Ich mache mich mal noch unbeliebter: Ist der Kerl nicht ein Arsch? Es gibt nichts mehr extra für ein Maximum Break, deshalb muß Ronnie sich erst überlegen, ob er das zu Ende spielt.
Nein, das müßt ihr nicht verstehen. Das ist Sport, etwas für Blond-Leser.
Hintergrund
Neoliberalyrik VII (gelangweilte Rhapsodie)
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31. Aug 2010 21:04
Wo Arbeitgeber Unternehmen übernehmen
oder Unternehmer Übernahmen übergeben,
die Arbeitnehmer übergehen
und Untergebenen Vergehen nicht vegeben,
wenn Arbeitgeber Arbeinehmer übergeben,
die eine Übernahme eh nicht überleben,
weil ihre Arbeiten zu wenig Mehr ergeben,
was ist das für ein Leben?
Was macht man dann?
Dann ruft man Ackermann.
Und Ackermann plappert.
Plakative Plattitüden
plappert Ackermann.
Andere ackern.
Ackern, rackern und placken.
Für ein paar Tacken.
Doch Ackermann -
was macht Ackermann da?
Ackermann sammelt die Tacken.
Läßt die Tacken ackern.
Im großen Tacken-Acker.
Tackenmacker Ackermann
zieht all die Tacken ran,
macht sich vom Acker dann,
der Tackensack.
Und wenn die Reichen dann noch reicher sind ein Weilchen
und bei den Armen ihre Arme nicht mehr reichen,
um all das zu begleichen,
dann kommt der Stein
brück.
Denn wenn der Reichtum wie im Scheichtum bis zum Deich reicht
und dieser Deich von jetzt auf gleich dem Druck im Teich weicht,
weil er nur seicht reicht,
dann ist das kein
Glück.
Der Leistungsnehmer muß dem Leistunträger etwas mehr geben.
Denn der muß in dem schrecklich teuren Haus am Meer leben
(und kann sich Steuern gar nicht leisten).
Solange hier noch irgendwer von Hartz bis vier lebt
und ihr ihm Bier gebt,
geht das nicht an.
Erst wenn der letzte Arbeitslose auf Diät ist
und es dafür bis dann noch immer nicht zu spät ist,
dann könnte man.
Dann könnte man.
Wenn’s dann noch geht.
Leistungsgesellschaft in der Krise
Posted by flatter under Hintergrund[15] Comments
29. Aug 2010 23:08
Das deutsche Bildungssystem hat sich in den vergangenen zehn Jahren radikal erneuert und bringt einen Erfolg nach dem anderen hervor. Fast jeder Schüler schafft inzwischen die Qualifikation für die Hochschulen oder ist auf dem Weg dorthin. Unabhängig von der Vorbildung der Eltern werden die Schüler vom ersten Schuljahr an so umfassend gefördert, daß die meisten mühelos Spitzenleistungen erbringen. Dies erweist sich jedoch als marktwirtschaftlich kontraproduktiv.
Auch die Universitäten sind mit großem Aufwand ausgebaut worden und können doppelt so viele Studenten aufnehmen wie noch in der vergangenen Dekade. Dennoch muß etwa die Hälfte der Bewerber abgewiesen werden. Es gibt einfach zu viele.
Auch nach dem Studium sieht es nicht sehr viel besser aus. Zwar haben wir hervorragend ausgebildete Absolventen, aber auch von denen werden kaum die Hälfte gebraucht. So hat es sich eingebürgert, daß die meisten erst nach einigen Praktika eingestellt werden. Diese sind durchweg unbezahlt.
Der Zugang zu den Hochschulen wird durch Eingangstest ergänzt, da es zu viele Bewerber mit Bestnoten gibt. In diesen Eingangstests werden u.a. soziale Kompetenzen und Einstellungen abgefragt. Dabei stellt sich häufig heraus, daß Bewerber, deren Eltern Geringverdiener sind, sich den Anforderungen an soziale und kommunikative Kompetenzen widersetzen. Häufig zeigt es sich, daß sie zwar sehr gute Leistungen erbringen, aber nicht über das notwendige Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft verfügen. Diese ist freilich unerlässlich für die Arbeit in den angesehen und gut bezahlten Berufen.
Dieser Mangel bestätigt sich auch in hohem Maße, wenn gut ausgebildete Kräfte aus den unteren Schichten zumutbare Beschäftigungen aufnehmen sollen, die ihrer Qualifikation nicht entsprechen. Es fehlt zu oft an der Einsicht, daß auch einfache Tätigkeiten verrichtet werden müssen. Arbeiten, die nicht ihren Neigungen entsprechen oder nur geringe Einkommen erzielen, werden häufig abgelehnt. Dieser Unsitte begegnet die Bundesregierung jetzt mit einem Gesetz, daß den Bezug von Sozialhilfe ausschließt, wenn die beharrliche Weigerung nicht aufgegeben wird.
