
Und das geht seit Tagen so. Merke: Nie wieder ein Posting mit solchen Wörtern (“Titten und Hitler”) überschreiben!

Und das geht seit Tagen so. Merke: Nie wieder ein Posting mit solchen Wörtern (“Titten und Hitler”) überschreiben!
Jaja, jetzt kommt wieder so ein Blues. Das möchte ich übrigens einmal oder gern sogar regelmäßig von Journalisten lesen, daß sie verzweifeln oder wenigstens zweifeln an dem, was ihnen täglich abverlangt wird. Vom kleinen Lokalmatador, der von der DRK-Versammlung zurückkommt oder einem Treffen der anonymen Nichtwähler oder der Sparkassen-Hauptversammlung, bis hin zum Chefredakteur, dem gerade die Schlagadern geschwollen sind, weil der Verleger irgendwen unterrepräsentiert fand.
Eine Bekannte hat mir 1991 (Das war doch 1991?) erzählt, wie sie für die RP (wenn ich mich recht erinnere) von einer Kanervals-Vorbereitungs-Versammlung berichten sollte. Da fragte doch im Lichte des drohenden Irakkriegs eine Frau aus dem Volke: “Wenn der Hüssein jetzt die Bombe schmeißt, wat mach ich mit all der Kartoffelsalat?”.
Das hätte ich gern im “Blatt” gesehen, wie sie von ihrer blauen Stirn berichtet hätte, die sie sich beim Klatschen auf die Tischplatte zugezogen hat.
Mein Anspruch (Journalisten haben da etwas Gröberes, das sie “Ethos” nennen lassen) befiehlt mir, nicht einfach unreflektiert und ohne Filter das alles auf den Blogteppich zu kotzen, was mir Deutschland.2009 so alles zu saufen gibt. Die Stoppersocken aus dem Bundestag etwa. Oder eine angezappte Talkshow, in der ein Montgomery sich wie aufgedreht darüber echauffiert, daß die AOK Ärtze von Patienten beurteilen lassen will – und das im Internet.
Patienten seien nicht “objektiv”, so sein Argument. Nur Ärzte könnten Ärzte beurteilen, das sei dann “objektiv”. “Objektiv” sagte er in den 90 Sekunden, die ich mir angetan habe, gefühlte 90 mal. “Objektiv”, das ist also, wenn die Lobby ihre Lobby lobt. Womit natürlich der notwendigen Kritik Genüge getan ist.
Genau so sehen sie sich, unsere Eliten. Zum Beispiel die Allerbesten aus der “vierten Kolonne Gewalt, die erst fünfstellige Summen einstreichen für ein bißchen Blabla bei Konzern X und Verband Y, um hernach umso objektiver über die Großen und Mächtigen zu “berichten”.
Was früher als “Korruption” galt, ist längst nicht nur alltäglich, sondern der Habitus derer, die sich für die Leistungsträger, die Elite und überhaupt das Gute schlechthin der Menschheit und des Universums halten.
Die “geistige Elite”, das ist tagesaktuell übrigens der “Frankfurter Zukunftsrat“. Und wenn ich mich noch vor einigen Tagen quasi provokativ gefragt habe, welcher Tank in Herrn Sloterdijk gefahren ist, so finde ich ihn heute in Gesellschaft von Honoratioren wie Oswald Metzger, Wolfgang Clement, Friedrich Merz und der ganzen INSM-neolibananen Gesellschaft, deren Geist fürwahr elitär ist. Exakt so elitär wie, Pardon, die hirnbefreiten Großmitmacher der Nazis. Solche Elite, das ist Auslese, und zwar unter strengstens sozialhierarchischen Bedingungen.
Die Machtstrukturen der BRD sind kompromisslos reaktionär, wer am Status Quo auch nur zaghaft rüttelt, gehört nicht dazu. Das widerliche Herrengedeck, das als “Politik” infolge “Wirtschaft” alternativlos kommunziert wird, firmiert unter dem Titel “Mitte”, als sei es nicht “rechts”, als sei “links” der Weg, der von der Erdscheibe abwärts führte, als sei jeder Denkversuch abseits des Irrsinns kriminell.
