2010
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HintergrundKommentare deaktiviert 24. Jan 2010 23:31
Der Führer des internationalen Terrors droht unseren Verbündeten in Eurasien mit totaler Vernichtung. Wie die Victory-Agentur meldet, werden im eurasischen Übergangsgebiet am Hindukusch bereits mehrere Personen zu Piloten ausgebildet. Sie sollen bereits Experten im Umgang mit ferngesteuerten Mini-Helicoptern sein und auch das Steuern von Heißluftballons beherrschen.
Ferner droht die Terrozelle “Eifelstübchen” damit, sich auf dem nächsten Mallorcaflug mit Strohrum abzufüllen und, damit an Bord gelangt, Zündkerzen einzuwerfen. Um eine Panik auf den Balearen zu vermeiden, werden die Fluggäste künftig mit Rektalsonden ausgestattet. Sobald die Körpertemperatur über 600 Grad steigt, wird automatisch die Sprinkleranlage in der Maschine ausgelöst.
Inzwischen wurde bekannt, daß die Sprengstoffscanner, die in der Nähe von Laptops, Hundekot und Waschmaschinen spontan die höchste weltweite Alarmstufe auslösen, von einer Firma geliefert wurde, die sonst Kuckucksuhren in die Schweiz liefert. Nach Angaben der Vereinigung liberaler Security-Services wurde die Firma bislang als seriös eingestuft, sei sogar Teilnehmer der Inititative “Netzwerk mit Nutzwert“. Ein Mitinitiator: “Ei isch kenne die, die sinn sonz aach gesche Steuern unn reschne mei Quittunge doppelt ab, wie alle annere hiä aach.”
Man kann nicht wachsam genug sein.
Ganz gleich ob Terroristen, Islamisten oder Kabarettisten – wer auch immer uns in die Irre führen will, soll wissen: Wir sind schon da! Rechnet mit ernsthaften Konsequenzen! Wir haben keine Angst, wir machen sie euch. Wo auch immer ihr euch versteckt, wir hören eure Audiobotschaften. Wir schneiden sie mit, hören sie ab und kopieren sie. Wir verbreiten sie. Ihr habt eure Urheberrechte verwirkt. Was auch immer ihr plant, haben wir schon getan.
Wir strecken euch die Zunge raus.
Wir brennen euch die Lunge aus.
Wir hacken den Kopf ab.
Wir schneiden den Zopf ab.
Heute rot, morgen tot, übermorgen apricot.
Wir leisten was.
Was heißten das?
Wir pissen euch die Leisten naß.
Eure Kinder kaufen wir,
auf das Wachstum saufen wir.
Und wenn er kommt, dann laufen wir.
Wer lacht da, hat gelacht?
Wer lacht, erweckt Verdacht,
daß er aus Gründen lacht.
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PolitikKommentare deaktiviert 23. Jan 2010 23:43
“Wie atheistisch ist die Linke noch“, fragt Alexander Ulfig im “Freitag” und moniert, die Linke kritisiere den Islam nicht. Vielmehr setze sie sich sogar für den Bau von Moscheen ein, anstatt gegen Kirchen zu sein. Die im Grunde wirklich interessante Frage kommt leider nicht recht zur Entfaltung, weil sich Ulfig in einige Thesen verrennt, die den möglichen Spaß nicht so recht aufkommen lassen.
Das beginnt mit der Behauptung:
“Die Linken nach Marx folgten diesem radikal atheistischen und antireligiösen Standpunkt“. Wie so oft werden hier zuallererst “die Linken” zum Gegenstand der Erörterung, ohne diese einer näheren Betrachtung oder gar Definition zuzuführen. Und selbst wo es konkret wird, etwa bei den “linksalternativen Grünen”, wird es eher schlimmer. Deren Nähe zu Kirche und Religion wird seit Gründung der Partei nämlich allenfalls von der CSU getoppt. Von daher ist diese Behauptung schlicht falsch.
