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2006


Seltsame Koalitionen schmiedet die energiehungrige Welt. Wenn man davon ausgeht, daß einer der Hauptgründe für die Irakkriege der Kampf ums Öl ist, wenn man sich anschaut, wie Rußland als größter Energiekonzern der Welt auftritt und wenn man sieht, daß das Verhältnis von Energierbedarf und Rohstoffen sich nicht günstig entwickeln wird, muß man Schlüsse ziehen. Einer dieser Schlüsse ist, daß der Ausbau regenerativer Energien mehr denn je eine Frage von Krieg und Frieden ist.
Dazu gehört nicht nur das Öl, das derzeit nicht so schnell gefördert werden kann, wie es verbraucht wird. Daß ausgerechnet in der Region, in der die größten Ölvorkommen liegen, seit Jahrzehnten Religionskriege wüten, ist schlimm genug. Daß aber darunter bereits eine Atommacht ist und der radikalste Gegenspieler sich anschickt, ebenfalls Nukleartechnologie zu gebrauchen, macht das Pulverfaß perfekt.
Während in Asien China zur Energieverbauchsweltmacht aufsteigt, Rußland sich die Infrastruktur für die Gaslieferung nach Europa unter den Nagel reißt und man sich weltweit darauf verläßt, daß mit der Kernenergie schon alles gutgeht, hat das alte Europa noch nicht begriffen, wie sehr es von Energielieferungen abhängig ist. Die EU ist der größte Energieimporteur der Welt. Und selbst bei einer Renaissance der Kohle, von der noch reichlich unter dem Kontinent liegt, kann der Ausweg auf Dauer nur der sein, sich so unabhängig wie möglich zu machen von dem brutalen Geschacher um Rohstoffe. Kurzfristig ausgerichtete Politik wird zusehen, daß sie sich den Multis im Nahen Osten und im noch näheren Osten anbiedert, für gute Vertragsbedingungen betet und die Brände löscht, die dabei entstehen. Neunmalkluge Politik schreit nach Kernenergie, womit das Problem auf den Rohstoff Uran und die Verbreitung von Kernwaffen verschoben würde. Was ansteht, ist die Anstrengung, die Karten völlig neu zu mischen. Die Technik und die Manpower sind da, um es in absehbarer denen zu zeigen,die glauben, sie könnten die Welt erpressen mit Öl, Gas und Uran. Und womöglich könnte ja ein Kontinent dabei eine Rolle spielen, der völlig vernachlässigt wird, ganz so, als bräuchten seine Völker keine Energie. Eine visionäre Politik würde vielleicht den Versuch wagen, in Afrika alternative Energien so weit zu entwickeln, daß der Kontinent als erster völlig unabhängig wäre von Importen. Europa könnte davon zuallererst profitieren.

Jetzt wird sich zeigen, ob die Coswiger ehrliche Menschen sind. Sie sind aufgerufen, sich einer DNA-Probe zu unerziehen, um ein Verbrechen aufzuklären. Von dern ersten gut 3000 Männern, die aufgefordert sind, hätten sich schon 500, “die am Wochenende verhindert sind, [...] vorab gemeldet”, so Tom Jährig vom zuständigen Landeskriminalamt.
Das LKA sei “beeindruckt vom Andrang und vom Verständnis der Bürger für diese Maßnahme“.
Wer nichts zu verbergen hat, entschuldigt sich also vorab, daß er nicht rechtzeitig freiwillig seinen Pflichten nachkommt. Die anderen 97000 werden dem Beispiele folgen, so daß nur noch solche übrigbleiben, die Dreck am Stecken haben. Wer sich nicht an der Massenstestung beteiligt, ist verdächtig. Das Gute daran: Man wird so nicht nur das eine Verbrechen aufklären, sondern man darf davon ausgehen, daß die Verweigerer in der Mehrheit Verbrecher sind. Diese sollten dann genauer unter die Lupe genommen werden, auch wenn sie nicht als Täter in Frage kommen. Aber schon aus einem anderen Grunde werden sie es nicht leicht haben: Es wird keinen guten Eindruck bei Nachbarn, Freunden und dem Arbeitgeber machen, wenn man verdächtig ist. Und das Volk braucht keinen richterlichen Beschluß, um gegen solche Subjekte zu handeln!

Die Wirtschaftskompetenz der Bundesregierung hat einen Namen: Michael Glos. Der Mann, den Deutschland schon immer als Motor und Ideengeber der Ökonomie kannte, löst ganz en passant auch das Lehrstellenproblem. Während Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände den Mangel an Lehrstellen noch damit begründen, man könne niemanden ausbilden, der kaum lesen und schreiben kann, hat Glos das wahre Problem identifiziert. Er dürfte damit auf dem besten Wege zum Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften sein. Nur er hat erkannt: Die Kosten sind zu hoch. Die Menschen sind zu teuer. Die Gehälter der Azubis müssen gesenkt werden. Was schon für den Arbeitslosen, den Lohnempfänger und sonstige Kostenfaktoren gilt, hat Glos jetzt auch bei den Lehrlingen entdeckt. Die Lösung kann man sich ähnlich vorstellen wie beim ALG II: Kürzen bis aufs Existenzminimum, und wer bei den Eltern wohnt, kriegt die Hälfte. Oder am besten zahlen wir Löhne bald nur noch in Naturalien aus. Einkaufen geht dann eh niemand mehr, wovon denn auch?