Dabei ist diese Ideologie blanker Extremismus. Wenn jemand Rum mit dem Etikett “Mineralwasser” verkauft, muß er sich schon darauf verlassen können, daß seine Kunden keine Nasen haben. Aber “Mitte”, das geht auf jede Flasche, egal welcher entfernten Galaxie der Inhalt entstammt. Immerhin werden die Flaschen der SPD jetzt ohne Pfandrückgabe auf dem Friedhof der unbekannten Parteisoldaten entsorgt. “Wir in der Mitte” steht am Eingangstor, als Untertitel ganz liberal “Jedem das Seine”.
Es ist kaum mehr zu leisten, angesichts dieser tragischen Farce nicht nur noch zu nörgeln, daß sie alle Verbrecher sind, Lügner und Betrüger, die Demokratie am Ende, daß alles nur noch blöder und schlimmer wird, alle Hoffnung geschwunden. Man könnte sich eine gemütliche Bank auf einem romantischen Friedhof suchen und warten, bis man dran ist.
Stattdessen immer wieder auf dem Hochseil tanzen, nur mit dem kleinen Zeh im Kontakt zum Draht, virtuose Clownerie bis zum unvermeidlichen Absturz?
Warum nicht? Ich bin Blogger, ich bin Gott!
12. Jun 2009 0:04
Ich habe mich lange mit Kritik zurückgehalten, was den neuen “Freitag” und dessen Online-Auftritt anbetrifft, aber angesichts des fahrigen arroganten Gequatsches, das Jakob Augstein im Interview mit der FR von sich gibt, halte ich das Wasser nicht mehr. Er sieht sich wohl als ganz große Marke in der Netzwelt wie im Journalismus, sieht die Sueddeutsche sterben, weil sie überflüssig wird, erfährt in der “Bild” hingegen “etwas über das Arbeitsleben der Leute oder über merkwürdige Beziehungssituationen” und will die Welt des Kuhjournalismus nicht den Bloggern überlassen – von denen er nach wie vor keine Ahnung hat.
Ich bin Herrn Augstein nie begegnet, aber das ist seine Schuld. Als ich im letzten Dezember mit zwei Bloggerkollegen in der Redaktion war, um über eine mögliche Kooperation zu sprechen, ließ er seinem Stellvertreter den Vortritt. Und selbst der bekam offenbar nicht einmal die allernötigsten Ressourcen zur Verfügung gestellt, um sich mit selbständigen Bloggern herumzuschlagen.
Ich war damals eingeladen worden, weil einer der Kollegen auf die Diskussion hier aufmerksam gemacht hatte, in der es um einen konzertierten Blogger-Auftritt für das “Superwahljahr” ging.
Beim “Freitag” fand man das spannend und hatte mit der “Wahlkampf-Arena” ein Projekt in Vorbereitung, das zu passen schien. Es wurde eingehend darüber gesprochen, es wurde geplant, es gab ein Wiki. Es gab viele Ideen, aber offenbar keine Ressourcen, um diese umzusetzen. Was davon beim “Freitag” noch übrig ist, wurde mir in einer Mail als “verschlankt” angekündigt. Es ist ein schlechter Witz und hat mit der Grundidee nichts mehr zu tun.
Ähnlich ergeht es mir mit den sogenannten “Blogs” des Freitag, die keine sind. Was groß als “Cross-Blogging” angekündigt wurde, findet nicht statt, einzig die Veröffentlichung von “Blog”-Beiträgen in der Printausgabe könnte den einen oder anderen eventuell locken.
Ansonsten habe ich nachhaltig den Eindruck, wir sollten dem “Freitag” möglichst für lau Content liefern – und dann noch auf die Rechte an unseren Texten verzichten. Zwar wurde zumindest einigen zugesichert, diese behalten zu dürfen, aber so recht kann ich nicht erkennen, was ich denn nun davon hätte.
