Hintergrund


Kein schlechtes Jahr für Feynsinn, ein miserables für den Autor. Verschwinde in der Altjahrestonne, laß dich abkippen unter “verschwendet, vergessen, vorbei”. Auf ein neues!

Zum Abschluß einmal eine kleine Petition, die sogar ich unterstütze, einfach, leicht umzusetzen, von öffentlichem Interesse. Mal sehen, ob die Majestät sich damit beschäftigen wird.

“Bitte bombardiert uns!” heißt es in einem Fax aus dem Jemen an die US-Regierung. Dem will der Friedensnobelpreisträger spontan nachkommen. “Der Neger hat im Flieger die Sitze ruiniert, da hört der Spaß auf”, sagte Obama und kündigte eine Spende von sechshundert Tonnen an.
“Wir sind dabei” frohlockt rund um Guttenberg und verspricht, persönlich einen Brunnen zu spenden.

Ich unterstützte Al Qaida, weil ich Nacktscanner geil finde. Überhaupt ist die geschürte Terrorpanik nicht nur ein Wirtschaftsfaktor, mit dem zum Beispiel Ex-Innenminister Schily gutes Geld verdienen möchte, sondern auch Porno pur.
Erst einmal fordern wir jetzt also Nacktscanner, von denen jeder weiß, daß sie nichts bringen und zu denen es bereits einschlägige Urteile gibt. Und weil man als nächstes feststellen wird, daß sie nicht zeigen, was die Terrorleute sich wo hineingesteckt haben könnten, gibt es demnächst das automatische Fisting beim Einchecken. Tampons werden auch verboten oder müssen vor dem Einsteigen in Gegenwart eines Sicherheitsbeamten gewechselt werden. Ja sicher!

Es gibt Grenzen, oder? Wenn es einmal schneit hier im Flachland, macht das schöne Bilder, aber Sein macht drinnen mehr Spaß. Inzwischen ist es wieder grau, dafür noch nasser, pfui Deibel!
Ich habe zwei Artikel im Vorlauf, die zu schade sind, um sie unmotiviert und zwischen den Jahren auszuspucken. Mal sehen, ob ich wenigstens einen davon motivierter … morgen, vielleicht.

snow

Ich treffe den Blogger, der sich “flatter” nennt, in einem Café am Rande der Innenstadt. Sein Kaffee duftet nach Ethanol, er raucht. Sein Pullover hat Flecken, die Bündchen sind ausgefranst. Er ist blaß und hat dunkle Ringe unter den Augen.
Ich komme gleich zur Sache.

Feynsinn: Warum tun Sie das?

flatter: Aus Spaß. Ich kann jederzeit aufhören.

Feynsinn: Woher wissen Sie, was ich meinte?

flatter: Ist das wichtig? Wissen Sie, was Sie meinten? Wen interessiert das? Und was geht Sie das an?

Feynsinn: Ich versuche nur, ein Interview zu führen.

flatter: Try harder, moron.

Feynsinn: Also, Sie schreiben fast täglich Artikel in ihrem Blog, sogenannte “Postings”, obwohl sie keinen Cent damit verdienen. Was treibt sie an?

flatter: Sie pfeifen ständig Luft ein und aus, sogenanntes “Atmen”, obwohl die Welt nichts davon hat. Werden Sie dafür bezahlt?

Feynsinn: Ihnen ist das Schreiben also eine Art Grundbedürfnis?

flatter: Wie Rauchen und Saufen, das hatten wir doch eben schon. Sollte ich eines Tages fürs Quarzen bezahlt werden, wäre das in Ordnung. Beim Schreiben ist die Wahrscheinlichkeit nur geringfügig größer.

Feynsinn: Aber leidet die Qualität nicht darunter, wenn Sie schreiben können, was sie wollen? Wenn niemand Sie kontrolliert? Wenn Sie es sogar einfach bleiben lassen können?

flatter: Klar. Wenn mir jemand Geld in den Hintern schiebt, damit ich seine Meinung vervielfältige, kommt erst die große Kunst zum Vorschein. Wer eigentlich keinen Bock hat, sich auch nur an den Rechner zu setzen, schreibt bekanntlich die besten Artikel. Und nur wer jederzeit weiß, daß er vor die Tür gesetzt wird oder morgen nix mehr zu beißen hat, wenn er schwächelt, kann souverän übers Zeitgeschehen urteilen.

