Hintergrund


 
Sozialschmarotzer überall

Schon vor einigen Tagen ist mir ein hölzernes Stück Propaganda aufgefallen, die Denunziation selbständiger HartzIV-Empfänger nämlich. Davon kann ich ein Lied singen, ich habe u.a. eine von denen öfter zur ARGE begleitet. Meist sieht das so aus, dass Arbeitslose in eine aussichtslose Selbständigkeit gedrängt werden, damit die Agentur sie los wird. Das geht extrem häufig schief und scheitert oft spätestens an der Sozialversicherung. Dann geht ein Rennen los mit undurchschaubaren Bescheiden, Schulden bei der Krankenkasse, Gerangel zwischen Wohngeldkasse, ARGE und Agentur et ctetera et cetera. Eine äußerst missliche Situation für die Betroffenen. Die “Zeit” fabuliert sich hingegen lieber reiche Firmeninhaber herbei, die zusätzlich Stütze kassieren. Dann wundern sie sich noch, dass den Leuten das Geld für solche “Zeit” zu schade ist.

Braune Kreme

“Kritische Faschisten verhindern Machtübernahme” könnte man auch titeln. Die Burschis haben also einen “liberalen” Flügel? “Liberal” ist also schon, wenn man ohne Ariernachweis mitmachen darf? “Liberal” wie Haider, Diepgen, Ramsauer oder Diekmann? Witzig ist auch die Vorstellung, diese analfixierte Crême deutscher Akademiker könne noch nach rechts rücken. Wo soll das denn bitte sein?

He’s a Terrorist

Emmanuel Goldstein hat sich reinkarniert. Irgendwie aber langweilig, dieser Sawahiri, null spooky. Immerhin hat Altkleider Al Kaida ihn “zum Anführer bestimmt”. Wie das jetzt? Per Urabstimmung? Tipp-Topp mit Füßen? Forsa-Umfrage? Zwar ist die “Echtheit nicht erwiesen” – die des Netzwerks, die von Sawahiri und die der zugrunde liegenden Informationen wohl. Das hält uns aber nicht davon ab, künftig wieder Angst zu haben. Vor Leuten, die Revolutionen loben wohlgemerkt, nicht etwa vor Ikea.

Schnösel abgezockt

Voll krass verarscht hat eine “Event-Agentur” die dekadenten Abischnösel, die zu doof zum selber feiern sind. Als Oppa damals Abi hatte, hat er mit ein paar Freunden die Schule künstlerisch umgestaltet und in Jeans und T-Shirt den Kofferträgern das Bier weggesoffen. Hatte Spaß gemacht. Die Elite-Pampersträger von heute lassen sich noch die Rotze anliefern, die sie auf dem Teppich lassen. Wundert mich nicht wirklich und hinterlässt mich köstlich amüsiert, dass sie jetzt heulend vor der Stretchlimo stehen und nicht wissen, wohin. Lernt leben oder geht sterben!

 
bioquakeEin 45-jähriger Mann wurde von Betrunkenen angefallen und zu Tode geprügelt, gazettelt es heute. Ein sehr deutscher Offizier verstarb durch Freiheit am Hindukusch. Zwanzig Opfer wurden von der Gurkengrippe dahingerafft.

Wie viele Todesopfer hat ein durchschnittlicher “Vatertag”? Nicht zu reden von Silvester oder Karneval, den Festen der Komafahrer und Amoksäufer. Wie viele Soldaten starben beim unsachgemäßen Reinigen einer überflüssigen Dienstwaffe? Wie viele Menschen werden täglich durch Viren und Bakterien dahingerafft, von denen der Rest der Menschheit nie etwas erfährt? Und wozu diese Relativierungen?

Das ist ganz einfach: Wer sich einmal mit den Geschehnissen auf einer handelsüblichen Isoliertstation oder Virologie befasst hat, weiß, das dort die Rettung des Journalismus lockt. Es gibt wirklich widerliche Keime, die nicht minder eklige Symptome hervorrufen, entsezliche Todeskämpfe und höchst interessante Resistenzen. Wieso hat das bis heute kaum jemanden interessiert? Weil die Erreger der Erregung noch nie mit einer Gurke assoziiert wurden?

