SpOn titelt ohne jede erkennbare Ironie:
Bush fordert von China Achtung der Menschenrechte
Bush! Menschenrechte! Schönen Tag noch!
SpOn titelt ohne jede erkennbare Ironie:
Bush fordert von China Achtung der Menschenrechte
Bush! Menschenrechte! Schönen Tag noch!
Ich kenne niemanden, der auch nur halbwegs “hinter Clement steht” in der nämlichen Affäre. Seine politischen Ansichten gelten gemeinhin als untragbar, sein Verhalten als unterste Schublade.
Da geht dann das Lügeninstitut Forsa hin, von dem jeder, den es interessiert, weiß, daß es die Umfragen in bezug auf Belange der SPD ständig manipuliert, und behauptet, 68 % der Deutschen seien für Clement, nur 17 % gegen ihn. Daß dieser Schwachsinn von der Süddeutschen veröffentlicht wird – was soll man dazu noch sagen?
Nachdem die Lügen in den Überschriften und der Einleitung agendagerecht plaziert sind, folgt die Pointe:
“Clement lässt SPD in Umfragen fallen” [...] “im Wochendurchschnitt ergibt sich für die SPD in der Sonntagsfrage von Stern und RTL allerdings ein Wert von 22 Prozent. Dies ist ein Punkt mehr als in der Vorwoche.”
Zwiesprech, immun gegen jede Kritik. Ist das Journalismus? Der mit den Qualitätsstandards?
Wenn man sich fragt, warum F.W. Steinmeier angeblich so beliebt ist, sucht man vergeblich nach überzeugenden Antworten. Immerhin weiß er sich gelegentlich in Pose zu setzen, allerdings nicht in seiner eigentlichen Tätigkeit – hier darf die Kanzlerin sich immer fein rausputzen und vor verschiedenen Urlaubskulissen in die Kameras grinsen.
Die Nebenschauplätze bleiben ihm – die, die eigentlich Sache der Staatssekretäre und niedrigerer Dienstränge sind. Hier kennt er sich besser aus, und womöglich mag man ihn deshalb so gern: Weil er sich trollt, wenn die Herrschaft ihn auf den Platz schickt. Die meisten Deutschen kennen das aus ihrem Alltag und können sich damit identifizieren.
Auftrumpfen darf Steinmeier immer, wenn ein Krisenstab gebildet wird, bzw. eine Entführung mit lebender Geisel beendet werden kann. Tagesschau.de klärt auf:
“Werden Deutsche irgendwo auf dieser Welt von Terroristen entführt, wird in Berlin sofort ein Krisenstab eingerichtet.”
Und das Krisenreaktonszentrum im Auswärtigen Amt sagt von sich selbst:
“Neben der Bewältigung akuter Krisenfälle wird gerade der Bereich der Krisenvorsorge immer wichtiger. So werden im Krisenreaktionszentrum gemeinsam mit anderen Ministerien detaillierte Analysen zur Erfassung von Krisenpotenzialen mit dem Ziel erstellt, möglichst frühzeitig krisenhafte Entwicklungen erkennen zu können.”
Wie gesagt, Steinmeier posiert gern hemdsärmelig, wenn es deutsche Leben zu retten gilt. Er ist so wunderbar souverän und sachlich, wenn Leben in Gefahr sind. Womöglich liegt hierin ein weiterer Anlaß zur Identifikation: Der Deutsche wünscht sich, aus seiner dauernden Zwangslage gerettet zu werden. Daß ausgerechnet Steinmeier der Retter sein soll, paßt in ein bekanntes psychlogisches Muster. Es kommt regelmäßig vor, daß sich Geiseln in ihre Entführer verlieben.
Irgendwie muß man es sich erklären, daß niemand danach fragt, was aus Steinmeiers Arbeit wirklich resultiert. Während er nämlich wie vom Kurier geliefert auftaucht, wenn “Terroristen” oder Kriminelle Deutsche im Ausland entführen, ist es ihm völlig wurscht, wer von amerikansichen Geheimdiensten und ihren Handlangern entführt wird. Da wird kein Krisenstab eingesetzt, im Gegenteil: Man will die Geiseln gar nicht wiederhaben, wie etwa im Fall Kurnaz.
