Journalismus


Er kann nicht so glänzen, der Oskar, wenn er ganz normal befragt wird. Der “Freitag” tat dies, und es fällt schon auf, wenn Journalisten ihm nicht geifernd gegenübertreten, sondern einfach ein Interview führen und ihn reden lassen. Dann wirkt er beinahe ein wenig gestanzt, genau wie alle seine Kollegen. Wer ihn entzaubern will, behandelt ihn einfach wie einen Menschen. Daß man schon dankbar sein muß für solch journalistische Magerkost, ist nicht wirklich ein Lob an Lutz Herden und Tom Strohschneider, die für den Freitag die Fragen stellten. Es ist vielmehr eine Ohrfeige für die Konkurrenz.
Ärgerlich allerdings, daß auch der Freitag es für opportun hält, kritiklos die Meinungsmacher von “Forsa” zu zitieren. Das muß aufhören.

In einem Interview mit Oskar Lafontaine zelebriert Ulf Poschardt für die “Welt” seine heillose Verstrickung in einen Sprachgebrauch, der nichts anderes mehr zulassen will als Definitionen, die der verinnerlichten Ideologie zuträglich sind. Während Lafontaine es sich nicht nehmen läßt, die Dinge so zu erläutern, wie er sie denkt, hält der Interviewer ihm die Arroganz medialer Definitionsmacht entgegen. Der Journalist will nicht diskutieren, er will Bedeutungen festgelegt wissen:

WELT ONLINE: Meinen Sie Chancen- oder Ergebnisgerechtigkeit?

Lafontaine: Das sind Täuschungswörter des Neoliberalismus. Schon von Chancengerechtigkeit zu reden ist angesichts der gravierend ungleichen Verteilung der Startchancen ein schlechter Witz.

Es soll nur als “Gerechtigkeit” gelten dürfen, was in den genannten Dualismus paßt. Selbstverständlich ist “Ergebnisgerechtigkeit” dann falsch, weil sozialistische Gleichmacherei. Es soll ergo nur “Chancengerechtigkeit” geben, die unter Hand als gegeben behauptet wird. Mit Recht hält Lafontaine dem die soziale Realität entgegen.

Lafontaine: All diejenigen, die die Menschen mit den Lügenwörtern des Neoliberalismus hinters Licht führen.

WELT ONLINE: Was ist aus Ihnen geworden, dass Sie das Wort „liberal“ als Schimpfwort einsetzen? Sie galten früher in der SPD als ein moderner Linksliberaler.

Die Gleichsetzung von “Neoliberalismus” mit “liberal” und der anschließende wirre Vorwurf zeugt von einem Geist, dem die Sprache abhanden gekommen ist. Es geht nur noch um das Hüben vs. Drüben der vermeintlichen ideologischen Gräben.

WELT ONLINE: Dann verstehen Sie sich als Liberaler?

Lafontaine: Moment. Ich will noch etwas sagen. Und drittens: Einer der Vordenker des Neoliberalismus, Alexander Rüstow, sagte, der Staat muss dorthin, wo er hingehört, über die Wirtschaft. Davon kann in einer Zeit, in der ein ehemaliger Bundesbank-Präsident zutreffend gesagt hat, die Finanzmärkte kontrollieren und beherrschen die Politik, nicht mehr die Rede sein.

WELT ONLINE: In diesem – zugegebenermaßen kruden Verständnis des Liberalismus – wären Sie dann ein Neo-Liberaler?

Was “krude” sein soll am Verständnis, erschließt sich mir nicht. Die Anschlußfrage taugt nicht einmal mehr zum schlechten Witz. Sie ist schlicht peinlich.

WELT ONLINE: Dennoch benutzen Sie das Wort „liberal“ in diesem Gespräch meist so, wie es im Augenblick viele benutzen: als Schimpfwort. Gemäß dem Diktum von Wittgenstein: Bedeutung entsteht im Gebrauch. Sie galten früher als Feingeist in der Politik, jetzt geben Sie den Polemiker. Macht Ihnen das Spaß?

Schimpfwort gemäß Bedeutung als Gebrauch, das ist also Wittgenstein? Und macht das Spaß? Wittgenstein kann leider nicht antworten, vermutlich würde er den Wörterkasper verklagen.

WELT ONLINE: Dafür erhalten die Arbeitnehmer einen Lohn.