Apokalyptische Bedrohung

In der Tat ist die Bedrohung apokalyptisch, allein die Gefahr von Panik oder Gewächshausschlägereien immens in einer Zeit, da das Entgegenkommen eines mit einer Gurke ausgestatteten Mitbürgers als bewaffneter Angriff gewertet werden kann – womöglich muss. Da hilft dann kein Beten mehr, wie Herr de Misere Frau Käßmann bereits deutlich zu machen wusste.

Richtig, die spanischen Gurken sind raus aus dem Rennen, jedenfalls als Alleinstellungsmerkmal für den vegetarischen Gefährder. Man muss die Warnung folgerichtig ausweiten: Obst und Gemüse eignen sich generell als Verursacher eines grausamen Todes, nur mindestens zweiminütiges Duschen bei mindestens siebzig Grad kann dann noch helfen. Tägliches Pasteurisieren der Familie wird daher empfohlen, zusätzlich zu einfachen Gebeten. Von Verzehr wird derweil generell abgeraten. Aus hygienischen Gründen wird bis auf weiteres auch jede Entwicklungshilfe eingestellt.

Die Gurke des Tages ist also leicht bis mittelschwer mit einem durch Schnelltest nachgewiesenen Dingsbums beaufschlagt, aber “genetisch entschlüsselt”, wie wir jetzt wissen. Aha. Es sind Aminosäuren, auch das noch! Meiden Sie Basenpaare, hinter den vermeintlich zärtlichen Cousinen verbergen sich womöglich Ehecschützen. Bleiben Sie zuhause, nehmen Sie keineswegs an Kundgebungen auf öffentlichen Plätzen teil, fahren Sie trotz halbgarer Entwarnungen nicht nach Spanien, gehen Sie nicht über “Los”, behalten Sie diese Psychose, bis Sie aus dem Gefängnis freikommen.

 
koksJournalisten recherchieren heutzutage auf bemerkenswerte Art und Weise. Sie untersuchen das Detail ganz genau, wägen ab, wie ihre Erkenntnisse in die vorhandene Gewissheit einzuordnen sind und forschen nach der richtigen Formulierung, die das Bekannte mit den Erkenntnissen in Einklang bringt.

Ein umgeknickter Grashalm zum Beispiel ist ein Phänomen, das viele Ursachen haben kann. War es ein Tourist, der ihn niedergetrampelt hat? Eine Kuh, deren Zunge ihn nicht ganz gepackt, aber doch gestreift hat? Ein Regentropfen, der ungünstig einschlug? Man muss vorsichtig sein mit dem Urteil, wenn es nicht sicher der Redaktionsmeinung entspricht. Zugegeben: Dass sämtliche Grashalme in mehreren Kilometern Umkreis ebenso umgenietet sind und es einige Dutzend Bäume geschrägt hat, spricht schon für einen Sturm. Aber ist das gesichert? Könnte es nicht doch die Kuh gewesen sein?

Kontrolliert katastrophale Kernschmelze

Dass möglicherweise eventuell ein bisschen eine Teilschmelze in einem Reaktor stattgefunden haben könnte oder in einem kleinen Teilreaktor, das erfuhren die Rezipienten der Massenmedien wochenlang. Auch technikbegeisterte Kommentatoren erklärten wissend und solange es ging, es sei ja nichts bewiesen und sowieso noch nichts passiert. Sehr allmählich werden diese wohl verstummen, und wer aus dem fotogenen Bersten von ausgewachsenen Atomkraftwerken den Schluss gezogen hat, dass sich dort verheerende Havarien ereignet haben, darf weiterhin seinen Augen trauen.

