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2009


Es gibt in diesem Zeiten ja eine Menge dummer Propaganda, die mehr oder minder verschämt von den Großmedien betrieben wird. Man einigt sich auf einen gewissen Sprachgenrauch, da wird der eine “Populist” genannt, der andere mit “Rettung” in Verbindung gebracht, es werden Sympathiewerte ausgewürfelt und dem Volk derart “objektiv” untergejubelt, was es von seinen “Vertretern” zu denken hat.

Es geht aber auch anders: Unverblümt, direkt und derart verlogen, daß Widerspruch zwecklos erscheint. Die pure Meinungsmacht wähnt sich hier am Werke oder ist es tatsächlich. Da wird behauptet, gewertet und etikettiert ohne einen Anflug von Information, Begründung oder Zurückhaltung, da wird schlicht agitiert.
Was Cicero-Mann Weimer im “Stern” von sich gibt, ist fürwahr atemberaubend. Er will “Querdenker” entdeckt haben, “kantige Klartext-Sympathen”, die so ganz anders seien als die Mainstream-Politiker und die ihre ganz eigenen Ansichten vertreten. Und wen meint er damit? Jürgen Trittin? Oskar Lafontaine? Oder vielleicht Heiner Geißler?

Nein, die verrückt-sympatischen Querdenker sind zu Guttenberg, Steinbrück und Westerwelle. Ausgerechnet diese aalglatten Sprechpuppen neoliberaler Binsenweisheiten will Weimer als intellektuelle Rebellen verkaufen. Man kann mich ja davon überzeugen, daß die Leser überflüssiger Hochglanz-Magazinchen auch mittags am Äquator noch einen langen Schatten werfen, aber daß sie im Gros so dämlich sind, die eifrigsten Mitläufer nicht von Widerständlern unterscheiden zu können, halte ich dann doch für arg optimistisch. Zumindest muß man verdammt hart daran arbeiten, sich eine derart verblödete Leserschaft zusammen zu schmieren. Der darf Herr Weimer seinen erbarmungswürdigen Kotau dann auch gern präsentieren, aber könnte nicht wenigstens der “Stern” seine unbedarfte Laufkundschaft davor warnen?

Der Wettbewerb unter solchen Kuhjournalisten mit flexibler Wirbelsäule scheint ausgesprochen hart zu sein. Die Wahrheiten und Weisheiten der vergangenen Jahre lösen sich in Luft- und Spekulationsblasen auf, die Helden entpuppen sich als Versager, die Deckel, unter denen der Mief der Korruption gehalten wurde, weichem dem Druck ungeminderter Unverschämtheit. Da ist es mit “Augen zu und durch” nicht mehr getan. Da ist schon schwer im Hintertreffen, wer nicht wirklich taub und blind ist. Da macht sich schon überflüssig, wessen Lügengeschichten noch letzte Hemmungen zu erkennen geben.

Wolfram Weimer ist in dieser Hinsicht von keinerlei Zweifeln beeinträchtigt. Er hat getan, was er kann und gezeigt, daß er sich für Höheres eignet. Seinem kritischen Geist entspringt die Art spitzer Zunge, die selbst feinstes Stiefelprofil noch zu reinigen vermag, ohne daß die Majestät sich dazu vom Sitze erheben muß.

hund

Soo … derzeit trage ich mich mit dem Gedanken, jemanden mit dem Hund vor die Tür zu schicken, mit dem niemand rechnet. Aber wie das so ist bei Online-Awards, machen die Nachnominierungen den meisten Spaß. Ich bitte also um letzte Vorschläge oder die Bestätigung der Erkenntnis, daß wir alles schon kennen.
Ich putze dann schon mal den Pokal.

nachdem inzwischen sogar das DIW erkannt hat, daß Erbschafts-und Vermögenssteuer dringend erhöht bzw. wieder eingeführt werden müssen, wird es allmählich reichlich einsam auf der Spur, der eure Chefs folgen. Ausgerechnet aus einer Großen Koalition heraus und inmitten einer Wirtschaftskrise wollen sie ausdrücklich darauf verzichten, Steuern bei denen zu kassieren, die reichlich haben, außer etwas geleistet. Das ist putzig. Wen genau wollen sie damit eigentlich überzeugen, und vor allem: Wovon?

