2010
Yearly Archive
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Wirtschaft[12] Comments 05. Jul 2010 10:58
“Hilfe von der Politik” wünscht sich der Karstadt-Käufer, weil die Vermieter ihre Forderungen nicht der Realität anpassen wollen. Den Steuerzahler wird der Spaß ohnehin bis zu 650 Millionen kosten. Die Mitarbeiter haben längst auf Lohn verzichtet – wobei ich leider nicht ersehe, ob sie auf der Gläubigerliste stehen, ich denke aber, das ist eher nicht der Fall – und alle anderen Gläubiger haben sich ebenfalls mit gigantischen Verlusten abgefunden.
Ausgerechnet diejenigen, deren völlig überzogene Forderungen die Pleite ausgelöst haben, beharren weiterhin darauf, den letzten Tropfen Blut aus ihrem Opfer zu saugen. Das ganze Unterfangen war von Anfang an durchschaubar und entweder irrsinnig oder kriminell. Es ist höchste Zeit, diese Frage eindeutig zu beantworten und Strafanzeige zu erstatten gegen alle die Künstler, die sich da fett gemacht und den Laden vor die Wand gefahren haben. Den Vermietern sind die Immobilien im großen Stil zugeschanzt worden, jetzt haben sie bloß das Problem, daß ihr Kunde kein solventer Mieter mehr ist. Das Ziel dürfte sein, Karstadt endgültig aus den eigenen Häusern zu vertreiben und Kasse zu machen. Es wäre hilfreich zu wissen, ob das alles so legal ist.
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Netzwelt[10] Comments 04. Jul 2010 21:17
In einigen Browsern funktionieren derzeit die dynamischen Lesezeichen nicht. Opera kann sie in HTML umwandeln, in Firefox 3.0 gibt es keine Probleme, FF 3.6 kennt nur das Problem und keine Lösung. Ich müßte flattr abschalten, dann ginge es wieder. Das würde mir aber gleich am Anfang des Experiments nicht wirklich gefallen. Ich weiß, daß die Hacker bei flattr an dem Problem arbeiten und muß euch noch ein wenig vertrösten. Bislang habe ich noch keine gangbare Alternativlösung gefunden. Wir bleiben dran und danken für Ihr Verständnis. ;-)
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Politik[15] Comments 04. Jul 2010 13:23
Ja, meine Herren und Damen, es geht wieder um diese Fußball-WM. Ihr wißt schon, 22 Zweibeiner hecheln um ein buntes Bällchen, und der Exportweltmeister gewinnt. Um sich zu orientieren über das, was so geht im Bereich Vergleich, ist es ganz lehrreich, ausländische Presse zu lesen. Von der schwarzen “SS-Uniform” der Trikots über das übliche “Panzer”, “Blitzkrieg” oder “Hunnen” – Getexte sind sie da ganz locker in der Feder. Sogar die Ösis, die ja schon irgendwie auch ‘dabei’ waren. Selbst die sind bekannterweise unverkrampft, hatten sie doch bereits einen Bundespräsidenten Waldheim, dessen Pferd nachgewiesenermaßen in der SS gewesen war. Hat sie aber nicht groß gestört.
Die Überschrift, laxe Reminiszenz an deutsche Welterrschaftsansprüche, erscheint dem Germanisten nicht recht gelungen. Der Fußball-Fan, gern per se als ‘Sepp, der Depp’ angesehen, ist aber sogar in seiner Oberflächlichkeit manchmal tiefsinniger als sein intellektueller Verächter. Die Süffisanz ist ein Mix aus Provokation und Respekt, der natürlich dann die größte Freude bereitet, wenn der Angesprochene keine passende Reaktion findet. Das weiß übrigens niemand so gut wie der gern hysterisch wirkende Brite. “Don’t mention the war” ist die jederzeit gültige Aufforderung, die Krauts auf allen Ebenen permanent an die Zeit unterm Chaplin-Bärtchen zu erinnern. Da sind sie so schön wehrlos.
