“Die gezielte Zusendung unabweisbar lukrativer Angebote an solche Gruppen, die der nationalen Integrität und Identität nicht effizient zuträglich sind, ist unser Naziel. In der Folge sind auch größere organisierte Wanderungen zwecks demographischer Korrekturen angedacht. ”

So klänge das heute.

Die Schutztruppen der Systemrelevanten, deren Aufgabe darin besteht, den Geldfluss in Kredite für solche Vorhaben zu verhindern, die zu Konsum führen könnten, kurz “Schufa”, bedienen sich künftig des öffentlichen Weltgeheimdienstes “facebook”, indem sie private Daten (ja, das ist das, was ihr Deppen dem Zuckerberg schenkt, euer Innerstes und das eurer Bekannten) nach allen Regeln der Kunst durchschnüffeln. Keine Behörde dürfte sich derartiges anmaßen, dafür haben wir einmal erfolgreich die Krallen ausgefahren

Nun wäre es fair gewesen, Klartext zu reden und so etwas zu sagen wie: “Wir kriegen jeden. Um allen, die auch nur im Verdacht stehen, einen beantragten Kredit wirklich zu benötigen, die Kreditwürdigkeit lebenslänglich abzuerkennen, drehen wir die Privatsphäre der Bürger endgültig und mit allen Mitteln auf links”. Denn das ist es, was sie tun. Stattdessen verkaufen sie ihren Deal mit dem diabolischen Verräter der vernetzten Menschheit wie folgt:

Durch wissenschaftlich fundierte Ergebnisse langfristig die Qualitätsführerschaft unter den Auskunfteien in Deutschland sichern” wollen sie, diese Ausgänge eines Systems zur biologischen Nahrungsverwertung.

 
Auch in diesem Jahr wurde der Abschwung wieder durch Minusschrumpfung gebremst.

Bösartig formuliert, könnte man sagen, das Bundesverfassungsgericht sei eine der entscheidenden Instanzen der Gesetzesfindung, zumindest seit Angela Merkel regiert. Was sie an verfassungswidrigem Plunder von ihrem Vorgänger Schröder übernehmen konnte, hat sie seitdem mit Zähnen und Klauen verteidigt, was sie selbst noch hat zerstören können am Grundgesetz oder auch schlicht ignorieren, hat sie mit großer Freude vorangetrieben. Die Hartz-Gesetze und die Regelsätze, der ESM, das Wahlrecht, die Vorratsdatenspeicherung, der Marineeinsatz in Somalia, Tornados in Afghanistan, die Videoüberwachung privater Wohnungen, die Pläne zum “Nationalen Sicherheitsrat”, die Liste ist lang. Merke: Am besten lässt es sich ohne Grundgesetz unter dem Arm regieren.

Ja, wäre da nicht dieses lästige Gericht, diese Spaßbremsen in ihren roten Roben, die einem weder Putsch noch Schlamperei durchgehen lassen. Die Übergänge zwischen beidem sind fließend, so weiß man auch bei der sogenannten Reform des Wahlrechts, die übrigens in verfassungswidriger Weise überfällig ist, nicht, wem das dienen soll. Genau wie bei HartzIV stellen sich die Juristen und Parlamentarier einfach mal doof, beschließen den schon abgewatschten Unsinn in neuer Formulierung noch einmal und rennen damit mutig vor dieselbe Wand. Ceterum censeo: Ich bin für ein”Three Strikes”-Modell. Wer dreimal in Karlsruhe scheitert, ist abgesetzt. Oder wozu ist das Grundgesetz sonst da?

Entspannt drüber weg regieren

Diese Frage stellen die Schweizer sich übrigens nicht mehr. Die Eidgenossen sind recht entspannt und lassen einfach das Geld regieren. Wenn sie einen fähigen (Acker)Mann übrig haben, schicken sie ihn gen Norden und lassen ihn dort regieren. Von ihm dürfte die Bleiernde einiges gelernt haben. Kennt jemand einen Schweizer Politiker? Von Blocher hat man gehört, der hat sich mit seinen rassistischen Wahlkämpfen hervorgetan, in denen er Millionen dafür begeistern konnte, die drei Minarette in der Schweiz zu verbieten. Aber sonst? Irgend einen? Regierungschef, Repräsentant, so etwas? Nein? Das liegt vielleicht daran, dass das System dort völlig undurchschaubar ist und den Leuten selbst offenbar schnurz. Solange ihnen keiner Moscheen in die Vorgärten baut.

