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März 2012


 
wettEin Vehikel des Neusprechs, das dringend zum Gegenstand nachhaltiger Kritik werden muss, ist der sogenannte “Wettbewerb”. Er klingt nett, erinnert an “Wettrennen” und lässt sich gern mit Begriffen wie “fair” in Verbindung bringen, womit er einer der Kernforderungen neoliberaler Konzepte folgt: Es sei ausschließlich positiv über kapitalistisches Wirtschaften zu sprechen. Zuvor war häufig noch die Rede von “Konkurrenz”, die “hart” und “brutal” sein kann und deutlich macht, dass es Verlierer gibt, die ausscheiden.

Einerseits “internationale”, “globale” Bedrohung, ist er aber “Anreiz”, Ansporn zu bestmöglicher “Leistung” im “Vergleich”, dem ‘wir’ standhalten müssen – was ‘uns’ immer wieder gelingt, als “Exportweltmeister”. Das ist wie im Fußball. Resultat solcher Konkurrenz ist das Gute für alle: “Aufschwung”, “Wohlstand”, “Wachstum”.
Hört man regelmäßig vom “Ausschalten”, “Vernichten”, “Zerstören” der Konkurrenz und der gemeinsamen Ressourcen? Von “kontraproduktiver Konkurrenz” etwa, “Ungerechtigkeit”, “Ausbeutung” und “unmenschlicher Atmosphäre”, von “asozialem Kapitalismus”?

Soziopathen am Werk

Wie im wahrsten Sinne irre das Verhalten derer sich gestaltet, die im Zentrum ökonomischer Konkurrenz ihre Soziopathien ausleben, das zeigt eine aktuelle Studie. Dass gnadenlose Konkurrenz einer Gesellschaft nicht dienlich sein kann, wissen diejenigen schon lange, die noch selbst denken dürfen. Dass aber offenbar nicht einmal mehr der eigene Vorteil im Vordergrund steht, sondern im Zweifelsfall zuerst der Nachteil der anderen, ist eine Erkenntnis, die Bände spricht. Zudem erweist sich diese Strategie nicht als erfolgreich, wird aber dennoch befolgt. Kein Wunder, dass diese Deppen dauernd Steuergelder brauchen, um ihre Spielchen zu finanzieren.

Selbst freie Verhandlungen zwischen Profiteuren und Zuträgern stellen in dieser Welt ein Hindernis dar, das überwunden sein will. Wo man die Gewerkschaften also noch nicht gänzlich zur Interessenvertretung der Arbeitgeber umgepolt hat, die ständig für Lohnsenkungen kämpfen, weht ein noch rauherer Wind. Am liebsten würde man Arbeitnehmerrechte ganz abschaffen. Dazu ist nicht nur die ‘Gesetzgebung’ aus der Feder des VW-Managers Hartz hoch willkommen, mit der man Arbeitslose in prekäre Arbeitsverhältnisse treibt. Da ist auch jede Methode recht, Arbeitnehmervertretungen zu korrumpieren und zu zerschlagen. Am besten noch ehe sie entstehen. Das müssen wir uns einmal genauer anschauen: Wie sollen wir im globalen Wettbewerb bestehen, wenn wir Gewerkschaften zulassen?

Bis alles in Scherben fällt?

Eine Basis, auf der die Verklärung dieser Zustände zum Paradies ‘soziale Marktwirtschaft’ beruht, sind das semantische ‘Zuckerbrot und Peitsche’ der Ideologie: “Vollbeschäftigung” vs. “Arbeitsplatzvernichtung”. Wenn eine Kette wie Schlecker pleite geht, wird so getan, als sei diesem grandiosen “Arbeitgeber” eine Träne nachzuweinen. Wenn die Machenschaften von Lidl immer wieder Thema sind, sagt niemand: “macht den Laden dicht!”, denn dass hieße ja – Schock, Horror, Schreck – dass Arbeitsplätze verschwinden.