Kommen wir nunmehr zu etwas völlig anderem: Die spielerisch herausragende Vorstellung der deutschen Mannschaft gegen die phantasielosen Argentinier in diesem Blog zu erwähnen, kommt einer Kasteiung gleich. Zu solchen neige ich freilich nur im Rahmen eines entsprechenden Lustgewinns. Wer da konsequent humorlos und intolerant ist, sollte sich an dieser Stelle einer harmloseren schöngeistigen Beschäftigung widmen. Das wird nämlich nicht besser hier.
Anlaß zu diesem Beitrag war die Lektüre des Artikels im “Standard”, dem sich auch die Headline verdankt. Warum der Hinweis? Weil das sprachliche Niveau dieses dummen Sportberichts so turmhoch über den Werken der allermeisten hiesigen Journailleprodukte steht, daß es sich einfach lohnt, sich davon inspirieren zu lassen. Vielleicht sollte man öfter mal den Sportteil durchblättern. Und die Zeitungen der Nachbarn.

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Hintergrund[24] Comments 02. Jul 2010 13:46
Kinder, ich wollte ja etwas zum Liberalen in uns allen sagen, aber ich bin so frei. Es ist heiiiß … Eben mal kurz bei SpOn reingeguckt (nur gucken, nicht anfassen) und zwei beinahe bis zur Unkenntlichkeit entkleidete Blondinen im Matsch hocken sehen. Ist der Diekmann da jetzt eigentlich schon Chef oder kommt der noch?
Jedenfalls bräuchte ich für solche Zeiten und meine Konkurrenzfähigkeit unbedingt Tittenbilder. Mit Lizenz. Lizenz zum Tittenbild, nichtwahr. Jeder denkt das gleiche, doch dazu ist’s zu heiß … und was denken wir da alle miteinander? Richtig: an den Leser. Und die Fikten. Fiktionale Fakten. Naked Fake. Facts about naked Fakes. Fiktionen von der Fraktion. Taschen voller Fakten. Nackte Faktentaschen, die gehackte Akten naschen. Am Montag. Am Kiosk.
Hülfe!
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Politik[40] Comments 01. Jul 2010 12:51
Die Farce geht weiter. Das holprige Stück, das “Rotgrün” für einen Geniestreich hält, wirkt auch ohne den erhofften Erfolg. Die Gräben sind tiefer, Inhalt ist weniger gefragt denn je. Gauck hat die Republik noch ein wenig mehr gespalten. An Versöhnung oder Integration war ihm ohnehin nie gelegen, daher eignete er sich hervorragend für das taktische Spielchen der Mitte-rechts-Sozialdemokraten, die einen besseren Schwarzgelben aufzubieten hatten als Schwarzgelb selbst.

Wenn jetzt die Grünen nachgerade geifern, die Linke sei “unverantwortlich” und der SPD-Chefselbstdarsteller Gabriel ernsthaft die Stalinismuskeule schwingt, möchte man glatt den armen Wulff zum Rücktritt ermutigen. Nicht bloß, daß er als Person keine Rolle spielt, aber zufällig Amtsinhaber wurde, sondern vor allem, weil man ihm gerade aus allen Rohren deutlich macht, welche Würde die hiesige Politeska seinem Amt zubilligt.
Der sympathische Stasi-Jäger Gauck als Präsident aller Deutschen, darauf muß erst mal einer kommen! In bezug auf das Ost-West-Verhältnis wäre wohl nur Birgit Breuel ein noch deutlicheres Signal gewesen, die Treuhand-Chefin und Ausverkäuferin der DDR-Restindustrie. “Ihr könnt uns mal”, ruft das Establishment den ehemaligen DDR-Bürgern und den Linken zu – eine tendenzielle Gleichsetzung, die dem politischen Kalkül entspricht. DDR-Nostalgiker und Links, das ist demnach eine Mischpoke. Unnötig zu betonen, daß sie alle bei der Stasi waren oder zumindest “Mauer und Stacheldraht” rechtfertigen. Was die neoliberalen Rückzugsgefechte der politischen Opposition permanent vor die Füße eimern, man kann es nicht mehr hören.
