Antikommunistischen Einheitsbrei kann nicht nur die ZEIT servieren. Die “Welt” kann das mindestenes genauso gut, was von einem Springer-Blatt auch nicht anders zu erwarten ist.
“Wer kann die Linkspartei jetzt noch aufhalten?” fragt sie, und stellt fest:
“Nicht einmal der Skandal um [...] Christel Wegner hält den Siegeszug der Linken auf”
Was gewinnen sie denn bei diesem Siegeszug? Und was bedeutet ein solcher “Siegeszug”? Ganz einfach, daß viele Leute diese Partei wählen. Wenn einem das nicht paßt, kann man sich fragen, was man dagegen tun kann. Dann ist es recht hilfreich, sich auch zu fragen, warum die Leute diese Partei wählen.
Die Presse von bürgerlich bis rechts innen ignoriert aber geflissentlich den Umstand, daß es dafür tatsächlich Gründe gibt. Für sie ist es undenkbar, eine solche Partei zu wählen. Die Existenz der Linken ist ihnen eine moralische Verfehlung, und sie zu wählen eine Art politischer Gotteslästerung. “Trotz des Skandals” schreibt Günther Lachmann und versteht tatsächlich nicht, daß der “Skandal” von den Wählern der Linken nicht als solcher betrachtet wird. Und zwar von den kritischen ebensowenig wie von den unkritischen. Die einen stört’s einfach nicht, und die anderen können zwischen einer Person und einer Partei unterscheiden.
Lachmann kann das nicht. Er ist so unbeleckt von jedem politischen Verstand, daß er sich folgendes Bild zurecht zimmert:
“Unter solchen Vorzeichen darf es nicht wundern, wenn die DKP auch in Hamburg, wo am Sonntag eine neue Bürgerschaft gewählt wird, auf der Welle dieser DDR-Nostalgie zu neuen Ufern aufbricht“. Die DKP steht aber gar nicht zur Wahl, gemeint ist damit die “Linke”. Dieser Tinnef wird verkauft als “Umfrage”, und eines der Items, die der Welt-Leser anklicken darf, nennt die Linke “SED-Nachfolgepartei“.
Für Lachmann ist die Linke ein Verein, der die DDR wiederhaben will. Er glaubt öffentlich, die Wähler dieser Partei wollten das auch. Zumindest läßt er das seine Leser glauben, die er wohl für völlig doof hält. Wohin soll das führen? Wenn der Mann das denkt, was er da schreibt, ist er so eine hohle Nuß, daß sich weitere Fragen erübrigen. Es ist aber vielmehr anzunehmen, daß er auf Teufel-komm-raus jede Debatte um das vermeiden will, was die Linke derzeit wirklich groß macht: Armut, Zukunftsangst und unerträgliche soziale Ungerechtigkeit. Deshalb wird die Linke nicht politisch, sondern moralisch angegriffen. Und zwar mit einer Moral, die nicht nur nach dem Fressen kommt, sondern sogar moralisch auf verlorenem Posten steht. Die Gier der Profiteure ist allemal empörender als das dumme Gewäsch der dümmsten Linken.
Die ängstliche Frage, “wer” die Linke aufhalten könne, ist derzeit berechtigt, denn es scheinen sich nicht allzuviele Gedanken darüber zu machen, wie man sie aufhalten kann. Das wäre nämlich gar nicht schwierig, wenn man wirklich wollte: Klüger, sozialer, ehrlicher. Vor allem aber politisch. Fangt endlich damit an!
2008
Nach nicht einmal 50 Jahren im Amt verabschiedet sich Fidel Castro. Dabei gibt er sein Amt nicht einmal an einen Klon seinerselbst weiter, sondern an seinen Bruder. Wer je an der demokratischen Gesinnung des Maximo Lider gezweifelt hat, darf sich heute schämen.
Erbprinz Alois von und zu Liechtenstein erklärt der Welt derweil, was Recht und Gesetz sind. Deutschland habe sich schändlich mit Kriminellen eingelassen, um die ehrlichen Kunden der hochwohlen Prinzenbank zu schädigen. Keine Frage, die Deutschen wissen offenbar nicht, was sie tun, aber Fettlocke Alois ist sicher der Letzte, dem man bei seiner Kritik rechtschaffende Motive abnimmt. Seine Durchtrieben heißt nämlich nicht nur “Prinz” der Erben, er ist auch so etwas wie die Mutter Theresa der notleidenden Millionärssöhne.
In Pakistan hat Musharraf vergessen, die Wahlen zu fälschen. Das hätte dem erfahrenen Demokrator nicht passieren müssen. Aber was soll’s, wenn es mit der Verhütung nicht klappt, gibt es immer noch die Abtreibung. Alle werden sich jetzt in ihrem Vertrauen bestätigt fühlen, so daß der wirklich demokratische Armeechef sich die Regierung aussuchen kann. Ein bißchen drohen hier, ein wenig putschen dort, und alles wird gut.
