neopirIch habe mir wie viele, die vom neoliberalen Einheitsbrei die Nase voll haben, zwischenzeitlich so meine Gedanken gemacht über die Piratenpartei und ob ich sie für wählbar halte. Grundsätzlich halte ich nicht viel von Shooting Stars, die letztlich aus Verdruss in Parlamente gewählt werden. Hinzu kam bei den Piraten eine Zeitlang der Einfluss bräunlicher Genossen wie Aaron König. Den haben sie zwar inzwischen entsorgt, aber die Nachfolge ‘überzeugt’ auf ihre ganz eigene Weise.

Was Käpt’n Sebastian Nerz da von sich gegeben hat, kann enttäuschender nicht sein, denn die Linie, die er vertritt, ist schlicht reaktionär und strategisch neoliberal. Der große Trumpf der Piraten, eine Alternative zur Alternativlosigkeit zu sein, ist damit zunächst aus der Hand gegeben. Mit den Grünen und der FDP würde er gern, keineswegs aber mit den Linken und favorisiert eine “Sozialpolitik” à la SPD. Na Bravo, das hatten wir ja noch gar nicht. Zwar gab es reichlich Kritik aus den eigenen Reihen, die Nerz damit konterte, er könnte Interviews ja auch abbrechen, wenn ihm auf doofe Fragen nichts Schlaues einfiele. Sie haben ihn sich aber nun mal gewählt, und er versaut’s.

Kuscheln mit dem Mainstream

Das Kuscheln mit dem antilinken Mainstream besorgt er dann ausgerechnet in der Passauer Neuen Presse, wo man heute die Forderung nach der Vorratsdatenspeicherung zu lesen bekommt neben der nach einem Verbot der Linken – von CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. In dieser Gesellschaft also lebte Herr Nerz seine Träume von einer neoliberalen Koalition ohne Internetsperren aus. Ja, es wäre wohl besser gewesen, er hätte das Interview abgebrochen – vor der Anreise.

Es zeigt sich erfreulich rasch, dass mit Aktivismus kein Staat zu machen ist. Eine Partei ist nur dann eine, wenn ein Meinungsfindungsprozess stattfindet, an dessen Ende der gefundene Konsens auch vertreten wird. Gibt es keinen oder wird er nicht vertreten, braucht niemand eine Partei. Man mag jetzt sagen, dass die Funktionäre anderer Parteien auch vom Konsens abweichen. Eben. Und selbst dann gibt es einen. Vor allem sind diese Funktionäre mit anderen Machtebenen verflochten, die ihnen näher sind als die ‘Basis’. Wer aber braucht Funktionäre, die sich korrumpieren, noch ehe ihnen dafür etwas geboten wird? Eine neue Partei hat ohnehnin nur eine Chance, wenn sie sich über die wesentlichen politischen Fragen einig ist. Deshalb wird das auch nichts werden mit den Piraten.

Beliebigkeit bewegt nichts

Die Hoffnung, Piraten und “Occupy”-Bewegung könnten eine Allianz eingehen, ist damit auch beim Teufel. Oder sind wir schon so beliebig, dass FDP und Occupy auch miteinander könnten?
Dass außerparlamentarische Bewegungen bislang immer links waren, hat schon seinen guten Grund. Damit ist nicht gesagt, dass es nur von links Druck auf die Institutionen geben kann. Aber es ist an der Zeit zu erkennen, dass die oppositionelle Linke mit all ihrer Geschichte, Theorie und Streitkultur sich jahrzehntelang abgemüht hat, und dass Veränderung jetzt nicht mal eben zu machen ist – ohne Inhalte. Gegen Banken zu sein ist kein Konzept. Gegen Internetzensur zu sein auch nicht.