Die Bundesbildungskonferenz berät in ihren kommenden Sitzungen intensiv ein Programm, das gezielt auf die nötigen Zuarbeiten zu qualifizierten Beschäftigungen vorbereitet. Vorgesehen sind Schulformen, die auf die Vermittlung höherer Bildungsgüter verzichten. Stattdessen sollen Freude und Einsicht zur Verrichtung einfacher Arbeiten gefördert werden. Insbesondere Familien aus traditionell bescheidenen Verhältnissen erhalten hierzu einen Anreiz: Eltern, die ihre Kinder auf solchen Schulen ausbilden lassen, bekommen danach für vier Jahre einen Zuschuß in Höhe des doppelten Kindergeldes.
Sicher, ihr werdet wieder sagen: “Selber schuld”, aber ich halte dem entgegen, daß es sogar gerade wegen der Werbung wichtig ist, fernzusehen, damit man nämlich weiß, mit wem man es zu tu hat. Was nichts daran ändert, daß es nervt. Wenn ich wie immer nahe an der Flatline auf dem EEG mich ganz prekärer Freizeit hingebe, schalte ich in aller Regel den Ton ab, wenn die Werbung kommt. Manchmal bin ich freilich nicht schnell genug, liege auf der Funksternfeuerung oder komme sonstwie nicht dazu. Das ist schlimm, aber lehrreich.
Derzeit gehen mir zwei Läden besonders auf den Pilz. Der eine ist ein Versicherer, der es für angesagt hält, junge als “gutaussehend” geltende Menschen in einem minutenlangen Stakkato auf ihre unschuldigen Opfer einlabern zu lassen. Dabei brabbeln sie einen fürchterlichen Brei, der in den Sequenzen, die nicht psychotisch codiert sind, eine unerträgliche Verdrehung der geschäftlichen Wirklichkeit beinhalten. Der Kerl ist dabei einfach nur nervig und hat nicht einmal das bißchen Feeling, seinen Hauptslogan so zu intonieren, daß man die Aula des Schülertheaters nicht nachgerade riechen muß.
Sein Pendant ist eine ebenfalls unerträglich geschwätzige Olle, bei der man nur nervös darauf wartet, daß ihre wippenden Hupen aus dem T-Shirt fallen und einem entgegen kullern. Das nennt sie “ihrem Herzen folgen”. Den Rest habe ich nicht verstanden, ich nehme keine Halluzinogene.
Wirklich Gedanken mache ich mir aber über die Firma Wodavon, deren Kunde ich unschuldig wurde, weil ich in panischer Flucht vor dem rosa Elefanten bei Arcor gelandet war, die bekanntlich aufgekauft wurden. Die gehen sowas von gar nicht, daß ich mich – satire mode /off – ernsthaft frage, ob ich denen kündige, weil ich sie so widerlich finde. Das fing schon an, bevor dieser als Panker verkleidete Cop, Tomie Lobo oder wie der heißt, den Deppzweinull gegeben hat und sie ihre Scharen von Viralkommentatoren auf die Matrix losließen.
Natürlich haben wir auch die “Übernahme” nicht vergessen und den sympathischen Herrn Esser, der es Wodavon so richtig besorgt hat. Jetzt schlagen sie in ihrer “Werbung” mit Rotten entkernter Schnösel auf, die Kinderbelustigungskacke wie Topfschlagen veranstalten, bei der es um elektronische Spielzeuge der nämlichen Firma geht. Dabei cheaten widerliche Kerle aufs Rücksichtsloseste, um sich in den Besitz dieses blöden Schnickschnacks zu bringen.
Diese sogenannte “Imagepflege” paßt zwar in die gängige Ideologie, für die Wodavon offenbar prototypisch zu stehen anstrebt, stößt aber dadurch bei mir auf berserkerhaften Unwillen. Will ich mit denen einen Vertag haben? Pfui deibel! Ich brauche aber echtes Fetznetz und ISDN. Die rosa Konkurrenz ist nun nicht sehr viel sympathischer und obendrein preislich voll apothekenkompatibel.
Was soll ich bloß machen? Ich bin verzweifelt. Warum hilft mir keiner? Ist da draußen jemand? Irgendjemand??