So weit, so schlecht. Bis hierhin bin ich ein wenig hin- und hergerissen. Immerhin versucht die Redaktion etwas mit “Online” in einem bemerkenswerten Umfang. Das hebt ihren Auftritt wohtuend von anderen ab.
Andererseits sind sie noch meilenweit entfernt von einem Verständnis vom Bloggen, dessen Vielseitigkeit, Unabhängigkeit und Qualitäten. “Das können sie ja noch lernen”, dachte ich bislang.
Wenn aber nun der Oberchef und Eigentümer sich in einer Weise äußert, die ich bislang genau so von den verknöchtertesten Printen der Holzmedien kenne, schwindet die Hoffnung rapide. Auf die Frage der FR, welche Rolle den Bloggern zukünftig zukomme, antwortet Augstein:
“Also, ich war auf der “Re:publica”, wo ich mich auch mit einigen unterhalten habe. Das war ganz merkwürdig, denn die sollten doch eigentlich in ihrem Denken ganz vorne sein, aber die haben so geredet, als wären sie noch ganz hinten. Ich habe dort im Podium gesessen und die Leute gefragt: “Angenommen, ihr tragt bald das ganze Gewicht der vierten Gewalt, wenn jetzt die gesamte klassische Presse den Bach runter gehen sollte, wie von manchem prophezeit – seid ihr darauf vorbereitet? Habt ihr die Disziplin, habt ihr die Reife und die Professionalität dazu, könnt ihr das?”
Womit er zunächst einmal nicht antwortet. Die Frage war nämlich nicht die danach, was Blogger nicht sein werden. Ein Blogger hätte hier wohl zunächst korrigiert, daß es “die Blogger” gar nicht gibt. Noch weniger als “die Journalisten”.
Über genau diese aber hat Augstein gesprochen, über das, was er sich darunter vorstellt und warum Blogger – Überraschung! – keine sind. Und schon läuft der alte Käse wieder über den Tisch: Qualität, Disziplin, Professionalität, als seien das unveränderbare Kennzeichen des Journalismus, als gäbe es das alles nicht auch in Blogs. Vielleicht sollte Herr Augstein mehr lesen, das bildet.
Auf der re:publica lernt man im übrigen genau so viel übers Bloggen wie beim Berliner Presseball über Journalismus. Don Alphonso wird er dort schließlich auch nicht begegnet sein. Ist wohl auch besser so, zumal, wenn er ihn mit Sascha Lobo in einen Sack steckt. Das geht nämlich ähnlich gut wie Peter Hahne mit Sonia Mikich, aber wenn man nur weit genug weg ist, sehen schließlich alle gleich aus. Ich möchte auch diesen beiden keineswegs die Blogsphäre überlassen, aber das ist so banal, daß ich nicht darauf käme, es zu artikulieren.
Und am Ende ist es das, was mich nervt: Diese Banalitäten, aufgeblasen zur Alleskennerei, zum Onlinejournalismus 3.5, zur publizistischen Weltformel. Was der “Freitag” da macht, war eine gute Idee, deren Umsetzung allen Anlass zur Bescheidenheit gibt. Augstein aber tritt auf wie der bessere Holtzbrinck, der jetzt klare Online-Kante und es uns allen zeigt.
Das zeugt weder von Kompetenz noch von Lernbereitschaft. Das war nicht einmal gut gebrüllt, Löwe Bettvorleger.
01. Apr 2009 23:50
Manchmal werde ich alt. Es fällt mir dann schwer, mich aufzuraffen, um mich zu Sachverhalten zu äußern, die ärgerlich bis empörend sind, mich aber inzwischen beinahe kalt lassen, weil sie schon quasi Normalität sind. Als junger Mensch war ich noch fassunglos, wenn bei Demonstrationen friedliche Menschen niedergeknüppelt wurden und die ganze Presse von “Krawallen” und “Chaoten” sprach. Ich erinnere mich noch an eine Sendung in den 80ern über Brokdorf (“Monitor” wahrscheinlich), in der gezeigt wurde, wie jemand, der gerade aus seiner Wohnung gekommen und auf die Straße getreten war, von einem Polizisten zusammengeschlagen wurde. Das war schon damals die ganz große Ausnahme, gemeinhin wurde nur über randalierende Chaoten berichtet.
