Längst hat er jeden in Rage gebracht, der sich bei halbwegs klarem Verstand Gedanken über Innen- und Sicherheitspolitk macht. Nicht nur sinistre Feinde der Republik, sondern gerade diejenigen, denen das Grundgesetz etwas gilt, sehen in ihm eine Gefahr. Wolfgang Schäuble überspannt den Bogen in jeder Weise und vertritt ein politisches Konzept, das eines freiheitlichen Rechtsstaates nicht nur unwürdig ist, sondern diesen geradewegs abschafft. Er will alles über alle wissen, seine Vorstellungen , das Grundgesetz “zu ändern”, freien Zugang zu privaten Daten zu ermöglichen, die Fingerabdrücke aller(!) Bundesbürger zu speichern und was er sonst noch so auf dem Zettel hat, erlaubt sich in der Praxis bis heute kaum ein Polzeistaat. Das bißchen Gezeter seiner Kollegin Zypries ist lächerlich, die CSU applaudiert, und es ist zu fürchten, daß sie sich wieder auf einen Kompromiß einigen, der noch mehr Freiheiten einschränkt. Schritt für Schritt in den Überwachungsstaat. Das Wort von Burkhard Hirsch (Gestern hier zitiert) ist daher dringend durch die Forderung zu ergänzen, Schäuble endlich und sofort aus dem Amt zu entlassen. Allein die Duldung eines solchen Mannes in diesem Amt verrät eine extreme antidemokratische Gesinnung.
2007
“Die Zeit freundlicher Kritik und ständiger Mahnung, bei der Terrorismusbekämpfung Augenmaß zu wahren, geht zu Ende. Nun ist Widerstand geboten. Unter der neuen „Sicherheitsarchitektur“, die der Innenminister Schäuble plant, verbirgt sich die Verwandlung der Bundesrepublik in einen Überwachungsstaat.”
Diese deutlichen Worte entstammen nicht der Feder eines Radikalen der bösen Linkspartei, sondern der des von mir hoch geschätzten Altliberalen Burkhard Hirsch. Mehr dazu in der Süddeutschen.
Siehe dazu auch Hokeys Blog.
Nicht nur die Deutschen bedürfen der “Re-Edaction”, wie der Mahlzahn festgestellt hat, sondern auch die Amis selbst. Ihre Grundverlogenheit ist mithin genau so weit entwickelt wie die der Deutschen, nur haben sie nie an einen Kaiser oder Karl May geglaubt. Die Amerikaner glaubten eher an ihre Stärke, aber immer, wenn das schiefging, drehten sie den Spieß um und fielen ihren Truppen in den Rücken. Ob Vietnam oder Irak – dasselbe verlogene Spiel! Erst bejubeln sie den Einmarsch in fremde Länder und träumen von einem schnellen Sieg, aber kaum sind einige tausend der eigenen Söhne im Staub krepiert, finden sie das alles plötzlich fies und gemein. Dann machen sie ein ’68 oder flüchten sich in Antiamerikanismus! Über 80% der US-Amerikaner glauben, “die Welt werde für US-Bürger zunehmend gefährlich” und fast drei Viertel meinen, die U.S.A. “leisteten als führende Nation keine gute Arbeit dabei, die Welt friedlicher und wohlhabender zu gestalten” (SZ). Schade, daß man sie nicht noch danach gefragt hat, ob sie Angst vor der iranischen Außenpolitik haben. Dann hätte sich vermutlich herausgestellt, daß der Malzahn-Faktor bei den Amis noch höher ist als bei den Deutschen. Das hätte der Broder kommentieren können, und zusammen wären sie übern großen Teich, um die nötige Erziehungsarbeit zu leisten.
TELEPOLIS zeichnet den Weg Uri Gellers nach, der kaum eine Peinlichkeit ausgelassen hat und beinahe jede Möglichkeit nutzte, sich als Scharlatan hervorzutun. Das hat seinem Erfolg nicht im mindesten geschadet, und er schafft es bis heute, Geschichten aufzutischen, die in mehreren Varianten bereits je als Lüge entlarvt sind. Macht aber nix, denn wenn Journalisten eines besser können als schlecht recherchieren, ist es, schnell zu vergessen. Der Rest ist PR, die Gellers Spezis stets hervorragend in Gang hielten. Warum sie funktionierte, ist die falsche Frage, denn “Warum” fragt nach dem Grund. PR aber ist frei von Sinn und Wahrheit, wofür die Uri-Geller-Story das beste Beispiel ist.
Trösten können sich diejenigen, die glauben, der SPIEGEL sei nicht mehr das, was er früher einmal war, übrigens damit, daß auch 1974 schon miserabel recherchierte Artikel , zum Beispiel der über Geller, ins Blatt rutschen konnten – trotz Augstein.
Warum schreibe ich das? Vermutlich, weil ich so billigen Trost brauche. Ansonsten gilt natürlich nach wie vor: Früher war alles besser.
