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2007


Zum vorläufigen Abschluß der Doping-Serie in diesem Blog zunächst eine Erklärung für diejenigen, die Radsport für irrelevant halten und sich fragen, was Feynsinn damit zu tun hat: Der Grund liegt in dem unerträglichen Blödsinn, der durch die Medien “kommuniziert” wird. Dem muß einfach widersprochen werden.
Heute komme ich zu der Konsequenz, die m.E. aus den gegenwärtigen Zuständen folgen sollte: EPO muß freigegeben werden. Dazu betrachte man zunächst das bisherige Vorgehen in Sachen “Doping”:
Es gibt allerlei erlaubte Substanzen wie Vitamin-und Nahrungskonzentrate, Kortison und Asthmamittel (diese nur in “Einzelfällen” auf Rezept, allerdings sind die meisten Radprofis merkwürdigerweise Asthmatiker). Darüber hinaus gibt es Mittel, die nur in einer bestimmten Konzentration erlaubt sind wie etwa Koffein. Eine Tasse Kaffee etwa ist erlaubt, aber Koffeindoping mit entsprechend hohen Konzentrationen eben nicht. Verboten sind auch andere Substanzen wie zum Besispiel THC (Cannabis), von denen man nicht wirklich eine leistungssteigernde Wirkung erwarten darf.
Unbekannte Substanzen sind nicht unbedingt verboten, aber auch nicht erlaubt. Da sie in der Regel aber nicht nachgewiesen werden können, ist es natürlich entsprechend reizvoll, damit zu experimentieren. Wird jemand beim Dopen erwischt, gibt es zunächst meist eine einjährige Sperrre, danach eine zweijährige oder gar lebenslänglich. Der Fleiß bei der Recherche nach den Wegen des Dopes zum Sportler hielt sich bislang eher in Grenzen. Der Fahrer wurde gehängt, und gut war’s. Erst die (über-)eifrigen spanischen Behörden haben daran etwas geändert. Danach haben sich die Teams, allen voran die Telekom, gegen die Fahrer versichert. Diese mußten unterschreiben, die Drogen nicht genommen zu haben, die das Team ihnen zuvor verabreicht hatte.
Derzeit outen sich viele ehemalige Fahrer, womit die Absicht des Auslösers, Bert Dietz, beinahe erfüllt wird: Das System fliegt als solches auf. Aber selbst im Angesicht der unumgänglichen Wahrheit mauern noch immer die allermeisten. Jenseits der deutschen Grenzen schweigt man noch immer eisern. Mitnichten wäre die Rede von flächendeckendem Doping, die Wirklichkeit hat noch immer keine Chance, Wahrheit zu werden.
Unter diesen Bedingungen geht es also weiter, wie zuvor schon: Doping ist Alltag, und die Fahrer haben zwei Möglichkeiten: Sie riskieren ihren Job, indem sie weiter dopen und vielleicht nicht geschickt genug vertuschen. Oder sie riskieren ihren Job, indem sie den weiterhin gedopten Konkurrenten das Siegen überlassen.
Das Ende dieses Systems wäre das Bröckeln der Mauer. Einzelne werden erwischt werden, einzelne werden ihr Schweigen brechen. Es werden diejenigen bestraft, die auffallen, der Rest bleibt unbehelligt. Der best mögliche Effekt wird der sein, daß EPO zu heiß wird und nicht mehr in dem Maße zum Einsatz kommt.
Und dann? Womöglich führen wir hier eine Diskussion, die längst überkommen ist, und eine andere Substanz steht oben auf der Hitliste. Womit das Spiel von vorn losgeht. Daß sich eine Alternative zu EPO findet, ist bestenfalls eine Frage der Zeit.
Was aber, wenn EPO freigegeben wäre?
Die Schummelei hätte schlagartig ein Ende. Man darf endlich über die Wirklichkeit reden. Transparenz würde zu einer echten Kontrolle führen. Man könnte sich über eine Obergrenze des erlaubten Hämatokritwertes einigen, was unmittelbar im Interesse der Fahrer wäre. Ob Höhenkammer, Training in Mexiko oder EPO – wurscht, wie ihr an die Erythrozyten kommt. Das Ganze könnte legal von Ärzten beobachtet werden, die dafür sorgen können, daß sich nicht jemand übernimmt. Niemand müßte Angst vor der Wahrheit haben und sich das Zeug im Hinterhof spritzen.
Solchermaßen Transparent, könnten die Fahrer ganz offen über neuartige Substanzen sprechen. Es gibt etwas besseres als EPO? Dann diskutiert man eben darüber, ob man die neue Droge anstelle der alten auf die Whitelist setzt. Jeder weiß bescheid, das ist kein Betrug. Und da EPO eine höchst wirksame Droge ist, wäre es sehr unwahrscheinlich, daß sich so schnell etwas besseres findet, das man heimlich einwerfen könnte. Eine ähnliche Diskussion kann man über Wachstumshormone führen und was da sonst noch im Rennen ist. Die Fahrer, die so ins Geschäft gekommen sind, dürfen bleiben. Sie wären sonst bis auf wenige Ausnahmen berufsunfähig. Die Zuschauer schließlich müßten sich nicht bei jedem Rennen fragen, wer noch immer gedopt ist und wer nicht.
Aber diese Variante würde ja der Heuchelei vom “sauberen Sport” den sudden Death versetzen. Die aktiven Heuchler an allen Fronten werden das vermutlich zu verhindern wissen, das ist wohl ihre Berufung.
Der Gedanke ist einfach, und er bedenkt wirklich die Konsequenzen. Wer etwas anderes will, soll deutlich machen, wie er sich das in der Realität vorstellt.
Zum Schluß noch eine Bemerkung zum fröhlichen Ullrich-Bashing. Der Mann weiß offenbar nicht, wie man mit den Medien umgeht. Seine Berater sind zum großen Teil Idioten. Ullrich mit seinen begnadeten körperlichen Voraussetzungen wäre der erste, der von einem dopingfreien Sport profitiert hätte. Aber das ist nicht die Welt, in der wir leben. Die Heuchler in den Redaktionen, die jetzt nach einem “Geständnis” schreien, verschweigen, daß er der einzige ist, der ein Strafverfahren an den Hacken hat. Hier ist das System von Verbieten und Bestrafen at it’s best: Da wird einer zum Schweigen gedrängt, obwohl die Wahrheit längst raus ist.