Und natürlich wird dann wieder Diether Dehm vor ein Mikrophon gezerrt, der Intimfeind Gaucks, von dem die versammelte Presse lügt, er sei ein “überführter Stasi-Spitzel”. Gerade sein Fall zeigt, wie komplex das System “Stasi” war und beileibe nicht jeder, der angeblich gequatscht hat, das auch so wollte. Dehm hat einmal ganz richtig erkannt: “Ich war wohl ziemlich naiv und hätte mein Maul öfter halten müssen”. Genau, gestern wäre wieder eine Gelegenheit gewesen. Auch wenn Gauck die DDR mit dem dritten Reich auf eine Stufe stellt, auch wenn er ausgerechnet die Stasi-Akten als unanzweifelbar dargestellt hat, ist das kein Grund, sich noch unter dieses Niveau zu begeben. Die Presse hat nach dem dummen Spruch “Was würden Sie denn machen, sie hätten die Wahl zwischen Stalin und Hitler?” ihr Fressen gefunden. Linke alle doof und extremistisch.
Hätte ich für die Linke in der Bundesversammlung gesessen, ich hätte ganz selbstverständlich auch nicht Gauck gewählt. Gauck ist ein glühender Antikommunist mit neoliberalem Einschlag. Nehmen wir kurz an, er wäre ein guter Präsident für die anderen gewesen – aber für die Linke?
Von der zu erwarten, sich aus einer Wahltaktik, die selbst im “Erfolgsfall” zu exakt nichts führt, selbst zu demütigen, zeugt von der politischen Klasse der politischen Klasse.
Selbst wer nicht “links” ist, hätte mit Wulff die bessere Wahl getroffen. Der Kandidat der offiziell Rechten hat wenigstens theoretisch das Zeug dazu, allen Deutschen zuzuwinken.
Daß Rotgrün sich unter aller Würde blamiert und einen abstoßenden Opportunismus offenbart hat, geht leider unter in einer Scheindebatte über strategische Optionen und den Zustand einer Koalition, die gestern gar nicht anwesend war. Wenn sich Merkels Abenteuerspielplatz bald endgültig zerlegt, werden sich Künast und Gabriel das noch ernsthaft auf die eigenen Fahnen schreiben. Ihren mangelnden Verstand wissen sie nämlich stets durch grandiose Eitelkeit zu kompensieren.

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Politik[20] Comments 30. Jun 2010 14:17
Es ist mir einmal mehr das Bedürfnis, mich mit dem Begriff “liberal” zu beschäftigen, nicht zuletzt angesichts des anhaltend furchtbaren Zustands sogenannter “liberaler” Parteien in Europa. Wo sich noch nicht hinter dem finalen Etikettenschwindel intolerantes bis braunes Gesindel versammelt, beschränkt sich der Freiheitsbegriff auf die Freiheit des Marktes, die unmittelbar in die Unfreiheit der Menschen umschlägt. Ehe ich in einem weiteren Artikel auf Grundsätzliches zum Begriff komme, möchte ich noch einmal einen Blick auf die Geschichte der vergangenen 30 Jahre werfen, der Ära des Neoliberalismus.

Am Anfang stand das Lambsdorff-Papier, das in Verlängerung der “neokonservativen” Politik Reagans in den USA und dem Thatcherismus in England das Programm auf den Punkt brachte:
- Niedrige Löhne
- Niedrige Kosten der Sozialabgaben für Arbeitgeber, Senkung der Lohnersatzleistungen
- Niedrige Steuern, insbesondere für Unternehmen
- Niedrige Staatsausgaben, “Konsolidierung” der öffentlichen Haushalte
- Deregulierung
- Privatisierung
- Bindung des Freiheitsbegriffs ans Privateigentum, Unantastbarkeit des letzteren
- Ausschließlich positive Kommunikation der wirtschaftlichen Lage.
