Hintergrund


Eine schöne Aufgabe für Politikwissenschaftler wäre die Frage, wann es eigentlich zu spät ist, einen völligen Versager noch loszuwerden. Das ist gar keine Wissenschaft, sagt ihr? Egal, dann macht es halt einfach so Spaß.

Konkret: Was Guy d’Eau mobile mit seinen 18% so veranstaltet, ist schon lange unerträglich und wird auch nicht besser. Was aber wäre, wenn?

Bekanntlich ist die Kanzlerin für die Besetzung der Ministercouch zuständig. Das vergisst man so leicht, wenn man sich anschaut, wie das Casting meist abläuft. Verwiesen sei hier nur auf die Rösler-Rochade, das Bahr-Geschäft. Auch hier noch einmal zur Erinnerung: “Bahr” heißt der neue Gesundheitsminister, der jetzt die Impfdosen verbrennen lässt, die Vorgänger Rösler für hunderte Millionen eingekauft hatte, der ob seiner Weitsicht jetzt Wirtschaftsminister ist.

Fee Glöckchen und Schwester TINA

dikdofDie Vereinbarung scheint also die zu sein, dass ein Teil des Basars der FDP überlassen wird und die ihre Abgesandten an den Tisch mit dem Glöckchen selbst bestimmen darf. Nun sind Partei und Fraktion der Gelben ganz offensichtlich nicht in der Lage, ihren ehemaligen Vorbeter, den Außendienstler des Kabinetts, endgültig abzuschießen. Um “Schaden von ihm” zu wenden, müsste also Fee Glöckchen selbst den Pannen-Guido des Tisches verweisen. Und dann?

Sähe sich die FDP wohl gezwungen, die Koalition zu verlassen und den freien Fall zu üben. Was Frau Merkel oder einen weniger unmotivierten Nachfolger der wichtigsten Machtoption berauben würde. Dann dürften also die anderen wieder ran, von denen man inzwischen immerhin vorher weiß, dass sie nachher all das tun, was sie heute für völlig ausgeschlossen erklären. Wer würde das wollen? Wer will es lieber so, wie es ist?

Ja, liebe Kinder, das ist es, was unsere Regierenden meinen, wenn sie sagen: “Es gibt keine Alternative”. Wer will schon Fett und Blöd statt Dick und Doof?

 
Wenn der Amtsschimmel durchs heimische Porzellan reitet, dann ist das quasi höhere Gewalt. Die wird aktuell in zwei Fällen öffentlich. Die Dunkelziffer ist dunkel. Zwar ist im Fall Jörg Bergstedt (den ich bereits vorgestellt hatte) völlig klar, dass sich die Behörden ein heißes Rennen um den unverschämtesten Amtsmissbrauch geliefert haben, das führt aber nicht dazu, dass irgendwer für sein Tun verantwortlich wäre.

justitSo ein bisschen Rechtsbeugung, das muss das Boot schon abkönnen. Die Generalstaatsanwaltschaft wollte auch den Kollegen Richter nicht zur Rechenschaft ziehen, der die Aussagen in dem von ihm geleiteten Verfahren orchestriert hatte. Kann ja mal vorkommen, dass man dabei erwischt wird. Ob damit das letzte Wort über die Sache gefallen ist, weiß man nicht, aber solange in Hessen darüber verhandelt wird, ist sie bombensicher.

Hessen ist nicht überall, aber auch woanders wird gern der ganz grobe Klotz gegen die Untertanen eingesetzt. Deren Ansprüche gegen die keilenden Behörden werden eher unter “Majestätsbeleidigung” abgeheftet als unnötig ernst genommen. So aktuell in München, wo die Polizei die falsche Tür eingetreten hat. Solches Klappern gehört zum Handwerk, meint der Richter, dessen Urteil allerdings noch nicht rechtskräftig ist. Die nächste Instanz darf also auch noch lachen.

Wer will schon von Beamten im Einsatz verlangen, dass sie hinterfragen, ob sie auch an der richtigen Adresse sind, ehe sie die Regale umschmeißen? Wenn die Wohnung nicht binnen Minuten völlig verwüstet ist, gilt das als Verzug, welcher als gefährlich einzustufen ist. Wer das nicht versteht, ist schon kein normaler Bürger mehr und hat etwas zu verbergen.