Ach, es ist anstrengend mit euch. Schaut doch mal bei Wikipedia nach unter dem Namen “Brandt, Willy”. Oder laßt euch ein Filmchen von Guido Knopp zeigen zur Geschichte der SPD, ja, genau, das ist die Partei, deren Mitglieder ihr seid. Da werdet ihr feststellen, daß “Sozialdemokratie” einmal etwas damit zu tun hatte, daß es möglichst vielen möglichst gut gehen soll. Laßt euch einmal ältere Parteiprogramme vorlesen oder wenigstens das aktuelle. Da steht nichts von Steuergeldern für Banken, die von Angestellten aufgebracht werden sollen. Ganz im Gegenteil.
Na gut, links blinken und rechts abfahren konnten eure Großen schon immer gut. Wenn die Geisterfahrer ihre Dauerlichthupe aber inzwischen mit Zusatzscheinwerfern ausstatten, ist doch irgendwann einmal Feierabend. Nicht?

Habt ihr einmal die hunderttausend gefragt, die zuletzt aus der Partei ausgetreten sind, was mit denen los ist? Wundert ihr euch nicht, daß eure Kommunistische Plattform “Sozialdemokraten in der SPD” heißt?
Worauf genau wartet ihr? Daß die FDP eine Vermögenssteuer einführt? Und dann? Sicher, dann seid ihr auch dafür, aber wenn ihr eh an der 5%-Hürde scheitert, könnt ihr euch solch radikale Positionen ja auch leisten.
Von den ganzen Fachökonomen, Wirtschaftsfördereren und Lohnsenkern sitzen 99% in eurem Präsidium, den Ministerien und den Zirkeln, die immer im Fernsehen und den Zeitungen zitiert werden. Ist das nicht irgendwie seltsam? Und nur einen einzigen seid ihr losgeworden, weil selbst die ihm noch nicht rechts genug waren. Der Clement Wofgang, ihr erinnert euch? Euer Superminister und -präsident, der ausländische HartzIV-Parasiten nicht mochte und überhaupt die ganzen Sozialschmarotzer.

Die anderen werden alle noch hofiert und dürfen euch vertreten. Bei der Bundesbank etwa euer Golfprofi Sarrazin. Ganz oben im Elfferrat Agenda-Münte. Euer Kanzlerkandidat mit Westerwelleformat steht bei 20%, aber das sind die richtigen 20 – die der “Mitte”, gelle?
Die wohl erfolgreichste Saboteurin einer vertretbaren Gesundheitspolitik ist eure dienstälteste Ministerin. Sie hat für explodierende Kosten und Großhirnrinden gesorgt, und zwar auch schon für die Zukunft. Die Gesundheitskarte is so denkwürdig krank, das verzeiht man hierzulande nur einer Frau aus der SPD. Die Pharmaindustrie freut sich über ihre gestammelten Werke und die Arbeitgeber sind weniger belastet als Arbeitnehmer, wie das halt so ist in einer “Sozialdemokratie”.
Ganz groß ist natürlich auch euer Mister Augenmaß, der Finanzsteinbrück. Souverän reagierte er auf das Herbeigerede der Krise mit Milliarden für die Banken. Dort ist das Geld besser aufgehoben als bei Asozialen, die es nur in “Zigarretten” und “Pils” investieren, meint er.