Armstrong und die Verschwörer

Seit Langem schon habe ich mich nicht mehr zum Doping im Radsport geäußert. Das liegt daran, dass ich nicht doof bin und nicht mehr an den Weihnachtsmann glaube. Nur das BKA und die versammelte Journaille versucht noch herauszufinden, ob Herr Armstrong gedopt war oder nicht. Und ob es wohl ehrlichen schönen fairen dopingfreien Leistungssport gibt – zumal bei den Radprofis. Die paar hundert belegten Einzelfälle sind doch wohl kein Beweis für das Gegenteil? Höchstens für Verschwörungstheoretiker und die Feinde von Sitte, Anstand und Moral.

Nur ein Schwips im Schlips

Und weil der Herr Kaiser sich bislang ebenfalls keine einzige positive Dopingprobe hat zuschulden kommen lassen, bestreitet er, leugnet und weist zurück. Die Klinkentorreros der Humbug-Mülleimer, so gibt er zu protokoll, sind nämlich noch zu doof zum Saufen – zum Koksen sowieso. Eine Line Salz hätten sie sich durch die Nasen geschossen, zum Tequila.
Salz. Durch die Nase! Und weil sie damit so irrsinnig coole Leute sind, werfen sich ihnen junge hübsche Frauen zu Füßen, die zufällig vorbei gekommen sind und alle auf reife Männer stehen. Ja sicher. Klar doch.

almDominique Strauss-Kahn hat andeuten lassen, es habe sich bei seiner Annäherung an eine Hotelbedienstete um ein Missverständnis gehandelt. Er habe gedacht, die Dame sei im Auftrag der Ergo-Versicherungsgruppe unterwegs, und sie hätte ein weißes Bändchen getragen. Für ihn hieße das vereinbarungsgemäß: “Alle haptischen Nummern – französisch, von hinten und ins Knie”. Da er die Sprache der jungen Frau nicht verstehen konnte, sei ihm nicht aufgefallen, dass sie Einwände gegen sein Vordringen gehabt hätte. Die Gesamtsituation habe eine verbale Kommunikation erheblich erschwert.

Widersprüchliche Angaben machen derweil die Partylöwen der deutschen Versicherungsbranche. Einmal heißt es, die Boni in Naturalien auszuzahlen, sei “nicht üblich”. Andere interne Quellen verweisen hingegen darauf, dass diese Praxis keineswegs die einmalige Ausnahme war.

Bereits aus dem VW-Konzern bekannt, erfreuen sich solche Events offenbar Branchen übergreifend einer gewissen Beliebtheit. Dies liegt in der Natur der Sache. Die Zuträger der Leistungsträger sind wie diese selbst darauf angewiesen, eine weitgehende Libertinage walten zu lassen – sowohl in bezug auf ethische Standards als auch in bezug auf Fragen des Selbstwerts. Wer nach Gutmenschenart den halben Tag damit vertrödelt, seine Skrupel zu sortieren, wird sicher niemals einem weißen Bändchen begegnen. Wer nicht weiß, für welchen Gegenwert er sogenannte “Beziehungen” opfert, poliert eben ewig die unteren Sprossen der Karriereleiter.

Nur diie Harten kommen in den Garten der professionellen Lüste. Und machen wir uns doch nichts vor: Wer genötigt ist, sich und andere im Dienste des Umsatzes stets zu verleugnen, muss sich seine Liebe ohnehin kaufen. Wenn der Mutterkonzern sich dann um seine Jungens kümmert, für sie eine gediegene Vorauswahl trifft und ihnen einmal im Jahr den Orga-Kram abnimmt, was soll daran gemein sein? Da kann man Philipp Rösler nur zustimmen: Wir müssen unsere Freiheit auch gegen übertriebenen Feminismus verteidigen und dürfen uns nicht durch Neidkampagnen abkochen lassen.

 
peerstRecht interessant ist die Funktion sogenannter “Referenten-Makler“, die unter anderen Prominenten Rednern natürlich auch Politiker vermitteln. Diese quatschen ihren Quatsch im Auftrag der Maklerei und werden dafür fürstlich entlohnt. Schaut man sich beim “Bundestagsradar” zum Beispiel um, findet man unter den Nebeneinkünften solche, die über derartige Agenturen abgewickelt werden. Damit geht wiederum ein Teil der Transparenz verloren, denn wer den Vortrag bestellt und bezahlt hat, wird so nicht deutlich.