Und diese tapferen Teilzeitdemokraten haben jetzt Bahnbrechendes geleistet: Sie beschlossen, dass Gesetze, die gegen ihre Verfassung verstoßen, weiterhin von den Gerichten umgesetzt werden müssen. Ein Verfassungsgericht kommt ihnen nicht ins Haus. Kein langes Lamentieren, ob das Rechtssystem noch irgend einen Sinn ergibt oder ein Paragraph dem nächsten widerspricht. Nein, die Gesetze des Staates in Einklang zu halten auf dem Boden der Verfassung, das wäre ein “Richterstaat”, meinen die Jura-Alpinisten.

“Verfassung? Haben wir! Aber die brauchen wir nicht. Die liegt dauernd im Weg herum, dann muss man darum herum laufen, drüber klettern oder drunter durch schlüpfen. Das ist viel zu anstrengend”. Mit dieser Haltung sind sie ganz nahe bei Merkels, nur in der Konsequenz sind sie konsequenter. Im Zweifel einfach nicht ignorieren! Dass die anderen Gerichte dennoch und vermutlich umso gnadenloser die losgelassene Willkür des Gesetzgebers vollstrecken werden, macht die Ermächtigung erst richtig rund. Was wären wir für Deutsche, nähmen wir uns daran nicht ein höchst motivierendes Beispiel?

Ich kann es schon lange nicht mehr hören und schweige meist dazu, weil man sich ja zwangsläufig gewöhnen muss an das Geplapper der Kuhjournalisten, aber dieses Blabla von den “Reformern” oder “Realos” gegenüber den “Fundamentalisten” ist unterste Schublade. Die Einteilung Fundis/Realos geht auf die Medienkampagne eines Teils der Grünen gegen den Rest der Partei zurück, das ist historisch verbrieft. Aber jegliches Geschichtsbewusstsein ist in den Redaktionsstuben ja verpönt, da weht allenfalls der Geist von Guido Knopp.
 

 

Journaillistischer Zwiesprech

Schlimmer aber noch das Wort “Reformer”, stülpt es doch den neoliberalen Zwiesprech auch der Linken noch über, wobei es gleichzeitig der einfachsten Nachfrage nicht standhält. Was zur Hölle reformiert er denn, der Herr Bartsch? Oder unterstellen die ihn so nennen ihm, er sei desselben Geistes wie sogenannte “Reformen” bei Steuern, Gesundheitssystem und Arbeitslosenbehandlung? Obwohl ich ihn persönlich für eine Fehlbesetzung seiner selbst halte, hat es Dietmar Bartsch nicht verdient, als einer von euch dargestellt zu werden.

Sonst reformiert er leider nichts, vor allem nicht die Partei, deren Bundesgeschäftsführer er war. Es sei denn, das Aufreißen von Gräben und entfachen von Kleinkriegen gälte schon als Reform. Schließlich könnte man ggf. noch auf die Idee kommen, Bartsch wolle die Gesellschaft reformieren und andere einen Umsturz. Dies wiederum entspricht dann zwar der Wahrnehmung jener Schreiberlinge, die sich für die “Mitte” halten, dann aber auch einer völligen Ahnungslosigkeit von den Problemen linker Politik. Am Ende ist aber völlig klar: Bartsch gut, Lafontaine böse. Schön, dass wir drüber geredet haben.

So geht Partei

Wo wir gerade bei der Linken sind: Was sie selbst anbetrifft, so hat Gregor Gysi die Probleme vollständig benannt und angemessen illustriert (siehe Video). Ich weiß sehr genau, was er meint, wenn er von westdeutschen Linken spricht und ihrer Arroganz (gegenüber einer Volkspartei im Osten). Die Hoffnung, dass die jemals so erwachsen werden, sich kultiviert zu streiten, habe ich leider nicht. Man kann sich streiten, kämpfen, auch böse Grätschen ansetzen, wenn man sich nachher einigt und so viel demokratischen Geist belegt, dass man sich der Mehrheit beugt. Nur so geht Partei, und nur so geht eine organisierte Gemeinschaft. Wer das nicht haben will, soll austreten, Punkt.