Bei allem Frust über organisierte Politik, zumal die Parteien, ist es aber weiterhin unabdingbar ein Gesellschaftskonzept zu haben, wenn man die Gesellschaft verändern will. Wer zu viel Raum für Beliebigkeit lässt, wird entsprechend beliebige Vertreter hervorbringen, die beliebige Aussagen treffen. Das Problem liegt nicht in der Person eines politischen Fischstäbchens wie Sebastian Nerz. Das Problem liegt in der Struktur der Bewegung, die sich an ihrer vermeintlichen Wirkungsmacht ergötzt und doch nichts bewegt. Gar nichts.

 
enteispriHeute einmal Qualitätsjournalismus bei Feynsinn: Wir übernehmen Gerüchte aus anderen Zeitungen informieren uns aus verschiedenen Quellen und formulieren sie halbgar um fertigen aus den Informationen einen Artikel. Die Überschrift ist demnach sehr professionell gewählt und bereits von anderen Angeboten in der Praxis getestet worden. Geprüfte Qualität also. Kommen wir zum Artikel (die Endfassung ist normal gesetzt, gestrichene Passagen gehörten zum Entwurf, die Bemerkungen des Chefredakteurs sind kursiv gesetzt):

Christian Wulff nennt die Pressefreiheit ein “hohes Gut”.
Als höchste Instanz im Staate steht er freilich noch über ihr.
Nein, solche Sätze gehen überhaupt nicht. Ironie verrät eine Position, die uns als Journalisten nicht zusteht und endet leicht in Majestätsbeleidigung.
In seinem Amt werden an Wulff besonders hohe ethisch-moralische Ansprüche gestellt.
… während er locker den Limbo unter der “ethisch-moralischen” Türkante tanzt. Wieso überhaupt “ethisch-moralisch”? Kann hier wieder einer nichts mit den Begriffen anfangen und verbraucht deshalb zur Sicherheit beide?
Eieiei, so wird das nichts mit dem Volontariat. Bleiben wir bitte sachlich!
Er hatte Bild-Redakteur Kai Diekmann mit Konsequenzen bis hin zu einer Klage gedroht, sollte dieser Details in der Kreditaffäre öffentlich machen. Dennoch wollte Wulff die Pressefreiheit nicht beeinträchtigen, so das Bundespräsidialamt.
Der Don wollte die Schwimmfähigkeit des säumigen Schuldners keineswegs mindern durch die formschönen Betonpantoffeln. Wir streichen diese Schmähungen jetzt einfach kommentarlos. Ihre Stelle übrigens auch.
In der Kreditaffäre sieht Wulff keinerlei Interessenkollision mit der LBBW. Dass ich mich für die ganzen Gefälligkeiten schmieren lasse, hat keinen Einfluss auf mein Handeln. Ich werfe mich eh vor jedem in den Staub, der mehr Macht hat als ich.
Wulffs Verhalten wird vielfach kritisiert, vor allem von der Opposition. Die Bundeskanzlerin sprach ihm zuletzt das Vertrauen aus, als bekannt wurde, dass Unternehmer Maschmeyer Wir wissen nicht, wer das ist und kennen den Vornamen nicht, aber das stand bei den anderen in der Überschrift ihm eine Werbeanzeige finanziert hatte. Je mehr Dreck am Stecken, desto mehr Vertrauen braucht so ein Nützling, schon klar.
Christian Wulff gilt als Bundespräsident.

Wir sehen also: Einen guten Artikel zu schreiben, der höchsten journalistischen Ansprüchen genügt, ist gar nicht einfach und erfordert neben professioneller Sicherheit bei der Formulierung auch eine hoch ausgebildete Selbstbeherrschung. Sonst könnte ja jeder ABC-Schütze diesen Beruf ausüben.

 
mentzKlaus Baum hat seinem Missmut gegenüber dem unreflektierten Geschwätz einer überschätzten Schriftstellerin bereits deutlich Ausdruck verliehen. Ich fühle mich bewogen, da anzuknüpfen. Zu ihrer armseligen Namenswahl und der depperten Begründung dafür habe ich mich bei Klaus ebenfalls bereits geäußert.