Welch ein Unsinn! Was verkauft wird, deckt einen Bedarf (und sei es ein künstlich geschaffener). Wer glaubt, dass die Menschen Waren kaufen, bloß weil die billig sind? Der erlogene “Wettbewerb” fußt auf solchen Nonsensargumenten, um die Löhne zu drücken, damit die Gewinne höher ausfallen. Dieser Weg, auch das ist kein Geheimnis, führt zur Verarmung der Massen, zur Austrocknung der Binnenmärkte, zu volkswirtschaftlichem Schaden, zur Monopolisierung, weil nur noch wenige Großunternehmen in diesem Klima bestehen können. Eine brutale dumme Verdrängung und Vernichtung wirtschaftlicher Vielfalt. Das ist der Wettbewerb®

Wir müssen nicht wieder warten, bis alles in Scherben fällt. Wir können uns heute mit dieser brutalen Ideologie, ihren Urhebern und den Folgen auseinandersetzen. Die Propaganda eines Systems, das Menschen verachtet und als Material zur Gewinnerzielung betrachtet, kann man schon aktuell einem gerechten Urteil zuführen. Ich plädiere daher für eine umfassende Gegenwartsbewältigung.

 
merkddrSie haben es “Demokratie” genannt und waren der Meinung, wenn man dem Volk nur lange genug eintrichterte, es selbst sei der Souverän und nicht die herrschende Oberschicht, Politik sei etwas anderes als korrupte Machtausübung, dann würde es das schon irgendwann glauben. Damit hatten sie nicht einmal ganz unrecht. Die Mehrheit hat sich schon immer irgendwie eingerichtet, solange sie nicht hungern musste.

Dazu gehört auch schon immer das Nachplappern der systemtragenden Reklame, die auf Plakaten, in den Medien und von den sogenannten “Volksvertretern” im Sinne der Herrschenden wieder und wieder aufgelegt wird. Mehr noch: Wer sich offen dagegen stellt, die so nachhaltig eingeübten Slogans als dumme Propaganda abtut, wird nicht ernst genommen, denunziert, ausgegrenzt. Eine “Freiheit der anderen” findet nicht statt. Wo sie sich eindeutig gegen das bestehende System richtet, wird bespitzelt und kriminalisiert.

Systemkritik wird nicht geduldet

Die Parteienlandschaft, ein Witz. Eine Handvoll Parteien in den sogenannten “Parlamenten”, die aber alle dieselbe Weltsicht verbreiten. Von ihnen kommt niemals grundlegende Kritik, die sich auch nur gegen die ewig gleichen Parolen wendet. Von ihnen kommt überhaupt gar nichts Substanzielles, nur die Verwaltung des Status quo, das Abwehren echter Veränderungen, die schiere Reaktion.

Und wenn es doch mal einer wagt, sich gegen die Programmierung der Parteispitze, der Einheitsfront und der Staatsführung zu stellen, wird er entweder ausgespuckt oder als Feigenblatt verwendet für eine Freiheit, die es nicht gibt. Es ist dann eine ‘Kritik’, die im Rahmen der Ordnung geduldet wird, weil sie nichts ändert. Innen-wie außenpolitisch werden nur die ‘Wahrheiten’ des Systems zugelassen, zu denen auch eine blinde Treue zum großen ‘Bündnispartner’ gehört, dem jedes Verbrechen noch als Wohltat ausgelegt wird, als ‘Notwendigkeit”. Und das nennt sich dann “Deutsche Demokratische Republik”!

Nichts als Zustimmung

Wieso kam eigentlich bis heute niemand auf die Idee, aus der Erfahrung der DDR zu schließen, dass Demokratie etwas ist, das entschieden zu bekämpfen wäre? Schließlich hieß der Staat nicht “Deutsche Sozialistische Republik”, und es gab nicht einmal eine “Kommunistische” Partei. Und wenn es denn die oben aufgeführten Aspekte gesellschaftlicher Wirklichkeit waren, die entschieden antidemokratisch sind, warum werden dann nicht dieselben Maßstäbe an die BRD angelegt? Bis zum letzten Satz im zweiten Absatz hat doch jeder gedacht, von der wäre die Rede.