Ein erbärmliches Beispiel politischer Willensverwurstung gibt Ortwin Runde in der TAZ. Der “SPD-Linke” ist zwar gegen die Senkung der Unternehmenssteuern, stimmt aber dafür, denn

letztlich ist es ein Kompromiss mit der Union, ausgehandelt im Koalitionsausschuss – und deswegen stimme ich im Bundestag zu.

Links schwadronieren, rechts stimmen, und dann wundert sich die SPD, wenn sie bald niemand mehr ernst nehmen wird.
Herr Runde hat übrigens auch prima Argumente gegen die “Reform” der Erbschaftssteuer:

Mir ist kein Fall bekannt, wo eine Firma durch die Erbschaftsteuer kaputt gegangen wäre. In extremen Notsituationen kann man die Steuer auch jetzt schon stunden oder sogar erlassen.

Und daraus folgt? Richtig, daß er für diesen Unsinn stimmt, denn
Es war eben ein Kompromiss“.

Der Abgeordnete ist zwar nur seinem Gewissen verpflichtet, aber das bleibt halt nach der Weichspülung im Unterausschuß und dem Schleudergang in der Fraktionssitzung vor der Tür des Koalitionsausschusses zum Trocknen hängen. Gleich neben den Teilen des Hirns, die zum Nicken und Handheben nicht unbedingt benötigt werden.
Schließlich muß aber ein Satz von Herrn Runde korrigiert werden:

Wir Linken haben leider immer noch nicht die Mehrheit. Aber wir arbeiten dran.

“Wir Linken?” Sie sind kein Linker, Herr Runde, Sie sind ein Funktionsmöbel. Und Sie haben nichts, aber auch gar nichts kapiert, wenn Sie ernsthaft formulieren:

Bei Gewissensentscheidungen muss man natürlich seiner Meinung folgen. Aber die Unternehmensteuerreform ist ‘nur’ eine politische Sachfrage“.

Die weitere Entwertung der Erwerbsarbeit, schon wieder eine Entlastung von Kapitaleinkünften, das ist für einen “Linken” keine Gewissensfrage. Alle Achtung!