Ich will mich aber auf ein Detail ihrer Äußerungen beziehen, das noch absurder ist als das schon langweilige Blabla neoliberaler Erfolgsmenschen über faule Arbeitslose. Für Klickfaule: Frau “Thea Dorn”, eine meiner Ansicht nach bedingt talentierte Krimischreiberin, die ihren Künstlernamen Adorno ‘widmet’, gab auf die Ansicht, die Mehrheit der Arbeitslosen würden arbeiten wollen, zum Besten:

Dem würde ich empirisch, dem würde ich nicht zustimmen.”

Sich selbst auf der Tasche liegen: die regelmäßige Ausnahme

Bei Klaus Baum wurde dazu hinreichend Stellung genommen. Noch besser aber finde ich folgende Äußerungen:

Ich halte es für die Grundbedingung Menschlichen Lebens, dass wir dazu verdammt sind auf die Welt zu kommen und zuständig zu sein für uns selber [...] und die Tatsache, dass man nicht imstande ist, sich selber zu alimentieren, muss ein Ausnahme- und Notfall bleiben.”

Die Grundbedingung ist es, dazu verdammt zu sein, auf die Welt zu kommen? Das muss ich nicht verstehen. Was ich verstehe, ist dass sie meint, wir alle seien “zuständig für uns selber”, sonst niemand und für niemanden. Dieser grobe Unsinn, den Frau “Dorn” im folgenden in geahnte Untiefen treiben wird, verneint jede Existenz einer Gesellschaft oder Gemeinschaft von Menschen, die füreinander sorgen.
“Alimentieren” bedeutet übrigens ausdrücklich “andere” zu unterhalten. Man kann sich nicht “selbst alimentieren”.

Wohlgemerkt: der in hölzernem Pathos vom “menschlichen Leben” daher kommende neoliberale Sermon belässt es nicht dabei, auf einen Beitrag zur Gemeinschaft abzuheben, den jeder zu leisten hätte. Er vereinzelt den Menschen absolut, die Selbstsorge wird zu einer Art Existenzial. Man muss also so weit gehen festzustellen, dass eigentlich schon der Säugling schuldig wird, weil er an Mutters Brust schmarotzt. Wer das für eine übertriebene Unterstellung hält, sei hiermit eines Besseren belehrt:

Nackte Einzelkämpfer

Selbst wenn wir in reiche Familien geboren sind, kommen wir nackt zur Welt und müssen gucken, wie wir uns durch dieses Leben schlagen“.

Pardon? Die nackten Kinder der Reichen schlagen sich selbst durchs Leben? Was will die im übrigen teilweise schlicht stammelnde Künstlerin uns damit sagen? Die Reichen sind auch Menschen, die sich aber Kleidung und Nahrung ‘verdienen’, weil sie’s eben haben? Was man hat, gilt als Leistung, als “durchschlagen”, und wer nichts hat, schlägt sich nicht durch? Dass Reiche wie Arme vor der Abnabelung noch gleich (nackt) sind, beweist grundsätzliche Gleichheit, welche die Armen sich durch Arbeit “verdienen” müssen? Jene Armen, die mehrheitlich nicht arbeiten wollen?

Die Urheberin dieser Höchstleistung an intellektueller Verkommenheit hat so viel mit Adorno zu tun wie mein Abbild mit dem von Marilyn Monroe. Ist Dorns Ranting schon strukturell völlig verwüstet, bar jeder nachvollziehbaren Grammatik und ein Stiefeltritt ins Gesicht der Logik, besorgt die Faktenlage den Rest: Was nach ihrem Credo “Ausnahme- und Notfall bleiben” soll, betrifft am unteren Ende der Einkommenskurve bis zu zehn Millionen Menschen. Am anderen Ende horten weitere 8 Millionen so viel Vermögen wie die anderen 72 Millionen zusammen. Diese Menschen werden also nie in die Verlegenheit kommen, für ihr Brot arbeiten zu müssen, das tun andere für sie. So viel zu der einfachen Darstellung der Sachlage. Mit Volkswirtschaft mag man ihr ja gar nicht erst kommen, auf der Ebene liegen bei ihr geistige Rossbreiten.

