2008
Yearly Archive
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KulturKommentare deaktiviert 10. Feb 2008 1:36
Thema der Woche in der hehren Blogosphäre könnte “Marions Kochbuch” und der Abmahnwahn sein. Stattdessen kotzen sich aber Blogger unterschiedlicher Selbstwahrnehmung vor die Füße, was sie so voneinander halten. Hintergrund ist eine originelle Abmahnung, nachdem ein Blogger einen Screenshot won einer Fernsehsendung gepostet hat, in der der Abmahnwahn gewisser Lebensmittelfotografen thematisiert wurde.
Ein anderer Blogger versucht seitdem, Lebensmittelbilder im Netz so anzubieten, daß sein Angebot bei Google den Bildern der Abmahner den Rang ablaufen. Ob das eine gute Idee ist, kann man diskutieren. Ob es schlau ist, Bilder über die Google-Bildersuche zu suchen und sie zu posten, kann man auch diskutieren. Ob es nicht grundsätzlich zu gefährlich ist, Bilder aus dem Netz zu laden und sie zu posten, ebenfalls. Meinungen dazu gibt es reichlich, und die werden kundgetan. Vieles, was da in Kommentaren abgelassen wird, ist naiv. Die meisten Kommentatoren haben offensichtliche Schwierigkeiten, alle Aspekte zu berücksichtigen, die da eine Rolle spielen: Urheberrecht, Persönlichkeitsrechte, Gerechtigkeit, Abmahnwahn, Solidarität und so weiter. Verständlich, daß da häufig nicht ausreichend differenziert wird. Die Leuz geben halt ihren Senf dazu ab. Verkürzt dargestellt, gibt es zwei äußere Standpunkte und entsprechende Fraktionen: Die einen betonen, daß es unerträglich ist, wie jemand mit einem Bild von einem Brötchen tausende Euros per Abmahnungen verdienen will, weil das tolle Brötchen illegal woanders gepostet wird. Sie wollen etwas tun gegen diesen Nepp und fordern Solidarität für die Opfer dieser legalen Abzocke.
Die anderen betonen, daß jemand, der nicht kapiert, daß Bilder im Netz grundsätzlich nicht frei zur Verfügung stehen, ziemlich dämlich ist. Ihr Mitgefühl hält sich in Genzen, und sie halten Solidarität mit diesen Deppen für fehl am Platze. Obendrein sei eine Aktion, die Google manipulieren soll, völlig daneben.
Beide Positionen haben einiges für sich, so weit der Diskussionsansatz.
Was aber tatsächlich in den Kommentaren abgeht, ist genau die Form von Bloggermobbing, die am Ende Blogger als solche diskreditiert, weil ihnen scheinbar an der Sache weniger gelegen ist, als an pfauenhafter Rechthaberei und primitivster Restkommunikation. Bedauerlicherweise zeigt sich m.E. dabei, daß selbst Blogger, denen es um die Kultur der Blogs zu tun ist, ihrer arroganten Ader Vorrang einräumen vor der Rolle, die sie eigentlich hätten: Nämlich zu moderieren, wenn ein Riß durch die Bloggerszene geht.
Geradezu schockiert bin ich allerdings über einen Umstand, der mir neu ist: Da bloggen gewisse Leute mit großem Erfolg, die bei jeder Gelegenheit den Hammer rausholen, um andere mundtot zu machen. Ihre Methode ist erschreckend simpel: Sich an Top-Blogger ranzecken, immer fein die Großen verlinken, ihnen nach dem Mund reden, ihre Themen aufnehmen, bis sie endlich lobend erwähnt werden. Derart kommen sie zu einem gewissen “Rang” in der Szene. Schaut man genauer hin, haben sie nicht viel zu sagen, aber sie schwimmen auf den großen Wellen mit. Zum Teil haben sich diese Menschen in der Vergangenheit schon unfaßbare Blößen gegeben. Und genau diese Charaktergrößen sind die ersten, die nicht genehme Kommentare löschen oder Links von ihnen unangenehmen Blogs blockieren. Letzteres ist eine Unsitte, die derzeit um sich greift, leider auch bei Leuten, die das gar nicht nötig haben.