Der real existierende Kommunismus hat allerdings die Religion bekämpft, soweit es zumindest regional nicht opportun war, sich mit einigen Würdenträgern zu verbünden, um das Volk im Zaum zu halten. Vor allem aber gewann die herrschende Ideologie selbst religiöse Züge. Hier genau wird die Frage nach der Gottlosigkeit und der Freiheit von Religion erst interessant – in bezug auf ihre Verflechtung mit Herrschaft. Max Weber, den durchaus auch “Linke” gelesen haben, hat hinreichend aufgezeigt, welchen Einfluß religiöse Fragen auf die Ausgestaltung der Herrschaftssysteme haben – gleichermaßen “Wirtschaft und Gesellschaft” betreffend. Ergänzend ist hier danach zu fragen, inwieweit Herrschaft auf Religiosität angewiesen ist. Diese braucht übrigens auch keinen Gott. Sehr wohl allerdings Tempel, Gebetsmühlen, Mantras, Bekenntnisse und Katechismen.
Wenn Ulfig meint, “Die Linken” seien “an einem echten Dialog mit dem Islam gar nicht interessiert“, dann bringt er endgültig alle Kategorien durcheinander. Zumal er andererseits so etwas wie eine Totalablehnung von Religion fordert, die zum Dialog wohl kaum geeignet ist:
“von ihrem atheistischen und antireligiösen Standpunkt aus hätten sie sich gegen den Bau jeglicher Gotteshäuser aussprechen sollen. In dem Streit um das Minarett-Verbot in der Schweiz zeigten sich linke Politiker aller Schattierungen empört über die Entscheidung der Schweizer. Nach einer Besinnung auf ihre eigenen atheistischen Überzeugungen konnten wir auch diesmal vergeblich suchen.”
Das Ganze endet also da, wo auch reaktionäre “Islam-Kritik” endet: Bei den dummen Gutmenschen, die keine Werte kennen. Kein Wunder, denn es ist ja nirgends die Rede von einer definierten Gruppe oder auch nur einem definierten Atheismus.
Das Problem der Religiosität kommt erst gar nicht aufs Tapet. Das wollen “Linke” an dieser Stelle auch gar nicht, weil es nämlich nicht darum geht, sondern um die Ausgrenzung eines Teils der europäischen Bevölkerung. Natürlich hätte man fordern können, alle Kirchen abzureißen oder zumindest das Läuten zu verbieten. Weil das aber völlig illusorisch ist, gibt es nur eine Möglichkeit, Gleichberechtigung durchzusetzen, die in diversen Verfassungen auch verankert ist: Minarette eben nicht zu verbieten.
Zu behaupten, ein selbstbewußter Atheismus sei für Verbote von Religionsausübung, ist ebenfalls Produkt einer reaktionären Haltung. Wo sollte das auch enden? Bei der Forderung nach einem Verbot christlicher Parteien? Die Argumentation ist abenteuerlich.
Ich kann auch gar nicht nachvollziehen, wieso es Aufgabe der “Linken” sein soll, die Welt von Religiösen zu reinigen, anstatt sich mit diesen zu arrangieren und nach guter demokratischer Sitte im Gegenteil für Religionsfreiheit zu kämpfen. Warum gelingt Alexander Ulfig hier die einfache Differenzierung nicht zwischen dem Einfluß der Religion auf den Staat einerseits und dem Leben religiöser Menschen andererseits? Eine “Linke” die dies genau so indifferent praktiziert hat, wurde zurecht “diktatorisch” genannt.
Was schließlich die Trennung von Kirche und Staat anbetrifft, so macht die Linke zumindest einen besseren Job als die Rechte. Viel mehr ist in einer politischen Landschaft, in der konfessionelle Religion eine sehr untergeordnete Rolle spielt, auch nicht zu erwarten. Es gibt Wichtigeres.
Die eingangs schon skizzierte Frage bleibt allerdings offen: Muß eine “Linke” oder sonstwie aufgeklärte politische Kraft nicht mehr dafür tun, die religiösen Techniken aus der Politik zu verdrängen? Sie zumindest bewußt zu machen? Und was muß getan werden, um ohne solches Omm-omm Solidarität und ein Bewußtsein für Gemeinschaft zu organisieren? Diese sind nämlich existenzielle Fragen – vor allem für die “Linke”.
