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2008


Dritter Arbeitstag, mir ist übel und ich habe überiridische Kopfschmerzen. Als tapferes Lohnviech gehe ich natürlich trotzden malochen. Mache mir vor, ich würde gebraucht. Die lieben Kollegen haben aber alles im Griff, und ich gehe eine Stunde früher. Wenn ich das nächste Mal arbeitslos werde, wird mir meine faule Überflüssigkeit aber sowas von Spaß machen!
Anmerkung vom Admin: Dat war Migräne!
Quatsch! Dann hätte ich das ja öfter.
Admin: Dat kann ja noch kommen!
Sei still, meine Eltern kommen beide vom Niederrhein!
Admin: Äh, wat??
Ich habe keinen Migrationshintergrund.
Admin: Sehr witzich. Bisse sicher, dat dat enn Argument is?
Mist, jetzt, wo du’s sagst – mein Opa kam aus Schlesien. Meinst du, es könnte daran liegen?
Admin: /logoff.

Es tut mir leid, das Sommerloch scheint sich tief in mein Hirn gebrannt zu haben. Vielleicht sollte ich demnächst mehr Selbstreferenzielles bloggen, das geht ja immer.
Einen hätte ich allerdings noch, vom Spocht: Wenn nichts mehr geht, geht bei mir immer TV-Sport. Heute ganz nett Dortmund gegen Bayern. Es war zu erkennen, daß Jürgen Klopp die Weisheiten offenbar umzusetzen weiß, die er in seinen Kommentaren stets von sich gab. Vor allem die Arbeit im defensiven Mittelfeld, doppeln vor dem Strafraum etc., sahen gut aus. Bayern hat verloren, ein schöner Tag.
Der Grund, das Ereignis zu erwähnen, ist freilich ein anderer. Das Fußballspiel war das des Deutschen Meisters gegen den “Pokalsieger”. Da die Hoenesse nicht gegen sich selbst spielen wollten, mußte halt der Finalgegner noch einmal ran. Und wie hieß die Veranstaltung?
“T-Home-Supercup im Signal-Iduna-Park”. Kapitalismus ist so bescheuert, daß man ihn manchmal herzen und knuddeln möchte. Die Trophäe (ein Bild von dem Ding kann man hier bewundern) paßt übrigens hervorragend zum Titel. “Scream” fällt mir dazu ein. Nur nicht ganz so laut, bitte!