Und genau so, nur so kann jede Parteiführung nach innen und außen repräsentieren: Wir sind uns nicht einig, aber wir einigen uns. Wir streiten, aber das gehört zur Entscheidungsfindung. Wir entscheiden gemeinsam und tragen gemeinsam. Das hat nichts mit einer Fraktionsdisziplin zu tun, die einem von korrupten Funktionären auferlegt wird; es ist die Disziplin, die sich die Mitglieder, Delegierten und Abgeordneten auferlegen. So geht Partei. Nichts für mich, glaube ich, aber darum bin ich auch kein Mitglied. Sollte ich aber jemals eines werden, dann bin ich auch eines. Und wenn die anderen anders entscheiden, dann halte ich irgendwann einfach mal die Fresse anstatt in die nächste Talkshow zu dackeln.

Das obige Zitat ist aus Heiner Flassbecks Vortrag, zu sehen und zu hören im folgenden Video. Wer Flassbecks Ansichten noch nicht kennt, findet sie hier in einem sehr kurzweiligen gut einstündigen Vortrag. Flassbeck argumentiert am Rande dessen, was den Kapitalismus noch stabilisieren könnte. Gerade deshalb gefällt mir das, weil jemand hier ohne jede ideologische Ablehnung das Ende des Spiels erkennt. Im Gegensatz zu ihm bin ich der Ansicht, dass “das Fenster” für Lösungen innerhalb des Systems längst geschlossen ist.
 

Wer nicht so viel Zeit aufwenden möchte, möge sich das Ganze ab Minute 58 anschauen, da kommen einige zentrale Phänomene zur Sprache.

Nicht ganz ohne Stolz stelle ich fest, dass ich offenbar schon vor einigen Jahren, nämlich in 2006, einige grundsätzliche Zusammenhänge ganz richtig eingeschätzt hatte. Damals wusste ich noch nicht annähernd so viel über Volkswirtschaft wie ich inzwischen quasi zwangsläufig gelernt habe. Defizite hat der Text vor allem, wo ich mir noch eingebildet hatte, es gäbe Lösungen auf der Ebene von Haushaltsentscheidungen.

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Die ewige Diskussion, ob ein Staat noch Steuern erheben darf, bricht sich spätestens in der Frage um Staatsschulden. Dazu werden gelegentlich große Zahlen publiziert, die Angst und Schrecken verbreiten. In Wahlkämpfen wird es jedesmal wüst, wenn es sich um die Finanzen dreht, denn hier geht alles und nichts:
Wir erhöhen die Steuern nicht, das ist Gift für die Konjunktur!
Wir machen keine Schulden, denn wir Leben nicht auf Kosten der nächsten Generation!
Wir sparen und bauen Schulden ab!

Diese Merksätze waren nicht nur schon immer gelogen, sie sind auch völlig unsinnig. Nicht erst, weil sie der Erfahrung widersprechen, sondern weil sie als Totschlagargumente nichts taugen.
Wer Schulden verteufelt, lügt, weil die Wirtschaft, die sie damit belastet sieht, auf Schulden basiert. Schuldenfreiheit? Wirtschaften auf Guthabenbasis? Wo gibt es das denn?

Wer ewig die Steuern senken will, sollte sich einmal die Geschichte der Staatswirtschaft anschauen und zwei Fragen klar beantworten: Warum hat das bis heute nicht funktioniert, und wie soll eine Steuersenkung finanziert werden, wenn die Ausgaben unabhängig vom Haushaltsentwurf steigen? Letzteres gilt unausweichlich für eine überalterte Gesellschaft mit hoher Arbeitslosigkeit. Da ist zumindest mittelfristig kein schlanker Haushalt drin. Das “Sparen” schließlich kann man sich sparen, wenn es unmittelbar Kaufkraft zerstört. In dem Zusammenhang ist eine Mehrwertsteuererhöhung freilich auch ganz großes Kino, zumal, wenn die privaten Haushalte dadurch nicht anderswo entlastet werden.

Was will der Dichter uns sagen? Die Lage ist kompliziert, und wenn eines nicht hilft, sind es Vereinfachungen und tumbe Versprechungen.Wir werden mit einer erheblichen Steuerlast leben müssen, und es ist dringend erforderlich, private Haushalte mit niedrigem Einkommen zu entlasten. Auch die Schuldenlast wird vorläufig hoch bleiben, aber das kann eine selbst nur schwach wachsende Konjunktur aushalten.

