Man muss nicht entscheiden, ob für die Revolten in Nordafrika sich (auch) gegen den Neoliberalismus wenden. Es ist aber erkennbar, dass die Kluft zwischen Völkern und ihren Herrschern größer wird, wo neoliberal regiert wird. Aktuell stellen ausgerechnet Amerikaner den Zusammenhang her und verbrüdern sich mit den Demonstranten in Nordafrika.
Ihr Kampf richtet sich dabei gegen Bestreben der US-Republikaner, das Plansoll überzuerfüllen und die Gewerkschaften vollends zu entmachten. Ernsthaft will die Staatsregierung von Wisconsin diesen nicht mehr erlauben, Tariferhöhungen auszuhandeln, die über der Inflationsrate liegen. Darüber hinaus sind weitere Einschränkungen beschlossen worden. Die Entmachtung der Gewerkschaften, die angeblich immer zu viel Macht haben, ist ein Kernelement der neoliberalen Programme.
Behauptet wird derweil, das so gesicherte Lohndumping schaffe Arbeitsplätze, auch da unterscheidet sich die Propaganda in den USA nicht von der in Deutschland. Flankiert wird diese von den Aussagen sogenannter “Wissenschaftler” (wie z. B. Hans-Werner Sinn), die behaupten, die erzielten Gewinne würden wieder investiert, wodurch neue Arbeitsplätze entstünden. Derart winkten Vollbeschäftigung und Wohlstand. Die Wahrheit sieht anders aus: Tatsächlich werden Gewinne an den Kapitalmärkten “investiert”, um irrsinnige Renditeversprechen zu erfüllen – mit den allseits bekannten Folgen. Mehr Arbeitsplätze gehören allerdings nicht dazu, im Gegenteil.
Wählen ist sinnlos
Die Zustände in den Städten und die immer weiter auseinander klaffende Schlucht zwischen Reich und Arm, die jetzt auch noch mit der glatten Entrechtung der Arbeiter einhergeht, treibt in den USA immer mehr Menschen auf die Straße. Erste Prominenz schließt sich dem an, u.a. Michael Moore.
Vergleichbar sind die Verhältnisse in den USA und hierzulande wiederum, weil die Alternativlosigkeit neoliberaler Politik in allen ihren Facetten kaum mehr kaschiert werden kann. Unter einem “demokratischen” Präsidenten werden dieselben Konzepte durchgesetzt wie unter seinem “republikanischen” Vorgänger, und zwar auf sämtlichen Feldern der Politik. Besonderes frustrierend ist dabei, dass es völlig egal ist, wen man dafür noch verantwortlich macht. Es ist nicht mehr zu übersehen: Wählen ist sinnlos.
In Deutschland haben wir noch ein paar mehr Parteien, die alle dasselbe tun. Die Wahlversprechen hierzulande werden nicht minder rüde in die Tonne getreten, wenn die Zettel eingesammelt sind. Die Wahlbeteiligung sinkt, statt einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit Politik erobern politische Popstars das Terrain. Der große Unterschied: Hier gelingt es, die wirklich Abgehängten in Druck und Depression zu halten. Wenn sich diese Gruppe allerdings weiter vergrößert – was abzusehen ist – kann sich das ändern. Es kann zwar durchaus noch Jahrzehnte dauern, aber wenn man eines sagen kann über den Neoliberalismus, dann dass er weitermarschiert, bis alles in Scherben fällt.

Durch einen Artikel in der Sueddeutschen (die ja nicht mehr verlinkt werden möchte) wurde ich auf eine Einrichtung aufmerksam, die in mir als eingefleischtem Neider und Leistungsfeind einen routinierten Ekel erregt. Allein der Name ist schon preiswürdig: “Law & Leadership Academy”. Dahinter verbirgt sich ein Club, in dem man für 25.000 Euro pro Jahr ergänzend zum Studium an der Uni Trier die Manieren der Elite einüben darf. Von “Ethik” ist da die Rede, von “Schlüsselqualifikationen”, “Führungsmethoden, Kultur- und Kommunikations- Techniken”, antrainiert in “Exzellenzseminaren” und “Kamingesprächen”.
Anstatt sich die Mühe zu machen, das Rechtswesen zu entstauben, von den Schatten der Vergangenheit zu befreien und zu vereinfachen, erhält sich eine offen elitäre Berufsgruppe selbst die Macht über eine der Staatsgewalten (Judikative), indem sie eine weitere okkupiert (Legislative). Nimmt man zur Kenntnis, dass der Staat sich ohnehin zum Lehen der Parteien entwickelt hat, ist die Macht der Juristen und ihre Ausübung ein weiterer Sargnagel der Demokratie. 
Die Karriere des Blenders zu Guttenberg ist über die Skandalisierung seiner letzten Affäre hinaus ein Anlass, die Kommunikation über Politik zu hinterfragen. Nicht zuletzt um zu klären, inwiefern eine Ansprache an den Verstand der Menschen überhaupt noch sinnvoll ist. Man muss sich dafür nicht einmal das
Exakt deshalb ist der Abstieg des Blenders vom Star zum Betrüger für viele so unerträglich. Sie selbst sind verletzt, sie selbst sind aus luftiger Höhe abgestürzt und fühlen sich jetzt zu unrecht geschmäht. Der Weg in eine von Verstand geleitete Aufarbeitung der Angelegenheit fällt ihnen doppelt schwer: Erstens weil man das Band der Identifizierung nicht mal eben so löst, zweitens, weil man dann die nächste Kränkung erfährt. Denn wenn man dann wieder ganz bei sich ist und nicht mehr Teil der grandiosen Führerfigur, steht man als Depp da, der einem Aufschneider auf den Leim gegangen ist, unfähig, einen Laienschauspieler von einer Gottheit zu unterscheiden.
Die große Gratis-Haftfluchtversicherung für Banken, der Staat, wird von Seiten des Neoliberalismus kampagnenhaft der Unfähigkeit bezichtigt, das gute Geld der Bürger gut anzulegen. Das könne “die Wirtschaft” viel besser. Die Wirtschaft, das ist alles, hinter dem jemand steht, der aus einer Sache Profit schlägt.
Bei Al Jazeera findet sich ein
Ein höchst interessantes Interview mit Michael Spreng zur Causa Guttenberg gibt es