Der analfixierte Hobbyinquisitor und Kerkermeister im Bundesinnenministerium hat eine ganz überraschende Idee zum Thema Doping: Er empfiehlt schärfere Gesetze und härtere Strafen. Auf gar keinen Fall dürfe es eine Amnestie geben. Außerdem hatte er bereits im Januar empfohlen, das BKA im Kampf gegen Doping einzusetzen. Man fragt sich, warum die Delinquenten noch auf freiem Fuß sind. Nicht einmal die Wohnungen sämtlicher Telekommitarbeiter werden durchsucht. Macht Schäuble uns etwas vor? Ist dieser Staat gar nicht sicher?
Geben wir den Behörden noch eine Chance und warten den G8-Gipfel ab. Danach erwarte ich aber unverzüglich eine Welle von Verhaftungen und DNA-Stichproben von Rennradfahrern. Von denen gibt’s eh viel zu viele!

Der JU-Vosritzende Mißfelder sieht eine neue RAF aufziehen: G8-Gegner würden Gewalt gegen Sachen und den Springer-Verlag ausüben, womit eine Parallele zur RAF bestehe.
Da müssen wir natürlich sofort Schutzhaft anordnen! Wer aber ist Philipp Mißfelder? Der Mann ist MdB und ging nach eigenem Bekunden schon mit 14 in die Politik, aus Bewunderung für den großen Parteiführer und weil die DDR der Bundesrepublik angeschlossen wurde (Szenebegriff: “Wiedervereinigung”). Bekannt wurde Herr Mißfelder in Film, Funk und Fernsehen, weil er der Meinung ist, 85-Jährige bräuchten kein künstliches Hüftgelenk, früher seien die Leute auch auf Krücken gelaufen.
Mißfelder mag Analogien, geben wir ihm eine: Da macht einer Politik für den großen Führer und den Anschluß, und Krüppel haben bei ihm bei keine Rechte. Das hatten wir auch schon mal.
Aber Spaß beiseite, ich kann verstehen, daß der Philipp alles tut, um möglichst große Sicherheit zu gewährleisten. Schließlich muß er jederzeit mit Anschlägen auf seine Person rechnen – und damit, daß die Krüppel ihm die Krücken um die Ohren hauen.