Kein Sinn, keine Ahnung, fest im Glauben

Für die Ignoranz ihrer Weltsicht steht auch der eingestammelte Halbsatz:
… die Piratenpartei, die auf so lustige Ideen kommen wie das Bedingungslose Grundeinkommen
Dass das BGE ein Modell ist, welches unter anderem von Teilen der CDU favorisiert wird und dessen Entwürfe schon Anfang des 20. Jahrhunderts diskutiert wurden, die bis heute variiert und aktualisiert wurden, muss man ja nicht wissen. Es ist aber umso peinlicher, sie der Piratenpartei unterzuschieben, weil es einem gerade passt, diese vermeintlich zu diskreditieren.

In der Tat stellt sich die Frage, warum niemand diesem unerträglichen Geschwätz Einhalt geboten hat. Spätestens die nackten Reichen wären doch die Gelegenheit gewesen, den Geisteszustand der Rednerin zu überprüfen. Stattdessen werden wir uns wohl immer wieder fragen müssen, wer solche Narren noch zu ernsthaften Diskussionen einlädt und warum. Man zwingt uns ja obendrein auch noch dazu, sie mit der Rundfunkpauschale zu alimentieren.

 
schneesperr

10° und Nieselregen – dann doch lieber so wie letztes Jahr? Man kann es mir aber auch nicht recht machen. In diesem Sinne: Kommt gut rüber, frohes Neues und lasst euch nicht aufhalten!

Und das wird es dann nächstes Jahr gewesen sein:

Januar:
Feynsinn wird Zweikiloblog. Der 2000. Artikel trägt den Titel: “Ich widerrufe alles“.
Der Mindestlohn in der Zeitarbeit wird eingeführt. Die Gewerkschaften kämpfen bis zum Schluss für die Erhaltung von Arbeitsplätzen und eine Untergrenze von vier Euro, können sich aber gegen die Angst der Unternehmer vor Hungerrevolten nicht durchsetzen.
Zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen wird der Absolutismus probeweise wieder eingeführt.
10 Jahre Euro: Ohne Holland.

Februar:
50 Jahre nach der Sturmflut wird Helmut Schmidt der Titel “der Große” verliehen. Probeweise übernimmt er das Amt von Friedrich II. Johannes Kahrs führt die Amtsgeschäfte in den Rauchpausen des “Alten”.
Queen Elizabeth II, die vor 60 Jahren ihr Amt angetreten hat, gratuliert als erste und bietet Helmut I/II eine Handvoll Verwandte als Sänftenträger an. Vor allem “den Tampon mit den doofen Ohren” würde sie gern loswerden.

März:
Der EU-Vertrag wird mit den Stimmen Merkels, Sarkozys und der Fischerchöre geändert. Es gilt ab sofort, was “Lady Lead” sagt. Die Eurostaaten betrachten ihre schweigende Zustimmung als alternativlos, nachdem Wolfgang Schäuble damit droht, alle ihre Banken aus Bundesmitteln aufzukaufen.
Bei den russischen Präsidentschaftswahlen belegt Vladimir Putin die ersten drei Plätze. Er wird als Kosmonaut, Feuerwehrmann und Lokomotivführer gewählt.
Fukushima ist ein Jahr nach der Havarie unter Kontrolle. Es wird ein Verbot der Emission von Emissionen erlassen.

April:
Am ersten Tag des neuen Monats wird das Grundgesetz geändert. Es weicht einer Generalbevollmächtigung der Bundeskanzlerin, nachdem Helmut Schmidt “auf unbestimmte Zeit verreist” ist, wie sein Sprecher Kahrs mitteilt. Die diesbezüglichen Meldungen werden für einen Scherz gehalten.
100 Jahre nach der Jungfernfahrt der Titanic übernimmt “die Partei” die FDP. Philipp Rösler wird zur Fortführung seines Amtes gezwungen und für unsinkbar erklärt.

