Der Begriff “Arbeit” ist in der deutschen Sprache, zumal in Deutschland, ungeheuer aufgeladen. Das beginnt damit, dass die englischen Begriffe “labour” und “work” darunter gefasst sind (danke, Peinhart), geht über die Folklore von Arbeiterparteien und Gewerkschaften und endet in Parolen wie “Arbeit macht frei” und “Nur wer arbeitet, soll auch essen”. Letztere sind es, die auf das Dämonische der Arbeit verweisen:
Die Umwandlung von Natur in Ware/Konsumgut, von Lebendem in Totes ist untrennbar verflochten mit der Organisation der industriellen Zivilisation. Da ist labour von work gar nicht zu trennen, und das Meisterstück haben die Nazis unfreiwillig genial auf den Punkt gebracht: “Arbeit macht frei”. Wer da nicht mehr “Arbeit” leistete, wurde selbst verarbeitet. Wer sich näher mit dem Phänomen befassen möge, sei auf Adornos Begriff “Mimesis ans Tote” verwiesen, nachzulesen in “Dialektik der Aufklärung”.
“Gerechter Lohn”
Die Organisation von Arbeit ist das bestimmende Element der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Wer bestimmt, was produziert wird, wie es produziert wird, wann und von wem, unter welchen Bedingungen, der hat die Macht. Da sind wir noch lange nicht bei einer ‘Entlohnung’ und der Verteilung von Reichtum, die natürlich damit wiederum direkt zusammenhängt. Denn der “Lohn” ist kein Ausgleich für die erbrachte Mühe, sondern ein reines Instrument der gesellschaftlichen Macht. Daher ist der Ausdruck “gerechter Lohn” auch schlicht paradox. Zum Verständnis: Wenn ich von “Macht” spreche, meine ich nicht den unmittelbaren Einfluss mächtiger Personen. Die haben selbstverständlich auch damit zu tun, aber auch sie bewegen sich innerhalb relativ festgelegter Bahnen.
Beginnen wir mit einem Extrem: Der kapitalistischen Lohnarbeit. Ich kann es mir und anderen nicht ersparen, hier deutlich zu werden und werbe um Verständnis: Es ist keineswegs eine linke Kampfparole, sondern schlichte Tatsache, dass solche Lohnarbeit Enteignung ist, und zwar sogar doppelte Enteignung. Kein Arbeiter arbeitet nämlich für sich selbst, und sein “Lohn”, wer auch immer den ausgehandelt hat, ist nur ein Teil dessen, was er an Wert schafft. Niemand stellt einen Arbeiter ein, wenn er an dessen Arbeit nicht mit “verdient”. Ein Teil der Produktivität des Arbeiters wird ihm also immer genommen.
Noch rüder geht es aber zu bei der Enteignung seiner Selbstbestimmung. Wie eingangs erwähnt, ist die Macht über die Gestaltung der Arbeit unmittelbar gesellschaftliche Macht. Dass diese gesellschaftliche Macht nun sogenannten “Arbeitgebern” zugeschlagen wird und die Ausübung dieser Macht als höherwertige Arbeit gewertet wird, die darum mehr Anspruch auf Reichtum begründet, ist vollkommen absurd. Man kann kaum genug Respekt haben vor einer Propaganda, die diesen Unsinn erfolgreich verkauft.
Wer leben darf
Sähe wohl irgend ein Arbeitsplatz so aus wie er heute aussieht, hätten die Arbeiter selbst die Möglichkeit, ihre Gesellschaft, ihren Arbeitsplatz, ihre Zeit und ihren Alltag zu gestalten? Würden dann die Produkte hergestellt und erworben, die heute im Umlauf sind? Würden sie so lange arbeiten, denselben Weg zur Arbeit haben, dort wohnen, wo sie wohnen? Und wenn es nicht so ist, muss dann nicht eine demokratische Gesellschaft zuallererst den Anspruch haben, dass die Menschen die Gestaltung ihrer Lebenswelt selbst bestimmen dürfen? Umgekehrt ist zu fragen: Mit welchem Recht bestimmt eine kleine Minderheit die Bedingungen und eignet sich obendrein das Gros des gesellschaftlichen Reichtums an?