Der heutige Tag wäre eine feine Gelegenheit für den Herrn Minister, das Kleine Einmaleins zu lernen. Ein Deutscher wird in Afghanisan entführt. Auf deutsche Soldaten wird dortselbst ein Anschlag verübt. In den USA wird Unrecht gesprochen über Terrorverdächtige.
Es spielt dabei keine Rolle, was man dem Fahrer von Bin Laden vorwirft, was man ihm nachweist oder zu welchem Urteil man kommt. Die Meldung ist schon jetzt nur noch mit der Lupe zu finden, aber es ist kein Witz: Selbst Freigesprochene sollen in Haft bleiben, womöglich lebenslänglich. So will es das Pentagon. Da werden Menschen entführt, jahrelang ohne Anklage festgehalten, gefoltert, dann von illegalen Gerichten abgeurteilt und schließlich selbst bei einem Freispruch mit der Höchststrafe belegt. Dieses Verfahren kann nur zum Ziel haben, Unschuldige in den Selbstmord zu treiben. Die dies tun, sind “unsere Verbündeten”, denen Schröder und Steinmeier in “uneingeschränkter Solidarität” Soldaten für den Krieg in Afghanistan zur Verfügung gestellt haben. Jeder, der dort von den US-Truppen festgenommen wird, ist ein Entrechteter, die meisten der Gefangenen in Guantanamo kommen von dort.
Wäre es nicht Aufgabe des Auswärtigen Amtes mit seiner weitsichtigen Krisenerkennung, eins und eins zusammenzuzählen? Das Märchen, das uns so gern aufgetischt wird, die Afghanen fänden die deutschen Soldaten so toll, weil sie Frieden und Wohlstand bringen, glaubt schon lange niemand mehr. Sie wissen, daß die Deutschen den Barbaren Bush unterstützt haben. Und sie werden die Konsequenz daraus ziehen, immer öfter. Ich weiß nicht, was deutsche Soldaten in Afghanistan zu suchen haben, aber ich weiß ganz sicher, was afghanische Kämpfer mit allen Deutschen tun wollen, derer sie habhaft werden.
Der vorgebliche Friede in Norden Afghanistans löst sich in Rauch auf. Es ist Krieg, und das ist immer noch die Veranstaltung, in der getötet und gestorben wird. Wir werden noch reichllich Gelegenheit haben, uns daran zu erinnern.
Vielleicht hilft letztlich auch das noch dem tapferen Außenminister, der immer so besonnen wirkt, wenn andere leiden und sterben. Sein Job wäre es gewesen, diesen Schaden vom deutschen Volke zu wenden – und nicht nur vom deutschen. Was hätte es ihm genützt? Wäre er dann so beliebt?
Ich denke nach. Ich lese, recherchiere gar. Keine Ahnung, warum es diese Phasen gibt, in denen ich nicht die Energie aufbringe, etwas zu schreiben. Derzeit habe ich leider nicht die Zeit und Muße, den größeren Zusammenhang aus kleineren Artikeln und Meldungen abzuleiten, und Kommentare zu einzelnen Ergüssen der Frontsoldaten deutscher Einheitspresse wollen nicht so recht gelingen. Keine Ahnung, wo der Genuß bleibt, diese Geistesgrößen zu entbößen – mir fehlt sogar die Vorstellung davon, wie es mir sonst gelingt, mich darauf einzulassen. Ich erwähnte zuletzt Herrn Malzahn, auch ein Artikel in der “Welt”, den ich an besseren Tagen vielleicht zerpflückt hätte, hinterließ mich nur angeekelt. “So einen Mist kann ich nicht kommentieren”, denke ich, wohl wissend, daß ich kaum etwas anderes in diesem Blog veranstalte.