Bildquelle: Peter Schmelzle

Peer Steinbrück etwa ist Großkunde von “London Speaker Bureau”, neben “Celebrity Speakers” eine große Nummer im Business, deren Polit-Talker übrigens auffällige Überschneidungen mit der INSM aufweisen. Schelm, der ich bin, denke ich mir etwas dabei. Dass für solche Vorträge obszön hohe Summen bezahlt werden, versteht sich von selbst. Und wenn sogar Edmund “in den Bahnhof einsteigen” Stoiber noch Geld bekommt für die Strapaze, die er seinem Auditorium unterzieht, kann mir niemand mehr erzählen, das stünde in irgend einem Bezug zur abgelieferten Leistung.

Leider erfahren wir nicht, ob die Zuhörer ebenfalls entschädigt werden. Das wäre vielleicht ein weiteres Modell, um unseren Parlamentariern das Joch allzu großer Unabhängigkeit zu ersparen. Warum nicht gleich das Ganze im Reichstag abfrühstücken? „Diese Sitzung wurde Ihnen präsentiert von der Finanzsturmabteilung Drücker&Berger“.

Wie wir aber wissen, fängt Korruption im Kleinen an. Hier zum Beispiel. Da mein Halbtagsjob mich schon dauernd krank macht, ist mehr nicht drin und ich kann jeden Euro gut brauchen, der hier reinkommt. Vor einigen Monaten hatte ich pillepalle PayPal aus der Sidebar genommen, aus Gründen. Die sind zwar immer noch vorhanden, und sogar flattr hat inzwischen eine Alternative dazu eingerichtet: Moneybookers, der Laden, in dem Thomas Middelhoff Aufsichtsratsvorsitzender ist. Da kommste ja vom Regen in die Traufe.

Da die Spenden zuletzt stark eingebrochen sind, bin ich aber so freidemokratish und mache einen faulen Kompromiss und setze PillePalle wieder ein. Ich werde in der Hölle schmoren, in der Abteilung gleich über der, wo die Affiliate-Partner von Amazon brutzeln. Ach ja, und wer es mit mir und der Welt gut meint, kann mir auch immer noch eine Mail schreiben und nach den Kontodaten fragen.

jesterEigentlich wollte ich immer Kabarett machen. Oder wenigstens Satire. Mit fiel aber schon bald nichts mehr ein, das ich als solche noch hätte verkaufen können. Der Fehler lag vor allem darin zu denken, Satire hätte etwas mit Überhöhung zu tun. Als könnte man quasi, nachdem man erkannt hat, was ist, das Ganze ein wenig überspitzt darstellen und damit zugleich kritisch und komisch wirken. Sehr schnell musste ich zugeben, dass eine satirische Überhöhung der meisten relevanten Vorgänge in Politik und Gesellschaft gar nicht möglich ist. 1982 hätte man noch denken können, ein Witz über den Tölpel Helmut Kohl könnte komisch sein. 1998 habe ich dann eine Art Requiem geschrieben mit dem Titel “politisches Gedicht”, das nur aus den Jahreszahlen der Ära Kohl bestand.

Am Ende landet man oft bei Nazivergleichen. Wenn man schlecht ist , freiwillig; wenn man gut ist, unfreiwillig. Ich ließ mir dann eine Parodie auf alles gleichzeitig einfallen: Ein Typ, der sich als kritischer Historiker versteht und eigentlich ein glühender Nazi ist, ohne das selbst zu bemerken. Grandiose Satire, dachte ich, bis die Figur zum Leben erwachte und unter dem Namen “Guido Knopp” diverse Fernsehpreise und das Bundesverdienstkreuz einheimste.