Wenn dann ein Schaden entsteht, liegt dieser in der Verantwortung der Bewohner der heimgesuchten Wohnung. Die haben spätestens beim ersten Klingeln sofort die Tür zu öffnen und sämtliche Schubladen zu entleeren – gleichzeitig. Sodann haben sie das Recht, sich auszuweisen und die Beamten auf ihren Irrtum hinzuweisen, und zwar auch ohne Kenntnis des genauen Durchsuchungsbeschlusses. Dann kann ihnen ggf. Schadenersatz zugestanden werden – allerdings nur für solche Schäden, die sie durch das Entleeren der Schubladen nicht selbst zu verantworten haben.

Original Bild oben (bearbeiteter Ausschnitt): Immanuel Giel (by Wikimedia Commons), CC BY 3.0

 
obablackbWer steht hinter den organisierten Plünderungen und Turnschuhraubzügen in England? Die “Blackberry-Randalierer” sind einzigartig vernetzt, schlagen blitzschnell zu und hinterlassen eine Schneise der Verwüstung in Englands Städten. Nicht einmal die Angriffe durch Hitlers Geheimwaffe V2 waren so verheerend wie die jugendlichen Marodeure, die London, Birmingham, Manchester und Middlethrism brandschatzen. Die Feuerwehr zieht die Löschzüge inzwischen von den Bränden ab und bekämpft die Ursachen. Nachdem kurzfristig ein international unbekannter Anarchist für den Rädelsführer gehalten wurde, weist die genutzte Technik inzwischen in eine andere Richtung. Der Drahtzieher muss gut organisiert sein, ein Blackberry besitzen und ist vermutlich ein Schwarzer. Ein Hauptverdächtiger (siehe Foto) wird noch gesucht. Es soll sich um einen hohen US-Diplomaten handeln. Sollten sich diese Vermutungen bestätigen, muss die Geschichte der Krawalle völlig neu verwertet werden. Wie sagen wir es bloß unseren Kindern?

 
merkfdjAuch die – vergleichsweise diszipliniert und friedlich abgelaufenen – Proteste in Spanien bedürfen einer neuen Untersuchung. Wer hätte je von disziplinierten Spaniern gehört? Wurde die Revolte aus dem Ausland gelenkt, genauer: Aus Deutschland? Mutmaßungen über eine Schläferin aus dem Kreis der Berliner Regierungsbürokratie machen die Runde. Ein älteres Foto der Verdächtigen zeigt sie mit dem kommunistischen Orden “Kämpfer gegen den Faschismus”, das vom “Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer der DDR” aus Anlass des Tages der “ehemaligen Spanienkämpfer” (sic!) verlost wurde. Die junge FDJ-Funktionärin könnte inzwischen aktiviert worden sein, um die europäische Währung, die Demokratie, den inneren Frieden und den letzten Nerv zu zerstören. Wenn wir so wenig auf unsere obersten Staatsangestellten vertrauen können, ist es wohl an der Zeit, uns von ihnen zu verabschieden, besser noch vom Staat selbst.

 
roeslerraWie Radio freies Tibet meldet, ist Bundeszahnärztebischof Flip Rösler bereits unterwegs, um Gegenmaßnahmen zu treffen und den “Europäischen Stabilitätsrat” zu gründen, der nach den Prinzipien der Kirche der Heiligen der letzten Züge endlich Ordnung in die Staatshaushalte bringen soll. Die werden dazu und zu unserer aller Sicherheit abgeschafft. Das Nähere regelt ein Expertengremium aus Finanzexperten mit Sachverstand und Wirtschaftskompetenz und den klügsten Köpfen der Finanzwelt. Nur international erfolgreiche Spitzenbänker, Fondsmanager und die besten der besten der besten von ihnen honorierten Professoren dürfen dieser geheim tagenden und gegen jede Kontrolle immunisierten Kommission angehören. In Zukunft gehört der Staatserror der Vergangenheit an.

 
Ein Kämpfer für die Herrenmenschrechte

Manche tun, was sie können, zum Beispiel das Sommerloch füllen. Die dümmsten unter den Lautsprechern tun es mit dem Arsch voran, sodass es zum periodisch auftretenden Phänomen des Sommerarschlochs kommt. In diesem Jahr ist es Stefan Müller gelungen, das Rennen für sich zu entscheiden und beeindruckende verbale Exkremente zu statuieren.

Nachdem er offen Zwangsarbeit für Hartz IV-Empfänger gefordert hatte, schließt er jetzt aus dem Stasi-Verdacht gegen Horst Mahler, dass auch Christian Ströbele ein Spitzel gewesen sein müsse. Das ist nämlich so, dass alle diejenigen, die nicht seiner moralisch überlegenen Fraktion Auserwählter angehören, eben die Bösen sind. Gleich zweimal bis zum Hals im Fett gelandet: Moral und Arbeit – es dürfte kaum jemanden geben, der von beidem weniger Ahnung hat als dieses armselige Herrenmännchen.