Feynsinn: Nehmen wir einmal an, die unabhängigen, dafür aber unbezahlten Autoren hätten die besten Voraussetzungen für Qualitätsjournalismus, hieße das dann nicht, daß nur noch solche Leute schreiben könnten, die sich das leisten können? Wäre das nicht das Ende eines Berufsstandes?

flatter: Klar. Ich bin ja auch einer von diesen Superreichen. Aber verschonen Sie mich bloß mit “Qualitätsjournalismus”! Das ist nicht meine Baustelle. Ich weiß nicht, was aus diesem Berufsstand wird, aber wenn er noch tiefer sinkt, kommt er bloß auf der anderen Seite wieder hoch. Das kann nicht wirklich schaden.

Feynsinn: Sie werden von einigen als ernstzunehmender Blogger angesehen, andere ignorieren Sie oder halten Ihren Auftritt für “abscheulich”. Wo sehen Sie sich?

flatter: Ich kann alles. Ich bin der Größte. Wer mich ernst nimmt, dem ist nicht zu helfen. Wer mich für irrelevant hält, macht einen Fehler.

Feynsinn: Wenn Sie der Größte sind, warum hat die Welt das noch nicht bemerkt? Haben Sie schon einen Blog-Award gewonnen?

flatter: Ich habe keinen Adelstitel, trage billige Klamotten und habe keine Freunde in Berlin. Das mit dem Blog-Award sollten Sie wissen, es ist dasselbe wie mit der DDR, die den Westen nie eingeholt hat.

Feynsinn: Wie soll ich das verstehen?

flatter: Ich wurde noch nie nominiert. Wie soll ich da gewinnen?

Feynsinn: Das geht natürlich nicht.

flatter: Selbstverständlich geht das. Natürlich habe ich einen Award, den “Bloghorny”. Ich habe ihn bekommen wie alle anderen auch: Durch Korruption und Mauschelei.

Feynsinn: Was fehlt Ihnen noch, um Alpha-Blogger zu werden?

flatter: Eine Lobotomie.

Feynsinn: Kommen wir zu etwas anderem: Sie lassen wenig über Ihr Privatleben an die Öffentlichkeit dringen. Wollen Ihre Leser das nicht wissen?

flatter: Na klar wollen die wissen, was ich in meinem Job mache, ob ich noch zu haben bin und mich mal waschen würde, wenn hier wieder eine Frau einzieht. Aber das macht es doch gerade spannend.

Feynsinn: Gibt es noch etwas, was Sie unseren Lesern gern mitteilen möchten?

flatter: Yapp.

Feynsinn: Äh, und das wäre?

flatter: Habe ich vergessen.

Feynsinn: Herr “flatter”, Wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Das Interview führte Egon Alter.

Januar: Die längste Sonnenfinsternis in 1000 Jahren erwischt Europa im Schlaf. Es ist eh schon so finster hier, da bleiben wir lieber im Bett.
Das Kindergeld und die Kinderfreibeträge werden erhöht. Gleichzeitig werden ein paar klitzekleine Änderungen an den Sozialversicherungskosten vorgenommen. Die leichte Erhöhung um insgesamt 25% müssen Arbeitgeber nicht mitfinanzieren. Leistungsträger werden durch die gleichzeitige Steuerentlastung nicht betroffen. Kandesbunzlerin Merkel findet das “gerecht und gut für die Konjunktur”.

Februar: Beim Naziaufmarsch in Dresden anläßlich des 65. Bombardierungstages erscheint überraschend der Bundesverteidigungsminister. Er betont, zwar gebe es notwendige Bombardierungen, bei denen auch zivile Opfer manchmal unvermeidbar seien, aber was zu weit gehe, gehe zu weit. Die Alliierten hätten schließlich gewußt, daß 1945 in Dresden gar keine Taliban zu treffen waren.
Daß er mit seinem Auftritt Rechtsradikale unterstützt habe, könne er nicht sehen. Die Wahrheit gelte umgebungsunabhängig, so der Schwarze Baron.
“100 Tage Schwarzgelb” wird angemessen gefeiert. Staatsuntersekretär Buckelmann erklärt vor der fast leeren Bundespressekonferenz: “Ein Tag wie jeder andere. Die Bundeskanzlerin ist in wichtigeren Angelegenheiten verreist.”