“Völlig absurd”

Ich ließ mir die irrsten Sachen einfallen. Zum Beispiel das Ende der Kohl-Ära durch den Sieg der Sozialdemokraten. Habe ich mir einen Quatsch zusammen phantasiert: Einen Sozen-Kanzler, der Arbeitslose schikaniert bis aufs Blut. Lässt Gesetze von einem Industriemanager machen, der seinen Betriebsrat korrumpiert, indem er ihn in den Puff mitnimmt. Einen SPD-Vorsitzenden, der unter dem Beifall seiner Genossen ausruft: “Wer nicht arbeitet, muss auch nicht essen”. Einen SPD-Sozialexperten, der eine neue Rassentheorie auflegt und dabei von Ausländern schwafelt, die Erbgutschäden in die Gesellschaft tragen. Das wurde alles abgelehnt, die Verlage meinten, das sei “völlig absurd” oder “fanatisch übertrieben”.

Also trat ich die Flucht nach vorn an und setzte noch ein paar drauf. Vier Parteien, die alle von der Finanzindustrie korrumpiert worden waren, unterstützt von der gesamten deutschen Presse. Den “Spiegel”, das Sturmgeschütz der Demokratie, habe ich umgedreht und zum Kampagnenblatt der bürgerlichen Rechten gemacht in meiner großen Posse. Ich habe die komplette Parteienlandschaft weit nach rechts verlagert und ließ in meiner Polemik die Presse das ganze als “Linksruck” verkaufen. Die Verleger nannten dies eine “billige Posse ohne jeden Bezug zur Realität”.

Das Ende ist nah

Ich strickte weiter an meiner lustigen Dystopie, ließ den Vorstand der NPD und überhaupt die ganze Partei durchseuchen vom Verfassungsschutz. Ein Verbortsverfahren scheiterte in meinem Roman daran, dass man nicht mehr wusste, wer V-Mann war und wer einfach nur ein Nazi.
Dann wurde ich international: Ein tumber Alkoholiker als US-Präsident, der die Folter wieder einführte und Lager für Rechtlose einrichten ließ. Sein Nachfolger ein Schwarzer, der mit dem Versprechen die Wahlen gewann, das wieder rückgängig zu machen – und dann selbst weiter foltern und morden ließ.

Ich erfand einen korrupten Mafia-Nazi als Regierungschef in Italien, der mit der Erbin Mussolinis paktierte, rechtsradikale Parteien wie die “echten Finnen”, die “wahren Dänen” und die “ungern umzäunten Ungarn”. Eine Wirtschaftskrise, in deren Folge völkische Parteien die Parlamente dominierten und so weiter, das, was halt inzwischen niemanden mehr überrascht. Und siehe da: Es findet sich ein Verleger, der das alles in Ordnung findet, unter der Bedingung einer winzigen Ergänzung allerdings. In der jüngsten Version verbünden sich die Nationalen mit der Linken und verbieten die Gewerkschaften. Vor dem neuen “Nationalkommunismus” gibt es dann nur noch eine Rettung: Die Front freiheitlicher Demokraten. Die sorgen für die Wiedereinsetzung von Marktwirtschaft und Demokratie. Der neue Kanzler der Einheit ist ein Habsburger. Ich frage mich jetzt zwar, wer das noch komisch finden soll, aber man muss ja auch irgendwann einmal zum Schluss kommen.

Als er gestern bei “Spiegel Online” die Überschrift las: “Das gefährlichste Foto der Welt”, die sich auf den mutmaßlich zurückgehaltenen Schnappschuss des just als Verlust gemeldeten Usama B. bezog, war er sofort begeistert: “Das ist genau der Journalismus, der die Menschen interessiert. Sie wollen Nachrichten mit Unterhaltungswert. Da müssen Geschichten erzählt werden, in die man sofort einen Einstieg hat. Sex, Krimi, Hitler, das ist es, was ein Nachrichtenmagazin ausmacht.

roleitKnopp griff sofort zum Hörer seines Schellacktelefons und rief in der Chefreaktion auf der Brandstwiete an. Dort saßen Georg Mascolo und Mathas Müller von Blumencron über ihren taufrischen Angeboten von Fox News und berieten über eine würdige Nachfolge.
“Wenn Real Madrid ruft, bleibst du nicht in Mailand”, sagte Mascolo Später und freute sich wund über die Anfrage von Deutschlands klügstem Historiker. Man wurde sich schnell einig. “Das war wie ein Blitzkrieg“, scherzte der Geschichtsexperte.