Ich denke darüber nach, zukünftig so etwas wie ein Konzept zu entwickeln. Es könnte in die Richtung gehen, die der Spiegelfechter verfolgt. Weniger Artikel, dafür mehr Recherche und Hintergrundinformation. Es beschleicht mich allerdings die Furcht, daß ich mich damit verzettele und vier von fünf Artikeln verwerfe, weil sie meinen Anforderungen nicht entsprechen. Kurz gefaßt, kann ich mich an der Oberfläche bewegen und nur hinabzustoßen, um Pointen zu setzen. Für gute Artikel taugt dieses Vorgehen nicht.
Neue Kategorien schwirren ebenfalls in meinem Kopf herum. Sport, Musik und der ganze Kurzweilhokuspokus würden mich ebenfalls reizen, sogar über Rätsel denke ich nach. Vielleicht sind diese scheinbar irrelevanten Bereiche sogar “politischer” als der Tinnef, der von ein paar Cliquen ausbaldowert und für große Politik verkauft wird.
Inspiration ist fast alles, von dem ich hier lebe, und wenn sie sich nicht einstellen will, ist Holland in Not. Fast drei Jahre ging das gut, aber inzwischen erwischt mich der Blogblues in so kurzen Abständen, daß sich etwas tun muß. Sicher keine Lösung, soweit bin ich inzwischen, ist eine Blogumschau. Wer Feynsinn liest, kennt auch die Nachdenkseiten, den Oeffinger Freidenker und duckhome/Jochen Hoff. Was diese auf ganz unterschiedliche Weise leisten, werde ich nicht einmal sinnvoll ergänzen können. Meinen Dank an dieser Stelle den werten Kollegen.
Immerhin kann ich mit einer sehr konkreten Idee enden, die ich hoffentlich in den nächsten Tagen umsetzen werde: Ein Artikel zur Rolle und Funktion des Kommentars im (alternativen) Journalismus. Nehmt es mir nicht übel, wenn ich ein wenig Zurückhaltung übe oder merkwürdige Experimente mache. Das Schiff schlingert, aber es wird nicht untergehen, ich bin ja nicht die SPD ;-)
Wolfgang Clement ist der Rüge wegen seines parteischädigenden Verhaltens mit der üblichen Arroganz begegnet. Wann immer ihm goldene Brücken gebaut wurden, hat er sie zertrampelt und noch einen draufgesetzt. Die Konsequenz aus diesem seinen Verhalten hat er heute bekommen: Er wurde aus der Partei ausgeschlossen.
Ausgeschlossen haben ihn auf Antrag der Mitglieder die zuständigen Gremien, respektive die Schiedskommission. Die Reaktion der Partei und der Medien ist unisono ein Eindreschen auf diejenigen, die eine alternativlose Konsequenz gezogen haben – mit bekannt wirren Argumenten. Aus der Rolle fällt lediglich Hubertus Heil, der im Stile eines Jahhundertwaschlappens nichts sagt, um ganz sicher eine passende Interpretation nachzuliefern, wenn die SPD ihren Rückzieher gemacht haben wird. O-Ton:
“Die engere Führung der SPD ist sich einig, daß sich alle im Gesamtinteresse der Partei besonnen und auch umsichtig äußern sollten. Auf Basis unserer Grundwerte kann jeder solidarisch für seine Überzeugung streiten in der SPD. Die Schiedsgerichtsbarkeit SPD beurteilt also nicht politische Überzeugung, sondern Verhalten.”
Die SPD ist also in Wahrheit eine soziologische Partei. Verhalten ist ihr Gegenstand, nicht etwa politische Überzeugung. Das kann hinkommen. Der Aufruf, sich besonnen zu äußern, kommt spät. Jahre zu spät. Nicht nur, daß die SPD Clements “Überzeugungen” unbeanstandet ließ, etwa die, HartzIV-Empfänger seien Parasiten. Nein, man ließ ihn auch während des längst laufenden Verfahrens fröhlich weiter pöbeln, ohne daß der Generalsekretär dem öffentlich entgegen getreten wäre. Das rhetorische Gehampel um “soldiarischen” Streit könnte Heil zum Mühlstein werden, denn genau dies wirft die Schiedskommission Clement vor, und da hilft kein Winkeladvokat der Welt: Unsolidarischer als Clement geht nicht. Der Generalsekretär hätte sich, wüßte er denn, was er sagt, damit für den Rauswurf ausgesprochen. Ist das “besonnen und auch umsichtig”? Nicht so gemeint wird es sein, hoppla!