Heute Mittag habe ich Berichte von Menschen gehört, die in London von der Polizei eingekesselt wurden, nicht einmal zum Pinkeln die Szene verlassen durften und darauf ungehalten reagiert haben. Es kam in diesem Zusammenhang zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei.
Die Demo und der Krawall
Heute Abend lese ich fast nichts davon, es ist flächendeckend von Randale und Krawallen die Rede. Lediglich SpOn fällt auf merkwürdige Weise aus der Reihe: Nachdem ich am frühen Abend dort ebenfalls von Ausschreitungen las, gibt es jetzt einen ausgewogeneren Artikel. Die Bilder sind dieselben, der Text hat sich geändert.
Allerorten gibt es dazu bunte Klickstrecken. Information ist relativ irrelevant, Reiz ist angesagt.
Ich habe mich anlässlich des letzten G8-Gipfels noch deutlich zu bekloppten Kapuzenheinis und der willigen staatlichen “Gegenwehr” geäußert, heute frage ich mich schon, ob mich das selbst noch interessiert. Die Situation des Bloggers ist dabei paradox, zumal, wenn man das Thema “Seriosität” in diesem Kontext berücksichtigt. Blogs sind Meinungsmedien. Hier schreibt einer, der weder auf die Redaktion noch auf Verleger und Anzeigenkunden Rücksicht nehmen muß. Das führt häufig zu sehr deutlichen Äußerungen, die von den Machern anderer Medien genau deshalb gern als “unseriös” gebrandmarkt werden. Das ist schon deshalb als Pauschalität Unsinn, weil eben ein Mensch sich für sich selbst äußert und daher nicht sprachlich maskiert Meinung mitmacht, sondern das Risiko eingeht, daß die Leser einem das übel nehmen und nicht wiederkommen. Seriös ist hier derjenige, der sich an sein Geschwätz von gestern gern erinnert und sich der Kritik stellt. Daß es auch viele gibt, die mit ihrem Gepolter Clacqueure einfangen wollen, ändert nichts daran, es ist schlicht eine Aufforderung zu differenzierter Betrachtung.
Meinung ohne Affekt?
Ein Weiteres wird dem derart seriösen Blogger zum Problem: Setzt er eben nicht auf Affekt, wird ihm gewahr, daß er sich wiederholt, wenn er der ewigen Wiederkehr der Meldungen folgt. Er füllt nicht “das Blatt”, das tagesaktuell an den Mann gebracht werden muß, er veröffentlicht seine Meinung und kommuniziert mit seinen Lesern. Das Dilemma besteht darin, daß seriöse Blogger also vor der Entscheidung stehen, auch immer denselben Quark breit zu treten oder quasi schweigend auf ihr Archiv zu verweisen. Ausgerechnet Bloggern wird immer wieder vorgeworfen, sie betrieben Aufregungsarbeit und rotteten sich zu einer Herde wütender Chaoten zusammen, deren Vorurteile sich durch eine Masse unsachlicher Beiträge Aufmerksamkeit verschafften.
Was sollen sie aber tun? Wenn sie qualitativ hochwertigen Journalismus liefern wollen, wie wir ihn bei den professionellen Kollegen so schmerzlich vermissen, werden sie nicht mehr wahrgenommen. Während in den großen Redaktionen Rituale gepflegt werden, die als “News” verkaufen, was den trüben Tassen als kalter Kaffee längst zum zweiten Boden geworden ist, regiert am PC des Heimbloggers der blanke Zweifel: Was soll ich dazu noch sagen?” fragt er sich und schwankt. Zu verlockend ist oft die Möglichkeit, richtig auf die Kacke zu hauen und es dem Establishment entgegen zu schreien: Ihr seid korrupte Aasgeier, schreibt hirnlosen Mist voneinander ab und habt eine “Meinung” nur noch, wenn sie in das Antragsformular der Chefredaktion paßt. So wahr das oft ist, trifft es entweder die Falschen oder versackt in allgemeiner Systemkritik. Diese wiederum muß sich entweder zur Theorie auswachsen und verläßt die Sphäre des allgemeinen Interesses, oder sie richtet sich gegen ihren Urheber, weil sie dessen Sache nicht gerecht werden kann.