Schließlich: Es wird von Menschen, die kein Eigentum haben, erwartet, dass sie ihre Arbeitskraft verkaufen, um Leben zu dürfen. Das Recht auf Lohnersatzleistungen, die es immerhin gibt, wird selbst von Vertretern einer sogenannten „Arbeiterpartei“ in Abrede gestellt, und das bei einem Entwicklungsstand, der (Lohn)arbeit in einem entsprechenden Umfang längst überflüssig gemacht hat. Tatsächlich ist in aller Regel nirgends mehr genug davon verfügbar, trotz steigender Produktion. Wie kommt es also dazu, dass in dieser Gesellschaft einem großen Teil seiner Mitglieder wieder das Lebensrecht abgesprochen wird, wenn sie nicht aktiv an der kapitalistischen Verwertung teilnehmen können, wollen oder dürfen?
In einem weiteren Artikel werde ich auf die Möglichkeiten einer selbstbestimmten Gestaltung von Arbeit näher eingehen.

Der Begriff “Staat” leitet sich ursprünglich ab von “status”, was sowohl auf die Bedeutung “Rang” hinweist als auch auf das, was ist – die Verfasstheit der politischen Ordnung eben. Seit dem 17. Jhdt. ist er in bezug auf das Staatswesen gebräuchlich; der französische “état” hat denselben Ursprung und verweist mit dem Synonym “Staatshaushalt” wiederum darauf, dass es nicht zuletzt um die Verwaltung von öffentlichen Budgets geht. Damit grenzt sich der Begriff schon deutlich ab von dem etwa des “Imperiums”, in dem es sprichwörtlich ums Herrschen geht. Der moderne Rechtsstaat hat seine Wurzeln darüber hinaus in Montesquieus Modell der Gewaltenteilung.
Gibt es eigentlich noch Wissenschaften? Und wenn es die gibt, tragen sie noch etwas bei zu Bildung, Alltag und Wirklichkeit? Mir fallen auf Anhieb eine ganze Reihe von Leistungen ein, die ich den (Geistes-)Wissenschaften abverlangen möchte, die sie aber nicht annähernd erbringen.
Überhaupt entsprechen entgegengesetzte Perspektiven den Strategien der Selbstsorge und der Fürsorge. In bezug auf Eigentum fußt die Etablierung der Selbstsorge unmittelbar auf Aneignung und den mit ihr verbundenen Perspektivenwechsel, der mit der historisch wohl kaum mehr zu verortenden Landnahme verbunden ist. Irgendwer kam irgendwann auf die Idee, sich Land anzueignen. Der Satz “Das gehört mir” ist für den modernen Menschen ebenso geläufig wie der Begriff “Grundstück”.
Es ist schon traurig. Wenn man sich da draußen so umschaut, finden sich Gläubige aller Art, die sich dennoch anmaßen “kritisch” zu sein. Als sei es schon ein Beleg für kritisches Denken, dass man gegen den Mainstream ist oder nicht glaubt, was in der Tagesschau erzählt wird. Nein, das ist nicht kritisch und keinen Deut besser, wenn man nicht bereit ist, sich selbst zu hinterfragen, offen zu sein für neue Erkenntnisse und die Überprüfung dessen, was man einmal für “wahr” genommen hat. Das wäre kritisch, und das ist übrigens der Geist der Wissenschaft, wie sie sich von der Renaissance in die Moderne hinein entwickelt hat. Wer allerdings das ‘wissenschaftliche’ Establishment nicht von der Wissenschaftlichkeit selbst unterscheiden kann, für den ist Sozialismus auch DDR (böse) und Demokratie Helmut Kohl (gut).