Wie spätestens seit den Berichten der Telekom-Radprofis Dietz und Henn klar ist und demnächst von Rolf Aldag bestätigt werden wird, [edit: just bestätigt worden ist] ist Erythropoietin spätestens seit 1995 ein beliebtes Dopingmittel. Die ersten Beweise gegen EPO-Doper gab es 1998 bei der Festina-Affäre. Durch eine Durchsuchung der Teamunterkunft kam man nach einer Denunziation dahinter. Betroffen waren u.a. die Tour-Helden Alex Zülle und Richard Virenque. Seitdem ist der “Skandal” Dauerzustand. Seit 2001 gibt es Verfahren, EPO durch eine Urinprobe nachzuweisen, seitdem gibt es aber auch Methoden, die Nachweisbarkeit im Urin zu verhindern. Der erste, den es meines Wissens durch den Test erwischte, war ein Fahrer des Euskaltel-Teams, es folgten in den nächsten Jahren Fälle bei Lampre, Kelme und Cofidis. Die nächste große Affäre, die ein Team betraf, war 2004 der Fall Phonak, hiervon betroffen mindestens drei Profis, u.a. der Klassementfahrer Tyler Hamilton. Das nächste Mal, bei dem es fast ein ganzes Team erwischte, war 2006 Liberty Seguros, hervorgegangen aus ONCE, und nach dem Rückzug des Sponsors übergegangen in Astana(-Würth). Dem Topfahrer, Alexandre Vinokourov, wurde erstaunlicherweise kein Doping nachgewiesen. Der langjährige Teamchef Manolo Sainz ist tief in den Fall verwickelt und mußte daher ebenfalls zurücktreten, der Teamarzt, Eufemiano Fuentes, ist Dr. Dope persönlich..
Der große Knall kam mit dem Fall Fuentes. Pünktlich zum Vortag des Starts der Tour de France 2006 (deren Sieger, Floyd Landis, des Dopings überführt wurde) wurden von der spanischen Polizei Ermittlungsergebnisse bekannt gegeben. Daraus geht hervor, daß einige Dutzend Fahrer von ihm dopingtechnisch betreut wurden, von denen mindestens 30 mit hoher Wahrscheinlichkeit identifiziert sind. Anlaß der Untersuchung waren die Ermittlungen gegen den Top-Fahrer Roberto Heras, der des Dopings überführt worden war.
Zu Fuentes’ Kunden gehören beinahe alle aktuellen Spitzenfahrer:
Jan Ullrich, Ivan Basso, Jörg Jaksche, Alejandro Valverde, Joseba Beloki und viele mehr. Darunter auffallend viele Spanier, was dafür spricht, daß Fuentes außer der Weltspitze auch die Region versorgt hat. Daraus folgere ich, daß andere Spitzenfahrer, vor allem die Amerikaner und Australier, deshalb nicht zu seinen Kunden gehören und eigenes medizinisches Personal haben, wie bekanntermaßen ja auch das Team Telekom. Womöglich ist Ullrich zu Fuentes gegangen, weil der nicht so ein Dilettant war wie die Freiburger Ärzte. Auch nicht ganz unverdächtig ist übrigens das Team Discovery Channel, ehedem US-Postal, unter Leitung von Lance Armstrong. Seine ehemaligen Edelhelfer Hamilton und Heras sind überführt, ihm selbst wurde im Nachhinein zumindest für 1999 EPO-Doping per Probe nachgewiesen. Juristisch ist das strittig, als Beobachter kann man sich den Zweifel aber durchaus klemmen.
Neben den oben genannten Tourgrößen sind also weiterhin verdächtig Lance Armstrong und Bjarne Riis, der 1996 mit einem legendären Hämatokritwert auffiel, überlebte und nicht überführt werden konnte. Er leitet seit Jahren das Team CSC.
Damit sind also folgende Teams betroffen:
T-Mobile (Ex-Telekom), CSC, Discovery Channel, (Ex-US-Postal), Astana (ex-Liberty Seguros), Phonak, Caisse d’Epargne-Illes Balears, Saunier Duval-Prodir, ag2r Prévoyance, Gerolsteiner, Euskaltel, Lampre, Cofidis und weitere kleinere oder inzwischen aufgelöste Teams (wie etwa Kelme).
Diese Zusammenfassung ist nicht Ergebnis einer langen Recherche, sondern aus dem Gedächntis mit ein wenig Hilfe von Google zustande gekommen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Irrtümer lasse ich gern korrigieren.
Ich frage mich nun allerdings, wie immer noch Leute durch die Gegend schleichen und Einzelfälle suchen können – seien es “einzelne” Fahrer oder Teams. Aber es gibt ja die tollen Journalisten, die alles aufklären, etwa beim WDR, dessen Intendantin sich heute zu folgendem erblödete:
Gerade wir im WDR haben für die ARD eine neue Redaktion gegründet Anfang dieses Jahres – eine Redaktion, die sich mit nichts Anderem als mit Doping beschäftigt.[...] Und wir haben absolute Fachleute dort eingesetzt, die nichts Anderes tun, als sich dem Thema Doping zu widmen, damit wir es auch in der ARD-Berichterstattung deutlich machen.[...]
Das wäre für mich der Punkt, an dem deutlich wird, dass es wirklich keine Einzelfälle von überehrgeizigen Sportlern sind, Einzelfälle, die sich auch außerhalb der Kenntnis der Verantwortlichen abspielen, also mit irgendwelchen dubiosen Ärzten in anderen Ländern oder auch in deutschen Hinter-Praxen, sondern wenn klar würde: Das ist geduldet worden von den Verantwortlichen, das ist wirklich stillschweigend geduldet oder sogar unterstützt worden. Aber, wie gesagt, immer aktuelle Fälle und nicht alte Fälle
.”
Verlogener geht’s wirklich nicht.

