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Dezember 2010


Das Niveau hat sich inzwischen in Tiefen eingependelt, die ich bislang nur von Blond am Sonntag und Blöd am Montag kannte. Die Kampagne gegen Assange ist derart unterirdisch, verlogen und faktenlos, das ist nicht mehr zu ertragen. Die SZ fliegt aus meinen Favoriten, dann muss ich eben woanders erfahren, was der Prantl sagt.

Und wieso faselt die Journaille eigentlich dauernd von “Idol”? Bloß weil die den neurotischen Leaker zum Hitler des Jahres erklären, muss jeder, der den Mann verteidigt, gleich dessen Jünger sein? Wer das liest, ist doof.

merkddrBis 1989 war es in der BRD möglich, moderate Kritik an der Verteilung von Reichtum zu üben, ohne sofort als Kommunist oder Sozialist zu gelten. Solche Kritik wurde auch regelmäßig und heftig von Sozialdemokraten geübt, unter dem Stichwort “soziale Gerechtigkeit”. Zwar war schon 1982 mit dem Lambsdorff-Papier die neoliberale Wende durch die Kohl-Regierung eingeleitet worden, aber es gab noch eine Opposition, die Zweifel an der naturgegebenen Gerechtigkeit der Vermögensverteilung hegte.

Der Sozialismus war ‘drüben’, und weil es ihn dort gab, war es zumindest unstrittig, dass das Böse (Kommunismus) nicht automatisch die Weltherrschaft antritt, wenn die Verteilung von Einkommen und Vermögen nicht unkontrolliert dem Markt und damit den Reichen überlassen wird. Soziale Unterschiede gab es nämlich auch im Osten, und höhere Löhne waren nicht gleichbedeutend mit ‘Mauer und Stacheldraht’, wie jeder sehen konnte.

Dieser Unfug hat sich erst in den politischen Diskurs eingeschlichen, nachdem der ‘real existierende’ Sozialismus sich erledigt hatte und der Feind in Form der PDS sich als Sündenbock im Inneren anbot. Alles, was deren Vertreter fortan sagten, durfte als Gegenteil des Guten angenommen werden, womit vor allem neoliberalen Extremisten gedient war. Deren Verklärung des Privateigentums zum Heiligtum und zur Freiheit an sich war auch deshalb so erfolgreich, weil die Propaganda es im Dualismus ‘Eigentum vs. Unfreiheit’ verpackt zur Erlösung von der Diktatur aufbauschte.

Geschichtsklitterung

Die Geschichtsklitterung, die ‘liberale’ Experten mit dem Recht auf Eigentum betrieben, muss hier nicht noch einmal kommentiert werden, Interessanter ist da schon der Weg in einen Jargon der Eindimensionalität, den die kapitalistische Propaganda genommen hat, um es am Ende der kommunistischen gleichzutun. Was dem Erich sein “Ochs und Esel”, “Völkerfreundschaft”, “Bruderstaat”, “Arbeiter und Bauern” und der Endsieg des Sozialismus, sind der Angela und ihren Brüdern “Leistungsträger”, “Wachstum”, “Vollbeschäftigung”, “Fordern und Fördern” et cetera. Seit dreißig Jahren dasselbe Lied. Die DDR ist nur 40 geworden, wie lange werden wir uns das noch anhören müssen?

Die gegebenen Zustände sind auch ein Resultat des Kalten Krieges, der sich wie ein Phantomschmerz fortsetzt. Natürlich wissen die Verfechter der umgehemmten Bereicherung, dass die Verherrlichung des Privateigentums nur im Interesse der Reichen sein kann. Dass die Propaganda aber noch nicht längst zum Gespött geworden ist, liegt an ihrer Verbindung zum Kampf gegen den Sowjetkommunismus. Ist das ein Grund, diese Gruselshow weiter zu bedienen?

dracpNiemand, nicht einmal die Kommunisten der linken Resterampe, haben etwas gegen Privateigentum und persönlichen Besitz. Die Mär, man müsse noch die Zahnbürste mit dem Nachbarn teilen, wenn man dem Sozialismus einen Fußbreit weicht, darf in Rente geschickt werden. Zumal, wenn Lohnerhöhungen und Erbschaftssteuer schon als “Sozialismus” gelten. Doch, es gibt einen Unterschied zwischen der Besteuerung von Riesenvermögen und der Enteignung aller Fleißigen. Das sind sogar nachgerade Gegensätze.