Mai:
Vor den Wahlen in Schleswig-Holstein warnt die deutsche Presse einhellig vor einem Linksrutsch, der Linkspartei, linken Kräften und den noch gefährlicheren Hyperlinks. Die CDU holt die absolute Mehrheit.
Bei der re:publica wird Sascha Lobo heilig gesprochen. Das Medienecho ist gewaltig. Die offizielle Website der Veranstaltung zählt mehr als 20 Zugriffe.
Karlheinz Deschner wird 88. Die Kanzlerin ist alarmiert. Das BKA baut eine Atheistendatei auf, in der alle diese Fanatiker registriert sind. Bundesbeamte werden künftig auf den „einen Gott der Christen“ vereidigt.

Juni:
Bei der Fußball-EM scheidet Deutschland überraschend in der Vorrunde aus. Jogi Löw wird daraufhin fristlos entlassen, ihm werden die Leibwächter entzogen, und er muss alle schwulen Mitglieder des Kaders outen. Deren Vierteilung wird bei Satt eins live übertragen.
Die Weiber rennen schon wieder halbnackt rum. Ich bin immer noch nicht zu alt für Hechelatmung, sehe aber schon echt scheiße aus. 44° im Schatten. Ich ziehe in den Keller und lebe nur noch von Bier und Kippen.

Juli:
44° im Keller. Ich lasse mir von einem Escortservice Trockeneis liefern.
Zypern hat die EU-Ratspräsidentschaft inne. Zypern! Der Euro wird Zentralasien eingeführt, Kinder spielen damit “Kaufladen”. In Europa werden die Geschäfte derweil in Fränkli abgewickelt.
Angela I/II/III wird 58. Aus Anlass ihres Geburtstages werden die überflüssigsten Minderleister öffentlich zu Raubtierbetreuern ausgebildet. Die Nation spendet stehende Ovationen.

August:
Anlässlich des 2000. Geburtstags Kaiser Caligulas wird die Immunität für hochrangige Politiker erweitert. Der grausame Kaiser hatte seinerzeit reihenweise Senatoren hinrichten lassen. “Es ist an der Zeit, endlich aus diesen kommunistischen Greueltaten zu lernen“, sagt Volker Kauder, der unter diffusem Korruptionsverdacht steht.
Zum Ende der olympischen Spiele in London werden einige Wettbewerbe auf die Straßen verlegt. Ein schwarzer Jugendlicher schafft die 400 m Hürden (brennend) in 46,08 Sekunden. Tausende Chaoten werden nach Verlöschen der Feuer in die Stadien eingeladen. Für ihre Sicherheit ist gesorgt.

September:
Am 225. Jahrestag der der Verfassung der Vereinigten Staaten werden einige Grundrechte gelockert. Der “New Patriot Act” erweitert die Kompetenzen der Polizei. Sie erhält eine eigene Artillerie und darf sich künftig auch “Arbeit mit nach Hause nehmen“.
150 Jahre nach dem Ende der Sklaverei werden die “Knebelgesetze Lincolns” ebenfalls gelockert. Die Börsen reagieren mit einem Kursfeuerwerk.

Oktober:
Beim 60. Jahrestag der Unterzeichnung des Betriebsverfassungsgesetzes erklärt der DGB Betriebsräte für einen “Klotz am Bein des Aufschwungs”. Die Rentenbeiträge der Arbeitgeber werden auf null gesenkt. Dazu der DGB-Chef: “Wir haben mehr für den Standort Deutschland erreicht als je irgendwer zuvor“.
Günther Wallraff mischt sich zu seinem 70. Geburtstag unter die militanten Demonstranten am Spreebogen und dortselbst Cocktails, die er nach einem ehemaligen sowjetischen Außenminister benennt.

November:
60 Jahre nach dem Zünden der ersten Wasserstoffbombe erklärt Iran sich zur Atommacht. Die USA marschieren daraufhin in Bahrain ein. „Die haben doof geguckt“, erklärt Außenministerin Clinton.
Bei der US-Wahl wirbt der Commander in Chief erfolgreich mit dem Slogan “Yes we cane“. Derweil prügeln sich Polizisten in allen Großstädten der Union durch kommunistisch unterwanderte Vororte. Obama wird mit überwältigender Mehrheit wiedergewählt.