Total kaputt

A propos Fettnäpfchen: Heiner Geißler findet, rund um Stuttgart wäre schon ein bisschen totaler Krieg. Der ist ja nicht erst, wenn Göbbels in den Sportpalast spuckt. Das ist auch, wenn einer total blind ist. Oder wenn man bei der Total keinen Sprit mehr kriegt. Überhaupt sei ihm das auch lieber als Pazifisten, die wieder Auschwitz ermöglichen. Er sei jetzt auch total müde und wolle nicht bis zur Vergasung weiter Interviews geben. Obwohl er dazu berechtigt wäre: Heiner Geißler hat einen Führerschein.

München 21

Sich ein Projekt zurecht- und schönrechnen, das kann nicht nur die Bahn, das können auch die Kollegen vom Flughafen. Wie unrealistisch darf’s denn sein? Nicht weiter wichtig, Hauptsache es wird nachher deutlich teurer als geplant. Wie man sich einen unerhörten Zahlenschmarrn zusammen faselt und dafür noch bewundert wird, hat schon dunnemals Franz Josef selig gewusst. Und jetzt alle in den Flughafen einsteigen!

 
Überraschend Strahlung bei Kernschmelze gemessen

Ein “überraschend starkes Gesundheitsrisiko”, so die “Presse”, wurde jüngst in Fukushima festgestellt. Ja, wer hätte das gedacht, dass man sich in einem total kaputten AKW ruckzuck den Strahlentod holt? “Gesundheitsgefahr” würde ich das wohl eher nicht nennen. Oder steht über der Residenz des Teufels neuerdings “Ewige Verdammnis gefährdet die Gesundheit”?

In den nächsten Tagen werden bundesweit Alarmknöpfe versandt, die die Bürger in ihr häusliches Internet einbauen sollen. Wenn Sie dieses Paket bekommen, mit der Aufschrift “Bundesministerium des Äußersten/Terrorabwehr”, öffnen Sie es mit einem handelsüblichen Brieföffner, nehmen Sie den Alarmknopf heraus und befestigen Sie diesen in Ihrem Internet. Sie können dazu beliebige Befestigungsmethoden zur Anwendung bringen: Kleben, Schrauben, Nageln, Dübeln oder Dranfummeln.

Sollten Sie dann einer Gefahr begegnen, drücken Sie den Alarmknopf und warten Sie, bis die Polizei erscheint. Gefahren können u.a. sein: Linksextremismus, Rechtsextermismus, Radikalismus, Islamismus, Terrorismus, Autonomie, Widerstand, Pornographie, Kinder, Anleitungen zur Beschaffung oder Verbreitung, Chemikalien, scheinbare Distanzierung, Kunstdünger und Gentrifizierung. Die Liste mit den Schlüsselgefahren wird unter BKA.de/Alarm täglich aktualisiert, bitte halten Sie sich auf dem laufenden.

Melden Sie mit!

Unter Meldung@BKA.de können Sie überdies melden, was Ihnen sonst noch auffällt. Natürlich können Sie auch in dem Fall, in dem Ihnen etwas nicht rechtens erscheint, merkwürdig, fremd, gefährlich oder abartig, den Alarmknopf drücken. Facebook-Nutzer werden um besondere Aufmerksamkeit gebeten. Versäumen Sie nicht die Gelegenheit, verbotene Feiern, in der Szene so genannte “Partys” zu melden. Drücken Sie dazu bitte den Alarmknopf mit mittelstarkem bis starkem Druck, um sicher zu gehen, dass Ihre Meldung abgeschickt wird.

Schwere Verstöße und Gefahren kennzeichnen Sie bitte deutlich auf Ihrem Bildschirm. Verwenden Sie dazu geeignete Hilfsmittel wie Fasermaler, Lack- oder Lippenstifte, um die Stellen festzuhalten, an denen die Rechtsverletzung stattgefunden hat. Betätigen Sie dann den Alarm und suchen Sie einen Raum auf, der von den Darstellungen der Internetverbrecher nicht erreicht werden kann, idealerweise einen voll ausgestatteten Schutzraum. Öffnen Sie niemandem. Verharren Sie dort, bis die Internetalarmbehörde über Lautsprecherwagen Entwarnung gibt. Weitere Informationen erhalten Sie unter Brüllmückenalarm@CDU.de.