Mehr Feynsinn zum Thema:
Doping – Warum eigentlich nicht?
Der Radsport ist tot

Nachdem mit Christian Henn ein weiterer ehemaliger Telekom-Fahrer vom Doping berichtet, sprechen die Reflexe wieder an. Es ist nicht zu fassen: Es wird tatsächlich wieder auf diejenigen eingedroschen, die verdächtigt werden oder sich outen, während das System nicht in Frage gestellt wird. Zwar ist das Thema “Amnestie” endlich im Gespräch, aber es findet sich sofort ein Moralkasper, diesmal in Gestalt des Grünen-Sprechers Winfried Hermann (Wer ist das? Was will der?), der mit allen Mitteln versucht, nicht zu viel Vernunft aufkommen zu lassen. Ernsthaft schwafelt der Mann, Ullrich solle der Toursieg aberkannt werden. Nur noch saubere Sportler wie Riis und Armstrong stünden dann in den Annalen – ein Kracher! Oder streichen wir gleich alle Ergebnislisten der letzten 20 Jahre? Der Oberdummbatz der deutschen Funktionärsszene, Rudolf Scharping, drischt derweil die altbekannten Phrasen von wegen “schnelle Aufklärung” und “ohne Ansehen der Person” – er wird der letzte sein, der kapiert, daß es nicht um Personen geht. Es gibt auch, Herrgottnochmal, keine Causa Telekom. Read my lips: It’s the system, stupid!
Wie immer sind die beteiligten Journalisten keinen Deut schlauer. Überall dieses unerträgliche Gefasel von “Sünder”, “Beichte”, “Schuld”, Betrug” und “sauber”! Es ist gibt kein Gut und Böse, keine Betrüger und Betrogenen, es gibt nur Leistungsdruck und dessen Wirkung. Jeder, wirklich jeder, der noch in den steinzeitlichen Kategorien von sauberem Sport und verwerflichen Dopingsündern denkt, ist nicht qualifiziert, sich am weiteren Disput zu beteiligen. Oder anders gesagt: Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Schnauze halten!

Nein, es gab systematisches Doping im Radsport?! Da hättet ihr auch gleich jemanden fragen können, der sich damit auskennt.

WDR2 meldet: “Die Bayer AG strukturiert ihre Sportförderung um.
Vom Sommer 2008 an will sich der Leverkusener Konzern ausschließlich auf den Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen sowie auf das Sponsoring des Breitensports konzentrieren. Aus der Sportwerbung für Basketball, Handball, Volleyball und Leichtathletik wird sich Bayer zurückziehen.”

Diese unscheinbare Meldung ist eine echte Zäsur für eine ganze Region.
Schon 1995 gab es ein ähnliches Ereignis, als der Bayer-Konzern den Fußballclub Uerdingen05 fallen ließ, der 42 Jahre lang “Bayer” Uerdingen gewesen war. Die Geschichte der Bayer-Sportabteilungen ist die konsequente Fortsetzung der Entwicklung des Verhältnisses eines Konzerns zu “seinen” Menschen. Bayer war in der Mitarbeiterschaft wie in den Kommunen rund um die Werke extrem beliebt. Die Niederrheiner waren stolz auf “ihr” Bayer wie die Menschen im Pott auf ihre Zechen. Es war eine Ehre, Jahrzehnte im Betrieb geblieben zu sein und etwas geleistet zu haben.
Wie aber die Kostenfaktoren aus den Werken entlassen und gegen Leiharbeiter ausgetauscht wurden, so werden jetzt die unrentablen Sportvereine abgestoßen. Die AG interessiert sich nicht mehr für die Region. Die Menschen sind ihr egal. Daß sie zu Zeiten, als zuverlässige Arbeitnehmer noch etwas wert waren, von diesen gut profitiert haben, ist Geschichte. Daß die Bayer-Vereine dem Konzern ein Image eintrugen, das keine PR der Welt zusammenlügen könnte, haben die globalisierten Profithanseln vergessen. Bayer hinterläßt verbrannte Erde. Und die Söldnertruppe aus Leverkusen wird niemals Deutscher Meister.

Wie SpOn schreibt, setzen die Sicherheitsbehörden u.a. auf Duftproben von Verdächtigen, um Demokraten wie Bush und Putin vor Kritikern zu schützen. Im konkreten Fall seien einem 68-jährigen Altautonomen Geruchsproben für die Hunde abgenommen worden, denn
Der alte Kämpe steht im Verdacht, im Vorfeld des Heiligendamm-Gipfels Gewalttaten vorzubereiten – was er bestreitet.” Die Rede ist vom Verdacht der Vorbereitung! Wenn also jemand eventuell etwas planen könnte, reicht das aus, um ihn seiner Intimsphäre brutal zu berauben. Die Vorstellung, ein Hund könnte mich in einer Menschenmenge identifizieren oder mich überall jederzeit auffinden, würde mich wohl in den Irrsinn treiben. Genau das war der Zweck, den die StaSi mit dieser Methode verfolgte, und diese Wirkung erzielen auch die Männer vom Stasi 2.0.. Wer solche Methoden befürwortet, deckt oder fördert, gehört in kein staatliches Amt. Weder die Schergen vor Ort, die exekutieren, was ein Hetzer im Innenministerium fordert, noch er selbst oder die Kanzlerin, die so tut, als ginge sie das nichts an. Frau Merkel sollte zurücktreten.
Der Koaltionspartner, in persona Wiefelspütz, findet das “Ziemlich bizarr“. Welch heldenhafter Einsatz für die Grundrechte, derlei Kommentare abzulassen, um nachher sagen zu können: “Wir haben das kritisiert”! Einen Bruch der Koalition riskieren die Waschlappen der SPD dafür feilich nicht. Es geht ja nur der Demokratie an den Kragen.