Eine völlig falsche Analyse

Es ist eine Projektion aus dem Kalten Krieg und eine völlig falsche Analyse des Ost-Sozialismus, zu behaupten, mit Einschränkungen privaten Erwerbs seien Diktatur und wirtschaftlicher Niedergang verbunden. Im Gegenteil ist es vielmehr richtig, dass dogmatisch geprägte Gesellschaftsstrukturen dem Untergang geweiht sind. In einer Übergangsphase können solche gesellschaftlichen Verhältnisse durch die Errichtung einer Diktatur noch konserviert werden, sie korrigieren aber nicht die Fehlfunktionen, an denen sie scheitern.

Der Ostsozialismus scheiterte an der manischen Kontrollwut der Nomenklatura. Es sollte nichts sein, was nicht der Partei gefiel. Somit verengte sich die Wirtschaft auf Abläufe, die ineffizienter kaum sein konnten. Übrigens hat sich diese Oberschicht durchaus bereichert und betrachtete im Zweifelsfall gleich den ganzen Staat als ihr Privateigentum. Da tun sich gewisse Ähnlichkeiten auf.

Wenn Privateigentum motivieren und zur wirtschaftlichen Tätigkeit anregen soll, muss es möglichst breit verteilt sein. Es muss jedermann möglich sein, welches zu erwerben. Je mehr Menschen etwas übrig haben, um sowohl zu konsumieren als auch zu investieren, desto stabiler ist ein marktwirtschaftliches System aufgestellt. Sobald also eine nennenswerte Schieflage entsteht in der Verteilung von Einkommen und Vermögen, wäre es klug, gegenzusteuern.

Den Fleißigen nehmen, den Faulen geben

Das hat nichts damit zu tun, dass man dann den Fleißigen etwas abnimmt und es den Faulen gibt, sondern mit klarer Analyse und guten Ideen zu einer Stabilisierung der Wirtschaft. Die Mittel dazu sind vielfältig und müssen der jeweiligen Situation angepasst sein. Zur Alimentierung der Faulpelze sei an dieser Stelle angemerkt, dass es tatsächlich ein Skandal ist, wie etwa überlastete Krankenschwestern und Pfleger die fetten Shareholder der Privatkliniken alimentieren.

daumen2Das System steht am Rande des Zusammenbruchs, das räumen inzwischen sogar Ökonomen ein, die sich das vor ein paar Jahren noch nicht hätten vorstellen können. Woran es liegt, weiß man auch längst: An sinnlos angehäuftem Kapital, das verantwortungslos und kontraproduktiv der zügigen Vermehrung zustrebt. Die Diagnose ist eindeutig: Die Auswüchse ungehemmter Aneignung, die gängige Form des Privateigentums, hat fatale Auswirkungen. Die Forderung im Grundgesetz, “sein Gebrauch soll(e) zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“, muss ernst genommen werden.

Die frühen Programme der Nachkriegs-Parteien hatten keinerlei Berührungsängste mit Begriff und Inhalt des Wortes “Sozialismus”. Sogar im Parteiprogramm der CDU war davon die Rede. Wenn es denn sozialistisch ist, Eigentum auf ein der Allgemeinheit dienliches Maß zu begrenzen und die Stabilität der Wirtschaft dem Recht auf Vermögenszuwachs vorzuziehen, dann kommen wir wohl an einer sozialistischen Marktwirtschaft nicht vorbei. Einen Widerspruch in sich, wie uns stets weisgemacht wird, kann ich darin nicht erkennen.

Es bleibt spannend.

[update:]
Die Schweden sind übrigens nicht zum ersten Mal die Experten für amerikanische U-Boote.

privateDas sagten sich wohl Ende der 90er alle, die ‘groß im Internet’ waren. So entstanden vielbesuchte Chats u.a. bei Verlagen, Providern und Fernsehsendern. Das musste man haben, denn das Internet war die Zukunft. Hunderttausende meldeten sich in einzelnen Communities an, der cassiopeia-chat mit Gästebüchern und Foren war der Renner.

Nachdem das alles ein paar Jahre gelaufen war und sich echte Gemeinschaften entwickelt hatten, denen ein paar tausend bis zehntausend Chatter angehörten, kamen Zweifel am Erfolg auf. Man stellte fest, dass die Zahlen trogen. Hunderttausende Karteileichen, Probleme mit der Betreuung und nicht das große Geschäft. Außerdem galt Chatten nicht mehr als der neueste Schrei. “Community” in dieser Form war aus, weil sie nie gewollt war. “Business” war gewollt, und dazu taugte es nicht. Wenige Jahre später schlossen Anbieter wie Pro7 und GMX ihre ‘Communities’ wieder.