Ebenso wie ja die neulich zitierte Passage aus dem ‘kommunistischen Manifest’ klingt, als beschriebe sie aktuelle Zustände. Gibt es überhaupt noch Kategorien, in denen der politische Diskurs erfasst werden kann oder gilt tatsächlich nur noch die Bestätigung der gegebenen Verhältnisse? Haben wir überhaupt noch die Sprache, in der wir etwas anderes formulieren können als Zustimmung ?

Der herrschende Antikommunismus, der ja nicht bloß ein solcher ist, sondern der Kampf gegen jede fundierte Kritik am Kapitalismus, entblößt ein stilles Einvernehmen mit den Funktionären der DDR und ihrer Ignoranz. Das erklärt auch, warum die so nahtlos weiter Karriere machen konnten, wenn sie bloß dem “Sozialismus” abschworen. Es ist das Verständnis von “Demokratie” als Herrschaft einer Elite, die sich Zustimmung verschafft. Letzteres besorgt sie in einem Ritual, bei dem gar nicht vorgesehen ist, dass die ‘Eliten’ abgelöst werden. Es ist die Simulation einer “Demokratie”, in der das wichtigste politische Element fehlt: Die Alternative.

 
Der Liberalismus leitet das Privateigentum aus dem Selbstbestimmungsrecht des Menschen und aus dem Naturrecht auf Selbsteigentum des Menschen an Leib und Leben sowie an den Früchten seiner Arbeit ab. Legitimationsgrund des privaten Eigentums ist also vor allem die persönliche Leistung.

Bundesministerium der Finanzen.

Dieser ungefilterte Unfug steht wortgleich im “Lexikon” der INSM. Ich habe diesen Satz bereits vor einigen Jahren kommentiert, als er noch nicht offizielle Doktrin war.. Die Quelle wird ebenso wenig genannt wie der Preis, den die neoliberale Lobby für die Übernahme des Ministeriums gezahlt hat.

Dank an R@iner.

 
Ihr entsetzt euch darüber, dass wir das Privateigentum aufheben wollen. Aber in eurer bestehenden Gesellschaft ist das Privateigentum für neun Zehntel ihrer Mitglieder aufgehoben, es existiert gerade dadurch, dass es für neun Zehntel nicht existiert. Ihr werft uns also vor, dass wir ein Eigentum aufheben wollen, welches die Eigentumslosigkeit der ungeheuren Mehrzahl der Gesellschaft als notwendige Bedingung voraussetzt.

Man hat eingewendet, mit der Aufhebung des Privateigentums werde alle Tätigkeit aufhören, und eine allgemeine Faulheit einreißen.

Hiernach müsste die bürgerliche Gesellschaft längst an der Trägheit zugrunde gegangen sein; denn die in ihr arbeiten, erwerben nicht, und die in ihr erwerben, arbeiten nicht.

Manifest der Kommunistischen Partei”, 1848

kinako

Die Gutmenschen machen einem das Leben zur Hölle. An jeder Ecke stehen sie und lamentieren, lichterketteln oder helfen wehrlosen Rentnerinnen über die Straße, ohne sich lange zu erkundigen, ob die überhaupt dorthin wollen. Sämtliche Medien halten sie fest im Würgegriff ihrer political Correctness und schreiben uns allen minutiös vor, was wir tun, sagen und denken dürfen.

Ewig liegen sie uns in den Ohren mit der angeblich grassierenden Armut, wobei “Kinderarmut” natürlich am besten wirkt, ein klassisches Affektthema, das sich wunderbar bebildern lässt. Kleine Menschlein mit tellergroßen Augen und dem sprichwörtlichen Hunger im Blick – wobei sie vermutlich gerade um die dritte Tafel Schokolade betteln. Dabei ist hierzulande wie in vielen anderen entwickelten Staaten das Problem völlig hausgemacht.