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PolitikKommentare deaktiviert 22. Jan 2010 23:48
Im Rahmen der Eroberung des öffentlichen Sprachgebrauchs durch die neoliberale Propaganda haben sich einige Vehikel durch stetige Wiederholung durchgesetzt, deren Funktion in der Aushöhlung von Sinn und Bedeutung ganz generell besteht. Die inhaltsleeren Floskeln werden an die Stelle einer ausdrucksfähigen Sprache gesetzt, um nur diejenigen Assoziationen zuzulassen, die das propagierte Weltbild stützen. Der Nichtbegriff der “Eigenverantwortung” transportiert die Behauptung, jeder sei seines Glückes Schmied, und wer sich seiner “Eigenverantwortung” entzöge, sei faul und verhalte sich parasitär. Er stehe damit seinem Glück und dem anderer im Wege. Genau dafür wird er “verantwortlich” gemacht: Er ist eben selbst schuld.
Auf diese Weise leugnet der Begriff jede Wirkung eines Systems. Die wirtschaftliche Lage und deren Entwicklung, Möglichkeiten und Hindernisse durch eine gesellschaftliche Struktur, die Verteilung von Vermögen und Einfluß – das alles wird durch dichten Nebel verhüllt, während unterstellt wird, jeder Einzelne könne frei entscheiden, ob er sein Schicksal selbst bestimmt oder sich auf den Schultern anderer tragen läßt.
Allein das Verhältnis offener Stellen zu möglichen Berwerbern überführt dieses Konstrukt bereits seiner Lächerlichkeit, soweit es um Arbeitslose geht. Noch krasser tritt der Widerspruch zwischen Propaganda und Realität zutage, wenn man zur Kenntnis nimmt, daß weitere Millionen nicht oder nur auf äußerst niedrigem wirtschaftlichem Niveau von ihrer Arbeit leben können. In welcher Welt leben diejenigen, die so tun, als seien “faule Arbeitslose” ein relevantes Problem?
Das ist freilich nur die eine Seite einer wahnhaft absurden Lüge. Noch irrwitziger wirkt der semantische Selbstmordanschlag “Eigenverantwortung”, wenn man die beschuldigten Marktversager denen am anderen Ende der ökonomischen Nahrungskette gegenüberstellt: Die “Leistungsträger” – womit nichts anderes gemeint ist als Bezieher hoher Einkommen, ganz gleich, was jemand dafür faktisch leistet – nehmen nämlich jederzeit jene Systemwirkung für sich in Anspruch, die sie sonst so vehement leugnen, und zwar, um sich selbst, ihr Verhalten, ihr Versagen und ihre Fehlentscheidungen damit reinzuwaschen.
Hohe Boni trotz riesiger Verluste, explodierende Vermögenszuwächse bei schrumpfender Wirtschaftsleistung, zweistellige Gewinne bei stetig sinkenden Reallöhnen – das ist halt ‘Business’, und ausgerechnet diejenigen, von deren Tun der Lauf dieser Dinge abhängt, sind dafür nicht ‘verantwortlich’. Dort ist es dann die Globalisierung und der Zwang des Wettbewerbs.
Dieser Wettberwerb soll nach derselben Ideologie allerdings stets gefördert werden, wobei der Zwang, der daraus resultiert, vor allem im Herdentrieb der Anleger und Investoren besteht. Diese sind ganz zufällig dieselben, die solchen Zwang immer behaupten, um ihn zu verlängern. Der Anspruch auf Rendite wird schließlich genau von solchen “Leistungsträgern” gestellt, die den ‘Eigenverantwortlichen’ da unten immer predigen, man müsse sich des Wachstums wegen eben nach der Decke strecken.
Die Kampflyrik des Neoliberalismus, die in solchen Begriffen gerinnt, bewirkt solchermaßen die Moralisierung gegebener Verhältnisse. Diese entfaltet eine doppelte Wirkung:
Erstens wird die Realität beliebig drehbar und Fakten jederzeit im Sinne der Ideologie interpretierbar. Zweitens steht von vornherein fest: Jeder kriegt, was er verdient. Reichtum und Armut sind von Gott und der Marktwirtschaft nach ihrem Vorbild so geschaffen worden. Wer keine einträgliche Arbeit hat, lebt eben nicht gottgefällig. Schlimmer sind noch die, die nicht arbeiten wollen. Sie sind Heiden und fallen der Verdammnis anheim. Am schlimmsten aber sind diejenigen, die nicht bloß leugnen oder sündigen, sondern die heilige Mutter Marktwirtschaft anzweifeln und ihren Namen mißbrauchen. Sie sind die Ketzer, denen jede Erlösung und der Zutritt zum Tempel vewehrt bleibt.