Chatsterben

Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Aufwand an Personal und Serverleistung nicht durch Werbung refinanziert worden ist, die Einnahmen blieben aber offenbar weit hinter den Erwartungen zurück. Außerdem erwiesen sich die Communarden als wilder Haufen, der so gar nicht den makellosen Gestalten aus der Werbung entsprach. Eher schon denen, die bei den Castingshows in der ersten Runde rausfliegen.

Dann aber kam Web zwonull. Das musste auch jeder haben. Man wusste zwar nicht, was das war, ließ sich aber von Sascha Lobo erzählen, dass am Ende des neuen Regenbogens wieder ein Eimer Gold stehe. Das neue Internet, interaktiv, authentisch, jugendlich, wartete nur darauf, von hippen Slogans und gefaketen Elogen über alle möglichen Produkte überflutet zu werden. Interaktiv, so stellten sich die Inhaber von Callcenters und Anbieter von Warteschleifen wohl vor, das ist, wenn man die Leute vollquatscht und die dann freiwillig mehr davon verlangen.

Web zwonull

Blogs waren der erste Hype. Unternehmen mussten jetzt auch welche haben, weil die Leute da so schön aktiv sind und diskutieren. Dass sie zuallererst interessiert sein müssen, was an zweiter Stelle eine gewisse Qualität verlangt, hatten ihnen die Berater verschwiegen. Ehe sie aber noch zu irgend einer Erkenntnis gelangten, wurden sie schon auf die jetzt aber ganz sicher ganz viel Gold bescherenden neuen Plattformen getrieben, vor allem Twitter und Facebook. Daran verdienen sie auch wirklich eine Mörderkohle – Twitter und Facebook. Was ein Unternehmen da verloren hat, wissen sie genauso wenig wie vorher von den Chats, Foren und Blogs. Dabei sein ist alles.

verberg

Auf der anderen Seite der Trends stehen die User, die ebenfalls wie blöde durchs Netz ziehen und sich alle paar Jahre anderen an den Hals werfen, ihre Daten für umme verschleudern und stets auf den größten Haufen … laufen. Verstehen muss man das nicht, es ist halt der Herdentrieb, und das Vieh auf Stampede hat sich noch selten Gedanken darüber gemacht, wem die Rennerei nützt – oder schadet.

Der Rest sinnentnehmenden Lesens

Unter die Hufe kommt dabei allmählich auch der letzte Rest sinnentnehmenden Lesens, denn obwohl jeder Mensch auch ein Texter ist auf diesen Spielwiesen, werden die AGB und sonstige Verpflichtungserklärungen nicht einmal mehr in der plakativen Kurzfassung gelesen. Oder hat sich eine neue Leidenschaft entwickelt, die ich an mir noch nicht entdeckt habe: Sich hemmungslos verkaspern zu lassen? So hat das derzeitige “Muss-ich-dabei-sein”-Angebot nr. 1, Facebook, auf der Eingansseite angenagelt:

Facebook ist kostenlos und wird es auch immer bleiben.

Um die Ecke heißt es dann:

Wir garantieren nicht, dass die Facebook-Plattform stets kostenlos sein wird.”

Aha. Immer, aber nicht stets. So sieht er aus, der postmoderne Lügendetektor. Wer sich so frech hinter den Serverschrank führen lässt, ist hier willkommen. Zieht euch aus, spreizt die Beine, wir wollen mit euch reden.

Zieht euch aus

Erstaunlich ist auch, für was die User sich und ihre Privatsphäre da hergeben. Dass die Software nicht so irre originell ist, zeigen schon die flugs hochgezogenen Plagiate, die an rasender Inkompetenz und einem misslungenen Marketing scheitern. Was Facebook bietet, kann eh jede Blogsoftware, und man könnte völlig unabhängig woanders dasselbe haben. Aber nein, “ich bin bei Facebook”, wissen die Avantgardisten der Kommunikationsgesellschaft.

Ihr seid nirgends. Ihr ladet eure Daten auf einen Server. Der speichert die noch ganz woanders und macht Datenabgleiche, für die selbst Polizisten verhaftet würden, vorab, flächendeckend und ungefragt. Das Ergebnis serviert er euch als “eure Freunde”, zu denen jeder gehört, dem ihr einmal eine Mail geschrieben habt. Das ist eure “Community”. Anstatt eine eigene Klitsche aufzumachen und Links auf die privaten Seiten eurer Freunde zu setzen, lasst ihr euch von einem privaten Geheimdienst vernetzen.