März: “Endlich dreißig Grad! Deutschland feiert!”, titelt ihr wißt schon wer und erklärt den frühen Sommer mit außergewöhnlicher Sonnenaktiviät. Neuer Umweltredakteur der Springer- Zentralredaktion wird Wolfgang Clement. Thilo Sarrazin wird Aufsichtsratschef, Heinz Buschkowsky Leiter der Berliner Lokalredaktion.
“Linksrutsch auf dem Durchmarsch” heißt es dazu im Titel des “Spiegel”. Überall mache sich die Sozialdemokratisierung breit.

April: Auf der re:Publica werden die BOBs geehrt. Sascha Bobo erhält einen Preis für sein Lebenswerk. Im Rahmenprogramm wird er als “Sexiest Creature Alive” ausgezeichnet. Später muß er diesen Award zurückgeben, da sich herausstellt, daß er schon seit Jahren tot ist.
Der Ostermontag wird in Rahmen des Sozial-ist-was-Arbeit-schafft-Gesetzes als gesetzlicher Feiertag gestrichen. Um Streit mit den Kirchen zu vermeiden und den Erlöser nicht zu provozieren, werden Arbeitnehmer verpflichtet, einen Urlaubstag zu nehmen, sofern der Arbeitgeber dem zustimmt.

Mai:
Bei der Landtagswahl in NRW erklären sich alle zum Sieger. Die SPD holt mit 29% ein Ergebnis, das weit über dem Bundesdurchschnitt liegt. Die CDU wird mit 30% stärkste Partei. Die Grünen und die Linke sind mit je 15% ebenso zufrieden wie die FDP, die mit 10% erstmals zweistellig abschneidet. Eine Jamaica-Koalition wird nur dadurch verhindert, daß die SPD eine schwarzgelbe Koalition toleriert.
In Frankfurt schließt das Institut für Sozialforschung und wird vom Roland-Koch-Institut abgelöst.
“Aufklärung? Können wir besser!” ist der neue Leitspruch.

Juni:
Wolfgang Schäuble tritt nach einem Anfall zurück. Als das Kabinett nach der ambulanten Behandlung aller anderen Minister wieder zusammentritt, fehlt nur die Familienministerin. Sie hat vergessen, daß sie auch zum Kabinett gehört. Schäubles Nachfolger wird Karlheinz Weimar. Er sei damit “nach dem durchgeimpften Rösler der zweite, der doppelt immun ist”, scherzt der Neue. Erst Wochen später eröffnet die Staatsanwaltschaft Wiesbaden zwei Dutzend Ermittlungsverfahren gegen ihn.
Nachdem sich eine Mehrheit der Deutschen für höhere Erbschafts- und Vermögenssteuern ausgesprochen hat, zündet sich Peter Sloterdijk auf den Stufen des Reichstags an. Sein Abschiedsbrief ist so kryptisch, daß selbst der Vorsitzende der Heidegger-Gesellschaft resigniert abwinkt. Einzig der “Gesang gegen Enteignung” enthält Hinweise auf die Motive.

Juli:
Bei der Fußball-WM scheidet Deutschland überraschend in der Vorrunde aus. Jogi Löw wird daraufhin fristlos entlassen, ihm werden die Leibwächter entzogen, und er muß mit einem “White Power” T-Shirt durch die Townships von Johannesburg joggen. Die Vierteilung wird bei Satt eins live übertragen.
Die Tour de France findet erstmalig in Spanien statt. Da ist es nicht so weit zum Facharzt, und keiner macht blöden Streß wegen Doping.
Die SPD feiert den Abschluß der “Agenda”. Zur Prunksitzung im Olympiastadion kommen alle lebenden SPD-Vorsitzenden, damit ist der Schuppen ausverkauft.

August:
Die letzten US-Truppen verlassen den Irak. Theoretisch jedenfalls. Für die Theorie, warum nach einem vollständigen Abzug aller Truppen noch 150000 Soldaten durch Mesopotamien robben, erhält Barack Obama die Nominierung zum Physik-Nobelpreis.
Deutsche Truppen verlassen Afghanistan, werden aber eine Woche später neu stationiert. Baron rund um Guttenberg, der in der Uniform eines preußischen Generalfeldmarschalls vor die Presse tritt, erklärt, es habe sich um eine Wette unter Offizieren gehandelt, “da steht man dann zu seinem Wort”.

