Sozialschmarotzer überall
Schon vor einigen Tagen ist mir ein hölzernes Stück Propaganda aufgefallen, die Denunziation selbständiger HartzIV-Empfänger nämlich. Davon kann ich ein Lied singen, ich habe u.a. eine von denen öfter zur ARGE begleitet. Meist sieht das so aus, dass Arbeitslose in eine aussichtslose Selbständigkeit gedrängt werden, damit die Agentur sie los wird. Das geht extrem häufig schief und scheitert oft spätestens an der Sozialversicherung. Dann geht ein Rennen los mit undurchschaubaren Bescheiden, Schulden bei der Krankenkasse, Gerangel zwischen Wohngeldkasse, ARGE und Agentur et ctetera et cetera. Eine äußerst missliche Situation für die Betroffenen. Die “Zeit” fabuliert sich hingegen lieber reiche Firmeninhaber herbei, die zusätzlich Stütze kassieren. Dann wundern sie sich noch, dass den Leuten das Geld für solche “Zeit” zu schade ist.
Braune Kreme
“Kritische Faschisten verhindern Machtübernahme” könnte man auch titeln. Die Burschis haben also einen “liberalen” Flügel? “Liberal” ist also schon, wenn man ohne Ariernachweis mitmachen darf? “Liberal” wie Haider, Diepgen, Ramsauer oder Diekmann? Witzig ist auch die Vorstellung, diese analfixierte Crême deutscher Akademiker könne noch nach rechts rücken. Wo soll das denn bitte sein?
He’s a Terrorist
Emmanuel Goldstein hat sich reinkarniert. Irgendwie aber langweilig, dieser Sawahiri, null spooky. Immerhin hat Altkleider Al Kaida ihn “zum Anführer bestimmt”. Wie das jetzt? Per Urabstimmung? Tipp-Topp mit Füßen? Forsa-Umfrage? Zwar ist die “Echtheit nicht erwiesen” – die des Netzwerks, die von Sawahiri und die der zugrunde liegenden Informationen wohl. Das hält uns aber nicht davon ab, künftig wieder Angst zu haben. Vor Leuten, die Revolutionen loben wohlgemerkt, nicht etwa vor Ikea.
Schnösel abgezockt
Voll krass verarscht hat eine “Event-Agentur” die dekadenten Abischnösel, die zu doof zum selber feiern sind. Als Oppa damals Abi hatte, hat er mit ein paar Freunden die Schule künstlerisch umgestaltet und in Jeans und T-Shirt den Kofferträgern das Bier weggesoffen. Hatte Spaß gemacht. Die Elite-Pampersträger von heute lassen sich noch die Rotze anliefern, die sie auf dem Teppich lassen. Wundert mich nicht wirklich und hinterlässt mich köstlich amüsiert, dass sie jetzt heulend vor der Stretchlimo stehen und nicht wissen, wohin. Lernt leben oder geht sterben!

Ein 45-jähriger Mann wurde von Betrunkenen angefallen und zu Tode geprügelt, gazettelt es heute. Ein sehr deutscher Offizier verstarb durch Freiheit am Hindukusch. Zwanzig Opfer wurden von der Gurkengrippe dahingerafft.
Journalisten recherchieren heutzutage auf bemerkenswerte Art und Weise. Sie untersuchen das Detail ganz genau, wägen ab, wie ihre Erkenntnisse in die vorhandene Gewissheit einzuordnen sind und forschen nach der richtigen Formulierung, die das Bekannte mit den Erkenntnissen in Einklang bringt.
Dominique Strauss-Kahn hat andeuten lassen, es habe sich bei seiner Annäherung an eine Hotelbedienstete um ein Missverständnis gehandelt. Er habe gedacht, die Dame sei im Auftrag der Ergo-Versicherungsgruppe unterwegs, und sie hätte ein weißes Bändchen getragen. Für ihn hieße das vereinbarungsgemäß: “Alle haptischen Nummern – französisch, von hinten und ins Knie”. Da er die Sprache der jungen Frau nicht verstehen konnte, sei ihm nicht aufgefallen, dass sie Einwände gegen sein Vordringen gehabt hätte. Die Gesamtsituation habe eine verbale Kommunikation erheblich erschwert.
Recht interessant ist die Funktion sogenannter “
Eigentlich wollte ich immer Kabarett machen. Oder wenigstens Satire. Mit fiel aber schon bald nichts mehr ein, das ich als solche noch hätte verkaufen können. Der Fehler lag vor allem darin zu denken, Satire hätte etwas mit Überhöhung zu tun. Als könnte man quasi, nachdem man erkannt hat, was ist, das Ganze ein wenig überspitzt darstellen und damit zugleich kritisch und komisch wirken. Sehr schnell musste ich zugeben, dass eine satirische Überhöhung der meisten relevanten Vorgänge in Politik und Gesellschaft gar nicht möglich ist. 1982 hätte man noch denken können, ein Witz über den Tölpel Helmut Kohl könnte komisch sein. 1998 habe ich dann eine Art Requiem geschrieben mit dem Titel “politisches Gedicht”, das nur aus den Jahreszahlen der Ära Kohl bestand.
Knopp griff sofort zum Hörer seines Schellacktelefons und rief in der Chefreaktion auf der Brandstwiete an. Dort saßen Georg Mascolo und Mathas Müller von Blumencron über ihren taufrischen Angeboten von Fox News und berieten über eine würdige Nachfolge.
Mortimer kletterte bedächtig von dem Traktor, mit dem er bis zum Mittagstee die königlichen Nasenhaare gemäht hatte. Gereicht wurde Earl Grey, heiß, von einem schwulen Schaufensterdekorateur aus Baunatal. Eigentlich als Pferdeknecht eingestellt und entsprechend auf die Bedürfnisse der stets abwesenden Komtesse geschult, vertrieb er sich die Wartezeit mit der händischen Zubereitung von Replikatornahrung. Energie war knapp geworden in diesen Zeiten, und nur die akute Haarwurzelentzündung sorgte für ein wenig Linderung der Lage. Der Frühling stand noch immer vor der Tür, obwohl ihm ein weicher Stuhl gereicht worden war.
Einen großen zweckfreien Bogen möchte ich heute spannen, über Volker Bouffier. “Wie das?“, fragt der Delphin, der in meinen alten ledrigen Tränensäcken schwimmt, “der Mann ist doch schon over the rainbow“. Dann schließen wir den Kreis halt, machen vielleicht eine schöne Kugel daraus, eine schillernd seifige Blase, in der wir ihn davonfliegen lassen. Ins Ausland am besten, vielleicht in die Türkei, wo er sich einweisen lassen soll. Immer bloß von hie nach dort ausweisen ist nämlich irgendwie einseitig.