Das Beste an dem klebrigen Statement des verurlaubten Generalsekretärs ist aber seine Formulierung “die engere Führung”. Wer bitte ist denn das? Man ahnt es schon, und sie werden fleißig auf allen Kanälen zitiert: Sigmar Gabriel, Franz Müntefering, Franz W.Steinmeier, Johannes Kahrs. Johannes wer? Daß Kahrs sogar in der Tagesschau vor die Kamera treten darf (und auch sonst in der willfährigen Agenda-Presse omnipräsent ist), zeigt, was die SPD für eine Partei ist. Kahrs ist “Sprecher des Seeheimer Kreises”. Die Seeheimer und die Netzwerker, beides Klüngelkonglomerate ohne jede Legitimation, sind die Speerspitzen der Agenda-Politik. Ihre Angehörigen, und sei es irgend ein Wicht aus dem letzten Hinterwald, brüllen ihre besonnene Parteinahme für Clement ungehemmt in die Welt, die anderen halten still oder werden nicht zitiert. Es geht nicht um Überzeugung und ebensowenig um Verhalten, es geht um die Macht der Partei in der Partei. Die “engere Führung” entmündigt einmal mehr Seit an Seit mit ihren Duzkumpels aus den Medien die eigenen Parteimitglieder. Wenn man sich etwa anschaut, was SpOn zum Thema zusammenkratzt, ist Nüchternheit angesagt. Sonst kommt einem nämlich die letzte Mahlzeit hoch. Was der unerträgliche CC Malzahn dort zum besten gibt, ist so dummdreist, daß es nur noch Masochisten zu empfehlen ist. Wir üben daher bewußte Linkzurückhaltung.
Wenn es kommt, wie es kommen muß, und Clement mithilfe seiner Seilschaften weiter offensiv die Reste der Sozialdemokratie in der SPD ruinieren darf, bin ich einmal gespannt, wie man das noch irgendwem erklären will. Am Ende wird es wohl wieder heißen, linke Fanatiker seien am Niedergang schuld. Solche wie die Bochumer, die sich und ihre Genossen nicht unwidersprochen von Clement demütigen lassen wollen. Wenn dann der betroffene Ortsverein geschlossen in die LINKE eintritt, wäre das sicher die Bestätigung für solche Thesen.
Ein gutes Argument gegen Clements Parteiausschluß gibt es gleichwohl: Würde man diesen Auswuchs widerwärtigster Machtpolitik entfernen, gäbe das nur wieder Hoffnung, wo längst keine mehr ist. Dann lieber ein Ende mit Schrecken.
30. Jul 2008 0:52
Während eine gnadenlose Hatz auf deutsche Manager betrieben wird, die nur das Beste für ihre Konzerne wollten, baut sich im Schatten des Linksrucks eine Mafia auf, die Deutschland wirtschaftlich vernichten will.
Frankfurt. Beppo Bloom* (Name von der Redaktion geändert) steht zusammengesunken vor “seiner” A 310 und raucht mit zitternden Händen eine Gitane Mais. Eigentlich ist hier Rauchen verboten, aber was bleibt ihm? Zuhause warten drei durstige Kinder auf ihre Alkopops, er aber hält die Stellung. “Bis nichts mehr geht”, erklärt Bloom, und resignierend fügt er hinzu: “Im Grunde ist es schon soweit. Wir haben hier alle keine Zukunft mehr.”
Was ist geschehen?
Es ging ihnen allen gut, die Lufthansa hat ihre Mitarbeiter immer pünktlich bezahlt. Das könnte bald vorbei sein, wenn “ver.di” mit seinem brutalen “Arbeitskampf” ihr Ziel erreicht und alle ihre Jobs verlieren. “Streik” nennen sie die neue Methode, ein Wortungetüm aus dem Englischen. Dort bedeutet “strike” schlagen bzw. streichen. Sie wollen alles zerschlagen, bis am Ende der Arbeitgeber gezwungen ist, die Stellen zu streichen. Um dies zu erreichen, rotten sich Mitglieder der ver.di-Bande, die sich “Gewerkschaft” nennt, zusammen, um die Lufthansa zu boikottieren.