Lafontaine: Das genügt nicht. Der Unternehmer kriegt neben dem Zuwachs des Betriebsvermögens seinen Gewinn und seinen Unternehmerlohn. Uns geht es nicht um die Enteignung der Unternehmer, sondern darum, dass die ständige Enteignung der Arbeitnehmer beendet wird.

WELT ONLINE: Sie betreiben Politik als Sprachspiel.

“Sprachspiel”, das ist dem verunsicherten Tendenzjournalisten jeder Widerstand gegen die selbstproduzierte Entmündigung. Wenn marktliberale jede Steuer als “Enteignung” bezeichnen und jemand daherkommt, der das Spiel von Zueignung und Enteignung aus seiner Perspektive beschreibt, sei das “Sprachspiel”. Ein toller Begriff vom großen Wittgenstein, der übrigens nicht das Mindeste mit dem zu tun hat, was der Interviewer hier auftischt. Ginge es nach diesem, dürften Politiker bald gar nicht mehr sprechen, sondern nur noch vorbeten.

WELT ONLINE: Hat die Linke noch nicht verstanden, dass ihre Form der Sozialtransfers das Prekariat in der Unmündigkeit, ohne Selbstverantwortung, hat verkümmern lassen?

Lafontaine: Wir haben einen anderen Begriff von Verantwortung als die Neoliberalen.”

Nun muß man zuerst einmal feststellen, daß nicht “die Linken” für “Sozialtransfers” verantwortlich sind, sondern die bisherigen Regierungen der Bundesrepublik. Die Behauptung, dies sei “Unmündigkeit, ohne Selbstverantwortung”, ist Neoliberalismus in seiner plattesten Prägung. Zum Thema “Verantwortung” werde ich mich in einem der folgenden Artikel noch auseinandersetzen. Selbstverständlich erklärt der Ideologe hier auch nicht, wie denn mehr “Verantwortung” und “Mündigkeit” aussähen und wer in der Wirklichkeit für was die Verantwortung trägt.

(Lafontaine):Im Zentrum des Christentums steht übrigens nicht Eigenverantwortung, sondern Nächstenliebe.

WELT ONLINE: Ja, aber die wird ja auch in Deutschland praktiziert.

Lafontaine: Na ja, Ihr Wort in Gottes Ohr.

WELT ONLINE: Sie wird in Deutschland sehr umfassend praktiziert. Also es gibt keine linke Form von Selbstkritik, was den Erfolg der Sozialleistungen betrifft?

Die Widerrede zeichnet sich einmal mehr dadurch aus, daß sie weder irgendwelche Fakten nennt, noch sich um eine Begründung bemüht. Ein seriöser Interviewer hält sich entweder mit seiner Meinung ganz zurück oder er steigt in die Diskussion ein. Poschardt hingegen weiß sich des Applauses der Rechten sicher, wenn er den Interviewten unprofessionell zurechtweist.

WELT ONLINE: Da sind sich ja alle einig. Ist ein Thema wie Sozialmissbrauch für Sie tabu?

Lafontaine: Ich habe kein Problem mit dem Thema sozialer Missbrauch. Es gibt auch Missbrauch sozialer Leistungen. Nur, wenn man über Missbräuche in der Gesellschaft spricht, dann darf man ?

WELT ONLINE: Jetzt kommen Sie wieder mit der anderen Seite.

Lafontaine: … nicht einäugig sein.

Deutlicher kann sich der Ideologe nicht entlarven. Er will, daß nur eine vorgefasste Meinung zur Sprache kommt. Die Assoziierung von “Sozialleistungen” und “Missbrauch”, die die Öffentliche Meinung beherrscht, soll gefälligst auch von der Linken übernommen werden. Dazu soll Lafontaine auf seine demagogischen Bezüge auf die Wirklichkeit verzichten. Großartig.

WELT ONLINE: Sie glauben weiter an den Segen der Umverteilung?

Lafontaine: Umverteilung ist ein klassisches Täuschungswort, das von denen missbraucht wird, die durch die Umverteilung der Erträge der Arbeit zu großen Einkommen und Vermögen kommen. In den letzten Jahren ist die Lohnquote um acht Punkte gesunken. Anders ausgedrückt: Hätten wir noch die Lohnquote des Jahres 2000, dann hätten die Arbeitnehmer 140 Milliarden mehr pro Jahr in der Tasche. Über diese gewaltige Umverteilung reden wir.”