Israel hat die Bitten von Hamas und Hisbollah positiv beantwortet. Gemeinsam will man jetzt durch sehr sinnlose Scharmützel, die auf einen neuen alten Krieg hinauslaufen, dafür sorgen, daß den Radikalen aller Lager der Nachwuchs nicht ausgeht.
Dazu tötet man sich gegenseitig Unschuldige und trägt dafür sorge, daß die Reaktionen stets unverhältnismäßig ausfallen. Das Konzept erscheint sehr tragfähig.
Der Anlaß zu dieser neuerlichen Eskalation ist nachvollziehbar: Solange Islamisten nur Frauen und Kinder getötet hatten, konnte man gelassen bleiben. Da zuletzt aber sogar ein Soldat entführt wurde, sah sich Israel zu härteren Maßnahmen gezwungen. Höchste Zeit, denn wie man weiß, sorgt solche “Härte” schon seit Jahrzehnten für Frieden in der Region.
Das hat nach der Hamas auch die Hisbollah verstanden und gleich zwei Soldaten entführt. Mal sehen, ob sich Syrien und Jordanien nicht auch noch einen gönnen. Vielleicht zu Weihnachten.

Eine neue lustige Schikane hat der Gesetzgeber ganz aus Versehen Beziehern von ALG II beschert: Wer eine Lebensversicherung hat, muß sich diese erst auszahlen lassen und das Geld verbrauchen, ehe er ALG II bekommt. Das war gar nicht vorgesehen, aber nun ist es Gesetz. Die Abteilung für Humor in Behördenfragen kommentiert das so: “Es solle ‘auf keinen Fall geschehen’, dass Betroffene deswegen ihren ALG-II-Anspruch verlieren”. Weiter heißt es, “es werde eine kurzfristige Lösung des Problems angestrebt, etwa eine Anweisung an die Arbeitsagenturen.” Ja, es soll nicht geschehen, und es wird angestrebt! Bekanntermaßen ziehen die Anstreber in den “Agenturen” aber erst einmal ihren “Vorschrift-ist Vorschrift” – Streifen durch und sind durch “soll”, “kann” und “ist vorgesehen” sicher nicht von ihrer staatstragenden Haltung abzubringen. Was lernen wir daraus? Bloß nicht arbeitlos werden oder die Schäfchen anderweitig ins Trockene bringen!

Wer glaubt schon wirklich an eine Wende in der amerikanischen Außenpolitik? Zwar ist es offensichtlich, daß nach dem Scheitern der “Militärischen Option” im Irak sich allmählich die Intellektuellen in der Bush-Administration gegen die Parteiideologen durchsetzen. Aber diese taktisch bedingte Änderung bedeutet keineswegs schon die “Wende”, als seien plötzlich alle geläutert und aus den Falken Tauben geworden. Im Gegenteil kann die plötzliche Auffächerung des Spektrums, ungewöhnlich für eine reaktionäre Partei, nicht ohne die Gefahr einer weiteren Polarisierung vonstatten gehen. Niemand wird überdies ernsthaft glauben, die Amerikaner, zumal Republikaner, würden dauerhaft auf die Militärische Option verzichten. Das hieße aber, aus den Irakkriegen könnten fatale Konsequenzen gezogen werden: Die Legitimität solcher Kriege macht das amerikanische Volk nämlich in erster Linie von den eigenen Verlusten abhängig. Im Ausland, vor allem im “alten Europa”, wurde dieser Krieg nie für legitim gehalten. Strategisch ist die Lehre, daß man ein Land schnell besiegen, aber kaum mehr besetzen kann. Für die Militärische Option bedeutet dies, daß man künftig reine Zerstörungskriege führen könnte und dafür Sorge tragen würde, daß die daraus resultierenden Veränderungen sich auf das besiegte Land beschränken, indem man nur dessen Grenzen sichert. Kriege wären dann nicht unwahrscheinlicher, sondern nur brutaler.