Ich finde diese Kinderkacke äußerst ärgerlich. Daß eine halbwegs sachliche Auseinandersetzung gerade dann auf breiter Front verweigert wird, wenn es nicht gegen irgend einen äußeren Gegner geht, sondern gegen Bloggerkollegen, geht mir schwer auf den Sack. Andererseits fühle ich mich bestätigt auf meinem Weg, hier mein Ding zu machen, niemandem in den Arsch zu kriechen und mich im Zweifelsfall auch von Leuten abzugrenzen, die vielleicht einmal meine Freunde werden können. Aber erst, wenn es wirklich so weit ist.
p.s.: Ich verlinke ganz bewußt nicht auf die Pöbeleien, von denen ich hier rede. Die findet man auch so.
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HintergrundKommentare deaktiviert 09. Feb 2008 0:39

Eigentlich wollte ich einen Satz über den neuerlichen Alarm bezüglich uiuiui al-Qaida und “wir-werden-alle-sterben” posten. Selbigen gedachte ich mit einem netten Bild zu illustrieren, das ich noch hätte einscannen müssen. Blöderweise mag XP mit Service Pack 2 und meiner neuen Hardware am Rechner mit dem Scanner aber die Software nicht mehr. AGFA-Scanner? Gibt’s nicht, der ist zu alt!
Sicher bekäme ich den Kram noch unter GNU/Linux zum laufen, aber ich habe jetzt keinen Bock mehr. Gar keinen Bock? Nicht ganz. Die beiden Süßen hier sind schon digital aufgenommen. Hauptsache Bildken, ne?
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KulturKommentare deaktiviert 07. Feb 2008 23:51
Der “Spiegel” verkaufte sich zuletzt so schlecht wie seit fünf Jahren nicht mehr. Der Einbruch im letzten Quartal 2007 ist erschreckend, sollte er sich als Trend fortsetzen. Was genau zum Absatzrückgang von 20% bei den Einzelverkäufen geführt hat, ist noch Gegenstand von Spekulationen. Allerdings darf man wohl davon ausgehen, daß dem Spiegel die Leser davonlaufen, weil er schlicht nicht gut genug ist.
Angesichts fehlender Alternativen in der deutschen Medienlandschaft bedeutet diese Abstimmung an der Kioskkasse, daß “Spiegel-Leser” die Nase voll haben von einem Blatt, in dem immer derselbe gefärbte Mumpitz steht. Wo der Möchtegern-Aristokrat und seine Kreaturen von Broder über Malzahn bis Steingart Artikel verbraten haben, über denen man spontan eingeschlafen wäre, hätte man sich nicht so ärgern müssen über die Lesermißachtung, die sich in ihren Verblödungsattacken Ausdruck verlieh. Zuletzt wollte man nur noch wissen, wie sie ausgeht, die Seifenoper um Aust, Kleber oder sonstwen. Und wenn man darüber etwas erfahren wollte, mußte man eh woanders lesen. Selbst die dümmste deutsche “Zeitung” wußte mehr darüber, als der Spiegel seinen Lesern zumuten wollte.
Die letzte Schlacht wird jetzt vor den Gerichten geschlagen. Aust will eine höhere Abfindung, als ihm bislang angeboten wurde. Ich werde mir daran ein Beispiel nehmen. Erst wirtschafte meinen Laden so richtig runter, verzocke die Reputation, von der wir jahrelang gezehrt haben, und wenn ich dann vor die Tür gesetzt werde, fordere ich ein paar Millionen mehr für mein zukünftiges Nichtstun. Das ist dann ja immer noch billiger, als mich weiter zu beschäftigen.
Was Aust da macht, ist sein gutes Recht. Das Peinliche ist allerdings, daß er damit am Ende zur Karikatur der Ideologie wird, die er beim Spiegel zuletzt aggressiv gepflegt hat. Ein Gutes könnte das sogar haben: Vielleicht gelingt es ihm so, auf seine noch angestellten Getreuen aufmerksam zu machen, von denen auch nichts Besseres zu erwarten ist. Die könnte man dann in einem Aufwasch gleich mit vor die Tür setzen.
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HintergrundKommentare deaktiviert 07. Feb 2008 0:15
Ach, wär doch immer Karneval! Nicht, daß ich mit dem aufgesetzten Treiben der Kamellejäger irgend etwas am Zettel hätte. Leute, die das ganze Jahr über umherlaufen, als hätten sie einen Stock gefressen, um einmal im Jahr die Sau rauszulassen, sind mir suspekt. Alte Säcke, die glauben, weil es im Kalender steht, dürften sie jedem “lecker Mädtsche” unter den Rock greifen, widern mich an. Aber, ihr ahnt es schon, das lichtschnell betäubende Gewäsch deutscher, insbesondere bayrischer Politprominenz am Aschermitttwoch macht mich zittern. Daß sie den Bayern den Westerwelle auf den Hals hetzen, ist ja nur gerecht. Der soll mal fein da bleiben und sich wohlfühlen unter all den Flachzangen seiner Qualität. Und zwar so lange, bis er merkt, daß die da unten sich mächtig besaufen, um so so trübe zu denken, wie er da oben redet.