Auch hier eine inhaltlich fundierte Meinung, die das Phänomen “Verteilung” aus einer übergeordneten Perspektive betrachtet. Das will aber die “Welt” nicht hören:

WELT ONLINE: Interessant: Wir finden keine gemeinsame Sprache.

Lafontaine: Sie müssen die Begriffe klären, sonst reden wir munter aneinander vorbei.

WELT ONLINE: Ihre Definitionen sind gut verständlich. Nur sind Ihre Definitionen nicht sonderlich marktgängig.”

Man muß für diese Offenheit geradezu dankbar sein, und hier gelingt dem Narren ein fürwahr fürstliches “Sprachspiel”. Er will Begriffe nicht klären, er will sie marktgängig angewandt wissen. Der Markt definiert die Begriffe – der Markt der Großverlage und der großen Marktteilnehmer, der Verdiener und Leistungsträger. Gleichzeitig soll der Begriff dem Markt dienen, seinem guten Ruf und denjenigen, die sich ihm verschrieben haben.

WELT ONLINE: Dann ist die Linkspartei im orwellschen Sinne eine Partei, die eine eigene Semantik aufbaut und einen Newspeak hat. Dann müssen Sie eigentlich vor allem dafür sorgen, dass die Wähler Ihre Definition teilen.

Nicht einmal Orwells “1984″ hat Poschardt begriffen, vielleicht sollte er noch einmal bei Pippi Langstrumpf anfangen. Der “Newspeak” ist die Vergewaltigung der Sprache durch eine diktatorische Herrschaft, bei dem Bedeutungen willkürlich besetzt werden und ihre strikte Anwendung Bürgerpflicht ist.
Wem in diesem Interview diese Rolle tendenziell zukommt, ist nur zu offensichtlich.

Ob Blogger Journalisten sind, kann man in Deutschland derzeit nicht fragen. Zu viele Kuhjournalisten wissen, daß erst der Presseausweis den Mann und der Verlag die Qualität ausmacht. Zu viele Blogger wehren sich gegen das Mißverständnis, ihnen läge etwas daran, von einer arroganten Minderheit von Schreibern als Menschen anerkannt zu werden.
Die Eingangsfrage ist da spannender. Wenn Konrad Lischka bei SpOn feststellt, der Fall Zwanziger sei “ein Beispiel für die Chancen von Bloggern, Öffentlichkeit zu schaffen“, ist das mehr Symptom des bestehenden Verhältnisses als ein Zeichen von Offenheit. Die Formulierung ist ungeschickt, Blogger müssen nicht über ihre “Chancen” belehrt werden. Es ist ja auch kein Beispiel für eine Chance, sondern für ein Phänomen, das nicht zu leugnen ist: Es gibt eine noch kleine Öffentlichkeit, die sich nicht von Verlegern, Redaktionen und Anzeigenkunden deckeln läßt. Die Arroganz, mit der manche Lobbyisten (ihrer selbst) in manche Redaktionsstube einfallen, hat hier draußen keine Chance. Wo Journalisten der Mut fehlt, sind Blogger bisweilen eher übermütig, vor allem aber widerborstig. Ein Journalist läßt sich für seine Meinung und allzuoft für die Wahrheit abwatschen, Blogger eben nicht. Der alltägliche kleine Skandal abhängiger Meinungsmacher bricht sich über das Medium Blog bahn. Kein Journalist wagt es, über Bevormundung in seiner Redaktion zu schreiben – es würde ja eh nicht veröffentlicht. Über den Umweg der Blogsphäre dürfen Journalisten hingegen über derartiges berichten. Daß SpOn in der besprochenen Affäre als “Blogger” wieder einmal nur Journalisten erwähnt, die Blogs betreiben, verkürzt ganz nebenbei die Sicht auf “die” Blogger. Sie wissen noch immer nicht, mit wem sie es in Zukunft wirklich zu tun haben werden.
Eine ähnliche Tendenz weisen die Ausführungen von Eric Alterman im Interview mit der Sueddeutschen auf. Er weist auf die Probleme des Printjournalismus hin und zeigt hintergründig auf, wie Journalismus zwischen Nachrichtenarbeit und Finanzierungbedarf zum Drahtseilakt wird. So recht fällt ihm auch nicht ein, wie der Journalismus in Zukunft seine Demokratie erhaltende Funktion noch ausfüllen soll. Daß derzeit aus wirtschaftlichen Gründen gute Leute arbeitslos werden und was sie in Zukunft tun könnten, legt er so dar:

SZ: Was wird aus all den erstklassigen Journalisten, die demnächst entlassen werden?