Dezember:
Karl-Theodor zu Guttenberg wird Bundeskanzler – in Österreich. Lady Lead kommentiert süffisant:
Wir wurden jetzt zwomal von Alpenfuzzis regiert. Karl-Theodor ist die vorläufige Antwort auf Adolf und Joe. Wenn euch das nicht passt, schick ich euch den Pofalla.”
Der Aufschwung darf nicht gefährdet werden: Weihnachten wird ausgesetzt und soll in einem der kommenden Jahre an einem Wochenende nachgeholt werden. “Das hat uns letztes Jahr auch nicht geschadet”, so BDA-Chef dicker Dieter Hundt.

 
Und morgen die ganze Welt

EU-Militär soll künftig nach Belieben in Somalia an Land gehen und dort morden und plündern für Ordnung sorgen dürfen.

Mit dem Wirken gegen die Piraterielogistik am Strand ist beabsichtigt, am Strand gelagertes Material, das für Pirateriezwecke verwendet wird oder werden soll, zu zerstören

Nachdem die internationalen Fangflotten den Somalis ihre wichtigste Lebensgrundlage “zerstört” haben, sorgen dann übergesetzliche Killerkommandos dafür, dass sie die Gesetze einhalten, sonst wird weiter “zerstört“. “Welche Gesetze” fragt ihr? Die der Stärkeren natürlich, ihr Trottel.

Bald bei Feynsinn: Die schönsten Parteien Deutschlands

Ich weiß gar nicht, ob ich zu faul dafür bin (glaube ich nicht wirklich, ich gehe zwischen den Jahren ja auch fleißig buckeln) oder wirklich keine Zeit habe (kann eigentlich auch nicht, ich hänge ja hier rum), aaber … ich habe da eine Serie im Kopf über siehe oben, ihre Ideologien und was die Wirklichkeit dazu sagt. Beginn wird jedenfalls etwas über den Konservativismus: die Kunst, Probleme des dreiundzwanzigsten Jahrhunderts mit den intellektuellen Mitteln des dreizehnten zu meistern. Vielleicht wird’s auch gleich ein Rundumschlag, dann lohnt sich’s wenigstens.

Spiel über Bande

Eine furchtbare Strafe droht der Bundesrepublik Deutschland, weil die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung nicht umgesetzt wurde. “Wer ist denn die EU?“, fragt ihr und “hat Deutschland da etwa nichts zu sagen“?
Jetzt werdet mal nicht frech!

Die Grökaz steht seit ihrer stillen Apotheose über dem Grundgesetz, ihre Jünger können dies aber nicht immer hinreichend dem Volk vermitteln, schon gar nicht denen in den roten Roben. Also muss der Bruch der Verfassung als von außen aufgezwungener Zwingezwang daherkommen. Das ist dann zwar immer noch verfassungswidrig und daher nichtig. Es kann deshalb auch niemand den Bundestag dazu zwingen, die Gelder für derlei “Strafen” zu genehmigen, denn Verträge, die grundgesetzwidrige Vereinbarungen beinhalten, sind ebenfalls nichtig. Insofern wäre sogar ein solcher Beschluss zum Etat rechtswidrig …

Das klingt aber alles so kompliziert und ist zumindest so komplex, dass
a) der Michel das nicht rafft,
b) die Abgeordneten auch nicht, so dass es
c) erst mal so aussieht, als müsste die BRD wirklich müssen;
d) räumt das BVerfG ja immer erst nachher auf, und bis dahin lässt sich
e) eine Menge horchen und spähen. Die Daten werden ja nicht schlecht, hähä.

Wenn Daten singen

Apropos Daten: Ich habe bei Totschka (da gibt’s noch mehr von dem Stoff) ein paar sehr geile Filmchen gefunden. Der Soundtrack ist oscarreif, die Handlung ergreifend minimalistisch und daher eher etwas für Freunde des Programmkinos. Veery neerdy.