Den Standort sichern

Die überbordende Bürokratie, mit der sie sich stets im Bunde wissen, beschert uns ja nicht bloß die furchtbarsten Standortnachteile im internationalen Wettbewerb, sie wirkt sich auch unmittelbar unsozial aus auf das Leben derer, die angeblich Not leiden und schon als “arm” gelten, wenn sie sich nicht alle paar Wochen eine neue Waschmaschine leisten können [via Klaus Baum].

Dabei könnte das Problem sehr einfach gelöst werden, wenn der wirtschaftliche Nachteil “Kind” als Ressource genutzt würde anstatt den Nachwuchs zur Belastung werden zu lassen. In den Schwellenländern wird ganz selbstverständlich so verfahren, und es ist ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis wir endlich einsehen, dass wir uns solche Nachteile gar nicht leisten können, wenn der Standort Deutschland bei fortschreitender Globalisierung bestehen will.

Wer Kinderarbeit verbietet, nimmt Kinderarmut bewusst in Kauf. Jeder, der ökonomische Zusammenhänge ohne die Tabus einer linken Ideologie betrachtet, erkennt das als zwingend logisch. Es ist an der Zeit, dass die Bundesregierung handelt und endlich mutige Reformen einleitet, anstatt sich von der linken Meinungsindustrie am Nasenring führen zu lassen.

 
Von allen zynischen Vehikeln des Neusprechs ist das der “Vollbeschäftigung” eines der dümmsten. Es wird gern hervorgeholt, wenn inmitten der Trümmer einer Gesellschaft die Mittel der Sklavenwirtschaft forciert werden, um noch mehr für noch weniger zu realisieren. Die schiere Menge der Beschäftigungsverhältnisse wird der verschwiegenen sozialen Realität gegenüber gestellt und mit Zwangsapplaus vom Band schmackhaft gemacht. Propaganda ist in allen Systemen gleich ekelhaft, und das ist halt die für uns vorgesehene.

            sponbillig

Der methodische Nonsens beginnt schon damit, dass eine bestimmte Arbeitslosenquote – die immer noch Millionen umfasst – einfach zur “Vollbeschäftigung” erklärt wird. Heute sind es fünf, was dann schon bei sieben anfängt, weil sieben ja ungefähr fünf sind. Morgen können es auch zehn sein, was dann auch zwölf sein dürfen. Schon quantitativ ist das Willkür und Beliebigkeit. Von der Qualität der Arbeit mal ganz zu schweigen. Es ist so einfach: Wenn alle Arbeitslosen in Arbeitslager gesteckt würden und vielleicht eine symbolische Entschädigung bekämen, wäre das auch Vollbeschäftigung. Sogar echte. Es sagt nur nichts, absolut nichts über die Verhältnisse, in denen Lohnabhängige ihr Leben fristen.

Noch viel weniger sagt es über die Verteilungsmodalitäten. Wer wofür was und wieviel bekommt. Und es ist sicher wie das Amen in der Kirche, dass die Vollbeschäftigung, für die da die Trommel geschlagen wird, noch mehr Ungleichheit bringen wird, noch mehr Elend trotz Arbeit, noch höhere Gewinne und noch mehr Konkurrenzdruck.

Nichts davon ist wahr

Womit wir bei dem sind, wovon schon gar nicht die Rede ist: Dass nämlich die Magerkost, mit der sich deutsche Arbeiter abspeisen lassen, unmittelbar das Elend derer noch vergrößert, die in gleicher Währung teurer produzieren. Diejenigen, die früher von Teilen der neoliberalen Einheitsfront als “Brüder” und “Genossen” bezeichnet wurden. Die nicht einmal mehr unterbezahlte Jobs bekommen, weil diese postmodernen Sklaven nicht effizient genug arbeiten. Denen obendrein ihre Unterlegenheit durch sogenannte “Schuldenbremsen” noch zementiert wird, damit sie niemals aufholen. Dafür müssten sie nämlich investieren und neue Wege gehen. Das soll verhindert werden.