Im Juni 1999 stellten dann die “Sozialdemokraten” Schröder und Blair ihr Konzept vor, in dem es hieß:
“Die beiden vergangenen Jahrzehnte des neoliberalen Laisser-faire sind vorüber“.
Wahr ist, daß die seinerzeit vergangenen Jahrzehnte vorüber waren. Was aber sollte sich wirklich ändern? Ein Blick in die Leitsätze:
“Flexible Märkte sind ein modernes sozialdemokratisches Ziel.”
Was bis dahin “Deregulierung” hieß, wurde umgetauft. Die Finanzmärkte wurden dereguliert wie niemals zuvor, Arbeitnehmerrechte abgebaut. Wogegen Sozialdemokraten jahrzehntelang gekämpft hatten, das wurde jetzt einfach selbst “sozialdemokratisch”. Die “Public Private Partnership” – Projekte schossen nur so aus dem Boden, es wurde privatisiert auf Teufel-komm-raus, denn auf dem Programm stand:
“Der Staat soll nicht rudern, sondern steuern“.
Der schlanke Staat wurde weiter auf strenge Diät gesetzt, Unternehmen entlastet:
“Sozialdemokraten dürfen deshalb exzessive Staatsverschuldung nicht tolerieren” und “Die Steuerbelastung von harter Arbeit und Unternehmertum sollte reduziert werden”.
Hiermit war nicht zuletzt der Spitzensteuersatz gemeint. Die am häufigsten erwähnte Forderung des Papiers ist die “Senkung der gesetzlichen Lohnnebenkosten“, die den Arbeitnehmern als “höheres Netto” schmackhaft gemacht wurde. Das Motto “Mehr Netto vom Brutto” ist so neu also nicht. Daß tatsächlich damit nur die Arbeitgeber entlastet wurden, weil die Kosten der Sozialhaushalte ja weiterhin bezahlt werden müssen, hat freilich niemand verraten. Aus der paritätischen Finanzierung waren die Betriebe raus, ihre Steuern wurden gesenkt. Diese doppelte Entlastung zahlt am Ende der Bürger, zum größten Teil die Arbeitnehmer. Diese sind seitdem kein Ansprechpartner mehr für “Sozialdemokraten”, geschweige denn die Arbeitslosen. Die “Sozialdemokratie” war aufgestiegen:
“Moderne Sozialdemokraten müssen die Anwälte des Mittelstands sein“.
Da steht nicht einmal “Mittelschicht”. Produktionseigentum sollte schon vorhanden sein.
Wer die Resultate dieser Politik auslöffeln sollte, wurde gar nicht verschwiegen:
“Teilzeitarbeit und geringfügige Arbeit sind besser als gar keine Arbeit, denn sie erleichtern den Übergang von Arbeitslosigkeit in Beschäftigung.”
Letzteres mußte als Alibi herhalten. Die Praxis sieht völlig anders aus. Es fehlt dann noch der Hinweis auf sinkende Löhne und Arbeitszwang. Dies alles wurde unter der Formel “Eigenverantwortung” verkauft und in die Hartz-Gesetze gegossen. Soziale Gerechtigkeit verschwand ganz von der Agenda, indem das Karriereschicksal zum gerechten Los umgedeutet wurde. Jeder kriegt halt, was er verdient:
“In der Vergangenheit wurde die Förderung der sozialen Gerechtigkeit manchmal mit der Forderung nach Gleichheit im Ergebnis verwechselt. Letztlich wurde damit die Bedeutung von eigener Anstrengung und Verantwortung ignoriert und nicht belohnt.”