Obama setzt sich für den “Schutz der Menschenrechte” in Tibet ein. Uncoole Kräfte in der chinesischen Regierung sprechen von einer “Beschädigung” der Beziehungen zwischen USA und China sowie einer “Einmischung in innere Angelegenheiten”.
Coolere Kräfte schlügen vor, den Gefangenen aus Guantanamo und anderen Orten, an denen kreative Anhörungen Rechtloser stattfinden, in China Asyl zu gewähren.

 
ruhrtal

Kohle, Stahl und dicke Luft: Blick übers Ruhrtal

Feudalismus ist an Rhein und Ruhr kein Aufreger, nicht einmal Besatzer, woher sie auch kommen mögen. Drei Ottos hat der Pott ausgesessen, Konrads und nachbarschaftliche Grafen oder Kurfürsten, Römer, Preußen, Franzosen und Engländer, zuletzt die Bohlen und Halbachs, deren letzter Statthalter in der Villa auf dem gleichnamigen Hügel als Herr der Ringe noch heute residiert.

Dort also lebt das einfache, ehrliche Volk, knapp bei Verstand, bienenfleißig, von Staublunge und Kumpelbuckel gezeichnet. Über der Megastadt liegt ein dicker Grauschleier, Überall ist der Hammerschlag des Stahls zu hören, die Straßen zwischen den Halden sind mit Kohlenstaub bedeckt.

heurad

Arbeiterrad: Kost nix, is nix. 598-Euro-Japaner “fürm halben Preis gekricht”

Der Arbeiter an der Ruhr ist nicht geizig, muss sich aber nach der Decke strecken. Sein Fahrrad wird nie den Tegernsee sehen, man würde ihn dort trocken von der Straße drängen, ohne lange die Hupe zu betätigen. Er schämt sich nicht, hier mit einer Möhre herumzugurken, die in anderen Kreisen sogar vor dem Sperrmüll versteckt würde. Die Bescheidenheit geht nahtlos über in Schamlosigkeit, mancher trägt die Armut wie einen an der Straßenecke geöffneten Mantel vor sich hin.

bremsschaltIch mag diesen Landstrich, gerade das Eisen in der Luft. Der beißende Qualm aus Chemikalien und Koks gehört einfach dazu. Als linksrheinisch aufgewachsener Zivilisationsbürger ist das hier für mich der halbe Weg nach Russland. Undenkbar, dass ich mich freiwillig hier niederließe – hatte ich immer gedacht. Was mich hierher verschlagen hat? Ja was wohl, ein Mädchen aus dem Kohlenpott. Passé auch das. Was bleibt, ist die Erotik des Alters.

Wenn man zwei Monate hungern muss, um sich das Vorvorjahresmodell eines mit japanischer Hardware behängten Alu-Gestells zu leisten, bleibt dafür freilich auch nicht mehr viel übrig. Kein Colnago, kein Pinarello, keine Crevetten oder Piña Colada. Pils für den Vater, ein bißchen Obst für die Tochter – man lässt sich ja nichts nachsagen, gesund muss es schon sein, was die Kleine mit in die Schule nimmt. Dass es sonst nichts gibt, hält man dort für einen Scherz, oder man lacht trotzdem mit.

obst

Für Obst hat’s gerade noch gereicht. Mag ich aber nicht. Bleiben für mich nur die Tomaten.

Nach Jahren geprägt durch Anpassungsstörungen, die jeder hat, der nicht in einer Halde voll Kohle geboren wurde, werde ich inzwischen akzeptiert von den Menschen des Ruhrtals. Die sich ihr Paradies geschaffen haben in der sozialen Marktwirtschaft. Ihre Großeltern haben sich für Schwarzweißfernseher und VW Käfer auffen Pütt kaputtgeschuftet, die Enkel lassen sich im Job Center von umgeschulten Postbeamten bespucken. So ist halt der Markt, denkt sich der Essener was und wählt wieder SPD. An Rebellion denkt hier immer noch niemand. Die anderen Herren waren auch nicht schlimmer.