Es ist vorbei. Mit dem Ende der WM gehen einige Große von der Bühne, während viele Kleingeister weiter im Schatten der Ballartisten ihr trübes Dasein fristen.
Kerner! Beckmann! Während Jürgen Klopp uns für die eimerhohlen Fragen Kerners noch in Echtzeit entschädigen konnte, durfte Beckmann seinen Sermon ungebremst in die Ohren seiner Opfer spritzen. Diese affige Attitüde, mit der er “Lukkatooni” erkennt, den einzigen Fuballer, der einen Vornamen hat, wie er ständig dieselben Geschichten erzählt, als habe die Senilität ihn schon in grabesfeuchten Klauen, welche Vergleiche er aus den Ruinen seiner Halbbildung zieht! Das ist selten komisch, wenngleich er zu wahren Höhen unfreiwilligen Humors fähig ist. So etwa, als er eine Faustabwehr von Buffon mit der Bemerkung garniert, das habe der Torwart von seiner Mutter gelernt, die ja Kugelstoßerin gewesen sei. Vielleicht hat Beckmanns Mutter ihren Jungen auch zwei- oder dreimal zu oft durch die Küche gefaustet, oder woher hat der delirierende Schwatzarbeiter das Talent zu sinnfreiem Gelalle?
Zinedine Zidane hat die rote Karte verdient, ebenso wie die Auszeichnung als bester Spieler des Turniers. Aber wer kam auf die Schnapsidee, einen Beckmann überhaupt auflaufen zu lassen?

NRW will mehr rechte für den Verfassungsschutz, nämlich soll dieser in Zukunft private Rechner hacken dürfen. Der Grund dafür, man ahnt es nicht, besteht in der der “anhaltenden Bedrohung durch islamistischen Terror”. Was vor dem Bomben-Ali schützt, ist natürlich gut für uns alle. Außerdem ist das Ganze ja auch völlig harmlos und transparent, weil
“betroffene Bürger in Nordrhein-Westfalen künftig über den Einsatz aller geheimdienstlichen Mittel informiert werden sollen, sobald diese beendet sind und keine Sicherheitsinteressen dagegen sprechen”. Wie darf ich mir das vorstellen? Heute schaut sich wer meine Festplatte an, morgen bekomme ich einen Anruf, in dem mir das mitgeteilt wird? Wäre eine nette Variante in mit kuscheligen Nebeneffekten. Aber so weit wird es nicht kommen, denn gegen den Anruf spricht doch die anhaltende Bedrohung durch islamistischen Terror. Und ist Bombenali selbst überhaupt ein Bürger?
Schließlich fragt man sich, wie die Staatsschützer so schnell an die IPs der bösen Buben kommen. Oder geht das ganz anders? Schnüffelt man einfach gnadenlos in der Weltgeschichte herum und versucht so, die Bösen ausfindig zu machen? Und sind diejenigen, die nicht weiter verfolgt werden, nachdem man sie ausspioniert hat, dann nicht mehr “betroffen“?
Ich mache mir um das Treiben dieser Experten sehr viel größere Sorgen als um “islamistischen Terror”. Von dem, nehmt es endlich zur Kenntnis, fühle ich mich nämlich überhaupt nicht bedroht.

Und zwar auf dem Informationsschlachtfeld, der gigantischen Quelle für alles Böse. Das Gute ist hier natürlich herausgefordert. Das Pentagon macht sich also Sorgen um den Einfluß von Bloggern auf die Informationen, die im Netz kursieren und will eine eigene Suchmaschine entwickeln, um die Guten von den Bösen zu trennen und diejenigen, die auf Abwegen sind, zurück auf den Pfad der Tugend zu bringen. Das dazu gebildete Team “soll Blogger ‘freundlich’ kontaktieren, wenn sie “‘falsche, ungenaue oder unvollständige Informationen’ [verbreiten]“. Wie freundlich das dann wirklich zugeht, wird man sehen. Allerdings besteht der Verdacht, daß sie es ernst meinen und wirklich glauben, Kritik an den U.S.A. und ihrer Strategie der präventiven Vorwärtsverteidigung sei nur möglich, weil die da draußen nicht bescheid wissen oder dumme Vorurteile haben. Sonst würden sie doch quasi am Rande des Datenhighways stehen und Wimpelchen schwenken zum Gruße des Allbefreiers, des amerikanischen.

Wenn es nach mir geht, jedenfalls. Die Autorin mag andere Gründe haben, ihren Protagonisten zu schlachten. Er hat ihr genug eingebracht, er war der ödeste Charakter in den Büchern, und sie mag es halt, wenn Leute schlechte Laune haben. Spätestens als sie ihren Lesern den Gothic-Schinken “Der Orden des Phönix” vor die Füße geworfen hat, wurde das offenbar. 1000 Seiten schlechte Laune in der Rubrik “Kinderbuch” zigmillionenfach zu verhökern, das ist eine der großen Leistungen der Menschheit. Im nächsten Band ließ sie den Sympathieträger abnippeln, und jetzt ist eben der tumbe untalentierte Typ mit der Blitznarbe dran. Mal sehen, durch wie viele Seiten Stilerbrechen und schale Spannungserzeugung sich die Opfer der literarischen Sadistin diesmal quälen müssen. Sie spielt sich inzwischen auf wie wie ein Despot, der über Leben und und Tod entscheidet:
“Zwei Hauptpersonen werden sterben, eine dritte wurde von mir begnadigt”
Begnadigt, aha. Möge sie der Welt eine weitere Gnade erweisen: Daß dieses zweitklassige Fantasyepos endlich zu einem Ende findet.

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