Mein Gott, seid ihr eine dankbare Kundschaft!

Meine Nachticht an flattr:

” ‘To get money out of the system, we currently support PayPal only.

Please change this as soon as possible. Supporting that bank is no longer acceptable. ”

Antwort von flattr:

“You are right and we agree. We are working on finding an alternative.”

Jetzt noch die Taten zu den Worten …

Wenn diese feinen Herren sich an der Menschenjagd beteiligen, wenn diese Bank, der als solcher sicher jeder moralische Verbrecher ein lieber Kunde ist, Wikileaks die Konten entzieht, entziehe ich denen meins – und empfehle dies wärmstens weiter.

Vielen Dank an diejenigen, die mich bislang per Paypal unterstützt haben. Ich werde über Alternativen meditieren.

p.s.: Es ist vielleicht jetzt auch an der Zeit, über Werbung für Amazon nachzudenken.

p.p.s.: Ich habe soeben flattr aufgefordert, eine Alternative zu Paypal einzurichten. Sollte sich dort nicht innerhalb der nächsten Wochen etwas bewegen, werde ich flattr zum neuen Jahr ebenfalls abschalten (die Dezemebr “revenues” werde ich noch – im Januar – per PayPal abziehen müssen).

vdlbm2Die gestrige Rede Ursula von der Leyens vor dem deutschen Bundestag war ein Höhepunkt der Demagogie, wie man ihn selten erlebt hat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Mit kitschigstem Pathos und wehenden Fäusten geriet ihre Predigt zu einer Orgie der Selbstbeweihräucherung. Diese an Abgehobenheit nicht zu überbietende Rede richtete sich nur noch an diejenigen, die glauben, sie seien sicher in ihrem sozialen Status. Die Abgehängten, die Notleidenden und Unsicheren, um die es eigentlich geht, konnten sich davon nur gedemütigt fühlen.

Was von der Leyen da quasi zur kollektiven Heiligsprechung der Bundesregierung veranlasste, ist dasselbe, das Heribert Prantl in moderaten, aber klaren Worten als verfassungswidriges Gesetz ohne Sorgfalt und Gründlichkeit bezeichnet, das vermutlich zu einem weiteren Rechtschaos führt. Ganz nach Art der billigsten Finanzdienstleister-PR wird umso lauter bejubelt, was am wenigsten taugt. Und auch damit sind wir den Zuständen in der DDR wieder ein Stück näher gerückt.

Ich weiß noch nicht recht, wie ich die Reaktion der Opposition beurteile. Zunächst ist es sehr zu begrüßen, dass diese arrogante Show einer verhinderten Animateurin auf heftige Gegenwehr gestoßen ist. Sigmar Gabriel nahm sie zum Anlass, ein zweites Mal ans Rednerpult zu gehen und damit eine nicht unkomische Änderung der Rednerliste herbeizuführen. Gregor Gysi hielt der Ministerin eine Standpauke mit hochrotem Kopf, und auch Renate Kühnast blaffte ins Mikrophon, als hätte sie gar keins.

Das Ganze war freilich für eine Satire nicht amüsant genug und für eine Debatte reichlich niveauarm. Die ‘Leidenschaft’, die einige da suggerieren wollten, erschien ebenso aufgesetzt wie der Auftritt der regierungsamtlichen Blendgrante selbst. Inhaltlich tut sich da gar nichts, vor allem nicht in der Mitte der Mitte, bei den Erfindern der Agenda 2010. Dass die SPD nicht fähig ist, sich von ihrem Erbe zu befreien, das ihre eigenen Promis ja zum Teil bis heute verteidigen, nimmt dabei nicht wunder, ist aber dennoch zu bedauern.

Dass die Grünen nicht die Eier haben, einen der größten Fehler ihrer Geschichte zu korrigieren, ist nicht weniger traurig. Und dass der versammelten Mischpoke – mit Ausnahme der Linken – letztendlich gar nicht in den Sinn kommt zu erörtern, was die Fortschreibung der neoliberalen ‘Sozialpolitik’ für die Betroffenen bedeutet, rundet die Farce angemessen ab. Mit Politik hat das herzlich wenig zu tun, die aber wird dann ja wieder in Karlsruhe gemacht, dem scheinbar letzten Ort, an dem Gesetze noch ernstgenommen werden.