Alterman: Einige werden beruflich überleben, wenn sie ein professionelles Blog gründen. Sie können mit Blogs sogar Geld verdienen, weil aufgrund Ihrer fachlichen Expertise und hoher Nutzerzahlen Werbegelder fließen werden. Aber dieser Markt ist begrenzt. Die meisten werden dem Journalismus wohl den Rücken zukehren.

Letzteres ist eine Schande angesichts derer, die weiter gutes Geld mit schlechtem Journalismus machen werden. Was die zukünftigen Blogger angeht, verharrt er zu sehr im status quo. Ob sich wirklich Geld mit Bloggen verdienen läßt, sei dahingestellt. Die strikte Trennung von Printmedien mit angeschlossenen Online-Auftritten hier und Blogs dort wird sich aber nicht aufrecht erhalten lassen. Die Zukunft wird anders aussehen. Wenn “Print” aus Geldmangel nicht völlig untergehen soll, weil sich nur noch Titten-und Hitlerjournaille verkaufen läßt, muß es einen dritten Weg geben. Eine Kooperation von noch-Bloggern und noch-Journalisten bis hin zur Unkenntlichkeit der Clubfarben und völlig neue Formen der medialen Öffentlichkeit werden die Zukunft sein. Was der Journalismus an Nachrichtenbeschaffung und halbwegs massenverständlicher Aufbereitung zu bieten hat, wird sich mit der Leidenschaft unbeugsamer Netzbewohner paaren müssen, um eine lebensfähige res publica medial zu organisieren. Bis es so weit ist, müssen viele unbelehrbare Schlipsträger und Nerds abtreten und wir alle noch verdammt viel lernen.

Sie tun, was sie können:

Zeit.de überrascht mit einem Artikel über den Büchsenspanner Johannes Kahrs, der aus einem Blog abgeschrieben sein könnte. Es steht alles Wichtige über diesen feinen Menschen drin. Schade, daß er wohl bald wieder völlig unkritisch zitiert werden wird.

Thomas Fricke macht sich in der FTD Hoffnungen, daß mit dem Abgang des verdienten Förderers Bert Rürup in die Versicherungsbranche ein “Weltökonom” dessen Platz im Elferrat der Weisen übernehmen könnte. Woher dieser kommen soll oder wen er sich da vorstellt, teilt er leider nicht mit. Nur die Überschrift gibt einen Hinweis: “Thomas Fricke – Weltökonom…”.

Die “Welt” lügt sich zusammen, Hartz IV sei “gesund” und läßt Verräter aus der Abhängigenschaft vorrechnen, wie fein sie mit dem Regelsatz zurechtkommen (was sie zuvor bereits bei “SternTV” zum Besten gaben). Bei denen kosten ein Brötchen übrigens 15 Cent und 100 g Kartoffelsalat 17 Cent. Letzteres geht nicht einmal selbstgemacht, wenn man die Energiekosten hinzurechnet. Perfide bis ins Detail verkaufen uns die Springers den Hartzer als faulen Sack und tun andererseits so, als hätte er den ganzen Tag Zeit für die Küche. Inkonsequent sind sie auch noch: Der Löwenzahn auf der Kirchenwiese kostet gar nix und ergibt einen sehr gesunden Salat.

Noch einmal die “Welt” macht keinen Hehl aus ihrer großen Lieblingskoalition, und wähnt sich dabei im Bunde mit “der Politik“.
Günther Lachmann hat seine Kärrnerarbeit für die Guten schon so verinnerlicht, daß er keine Opposition mehr braucht. Hervrorragend sein Resümmé:
Zu guter Letzt spielt auch die wirtschaftliche Situation eine große Rolle. Keiner weiß, wie lange die Weltwirtschaftskrise dauern und welchen Schaden sie in Deutschland anrichten wird.
Mit “sie” meint er allerdings nicht die Große Koaltion. Schade.