Unschlagbar aber, immer unschlagbarer, sind die Granden der CSU und ihre Werbung für alles, was der Giftschrank des Psychiaters hergibt. Daß ihr Publikum vor Eintritt ins Festzelt den Kopf tief ins Faß steckt und bis 100 zählt, ist dessen Glück, denn nur die Gnade der konservierten Synapsen macht erträglich, was Huber und Beckstein da in die Mikrophone nuscheln. Wahrlich ein Wunder, daß die CSU zwei (!) Kandidaten gefunden hat, die das Niveau von Ääh-ääh- Edmund noch unterbieten. Der rhetorische Limbo unter der Türkante, den die zwei da hingelegt haben, ist bislang einmalig in der Geschichte rednerischer Naturkatastrophen. In jedem anderen Bundesland wären diese Pfeifen die Lichthupe auf der Überholspur der Verliererstraße. Nicht so in Bayern. Da holen sie die absolute Mehrheit. Was gäbe ich dafür, wenn man mir jemand den Trick verriete!
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PolitikKommentare deaktiviert 05. Feb 2008 23:42
SpOn schreibt über ein tragikomisches Phänomen, den Patentekrieg. Dabei spielen immer häufiger Patentaufkäufer ihre schmutzige Rolle, die für kleines Geld “geistiges Eigentum” einkaufen und dann Produkte suchen, in die das Wissen eingeflossen sein könnte, das ihnen “gehört”. Das Spiel gegenseitiger Erpressung mit Patenten und angeblichen Verletzungen ist nicht neu. Es hat zwischen großen Konzernen oft zu einem Burgfrieden geführt. Wer Patente hält, weil er selbst innovative Produkte herstellt, wird von der Konkurrenz gemeinhin nicht behelligt, weil das nur zu unnötigem Ärger führt. Immerhin eine sinvolle Haltung. Daß mittelständische Betriebe, die einem Großen im Weg sind, gern mit der Patentkeule aus dem Weg geräumt werden, ist schon ärgerlich. Noch blöder, wenngleich es nicht immer die Falschen tirfft, ist aber das Gezecke windiger Sozietäten an Herstellern moderner Produkte. Sie säen nicht, sie ernten nicht, aber sie wollen möglichst viel fressen. Daß sie sich auch mit Weltkonzernen anlegen, läßt nichts Gutes ahnen: Diese Parasitenjuristen sind offenbar gut bewaffnet. Sollte ihr Treiben Schule machen, geht in Zukunft jeder, der technisches Gerät herstellt, ein enormes Risiko ein. Wer ein Auto baut, muß damit rechnen, daß ein Anwalt daherkommt, erklärt, er habe das Patent auf Gummifußmatten und einige Milliarden Schadenersatz verlangt.
Die Gerichte, nicht zuletzt die Deutschen, neigen bislang stark dazu, Kläger bzw. Rechteinhaber zu bevorzugen. Wenn ihnen doch das Recht gehört, muß bestraft werden, wer davon widerrechtlich Gebrauch macht. Das Beste daran: Es gibt keinen Ausweg aus diesem Unsinn. Denn wenn man alles kaufen und verkaufen kann, also auch Ansprüche, profitieren immer die Geier. Nichts anderes hat jüngst die Bankenkrise ausgelöst: Da wurden Kredite zu bestimmten Bedingungen ausgehandelt zwischen Banken und ihren Kunden. Dann gingen die Banken hin und haben ihren Anspruch auf Rückzahlung weiterverkauft. Sie gehen also nicht mehr davon aus, daß es einen Vetrag gibt, der Gültigkeit hat, sondern daß ihnen alles gehört, was irgendwie aus dem abgeschlossenen Geschäft hervorgeht.