Das, liebe SPDler, ist nur der Auftakt, der Anfang einer meterlangen Liste von Funktionären in euren Reihen, die ein recht merkwürdiges Verständnis von Politik aus euren Programmen ableiten. Findet ihr auch? Dann geht doch noch einmal hin und fragt artig nach, was denn nun so schädlich an besagten Steuern ist. Und warum es überall eine Vermögenssteuer gibt, nur nicht in in Deutschland, seit sie hier regieren. Fragt dann gleich auch noch einmal nach, wieso das DIW inzwischen doch einen Sinn darin sieht, Reiche zu besteuern. Ob das vielleicht Kommunisten sind, ihr wißt schon: Die mit Mauer und Stacheldraht.

Und wenn euch dann eventuell ein Lichtlein aufgeht und ihr nicht recht glauben könnt, was ihr da seht, wenn ihr endlich aufwacht und euch die Augen gerieben habt, dann fackelt bitte nicht lange. Sie werden winseln und heulen, sie werden sagen: “Wartet, ihr macht einen Fehler”, wie das alle Versager in allen schlechten Filmen tun. Hört nicht auf sie. Gebt ihnen all das geduldige Papier zu fressen, auf das eure Programme gedruckt wurden und verbannt sie in die FDP. Die hat dann eh genug Mandate und Pöstchen für ihre Freunde von der “Agenda”, und allen wird es besser damit gehen.

Es ist noch immer kein Krieg in Afghanistan. Zwar werden dort jetzt auch deutsche Panzer eingesetzt, um “Taliban” zu jagen und zu töten, aber auch das ist noch kein Krieg, wie gehabt: Kein Krieg im Krieg gegen den Terror. Die Afghanen dürfen bald zwischen unterschiedlichen korrupten Kandidaten für das Amt des Präsidenten von Kabul wählen. Um diese Farce schon im Vorfeld militärisch aufzuwerten und dafür zu sorgen, daß auf jeden Fall Kampfhandlungen stattfinden, gibt es heuer einige Geländegänge mit Granateneinsatz. Nützen wird das nichts, aber sterben werden dafür weitere Menschen.

Die Illusion, man könne durch miltiärische Operationen auch nur kurzfristig die bewaffneten Islamisten, Drogenbosse und sonstige Warlords zurückwerfen, ist schon zur Zeit der sowjetischen Besatzung geplatzt. Aber unser Verteidigungsminister ist davon überzeugt, daß die deutschen Brunnenbohrer durch ihren Nichtkrieg mehr Erfolg haben werden.
“Dann schießt mal schön”, möchte man sagen, wären da nicht die Leute, die tot umfallen und das unerträglich zynische Spiel um angebliche Sicherheit. Die Bundeswehr sei am Hindukusch, um die Sicherheit der BRD zu gewährleisten. Das ist an sich schon so kreuzdämlich, daß es einen nicht wundert, wenn dafür seit Jahren kein einziges nachvollziehbares Argument geliefert wird. Im Anfang war da übrigens die “uneingeschränkte Solidarität” mit den USA, da war von deutscher Sicherheit noch gar keine Rede.

Es sprengt einem aber die Schädeldecke weg, wenn dann wiederum verlautbart wird, die Einsätze der Bundeswehr führten daheim zu einer größeren/schärferen/gefährlicheren “Bedrohunglage”. Diese wiederum muß durch schärfere Maßnahmen zur Inneren Sicherheit und die Einschränkung von Freiheitsrechten bekämpft werden. Derweil werden Vergeltungsmaßnahmen der “Taliban” durch stärkere Truppenpräsenz und Gegenoffensiven beantwortet, die zu weiteren Bedrohungslagen führen. Auf diese Weise wird die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland am Hindukusch verteidigt.

Das stimmt auch völlig, sofern es sich bei “Sicherheit” um den Einsatz von Sicherheitstechnologie, Militär und Polizei handelt. Das exakt wird am Hindukusch verteidigt, gefördert und auf irrwitzige Weise “legitimiert”. Deutschland will dahin, wo die USA und Russland längst sind: Hin zu ständigen sinnlos blutigen Auslandseinsätzen und einer paranoiden “Inneren Sicherheit”. Ginge es wirklich um Frieden und Sicherheit, gäbe es nur eine Option: Sofort diesen Irrsinn zu beenden. Es ist ein unfaßbares Armutszeugnis für diese Gesellschaft, daß sich die Menschen in Zwiesprech einlullen lassen und diejenigen bestärken, die solche sinnlosen Kriege führen.
Vor einigen Jahren noch hätte man jeden für verrückt erklärt, der solche Zustände vorausgesagt hätte. Man hätte diese Demokratie für gereifter gehalten.