Das Dilemma der Blogger
Aus diesem Dilemma gibt es wenige Auswege, ein wirklich attraktiver ist nicht dabei. Stoisches Weitermachen ist einer. So tun, als schreibe man für den “Spiegel” und machte es besser, ist eine Möglichkeit. Aufklärung, die in Blogs mangels Aufmerksamkeit kaum jemanden erreicht, ist ein hartes Brot. Will man dann auch noch besagte Wiederholungen vermeiden, muß man einen Aspekt finden, unter dem man eine Sache noch nicht betrachtet hat und sich eben dazu äußern. Das kann im Einzelfall gelingen, aber es droht auch hier die Gefahr, zum Langweiler zu mutieren.
Selbst Themen zu setzen, kann großartig sein, geht aber notgedrungen meist am Weltgeschehen vorbei. Und schon wieder das Problem: Wie setzt man ein Thema, das die Leser nicht unmittelbar bewegt? Man entwickelt allmählich Verständnis für die “Kollegen”, die ihr journalistisches Tränengas in die Menge schießen, um Wirkung zu erzielen.
Am Ende bleibt die vage Hoffnung, durch eine besondere Qualität bestehen zu können, sei es die Sprache, besondere Sachkenntnis, schöne Fotos, gute Vernetzung, intime Kenntnisse einer Szene oder ähnliches. Obendrein ist das Ganze ein Null-Euro-Job, und nicht jeder träumt davon, für die FAZ bloggen zu dürfen. So verdammt hart ist der Job eines Bloggers, dem Seriostiät am Herzen liegt. Der nächste Journalist, der sich über die ach so unseriösen Blogger einen hobelt, möge daher einen Moment innehalten. Ihm sei dringend ans Herz gelegt:
Show some respect!
Ich bearbeite ja nun seit vielen Tagen mein WordPress-Theme, will heißen das Layout meines Blogs. Inzwischen ist erkennbar, wohin das gehen soll: Drei Spalten, Beibehaltung des Grunddesigns, alles ein bißchen breiter. Ich habe im Prinzip keine Ahnung von PHP, kann aber gut copy&paste, finde mich inzwischen halbwegs in die vorhandene css-Struktur ein und expiremntiere experimentiere fröhlich. Das Theme hier ist sehr komplex, und ich werde es vermutlich nie ganz durchschauen – wie auch, selbst ein html-Code, den man nicht selbst angelegt hat, führt gern zu Haarausfall.
Ich könnte ein völlig neues Theme laden und es bearbeiten, was aber ebensoviel Arbeit wäre, denke ich. Ich hoffe, es nervt nicht zu sehr, daß es hier täglich ein wenig anders aussieht, aber ich bin guter Hoffnung, in einigen Wochen damit fertig zu sein ;-) . Jetzt ist die Zeit reif für Anregungen und Geschmacksabfragen. Ist es wichtig, welche Teile der Navigation rechts oder Links stehen? Welche Funktionen sind wichtig, welche überflüssig, lädt die Startseite in akzeptablem Tempo? (Hier müßte ich evtl. auch mit meinem Provider reden, denn ich habe den Eindruck, das wird inzwischen wieder langsamer.)
Und bei dieser Gelegenheit noch eine Anmerkung zu den Kollegen, die sich scheinbar gar keine Gedanken über dergleichen machen: Es gibt ein halbes Dutzend Blogs, deren Texte mir gefallen, die ich aber nicht verlinke, weil sie für mich schlicht unlesbar sind. (Noch immer sehe ich den Sinn der Blogroll auch allem darin, diese selbst zu nutzen).