Ähnlich verhält es sich mit den Patenten: Anstatt ein Patent zu verstehen als Garantie, daß eine Idee nicht einfach abgekupfert werden darf, als Recht darauf, das erfundene Produkt für eine gewisse Zeit allein verkaufen zu dürfen, geht mit dem Patent ein Recht in Eigentum über. Daß “Recht” eigentlich die Beziehung zwischen freien Bürgern darstellt, gerät völlig in Vergessenheit. Einmal in Eigentum verwandelt, führt es sich selbst ad absurdum, indem es Auswirkungen auf Bereiche hat, die mit der ursprünglichen Idee überhaupt nichts zu tun haben. Dabei spielt es auch gar keine Rolle, daß solches Recht, wenn es vor Gericht gesprochen wird, die Grundlagen der Systeme zerstört, die das Recht eigentlich schützen soll. Es gibt keine übergeordneten Prinzipien, die es Richtern erlauben würden, diesem Unfug ein Ende zu bereiten. Und überdies neigen Richter auch noch dazu, den gröbsten Unfug für Recht zu befinden – siehe das Hamburger Landgericht und das Internet.
Im Kern des Problems steckt der Kern des Kapitalismus’, die Aneignung. Was Adorno “verdinglichtes Bewußtsein” nannte, zeigt sich vor allem darin, daß kaum jemand an der Rechtmäßigkeit von Aneignung zweifelt. Sie wird nachgerade als Naturgesetz betrachtet, vor allem von neoliberalen Ideologen wie denen von INSM. Es ist aber nicht logisch oder selbstverständlich, daß man Rechte kaufen kann, Es ist nicht unwiedersprochen hinzunehmen, daß Aneignung in Qualität oder Quantität grenzenlos sein darf. Der Handel mit Rechten hat auf ein Minimum reduziert zu bleiben, und Rechteinhaber sollten nur in deutlich definierten Grenzen geschützt werden. Dazu müßte allerdings das “Recht” auf freien Handel mit allem und jedem endlich eingeschränkt werden – zugunsten des Erhalts eines irgend noch funktionierenden Rechtssystems.
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PolitikKommentare deaktiviert 05. Feb 2008 0:32
515 000 000 000 Dollar wird die Bush-Administration in ihrem letzten Jahr für sinnlose Kriege und die Unterjochung der Armen im In-und Ausland ausgeben. Das gigantische Defizit von 400 Milliarden Dollar, das damit aktuell aufläuft, will er ernsthaft und unverblümt durch “Einsparungen” im Bereich sozialer Ausgaben zukünftig eindämmen. Kann ihm im Grunde egal sein, denn weder er noch seine Partei werden die Suppe auslöffeln müssen, die dieser Irrsinn den Amerikanern einbrockt. Zum Schluß noch einmal richtig auf die große Trommel hauen, die Freunde aus dem militärisch-industriellen Komplex reich beschenken, möglichst viele Menschen in möglichst vielen Kriegen möglichst sinnlos sterben lassen. Vor einigen Jahren noch hätte man fanatischer Kommunist sein müssen, um einer amerikanischen Regierung derart reinen Klassenkampf mit allen häßlichen Folgen zu unterstellen. Für das Jahr 2008 haben Realisten schon nichts anderes mehr erwartet. Wenn Bush sagt: “Zwei zentrale Prinzipien haben die Entwicklung meines Haushalts geleitet: für Amerikas Schutz zu sorgen und unseren Wohlstand zu erhalten“, dann ist das die erschütternde Wahrheit. “Amerika” ist ihre Heimat und “unser” Wohlstand ist der der rechten amerikanischen Oberschicht, der wurscht ist, ob die Familien von Kameltreibern oder die Söhne der Unterschicht diesen Wohlstand mit ihrem Leben bezahlen. That’s Business – mit Frieden kann man nicht so viel verdienen. Und an Steuergeldern kann man sich im Frieden schon gar nicht derart schamlos bereichern. Niemand kann den Märtyrern des “Nine Eleven” so dankbar sein wie Bush und seine widerliche Bande von Profiteuren.
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PolitikKommentare deaktiviert 03. Feb 2008 23:12
“Ein bißchen Krieg gibt es nicht”, meint Christoph Seils in der “Zeit” und legt implizit nahe, deshalb den ganzen auszutragen. “Aus Angst vor den Wählern sagen alle Nein” ist die Zauberformel für ein krudes Demokratieverständnis, das den selbstverschuldeten Sachzwang des Krieges höher schätzt als die Meinung der Bürger.