“Sie wollen, daß wir nicht fliegen. Warum tun sie das?”, fragt Bloom verzweifelt und fügt kaum hörbar hinzu: “Aber dazu sind Flugzeuge doch da – zum Fliegen!”
Es ist kaum zu fassen, aber das Treiben der ver.di-Bande ist völlig legal!
Wie schon zuvor die Bahn, bei denen sich eine ähnliche Organisation eingenistet hat wie ein Krebsgeschwür, droht jetzt auch den Fluglinien die Zersetzung von innen. Sie stehen vor einem ausweglosen Dilemma: Zahlen sie nicht die geforderte Summe, können sie nicht mehr fliegen. Zahlen sie, droht ihnen der finanzielle Ruin. Viele Mitarbeiter haben sich der Bande angeschlossen, zu viele. Die anderen haben das Nachsehen. Die Belegschaft ist tief gespalten. Immerhin besteht Hoffnung, denn nicht alle stehen hinter den Saboteuren und ihren zerstörersichen Methoden. Unglaublich: “Da wird man übelst ausgebuht“, gibt eine loyale Mitarbeiterin zu protokoll. Übelst ausgebuht, ganz legal!
Die größte Hoffnung legen Kenner der Szene auf Gegengewerkschaften, die sich inzwischen ebenfalls bilden. So könnte es zu einem glücklichen Ende kommen, wenn jemand wie bei der Bahn der verdiente Transnet-Held Hansen in den Ring steigt und die Fluglinie rettet. Hansen, ein Sozialdemokrat, konnte die Lokführerbande immerhin so weit schwächen, daß die Bahn finanziell überleben konnte. Wir brauchen einen Lufthansen, einen, der auf der richtigen Seite steht und sich auf der anderen die Hände schmutzig macht. Für Deutschland, für den Standort, für millionen Kollegen am Boden und am Himmel.
29. Jul 2008 1:20
Das ganz große Berliner Theater sondert in der Sommerpause Plattitüden ab, wo eine vernünftige Diskussion dringend vonnöten wäre. Die Frage wäre: Ist es sinnvoll, daß der Staat ein Konnjukturprogramm auflegt, um die drohende Wirtschaftskrise abzufedern? Der Oeffinger Freidenker weist auf zwei Artikel in der FR hin, die ein Ende des Sparwahns fordern. Es gibt offensichtlich gute Argumente dafür.
Michel Glos denkt laut darüber nach, Steinbrück und Merkel stehen auf der Bremse.
Was Glos im einzlenen vorschlägt, ist nicht das Gelbe vom Ei, aber selbst das Nachdenken möchte Steinbrück ihm gern verbieten.
“Krisengerede” wirft er dem Kollegen vor, das nur “verstärkt” werde, wenn man die Krise nicht ignoriert. Daß hohe Zinsen und Steuern bei steigenden Preisen und mieser Kauflaune selbst die Krise herbeiführen können, paßt nicht ins neoliberale Kampfkonzept. Niedrige Steuern gefallen den Herren nur in bezug auf Unternehmen. Die Bürger erholen sich derweil nicht von der höheren Mehrwertsteuer und ächzen unter explodierenden Energiepreisen. Was vom Monat übrigbleibt am Ende des Geldes, ist erbärmlich – ein gewaltiger Hemmschuh für den Binnenmarkt.
Die Wirkungen von Konjunkturprogrammen, höheren Investitionen des Staates, sind höchst umstritten und äußerst komplex. Daß von Neoliberalen allerdings behauptet wird, sie sie hätten bessere Mittel zur Beherrschung einer Konsumflaute, ist ein Witz.
Die Kernidee der Konjunkturprogramme oder Nachfragestimulierung ist eine sich selbst tragende Konsumbelebung. Wenn es funktioniert, wovon immer mehr unabhängige Ökonomen ausgehen, würden die steigenden Staatsausgaben durch mehr Konsum und entsprechenden Geldfluß die höheren Schulden kompensieren. Es wäre wichtig, diese Diskussion intelligent zu führen. Kluge Investitionen sind gefragt, solche, die eben den Markt beleben und das fatale Angstsparen beenden. Darüberhinaus können Investitionen, die arbeitsintensiven Betrieben nützen, verhindern, daß die Spirale aus Konsumverzicht und Entlassungen wieder in Gang kommt.
