Ja, meine Herren und Damen, es geht wieder um diese Fußball-WM. Ihr wißt schon, 22 Zweibeiner hecheln um ein buntes Bällchen, und der Exportweltmeister gewinnt. Um sich zu orientieren über das, was so geht im Bereich Vergleich, ist es ganz lehrreich, ausländische Presse zu lesen. Von der schwarzen “SS-Uniform” der Trikots über das übliche “Panzer”, “Blitzkrieg” oder “Hunnen” – Getexte sind sie da ganz locker in der Feder. Sogar die Ösis, die ja schon irgendwie auch ‘dabei’ waren. Selbst die sind bekannterweise unverkrampft, hatten sie doch bereits einen Bundespräsidenten Waldheim, dessen Pferd nachgewiesenermaßen in der SS gewesen war. Hat sie aber nicht groß gestört.

Die Überschrift, laxe Reminiszenz an deutsche Welterrschaftsansprüche, erscheint dem Germanisten nicht recht gelungen. Der Fußball-Fan, gern per se als ‘Sepp, der Depp’ angesehen, ist aber sogar in seiner Oberflächlichkeit manchmal tiefsinniger als sein intellektueller Verächter. Die Süffisanz ist ein Mix aus Provokation und Respekt, der natürlich dann die größte Freude bereitet, wenn der Angesprochene keine passende Reaktion findet. Das weiß übrigens niemand so gut wie der gern hysterisch wirkende Brite. “Don’t mention the war” ist die jederzeit gültige Aufforderung, die Krauts auf allen Ebenen permanent an die Zeit unterm Chaplin-Bärtchen zu erinnern. Da sind sie so schön wehrlos.

Kommen wir nunmehr zu etwas völlig anderem: Die spielerisch herausragende Vorstellung der deutschen Mannschaft gegen die phantasielosen Argentinier in diesem Blog zu erwähnen, kommt einer Kasteiung gleich. Zu solchen neige ich freilich nur im Rahmen eines entsprechenden Lustgewinns. Wer da konsequent humorlos und intolerant ist, sollte sich an dieser Stelle einer harmloseren schöngeistigen Beschäftigung widmen. Das wird nämlich nicht besser hier.

Anlaß zu diesem Beitrag war die Lektüre des Artikels im “Standard”, dem sich auch die Headline verdankt. Warum der Hinweis? Weil das sprachliche Niveau dieses dummen Sportberichts so turmhoch über den Werken der allermeisten hiesigen Journailleprodukte steht, daß es sich einfach lohnt, sich davon inspirieren zu lassen. Vielleicht sollte man öfter mal den Sportteil durchblättern. Und die Zeitungen der Nachbarn.