“Eine realistische Strategie jedoch, wie der Anti-Terrorkampf noch gewonnen werden kann, gibt es nicht. Es gibt nicht einmal Exit-Strategie“, stellt Seils fest, kommt aber nicht zu der einzig vernünftigen Schlußfolgerung, daß man einen Krieg, den man nicht gewinnen kann, auch nicht führt. Die Frage nach irgend einem Grund, mit dem sich dieser Krieg rechtfertigen läßt, wird nicht einmal gestellt. Man muß kein Pazifist sein, um diesen Unsinn zu verurteilen. Worum ging es noch gleich? Man will verhindern, daß in Afghanistan Terrorcamps unterhalten werden? Wer glaubt, das sei in Afghanistan nicht mehr möglich, verkennt die Lage. Im Gegenteil werden die Kämpfer der Taliban oder wie sie sich sonst nennen mögen, die Reste der einstmals vom Westen verhätschelten Mudschahedin, sich an echten militärischen Gegnern üben. Die Sterblichkeit ist höher, aber das war den Dschihadisten schon immer egal.
Derweil können diejenigen, die lieber in Ruhe und Abgeschiedenheit das Töten lernen, woanders weiter machen. Der gesamte Nahe und Mittlere Osten, der Kaukasus, Pakistan und die halbe Welt eignen sich als Basis zur Ausbildung neuer Kämpfer. Jeder Krieg, sei es im Irak oder in Afghanistan, liefert Motivation und Menschenmaterial dazu. Jeder von NATO-Truppen erschossene Afghane wirbt durch seinen Tod zwei neue Kämpfer an. Wer also “Nein” sagt zu einer Ausweitung der sinnlosen Scharmützel, tut dies aus guten Gründen, nicht bloß “aus Angst” vor den Wählern. Wie kann man überhaupt so borniert sein, Truppen für einen Krieg anzufordern, der nicht einmal ein Ziel hat?
Allein die Anwesenheit der Besatzer, insbesondere der USA, ist Grund für andauernde Gefechte. Ein Großteil der Afghanen wird es niemals akzeptieren, daß fremde Truppen bei ihnen Polizei spielen. Keine Regierung, die von solchen Truppen gestützt wird, hat beim Volk Autorität. Dieses Dilemma ist nicht aufzulösen, darum ist es kompletter Unsinn, Afghanistan den Frieden durch solche Krieger bringen zu wollen. Das müssen die Afghanen selbst hinbekommen. Aber genau das können wir nicht zulassen. Schließlich ist nur der Westen demokratisch, und nur der Westen kann der Welt die Demokratie bringen. Ganz folgerichtig läßt man sich also auch dadurch nicht irritieren, daß die überwältigende Mehrheit im Westen gegen solche Scheißkriege ist.
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HintergrundKommentare deaktiviert 03. Feb 2008 1:12
Meine Tochter nannte mir eben auf Zuruf (“Sag mal ein seltsames Wort!”) dieses feyne kleine Wörtchen. Es handelt sich dabei eigentlich um einen Napfkuchen, Tochter nannte ihn auch “Vanillevieh”. Vanille gehört nicht unbedingt zum Gugelhupf, aber als “Vanillevieh” ist der Googlehupf, auch “Googlehoopf”, eine Kreation, die bahnbrechende Theorien zu erzeugen imstande sein dürfte. “Napfkuchen” seinerseits kann vieles sein – etwa eine Süßspeise, die als Ausschuß der Konsumgesellschaft in Futtertrögen landet. Wenn das Volk nicht einmal mehr Kuchen fressen kann, muß der Hund eben ran.
Der echte Googlehupf aber, der wie so oft zuoberst auf Wikipedia verweist, ist die “Herstellungs- und Prüfungsbeschreibung für eine universelle Feuerwehrschutzkleidung”. Hupft man also von Link zu Link, landet man statt am Kuchenbuffet bei den Helden des Alltags, denen ich auf diesem Wege eine virtuelle Köstlichkeit zukommen lassen möchte. Es sei ein Vanillevieh, das aus dem Napf sich nährt, dem es entstammt. Ein kleines Küchenwesen, daß mit großen treuen Augen über uns wacht, auf das nichts anbrennt. Ein scheues Etwas, das viel zu oft viel zu schnell und achtlos verdrückt wird, das sich selbstlos für uns verkrümelt, ohne daß ihm je eine Kirche geweiht würde.
Liebenswert, umso mehr, als daß es tapfer die Last trägt, schamlos benutzt zu werden. Nicht zuletzt als Zeilenschinder eines uninspirierten marginalen Bloggers.