Broderismus ist ein hartes Brot. Die Kunst, sich einen ideologischen Gegner zu basteln, ist dann besonders schwer, wenn es sich um einen schweigenden handelt. Nörgler sind ein gefundenes Fressen, Kritiker muß man zum Popanz überzeichnen, aber was macht man, wenn eigentlich niemand gegen etwas ist, für das man kämpfen will?
Einfach desselbe wie immer. Tanja Dückers zeigt, wie hart es für Antiamerikanisten ist, Obama als das schlechthin Böse anzuprangern. Denn so kennt sie ihre Antiamerikaner: Alles, was von “drüben” kommt, ist denen spinnefeind. Mit dieser Prothese konnten die Broderisten jede Kritik an der abscheulichen Bush-Administration abtun, als sei sie ein Spleen der verbohrten Yankeehasser. Dückers scheint diesen publizistischen Trend für bare Münze zu nehmen, anstatt ihn auch nur ansatzweise zu hinterfragen. Was dabei herauskommt, ist eine triumphierende Rechthaberei im sinnfreien Raum. Beispiel:
Kaum hatten wir “unseren“ Amokläufer in Erfurt, brachten uns die Amis mit ihrem Virginia-Tech-Desaster, bei dem über 30 Menschen von einem einzigen Schüler erschossen wurden, zum Schweigen. Und zum schauderhaft-verzücktem Fingerzeig: So was passiert doch nur in Amerika.”
Im folgenden kommt sie uns mit den Verfehlungen europäischer Politiker, die auch nicht besser seien als die Amis, das Ganze im Anstrich mutiger Kritik:
Wie konnte eine deutsche Regierung akzeptieren, dass ein deutscher Staatsbürger mit ihrem Wissen und Einverständnis im von uns unermüdlich angeprangerten Guantánamo für sechs Jahre eingebuchtet wird? Wieso wird so ein Fall nach ein paar Wochen gedämpfter Erregung wieder aus den Medien gekehrt wie eine mäßig spannende Nachricht aus Heidi Klums Privatleben?
Ja was denn nun? Sie sieht “Fingerzeige”, die niemand gegeben hat und liest offenbar ihren eigenen Text nicht, der an dieser Stelle widersrüchlicher nicht sein könnte. Die Quelle für jende “Fingerzeige” ist ihre eigene Projektion, die jeder Realität entbehrt. Hernach kritisiert sie die Praxis derjenigen Journalisten, die einen stramm pro-amerikanischen Kurs durch den selbsterzeugten Nebel ihrer “uneingeschränkten Solidarität” fuhren.
Diejenigen, die sie damit treffen will, können das getrost abschütteln. Volker Pispers hat es auf den Punkt gebracht mit den Worten: “Mein Antiamerikanismus ist überhaupt nicht unreflektiert”. Vielleicht sollte Tanja weniger ihr eigenes Weltbild händchenklatschend pflegen und so von Erkenntnis zu Erkenntnis hüpfen. Besser wäre es, zu lesen, zu denken und zu diskutieren. Mit echten Meinungen und den dort vorfindlichen Differenzierungen. Dies würde sie zu wahrhaft erschütternden Erkenntnissen führen. Dagegen aber ist sie wohl immun, denn sie weiß es ja immer schon besser.

Vorher werde ich neunundneunzig Neger erschießen und neunzehn köpfen. Ich kenne einen, der weiß, wo man eine Schießpistole kriegt und habe schon ein großes Köpfemesser.
Wenn mein Freund den Führerschein hat, fahren wir sofort nach Amerika und erschießen Barack Osama. Dann machen wir Pipi auf den.
Komm ich jetzt im Fernsehn?