September: Zum fünfjährigen Bestehen verleiht Feynsinn sich selbst den “BoF-Award”. Der Blogbetreiber betrinkt sich hemmunglos und landet mit einer (Nachtti)schlampe im Bett. Ihrwißtschonwer berichtet über “Deutschlands blödesten Blogger”. Das ist der Durchbruch.
Der Verfassungsschutz muß einräumen, daß er seit Jahren Zeitungsredakteure, Blogger, Sozialdemokraten und Fischverkäufer beobachtet. Innenminister de Maizière dazu: “Die Nachfolger des SED-Unrechtsregimes stecken eben überall. Wir müssen wachsam sein!”.

Oktober: Die Jubelfeiern zum 20. Jahrestag des Anschlusses werden ausgelassen begangen. Tausende Polizisten in Zivil sorgen durch Hurra-Rufe und Fähnchenschwenken für gute Stimmung. Mitglieder der Linken und Einheits-Kritiker werden in Vorbeugegewahrsam genommen. Auf Geruchsproben wird bei solchen Personen verzichtet, die nachweisen können, daß schon die Stasi diese “absurde Methode” bei ihnen angewendet hat.
Ein betrunkener Moslem schlägt beim Oktoberfest in München einen Christen K.O.. Diese “neue Qualität der Heimtücke und Konspiration” (Innenminister Herrmann) versetzt Deutschland in Panik. “Saufen sie uns jetzt alles weg?” titelt das mit den großen Titten Titeln.

November: Der neue Bundespersonalausweis kommt in die Läden. Er enthält folgende neue Informationen über seine Bundesperson: Schuhgröße, Religion, Wahlverhalten, letzter Sex, Geruchsprobe, Kontostand, Körbchengröße.
Wir lassen den Spätsommer in den Biergärten und Freibädern ausklingen. Die Deutsche Bank frohlockt mit 40% Eigenkapitalrendite. Zehohzwei-Derivate sind der Renner der Saison.

Dezember: Das öde Posting Jahr ist endlich am Ende. Die Weihnachts-und Neujahrsansprache, die aus Kostengründen zusammengelegt werden, hält Hans-Werner Sinn.
Der Temperatursturz um 40° macht vor allem alten Menschen zu schaffen. Millionen überleben das nicht. Gesundheitsminister Rösler reagiert prompt und verpflichtet alle Deutschen zur Impfung gegen die furchtbare Pferdegrippe, an der bereits mehrere Jockeys in Guatemala erkrankt sind.

Ich wünsche allen LeserInnen feyne Feiertage und den zwischenjährlich netzfrei Exilierten einen guten Rutsch.

Man kann alles in Kategorien packen. Kant etwa wußte das und hat sich halbtot kategorisiert. Das war zu seiner Zeit hip, wie Foucault in “Die Ordnung der Dinge” schön aufs Tableau schmiert. Aber das ist alles viel zu kompliziert. Man kann das Leben mühelos in lediglich zwei Kategorien packen, und die sind quasi beliebig wählbar. Das hat übrigens Luhmann exerziert, er wußte bloß nix davon und hat das Ganze noch zwanghafter und daher am Ende noch komplizierter ausgewalzt.

Nehmen wir mal etwas Einfaches: Hitler und Sex. Man kann alles entweder bei “Hitler” oder bei “Sex” einsortieren. Versucht das mal, das geht vorzüglich und paßt auch fein zum Tourette-Syndrom, welches wiederum hervorragend geeignet ist, Aufmerksamkeit zu erregen, obwohl es ganz und gar sinnfreie Texte produziert, die gar nicht so gemeint sind, wie sie allgemein ankommen.

Das viertel vor Nachrichten-Magazin “Spiegel” und sein SpOnheimer Ableger haben sich sehr erfolgreich diese Erkenntnis zunutze gemacht und praktizieren die Hitler/Sex-Kodierung als “Qualitätsjournalismus”.
Mein Lieblingspolitiker unter den Lieblingspolitikern, der übrigens glasklar “Hitler” ist, obwohl er von sich selbt und anderen als “Sex” verkauft wird, hat auch einfache Kategorien, die sich mit “Nobel” versus “Pöbel” benennen lassen, psychologisch sagt der Fachmann auch “ego” vs. “alter”.