Das Thema kann hier nicht erschöpfend behandelt werden. Daher möchte ich auf einen Umstand aufmerksam machen, der den Bundesfinanzminister ins rechte Licht rückt. Daß er sich in die Riege der Finanzgenies von Waigel bis Eichel nahtlos einreiht, ist nur ein Aspekt seiner Eindimensionalität. Hochzinspolitik in Kombination mit Sparwahn hat uns die schönsten Reformen der Arbeitsmarktstatistiken beschert und immer wieder hohe Arbeitslosigkeit sowie niedrige Löhne. Das Lambsdorff-Papier war der neoliberale Sündenfall. Seitdem betätigt sich jeder Finanzminister als Hohepriester dieser Religion. Daher ist es nicht verwunderlich, wenn auch Steinbrück keinen Jota vom Credo abrückt. Im Gegenteil: Er betätigt sich als Tugendwächter der Wirtschaftspolitik und verhindert jede Debatte über Alternativen.
Die Ironie in bezug auf die Diskussion über eine mögliche Nachfragestimulierung besteht nun darin, daß er ein wichtiges Argument gegen ein Konjunkturprogramm ebenfalls verhindert. Es ist ein Gedanke, der darauf hinweist, daß klassische Konjunkturprogramme nicht ausreichen. Das Problem besteht nämlich darin, daß eine einfache Nachfragestimulierung deshalb verpuffen muß, weil das Geld in einer Sackgasse landet. Wenn die bessere Konsumlaune dazu führt, daß nur wieder die Großkonzerne davon profitieren, kann man die Euros auch gleich verbrennen. Die “Geiz ist Geil” – Mentalität hat längst zu einem Konsumverhalten geführt, das ebendies befürchten ließe.
Es ist müßig, Herrn Steinbrück mit solchen oder überhaupt mit Argumenten zu kommen. Er ist der falsche Ansprechpartner. Man darf jetzt aber nicht den Fehler machen, einfach lautstark Konjunkturprogramme zu fordern. Der Neoliberalismus ist am Ende, um ihn zu überwinden, bedarf es allerdings mehr, als nur in eine andere Richtung zu marschieren.
27. Jul 2008 22:49
Der Libysche Staatschef Gaddafi hat seine ganz eigene Art der Diplomatie: Blanke Erpressung. Nachdem er schon bulgarische Krankenschwestern als Geiseln genommen hatte, sind aktuell zwei Schweizer reif, die für die Verhaftung des Gaddafi-Sohns bluten müssen. Der Junior hatte gemeinsam mit seiner Gattin zwei Hotelangestellte “mißhandelt” und war deshalb festgenommen worden. Ganz nebenebei hat Papa auch alle Öllieferungen an die Schweiz gestoppt.
Wie wird die Welt darauf reagieren? Für seine letzte Erpressung war der große Revolutionsführer von Sarkozy mit dem Versprechen belohnt worden, er bekomme ein Atomkraftwerk. Vielleicht gibt’s jetzt von Bush noch ein paar Zentrifugen dazu. Immerhin hat sich Gaddafi vom Terror und von Massenvernichtungswaffen losgesagt. Beides hatte er zuvor zugegeben: Daß Libyen in Terroranschläge verwickelt war und daß es ABC-Bomben bauen wollte. Wer so ehrlich ist, dem vertraut man doch!
Mit großem Ernst wird derzeit die Möglichkeit eines Angriffs auf Iran erörtert, weil dieser Atomwaffen herstellen könnte. Von Libyen spricht derweil niemand. Hier wird in aller Stille ein wirrer Despot gehätschelt, der (ich wiederhole mich) alles hat, was man Saddam einst vorwarf. Es ist höchste Zeit, ihm kräftig auf die Finger zu hauen und über Sanktionen nachzudenken, mit denen man kurzfristig auf seine erpressersichen Eskapaden reagieren kann. Wenn wieder einmal nichts passiert, nährt das den Verdacht, man warte nur darauf, in einer geeignet scheinenden Sitaution auch in Libyen einzumarschieren. Verdient hat er’s ja längst, und er ist demnächst dank Sarko vielleicht auch wirklich gefährlich.
