hoffnung auf Perfektion gekommen zu sein. Eine zeitlang habe ich nicht schlecht Pool gespielt, inzwischen behandle ich das Queue, als sei es ein Baseballschläger. Ähnliches gilt für die Darts. Eine 180, sonst nichts. Ich habe keine Geduld für dieses Spiel, rege mich auf und treffe dann keinen Möbelwagen mehr.
Ich habe Bücher geschrieben, die mir alle nicht gefallen. Schreiben kann ich. Aber Dramaturgie, Tempo, das Feilen an Charakteren lassen mich immer wieder zweifeln, ob ich mehr bin als ein weinerlicher Dilettant, der sich nicht entscheiden kann, ob er ehrgeizig sein soll oder sich bei einem Bier zuviel als verkanntes Genie feiern, das halt keine Zeit hat für seine große Kunst.
Dann sind da diese Tage, wenn es auch noch grau, kalt und madig ist, an denen ich mich an der ganz großen Horrorkante hochziehe: Wie habe ich nur diesen oder jenen Artikel zustande gebracht, wie kommt man nur auf Ideen? Sicher degeneriere ich zum dauernörgelnden Begleiter eines widerwärtigen Kulturzustandes. Ein frühseniler Grantel, der mangels Eingebung auf Wrackteilen surft und nicht untergeht, weil die See ihn zu unappetitlich findet. Ja, das gefällt mir.

Anfangs hatte ich vor, ein Blog im Wortsinne zu führen, in vor allem satirischer Absicht, womöglich, nennen wir es despektierlich “kulturkritisch”. Ein Tagebuch im Netz, in dem ich das Tagesgeschehen kommentiere. Nun ist dieses erstrangig politisch, jedenfalls in meiner Denke. Ganz folgerichtig hat es sich zu einem “politischen” Blog entwickelt – mehr als die Hälfte der Beiträge firmieren unter dieser Rubrik, und der Rest hat auch meist mit Politik zu tun. Nicht zuletzt weil das so ist, stellt sich die Frage, wo der Sinn liegt.
Will man Erfolg im Sinne hoher Besucherzahlen haben, ist die Idee, politische Gedanken in einem Blog zu äußern und sich dabei noch differenziert zu äußern (bei aller persönlichen Färbung), ganz schlecht. Noch interessiert das kaum jemanden in diesem Land. Das liegt keineswegs daran, daß Blogs nicht informativ wären. Ich wage zu behaupten, daß mein Archiv einen besseren Überblick über das politische Geschehen in Deutschland seit Ende 2005 bietet als manche Zeitung. Ich bin der Überzeugung, daß es einfach noch nicht so weit ist, damit mehr Menschen zu erreichen. Immerhin einige tausend echte Leser tun sich das hier jeden Monat an, aber verglichen mit den Großen ist das ein Karnickelschiß.
Was tun? Das Streben nach Bedeutung der besagten Art bietet viele Wege, die gemeinhin bekannt sind: Die Zeit, die man zum Kommentieren anderer Blogs hat, auf die großen konzentrieren, dort möglichst auffallen und immer einen Link hinterlassen. In eigenen Artikeln verlinken, bis der Notarzt kommt, so macht man auf sich aufmerksam, und viele werden sich zu Dank verpflichtet fühlen. Dementsprechend gehört auch nicht auf die Blogroll, was man selbst liest, sondern wo man ankommen will. Das geht immer, aber einem politischen Blog wird es nicht viel Glaubwürdigkeit bescheren.
Was sehr gut geht, ist der Bezug auf Themen, die mit dem Netz selbst zu tun haben. Nichts ist erfolgreicher, nichts interessiert die Gemeinde mehr als der Bezug auf sie selbst. Vor allem auf Webangebote zwonull, die riesigen Zulauf haben, konzentrieren – das bringt Klicks en masse. Wenn man Glück hat, sogar Leser. Mein gefragtester Artikel ist nicht zufällig der über SchülerVZ. Mir ist mehr als recht, daß er häufig gelesen und gar von der FAS/FAZ werlinkt wird, aber mit meinem Blog hat er eigentlich recht wenig zu tun. Mein Blogpreis “Feynsinn Underdog” hat deutlich mehr Kommentare als alle früheren, es geht darin halt um Blogs. Auch nicht wirklich mein Thema.
“Politische” Blogs werden darüberhinaus besonders gut gelesen, wenn sie völlig starr eine Linie verfolgen, ein eingefahrenes Klientel bedienen und dabei möglichst radikal daherkommen. Es gibt Ausnahmen, den “Spiegelfechter” etwa, den ich persönlich für überschätzt halte, der aber trotzdem ein verdammt guter Auftritt ist. Aber selbst der wird noch von rechtsradikalen Schmierfinken an “Polularität” übertroffen. Dort trifft sich ein losgelassener Mob, der in keiner Kneipe derart auftrumpfen würde.
Meine Konsequenz aus all dem? Keine. So ist halt das Netz, und wie in allen Medien sind die meist vorn, die das Medium selbst bedienen, anstatt es sich nutzbar zu machen. Ein politisches Blog ist für mich aber Politik pur, die Gesamtheit der erntzunehmenden Blogs sind die Polis oder der Ort der res publica. Hier findet das statt, was “Politik” jenseits verkrusteter Strukturen ausmacht. Hier kann sich jeder äußern, und zwar auf dem Niveau, das er für angemessen hält.

Ich habe in den letzten Tagen ständig Zugriffe, die sämtliche Blogeinträge auslesen und einen Horrortraffic generieren. Ich vermute, daß das funktioniert, weil die Artikel numeriert sind (https://archiv.feynsinn.org/?p=654). Das könnte sich also ändern, wenn ich die Artikel nach Datum und Titel benennen lasse, hätte aber zur Folge, daß sämtliche ältere Links auf meine Artikel ins Nirwana führen. Hat jemand eine bessere Idee?

Ich vertrete in Diskussionen über den Datenschutz häufig die Ansicht, daß das Verbergen von Daten im klassischen Sinn nicht mehr hilfreich ist. Die Daten unzugänglich zu machen, wird immer schwieriger. Besser ist es darum oft, Daten unter Daten zu verstecken. Ganz in diesem Sinne wollten sich wohl die englischen Finanzbehörden betätigen, indem sie zwei CDs mit den Daten von 25 Millionen Bürgern auf die Reise schickten, die offenbar woanders angekommen sind, als sie sollten. Das eröffnet ganz neue Perspektiven. Nicht der gläserne Bürger für den Staat, nicht der gläserne Kriminelle, sondern der gläserne Bürger für Kriminelle. So konsequent hat bislang noch niemand in die Debatte eingegriffen.
Es wird dann wohl bald ein großer Server aufgesetzt, von dem man sich besagte Daten herunterladen kann. Gegen 50 cent kann man sich den vollständigen Datensatz eines britischen Bürgers besorgen. Das Vorbild ist “Musicload”. Für ein paar Pfund mehr kann man seine Daten sogar löschen lassen. Ansonsten gilt: Wer nichts zu verbergen hat… zahlt trotzdem. Das ist übrigens auch ein netter Ansatz für Widerstand gegen den Datensammelwahn: Zeigt den Leuten mal, was sie zu verbergen haben, veröffentlicht ihre intimen Daten – demnächst auf Newsaboutyou.de !

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