Ich werde oft eines unangemessenen Umgangs mit Kommentatoren bezichtigt. Diejenigen, die ich nicht freischalte, werden dabei gemeinhin am deutlichsten, aber auch offene Kritik wird geübt. Es lässt sich nicht länger verbergen. Ich gebe zu, ich war nicht immer ehrlich. Meine Höflichkeit ist Heuchelei. Eigentlich denke ich ganz anders:

punchKommentatoren sind ganz allgemein lästiges Vieh, das man dulden muss, um den Anschein von Diskussion zu wahren. Tatsächlich sind sie in aller Regel zu untalentiert, eigene Themen zu finden und halbwegs brauchbare Texte dazu zu verfassen. Sie haben keine Freunde, denen sie ihren unausgegorenen Stuss so an den Bart schwafeln könnten, dass sie je eine Antwort darauf bekämen. Die Spezies ist halbgebildet, wirft ihren Meinungsdung größtenteils unverdaut in die Manege, gibt sich bei jeder Gelegenheit beleidigt, ist aber immer auf dem Sprung, andere mit Fäkalien einzudecken. Sie sind allerdings davon überzeugt, dass es sich dabei um erlesenste Kostbarkeiten handelt.

Plebs, Pest, Datenmüll

Der Plebs, der sich auch in mein Blog verirrt, ist die Abwärme nicht wert, die der Server beim Transport des von ihnen generierten Datenmülls erzeugt. Und damit du jetzt nicht an der falschen Stelle lachst, Kollege, mach dir klar, dass ich dich meine. Du bist eine Pest, die sich an meine Fußsohlen gehängt hat, weil sie höher nicht kommt und versuchst, mir von dort aus auf den Kopf zu spucken. Ja sicher nehme ich dich ernst. Das macht nämlich sonst niemand.

Je weniger du eine relevante Berühmtheit gelesen oder verstanden hast, desto öfter zitiertst du sie. Nachdem du bei Marx jahrelang vergeblich nach der Stelle gesucht hast, wo Winnetou stirbt, bist du halt Linker geworden. Du allein weißt, wie etwas gemeint war, ist oder sein wird, egal wer es äußert. Das Thema des Postings interessiert dich nicht, schließlich ist das deine Kommentarspalte hier. Wer dich nicht in den Mittelpunkt stellt, ist ein Faschist oder hat die große Verschwörung noch nicht erkannt. Eigentlich geht es dir um Aktion, deshalb sind alle anderen sowieso nur Schwätzer. Du willst ein Zeichen setzen, aber deine Interpunktion gibt das nicht her.

Freaks, Kretins, Gewürm

Der Blogbetreiber muss dich dulden, weil die Leute nur für dich hierher kommen. Erkennt er das nicht, ist er genau so ein mieser Zensor wie die anderen zwölf, auf deren Bannliste du schon stehst. Widerspricht er dir, ist er borniert, dumm und brutal. Du drohst ihm mit der furchtbaren Strafe, sein Blog nicht mehr zu lesen. Das macht ihn gefügig. Wenn nicht, liest du es tatsächlich nicht mehr. Mindestens eine Woche lang. Das wird ihm eine Lehre sein.

Was soll ich mit solchem Pack? Dafür ist mir eigentlich die Zeit zu schade. Da ich aber vom Verkauf der Daten meiner Kommentatoren die Yachten finanziere, muss ich da wohl oder übel durch. Das ändert freilich nichts daran, dass ich sie verachte. Freaks, deren Gesichter nicht einmal eine Mutter liebt. Kretins, die ihre Lebenserfahrung in Heise-Forum und ProSieben-Chat gesammelt haben und jetzt Experten für 9/11 und Medizinkritik sind. Gewürm, dessen IQ selbst meinen Hund beleidigt. Zwischen den Einsen und Nullen unter der Datenbank sind sie das Nichts. Mit einem Mausklick kann ich sie aus der Geschichte löschen. Wälzt euch im Schlamm, kriecht im Staub, und verwechselt meine unendliche Gnade niemals mit Toleranz, ihr Netzbazillen!

Eine weitgehend zusammen kopierte Dissertation hatte sie nicht davon abgehalten, sich zum Mitglied des Forschungsausschusses bei der EU berufen zu fühlen. Geborene Führungskräfte wie Silvana Koch-Mehrin sind ganz generell zu Höherem Berufen. Es lässt sich nicht immer vermeiden, dass Berufene gänzlich unfähig sind, was an ihrer Berufenheit selbstverständlich nichts ändert. Darin liegt ein Grund, warum es Berufungshelfer für höhere Töchter und ihre Klassenkameraden gibt, die dafür sorgen, dass die akademischen Weihen nicht an Bagatellen wie Analphabetismus scheitern. Manchmal ist die Abstammung eben ein Handicap, wenn der Genpool allzu knapp wird. Das kann und darf nicht zur Benachteiligung von Leistungsträgern führen.