Wohlan, macht mein Gestümper nieder!
Da Artikel über Blogger ungemein resonanzwirksam sind, muß ich mich natürlich über Don Alphonso in der “FAZ” äußern. Überdies darf man sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, einem Bloggerkollegen “Verrat” vorzuwerfen, wenn dieser sich mit der Journaille einläßt. Zumal dann nicht, wenn es jemand ist, der anderen gern Hurerei vorwirft.
Ich mochte ihn ja noch nie. Ich fand ihn schon immer zu bourgeois. Nach der ersten Schrecksekunde, als ich sein Blog bei faz.net fand, dachte ich schon: Das kann passen. Don Alphonso ist gefühlt ebenso unsympathisch wie die FAZ, beide gehören bei mir zur Standardlektüre beim nächtlichen Überfliegen der Textöffentlichkeit. Beide lese ich deshalb, weil ich dort publizistische Qualität finden kann, die ich woanders nicht in dieser Form finde. So viel zu den Ähnlichkeiten.
Die Blogbar und der Rebellmarkt bereiten mir ungleich mehr Freude als die FAZ, über Don habe ich mich bislang nicht wirklich geärgert, während die FAZ aus Tradition noch immer gern reaktionär daherkommt. Die FAZ ist mir unsympathisch, weil sie sich von einer elitären Linie des Klassenkampfes nie gelöst hat, obwohl sie immerhin mit offenem Visier von oben herab auf die Welt blickt. Don ist nicht mir nicht persönlich unsympathisch, er gibt sich nur so, und das funktioniert hervorragend. Ich finde das recht angenehm, denn ich will nicht umschmeichelt werden, wenn ich lese. Ich will Meinung und Inhalt.
Zuletzt fiel mir Don Alphonsos tendenziell großbürgerliche Attitüde auf, als er von Büchern schrieb, die man in einem gewissen Umfang zu besitzen hätte, und ich war drauf und dran, ihn über Menschen zu belehren, die sich das nicht leisten können und daher Büchereien aufsuchen. “Was soll’s” dachte ich dann, man wird sich vermutlich einigen, daß es so nicht gemeint war, und es wird seine Sicht nicht ändern. Ein wenig erinnert mich der Rebellmarkt oft an Adornos “Minima Moralia” und wie dieser dort über Zugwaggons und Autotüren räsoniert, als hinge von der Etikette das Überleben der Kultur ab. Dies ist kein “Adornovergleich”, mich macht nur der Bruch schmunzeln, der in solchen Texten steckt: Der Versuch, das Richtige gegens Falsche in Stellung zu bringen, scheint bei manchen dazu zu führen, sich in den Widerspruch zwischen der Vision und dem “Guten” der Herkunft zu verwickeln. Solange es beim Symptom des Hätschelns der Symbole des eigentlich verachteten Status bleibt, sei’s geschenkt.
Nun also die FAZ. Die ersten Artikel erscheinen mir zahnlos, mal sehen, wie sich das entwickeln wird. Selbst einen gebremsten Don Alphonso erwarte ich mit Spannung, womöglich wird er noch charmant. Ungleich unterhaltsamer kann freilich ein deutlicher Don bei der noblen FAZ werden.
Generell freut mich das Experiment, das nicht das letzte seiner Art sein wird. Hier sind zwei zusammengekommen, die etwas versuchen wollen. Das wird Schule machen: Größere Medien und Blogger, sie sich beschnuppern, sich kennenlernen und ein Experiment wagen. Wie sonst sollte es gehen?
Wer weiß, vielleicht wird der Don sogar davon Abstand nehmen, das von mir so gehegte und gepflegte “ß” brutal zu meucheln und ihm wenigstens nach langen Vokalen und Diphthongen eine neue Chance geben.
06. Jan 2009 0:33
Ich habe es schon so oft gesagt: Die dusselige Pflicht, Schnee von den Wegen zu räumen, führt zu Unfällen. Auf Schnee kann man sich vielleicht nicht komfortabel bewegen, aber der überfrorene Bodensatz, den geräumter Schnee hinterläßt, ist glatt wie Eis.