Die apokalyptische Vertreibung der Höchstleistung
Posted by flatter under Hintergrund[21] Comments
16. Aug 2010 1:10
Wo ist bloß Sloterdijk, wenn man ihn braucht? Soll das denn schon alles an Einsatz gewesen sein, die paar Sätze zur Enteignung der deutschen Leistungsträger und Elitemenschen? Kein Wort lese ich von ihm zur geplanten Enteignung der Betreiber von Atomkraftwerken, dabei geht es hier um Leistung im Megawattbereich. Die deutschen Meiler, so drohen die Eon, Vattenfall, EnBW und RWE, sollen ins Ausland verlegt werden, wenn die Besteuerung von Brennelementen wirklich in Kraft treten darf. Dieser furchtbare Schlag gegen den Standort wäre das Ende der Republik.
Schlimmer noch: Es droht der totale Rückzug der Energiewirtschaft aus der Energiewirtschaft. Die Großkonzerne könnten sich selbst zerschlagen, sich auflösen und damit eine Rezession auslösen. Kleinstaaterei auf dem Strommarkt, das wäre das Ende der zweistelligen Renditen. Private Verbraucher würden auf Kosten der Investoren um Millarden entlastet, vor allem Geringverdiener und Arbeitslose würden davon profitieren. Sie könnten noch mehr Kippen und Bier kaufen und hätten noch weniger Grund, eine Beschäftigung im Niedrigstlohnsektor aufzunehmen. Ein Heer von süchtigen Schmarotzern lachte sich ins Fäustchen, während der DAX ins Bodenlose taumelte.
Jetzt müssen alle Kräfte gebündelt werden, ein Ruck muß durch das Land gehen und die verantwortungslosen linken Bürokraten aus der Regierung fegen. Mit Norbert Röttgen sitzt der gefährlichste Mann Europas in der Schaltzentrale der Macht. Wer hält ihn auf?
Bitter rächt es sich, daß die FDP vor dem Linksrutsch der CDU in die Knie gegangen ist. Zwar konnte verhindert werden, daß deutsche Hotels in Scharen nach Rumänien verlagert wurden, aber wer will unser schönes Land noch bereisen, wenn es keinen Atomstrom mehr gibt für die Gäste in der Präsidenten-Suite?
Widerstand tut not. Wir Leistungsträger müssen uns solidarisch zeigen mit unseren Brüdern und Schwestern in den Vorständen und Aufsichtsräten der Stromversorger. Zeigen wir den Enteignern, wie die Zukunft ohne Atomstrom aussieht, verzichten wir auf jede Rasur, so lange, bis dieser Wahnsinn gestoppt ist. Männer, laßt die Bärte sprießen! Frauen, verwandelt euch in tiergleiche Geschöpfe, bis eure Beine haariger sind als eure Mäntel!
Sloterdijk, erweitern Sie Ihr Lebenswerk um ein Manifest für die Ewigkeit, beenden Sie den thymotischen Furor des deprosperisierenden Hyperkatholizismus neosozialistischer Provenienz!
Wo selbst Atome noch besteuert werden, wird das sozialistische Armageddon Wirklichkeit.
Und es ging heraus ein anderes Pferd, das war rot. Und dem, der darauf saß, ward gegeben, den Frieden zu nehmen von der Erde und daß sie sich untereinander erwürgten.
Die Ministerin für Wahrheit, Liebe, Familie und neuerdings Arbeit, Ursula von der Leyen, ist es leid, ständig neue Fakten erfinden zu müssen. Das in ihrer Familie schon traditionell kapriziöse Politikverständnis bedarf kreativen Managements, um der Minderleister und ihres Nachwuchses Herr zu werden. Die Chipkarte als elektronischer Bildungsgutschein ist der neueste Schrei, mit dem die Aufstockung der Hartz IV-Sätze von Familien buchhalterisch geleistet werden soll. Da lassen sich locker hundert Euro und mehr pro Kind anrechnen, die man auf der anderen Seite zum Teil sogar einsparen kann. Jemand will von der Leyen neulich gesehen haben, wie sie in ihrem Cabrio durch Karlsruhe kachelte und dem lästigen Gericht ihren Mittelfinger zeigte.

Aus der Not eine Tugend machen will die Bundesregierung, die Kommunen nicht unnötig entlasten und in einem Schlag weitere Anreize für Leistungsempfänger schaffen, sich endlich eine Arbeit zu suchen. Am besten im Ausland.
Wie hinter vorgehaltener Waffe Hand geflüstert wird am Spreebogen, soll’s der Wettbewerb richten, in Form eines nationalen Preisausschreibens um die besten Vorschläge zu einer modernen Sozialpolitik. Der Preis soll nach dem berühmten Kinderfreund Jonathan Swift benannt werden.