Die Zynische Formel “Gleichheit im Ergebnis”, die in etwa das Gegenteil der sozialen Realität darstellt, war die Abkehr von jedem Gleichheitsideal. Fortan galt “Chancengleichheit”, die nicht nur der maroden Bildungslandschaft Hohn spricht, sondern eben vor allem jede Ungerechtigkeit mit persönlichem Versagen in Verbindung bringt. Fortan wird jenen, die es zu nichts gebracht haben, Beschäftigung ohne Möglichkeit des Einspruchs “zugemutet”. Dem kann sich nur entziehen, wer das Glück eines besseren Jobs hat oder so viel Eigentum, daß er davon leben kann.
Diese Umdeutung sozialer Gerechtigkeit ist mehr als deprimierend, darum galt es, sie möglichst bunt zu verpacken, etwa mit dem Versprechen Millionen neuer Arbeitsplätze, denn:
“Wenn die neue Politik gelingen soll, muß sie eine Aufbruchstimmung und einen neuen Unternehmergeist auf allen Ebenen der Gesellschaft fördern“.
Womit endgültig jeder einzelne Punkt des Lambsdorff-Papiers wiederholt und auf die “neue” Agenda gesetzt worden wäre. Dies also war das Ende “des neoliberalen Laisser-faire”. Für Arbeitnehmer und solche, die es gern wieder wären, hieß das schlicht, daß man sie nicht mehr “lassen” würde. Sie wurden zum Prekariat oder zum potentiellen Prekariat, ständig unter Druck und dem Zwang, ihre Existenz zu rechtfertigen. “Laisser-faire” gab es nicht mehr, der Neoliberalismus aber kam jetzt erst richtig in Fahrt.

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Journalismus[25] Comments 29. Jun 2010 11:42
Ich habe vor einigen Wochen schon SpOn aus meinen Favoriten entfernt und bereue es wahrlich nicht. Der mächtigste Online-Auftritt des Kuhjournalismus ist inzwischen nicht nur von einer erbarmungswürdigen Qualität bezüglich der Artikel, es ist auch nicht mehr auszuhalten, wie man die offenbar für doof oder betrunken gehaltenen Leser anspricht. Überschriften wie “Piep – Toooooooor!” oder “Ihre Bilder der Weltmeisterschaft: Ganz Schlaaand ist in WM-Ekstase! Zeigen Sie uns Ihre Fotos vom Fußballfest!” zieren die Startseite. Wo bin ich denn hier?
Hinzu kommt das penentrante “Spiegel Online (im Original auch noch in Großbuchstaben) erklärt”, “Spiegel Online zeigt”, “Spiegel Online sagt Ihnen”. Leute, die von sich in der dritten Person sprechen, haben gemeinhin einen an der Murmel und halten sich für irrsinnig wichtig. Beim Boulevard ist das nicht anders. Hier wird der Leser ganz offensiv entmündigt, im Stil von “Jetzt reden wir und du hälst die Klappe”, da besorgt der Verlag die Meinungsaufbereitung, selber Denken unnötig. Die Großkotz-Psychose führt dazu, daß ein Gegenüber gar nicht mehr wahrgenommen wird.
Über die Wahl der Themen ganz zu schweigen, neben einer gnadenlosen Fahrt auf dem Zug schwarzrotgeiler Fußball-Trunkenheit Dauerwerbung für Gauck, von der Homestory bis zur Heldenverehrung. Wer dann noch den Fehler macht zu lesen, was an Substanz hinter der billigen Kulisse steckt, wird nicht enttäuscht. Da ist gar nichts mehr.
Selbst das letzte Plus des ehemaligen Nachrichtenmagazins, die Aktualität, verpufft, wenn man inmitten dröhnender Irrelevanz nichts mehr findet, das noch von Interesse wäre. Andere haben eh längst aufgeholt. Die Nachrichten vom dradio etwa, trotz der peinlichen Abschrift des Köhler-Interviews, sind übersichtlich und wirklich gut gefiltert, darunter immer Informationen aus erster Hand, sprich: Die selbst gesendeten Interviews.