Säbelrasseln, Basta-Politik, eine Sozialdemokratie, die ihr Klientel als Schmarotzer beschimpft und Golfclubs fördert, Verherrlichung des Adels, Begünstigung von Reichen bei Senkung von Sozialleistungen, Medien, die die Einheitsmeinung verbeiten, gnadenloses Mobbing gegen Andersmeinende – und weit und breit keine APO, die solche prädiktatorischen Entwicklungen anprangert. Deutschland 2009 – Es ist wieder zum Fürchten.

Wenn man sich so anhört, was unsere Bundesregierung für eine demokratische Gesinnung hält, kann man sich nur bedanken bei den Eltern führender Politikdarsteller, daß sie ihren Sprößlingen nicht allzuviel Hirn und auf jeden Fall ein beachtlich bescheidenes Redetalent mitgegeben haben. Ein weiteres Gelöbnis für Hohlhaubitzen, die von “Ehre”, von “Stolz” und “Treue” faseln, und dieser Guttenberg ist so dezent verschämt, sich quasi einzureihen in den Reigen der Hitler-Attentäter. Die kamen nämlich alle aus seiner Familie, der stammadeligen. Was außer dieser schräg verschraubten Selbstbeweihräucherung hat ansonsten ein Wirtschaftsminister auf einer Rekrutenvereidigung verloren?

Mit Demokratie hat das alles nichts zu tun, mit Verteidigung übrigens auch nichts, wenn die Reichstagskanzlerin “nationale Interessen wahrnehmen” damit verbindet und “Sicherheit” [.. ] auch weit entfernt von Deutschland” schützen läßt. Der Adel, die Offiziere, der Widerstand gegen die Diktatur, das sitzt jetzt wieder tief in demselben Klumpen aus Nationalem, Stolz und Interessen und am Ende dem Militär, das tut, wozu es aufgestellt ist – Krieg führen. Die Verbindung zu Demokratie und Rechtsstaat, einer Parlaments- und Verteidigungsarmee, will und soll da gar nicht gelingen. Es sind andere Werte im Spiel, höhere, so hoch, daß keiner mehr drankommt.

Unnachahmlich faßt der Stauffenberg für Frühindoktrinierte, Baron von Guttenberg, das in Worte, in einem semantischen und syntaktischen Massaker eines Selbstmordattentats gegen Sinn und Sprache:

Tatsächliche Vorbilder für verantwortungsvolles Handeln entspringen jedoch nicht der Erkenntnis von Übermenschlichkeit, sondern im Ergebnis ist es gerade das Menschliche, was die Taten groß, auch heldenhaft erscheinen lässt. Es wäre ein Ausweis der Armseligkeit, wenn der moralisierende Maßstab des Übermenschlichen – angelegt von allzu menschlichen Vertretern – das Land seiner Vorbilder berauben würde“.

Suchen Sie nicht Subjekt und Objekt, begeben Sie sich nicht in das Labyrinth von Übermenschen, fragen Sie sich nicht, wen was meint. Unterlassen Sie alle Versuche, ein Prädikat vor dem Würgegriff eines wütend erscheinenden Konjunktivs zu retten – der Fall ist hoffnungslos. Merken Sie sich einfach: Helden, Vorbilder, ein beraubtes Volk. Setzen Sie ggf. an eine beliebige Stelle den Begriff “Rasse”, und Sie geraten auf Tuchfühlung mit Texten, die gemeinhin im Giftschrank lagern.