Nachgerade rührend illustriert Dr. Dean den Unterschied zwischen dem, was Politk wäre, wenn sie Politik wäre und dem was sie ist: Funktion einer Marktideologie.
Wie weit sich der Mehltau über die gesellschaftlichen Bereiche Wirtschaft, Poltitik, Information und Bildung gelegt hat, kommentiert Jochen Hoff: Wenn die Uni Frankfurt, einst Hauptsitz der Kritischen Theorie, Josef Ackermann mit bemerkenswert destruktiver Energie eine Honorarprofessur zum Opfer bringen will, kann niemand mehr sagen, es laufe etwas falsch in diesem Land. Es ist vielmehr eine Orgie des “falschen Zustands”, die da stattfindet. Wäre Politik Religion, dürfte man adäquat auf den Altar scheißen und anschließend im Taufbecken vögeln.
Die Franzosen sind schon weiter und haben die Majestätsbeleidigung wieder eingeführt. Wer den Sohn des Sonnenkönigs kritisert, verliert seinen Job. Während Sarko sein Bumsgestell vorführt, um davon abzulenken, daß er ein politischer Versager ersten Ranges ist, lenkt sein Sohn wiederum davon ab, weil er schon als partyjugendlicher Politerbe noch unerträglicher ist. Ausgerechnet mit vorgeblichem “Anstisemitismus” wird da argumentiert. Es finden sich immer nützliche Idioten, es ist immer nützlich, idiotische religiöse Ressentiments zu bedienen, um dumpfe Empörung zu schüren. Wehe aber, es empört sich jemand über soziale Ungerechtigkeit oder Machtstrukturen.
Italien zeigt sich einmal mehr richtungsweisend: Berlusconi ist immun. Wer glaubt, das sei halt so im mafiösen Rom und gelte nicht für Resteuropa, soll einmal ein paar Jahre warten. Wir halten derweil still und glauben an das Gute.
Die Financial Times Deutschland mausert sich derweil zu einer Piste verborgener Kritik. Ironie vom Feinsten: Während politische Dilettanten es für ihre Bestimmung halten, kapitalistischer zu sein als der Kapitalismus, gönnt sich die Wirtschaftspresse mehr politisches Denken als jene:
Wenn wichtige Sozialdemokraten nun eine Neuauflage der Großen Koalition einer denkbaren Ampelkoalition vorziehen, bedeutet das auch: Angesichts der geringen Aussichten, 2009 stärkste Partei zu werden, würde die SPD de facto erstmals in ihrer Geschichte antreten, um eine Wahl zu verlieren. Was das mit politischer Verantwortung zu tun hat, muss einem erst einmal einer erklären.
Wolfgang Münchau weist in die richtige Richtung. Man kann ihm nicht wirklich abverlangen, Werbung für ein Linksbündnis zu machen, seine Konsequenz bleibt daher auf halbem Wege stecken. Seine Analyse ist immerhin weitsichtig:
In Deutschland wird die Linke weiter an Zulauf gewinnen, die SPD weiter schrumpfen und die Größendifferenz der drei linken Parteien immer kleiner. Wenn sich die SPD irgendwann zu einer Partnerschaft mit der Linken durchringt, wird das wahrscheinlich auf Augenhöhe passieren.”
Die sogenannten “Aufklärer” des 18. Jahrhunderts, seien es fehlinterpretierte Monarchen oder halbkritische Philosophen, hatten auch nie die Absicht, bestehende Machtstrukturen zu verändern. Immerhin gelang es ihnen, sich vom religiösen Wahn und den Lügengebäuden zeitgenössischer Dummheit entschieden zu lösen. Wir schreiben das Jahr 2008. Es ist “Demokratie“, gern übersetzt als “Volksherrschaft”. Die Welt ist informell vernetzt. Was hat sich geändert?
Weise formuliert der Wikipedia- Artikel:
Heute wird Demokratie zumeist als allgemeiner Sammelbegriff für Herrschaftsformen gebraucht, deren Herrschaftsgrundlage aus dem Volk abgeleitet wird“.
“Abgeleitet”, fürwahr. Die Herrschaft und ihre Formen werden immer weiter von den Völkern abgeleitet, und es sieht nicht so aus, als kehre sie auf absehbare Zeit dorthin zurück.

Erster Arbeitstag nach dem Urlaub. Schmeckt wie Schluckimpfung.

Der Winter ist mild. Socken und zwei Pullover müssen reichen, Heizung bleibt erst mal aus.

Journaille lallt sich einen ab über Blogger. Fazit: Es gibt mehr Chinesen als Liechtensteiner, letzteren geht es im Durchschnitt aber besser.

Blogger regen sich auf über Journaille. Fazit: Es ist gar nicht bewiesen, daß es den Liechtensteinern besser geht.

Karadzic gefaßt. Abgebrüht der Mann, hätte allen Grund, sich aufzuregen.

Toter Schauspieler macht großes Kino und soll für Oscar nominiert werden. Gute Idee, die SPD frohlockt und wählt Willy Brandt zum Kanzlerkandidaten.

Bergsteiger werden gerettet. Die PKK bekommt im Gegenzug die Erstentführungsrechte am Nanga Parbat.

Noam Chomsky lebt und schreibt. Lesen!

Nase läuft. Ich deliriere. Wo zur Hölle ist mein Bett?

Die Berliner Republik weiß sich zu wehren gegen die Vereinnahmung durch fremde Agitatoren. Nachem schon das Brandenburger Tor nicht infrage kam für eine Rede des US-Senators Obama, da es “kein geeigneter Ort für einen Wahlkämpfer” sei (A. Merkel), ist die Siegessäule auch keine Alternative. Grund: Die Nazis verbanden damit die falschen Siege. Warum will Obama eigentlich unbedingt in Berlin sprechen? “Die Hauptstadt” ist voller gefährlicher Symbole. Berlin war jahrzehntelang die Kapitale zweier brutaler Diktaturen. Muß man ausgerechnet dort reden? Dann könnte Obama ja gleich den Reichstag für seine Rede auswählen, jenen furchtbaren Ort, an dem Adolf Hitler und die Nationalsozialisten die Demokratie abschafften!
Warum also Berlin? Es gäbe so viele besser geeignete Plätze für unseren farbigen amerikanischen Freund. Braunschweig zum Beispiel. Die Pommes frites – Fabrik in Eschborn zum Beispiel oder den Friedhof von Bitburg. Man sieht’s mal wieder: Obama ist außenpolitisch ein blutiger Anfänger. Sonst wüßte er, daß die Deutschen sehr sensibel reagieren auf braune Redner vor belasteten Symbolen. Wir sind ja tolerant, aber wenn wir das einmal zulassen, wird es nur immer extremer.
Man kann CDU und FDP in ihrer ablehnenden Haltung nur zustimmen. Deutschlands politische Elite tut gut daran, ihre Prinzipien nicht zugunsten irgend eines Lokalpolitikers aus Illinois aufzugeben.