Erwartet habe ich schon lange nichts Gutes mehr aus der Brandstwiete, inzwischen ist auch die Hoffnung gestorben. Was da noch geboten wird, kann ich auch am Axel-Springer-Platz kaufen. Bei denen stimmt auch fast nichts, eines aber kann man ihnen zugute halten: Der Preis ist halbwegs angemessen.

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Politik[19] Comments 28. Jun 2010 12:29
Ja, in der Tat ist der Schoß noch fruchtbar. Unter dem Neoliberalismus ist noch eine Menge Platz für Rassismus und Leuteschinderei aller Art. Und während die SPD sich nicht von Rassisten distanzierten mag, hat die CDU ein Herz für Ausländer. Sie will sie gar nicht erst reinlassen und sogenannte “Intelligenztests” zu einer weiteren Hürde machen. Was in den Zeiten der Apartheid bei den Negern funktioniert hat, geht auch heute noch mit dem Rest der Welt.
Wie sieht es denn aus, unser Einwandererland? Da hetzen ernsthaft als “links” einsortierte Politiker fröhlich gegen dumme faule Ausländer. Alle scheinen sich einig zu sein, daß Armut ein selbst verdientes Schicksal ist und sorgen gleichzeitig für niedrige und immer weiter sinkende Löhne. Während reiche Erben nicht nur verschont, sondern gar zu “Leistungträgern” erklärt werden, dürfen sich Niedriglöhner noch obendrein von Ämtern schikanieren lassen, wenn sie das Allernötigste brauchen.
Als “Freiheit” gilt in diesem Land ein niedriger Steuersatz. Arbeitslose in “zumutbare” Beschäftigungen zu zwingen, firmiert ebenso unter “Freiheit”.
Selbständige sind da schon besser angesehen. In Sonntagsreden. Kredit bekommen sie hier nämlich keinen, es sei denn sie weisen nach, daß sie ihn gar nicht brauchen.
Die Schulen sind ineffektiv, die Lernerfolge katastrophal, aber die soziale Selektion durch “Bildung” funktoniert hervorragend. Wer hier keine Chance hat, hat hier keine Chance. Das macht uns so leicht keiner nach.
Immerhin lernen Ausländerkinder in Kindergarten und Grundschule schon eine neue Sprache. Englisch. Wenn das nicht sitzt, winkt die “Hauptschule”. Hier treffen sich die Prekären ohne Deutschkenntnisse. Was den einen an Vokabeln fehlt, machen die anderen durch ruinöse Grammatik wett. Kevin Printz, komm bei die Mama!
Für die nahe Zukunft steht ein Versprechen über diesem Märchenland: Es wird gespart, bis die Schwarte knackt. Selbst für den unwahrscheinlichen Fall, daß die weltwirtschaftliche Depression ausbleibt, wird es äußerst ungemütlich werden. An Aufstieg ist nicht zu denken, es wird schwierig genug, den Abstieg zu verhindern.
Ganz folgerichtig verlassen längst mehr Menschen das Land, als einwandern. Deutschland ist ein Auswanderungsland. Einer der reichsten ‘Wirtschaftsnationen’ der Welt kehren massenhaft Bürger den Rücken.
Was macht dieses Land denn attraktiv? Daß wir Exportweltmeister sind? Daß ein paar unserer Landsleute prima Fußball spielen? Das kann man woanders entspannter genießen.
Wer da Intelligenztests fordert, ist selbst schon mal durchgefallen. Abgesehen von der Schikane, Einwanderer mit Bildungs, -Sprach, und demnächst wohl auch noch Gentests zu überziehen, abgesehen von der Sinnlosigkeit weiterer Zuzugsbeschränkungen, abgesehen von einem völligen staatlichen Versagen in Sachen “Integration”, ist die Einwanderung selbst schon ein Zeugnis minderer Intelligenz. Wer hier einwandert, hat doch nicht alle Latten am Zaun.