Den Beraubten wird es schnuppe sein, denn die aus dem Volk sind Elend gewöhnt, äußerst geübt im Weghören und machen sich nichts draus, wenn sie dem hochwohlgeborenen Wortbrei keinen Inhalt entnehmen können. Allein in letzterem Umstand schließlich liegt ein wenig Trost.

Ich werde in den kommenden Tagen hier die Möglichkeit einrichten, über PilPal direkt Spenden zu überweisen an eine verarmende Familie, deren Elend die Ausmaße einer antiken Komödie annimmt. Man muß sich das einmal vorstellen: Da schleicht eine von ihrer Lebensleistung gezeichnete ältere Frau durchs Unterholz und sucht Löwenzahn für ihren Salat. Die Konserven sind alle von derselben Sorte, Kinder und Enkel können den Geschmack von Blech und Beluga nicht mehr ertragen, und nur noch der Obst- und Gemüsegarten sorgt für ein wenig Abwechslung. Ein Leben im Dienste der Menschheit, vor allem der Behinderten, die nicht mehr selbst in die Stadt fahren und Shoppen können – perdu!

Die ganzen Milliarden gingen für die Mission drauf, die Altersvorsorge auf einen geringen zweistelligen Millionenbetrag geschrumpft. Wenn die Hausangestellten, der Butler und die Chauffeure bezahlt, die Rechnungen für das Hauseigene Kraftwerk und die Sicherheitsfirma beglichen sind, bleiben nur noch 500-600 Euro für die täglichen Besorgungen übrig. Der Mähdrescher steht schon seit Tagen ungenutzt im Garten. Hartz IV ist nah. In welchem Land leben wir, wo Leistungsträger derart bestraft werden?

Ihre Freunde sind auch nicht mehr für sie erreichbar. Klaus Zumwinkel mit einem Bein im Knast, mit den anderen beiden auf den Seychellen, Peter Hartz mit ersterem dito und dem Rest im Puff, Jo Ackermann im Casino. Keiner geht ans Handy. Madeleine wird einfach weggedrückt, keiner hat ihr erklärt, wie man die Rufnummernübermittlung abstellt.

Die letzte Hoffnung für Schickedanzens ist die SPD. Nie hätte sie gedacht, daß sie einmal von Sozialdemokratie würde leben müssen. Heute sieht sie ein, daß dort die wahren Freunde sitzen. Manager in Not finden bei ihnen ein zweites Zuhause. Ein SPD-Finanzminister schützt das klägliche Millionenvermögen und das ebensolche Erbe vor dem letzten grausamen Zugriff des Fiskus.
“Erst dachte ich, die machen mich kaputt mit ihrer Mehrwertsteuer”, soll sie gesagt haben, “aber das sind doch anständige Kerle, die noch wissen, wer in diesem Land die wirklich Bedürftigen sind.”

Bei weissgarnix findet sich eine interessante Diskussion darüber, wo denn das Geld bleibt bzw. warum das BIP sinkt, wie Banken und Staaten auf dem Geld sitzen und wie das alles zusammenhängt. In der Tat ist es vor diesem Hintergrund immer wieder haarsträubend, daß es eine “Schuldenbremse” geben soll, daß weder Vermögens- noch Erbschaftssteuer in relevantem Maße erhoben werden und überhaupt alle so tun, als sei alles schon wieder gut. Im Kern des Geschehens versteckt sich noch immer ein Mythos, der längst in den gurgelnden Abgrund der Absurdität getaumelt sein sollte: Daß Geld “arbeitet”.

Der Zwiesprech der Wirtschaftsgewaltigen, welcher Arbeitslose mit “Faulheit” und Geld so wie seine Besitzer mit “Arbeit” und “Leistung” konnotiert, hat wahre Verwüstungen in der öffentlichen Wahrnehmung hinterlassen. Wenn es darauf ankommt, so wird zur Zeit deutlich, liegt das Geld faul herum, die es haben, sitzen drauf und wissen so viel von “Verantwortung” wie ein Radprofi von sauberem Sport. Die Bänker lassen ihre Institute fein retten und sind nicht bereit, ihr Geschäft zu bestellen, nämlich das Risiko einzugehen, Kredite zu vergeben an Betriebe, die damit real wirtschaften. Sie halten es vielmehr schon lange für ihr Geschäft, Hand in Hand mit Besserbesitzenden nur dann ein wenig Schweiß zu investieren, wenn das mit mindestens zweistelligen Gewinnen belohnt wird. Ihre Spitzenangestellten lassen sich gar noch die von ihnen erwirtschafteten Verluste vergolden.