In Bethlehem geboren sein, das würde mir heute echt stinken. Bei Al Jazeera findet sich nicht nur ein vielsagender Artikel dazu, dort ist auch ein Foto zu sehen, das die ganze Absurdität des antiterroristischen Schutzwalls abbildet. Leider ist es lizensiert und die Agentur dafür bekannt, ihr “Urheberrecht” sehr konsequent durchzusetzen.

Andere Dokumente der Mauer gibt es hier

iswall1

und hier.

iswall2

Merkwürdig, dass diese Bilder in den Medien nicht zu sehen sind, ihre Wirkung ist doch absolut quotentauglich. Man muss den Leuten dann nur noch erzählen, dass Iran schuld ist an der ganzen Schande, dann ist auch der ideelle Wert gesichert.

Na klar: Iran ist schuld an 9/11. Sofort einmarschieren! So ein Gebrauchtnineeleven kann recht nützlich sein. In den nächsten zehn bis zwanzig Jahren finden sich bestimmt noch eine Menge Mitschuldige, die man dafür bestrafen kann. Ausgenommen natürlich Saudi-Arabien oder alles, was bei einer seriösen Untersuchung herauskommen könnte. Gegen die absurde Kriegshetze der Amis ist die Argumentation des Wolfs gegenüber dem Lamm in der nämlichen Fabel stringent und schlüssig.

p.s.: Ich mag trotzdem keine ‘Diskussion’ über False Flag – Anschläge, das ist mir zu doof.

 
Um unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit® nicht zu gefährden, ist Lohnzurückhaltung® das Gebot der Stunde. In der Krise© darf der zarte Aufschwung® nicht am Festhalten von Pfründen© scheitern. Die deutsche Automobilindustrie steht vor schweren Zeiten, unsere Exporte®© sind das A und O unserer Wirtschaft. Die Gewerkschaften haben bereits ihre Bereitschaft zu maßvollen Lohnabschlüssen©© signalisiert. Die Karte unten zeigt die dramatische Lage: Der Anteil an den weltweiten Exporten von Automobilen. Die Konkurrenz wird immer stärker! Rechts und violett: Japan. Im Zentrum die BRD.
Weitere höchst interessante Karten bei Worldmapper.

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© Copyright SASI Group (University of Sheffield) and Mark Newman (University of Michigan) worldmapper

 
Zum Fest des Einzelhandels zitiere ich aus einem Werk aus den frühen 90ern, leicht getunt und modisch runderneuert:

xmasEs adventet wieder. Oder: es kommt mal wieder nicht so darauf an. Die Bäume, geschundene Metaphern der Jahreszeiten, blinken, lauflichtern oder leuchten schlicht, vereinen abtretendes Leben mit aufstrebendem Handel, zeitgemäß urban, weihnachtlich. Was dem Diesel seine Kerze, dem Menschenkind sein Wein, ist dem Baume seine Lichterkette. Alles glüht und funkelt.

Gibt es eine Wechselwirkung, so frug ich mich neulich im Getümmel, zwischen dem Tragen haariger Tierhäute und dem Sozialverhalten ihrer Trägerinnen? Solche sammeln heute allerlei bunte Waren, wo sie dereinst Beeren pflückten. Dabei Keuchen sie schwer und drängeln, während ihre zeitgemäß am eigenen Halse angebrachten Duftmarkierungen die Konsumkonkurrentinnen betäuben, umso sicherer, je mehr sie vom teuren Zaubersaft aus der Glitzerflasche No.5 ihre Haut benetzen ließen. Gespannt streift der Blick manischen Auges umher, das dahinter liegende Sendeschlussrauschen wird nur vom Kaufimpulspiepsen unterbrochen.