27. Jul 2008 0:55
Einhundert millionen Euro, das ist doch ein angemessenes Gehalt. Er hat ja auch etwas geschafft: Der Gewinn von Porsche ist größer als der Umsatz, jubelt SpOn. Nur nicht drüber nachdenken! Die Sternschnuppen des Q-Journalismus bemühen sich auch nicht, das zu erklären, es würde nur die tolle Nachricht verwässern. Daß Gewinne aus Dividenden, Beteiligungen und Optionen nämlich quasi kostenfrei erzielt werden, ist das Geheimnis des großen Zaubers. Würde das Geld, das darin investiert ist, dem Umsatz zugeschlagen, stiege dieser entsprechend, und das Wunder wäre keins mehr. Setzt man “Gewinn” in Beziehung zum “Umsatz”, wäre das größte Wunder dadurch zu erreichen, daß gar nichts mehr produziert und der Konzern von der Substanz und dem Glück am Markt leben würde. Ich kenne den Vertrag von Herrn Wiedeking nicht, aber es könnte seinem persönlichen Einkommen durchaus zuträglich sein, genau das zu tun: Die gesamte Produktion verhökern und in den folgenden Jahren nur noch kassieren, was unter Lizenz von anderen erwirtschaftet wird.
Tendenziell ist Porsche also kein “Autobauer” mehr, sondern ein Finanzbetrieb, eine Bank. Ob dieser Sachverhalt die Beteiligungen wiederum zum “Umsatz” machen würden, entzieht sich meiner laienhaften Kenntnis. Es ist ohnehin eine akademische Frage.
Porsche hat ca. 11400 Mitarbeiter. Porsche.com nennt eine ähnliche Zahl für 2006 für den “Porsche Konzern”, während die “Porsche AG” gut 8200 hatte. Ich bin zu faul, um den Unterschied zu recherchieren. Nehmen wir die größere Zahl, dann bedeutet dies, daß jeder einzelne jährlich ca. 8800 Euro für den Chef erwirtschaftet. Nun kann man einwenden, daß die Mitarbeiter nur für den Umsatz sorgen, nicht für den Gewinn (aus der Substanz). Dies aber gilt ebenso für den Chef. Der dialektisch geschulte Wirtschaftsexperte oder wahlweise der ausgebildete Journalist wird dem entgegnen, daß die Mitarbeiter nicht für den Gewinn verantwortlich sind. Im Gegenteil: Sie sind so verzichtbar, daß sie sich jederzeit einen anderen Arbeitgeber suchen dürfen, wenn man sie nicht mehr braucht.
Was die Bezahlung der Mitarbeiter anbelangt, ist Porsche allerdings zu loben. Sogar nicht vereinbarte Sonderzahlungen kommen vor. Ganz ohne Hohn sehe ich darin ein gutes Zeichen. Andere Konzerne könnten sich davon eine gute Scheibe abschneiden.
Ich gönne Herrn Wiedeking ein hohes Gehalt, meinetwegen auch ein zu hohes. Aber 100000000 Euro sind schon nicht mehr obszön. Sie sind ein Fanal der Ungerechtigkeit.
Nachdem ich gestern das Thema bereits angekratzt hatte, drängt es sich heute auf: Wie viele Milliarden braucht man, um Fußball zu spielen? Die Rummenigges und Rauballs laufen Amok, weil das Kartellamt sich erdreistet hat, die Zuschauer nicht auszuplündern zu lassen, damit sie noch samstags zu einer akzeptablen Zeit in Bild und Ton über den Spieltag informiert werden. Fußball im Fernsehen mag ein schrecklich profanes Thema sein, aber es kreuzen sich hier alle Linien, die den Konflikt zwischen einem losgelassenen Markt und den Interessen der Menschen aufzeichnen.