Ein Jammer, dass die FR auf das Niveau gesunken ist, auf dem solche Slogans zum Aufmacher taugen. Es wird ihr schaden. Womöglich ist auch das die Absicht eines Autors, der völlig unkritisch die abgedroschenen Stereotypen einer “Unternehmensberatung” übernimmt. Vermutlich zahlt sich das kurzfristig aus, wie das bei Korruption eben üblich ist.
Ich halte im übrigen dagegen. Wir stehen vor einem Desaster, das keineswegs vor Deutschland halt machen wird. Und wir werden das auch 2015 bereits merken. Die meisten von uns. Die Propagandisten natürlich nicht. Die werden weiterhin von blühenden Landschaften und der besten aller möglichen Welten künden.

Es ist zum Totlachen. Das sitzen Leute in einem Parlament, was darauf hinweist, dass sie zum Parlieren, zum Reden dort sitzen, und die meisten von ihnen sind rhetorische Blindgänger, denen zuzuhören niemandem freiwillig einfiele. Na gut, könnte man denken, dann hecken sie eben dort ihre Intrigen und abgekarteten Entscheidungen aus. Dazu müssen sie nur entsprechende Vorlagen einbringen und einen pro Fraktion haben, der die Geschäftsordnung gelesen und verstanden hat. Aber nicht einmal das kriegen sie hin. Politischer Selbstmord wegen völliger Inkompetenz ist die Diagnose, zumindest was die FDP anbetrifft.

Das haben sie so schlau ausgekungelt: Zweimal Nein sagen zum Haushalt, um in der dritten Lesung dann doch ja zu sagen und so zu tun, als hätte man noch entscheidende Verbesserungen eingebracht. Zu dumm nur, dass es unter den gegebenen Umständen keine dritte Lesung braucht, weil der Haushalt bereits durch die zweite Lesung endgültig abgelehnt ist.

Was sind das für Dumpfschnorchel, die so etwas nicht wissen und dadurch Neuwahlen herbeiführen, die sie sicher ins Nirwana befördern werden? Man weiß wirklich nicht, ob man weinen oder lachen soll. Immerhin siegt ein Mal im Leben dasselbe über die Doofheit.
Leider aber nicht über ein erbärmliches Kalkül, das im Bewusstsein fehlender Inhalte nur noch nach der großen Zahl schielt, nach mehr Prozenten, mehr Posten, mehr Wahlkampfkostenerstattung.

Das ist gar kein Film

Da ohnehin GrüneCDUSPFDP dieselbe Ideologie mit denselben fünf Schlagworten anpreisen, also eine Frage des Wählerwetters. Das kann man kurzfristig halbwegs prognostizieren und seine Spielchen danach gestalten. Unter dem gemeinsamen Rettungsschirm regnet es nie, weil das Volk die Neoliberalen stets abstraft, indem es die Neoliberalen wählt. Die Geschmacksrichtung ist schon nicht mehr unterscheidbar, gerade noch die Farbe. Ich habe noch nie verstanden, wie man billiges Wassereis lutschen kann und sich dabei vormachen, das schmeckte nach Früchten.

Die Piraten freuen sich über die guten Aussichten und scharren schon mal mit den Kontokarten. Hmm lecker, ein Landtagsmandat! Sie werden bislang einigermaßen schonend behandelt, ganz so, als sei es den Alten recht, wenn harmlose Freaks ohne Konzept und Potential als Protestsymptom auflaufen. Für ein paar Dollar mehr kriegen wir die locker in den Griff, das sind Leute, denen man eine Karriere zutraut. Die wird man bestimmt in eines der wichtigsten gemeinsamen Projekte einbinden können: Alles außen vor zu halten, was auch nur annähernd links riecht. Wenn es dann noch gelingt, die Kommunisten unter 5% zu halten, hat sich das Opfer der FDP vielleicht sogar gelohnt.

Ich würde gern ein Weilchen den Beratungen der Fraktionen zuhören. So eine Innenansicht, die ihre Bilder völlig unbeleckt von Realität und Bewusstsein produziert, ein angestrengtes Tüfteln und Klüngeln um vermeintlich geniale Strategien, die allesamt, Pardon, idiotisch sind. Tragikomisch über jede Schmerzgrenze hinaus und ein Bollwerk, eine wahre Brandmauer gegen Sinn und Verstand.
Ein paar Minuten lang wäre das sicher sehr amüsant. Bis man dann feststellt, dass das gar kein Film ist, sondern die ‘Wirklichkeit’ der politischen ‘Elite’; der demokratisch gewählten Volksvertreter®.