Die Qualitätsoffensive beim SPIEGEL hinterläßt Eindrücke wie ehedem Attila. Wo er reitet, wächst kein Gras mehr. Quintessenz des Artikels: “Es gibt in Frankreich Menschen“, “Es gibt Franzosen“, “Es gibt ein Frankreich” und Relativsätze, die uns sagen wollen, des Franzmanns neue Deutsche seien “nackt, grob, scharf“. Details:
Es ist dabei gut, dass es links des Rheins immer Deutsche gab, die so ganz anders waren als die gängigen Stereotypen.” Genannt werden: “Karl Lagerfeld, Daniel Cohn-Bendit oder Michael Ballack“. Hamburg und Bad Bramstedt (Lagerfeld) und Görlitz (Ballack) hat Ullrich Fichtner linksrheinisch, und Cohn-Bendit ist Deutscher, wahlweise liegt auch Frankfurt westlich des Rheins. War nich so gemeint? Aha. Weiter:
Diese drei, Lagerfeld, Cohn- Bendit, Ballack, sind ungefähr die berühmtesten Deutschen hierzulande, sie haben Heidegger, Nietzsche, Hegel und auch Hitler abgelöst, es ist eine neue Zeit.” Wie sagte Foucault so treffend: “Das Absurde ruiniert das Und der Aufzählung”. Es ist eine neue Zeit, seit Nietzsche, Hegel und Hitler. Puh!
Aber man schätzt nicht nur die Komödie. Millionen haben Bruno Ganz als Hitler [...] gesehen,” Wen? Achso.
In Berlin lernen die Franzosen, dass eine Metropole nicht unbedingt wie eine Pralinenschachtel aussehen muss.“. Das war dann aber höchste Zeit!
und sie stehen klein am riesengroßen Alexanderplatz oder auf der einstigen Stalinallee und schauen hinein in die eurasische Steppe.” What? Da steh ich klein und staune.
Dass die Deutschen sich seltsam lustvoll verwandeln, weiß man nicht erst seit dem schwarz-rot-goldenen Rausch der Fußball-WM. Schon lange zuvor flimmerten die Bilder der ‘Love Parade’ auch in die französischen Wohnzimmer wie eine Postkarte aus einem verblüffend aufregenden, unerhört sexualisierten Land.” Wenn die Postkarte flimmert, war der Burgunder vielleicht zu schwer, was auch die unerhört sexualisierte WM erklären mag. Bleibt also die Erkärung, daß die Franzosen zu doof sind, zwischen einer Profitparty mit homosexuellem Schwerpunkt und dem echten Leben zu unterschieden.
Von Frankreich aus, wo doch immer die flüsternde Erotik regiert, sieht das Berliner, das Hamburger, das Kölner Nachtleben aus wie ein Porno. Nackt, grob, scharf, solche Sachen verstören Franzosen; ihre Faszination verhehlen können sie nicht.” Jaja, die Franzosen, immer geil, aber im Grunde verklemmt! Zeigens wir’s ihnen!
Schnelldurchlauf:
Ja, die Franzosen schauen anders herüber zu uns.“  Anders als  wer? Alle Franzosen? Ganz Gallien?
Dass die Deutschen nun nicht mit Säbeln, sondern mit Intimschmuck rasseln” Alle Deutschen? Mean me, moron??
Seltsame Leute bleiben sie [die Deutschen] ganz am Ende doch, und eine Liebe wird nicht daraus.” Ganz am Ende keine Liebe? Der Deutsche muß also im Angesicht des Todes ohne die Liebe der Franzosen auskommen. Wem das noch nicht zu traurig ist, der stelle fest: Leider müssen wir auch ohne den SPIEGEL auskommen, es sei denn, wir haben Spaß an bedröhntem Gefasel, wo wir dereinst Information erwarten durften.

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