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Politik[31] Comments 27. Jun 2010 0:25
Der unermüdliche Kulle macht mich auf einen Artikel aufmerksam, in dem Sigmar Gabriel sein Parteimitglied Sarrazin für dumm erklärt. “Schaut euch das mal an”, fordert der Kommentator.
Ich hatte Gabriel und dem SPD-Vorstand als Bürger in einer Mail gefragt:
“Die neuerlichen Äußerungen Herrn Sarrazins erfüllen nach Meinung vieler Publizisten den Sachverhalt des Rassismus. Ihre Schiedskommission sah das zuletzt anders, stellte aber keinen Freibrief für derlei Äußerungen aus.
Sieht sich das Präsidium, sehen Sie sich als Vorsitzender veranlasst, das weiterhin so durchgehen zu lassen oder ist dies ein Anlass, sich auch nacht ‘rechts’ abzugrenzen?”
Darauf antwortete Toni Ramlow für den SPD-Vorstand:
Sicherlich haben Sie Verständnis dafür, dass der SPD-Parteivorsitzende, Herr Sigmar Gabriel, nicht alle an ihn gerichteten Zuschriften persönlich beantworten kann. Er hat mich gebeten, auf Ihre Nachricht zu antworten.
Ihre kritischen Ausführungen zu Thilo Sarrazin haben wir sehr aufmerksam gelesen und zur Kenntnis genommen.
Sigmar Gabriel sagte dazu in der vergangenen Woche, dass Thilo Sarrazin bei der Deutschen Bundesbank mehr zu tun bekommen sollte, damit er seine Zeit mit Dingen füllt, wovon er auch Ahnung habe.
Der ehemalige Finanzsenator von Berlin und Rechtspopulist Sarrazin wird also für dumm und ahnungslos erklärt, weiterhin aber in der SPD geduldet. Diese halbgare Distanzierung ist typisch für eine “Meinungsbildung”, die lieber auf eine klare Abgrenzung von Rassismus verzichtet als auf rechte Wähler.
Ist Sarrazin der Vollstrecker, gibt es mit Heinz Buschkowsky einen unfreiwilligen Zuarbeiter, dessen Rolle in der öffentlichen Kommunikation deutlich macht, worauf es der Partei ankommt. Gabriel sagt dazu,
“durch Politiker wie ihn schaffe es die SPD sich breit aufzustellen. Kritik, die an Buschkowsky intern immer wieder auftauche, könne er nicht nachvollziehen.”
Wenn ein Vorstadtsoze, der nie aus seinem Viertel herausgekommen ist, sämtlichen Zeitungen der Republik Interviews gibt, in denen er Ressentiments gegen “Gutmenschen” streut, versteht der Vorsitzende die Kritik daran also nicht. “Breit aufgestellt” läßt man also derlei Gewäsch, das sich der Terminologie Rechtsradikaler bedient, zu. Seine Partei, die auf der anderen Seite die Linke tief im Westen zu Erklärungen hinsichtlich eines “Unrechtsstaats” DDR nötigen will, positioniert sich damit effektiv rechts im politischen Spektrum.
Buschkowsky, dessen intellektuelle Kompetenzen mit allgemeinen Äußerungen zu Ausländern schlicht überfordert sind, muß ich als simplen Menschen dabei durchaus in Schutz nehmen. Er hat nämlich immerhin deutlich gemacht, daß er Sarrazins Hetze verurteilt:
“Mit den Äußerungen in der SZ hat Sarrazin eine Grenze überschritten, das ist teils nackter Rassismus, das trage ich nicht mit.”
Zu einer derart deutlichen Stellungnahme können sich die Trübfischer der Chefetage freilich nicht durchringen. Sie bedienen sich fröhlich der Springerpresse-kompatiblen Ausfälle ihrer resoluten Kleinfunktionäre und haben nicht einmal den Arsch in der Hose, Rassisten und ihren feixenden Anhängern die nämliche Karte zu zeigen. Man könnte ja die Urnenkreuzchen des einfachen Mannes auf der Straße verlieren, der dann die echten Rechten wählt.