Das möchte ich in einem Betrieb sehen: Der Schlosser greift nur zum Werkzeug, wenn er am Ende des Jahres ein Viertel mehr Lohn in der Tasche hat, und wenn er die Maschine kraft seiner Dummheit oder Fahrlässigkeit in den Ruin repariert hat, läßt er sich ein doppeltes Jahresgehalt auszahlen, um bald die nächste Firma mit seinen Kompetenzen zu beglücken.
Oder die Gründer einer Fabrik sind nur dann bereit, etwas produzieren zu lassen, wenn ihnen jemand Gewinne garantiert und drohen damit, gar nicht erst das nötige Material einzukaufen, wenn nicht sämtliche Produkte per Vorkasse bestellt werden.

Was sich da in den Finanzmärkten tummelt, ist ein Schlag, der das Gegenteil dessen verkörpert, womit er medial stets behängt wird: Leistungswille, Risikobereitschaft, Verantwortung und Fleiß. Sein eigenes Geld in die Hand zu nehmen, eine Idee zu entwickeln, sie umzusetzen und Mühen aufzubringen, in der evtl. vagen Hoffnung, daß sie nicht umsonst sein werden – dieses Bild des Unternehmers ist alberner als die Behauptung, es gäbe Drachen, die sich von Jungfrauen ernähren. Das Ziel der martkliberalen Betätigung ist der schnelle, hohe und sichere Gewinn. Es ist das Ideal einer dreisten Faulheit, die höchsten Lohn für geringsten Einsatz fordert.

Soll ein Markt aber florieren, muß er anders organisiert werden. Anstatt denen, die durch nur attraktivste Gewinnaussichten zur Arbeit zu bewegen sind, auch noch den Hintern zu pudern, muß das Geld in Bewegung gehalten werden (womit wir noch nicht einmal bei halbwegs gerechten Verteilung sind). Wer auch immer sich heute zum Wirtschaftsexperten aufschwingt, muß dieses Problem in Blick haben. Und zum Beispiel eine bessere Idee präsentieren können als etwa Silvio Gesell, der Marx allmählich den Rang abläuft als das absolut Böse ökonomischer Abwegigkeit.

Jetzt reden sie alle über Desertec, das hatte ich hier schon vor Tagen Wochen. Und überdies schon vor drei Jahren, wie ich in der mir und meiner Kristallkugel eigenen Bescheidenheit hinzufügen darf.
Dann gehe ich auch noch hin und starte Mitten in der Nacht einen neuen “Underdog”, nachdem ich bereits einen Artikel gepostet hatte, der daher nicht kommentiert wird. Gemein! Ihr könnt euch das ja mal überlegen, ob da nicht ein klitzekleiner Kommentar drin wäre. Hm? Sonst werde ich womöglich demnächst komisch. Und langsam. Dann gibt es nur noch alle paar Tage Artikel. Dann kommen weniger Leser. Dann schreibe ich noch weniger. Und so weiter. Tzis!

underdog

Wie jedes Jahr seit der Erfindung des Grimme-Online-Achwat wird auch 2009 wieder ein guter Hund auszuzeichnen sein. Es sei ein Blog, das mindestens ein Jahr besteht, außergewöhnlich ist und nicht die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient. Ich bitte um Vorschläge und Vorstellungen, ausdrücklich nicht um Voten. Wer also ein Blog kennt, das viel besser ist als Technorati oder sonstige Awareness-Instrumentalisten glauben, möge es mir vorstellen. Ich werde als einsame Jury unbestechlich und vorurteilsbeladen meine Auswahl treffen, wenn ich soweit bin.