[update: epikur hat einen Hinweis auf seinen Artikel zum Thema gut versteckt. Ich fand ihn dennoch.]
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PolitikKommentare deaktiviert 22. Jan 2010 0:07
WDR2 meldet heute den Fall eines Vertrags, den die Stadt Bonn mit einem Entsorgungsunternehmen geschlossen hat und der nicht angemessen ausgeschrieben worden war. Der Europäische Gerichtsshof verlangt nun unter der Androhung drakonischer Strafzahlungen, daß der Vertrag aufgelöst wird. Der WDR macht darauf aufmerksam, daß sich Ähnliches bereits in Rostock ereignet hat. Das dort betroffene Entsorgungsunternehmen verlange “darum in einer ersten Reaktion rund 100 Millionen Euro Schadenersatz”.
Auf den ersten Blick klingt das alles wie ganz normale Korruption, die man vor allem am Rhein in bezug auf die Entsorgungsbetriebe bereits gewöhnt ist, und man könnte denken, es sei gut, daß dem jetzt ein Ende gemacht wird.
Auf den zweiten Blick fällt einem dann aber wie in Slowmotion der Kitt aus der Brille.
Da schließt eine Stadt mal eben einen Vertrag ohne entsprechende Ausschreibung, für den die Bürger über Jahrzehnte bluten müssen – in Bonn 18 Jahre, in Rostock 25 Jahre. Man weiß nicht, was die freundlichen Partner aus der Entsorgungsbranche den Entscheidungsträgern dafür Gutes tut, die Müllprofiteure haben aber ganz sicher auf Basis eines rechtswidrigen Vertrags viel unverdientes Geld eingesackt.
Da sich jetzt herausstellt, daß das eben so nicht weitergeht, machen die Freunde öffentlicher Mittel ihren “Schaden” geltend – und verlangen im Rostocker Fall bescheidene 100 millionen Euro als Wiedergutmachung für den geplatzten Klüngel. Das Rechtsempfinden des ohnehin schon geprellten Melkviehs, das jetzt doppelt abgezockt werden soll, läßt ihm den Saft im Euter gefrieren. Nicht etwa die der Korruption verdächtigen Dilettanten auf städtischer Seite sollen haften und schon gar nicht die andere Seite des sinistren Paktes. Wäre es nicht durchaus angebracht, von der Müllmafia das Geld zurückzufordern, das sie zu unrecht über Jahre kassiert hat? Wäre nicht sogar ein Strafverfahren gegen alle Beteiligten das Mittel der Wahl?
Nein, private Unternehmen und ebensolches Eigentum sind unantastbar. Die Gebühren zahlenden Opfer dieser Deals sollen zitternd ihr Haupt beugen und ihren monetären Peinigern auch noch Blutgeld hinterher werfen.
Eine Bürgerschaft, die nicht völlig sediert durchs Leben schlufft, würde darauf beharren, daß öffentliche Gelder nicht für illegale Müllverbrennung doppelt verheizt werden und stattdessen eine öffentliche Müllverbrennung in die Wege leiten – in den Betrieben, von denen sie nach dem gelungenem Betrug auch noch erpreßt werden.
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JournalismusKommentare deaktiviert 21. Jan 2010 11:17
Feinsinnige Satire bietet die “Zeit” heute in einem Posting, das als Meldung zu spekulativ und als Artikel zu wenig informativ ist. Die Wortwahl ist großartig, obwohl damit zu rechnen ist, daß die kunstvoll darin eingewobene Ironie purer Zufall und eben keine Absicht war. Mark Schieritz durfte ein paar Zeilen tippen, hier das Resultat:
“Künftig könnten Banken für staatliche Rettungsaktionen stärker zur Kasse gebeten werden. Die Bundesregierung diskutiert bereits konkrete Modelle.