Selbstverständlich sind Verschwendung und Bürokratie Übel, mit denen man sich nicht abfinden darf. Daher dürfte das größte Potential in der Vereinfachung von Gesetzen und dem Abbau von Subventionen liegen. Dazu waren aber bisher alle Regierungen zu feige, weil sie ihren Lobbys damit auf die Füße gestiegen wären. Und schließlich: Wie mehrfach erwähnt, sticht bei den Debatten um die öffentlichen Haushalte eine Partei hervor, die schon immer die einfachen Lösungen angeboten und nie ein Versprechen eingehalten hat. Deren Adepten werden gebeten, einfach mal den Rand zu halten!

Die Kommunistische Partei hat sich nach der großen Schlacht ihrer Demagogen auf eher unbekannte Führer geeinigt, die künftig verantwortlich die antidemokratische Hetze verbreiten sollen. Das ist gut für Deutschland, denn so haben alle ihre Autorität verloren – sowohl die redegewandten Verführer, denen es nicht gelungen ist, die Speerspitze der Rotfront zu behaupten, als auch die unerfahrenen Neukader, welche sicher lächerlich erscheinen werden im Vergleich zu den grauen Eminenzen mit ihren teuflischen Talenten. Die Feinde der Demokratie und des Wachstums, die uns nur in Schulden stürzen wollen, dürfen damit als geschwächt gelten. Es gibt Grund zu der Hoffnung, dass der linksextreme Spuk bald vorbei ist.

Immer wilder werden die Konstrukte, mit denen sich die neoliberalen Putschisten unter Merkel jede Kontrolle vom Hals schaffen wollen. Dass der ESM verfassungswidrig ist, ist ihnen schon lange wurscht. Dass er nicht nur gegen das Gebot der Haushaltssouveränität verstößt, sondern auch gegen den ‘Europa Artikel’ 23, hat sich die Bleierne mal ganz lässig von der Backe gewischt: “Gar nichts mit Europa zu tun” hat der “Europäische Stabilitäts Mechanismus” nämlich! Nein, das ist bewusst als internationales Wischiwaschi Blabla ohne Gesetzesrang umgesetzt worden. Außergesetzlich quasi und damit übergesetzlich. Global angelegt und daher gültig für beliebige Regionen. Das stand ja bei Hayek auch gar nicht drin, welchem Gesetz der ‘Rat der Weisen’ unterstehen soll. Er soll doch gerade den Staat ersetzen – bis auf dessen Steuergelder natürlich.

Es wird doch einiges besser: Gestern noch wurden wir fürchterlich vereimert, heute schon deliriert die Nomenklatura frei vor sich hin, ganz unbeleckt von jeglichem Bemühen zur glaubhaften Lüge. “Sagen Sie einfach irgendwas, die glauben uns eh alles” war womöglich Ackermanns letzter Rat. Apropos: Wenn der Rat das sinkende Schiff verlässt, ist es allerhöchste Zeit, sich eine brauchbare Planke zu suchen.

 
allewetterSo wie die Psychoanalyse als Philosophie und Denkmodell großartig, als Therapie aber eine Katastrophe ist, sind Marx’ Analysen des Kapitalismus geniale Wissenschaft, aber völlig untauglich zur politischen Auseinandersetzung. Ein belesener Marxist kann ein erfolgreicher Neoliberaler sein, weil er weiß, wie’s geht und nur in die andere Richtung marschiert. Die gängigen Glaubenskonflikte zwischen Hayek und Keynes durch Marx anzureichern, hebt zwar deren Niveau ganz beachtlich, es bleiben aber Debatten unter Klerikern. Die politische Meinungsbildung beeinflussen sie damit kaum.

Ich bin daher ganz und gar nicht der Ansicht, die offenbar Kollege Burks vertritt, man müsse immer dort Marx zitieren, wo der schon zuerst war, recht hatte und überhaupt als einziger den Durchblick. Keine Frage: Wer Volkswirtschaft studiert – auch jenseits der Akademien -, muss sich mit Marx befassen, sonst kann er es auch gleich lassen. Um aber zu verstehen, was der Kapitalismus mit der Welt anstellt, brauche ich Marx nicht. Um in die Lebenswelt der Opfer vorzudringen, kann ich Marx meist nicht gebrauchen.