Die Rede ist auch hier aufrufbar.

kidNach satten neun Monaten sprichwörtlichem Nichtstun hat er sich so ans Wachstum ohne Eigenleistung gewöhnt, dass er erst einmal weitere Monate bestenfalls den Mund aufmacht, um sich zu ernähren. Und selbst den Gang zur Toilette lässt er weitere Jahre lang andere für sich besorgen – der Mensch. Den Verfechtern der Eigenverantwortung und Selbstsorge kann es nichts Widerlicheres geben als schutz- und hilfebedürftige Kleinkinder. Die Zeiten, in denen ein Beschützerinstinkt noch das Gegenteil bewirkte, liegen hinter uns. Das können wir uns in Zeiten der globalen Konkurrenz nicht leisten.

Selbstsorge ist das Gebot der Zeit. Kein gegenseitiges Behüten, schon gar kein einseitiges soll mehr sein. Jeder schlägt sich selbst durch. Was er erbeutet, gehört ihm ganz allein. Wer nichts erbeutet, hat auch keinen Anspruch auf die Beute der anderen.

Wir gehen nicht mehr in den Wald, um zu jagen, wir sind organisiert und effizient. Die Ausbeute steigt mit der Effizienz, mit dem Grad an Organisation, in der die Eigenverantwortlichen sich um einen Teil der Beute bemühen. Hier kann jeder für sich sorgen, wenn er sich einfügt. Wer hingegen nicht passt und nicht passend gemacht werden kann, bleibt außen vor. Zwei konkrete und sehr unterschiedliche Beispiele für diese Abläufe:

Organisiert und effizient

Beispiel eins: Ich möchte einen Telefonanschluss haben. Ich bestelle einen bei einer ‘Hotline’. Nach vielem Hin und Her und inhaltslosen Gesprächen mit fremden Unsichtbaren nötigt mich einer von ihnen, meine Adresse falsch anzugeben, im Rahmen einer “Voice-Aufzeichnung”. Er habe sie sich so notiert, und das lasse sich jetzt nicht mehr ändern. Dass ich nicht bereit bin, meine eigene Adresse falsch anzugeben, akzeptiert er nicht. Er könne den Vorgang dann nicht mehr bearbeiten. Es gibt niemanden außer ihm, der zuständig ist. Ich ziehe meinen Auftrag zurück und beauftrage eine andere Firma.

Diese schickt mir einen Link, ich drucke Papier aus, unterschreibe es, schicke es ab. Ich bekomme eine Mail, in der steht, ich könne den Status des Auftrags jederzeit einsehen. Ich könne eine Nummer anrufen. Nachdem ich sechs Wochen nichts mehr gehört habe, versuche ich die Statusabfrage. Sie funktioniert nicht. Ich schreibe eine Mail und bekomme keine Antwort. Dann rufe ich die Firma an. Kurzversion: Der sechste unsichtbare Fremde ist derselbe wie der erste. Niemand ist zuständig. Einer weiß, wo meine Daten liegen, darf sie aber nicht aufrufen. Ich werde sogar an eine “Clearingstelle” verwiesen. Die aber ist nur für Privatkunden, und ich sei ja “Businesskunde”. Ich storniere auch diesen Auftrag.

Enteignung der Fleißigen

Beispiel zwei: Eine Frau wohnt in einer schimmeligen, von Ungeziefer befallenen Bruchbude [via]. Die Lage ist kompliziert, deshalb kommt eine menschenwürdige Lösung bis heute nicht zustande. Ein Sprecher der ARGE sagt:
Wir sind an klare Richtlinien gebunden, brauchen Nachweise und müssen jeden Einzelfall prüfen.”

hartzkostFürsorgliche Geister fragen sich: “Warum kümmert sich keiner um die Frau?”, aber das sind schon zwei völlig unzeitgemäße Begriffe in einem Satz. Fürsorge, das gilt heute als falsche Gnade, als Enteignung der Fleißigen zugunsten der Faulen. Sich kümmern? Haben wir nicht gelernt, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist?