Wo andere längst die Kelle schwingen und sie der Kanzleuse um die Ohren hauen, um ihr die Untat ihrer Untätigkeit strafend deutlich zu machen, kratzt Herr Schieritz mit dem Skalpell ein wenig an der Hornhaut des Sitzfleischs. Ei, wie das kitzelt!
Die Kombination “diskutiert bereits” ist vom Besten, das das deutsche Kabarett bislang zur Deregulierung beigetragen hat. Wenn das so weitergeht, werden nach der übernächsten Dauerkrise ernsthafte Konsequenten angedroht. Dann brennt aber der Baum im Hause Ackermann!
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PolitikKommentare deaktiviert 18. Jan 2010 19:57
Die FR bringt heute einen weiteren Sample über den Korrumpator Koch heraus sowie ein Update zum Steuerfahnder-Skandal. Gleichzeitig erinnert Telepolis an den Wahlsieg Ypsilantis, der ihr von einer wildgewordenen “Öffentlichkeit” und Verrätern aus der eigenen Partei genommen wurde, um eine der widerwärtigsten Figuren der deutschen Politik im Amt zu halten.
Zentral war dabei das Wort vom Wortbruch, das in den verlinkten Quellen wieder auf Koch bezogen wird, so wie es ursprünglich auch der Fall war.
Schaut man sich die Häufigkeit der Erwähnung von “Ypsilanti + Wortbruch” an, so fallen zwei Peaks auf, Termine, um die herum die gesammelte deutsche Presse diese Kombination ihrer Leserschaft ins Hirn publiziert hat (Klick aufs Bild führt zu Google):

Demnach standen offenbar unmittelbar nach der Wahl bereits alle in den Startlöchern, um Ypsilanti einen “Wortbruch” vorzuwerfen, den sie noch gar nicht begangen hatte. Ebenso wurde um die Nichtwahl der Ministerpräsidentin herum noch einmal kräftig nachgelegt.
Vor dieser Kampagne wurde die Kombination dieser Schlagworte auf Kochs gebrochenes Versprechen bezüglich des Flughafenausbaus bezogen. Was die hessische Opposition also als eher schwache Kritik an einem “unerhört” selbstherrlichen Roland Koch an den Start gebracht hatte, wendete die PR des Sonnenkönigs und seiner Presse gegen Ypsilanti.
Dabei tat sich vor allem ein PR-Mann hervor, der die Kampagne völlig unverblümt voran brachte: Alexander Demuth, Berater “für strategische Unternehmenskommunikation”, der mit der Site wortbruch.info die Kampagne auch offen im Netz betrieb.
Schaut man sich die Liste der Medien an, die diese Vokabel übernommen haben und willig die Reihen der Kampagneros schlossen, so sieht man eine beinahe vollständige Liste der relevanten deutschen Massenmedien. Der Erfolg, der erst durch diese Verstärker und ihren gnadenlos antilinken Kurs möglich wurde, ist die fortdauernde Herrschaft eines Landesregimes, dessen leidenschaftliche Zerstörung der demokratischen Kultur selbst von der Original-SED nicht übertroffen würde. Zu den täglichen Skandalen, die Koch und sein Mob sich leisten, hört man übrigens nichts von den ach so gewissenhaften “Rebellen” und ihren Seeheimern. Geschweige denn von der Mehrheit der willfährigen Journaille, die dafür mitverantwortlich ist.
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PolitikKommentare deaktiviert 17. Jan 2010 17:58
An die Spitze der Offensive der Rechten gegen Arbeitslose hat sich nach der “Welt” jetzt Roland Koch gestellt, der Arbeit als “Abschreckung” für Langzeitarbeitslose fordert. Hatte er zuletzt noch in einem wirren Halbsatz die Entdeckung von “Leistungsträgern” unter den Arbeitslosen angedeutet, die besser zu stellen seien, geht es jetzt wieder dem faulen Pack an den Kragen. “Niederwertige Arbeit” sollen diese leisten müssen, damit es nicht zu gemütlich für sie wird.
Geschenkt sei an der Stelle die abenteuerliche Lüge, es gebe millionenfache Arbeitslosigkeit, weil die Leute nicht arbeiten wollten. Geschenkt auch der Unsinn, es sei angenehm, von Almosen zu leben.