Das, was derzeit geschieht, ist so abstoßend, eine solche Werbung gegen Europa und für Politikverdrossenheit [...] ich verfolge es nicht mehr.

Dies ist aus dem Gedächtnis zitiert eine Aussage von Egon Bahr, den ich eben bei “Thadeusz” gesehen habe. Er sagte außerdem:

Angela Merkel ist die Schülerin Kohls. Sie hat alle aus dem Weg geräumt, die ihr hätten gefährlich werden können.
(ebenfalls aus dem Gedächtnis zitiert, der Wortlaut kann geringfügig abweichen.

Es gibt gute Gründe, dies zu zitieren. Zunächst finde ich mich im Ersteren deshalb wieder, weil es mir immer wieder schwer fällt, dem Treiben der ‘Eliten’ zu folgen. Mit dem Wort “abstoßend” ist das schon recht gut getroffen. Es hat eine Menge mit Disziplin zu tun, wenn ich hier am Ball bleibe, vielleicht auch mit Zwangsverhalten, jedenfalls häufig mehr mit Leiden als mit Leidenschaft. Oft lese ich ja, hier würde nur geredet, aber die Alternative dazu wäre die Kapitulation vor einem Betrieb, der schon zu viele so anwidert, dass sie sich zurückziehen. Die Dokumentation einer anderen Sicht der Dinge ist mühsam, manchmal aufzehrend. Solcher Widerstand ist harte Arbeit, nicht bloß Gelaber.

Alles nur Gelaber

Jeder darf seine Meinung frei äußern. Dass aber eine, die vom Mainstream abweicht, nicht nur zu weitgehender Wirkungslosigkeit verdammt ist, sondern dadurch als unterdrückt gelten darf, ist physisch spürbar. Man muss auf sich aufpassen, wenn man nicht endgültig mürbe werden will. Dieses Geschäft kann keiner verstehen, der mit den Wölfen heult oder sich eine gut dotierte Nische als Quotenkommentator und Gelegenheitsabweichler eingerichtet hat. Das einzige, das mich mit solchen ‘Journalisten’ verbindet, ist der Horror, im immer Gleichen der eigenen Irrelevanz zu ersaufen.

Egon Bahr war gelernter Industriekaufmann und ist nach dem Krieg erst Journalist geworden und dann Politiker. Was immer man über ihn denken mag, er hatte stets seinen eigenen Kopf, seine eigene Überzeugung, eine Meinung. Wenn so jemand “meine Meinung” sagt, dann lügt er nicht. Über wen, zumal in den Zünften berufsmäßiger Meinungsproduzenten kann man das sagen? Was er über Merkel sagt, ist keine große Weisheit. Aber fast alle der Gesättigten, die ohne Angst vor relevanten Repressionen die Gelegenheit hätten, solche Wahrheiten auszusprechen, verkehren sie routiniert ins Gegenteil.

Freiheit ohne Wert

Was ist eine “Freiheit” wert, von der niemand mehr Gebrauch macht? Was hilft eine Stimme, die niedergebrüllt wird oder – was die Sache gänzlich unerträglich gemacht – im Jubel und Gejohle der hysterischen Masse Halbgescheiter untergeht?

Es ist die Zeit des Förderns und Forderns. Gefördert wird alles, was die Idee einer Demokratie im Keim erstickt. Mitmachen, ducken, gehorchen. Ängstlich und folgsam Repressionen ausweichen und gierig nach den Leckerlis schnappen, die einem als ‘Lohn’ verabreicht werden. Tun, was alle tun; sagen, was alle sagen.