Wir hatten bereits eine Diskussion darüber: Die Armen werden aus den Städten verdrängt. Beim Interview mit SpOn macht Hartmut Häußermann Vorschläge, wie man die Bevölkerung nicht völlig auseinander fallen läßt. Wenn es schon nicht aufzuhalten ist, daß eine soziale Säuberung der Städte durch hohe Kosten stattfindet, will er wenigstens die Möglichkeit erhalten, daß Kinder unterschiedlicher Schichten gemeinsam unterrichtet werden. Gemeinsamer Unterricht für die Unterschicht, Teilhabe by bus, sozusagen. Dies wird auf wenig Gegenliebe stoßen, es wäre ein doppelter Affront gegen das Volk der Innenstädte. Wenn schon Kinder, dann all inclusive, erklärt Häußermann:
Heute haben in jüngeren Haushalten oft beide studiert, der Akademikeranteil bei Frauen ist rasant gestiegen – und die wollen ihre Qualifikationen auch einsetzen. Also fahren zwei Leute ins Büro. Kommen Kinder dazu, wird die Logistik komplizierter: Die Kleinen müssen zur Schule, dann zur Nachhilfe oder zum Ballett. Wenn kein Personal da ist, das das organisiert, ist die Innenstadt der Wohnort der Wahl – deshalb entstehen überall diese familienfreundlichen Townhouses.
Diese “familienfreundliche” Infrastruktur will er auch dem Prekariat zugänglich machen, freilich nur den Pflichtteil. Beim Ballett werden die hamburgergeschwängerten HartzIV-Würstchen außen vor bleiben. Immerhin dürften sie so ein bißchen nicht ganz so unheile Welt schnuppern.
“Familienfreundlich” ist in diesem Sinne natürlich weit ausgelegt. Double income no kids dürfte die Regel bleiben, ggf. ein Stammhalter oder zwei gut gebürstete Reithof- und Tennisclubsteppkes sind Familie genug, und man muß es auch nicht übertreiben mit dem fortgepflanzten Teil der Städter, sonst wird es nur laut und lästig.
In Potsdam hat das Volk dem ausufernden Kinderwahn just aktiv einen Riegel vorgeschoben. Eine Schule in bester Lage, dazu noch Unterricht in unverständlichen ausländischen Sprachen, das paßt nun einmal nicht zwischen die ehrenwerten Häuser. Ganz konsequent wurde die Schule also abgefackelt – wie schon zuvor der Jugendclub an derselben Stelle. Das Volk greift zu revolutionären Mitteln, die Solidarität ist beispielhaft: Niemand hat etwas gesehen oder gehört. Daß es schon so weit kommt, ist alarmierend, die Innere Sicherheit in Gefahr. Die kulturelle Notwehr der Leistungsträger unterstreicht die Forderung nach mehr Schutz für die Innenstädter. Man muß auf der Hut sein, denn der Pöbel könnte glauben, er hätte nun auch ein Recht auf außergesetzliche Maßnahmen.