In einem Probelauf wurden bereits hervorragende Ideen entwickelt. Als Alternative zur Chipkarte wurde etwa die Kultur-Fußfessel für Schmarotzerkinder in die Diskussion gebracht. Damit von der neuen Ressource auch Gebrauch gemacht wird und die dafür notwenigen finanziellen Mittel abgerufen werden, sind Eltern dazu verpflichtet, ihre Kinder entsprechende Einrichtungen besuchen zu lassen. Leisten sie dies nicht, werden ihnen die Zahlungen gekürzt. Das von namhaften Designern entworfene Accessoir am Kinderfuß bucht automatisch ab, wenn die Kleinen eine Bibliothek, ein Konzert oder eine Musikschule besuchen. Die Bildungspflicht kann natürlich auch in einer christlichen Kirche abgesessen werden. Weitere Vorschläge dieser Art sind hochwillkommen und können in einem der angeschlossenen Ministerien oder beim örtlichen Mobcenter eingereicht werden.
Halbkomatös, so wissen es meine kopfschüttelnden Kritiker, sehe ich fern. Heute wurde Comedy gegeben. Mich deucht, die Parodien von Teevee-Events, früher “Fernsehsendungen”, sind aus Gründen nicht vom Original zu unterscheiden. Nicht bloß, weil die Bestrahlten – womöglich zurecht – für so blöd gehalten werden, daß sie nur noch Karikaturhaftes goutieren. Vielmehr beruht die Parodie auf demselben Prinzip: Etwas zu präsentieren, das vermeintlich noch zweimal dööfer ist als die Kunden solcher Karaoke selbst.
Daß Unterschichtsbespaßelung zum Universalcasting für dummstolze Inkompetenz tendiert, ist weder neu noch erwähnenswert. Wie und warum das also noch ‘überhöhen’? Und was bitte ist komisch daran, die vorgeführten Deppen als inzestuös gezeugte Untermenschen zu diskrimieren? Wurde die Supernanny eigentlich regelmäßig zum Beischlaf mit ihrer Mutter aufgefordert? Wenn nämlich nicht, hat sie einen anderen Job gemacht als all ihre Kollegen.
Was auch nicht fehlt, ist – in der als Parodie angelegten Karaoke, versteht sich – die schon epidemische “ch”- Schwäche, prototypisch im ausgerechnet von homophoben Machos gern intonierten Satz “Isch ficke disch!”. Gründet “ch”-Schulen, wenn das Abendland noch eine Chance haben soll!
Das Ganze stimmt nachdenklich. Der Frauchen suchende, von Mama hündisch an den Trecker geleinte Bauer oder der Nachmittags-Talkshow-Jugendliche sind Schicksale, die ihre hohnlachenden Verächter ebenso hätten treffen können. Die Opfer höherer Einkommensbildung, deren Idiotie hier vermeintlich zurecht andauernd verspottet wird, sind auch nur einen mentalen Pflastersteinwurf von meiner Warte entfernt angepflanzt worden. Irgendwer da draußen ist noch klüger als ich und lacht über mich. Aus sicherer Deckung, wie es sich für Feiglinge gehört, wohl wissend, daß ich ihm sonst kommentarlos eine aufs Maul hauen würde.
Ich war heute am absolut offlinesten. Völlig verofflinisiert quasi. Es hat noch für einen schnellen Kaffee und zwei Toasts gereicht, an der quasi faserigen Strippe aus dem Zimmer meiner Tochter gesaugt, stromtechnisch. Das war’s dann. Der ganze Block ohne Strom und das einzige erreichbare W-LAN gut geschützt. (Pfui, so etwas auch nur zu denken!) Blöd, daß gerade heute einige wirklich wichtige Arbeiten anstanden, die ich jetzt auf morgen verschieben muß. Nachdem mein Nachbar mir im März die Leitung gekappt hat (in dessen Folge auch der Router abgeraucht ist), jetzt also quasi Blackout in der Straße. Das ist noch steigerungsfähig, als nächstes wird der ganze Pott vom Netz gehängt, ich sag es euch.
Immerhin: Keine zehn Minuten nachdem die erste Phase ausfiel, waren die Jungs von Stromversorger da. In den folgenden Stunden dann die Häuser einzeln abgeklemmt, Analyse, Bagger bestellen, Boden aufreißen, Kabel flicken und alles wieder draufschalten. Manchmal ist es doch recht erfreulich, wenn die Infrastruktur stimmt. Ich hab dann mal die Deutschlandfahne aus dem Fenster gehängt.