Beeinflussen lasse ich mich schlimmstenfalls von den vorherigen Preisträgern. Das macht so einen tollen demokratischen Eindruck.

“Wir wollen nach vorn schauen”. Präsident Obama hatte bislang versucht, offizielle Untersuchungen zu Folter und Morden zu unterdrücken, die von US Geheimdiensten begangen wurden. In der Tat wird es kaum möglich sein, vor dem Rückzug der Truppen aus Afgahnistan und dem Irak weitere Enthüllungen zuzulassen, die gröbste Schindereien bekannt machen. Daß junge Soldaten ausbaden müßten, was Schweinehunde in der Etappe sich ausgedacht und deren willigste Handlanger vor Ort ausgeführt haben, gäbe ihm beinahe recht.

Beinahe, denn wenn ein Krieg nicht geführt werden kann, ohne daß die von den eigenen Leuten begangenen Greuel Rachetaten hervorrufen, dann darf er eben nicht geführt werden. Und wie absurd ist eine “Mission”, die ein Land unter solchen Umständen “zivilisieren” soll? Afghanen wie Iraker hatten längst vor dem Einmarsch der Befreier unter Beweis gestellt, daß sie auch selbst foltern können.

Aber es geht um etwas anderes, und da ist Justizminister Holder für sein Beharren zu danken. Es geht nicht um die Wirkung auf Truppen oder Taliban, es geht eben um die Rolle der Befehlshaber, zuerst und zuletzt denen aus der Bush-Administration. Was können die Truppen verlieren, wenn ein menschlicher Abgrund wie Dick Cheney ausgelotet und in ihm Massenvernichtungswille gefunden würde? Was wäre, wenn nicht Lynndie Englands Phantasien in den Folterknästen ausgelebt worden sind? Was, wenn es da noch ganz andere Einfälle gab und was, wenn sich am Ende ein Szenario auftut, das Auschwitz näher kommt als allem, was noch mit Demokratie und Rechtsstaat zu tun hat? Verschweigen, weil es die Mission gefährdet?

Gefährdet ist der Rest menschlichen Anstandes, der gerade aus den Ruinen einer US-Präsidentschaft wieder auferstehen kann. Sollte das alles unter Teppich gekehrt werden, was rund um die großen Feldzüge der Haliburton-Regierung an Dreck angehäuft wurde, braucht man nicht nur einen verdammt großen Teppich, sondern auch einen unbeugsamen Willen zur Solidarität mit den Tätern.
Was wäre gefährdet, wenn man sich endlich mit der Wirklichkeit auseinandersetzte? Was außer der Unangreifbarkeit von Monstern wie Cheney, Rumsweld, Wolfowitz und ihres Pappkameraden George W.?

Überhaupt, die Gefahr: Wenn unter ihren Augen Menschen geschunden werden, sehen sie keine Gefahr. Sonst überall: Als Luftspiegelung von Massenvernichtungswaffen, als Volk von Terroristen, als Terrordrohung aus der Nachbarschaft und neuerdings als Feind aus der Schachtel. Ernsthaft machen sich da welche Sorgen um die Gesundheit der Soldaten und wollen ihnen das Rauchen verbieten. Das kann nämlich tödlich sein.

Aber da wir des Pudels Kern kennen, dürfen wir vermuten, daß es die Tabakindustrie selbst ist, die ihre Lobbyisten losgeschickt hat, um das Bild von GI mit der Kippe im Kinn aus den TV-News verschwinden zu lassen. Es dürfte längst geschäftsschädigend sein, daß diese verrohten Verlierer dauernd mit den teuer beworbenen Qualitätsprodukten der ehrenwerten Industrie herumlaufen.
Man kann sich um die US-Soldaten viele Sorgen machen, nur eine sicher nicht: Einen Ruf haben sie nicht mehr zu verlieren.

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