Nachrufe werden geschrieben. Das ist nicht einfach, wenn über Tote nur Gutes zu sagen ist, wie Reinhard Mohr meint. Er geht trotzdem zu weit, denn ein toter Nazi bleibt ein Nazi. Der Nachrufer mag ja betonen, daß Filbinger noch etwas anderes war und sich nach dem Krieg diese und jene Meriten verdient hat. Aber jemanden, der 1933 schon Nazi war und wenige Tage vor Kriegsende noch an einem Todesurteil “mitgewirkt”, es unterschrieben hat, einen “Mitläufer” zu nennen, wirft ein Problem auf: Wer soll denn dann noch ein echter Nazi gewesen sein?
Und dann dieses windelweiche Blabla: “Er hat, wie hier und da bezeugt wird, sogar versucht zu helfen und zu mildern.” Hier und da wird bezeugt, und das nennt der “Spiegel” Journalismus. “Versucht zu helfen” – hat wohl nicht so geklappt, irgendwie mußte er dann doch junge Männer an den Galgen bringen. “Zu mildern” – Ja, unter Filbinger war der Tod sicher sanft und mild.
Schwamm drüber. Ich wollte schon abschließend fordern, sie sollten Mohr keine Nachrufe mehr schreiben lassen, weil er das auch nicht kann. Aber wenn man sich den Laden so anguckt: Wer kann da überhaupt noch etwas?
Tips für Lagerleiter: Das schnelle Geständnis
Posted by flatter under HintergrundKommentare deaktiviert
02. Apr 2007 12:06
Die Chefs von Guantanamo und den Verhörzentren befreundeter Diktaturen sollten sich ein Beispiel am Iran nehmen. Dort brauchen sie nur ein paar Tage bei “sehr guter” Behandlung, und schon gestehen alle entführten britischen Soldaten, daß sie selbst schuld sind und es nicht besser verdient haben. Scheich Mohammed hingegen mußte für sein Geständnis jahrelang hart rangenommen werden. Was soll man jetzt von den “alternativen Fragetechniken” der Amis halten? Schreiben die etwa die Antworten nicht auf?
Links oder liberal: Wo steht der Feind?
Posted by flatter under PolitikKommentare deaktiviert
01. Apr 2007 1:01
Mir fällt aktuell auf, daß es eine Aversion gegen “linke” Politik, “linkes” Gedankengut gibt, die eine Melange bildet für alle, die sich nicht selbst explizit mit eben dem Label “links” indentifizieren. Dazu muß nicht das konservative Lager befragt werden, geschweige denn die Rechten. Sogenannte “Liberale” können das am besten, ohne sich je zu befragen, wem das in die Hände spielt. Ich greife ein Besipel von Rayson auf, der in einem Kommentar im Law Blog folgendes zum besten gab:
“Der Konservatismus hat gegenüber den linken Spielarten Sozialismus oder Kommunismus immerhin einen Vorteil: Er beruft sich auf etwas, das tatsächlich mal funktioniert hat.”
Ohne den großen Karneval zu feiern, das wortwörtlich zu zerpflücken, darf ich mir erlauben zu fragen, was denn da “funktioniert”. Daß Stalinismus hervorragend “funktioniert” hat, sei von daher geschenkt, aber was motiviert einen “Liberalen” zu einer solchen Aussage? Worauf ich hinaus will, ist nicht die Nähe der “Liberalen” zu den “Konservativen” als ewige Koalitionspartner, so simpel ist Rayson nicht. Auch lese ich, daß mir gewogene Kommentatoren gern das “Linke” verdammen, womit durchaus auch die Sozialdemokratie gemeint ist.
Der alte Antagonismus läßt sich nicht mehr aufrecht erhalten. Es gibt weder mehr einen Warschauer Pakt, der zu der dummen Phrase “Geh’ doch nach drüben” veranlassen könnte, noch kann jemand, der bei Verstand ist, einem wie auch immer “Linken” Weltherrschaftphantasien andichten. Die Kritik gegen die Manie zur Regelung, den Irrglauben, man könnte per Gesetz Gerechtigkeit herstellen, eint längst Linke und Liberale, ohne daß es auch nur eines der Lager begriffen hätte. Statt dessen dreschen sie aufeinander ein und verlieren jede realistische Vision. Linke sind immerhin der Utopie verpflichtet, wenngleich man den Sozi-Politprofis wie den möchtegern Radikalen nachsagen muß, daß sie die Balance zwischen Realität und Ideal beiderseits aus den Augen verlieren. “Liberale” haben sich offenbar längst dem Status Quo derart unterworfen, daß das Versprechen der Freiheit, das sie im Namen tragen, zur Lüge verkommen ist.
Im zitierten Zusammenhang wird das deutlich. Welchen Sinn macht es, “Konservatismus” (Konservatisvismus) so lax als überlegen anzupreisen, wenn Reaktionäre Schlachten von vorgestern schlagen? Habt Ihr wirklich keine besseren Ideen?
Ich will zurück auf die Straße
Posted by flatter under HintergrundKommentare deaktiviert
30. Mrz 2007 22:59

Und das Ding hat funktioniert!
Alkoholvergiftung: Sterben verbieten!