STIHIILLEEE NAAACHT

Erscheint etwas außerordentlich Nutzloses im Blickfeld, an dem eine große Zahl angebracht ist, reagiert das Pelzinnere mit einem Griff in den Lederbeutel, dem Zücken großer bunter Papierscheine und Erleichterung. Das unerträglich angeschwollene Piepsen lässt sich nur so abstellen, um einstweilen seinem Widerhall zu weichen. Nähert man sich den Pelzträgerinnen in einem solchen Moment, kann man das Echo deutlich aus den Ohren klingen hören. In digitalem Weihnachtsglockengebimmel und quadrophonisch verstärkter „stiller Nacht“ geht der Ton allerdings meist unter, soviel auch zur Funktion des Geläuts.

Es ist die Zeit der Banner und Prospekte. Etwa zwei Hektar Wald, geschnitten, gebleicht und auf Hochglanz bedruckt, erfreuen unsere Briefkästen und stimulieren den Piepstrieb. Die Mailbox quillt über, das Fernsehen zeigt junge ausgemergelte Menschen bei ungelenken Simulationen von Geschlechtsverkehr. Sie bedeuten uns, Duftöle zu kaufen, um ebenfalls ungelenke Simulationen haben zu dürfen. Der Alkoholikergesellschaft sehr entgegenkommend, wird so viel von dem Zeug gekauft, dass es nur durch Saufen je konsumiert werden kann.

Die Innenstädte duften nach Feinstaub und SUV. Die Psychiatrien erfreuen sich guter Belegungsquoten. Für den allgemeinen Schund fährt die Müllmafia Sonderschichten. Die meiste Freude aber haben und machen die lieben Kleinen: Ihrer Unersättlichkeit schmiegt der Markt sich an wie Akne der Teenievisage. Unter dem Allesundnochmehr, das Eltern ihnen kaufen müssen, befinden sich immer perfektere Ästhetikgeneratoren aus Plastik, von manchen in rührender Naivität “Puppen” genannt. Sie können heute laufen, rülpsen, Kinder kriegen (per autochirurgischem Kaiserschnitt), blinken, musizieren, sind Ipod-kompatibel und generieren automatisch einen Facebook-Account, sobald man sie der Packung entnimmt.

HEIL LIGE NAAAAACHT!!1!

So etwas ist ungeheuer reizvoll für die degenerierten Kids. Noch ehe man entdeckt, wieviel abscheulicher Schwachsinn tatsächlich als batteriefressende Multifunktion aus den Dingern hervor quillt, hat man den Gedanken schon verdrängt. Einwände wie „Entfremdung“ oder „groteske Ausbeutung der kindlichen Psyche“ sind unweihnachtlich und werden als Geschäftsschädigung abgemahnt..

Dass der Reiz bald ausgeschöpft ist, bedarf keiner Erwähnung, nur sei hier vor Nebenwirkungen gewarnt: Hatte sich doch der Säugling, eigentlich Tochter eines guten Bekannten von mir, in der Lichterkette des Weihnachtsbaumes verfangen, um alsdann in einem Verwechslungsdrama von ihrer großen Schwester in Seifenlauge getunkt zu werden. Das Baby sollte sich dadurch in eine veilchenfarbene Meerjungfrau verwandeln. Der Irrtum wurde auch nicht bemerkt, als das Baby, einmal vom Weihnachtsbaum entfernt, nicht mehr leuchtete.

Solche Kollateralschäden sind alternativlos, denn wer würde heute noch ernsthaft die Auswüchse des Zuspätkapitalismus kritisieren wollen, der in seinem christlichen Jahreshöhepunkt näher an seinem Ursprung ist als er glaubt. Vielleicht verlagert sich das Ganze ja, der Massenpsyche gerecht, eines Jahres auf den Karfreitag – man kann sich von so viel Schuld freikaufen, dass es eine Freude sein wird. Dann schlagen wir ein Männlein ans Kreuz, auf dass es nicht rutscht und schlachten und büßen, was das Zeug hält und geben’s uns hart und kaufen uns viel, bis zur final rektalen Erlösung. „Der Leib Christi.“
Amen.

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