Nachdem ich heute meiner heiligen Pflicht im Rahmen meines Dienstes für Geld und an die Menschheit nachgekommen war, verließ ich meine Einrichtung über die Treppe, von der ich zuvor den Schnee gekratzt hatte. Ich war quasi auf dem Heimweg und wollte noch zum Schuppen, um Streusalz für den Treppenaufgang zu holen (jaja, das hätte ich sofort tun sollen), als ich plötzlich quer in der Luft lag und dann mit dem Rücken auf der Steintreppe aufschlug. Etwa zwei Minuten später konnte ich wieder halbwegs atmen. Eine Rippenprellung war bislang nicht in der reichhaltigen Sammlung leichter Verletzungen, die meine Biographie zieren, aber ich kann euch sagen: Laßt das! Es macht überhaupt keinen Spaß. Liegen geht gar nicht, weshalb ich mich heute Nacht an die Wand lehnen werde und derart versuchen will, meinen Schlaf zu bekommen.
Heute also wieder jammern auf niedrigem Niveau und eine doppelte Lese- und Hörempfehlung vom geschätzten Kollegen Jens Berger.
19. Dez 2008 0:18
Da es völlig aussichtslos ist, dem journalistischen Formfleisch und der kaltgepresst-öligen Öffentlichen Meinung von Seiten unabhängiger Publizisten etwas entgegenzuhalten, das auch nur annähernd Relevanz gewinnt, ist es an der Zeit, die Tatsachen anzuerkennen. Es gibt keine Gegenöffentlichkeit. Dieses und ähnliche Blogs werden nur von Menschen gelesen, die ohnehin wissen, daß sie täglich belogen werden. Machen wir uns nichts vor: Etwas zu erreichen, auch nur jemanden zu erreichen, der außerhalb eines elitären Dunstkreises sein Dasein fristet, ist pure Illusion. Wozu dann der Aufwand? Man macht sich im Grunde nur lächerlich.
Nein, das ist nicht wirklich mein Ernst, aber ich brauche ein wenig Futter. Stimmt das da oben nicht im Grunde? Wo ist der Sinn, gibt es eine Hoffnung, die ich noch nicht entdeckt habe? Der Satz “Es gibt keine Gegenöffentlichkeit” ist zumindest sehr nahe an der Wahrheit. Ich sehe nicht einmal das Licht am Ende des Tunnels. Zwar habe ich kein Problem damit, mich lächerlich zu machen, aber ich sehe die Lage durchaus recht düster. Ihr nicht? Ja? Nee? Ja? Gebt’s mir, sagt was!
25. Nov 2008 0:59
Ob Blogger Journalisten sind, kann man in Deutschland derzeit nicht fragen. Zu viele Kuhjournalisten wissen, daß erst der Presseausweis den Mann und der Verlag die Qualität ausmacht. Zu viele Blogger wehren sich gegen das Mißverständnis, ihnen läge etwas daran, von einer arroganten Minderheit von Schreibern als Menschen anerkannt zu werden.
Die Eingangsfrage ist da spannender. Wenn Konrad Lischka bei SpOn feststellt, der Fall Zwanziger sei “ein Beispiel für die Chancen von Bloggern, Öffentlichkeit zu schaffen“, ist das mehr Symptom des bestehenden Verhältnisses als ein Zeichen von Offenheit. Die Formulierung ist ungeschickt, Blogger müssen nicht über ihre “Chancen” belehrt werden. Es ist ja auch kein Beispiel für eine Chance, sondern für ein Phänomen, das nicht zu leugnen ist: Es gibt eine noch kleine Öffentlichkeit, die sich nicht von Verlegern, Redaktionen und Anzeigenkunden deckeln läßt. Die Arroganz, mit der manche Lobbyisten (ihrer selbst) in manche Redaktionsstube einfallen, hat hier draußen keine Chance. Wo Journalisten der Mut fehlt, sind Blogger bisweilen eher übermütig, vor allem aber widerborstig. Ein Journalist läßt sich für seine Meinung und allzuoft für die Wahrheit abwatschen, Blogger eben nicht. Der alltägliche kleine Skandal abhängiger Meinungsmacher bricht sich über das Medium Blog bahn. Kein Journalist wagt es, über Bevormundung in seiner Redaktion zu schreiben – es würde ja eh nicht veröffentlicht. Über den Umweg der Blogsphäre dürfen Journalisten hingegen über derartiges berichten. Daß SpOn in der besprochenen Affäre als “Blogger” wieder einmal nur Journalisten erwähnt, die Blogs betreiben, verkürzt ganz nebenbei die Sicht auf “die” Blogger. Sie wissen noch immer nicht, mit wem sie es in Zukunft wirklich zu tun haben werden.