“Wüstes Geschrei” nennt er Kritik an seiner Maßanzüglichkeit oder auch “Klamauk”. Der Ernst, die Standeswürde, Adel und Benimm, das ist es doch, was zählt und nicht kleinkarierte Inhalte, Verantwortung und politische Entscheidungen. Dementsprechend wirft er dem demokratischen Bodensatz aus adelsfernen Parteien vor, sie hätten auch wissen können, was er wußte. Die unerheblichen Details, daß die anderen weder Verteidigungsminister sind, noch vom “militärisch angemessenen” Liquidieren gefaselt haben, wird nicht einmal in den Medien diskutiert. Was wissen Leute, die ihre Klamotten von der Stange kaufen, schon von “Anmessen”?

Die Kategorisierung politischen Handelns in “zuständig” oder “verantwortlich” erweist sich derweil als Rückfall in die Moderne, überkommen-romantische Vorstellung des Fußvolks, das noch glaubt, mit seiner “Wahl” von Parlamentariern das Recht behalten zu können, die Regierung zu beurteilen. Hier ist die Kanzlerin aller Regierungsbeamten das Vorbild für das Scheitern jeder Rationalität, für die es noch Kategorien oder eine Sprache gäbe. Im Zweifelsfall ist immer jemand verantwortlich, der nicht zuständig ist oder andersherum. Darüber spricht man dann auch nicht mehr. Kein Subjekt, kein Objekt, ein Adelsprädikat. Die postmoderne Demokratie ist feudal und entzieht sich. Wer das dekonstruieren will, möge sich für einen Promotionsstudiengang “Philosophie” einschreiben – im möglichst weit entfernten Ausland, versteht sich.

Dann ist es ein Äpp.
Gibt es eins für den Nachtritt auf den Chefökonomisierer Deutschlands und seine Hinterzogenen? Brauche ich auch nicht.

Die vollends aufgeklärte Erde erstrahlt im Zeichen triumphalen Unheils“, ziterte Georg Schramm auf offener Bühne, ohne den Verursacher dieser infamen Vorabverleumdung der Informationsgesellschaft zu nennen, und Klaus Baum verlinkt das auch noch. Dabei gibt er vor, gar nicht zu bloggen, weil er krank sei.

Ich blogge heute auch nicht, zu viele Themen, zu wenig Bock. Darum lamentiere ich einfach ein wenig.
Ja, die Aufklärung! Ich hatte das neulich schon beim Andiskutieren in Robertos sinistrem Blog, daß es Erklärungsbedarf in puncto “Aufklärung” gab, dem kaum jemand nachkommen kann. Als Adorno zitierte Worte schrieb, war es gerade so weit gewesen, und das große Vergessen hatte bereits eingesetzt. Es war Nachgkrieg, der Faschismus verschwunden und der ewige Aufschwung hatte begonnen. Aufklärung nach Art der positivistischen Wissenschaften, so sollten wir es endlich kapieren, hat Auschwitz nicht verhindert, sondern erst ermöglicht.

Darüber könnten wir jetzt mal eine Viertelstunde nachdenken, aber das schaffen wir ja nicht. Es muß schließlich vorwärts gehen. Die Aufklärung liegt in guten Händen, bei Forsa-Güllner etwa, der uns in leichten Häppchen zu denken gibt, was wir alle gedacht haben, damit wir es auch morgen denken. Oder beim – jadoch, es wird langsam zur Manie – brutalst möglichen Aufklärer Roland Koch.

Was ist ein Adorno gegen Gatekeeper wie Wagner mit der Hirnlücke? Selbst ein korrupter Egomane wie Goethe wäre heute ein linksradikaler Spinner, hätte ihn nicht die Gnade des frühen Todes ereilt. Da sind wir doch aufgeklärter heute. Immerhin, es gibt die Schulpflicht, Integrationsbeauftragte und den Bachelor. Da wird doch aufgeklärt wie Blöde. Gefühlte hunderttausend Zeitungen, tausend Fernsehsender und gerade zur Adventszeit Menschentrauben in den Bücherfilialen. Völker stürmt die Regale, auf zum letzten Geschäft!