Knopp brachte gleich zwei Vorschläge mit, die ihn auf der Stelle zum Liebling der Redaktion gemacht haben: “Warum reden wir so kompliziert von Osama, Usama oder wie auch immer? Was bei Saddam geklappt hat, klappt bei Bin Laden erst recht. Reden wir doch vom neuen Hitler, lassen wir das Sperrige ‘neu’ gleich gleich weg, dann haben wir zwei Dutzend brandaktuelle und doch zeitlose Titel!

Ulfkotte Vizechef

Damit nicht genug, hat er den Terrorismusexperten Udo Ulfkotte für den neuen “Spiegel” gewinnen können. “Man muss eine persönliche Beziehung zum Thema haben“, meint Knopp, “die großen Emotionen reinbringen. Das kann der Udo wie kein anderer“.
Das zensierte Foto hat der Verlag ebenfalls vorweg veröffentlicht (siehe oben). Der “Spiegel” traut sich, wofür andere den Mut nicht aufbringen.

Der Aufmacher der nächsten Ausgabe wird dann auch gleich ein Kracher werden: “Ferien bei Hitlers” macht den Besuch von Osamas Wolfsschanze in Pakistan schmackhaft. Ein großer Coup, meint Knopp, denn das verbindet Spitzenjournalismus mit aktiver Entwicklungshilfe und sorgt für potente Anzeigenkunden. Während die Konkurrenz auf breiter Front einbricht, zeigt das kritischste Nachrichtenmagazin der Welt wieder einmal, warum es stets die Nase vorn hat.

 
moonborgMortimer kletterte bedächtig von dem Traktor, mit dem er bis zum Mittagstee die königlichen Nasenhaare gemäht hatte. Gereicht wurde Earl Grey, heiß, von einem schwulen Schaufensterdekorateur aus Baunatal. Eigentlich als Pferdeknecht eingestellt und entsprechend auf die Bedürfnisse der stets abwesenden Komtesse geschult, vertrieb er sich die Wartezeit mit der händischen Zubereitung von Replikatornahrung. Energie war knapp geworden in diesen Zeiten, und nur die akute Haarwurzelentzündung sorgte für ein wenig Linderung der Lage. Der Frühling stand noch immer vor der Tür, obwohl ihm ein weicher Stuhl gereicht worden war.

Die autonome Halblinke nahm die Gesamtsituation zum Anlass wütender Proteste in der Bartrandzone. Bartrand erfreute sich alsbald enormer Verbreitung. Sogar der ehemalig real existierende Osten stimmte mit ein, sodass sich die Szene kurzfristig radikalisierte. Ein Paket wurde geschnürt und die Autoren in der irrigen Ansicht verhaftet, es handele sich dabei um eine Paketbombe. Tatsächlich entpuppte sich der vor Somalia in eine falsche Flagge eingewickelte Karton als Gesamtpaket, welches an die Gesamtsituation adressiert war. Es beinhaltete nur Altkleider, was beim Abhören einschlägiger Telefonate freilich missverstanden worden war. Nach eingehender Befragung durch als Dienstleister deklarierte Dienste wurden die Überreste auf freien Fuß gesetzt. Der Chefredakteur untersagte ausdrücklich die als spekulativ geltende Aussage des Oppositionsentführers, der Tod sei ein Dienstleister aus Deutschland.

Erst als Kate Middlethrism in Northcobblestone Hall ein Janeinvielleicht in Willams Birne hauchte, flogen die Kronkorken aus der Meisterschale. Derart verhindert, musste Jürgen B. Kloppo absagen: “Guten Abend, das Wetter”. An seiner statt begleitete Jörg B. Kachelmänneken die Hochzeitsnächtigen. Dieses wunderbare Messerset jetzt für unglaubliche soundsoviel Euro. Der Rest wird für karitative Zwecke von mitleiderregend schlecht gelifteten Adeligen unterschlagen. Die Guttenbergs haben alles auf Band und schreiten ein. Endlich!

dolphEinen großen zweckfreien Bogen möchte ich heute spannen, über Volker Bouffier. “Wie das?“, fragt der Delphin, der in meinen alten ledrigen Tränensäcken schwimmt, “der Mann ist doch schon over the rainbow“. Dann schließen wir den Kreis halt, machen vielleicht eine schöne Kugel daraus, eine schillernd seifige Blase, in der wir ihn davonfliegen lassen. Ins Ausland am besten, vielleicht in die Türkei, wo er sich einweisen lassen soll. Immer bloß von hie nach dort ausweisen ist nämlich irgendwie einseitig.