Neulich hielt ein Bekannter eine wütende Rede. Er fragte sich, was eigentlich passieren müsse, damit die Leute auf die Straße gehen. Vermutlich so ein Protestwähler (oder gar Nichtwähler), der gar nicht so recht weiß, wie er argumentieren soll und sich einfach “verarscht” fühlt. Es geht ihm nicht einmal schlecht.
Ich bin in solchen Situationen ein wenig hilflos. Das eine oder andere Beispiel könnte ich beisteuern, anhand dessen die “Verarschung” konkreter wird, aber was hilft es? So viele Geschichten, Details, verbogene Nachrichten, Beschwichtigungen über die alltägliche Korruption, kriecherische Medien und ein Leben wie in einem schlechten Film. Keine Lösung in Sicht. Die Ökonomisierung der Gesellschaft kann man nicht in einigen leicht verständlichen Sätzen artikulieren. Man kann sie gleichwohl mit großem Pomp leugnen und jede Opposition als Spinnerei von Radikalen abtun.
Ein Freund kritiserte mich für die Tendenz in meinem Blog, die täglichen Nachrichten nur zu kommentieren und mich über dies und das wohlformuliert zu echauffieren. Es sei doch besser, das alles durch den Kakao zu ziehen, und ich könne das doch.
Recht hat er insofern, als daß es wirksamer sein kann, die gekauften Büttel einer kranken Kultur ihrer ganzen Lächerlichkeit preiszugeben. Das ich das kann, wage ich nicht zu behaupten. Vielmehr komme ich mir oft vor wie die Schwachmaten, die immer noch von einem dopingfreien Radsport fabulieren.
Ich bin frustriert. Mühsam kontrolliere ich meine Wut, die zum Ausdruck zu bringen schlechterdings unmöglich ist. Was ich dabei sublimiere, führt immerhin gelegentlich zu guten Artikeln. Für gute Satire reicht es freilich nicht.
Ich habe heute lange über eine Allegorie nachgedacht auf die zentrale Legende, “Wirtschaftswachstum” sei der Schlüssel, die Grundlage und überhaupt das Alpha und Omega für eine glückliche Gesellschaft. Ich habe mir vorgestellt, wie ein fetter König seinen ausgemergelten Untertanen eintrichtert, er müsse nur mehr zu essen bekommen, dann bleibe genug für alle übrig. Ist damit alles gesagt? Ist damit irgendetwas gesagt?
Dann war da dieser Film über den Vietnamkrieg und die kuschelige Erkenntnis der ewigen Wiederkehr. Alles nur dejá vu, was regen wir uns auf? Es ist doch nicht schlimmmer geworden, im Gegenteil: In vergangenen Jahrhunderten war es noch viel schlimmer. Ich beginne mich gedankenversunken zu rechtfertigen: In vergangenen Jahrhunderten konnte ich mich nicht wehren, heute strample ich ein bißchen gegen den Wind.
In Duisburg gibt es ein SPD-Mitglied, seines Zeichens Stadtentwicklungsdezernent, der eine Spitzenidee hat: Wenn Essener Studenten der Universität Duisburg-Essen nach Dusiburg ziehen und ein 60-stündiges Praktikum pro Semester ableisten, sollen ihnen die Studiengebühren in Höhe von 500 Euro erstattet werden. Für Sklaven ein verdammt guter Lohn. Die SPD hat noch Ideen. Akademische Sklaven werden von ihr besser behandelt als im echten Leben, das muß doch einmal gesagt werden. Aber reicht das für einen Blogeintrag?
Drei wochen Urlaub sind vorüber. Definitiv zu kurz. Mir geht’s zum kotzen.