Nun ist es der Fluch der Zeit, dass gerade die Konsequenten unter den Oberklassensprechern, diejenigen, die ihre Ideale leben, nicht unnötig Geld fürs Personal verschleudern. Diese Rationalisierung des Ghostwritings führte zuletzt nicht selten zu unvermeidlichen Qualitätseinbußen bei den eingereichten Werken. Für die Sünden der Zulieferer, die sich als kostengünstige Autoren den entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschafft haben, müssen immer wieder die Auftraggeber büßen. Dass diese nicht sofort freiwillig die Bürde auf sich nehmen, sollte nur zu verständlich sein.

komenzzIn diesem Lichte betrachtet, war Koch-Mehrin kein Vorwurf zu machen, als sie ihrer Berufung eben standhaft folgte. Erst die massive Intervention akademischer Aufsteiger ließ sie Abstand nehmen von der Erfüllung der ihr eigentlich zugetragenen Aufgabe. Ohne die Option einer Befreiung von ihrer Berufenheit erklärt sie sich also bereit, in einem anderen Ausschuss zu denselben Bedingungen ihrem Stande zu dienen. Da gewisse Teile der Öffentlichkeit ihr offenbar auch dies noch neiden, hat sie sich zu einem sprichwörtlichen Akt der Gegenwehr entschlossen: Wie die NZZ meldet, wird sie ihr neues Amt hüllenlos antreten (siehe Screenshot).

Chauvinismus ist schwer. Eine Ironie, die nur das Leben schreiben kann, macht Frauenfußball derzeit zur ultimativen Rache der Realität an der Ideologie. Alles fließt. Was dabei herauskommt, ist allerdings ein zäher unappetitlicher Käse.

Das beginnt damit, dass man sich entscheiden muss, ob man Nationalist sein will oder Frauenfeind. Keine leichte Entscheidung. Ähnlich geht es den Fußballfans, die genötigt werden, den schwarzrotgelben Sexersatz der vergangenen Jahre jetzt auf Weibergrätschen zu übertragen. Da gehen einem ja sämtliche Kategorien flöten.

frafubaAm schlimmsten toben die politisch Korrekten. Die Bigotterie kennt keine Grenzen. Neulich musste ich mir im Radio Hörer-Elogen auf den Frauenfußball anhören. Der sei, so der Tenor, besser als der der Männer. Um es der Wahrheit kurz zu machen: Die besten Frauenteams spielen ungefähr das, was die Kerle in den 70ern zelebriert haben. Die mittelguten von denen. Von modernem Kurzpaßspiel, dem Tempo und der technischen Qualität der Männer trennen sie Welten. Die wenigen Spitzenmannschaften der Frauen, wohlgemerkt. Der Rest kickt so grottig, dass sich passende Attribute schon aus Höflichkeit verbieten.

Drei Sorten Frauenfeinde

Nein, das will niemand toll finden müssen, der sich für Fußball interessiert. Da scheint einzig die schneidig ablehnende Haltung Linderung zu schaffen, der blanke Machismus. Es gibt diskriminierende Witze, die sind gut, weil sie so übel zulangen, dass sie die Diskriminierung selbst bloßstellen. Ich werde hier trotzdem keinen erzählen. So etwas macht man vor Leuten, von denen man weiß, wie sie es auffassen.

Anders zum Beispiel Speichel Online, das Organ für den gepflegten Griff in die publizistische Güllegrube. Dass die Herrenreiter dort ihren Spaß an der billigen Zote nicht verbergen können, geht in Ordnung. Die Verpackung in Form peinlich gespielter Empörung aber macht es nur noch widerlicher. Als “schlimmste” Chauvisprüche zum Frauenfußball wurde dieser Tage eine Klickstrecke annonciert, ein Trojanisches Pferd, aus dem man scheinbar ungestraft die Sau rauslassen konnte. Das ist das Niveau des “Spiegel”: Keine Meinung, dennoch allzeit stammtischtauglich.

Der Sommeralbtraum der Journaille und ihrer Leser hat also begonnen. Selbst wer keine Lust auf Fußball hat, keine Lust auf äußerst mäßigen Fußball oder auf patriotische Attitüde, wird in den kommenden Wochen bis aufs Blut gequält werden, mit überflüssigen verlogenen ‘Berichten’ über einen irrelevanten Sport und einer hinterfotzigen Frauenverachtung, gegen die der echte Chauvinismus eine Wohltat war. Was soll’s? Das dient schließlich alles Wachstum und Beschäftigung.

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