Und schließlich sind wir immer noch organisiert. Sicher, es gibt immer Ausnahmen von der Regel, aber damit können wir uns nicht aufhalten. Macht man für einen eine Ausnahme, kommt der nächste und will auch eine Ausnahme. Wo soll das enden? Die Verfahren sind erprobt, zertifiziert und durchgeplant. Der Kunde hat nachzuweisen, in welche Kategorie er gehört, das heißt dann “Einzelfallprüfung”. Die “Einzelfallprüfung” stellt sicher, dass es keine Einzelfälle gibt, denn für die kann es keine Richtlinien geben und keine Ablaufplanung.

Alle tun, was sie können. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Für mehr reicht die Zeit nicht und schon gar nicht das Geld. Der nächste Kunde bitte!

Es gibt freizügige Auslegungen von Urheberrechten, es gibt blauäugigen Umgang mit Copy&Paste, man kann auch quasi aus Protest vor der Vermarktung “geistigen Eigentums” bewusst gegen Lizenzbestimmungen verstoßen. Über all dies lässt sich streiten. Es gibt da draußen aber einen Freak, einen derart dreisten Contentdieb, das ist schon eine Klasse für sich.

Er hat unter anderem Hunderte (!) Artikel von Feynsinn und Duckhome geklaut, ohne auch nur einen Link zu setzen. Er bringt es sogar fertig, sich in Kommentaren als Autor eines Artikels auszugeben, den er bei Feynsinn geklaut hat. Weitere Blogs, bei denen er sich bedient (die Liste ist natürlich nicht vollständig):

sprengsatz.de
guardianoftheblind.de
oeffingerfreidenker.blogspot.com
politblogger.eu
trueten.de
robinwood.de
utopia.de
linksunten.indymedia.org

Was ich über ihn weiß, der seine Lagerhalle für Diebesgut “Kulturblog (Frankfurt/Oder)” nennt, ist dass er in Frankfurt/Oder sitzt oder dorther stammt. Sein Nick “c3f2o” – er tritt auch als “cccf2o” auf, dürfte ein weiterer Etikettenschwindel sein. Das Kürzel “c3f2m” steht nämlich für “CCCFfm” oder “Chaos Computer Club Frankfurt/Main”. Dementsprechend steht c3f2o wohl für CCCFfo, dasselbe in Frankfurt/Oder. Der CCC hat natürlich noch nie etwas von dem Kerl gehört und ist überhaupt nicht amüsiert, mit solchen Figuren in Verbindung gebracht zu werden. Vermutlich gibt sich unser Wicht als ganz große Nummer aus, Supercheckerchef vom CCC und Speerspitze der linken Bloggerszene. Ist er nicht süß.

Eines seiner Blogs wurde bereits gesperrt, nachdem ich vergeblich versucht hatte, über den Hoster mit ihn Kontakt aufzunehmen. Sprechen kann der kleine nämlich noch nicht, auf Kommentare meinerseits reagiert er auch nicht. Seine hübsche .tk-Domain in Tokelau ist er auch wieder los, nur sein WordPress-Blog hat er noch. Na ja, er wird ohnehin seine Datenbank-Dumps haben und immer wieder immer mehr geklaute Inhalte posten. So etwas gibt es halt im Netz.

Das Dumme ist, dass ich an diesen Spaßvogel nur herankomme, wenn ich Strafanzeige erstatte und die Staatsanwaltschaft sich die Kontaktdaten von einem seiner Webhoster holt. Noch bin ich nicht soweit, vielleicht haben andere ja weniger Humor.
Sollte allerdings jemand wissen, wer dieser erbärmliche Vogel ist, möge er dazu beitragen, dass die Welle der Lächerlichkeit über ihm zusammenbricht und seine Angeberexistenz im Web ersäuft.

p.s.: Der Artikel erscheint gleichlautend auf duckhome.

Die neoliberale Front der Fortschrittsverweigerer und Besitzstandswahrer kommt nicht aus der Defensive und reitet deshalb vehement die Welle “Reaktionär ist der Fortschritt”.

Immer sind sie gegen soziale Gerechtigkeit, gegen Mindestlöhne, gegen ausgeglichene Handelsbilanzen, gegen Ökologie, gegen nachhaltiges Wirtschaften, gegen Regulierung, gegen Erbschaftssteuer, überhaupt gegen Steuern, gegen staatliche Souveränität, gegen Bürgerbeteiligung und gegen alles, was die verkrusteten Verhältnisse zu Ungunsten derer beeinflussen, die von ihnen so ungehemmt profitieren. Derzeit sind sie wieder sehr offensiv gegen jede Opposition.

Darf man auf dieser Seite der geistigen Gesundheit eigentlich noch gegen Oligarchie und Diktatur sein?

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