Posted by flatter under PolitikKommentare deaktiviert
29. Mrz 2007 22:36
Nachdem der jugendliche “Komasäufer”, der es in offenbar selbstmörderischer Absicht auf 4,8 Promille brachte, inzwischen verstorben ist, reagieren die Schäubles in Berlin ohne Verzögerung. Sie wollen verbieten. Endlich! Die Jugend leidet seit 1968 daran, daß alles erlaubt ist, aber jetzt ist Schluß damit! Killerspiele, Amokläufe und Terrorinternet hat der Schäuble schon verboten, jetzt ist das Komasaufen dran. Deutschland wird immer sicherer.
Okay, es gibt da immer noch die kriminellen Elemente, die sich an die Verbote nicht halten. So zum Beispiel der 16-Jährige “Komatrinker”, der es auf 4,8 Promille brachte und inzwischen verstorben ist. Oder die Wirte, die ihn mit Tequila versorgt haben, der erst ab 18 erlaubt ist. Aber immerhin kann mit dem generellen Verbot der Abgabe alkoholhaltiger Getränke an Jugendliche verhindert werden, daß sie sich legal an Wein und Bier totsaufen. Das ist doch ein Konzept!
Besser wäre es vielleicht noch, wenn man schon darauf hofft, daß neue Verbote die Welt bessern, man verböte einfach das Sterben durch Alkoholmißbrauch. Dann wäre das Schlimmste verhindert, und Wirte wie Kaufleute können weiterhin ihren Schnitt mit dem hemmunglosen Verkauf an Kinder und Jugendliche machen.
Mullahs übernehmen den "SPIEGEL"
Posted by flatter under PolitikKommentare deaktiviert
28. Mrz 2007 22:35
Wenn das der Augstein wüßte… Was sich der “Spiegel” derzeit an primitivem Tendenzjournalismus leistet, finde ich gefährlicher als das ganze plumpe Gewäsch der regierenden Paranoiker und Islamophobiker.
Der Titel der aktuellen Printausgabe läßt das Schlimmste befürchten: “Mekka Deutschland – die stille Islamisierung” Kann man über den ersten Teil noch müde lächeln und glauben, man hätte den “Focus” in der Hand, hört sich beim zweiten alles auf, denn verlogener geht es wirklich nicht mehr. Man kann auf einer Seite stehen, man kann ausgewogen sein oder nicht, man kann aufklären wollen oder überzeugen, aber eines geht sicher nicht: Seriosität für sich in Anspruch nehmen und behaupten, das Thema “Islam” sei auch nur in irgend einem Aspekt leise. Die dumpfe Suggestion der Unterwanderung ist da am Werke. Wir merken es nicht, und bald gilt in Deutschland die Scharia!
Auf diesem Niveau sind auch die Artikel. Absolut tendenziös, da nur die Fälle aneinander gereiht werden, über die man sich zurecht erregen darf, weil sie europäisch geprägten Denken und Rechtsempfinden zuwiderlaufen. Neu ist daran nichts, im Gegenteil werden sie aus jeder Mottenkiste gezogen, um Eindruck zu machen. Bis ins Detail geht uns der “Spiegel” auf den Wecker – zum Beispiel die Bildunterschrift “Zuwanderungspolitiker Schäuble”, als ob der Mann nicht ethnozentrischen Unfug en masse in die politische Landschaft geblasen hätte, alles getan hätte, um Deutschland abzuschotten und ansonsten eine völlig neutrale Instanz wäre. Jeder Leser weiß, daß das der Innenminister ist. Was soll also dieser Titel?
Selbstverständlich darf der Broder auch ein wenig hetzen, sich über den Grass erregen, das Ganze für seine Verhältnisse sogar relativ piano. Wenn man immer denselben Sermon absondert, wirkt es eben irgendwann nur noch unmotiviert.
Zum Brüllen komisch, daß die Speerspitze der Aufklärung, die heldenhaften Säkularisierer in einer vom religiösen Wahn und falscher Toleranz geschundenen Gesellschaft, selbst wahre Elche sind: Den Dalai Lama nennen sie im Interview devot “Eure Heiligkeit”. Naja, der gehört ja auch zu den Guten.
Das ist aber noch nicht dumm genug, der Malzahn muß noch einen draufsetzen: Er fand eine Umfrage, ein Item, und daraus zieht er seine Schlüsse: “48 Prozent der Deutschen halten die USA für gefährlicher als Iran – nur 31 Prozent glauben das Gegenteil”. Man könnte auch ein wenig nachdenken, das Resultat verschiedenen Interpretationsversuchen unterziehen und etwa berücksichtigen, daß ein politischer Schnupfen in den U.S.A. nun mal gefährlicher ist als offene TB im Iran. Aber Pustekuchen. Malzahn weiß: So weit sind wir schon, das ist blanker Antiamerikanismus, und der ist überall.
Ich weiß nicht, was sich hinter den Kulissen abspielt beim Spiegel, aber wenn das so weitergeht, verliert Deutschland eine seiner wichtigsten Instanzen. So einen Mist kann sich das einzige deutsche Nachrichtenmagazin nicht lange leisten.