Wir werden sogar an die Hand genommen, Informationen von Qualitätsexperten und den Kräften der demokratischen Innensicherung vor- und nachbereitet. Und das ist nicht alles. Ein Rufus-Beck-Roboter wird bald alle relevanten Medien als Hörzeitung darbieten. Recherche im Internet wird unnötig, Google durch das Zentralregister der deutschen Medieninhaltsliga ersetzt und die Stimmabgabe per Wahlcomputer mit der Option auf einen Dauerauftrag eingerichtet. Dafür Rabatte beim Media Quark und A.schlecker.

Per Innernet können wir dann auch an Bundesvolksabstimmungen teilnhemen. Alles muß raus, was nicht völkisch abgestimmt ist. Der Rest votet sich glücklich. Germanys next Anything endlich demostatisch bestätigt. Steuern werden vollständig abgeschafft, Löhne werden unnötig. Gutscheine für alle für alles. Kohlrabi, Einraumwohnung, Heizpauschale. Klimawandel? Her damit, Energie frei Haus. Die Wissenschaft hat festgestellt, das ist gut für den Export. Ein paar Pflichtsunden Arbeit die Woche, und wir sind dabei. Ein paar Überstunden, und wir dürfen einkaufen, sogar mit echtem Geld! “Marktanteilsprämie” nennt sich das.

Geld gegen Leitung gibt es natürlich immer noch, allerdings nicht für jede ohnehin notwendige Tätigkeit, sondern für Trägerleistungen. Leistungsträger, die den Pflichtarbeitenden vorstehen, werden als gebündelte Marktentitäten mit qualifizierter Kundensouveränität den Aufschwung in nie geahnte Dimensionen befördern. Gutscheingedeckte Basisbedürfnisse werden vom Markt genommen, da sie nicht wachstumsfähig sind. Das ist die Zunkunft! Der neue Solidarpakt sorgt für alle: Die marktfernen Schichten sind gegen einen bescheidenen Arbeitsbeitrag (Hans-Werner-Sinn-Woche) versorgt, die Marktteilnehmer verzichten auf ihre Basisgutscheine. Eine Volksabstimmung hat nach gründlichster Aufklärung durch Medien und Parteien 89% Zustimmung für dieses Modell ergeben. Die Linkspartei löst sich auf und geht in den Untergrund, wo sie bereits mit warmen Wolldecken und kostenloser Heimunterbringung erwartet wird.

Ich gehe in die Küche, hole Küchenrolle und Glasreiniger und reinige den Monitor von der ekligen Spucke. Tippfehler bleiben unkorrigiert. Wer welche findet, darf die “Dialektik der Aufklärung” und “1984″ lesen. Nach erfolgreicher Lektüre sind die Probanden als Kommentatoren wieder zugelassen.

blogskoch

Originalbild: Wikimedia Commons

Ich will hier den hervorragenden Vorschlag aus den Kommentaren aufnehmen und es nicht allein bei der verbalen Unterstützung belassen. Der große Aufklärer und Wahrer jüdischer Vermächtnisse, Herrscher über Steuern und geistige Gesundheit, Tribun der Überfremdeten, Beschützer der Bedrohten und Wächter über verleitete Rundbefunkte, braucht uns.

Wir sind nicht reich, können uns kaum die Koffer leisten, in denen er die Geschenke für die Seinen vor den Klauen der Enteigner rettet. Wir können ihm nicht geben, was zu nehmen er großherzig sich bescheidet. Wir können ihn nicht in all die Ämter tragen, die zu bekleiden ihm zustünde und haben nicht die Macht, ihn vor der unbarmherzigen Verfolgung durch seine verblendeten Feinde zu bewahren.

Aber wir können ein Zeichen sezten. Wir sind viele. Wir können lobpreisen und Jubeln. Wir können unseren Dank in die Welt hinaus rufen. Wir können ihm huldigen, ihm unsere Zuneigung und Anerkennung zuteil werden lassen.
Laßt uns massenhaft zusammen stehen und bekennen. Werfen wir die falsche Scham über Bord, wie er es uns gelehrt hat. Schieben wir die schäbigen Verleumder und Kriktikaster beiseite. Sagen wir es einfach:
Roland, du großer Bruder und Landesvater, wir lieben dich!

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