Es geht um zusätzliche Einnahmen aus dem exklusiven Recht des Pay-TVs, über die Spiele zu berichten. Bereits jetzt zahlt “Premiere” 220 millionen Euro für Live-Berichte und andere Exklusivrechte. Es sollte noch mehr werden, unter der Bedingung, daß jeder, der vor 22 Uhr Spielberichte sehen will, dafür zahlt. Daß vor allem die Chefsympathen von Bayern München jetzt schäumen, ist so durchsichtig wie albern. Die Bayern haben Jahr für Jahr etwa das doppelte Budget von Werder Bremen (60/30 Millionen) zur Verfügung. Der Gesamtumsatz der Bayern liegt bei knapp 190 Millionen.
Die reichsten europäischen Vereine setzen über 250 Millionen um. Die Bayern, die gern das eine oder andere Milliönchen investieren, um Talente anderer Vereine auf der Tribüne versauern zu lassen, geifern nicht nur ihre Überzeugung heraus, man könne durch Geld – und nur durch Geld – guten Fußball zustande bringen, sie beschwören auch noch den Untergang des deutschen Fußballs, weil sie nicht mit Clubs mithalten können, die ein paar Prozent mehr in teure Superstars investieren. Von Gewinnen ist in dem Zusammenhang natürlich keine Rede, das ganze Geld dient nur der Ehre von Volk, Fußball und Vaterland.
Daß Geld allein nicht zum Erfolg führt, haben Clubs wie Schalke, Berlin, Wolfsburg, Dortmund, Stuttgart und andere in den letzten Jahren eindrucksvoll demonstriert. Selbst Bayern und Madrid haben übles Gekicke für massig Kohle abgeliefert. Der Unterschied liegt darin, daß sie seit Jahrzehnten kaufen wie blöde und damit die Statistik aufpolieren.
Es ist wie im richtigen Leben: Diejenigen, die den Hals schon voll haben, wollen sich ein Recht darauf sichern, so viel Geld zu drucken, daß die Underdogs ihnen nicht mehr in die Suppe spucken. Das blöde Argument, daß irgendwo auf der Welt irgendwer noch mehr “Money for Nothing” einheimst, wird zum “Standortfaktor” erklärt, der Deutschland in den Ruin treibt. Wörtlich:
- “Es wird immer schwieriger, international wettbewerbsfähig zu sein” (Rummennige)
- “Das könnte den deutschen Profi-Fußball um Jahre zurückwerfen” (Rauball)
- “Wir sind auf dem besten Weg, den Standort Deutschland für den Profifußball massiv zu gefährden” (Christian Seifert, Chef der Deutschen Fußball Liga)
Derselbe Sermon, der jedesmal daher geleiert wird, wenn hohe Gewinne nicht hoch nicht genug sind.
Es ist nie die Rede davon, daß jemand davon profitiert, wer davon profitiert und welche Substanz dahinter steht. Mehr als hundert Jahre Vereinsfußball, zigmillionen Fans und Aktive haben dafür gesorgt, daß es “diesen Fußball” gibt. Sie haben nichts dafür verlangt, sondern einfach ihre Leidenschaft investiert. Die aktuelle Generation dieser Zuträger soll jetzt die Klappe halten und zahlen. Sie sind Rechtlose und Untertanen.
Aktiengesellschaften und andere Geschäftemacher, die den ganzen Zirkus gekauft haben, halten sich ernsthaft für die Eigentümer dieser Welt, woraus sie aggressiv das Recht ableiten, immer mehr davon zu haben. Kein “Argument” ist dafür zu dumm. Die dümmsten werden Tag für Tag in die Öffentlichkeit geblasen.
Daß es überhaupt noch staatliche Instanzen gibt, die diesem Alptraum entgegentreten, ist den nimmersatten Idelogen der Raffgier ein rostiger Nagel in ihren kalten Augen. Wie so oft, gibt es keinen Aufschrei der Massen, geschweige denn einen Aufstand. Im Gegenteil: So lange es “Fans” der FC Bayern AG gibt, dürfen sich die grauen Herren beinahe bestätigt fühlen.