Ich weiß nicht, was du bist, aber ich töte dich

Wenn mich ein Tiger anspringt, sehe ich zu, dass ich Land gewinne, so ich noch die Chance dazu habe. Oder ich bin zufällig im Besitz einer brutalen Waffe, die ich zu meiner Rettung einsetzen kann. Es hilft aber überhaupt nichts, wenn mir jegliche Einzelheiten von dessen Organismus bekannt sind. Es ist mir wurscht, wieviel Hunger er haben muss, um Menschen anzugreifen und wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass so etwas passiert, ob er Paarhufer oder Zehengänger ist. Ich weiß, dass ich nicht mit ihm spielen möchte, und das bringt mich auf einen Schlag ganz weit nach vorn gegenüber den klügsten Zoologen.

Womit wir bei den Stärken der Tagesschau sind: Die bedient virtuos beide Seiten der vermeintlichen Information: Das wohl-wissenschaftlich klingende Kauderwelsch, weihevolle Worte, die im Hirn des Rezipienten keinen Ankerplatz finden, und das Triviale, das jeder vermeintlich versteht. Daraus wird eine Melange gerührt, die das Gefühl der Informiertheit erzeugt. Analysen dazu gab es schon in den 70 er Jahren, seitdem hat sich daran aber nichts geändert.

Politische Marxisten ficht das alles nicht an. Sie haben gelesen und verstanden und glauben fortan, sie müssten agitieren. Dabei ist ihnen kein Argument abschreckend genug. Erst mal ein paar tausend Seiten Marx wälzen, dann dürft ihr auch mitreden. Mann, bin ich belesen, ey! Dabei ist Marx selbst unter Wissenschaftlern alles andere als unumstritten. Nur ein Hinweis: Was will ich mit einer Werttheorie, die schon am Phantasma der Äquivalenz scheitert? Es gibt keine zwei gleichen Dinge, schon gar nicht gleiche Leistung oder Arbeit. Jede Werttheorie setzt also auf einem Irrglauben auf. Schaut man sich andererseits an, wie real bewertet wird – seien es Produktpreise oder “Lohn”, so braucht man keine langen Ausführungen, um das Spiel zu durchschauen. Lohnarbeit ist Betrug. Furchtbar für treue Marxisten: Jede Lohnarbeit, nicht nur die kapitalistische.

Laber mich nicht voll

Womit wir schon wieder beinahe mittendrin sind in der Diskussion um und über Marx. Das ist jedesmal wie ein Crashkurs Meteorologie, wenn ich wissen will, ob es draußen regnet. Dann will ich keine Vorträge über Starkregen, Sprühregen und Niederschlagswahrscheinlichkeiten. Macht es mir einfach: Soll ich einen Schirm mitnehmen oder nicht? Auch die Antwort “Keine Ahnung” ist mir lieber als der Hinweis auf die dreißig Bände “Regen für Tiefdruckexperten”. Der Blick fürs Wesentliche ist entscheidend, wenn man wirklich kommunizieren will. Die Zuhörer filtern ohnehin eine Essenz heraus. Wer sie erreichen will, muss zusehen, worin die besteht und dass sie wenigstens ein Häppchen dessen mitnehmen, was man ihnen auftischt.

Unter Experten sieht das alles anders aus, aber um drittens einer zu werden, muss man zweitens motiviert sein und erstens interessiert. Dazu bedarf es eines Einblicks in die Welt der Belesenen, der nicht Ehrfurcht oder Abscheu, sondern Neugier erzeugt. Und da muss ich leider feststellen, dass die Marxisten, mit denen ich bislang diskutieren musste, die denkbar unfähigsten Diskutanten sind, die man sich backen kann. Ihr habt ein Problem, Jungs: Ihr habt immer recht und noch nie jemanden davon überzeugt. Es ist offensichtlich: Wer Marx sät, wird Hayek ernten. Eure Sekte treibt die Menschen in die Fänge eurer ärgsten Feinde. Wenn ihr sie in die richtige Richtung lenken wollt, müsst ihr Umwege finden, auf die sie sich von selbst begeben können. Versucht’s doch mal mit Platon, der ist wirklich sexy.