Eine ähnliche Tendenz weisen die Ausführungen von Eric Alterman im Interview mit der Sueddeutschen auf. Er weist auf die Probleme des Printjournalismus hin und zeigt hintergründig auf, wie Journalismus zwischen Nachrichtenarbeit und Finanzierungbedarf zum Drahtseilakt wird. So recht fällt ihm auch nicht ein, wie der Journalismus in Zukunft seine Demokratie erhaltende Funktion noch ausfüllen soll. Daß derzeit aus wirtschaftlichen Gründen gute Leute arbeitslos werden und was sie in Zukunft tun könnten, legt er so dar:
“SZ: Was wird aus all den erstklassigen Journalisten, die demnächst entlassen werden?
Alterman: Einige werden beruflich überleben, wenn sie ein professionelles Blog gründen. Sie können mit Blogs sogar Geld verdienen, weil aufgrund Ihrer fachlichen Expertise und hoher Nutzerzahlen Werbegelder fließen werden. Aber dieser Markt ist begrenzt. Die meisten werden dem Journalismus wohl den Rücken zukehren. ”
Letzteres ist eine Schande angesichts derer, die weiter gutes Geld mit schlechtem Journalismus machen werden. Was die zukünftigen Blogger angeht, verharrt er zu sehr im status quo. Ob sich wirklich Geld mit Bloggen verdienen läßt, sei dahingestellt. Die strikte Trennung von Printmedien mit angeschlossenen Online-Auftritten hier und Blogs dort wird sich aber nicht aufrecht erhalten lassen. Die Zukunft wird anders aussehen. Wenn “Print” aus Geldmangel nicht völlig untergehen soll, weil sich nur noch Titten-und Hitlerjournaille verkaufen läßt, muß es einen dritten Weg geben. Eine Kooperation von noch-Bloggern und noch-Journalisten bis hin zur Unkenntlichkeit der Clubfarben und völlig neue Formen der medialen Öffentlichkeit werden die Zukunft sein. Was der Journalismus an Nachrichtenbeschaffung und halbwegs massenverständlicher Aufbereitung zu bieten hat, wird sich mit der Leidenschaft unbeugsamer Netzbewohner paaren müssen, um eine lebensfähige res publica medial zu organisieren. Bis es so weit ist, müssen viele unbelehrbare Schlipsträger und Nerds abtreten und wir alle noch verdammt viel lernen.
15. Nov 2008 16:03
Die Kommentare verteilen sich inzwischen wild auf die einzelnen Artikel, zuletzt hat Ulysses einen recht interessanten Vorschlag gemacht, und zwar unter dem ersten Artikel.
Ich selbst versuche, mich an Vorbereitungen für eine noch unausgegorene Sache zu beteiligen und werde mich dazu äußern, wenn das Früchte tragen sollte. Der Beitrag “Geplättet” versteht sich übrigens als vorläufige Zusammmenfassung der Diskussion, eine eingehendere Analyse hatte ich nicht vor, das kann kann aber gern jemand nachholen – vielleicht im eigenen Blog oder einem Forum.
Weitere Kommentare bitte ich sinnvollerweise unter diesem Artikel zu hinterlassen, falls die Diskussion noch weitergehen sollte.