Daß es allerdings erzwungene Arbeit aller Art gibt, kann man hier nicht mehr verschweigen, denn daraus folgt, daß Arbeit als “Abschreckung”, “niederwertige” also, offenbar darüberhinaus möglichst demütigend sein soll. Zieht man die Vorstellung der rechten Hetzer zusammen, so sollen die Erfolglosen sich zukünftig also “glücklich” schätzen, wenn sie für einen Euro die Stunde eine menschenwürdige Arbeit verrichten dürfen. Denn jenseits dessen droht der Schrecken von Arbeiten als Strafe all derer, die nicht schnell genug einen Job annehmen, von dem sie nicht leben können.
Dieses Vorhaben verfeinert die Kunst der Bestrafung für die Sünde ihrer Existenz, der sich die Kinder des Prekariats schuldig machen. Koch geht damit inzwischen ganz offen um: “Leistungsträger” sollen gefördert, werden, wenn sie einmal arbeitslos werden, die faulen Versager hingegen bis aufs Blut gefordert.
Der doppelte Nebeneffekt trifft die Arbeitsverhältnisse all derer, die sich nach der Decke strecken und Lohnarbeit verrichten. Sie sollen wissen, daß eine Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses als Straftat ausgelegt wird – und zwar grundsätzlich als die des Arbeitnehmers. Sie werden jeden “Lohn” akzeptieren, auch wenn sie gerade dadurch in die Hartz-Mühlen geraten.
Die wunderbare Entwicklung hin zu Leiharbeit, befristeten Arbeitsverhältnissen und Aufstockung führt dabei nicht nur zu massenhaften Armutsrenten, sondern vor allem zu einer eklatanten Schwächung der Arbeitnehmer und ihrer Gewerkschaften. Wer überhaupt noch einer definierten Branche zuzuordnen ist und sich einer Gewerkschaft anschließen könnte, wird sich dreimal überlegen, ob er einem Streik zustimmt. Noch viel besser ist aber, daß Millionen, die unter Arbeitszwang stehen, gar nicht streiken dürfen. Das ist das Kalkül, das wirklich dahinter steht.
Und die Gewerkschafter? Raufen sie sich zusammen und rufen zum Generalstreik auf? Wohl kaum, denn so wird das ja nichts mit dem Posten im Vorstand und dem Bundesverdienstkreuz.
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PolitikKommentare deaktiviert 16. Jan 2010 15:28
Kritische Kritikaster mögen mir verzeihen, daß ich schon wieder SpOn verlinke, aber die melden das nun mal: Eine Millionenspende hat die FDP von Hotelbetreibern erhalten – und offenbar im Gegenzug die Mehrwertsteuer für Hotels gesenkt. Korrupter ist schwierig.
SpOn muß an dieser Stelle Elmar Wigand von LobbyControl und Hildegard Hamm-Brücher zitieren, um daran etwas zu finden. Früher, ja ganz früher, hatte bei denen schon mal jemand den Mut, das, was da so stinkt, selbst “Scheiße” zu nennen.
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PolitikKommentare deaktiviert 15. Jan 2010 1:00
Politiker müssen Ziele haben. Wenn man sonst keine hat, mehrt man halt den Schaden beim Gegner. Was “Sozialdemokratisierung” heißt, wird allmählich deutlich, wenn man sich anschaut, was die offenbar gelangweilten und sonst eben planlosen Regierungstruppen veranstalten. Die Geschwader der FDP tun einfach im Glauben an zünftige Klientelpolitik, was sie immer tun: Sinnfrei ihren Götzen dienen und möglichst hohe Verluste in der Zvilbevölkerung verursachen.
Die CDU will viele Stimmen. Von allen. Die SPD hat vorgemacht, wie man ohne Programm ziemlich lange regieren kann und sich keine Sorgen um die Zukunft macht. Das kann die CDU auch. Mit dieser Taktik kann sie die ehemals neuen Stammwähler der SPD einfangen, die zuletzt etwas anderes gewählt haben. Immerhin könnten einige wenige doch noch versehentlich ihr Kreuzchen in der zweiten Reihe gemacht haben, und das sind diejenigen, die ihr auch noch genommen werden müssen. Sollte Gabriels Resterampe also, worauf man durchaus spekulieren kann, die alte Wählerschaft nicht mehr ansprechen können, stünde mit der neuen christlichen Beliebigkeit ein weiterer Sargnagel für die Kiste zur Verfügung, in der die Sozen zur Hölle fahren sollen.