Wer die Wahrheit wissen will, muß mich fragen. Ich darf mich nämlich mit Fug und Recht siehe oben nennen. Mir macht keiner was vor, das habe ich mehr als dreimal nachgewiesen. Täglich lese ich überdies Sturzbäche von Lügen und Schand aus ebensolchen Mäulern, gemietet, gekauft und selbst überzeugt, häufig gepaart mit einem bei 95° trockengeschleuderten Hirn. Da weiß man, was man hat.

Ich wollte eigentlich nichts zu dem erwartbaren Ergebnis der “Loveparade” schreiben. Es gibt genügend Fliegen auf den Leichen. Nun muß ich mich aber doch ein wenig über diese auslassen. Was da aus den Löchern gekrochen kommt und breit im Wege steht, ist schon erstaunlich. Wie sich das medial aufbereitet darstellt, voll im Trend der neuen Albernheit. Wer hätte bis vorgestern schon je etwas von einem “Panikforscher”, “Panikexperten” oder “Evakuierungsfachmann” gehört? Immer, wenn dem Volk etwas einzubläuen ist, kommt der Expertenforscher, und wir schweigen still und stumm um den ganzen Tisch herum. Danach gehen wir gesittet nach Hause, denn es gibt nichts mehr zu sehen. Geschweige denn zu meckern.
An Peinlichkeit und Zynismus nicht zu überbieten ist allerdings die Vorwärtsverteidigung nämlichen Panikprognostikers, der vorher nichts wußte und nachher unheimlich schlau ist. Der “Experte”, der das Sicherheitskonzept abgesegnet hatte, will von Verantwortung nichts wissen und widerspricht sich dabei am laufenden Band.
Er sei zwar vorher auf dem Gelände gewesen, dafür aber nicht zuständig. [edit:]Hierzu gibt es widersprüchliche Meldungen. Angeblich habe er nur Pläne des Geländes gesehen. Da hörte sein Job wohl auf. [endedit]
Die Treppe habe man “sprengen müssen”, worauf er aber vorher niemanden aufmerksam gemacht hat. Es seien erst 200.000 Menschen auf dem Gelände gewesen, das für 250.000 ausgelegt war. Schreckenberg stellt sich freilich nicht die Frage, wie viele Tote es wohl gegeben hätte, wenn dann 1.4 Millionen den Weg zum Güterbahnhof gefunden hätten. Im Interview mit dem WDR-Fernsehen hatte er sich bereits gewunden, man habe nicht ahnen können, daß die Gefahr von oben käme. Jetzt sieht er die Ursache darin, daß sich “einige nicht an die Regeln gehalten” hätten. Welch ein Experte!
Übertroffen wird er freilich noch von Eva Herman, deren christfundamentales Geschwätz inzwischen eine Qualität an Irrsinn erreicht hat, die für höhere Weihen qualifiziert. Hier reift Deutschlands Sarah Palin heran. Zurecht steht ihr Gebrabbel über sündige Unmusik und Gottesstrafen in unmittelbarer Nähe zum islamfeindlichen Mundschaum eines Udo Ulfkotte – der früher übrigens als “Terror-” und “Islamexperte” in den Medien herumgereicht wurde. Allein die Kombination hätte schon jemandem auffallen können, ehe der Mann offen zum politischen Extremismus konvertierte und Minarettexperte wurde.
Gemeinsam können sie uns noch manche Expertise liefern zur Parapsychologie des Negersprechgesangs, die phallische Obszönität islamischer Architektur und den Segen des deutschen Autobahnbaus. Vielleicht fusionieren ja sogar Kopp und Knopp noch zu einer nationalen Geschichtsforschungsfachstelle. “Die 12 Jahre und ihre Verleumdung durch die 68er” wäre doch ein schöner Titel für das Projekt.
Riesenmotor soll Erde rückwärts drehen
Posted by flatter under Hintergrund[16] Comments
19. Jul 2010 13:32
Muuhaahaa! Ich muß nicht mehr staubsaugen, einmal umziehen genügt. Ich habe mich gerade ein Stündchen lang auf dem Boden gekringelt, die Fusseln aufgenommen und dabei gleich naß gewischt. Die bunten Kriminalgebeamten haben nämlich eine großartige Idee: Das Internet vom Kanzleramt aus resetten, wenn es zu böse wird [via].
Kinder, die meinen das ernst! Na dann wollen wir doch mal kreativ weiterdenken: Wenn der Tag so richtig scheiße war, einfach die Erde um eine Umdrehung zurückschrauben. Und wenn es ganz dicke kommt, ein paar Ründchen mehr. Huii, das wird eine lustige Zukunft.