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PolitikKommentare deaktiviert 01. Feb 2008 0:51
Sie hat “von nichts gewußt“, ihre Unterstützung für Koch war “taktisch motiviert“, sie geht “gestärkt” aus der Sache hervor: Angela Merkel. So sieht es jedenfalls Corinna Emundts von tagesschau.de. Ist das schon Zynismus? Oder funktioniert so tatsächlich das Prinzip Merkel: Keine Meinung, roboterhaft gestammelte Formeln mit dem Ziel, niemandem auf die Füße zu treten, aalglatte Pflege der Hausmacht und ein Gefühl dafür, immer im richtigen Moment jemandem den Vortritt zu lassen – wenn es auf den Fettnapf zugeht?
Merkel hat es wohl geschafft, zumindest die Journaille davon zu überzeugen, sie sei nur pro forma gegen kriminelle Ausländer gewesen. Weil sie sonst dem Parteifeund in den Rücken gefallen wäre. Was hätte sie sonst tun können? Zum Beispiel widersprechen, wenn sie denn anderer Meinung wäre. Das hätte Charakter und Anstand bewiesen. Oder, wenn denn offener Widerspruch zu weit ginge, ein beredtes Schweigen. Das hätte man ihr als “weise” auslegen können. Stattdessen ihr Wort von wegen “keine Tabus”, und im Nachhinein soll auch das keine Zustimmung gewesen sein.
Merkel kann tun und lassen, was sie will, es wird ihr als taktisches Geschick ausgelegt. Wer so etwas schreibt, ist embedded, korrupt oder strunzdumm. Und es ist die Art Zynismus am Werk, die den Hofschranzen gar nicht mehr auffällt, während es den verstandesbegabten Beobachter zur Keramik treibt. Da kann die politische Aussage noch so schäbig sein, da kann dem Trieb zum Machterhalt jede menschliche Regung zum Opfer fallen – am Ende soll nur das Geschick im Ränkespiel zählen, wird nur die taktische Linie bewertet. Ein Hoch auf Angela, Königin der der Intriganten!
Diese Frau ist Bundeskanzlerin. Wir sollten uns schämen.
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PolitikKommentare deaktiviert 31. Jan 2008 0:17
Bereits gestern sind wir vor den Russen gewarnt worden. Heute legt Springer in kleineren Buchstaben nach: Die “Welt” erklärt uns die furchtbare Gefahr des Kommunismus. Hans Modrow kommt wieder, und mit ihm Mauer und Stacheldraht. Was der Blödsinn soll? Zum Beispiel den Finnen mit dem Russen austreiben: In der Frankfurter Rundschau macht sich Harald Dix, Ex-AEG-Betriebsrat, Gedanken über Nokia in Bochum und wie das Werk noch zu retten sei. Gutes Motiv, falscher Weg. Wie gefährlich linkes Gedankengut sein kann, könnte am Beispiel Nokia deutlich werden: Sie sollen gehen! Harald Dix hat recht, wenn er sagt: “Nokia braucht Deutschland als Markt”. Sollen sie das doch lernen! Das Tischtuch ist zerschnitten, es gibt kein Vertrauen mehr zwischen dem Konzern drüben und Mitarbeitern wie Kunden hüben. Da ist nichts zu retten. Anstatt sich den Gierhälsen jetzt vor die Füße zu werfen, sollte man sie ziehen lassen und ganz selbstbewußt die Tür hinter ihnen zuschlagen. Gewinne kann man hier machen. Die Infrastruktur ist Weltspitze. Die Leute sind hochqualifiziert, zuverlässig, flexibel und umsichtig. Es wird sich jemand finden, der das zu würdigen weiß. Und wer hier in Zukunft ein Bein auf den Boden kriegen will, muß etwas bieten. Es gibt so viele böse Instrumente, um die Heuschrecken das Fürchten zu lehren. Es gibt Steuern, Zölle und eine Öffentlichkeit, die ein Auge auf die Produktionsbedingungen hat. Es gibt Kritik und Wahrheit als Waffe. Es gibt Menschen, die nicht nur doof und geizig sind, sondern auch als Konsumenten gerecht entscheiden können. Wehe, wenn sie losgelassen!
Was das mit der Linkspartei zu tun hat? Seit sie durch die Nation huscht, wird wieder gesprochen von “Gerechtigkeit”. Zu den Zeiten des seligen schwarzgelbrotgrünen Neoliberalismus’ wäre der Fall Nokia nur für eines gut gewesen: Den Leuten weiszumachen, sie wären zu teuer, und man müßte ihnen bedauerlicherweise die Löhne wieder kürzen. Das traut sich heute niemand mehr. Von daher hat Günther Lachmann mit seiner Lachnummer recht: Diese Linken sind gefährlich. Wer vor ihnen Angst haben muß, das ist allerdings eine ganz andere Frage.
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