Nein, so rettet man keine Partei, die keinen Sinn mehr hat für die Sorgen ihrer ehemaligen Wähler: Was Sueddeutsche.de heute an Propaganda auffährt, ist so plump, daß es den Agenda-Sozen mehr schaden als nützen wird. Ähnlich wie die “Welt” scheint die SZ zu glauben, wenn man nur lauter trommelt, wird man besser gehört.
Natürlich gehört zur Grundausstattung der Meinungsproduktion ein Artikelchen gegen den bösen Demagogen Lafontaine. Linkisch wird dort eine Reihe moderner Hetzer und Antidemokraten erwähnt, um hernach den Oskar aus der Box springen zu lassen. Wirr werden Argumente aneinandergereiht, Zwiesprech ist der Leitfaden. Eingangs wird die Lage zum “Ende der Weimarer Republik” zitiert (na klar, der Nazi droht auch als Linksfaschist), dann heißt es wiederum: “Auch führt der Blick in die Vergangenheit der Weimarer Republik vermutlich in die Irre.” Wo der Sinn fehlt, herrscht die Assoziation. So funktioniert übrigens Demagogie. Gustav Seibt weiß davon nichts. Er behauptet jenseits jeder Analyse, den Demagogen unterschiede vom bewundernswerten Berufpolitiker, daß dieser seine Affekte beherrsche, während jener die “Wut” in die Politik bringe. Dazu reicht es dann, wenn man behauptet, ein Lafontaine beherrsche seine Affekte nicht und “reize” andere. Diese erschütternde Ahnungslosigkeit erspart dem Autor ebenso das Denken wie seiner Leserschaft. Die rhetorischen Mittel, die Feindbilder und das Spiel mit den Assoziationen, das echte Demagogen treiben, wird nicht weiter betrachtet, und das obwohl Seibt einige dieser Stilmittel selbt im Zusammenhang mit den Kaczynskis erwähnt. Das Praktische an der Verkürzung der Demagogie auf den Affekt ist die Willkür, mit dem man dem einen “Beherrschung” und dem anderen “Affekt” unterstellen kann. Man denke nur an Auftritte Schröders oder Kohls, von Strauß oder Wehner eimal ganz zu schweigen. Alles Demagogen? Nein, denn sie waren in den “richtigen” Parteien, denen mit dem Demokratie-Gütesiegel. So lange Lafontaine in der SPD war und Schröders Kanzlerschaft vorbereitet hat, war er auch noch ein Good Guy. Man sieht es halt, wie man es sehen will.
Zur Vervollständigung des durchschaubaren Laienspiels erscheint ebenfalls heute eine Lobhudelei über Steinmeier von Bernd Oswald, die perfekte Schnittstellen zur Propaganda gegen die LINKE aufweist. Der rhetorische Stil der Redner wird unerwähnt verglichen, was bei Lafontaine “Wut” ist heißt bei Steinmeier “mitreißend“, was jenen zum “Demagogen” macht, läßt diesen “Siegertyp” sein. Wo der Böse die Leute “anherrscht“, macht’s der Gute “wie ein heiserer Schröder“:
Oft presst Steinmeier die Worte mehr hervor, als dass er sie artikuliert.”
Um diesen tendenziösen Mist zu entlarven, reicht es tatsächlich aus, die Adjektive zu sammeln, mit denen die Arbeit eines Redners beschrieben wird. Es ist austauschbar, der Effekt ist beabsichtigt. Sie meinen es gut mit dem, was von der SPD übrig ist und treiben sie doch nur weiter in den Ruin. Seibt legt sein Glaubensbekenntnis gleich eingangs ab:
dass die Linkspartei zu einer dauerhaften Kraft in allen Landesteilen wird” hält er für eine übermäßig dramatisierte Möglichkeit.
Die bräsige Propaganda, die aus dieser Weltsicht resultiert, kann niemand mehr hören – schon gar nicht jemand, dem es um soziale Gerechtigkeit zu tun ist. Menschen, die ihre SPD nicht wiedererkennen, wenden sich angeekelt ab. “Journalismus” solcher Art verstärkt diesen Trend nur.

Das Grundgesetz soll wieder einmal geändert werden. Diesmal geht es um die Organisation der “ARGE”n, die vor Ort das “Fördern und Fordern” besorgen sollen, also Arbeitslose betreuen und verwalten. Das Bundesverfassungsgericht hatte im Dezember letzten Jahres festegestellt, daß die Überstellung von Kompetenzen der Kommunen auf die Arbeitsagentur gegen die im Grundgesetz festgelegte “Kompetenzordnung” verstößt. Heute einigten sich die Sozialminister der Länder darauf, die Verfassung entsprechend zu ändern.
Auf den ersten Blick sieht es so aus, als sei dies eine Detailfrage und es sei im Gegensatz zu anderen Attacken auf die Verfassung (etwa im Bereich Innere Sicherheit) eine Formalie, die da nur en passant geklärt werden müßte. Tatsächlich aber wird auch an diesem Beispiel wieder deutlich, daß sich die Große Koalition der Regierenden Kompetenzen anmaßen, die ihnen nicht zustehen. Niemand wird behaupten, daß die Organisation der Arbeits- und Sozialämter ein Ruhmesblatt deutscher Geschichte sei. Eine Neuorganisation war offenbar angezeigt, und eine Änderung des Grundgesetzes in diesem Zusammenhang wäre durchaus diskutabel gewesen. Allein die Vorgehensweise zeugt aber einmal mehr davon, daß eine Politik nach Gutsherrenart sich nicht um die eigenen Gesetze schert, Ideologie vor Vernunft geht und Inkompetenz das Geschehen bestimmt. Wenn der Chef der “Bundesagentur”, Jürgen Weise, die Zusammenarbeit der BA mit den Kommunen als “Katastrophe” bezeichnet, hat er völlig recht. Ist das aber eine hinreichende Begründung, quasi als Reparaturmaßnahme, die Verfassung zu ändern? Das Gegenteil ist der Fall. Grandios hat die beliebte Chefin der unbeliebten Bundesegierung dokumentiert, daß sie keine Ahnung hat, welche Folgen die “Hartz-Gesetze” haben. Nicht einmal die wichtigsten Eckpunkte von “HartzIV” sind ihr bekannt, geschweige denn hätte sie sich je mit dem Alltag der Betroffenen beschäftigt. Hiermit sind nicht nur die Arbeitslosen gemeint, sondern ebenso die Sachbearbeiter und der ganze zuständige Verwaltungsapparat. Genau dafür gibt es die Kompetenzordnung, die eben dafür sorgen soll, daß nicht auf jeder staatlichen Ebene Gesetze gemacht werden dürfen, die in die Kompetenzen der anderen eingreifen. Eine Zeitlang war der Begriff “Subsidiaritätsprinzip” en vogue, Entscheidungen sollten möglichst auf der untersten Ebene getroffen werden. Diese Vorgehensweise gilt als effektiv, weil die Wege so am kürzesten sind und die Kenntnisse der Lage vor Ort so optimal genutzt werden können. Es darf sogar als “wirtschaftsfreundlich” betrachtet werden, da eine zentralistische Verwaltung besonders bürokratisch und langsam arbeitet. In bezug auf die Kontrolle und Gängelung der Bürger, insbesondere der Armen, weht ein anderer Wind. Von oben herab soll sichergestellt werden, daß die politischen Vorgaben der Parteienherrschaft überall durchgesetzt werden. Daß so etwas im Chaos endet, soll kein Hinderungsgrund sein. Zur Verschlankung der Bürokratie wird halt das Widerspruchsverfahren eingedampft. Wenn die besser informierten Einrichtungen der Kommunen dem im Weg stehen, werden sie halt entmündigt. Wenn die völlige Unwissenheit der zentral Regierenden zu Lasten der Bürger geht, sind diese selbst schuld. Eine bis ins Kleinste verzahnte Propagandamaschine sorgt dafür, daß den Menschen dieser Unsinn als höhere Vernunft eingetrichtert wird.
Dem ist ein Grundgesetz nur im Wege, das bewundernswert durchdacht war. Warum soll es geändert werden? Schafft es doch einfach ab!