So ist es bestellt um die “Sozialdemokratie”. Tabus gibt es nur links. Jeder darf ein bißchen schwätzen und wird zitiert, wenn es der Stimmungslage entspricht. Diskriminierung und Hetze gegen Arbeitslose und Ausländer werden hier geduldet und da gefördert, und wenn es zu sehr stinkt, wird ein bißchen Parfum versprüht. Das Furchtbare daran ist, daß diese konturlos abgesonderte Entwürdigung von Menschen der SPD noch immer nicht das Genick bricht. Sie werden glauben, das sei alles richtig so, denn die Umfragewerte steigen ja. Vielen Dank an dieser Stelle an den Rest des Establishments, dessen Protagonisten offenbar noch blöder sind.

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Hintergrund[23] Comments 24. Jun 2010 20:33
Der deutsche Bulldozer hat die Afrikaner langsam zerquetscht. Nur selten zeigten die deutschen Tanks in ihren SS-schwarzen Jerseys Blitzkrieg-Qualitäten. Als Özils V2 im gegnerischen Zentrum einschlug, war die Schlacht jedoch entschieden. Als nächstes heißt es also “Bomben auf Engeland“.
Noch keine vierzig, aber schon eine Biographie: Man muß nur wichtig genug sein im Feudalsystem, schon kömmt eine verhinderte Königin daher und zeigt dem Pöbel, worauf es ankommt. In einer beachtlichen Kritik ‘würdigt’ Wolfgang Jaschensky das feudalistische Pamphlet einer “Anna von Bayern” über Botoxbirne vor Guttenberg. Der Adel, die Herkunft, das ist es, was den Menschen ausmacht. Damit schließt sich auf der anderen Seite die Klammer, die auf der einen ein Sarrazin geöffnet hat: Der Emporgekommene wertet Seinesgleichen ab, die Durchlaucht das ihre auf. Läuft alles auf dasselbe hinaus: Es lebe die Hoheit, es lebe die Genokratie!
Scheusal Özil führte die Reichsdeutschen zum nächsten Sieg, trotz einiger Schwächen und mit dem nötigen Kriegsglück. Sami Khedira, Jerome Boateng, Claudemir Jeronimo Barreto, Mesut Özil, Piotr Trochowski und wie sie nicht alle heißen, die neuen Eichmanns und Himmlers, sind angetreten, um die Welt einmal mehr zu unterwerfen.
Mist, ich bin depressiv. Eine Computerauswertung meines Blogs hat ergeben, daß ich kurz vor dem Suizid stehe und überdies paranoid-querulatorische Züge sowie einen Hang zum Größenwahn aufweise. [via] Es ist beinahe niedlich. Zwar deutet die Quelle hinter dem Artikel an, daß es kaum zwei Psychiater gibt, die sich über eine Diagnose bezüglich “Depression” einig wären, das ficht die grandiosen israelischen “Wissenschaftler” aber nicht an, im Geiste schon einmal jeden abholen zu lassen, den die Software als schwermütig erkennt. Denn immerhin sind sich in 78 % der Texte das Programm und die angeschlossenen Weißkittel einig: Irgendwie traurig. Wen 78% Mimikfältchen und 112% mehr Kundenzufriedenheit überzeugen, der psychiatrisiert auch schon mal 10% der Schreiberlinge. Die überkritischen natürlich zuerst. Ist Depression nicht sogar zu 65% rassisch bedingt?
Die Entscheidung in Bloemfontein wird ein mystischer Kampf Mann gegen Mann, gut gegen Böse werden, ganz wie in “Herr der Ringe”, dessen Autor J.R.R. Tolkien 1892 in der Stadt geboren wurde. Werden Joachim Löw und seine dunklen Orks jetzt über England, Argentinien und Holland rollen? Da sei England vor. Gott schütze das Vereinigte Königreich!

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