Gefordert wird der Verzicht, zuallererst auf die eigene Würde, auf die Anerkennung als Souverän seiner selbst. ‘Eigenverantwortung’: Sich ja nicht auffangen zu lassen, wenn man schwach ist. Schwäche als Schuld anerkennen. Die eigene Stärke aber, zu wissen, was man will, was man nicht will, was man nicht mitmacht, gilt als ‘Anspruchshaltung’. Das muss ‘sanktioniert’ werden, mit Hunger bedroht. In Zeiten, als Demokratie noch ein Modell war, nannte man so etwas Unterdrückung.

Das ist so abstoßend, ich würde gern sagen, dass ich es nicht mehr verfolge. Was hilft es; es verfolgt mich.

 
bosch

Eine “imitierte Eucharistiefeier” lässt die Religionspolizei des Vatikans auf den Plan treten, die bereits intensiv die Verdächtigen verhört hat.
Man muss hier wissen, dass das Verabreichen einer Oblate unter den Bedingungen einer katholischen “Messe” zur “Transsubstantiation” führt, die Oblate sich also in Fleisch verwandelt. Fleisch von der Leich des Heilands. Auch der Wein wird zu Blut, aber das darf nur der Schamane trinken, der die Zauberformel spricht.

Wenn nun also Unbefugte das Ritual vollziehen, kann Schlimmes passieren: Das Fleisch kann erheblichen Qualitätsverlust erleiden, das Blut womöglich den falschen Gerinnungsfaktor haben oder sogar erhöhte Hämatokritwerte aufweisen. Leistungssportler etwa bringen sich damit in Teufels Küche. Und eben auch die Teilnehmer am illegalen kannibalischen Zeremoniell. Wer nämlich spirituelles Gammelfleisch sich verschafft und im Umlauf bringt oder gar vorsätzlich verköstigt, wird im günstigsten Fall mit einigen tausend Jahren Fegefeuer bestraft. Dies gilt allerdings nur in Verbindung mit der Todsünde einträglicher Zinsgeschäfte.

Harte Konkurrenz

Wer letztere nicht nachweisen kann, den erwartet ewige Verdammnis ohne Aussicht auf Bewährung oder Begnadigung. Der Statthalter Gottes, seines Sohnes, dessen Mutter und seines besten Kumpels spricht in der Regel das entsprechende Urteil und “exkommuniziert” die Delinquenten. Denen bleibt dann nichts anderes übrig als die Transsubstantiation in einen ewig schmorenden Satansbraten. Es sei denn, sie schließen sich einer anderen Sekte an. Zum Beispiel den Baghwanis oder Schalke Nullvier. Die sind posthum nicht ganz so unentspannt, vögeln ungehemmt und ungestraft oder saufen wenigstens wie die Henker. Komische Lieder singen sie auch dabei.

Wir (im Sinne von “Papst”) sind also im Dilemma. Einerseits ist die strenge Einhaltung skurriler Regeln ein Alleinstellungsmerkmal unserer Amtsleitung, andererseits können unsere zahnlosen Hunde die ganzen Schäfchen nicht mehr davon abhalten, auf saftigere Wiesen auszuweichen. Die Alternativen sind zahlreich und attraktiv, und jetzt schnappen uns die Evangelikalen auch noch die besten Posten weg. Da hilft nur noch allerstrengstes Ignorieren. Und natürlich härteste Strafen gegen die Sünder. Damnamus. Anathema esto. Tod und Hass dem S 04!

 
acdcsNeulich war ich im Keller und habe Elektronikschrott aussortiert. Die Ausbeute war gut: Zwei Scanner, ein Drucker, drei PC-Gehäuse, Mainboards, CD-Laufwerke, fünf Videokabel von Schnittstellen, die noch ein Mensch benutzt hat, zwei ‘parallele’ Kabel, einige kaputte Netzwerkkabel, Kühler, DSL-Modem, Telefone, Anrufbeantworter, Sat-Receiver und weitere Kleinteile oder Kabel. Es fanden sich auch ein halbes Dutzend Kaltgerätestecker. Für Laien: Das sind die Netzkabel für Anschlüsse mit drei Pinnen, also für PCs, Monitore etc.. Einige davon wollte ich ebenfalls wegwerfen, aber eine Stimme hielt mich davon ab.