Die Kommunisten werden immer gefährlicher. Sie sind drauf und dran, einen der wichtigsten Getreuen unserer Kanzlerpartei zu unterwandern. Peer Steinbrück hatte angekündigt, höhere Einkommen zu besteuern, um ihnen den kleinen Vorteil zu nehmen, den sie durch die Absetzbarkeit der Krankenversicherung haben. Hellwach aber wurde er von Michael Meister, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Regierungspartei, CDU, korrigiert: Dies sei “sozialdemokratisch” und “Umverteilung” – auf Kosten der Leistungträger! So schlimm wird es schon nicht kommen, denn Steinbrück hatte gar keine genauen Pläne. “Konkrete Angaben machte der Minister dazu allerdings nicht. ‘In einem halben Jahr wissen wir alle mehr’, fügte er lediglich hinzu.” Augenzwinkernd erinnert der oberste Finanzwächter damit an die Regelung zur Mehrwertsteuer. Am Ende entscheidet die Kanzlerin, und der hält er die Treue:
Die große Koalition biete gute Chancen, die wirtschaftliche und soziale Stabilität zu gewährleisten. Als Markenzeichen der Koalition von CDU/CSU und SPD bezeichnete er es, sich gegen “das populistische Wunschkonzert” an Ausgabewünschen zu behaupten. Einer großen Koalition falle dieser Kurs leichter als anderen Koalitionen.” Das Leben ist halt kein Ponyhof. Nur die CDU kann verhindern, daß Populisten die Macht übernehmen, die den Willen der Bürger höher schätzen als eine florierende Wirtschaft. Steinbrück und die Mitregierenden der “Agenda” wissen das und bringen die nötige Opferbereitschaft ein. Ohne Rücksicht auf die eigene Partei und die Wähler tun sie das Richtige. Es wird sie unsterblich machen.

Ich ärgere mich seit der Installation von FF3 über diese behämmerte Eingabezeile, die awful URLbar. Heute habe ich mir die Zeit genommen, nach Besserung zu suchen. Diese Forenbeiträge liefern alle notwendigen Innformationen, um das wilde Ding in den Griff zu kriegen. Ich frage mich allerdings, welcher Teufel Mozilla reitet. Ich wollte einen schlanken, flotten und übersichtlichen Browser und kein Monster, das mir das Denken und Tippen abnimmt. Diesen Mist kann ich auch von Billys Ruckelrampe haben. Vielleicht ist das ja jetzt Web 3.0, aber ich werde weiterziehen und mir einen neuen Browser suchen, der sich aufs Wesentliche beschränkt.

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