 
Einen inhaltlich erfreulich hochwertigen Artikel gibt es heute in der FR zu lesen, allein: Wem nützt das Kauderwelsch? Stephan Schulmeister nutzt eine der Schwachheiten neoliberaler Strategien und nimmt sie auseinander, um damit ausgerechnet die SPD(-Führung) anzusprechen, was damit leider doppelt ins Leere läuft.

eurosnasmNicht dass ich derartige Argumentationen grundsätzlich zurückweise, ich führe sie ja selbst hier. Es ist aber zu hinterfragen, inwieweit derlei Kommunikationsangebote noch irgendwo Resonanz erzeugen. Hätte man etwa die Hoffnung, Schulmeisters wie gesagt schlüssige Argumentation erzeugte auf Seiten der Neoliberalen selbst jegliche Erkenntnisse, so wäre man wohl naiv. Ein einziges Wort steht dem schon im Wege wie eine Staumauer: Er spricht von “Konsum”. Der intellektuelle Offenbarungseid eines Hans-Werner Sinn, der ganz offiziell glaubt, Konsum sei schädlich für die Wirtschaft, weist auf die tragende Säule im Hokuspokus der Sparpaketboten. Dagegen helfen keinerlei Argumente, schon gar keine, die unmittelbar gegen das Dogma des Konsumverzichts sprechen.

Schulterklopfen

Sich an die eigene Fraktion zu wenden, Argumentationen auf den neuesten Stand zu bringen, ein wenig Schulterklopfen vielleicht, ist nicht schädlich, aber auch wenig hilfreich. Das kann man also machen, wenn einem nichts Besseres einfällt; auch das mache ich regelmäßig selber. Es wäre aber besser, man fände dann stilistisch eine Möglichkeit, nicht staubtrockene Aufsätze zu schreiben, die niemand versteht, der nicht ohnehin längst eine Meinung zum Komplex hätte. Viele der Begrifflichkeiten und Theoreme kann man umgehen und manchmal dabei sogar auf kürzerem Wege zum Ziel kommen. Wenigstens ein Bemühen in diese Richtung wäre schön und wenigstens in einer Zeitung.

Begriffe wie Fiskalpakt, Konsolidierung, systemische Restriktionen, Schuldenquoten oder strukturelles Defizit versteht in dieser Dichte kein Mensch, der sich nicht intensiver mit Volkswirtschaft beschäftigt hat. Sie geistern durch die „Nachrichten“ und hinterlassen nur einen Effekt: Dass nämlich der Neusprech leichtes Spiel hat in der Atmosphäre einer Sprache ohne Bedeutungen.
Ein Satz wie „Man bereinige das Gesamtdefizit um die konjunkturelle Komponente und Einmaleffekte und man erhält das „schlechte“ , weil strukturelle, Defizit“ überfordern den gemeinen Abonnenten einer Tageszeitung.

Das Phänomen, Texte ohne Adressaten zu verfassen, wird vor allem dort zum Problem, wo es notwendig wäre, möglichst viele Menschen zumindest zu interessieren, wenn schon nicht zu informieren. Ich werde das Problem in den nächsten Tagen noch einmal aufgreifen und mich in diesem Ansinnen dem Marxismus widmen. Nicht um ihn zu verbessern, sondern um dazu beizutragen, ihn einer verdienten Totenruhe zuzuführen.

Die meisten Gazetten kommen erst gar nicht auf die Idee, ihre eigenen Meldungen zu hinterfragen und schreiben so etwas wie “sitzt im Kerker” über einen Mann, der “Geheimnisse” über Papa Ratzi ausplaudert. Nach welchem Recht, mit welchem Recht und was folgt daraus, erlaube ich mir mich zu fragen. Der “Stern” weiß immerhin: Es sei das “Strafrecht des Kirchenstaates”, nach dem da vollstreckt werde und es drohten bis zu 30 Jahre Haft. Nicht bloß, dass ein zutiefst mit der Mafia verstrickter Haufen mittelalterlicher Fanatiker in Europa geduldet wird, dessen diktatorische Entscheidungen werden auch noch von einem EU-Staat exekutiert.

Im vorliegenden Fall, dessen Hintergründe mir aus allen Berichten nicht ganz deutlich werden, kann sich der Unrechts- und Gottesstaat allerdings der Sympathien des freiheitlichen Westens gewiss sein. Wenn es einen Feind gibt, der nicht einmal links stehen muss, sind es die Petzen, die dafür sorgen, dass nicht alles Gemauschel der Granden dieser Welt vor der Öffentlichkeit verborgen bleibt. Das Verbrechen der Transparenz wurde in besseren Zeiten mit dem Herausschneiden der Zunge gesühnt. Im Zeitalter des Internet reicht das nicht mehr aus zur Eindämmung der nämlichen Todsünde, da muss man die Abtrünnigen schon ganz aus dem Verkehr ziehen. Apropos: Lasst es aussehen wie einen Unfall!

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