Blöd nur, daß Särge bei einer Seebestattung noch immer keine Konjunktur haben. Selbst verbrannte Parteibücher finden ihren Platz eher in einer Urne. Aber wer im im Glauben ans Wachstum unerschütterlich sein will, sieht hier sicher einen neuen Markt.
Der umweltfreundliche Wachstumssargnagel für alle, liberal in der Anwendung, Symbol für die posthume Bewahrung der Schöpfung, links und rechts eingeschlagen ins Leichentuch oder die Urne, rustikal aber dennoch modern. Irgendwie sind wir alle Sozialdemokraten, das sagt schließlich die Presse, und am Ende meist ziemlich tot. Wem das Leben der anderen so egal ist, kann sich den Tod ins Leben holen, ein bißchen Krieg spielen hier, ein wenig kaputt machen da und sich aufs Jenseits freuen.
Die Leere vom Hirn bis in den Zettel am Zeh durchweht eiskalt das bleischwere Tagesgeschäft. Bewahrung der Erschöpfung bei völliger Tatenlosigkeit ist eine furchtbare Bürde. Nicht einmal der verdiente Ruhestand als volltrunkener Redner auf Veranstaltungen von Versicherungskonzernen und Energieriesen kann einen noch recht motivieren. Der Altministercontainer steht schon gähnend offen. Man hält sich ein wenig bei Laune und spielt “den anderen was wegnehmen”. Stimmen von der SPD sollen es sein. Irgendwie traurig, aber wer gewinnen will, muß halt schauen, daß andere verlieren. Auch wenn sie längst unter dem Tisch liegen und modrig riechen.
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JournalismusKommentare deaktiviert 13. Jan 2010 23:57
Allmählich stellt sich wieder etwas mehr Ordnung ein in der deutschen Medienlandschaft. Durch die Bankenkrise haben einige Medien, die jahrelang keinen Knall gehört haben, immerhin ein paar Trümmer gesehen und schwenken hier und da von der neoliberalen Kampflinie ab. Einige wenige dürfen sogar mit Recht als “kritisch” eingestuft werden.
Und weil derlei Normalität einkehrt, sind auch die Produkte des Springer-Verlags wieder besser erkennbar in ihrem billigen Kunsthandwerk des Verblendens und Verblödens.
Was die “Welt” da heute auftischt, schwitzt schon ideologische Verzweiflung aus. Ein “Segen” sei der neue Sklavenmarkt aus Leiharbeit, Arbeitszwang und Hungerlöhnen. Der ökonomische “Erfolg” der Lohndrückerei wird anhand unbelegter, erlogener und wirr interpretierter Zahlen als die übliche Brühe serviert. Soweit kann man sich das Lesen wie immer sparen.
Bemerkenswert merkbefreit ist allerdings das Totlachargument, mit dem den glücklichen Sklaven der Segen vom Kloster Axel Cäsar erteilt wird:
“Arbeit ist ein Wert für sich. Studien zeigen: Menschen, die arbeiten, sind glücklicher als Menschen, die arbeitslos sind. Selbst wenn es nur ein Ein-Euro-Job ist – sie werden wieder gebraucht.”
Arbeit macht glücklich, egal welche. Wer nicht arbeitet, muß auch nicht essen, wird verhetzt und zum Parasiten erklärt. Wer sich der Knute beugt, sich ausbeuten läßt und sich ohne jede Hoffnung auf ein Leben ohne Kummer abstrampelt, ist ab sofort glücklich.
Es wäre nicht das Schlechteste, wenn dieser Herrenmenschenzynismus in Zukunft wieder exklusiv bei Springers seine Heimat fände. Dort waren sie schon immer braun.
Der Rest der Medienwelt darf jetzt ein einträgliches Geschäft in lautem Fremdschämen suchen. Das sollte doch machbar sein.
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