Dazu muss man wissen, dass ich eine Zeitlang ständig solche Kabel verschenkt habe. Bis zu dem denkwürdigen Tag, an dem mir plötzlich einer fehlte. Mir! Ein Kaltgerätestecker! Das darf nie wieder passieren. Das meinte auch mein alter Atari, der mir zuraunte, als ich einen in den Schrott geben wollte: „Der könnte von mir sein!“ Ich nahm also einen anderen, abermals wurde ich zurechtgewiesen: „Der könnte auch von mir sein!

Wieso redet überhaupt ein alter Atari mit mir?“ gab ich den Ball zurück.
Wieso steht ein alter Atari in einem gammeligen Karton im Keller?! Als du mich zum ersten Mal in den Armen hieltst, hast du literweise Endorphine ausgeschüttet“, antwortete der MegaST schnippisch, „und was heißt hier überhaupt ‘alt’? Aber ich verstehe: Wer will schon einen 25-jährigen Computer?

Alt ist jung und jung ist alt

Das saß. Der Atari, der schon immer meine Gedanken lesen konnte, wusste, dass ich eben noch gedacht hatte: „Was soll ich denn mit einer 45-Jährigen?“ Okay, es ist nicht fair, einen verdienten Rechner, der vermutlich immer noch funktioniert, für den Rest seiner Tage in den Keller zu sperren. Aber ist das ein Grund, mich so brutal ins Trauma des Alterns zu stoßen?

Ich widmete mich also dankbareren Objekten, den Netzteilen. „Denkst eh wieder nur an Netzstrümpfe, seniler Lustgreis!“ nörgelte es dumpf aus dem untersten Karton. „Sei still, sonst löte ich dir einen Commodore-Transistor ein!“ drohte ich. Das brachte ihn eine Weile zum Schweigen.
Netzteile also. Elf Stück. Es ist immer gut zu wissen, dass man alle Kombinationen aus Spannung, Stromstärke und Anschluss hat, die man gerade nicht braucht. Das verhindert immerhin, dass jemals ein Gerät kaputt geht, auf das eines dieser Teile passt.

Ist wie bei dir“, sagte das Nokia-Ladegerät, „du passt auch nirgends, und wenn doch, ist schon ein jüngerer Stecker da“. Ich legte es in einen BenQ-Karton, da kann es sich jetzt überlegen, ob das witzig war. „Und wenn du so weitermachst, löte ich dich an ein Siemens!“, triumphierte ich. Wenn ich mich in einem finsteren Verlies von tratschenden Altlasten vereimern lassen wollte, hätte ich mich nicht scheiden lassen.

Der Aufstand

Nur über meine Leiche“, tönte es aus dem muffigen Küchenbuffet.
Wer da?“, rief ich, „nennt Euren Namen und Euer Begehr!
Lötkolben, fuffzehn Watt, du Schnorchel! Bevor ich den Kollegen an etwas von Siemens klebe, verzink ich dir den Fingernagel. Früher biste wenigstens mal zum Lachen hier runter gestiefelt. Und hier sind unsere Forderungen:

Erstens: Schluss für heute. Pack deine Beute ein und schleich dich.
Zweitens: Der Atari kriegt ein trockenes Plätzchen bei den beiden PCs unterm Bett. Einschließlich beider Monitore.
Drittens: Geh mal vor die Tür!
Wir kommen bestens ohne dich zurecht. Du wirst nie einer von uns. Wenn wir eins nicht brauchen, sind das Technokraten, die uns in Kisten sortieren. Wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

Sie können das nicht besser wissen. Ich habe meine Konzepte nur noch nicht richtig vermittelt. Ich liebe doch. Ich liebe doch alle Platinen. Ihr mögt denken, das sei Wahnsinn. Aber habe ich euch nicht gesagt, dass was ihr irrtümlich für Wahnsinn haltet, vielmehr eine Übersensibilität der Sinne ist?

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