Langsam aber, wie kommt der Mann jetzt darauf? Las ich doch eben, die Opposition im hessischen Landtag habe geklagt, und das sogar erfolgreich. Nachdem Koch-Bouffiers schwarze Schergen den Untersuchungsausschuss zu den amtlich schikanierten Steuerfahndern zu einer Karnevalssitzung umfunktioniert haben nämlich. Hatte ich mich also neulich über das Parlament echauffiert, dem so gar nichts einfiele, um den Kabinett der dunklen Macht das Handwerk zu legen, so ist das doch immerhin ein Schrittchen in die richtige Richtung.

Nennt mich verrückt …

Sehr zufällig las ich außerdem vorhin in einem alten Artikel hier folgende Worte, die die Kanzlerin persönlich fand, um den ausländerkritischen Wahlkampf von Koch und seinem Innenminister Bouffier Anno 2008 zu rechtfertigen:
Es kann doch nicht sein, dass eine Minderheit von Menschen in unserem Land einer Mehrheit von Menschen Angst macht“.
Es ging damals um kriminelle Jugendliche aus der Fremde, in die zurück zu reisen die Hessen-CDU Anreize mit Hand-und Fußfesseln zu bieten gedachte.
Damals hatte ich mich nicht lange damit aufgehalten, den Satz wörtlich zu nehmen, das will ich hiermit nachholen:

Ist es nicht quasi immer so, dass eine Mehrheit Angst von einer Minderheit hat? Meist vor einer Minderheit, der sie kaum je begegnet? Angst ist ja quasi der Schrecken vor einer Situation, die möglichst nie stattfinden soll.
Frau Merkel aber steht offenbar zu ihren Parteifreunden in der Weise, dass sie die Angst der Minderheiten vor der Mehrheit sicherstellen will. Nur so nämlich erklärt es sich, dass ausländische Jugendliche mit aller Härte verfolgt werden sollen, während einvernehmliches Schweigen herrscht, wo der Schlägertrupp aus heimischen CDU-Familien stammt. Da wird sogar vom Landesvater selbst dafür gesorgt, dass die Mehrheits-Täter die Minderheits-Opfer einschüchtern und nicht etwa umgekehrt.

Und was macht die Opposition in dieser Sache? Sie wartet darauf, dass sich ein Jurist findet, dem etwas dazu einfällt. In ein paar Jahren vielleicht. Derweil steht sie treu zu ihrem Wort, niemals mit den Linken zu paktieren. Keine Wahlversprechen zu brechen. Und sollte es einmal nicht reichen für Schwarzgelb, eine große Koalition zu schmieden.

Nennt mich paranoid-querulatorisch oder sonstwie verrückt“, flüstert mir fröhlich planschend mein Delphin zu, “aber die spinnen, die Hessen!

Der Text:

Aus tiefstem Herzen und in ehrlicher Demut möchte ich mich in aller Form entschuldigen für die Fehler, die ich gemacht habe. Ich möchte die Soldaten, die ihr Leben für unsere Freiheit geben, schützen. Es ist mir ein aufrichtiges Anliegen, mich an der Klärung der Fragen hinsichtlich meiner Dissertation zu beteiligen.

Die Übersetzung:

Ich werde jedem den Arsch in Scheiben klagen, der es wagt, auch nur noch ein Wort über meine geklaute Dissertation zu veröffentlichen.

Man muss das verstehen. Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg fühlen sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt. Sie verstehen sich als Autorenkollektiv und insofern missverstanden. Verstanden?!

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