“SPIEGEL-ONLINE-Blogger Peter Ross Range” wird von SpOn stets “SPIEGEL-ONLINE-Blogger Peter Ross Range” genannt. Er darf unter dieser Flagge Artikel schreiben, die so etwas wie einen Header haben, ein nettes Bildchen mit dem Titel “The Lone Ranger”.
Was in Deutschland als pöbelnder Mob abgetan wird, ist im Kontext mit den US-Wahlen ein Aushängeschild: “Blogger”. Da wird allerdings herzlich wenig gebloggt. Es gibt, im Gegensatz zu anderen Artikeln bei SpOn, die man im Forum diskutieren kann, nicht einmal eine Kommentarfunktion.
Der Titel “Blogger” ist nicht anderes als ein Trojanisches Pferd. Einerseits eben Augenwischerei, Etikettenschwindel und ein parasitärer Gebrauch des Blogger-Ruchs, kann man so jemanden gern gehörten Unsinn verzapfen lassen, von dem der “Journalismus” nachher nichts mehr wissen muß. Peter Ross Range erklärt nämlich, warum Obama noch verlieren kann. Er scheint dies ebenso zu hoffen wie der Rest der Achse des Guten beim “Spiegel”. In 2004 hat er die Trommel für den Irak-Krieg gerührt, im vollen Bewußtsein der Lügen, die diesen ausgelöst haben. Statt “Massenvernichtungswaffen” waren ihm halt Saddams “Massengräber” die Rechtfertigung. Der Krieg gegen das Böse ist nämlich immer gut.
So einen kann man gut gebrauchen, wenn man sich eigentlich mit den Bush-Regime eingerichtet hatte – um nicht zu sagen: “angefreundet”. Andererseits ist es inzwischen zu peinlich, noch auf dieser Seite zu stehen, das mag selbst Broder zu einer gewissen Zurückhaltung zwingen.
Einen amerikanischen “Blogger” auszuleihen, dem von Kommentatoren der Hintern versohlt würde, ließe man die Leute nur kommentieren, ist also eine probate Lösung. Das Dumme ist nur, daß es echte Blogger gibt, und die wissen: Peter Ross-Range ist für die Dauer seines Engagements für SpOn ein SpOn-Journalist. Mit diesem Titel wird er sich zukünftig allerdings kaum bewerben wollen.

Wer rettet uns vor den Kommunisten?

Ypsilanti will sich in Obamas Windschatten an die Macht schleichen

Neuer Anlauf in Hessen: Schon Anfang November will sich Andrea Ypsilanti zur Ministerpräsidentin küren lassen – zeitgleich mit den US-Wahlen. Ein Zufall? Wohl kaum. Die SPD-Chefin hofft, das öffentliche Interesse an ihrem umstrittenen Pakt mit der Linkspartei zu schmälern.

Diese wunderbare Verschwörungstheorie liefert die Online-Ausgabe des größten deutschen Boulevardmagazins “Der Spiegel”. Dafür natürlich keinen Link. Abtreten!

“Lesen” oder nicht lesen…

Selbstherrliche und Mimosen, wohin man sieht. Heidenreich schämt sich, wird vor die Tür gesetzt, mit Häme übergossen und dann doch betrauert – schließlich hat sie (sich) lange gut verkauft. That’s Business. Mit Kultur und Literatur hat dieser Komödienstadel freilich herzlich wenig zu tun. Besser ist das.

McCain gewinnt die Wahl

Kann er? Davon überzeugt ist als einer der Letzten der unermüdliche publizistische Geisterfahrer Josef Joffe. En passant erscheinen ihm die 12 millionen Dollar, die dem Republikaner für TV-Spots zur Verfügung stehen, als “HartzIV“. Jetzt weiß ich auch, warum die Sozialschmarotzer hierzulande so überschätzt werden. Josef Joffe ist übrigens der Namensgeber des Jojo-Effekts: Vor den Schrank laufen, zurücktaumeln, unterwegs alles vergessen und hurtig wieder vorpreschen. Anbetungswürdig!

Kritischer Journalismus ist noch nicht ganz tot. Auch wenn es eigentlich keine herausragende Leistung sein sollte, nackte Tatsachen zur Kenntnis zu nehmen, gebührt Susanne Gaschke großes Lob für ihren Artikel in der Zeit, in der sie einige Helden des Neoliberalismus noch einmal zu Wort kommen läßt, um deren Weisheiten ins rechte Licht zu rücken. Ihre präzise Einschätzung der Lage:
Nach so viel Gehirnwäsche können wir uns glücklich schätzen, dass es uns noch möglich ist, eine echte Krise zu erkennen, wenn wir sie vor der Nase haben.
Weitermachen!

Ich bin fassungslos über das, was die Sueddeutsche da präsentiert. Evelyn Roll bewährt sich als schmierige Stichwortgeberin für eine Charakteramöbe (Was habe ich mir auf die Zunge gebissen, das Wort “Arschloch” nicht in den Mund zu nehmen!), die sich “Freund” nennt und zum gnadenlosen Verräter wird. Was Reinhard Klimmt da von sich gibt, ist so abgründig, daß es einem der Speichel nicht wert ist, ihn anzuspucken. Das geifernd geheuchelte Interesse der Gossenjournalistin, die nicht genug bekommen kann von dem Futter, das ein Widerling ihrer Hetzpresse liefert, ist um nichts besser. Man sollte sich beide Namen merken. Wer einen solchen Dreck publiziert, ist es nicht wert, je wieder zitiert zu werden.

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