Insgesamt sind wir vorsichtig optimistisch und vertrauen in den Aufschwung, der bei moderaten Lohnabschlüssen auch am Arbeitsmarkt für eine Belebung sorgen wird. Guten Abend, das Wetter!
Lafontaine ein Agent Londons?
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18. Feb 2008 23:48
Es gibt noch mutige Journalisten in Deutschland. Leider beweist die große Mehrheit von ihnen täglich vor allem den tollkühnen Mut, sich lächerlich zu machen. Ganz groß auf dem Laufsteg ist dabei der Griff in die Mottenkiste, um ein Gespenst zu jagen, das kein Kleinkind mehr erschrecken könnte. Blöder, klischeehafter, mit mehr unbändigem Drang zur unfreiwilligen Karikatur, als Christoph Seils das in der ZEIT exekutiert, dürfte es kaum mehr gehen.
Das Vokabular ist komplett das des Kalten Krieges, man sieht förmlich die Losgelassenen der CDU/CSU gegen die Ostverträge wettern, wie sie das Abendland untergehen lassen und sich von ihren Globkes dafür belobigen lassen. Sie kommen! Sie sind von außen gesteuert! Sie unterwandern uns, die Kommunisten und Sympathisanten und ihre Kaderorganisation, sie bilden einen schwelenden Brandherd, eine proletarische Revolution ist ihr Ziel.
Seils läßt, Schwelbrand hin und oder her, nichts anbrennen und kommt schon in der Überschrift zur Sache: “Kommunistische Unterwanderung” ist das Thema. Das Beste daran: Der Mann meint das todernst! Einige Highlights aus seinem Pamphlet:
“Die Gruppe ["Marx 21", ein versprengter Haufen von Trotzkisten] gehört zu einem internationalen trotzkistischen Netzwerk, das von London aus gesteuert wird” Hört, hört, ein Netzwerk! Gesteuert, und zwar aus London. Der Tommy war ja im Krieg auch gegen uns, aber gehören solche Belange nicht in die Hände Moskaus? Na Hauptsache ausländische Bedrohung und “Netzwerk” – wer dächte da nicht an al-Qaida? Ich möchte die Jungs mal sehen. Ich wette auf Che-T-Shirts, Palli und verdammt schlecht sitzende Hosen. Da ist Angst angesagt, zumindest für Menschen mit ästhetischem Empfinden.
“Der Verfassungsschutz sieht in der Gruppe den Versuch, demokratische Parteien „von innen auszuhöhlen und zu desorganisieren“”. Logisch. Ich sehe in meiner Tochter (pubertierend) auch den Versuch, Newton zu widerlegen und alles zu unterjochen, was ihr bei entsprechender Laune vor die große Klappe kommt. Aber habe ich Angst? Würgt die Ameise den Elefanten?
Daß jetzt nicht sofort alle “DDR-Verherrlicher” zur Strecke gebracht werden, sondern nur die eine, die an prominenter Stelle ihren dummen Unfug verbreitet hat, belegt für Seils:
“Die Linke misst also mit zweierlei Maß. Die Wähler lassen sich davon und von der Empörung der anderen Parteien aber offenbar nicht abschrecken.”
Diese Wähler! Lassen sich ums Verrecken nicht davon überzeugen, daß die Linkspartei die kommunitische Verschwörung vorantreibt, sondern glauben, daß sie ihre Interessen vertreten könnte. Das macht Super-Seils noch lange nicht müde:
“Aber selbst wenn die Linke am Sonntag ein Rekordergebnis im Westen einfährt – die Debatte um ihren kommunistischen Anteil wird sie nicht los“. Genau. Und wenn Helden wie Seils den letzten halbtoten Altkommunisten im Sterbebett nach Berlin rollen, wir sollen das Böse sehen, den Antichristdemokraten, die blutige Hand moskautreuer Rotfaschisten, die zitternd nach unseren Hälsen langt.
Sehenden Auges aber rennen die Ungläubigen ins Verderben, weil sie mehr Angst vor Armut und Ausbeutung haben, als vor einer Weltrevolution trotzkistischer DDR-Verherrlicher aus London.
Google Blogsearch still sucks
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17. Feb 2008 0:53
Noch einmal eine Bitte an die Auskenner: Kann mir jemand erklären, warum ich seit über einem Jahr nicht von der Blogsearch gefunden werde? Zur Erklärung:
Google Websearch ist mein Freund ;-) Im Ernst stelle ich fest, daß die Mehrheit der über Google eintreffenden Hits durchaus zu finden scheinen, was sie suchen. Witzige Nebeneffekte von irrwitzigen Anfragen gibt es natürlich auch reichlich, die möchte ich auch gar nicht missen, ich lache halt gern.
Ich denke, wenn jemand die Blogsearch nutzt und hier aufschlägt, ist das keine schlechte Sache. Technorati kann das ja auch. Aber wie gesagt: Da geht gar nichts. Auf mails antwortet google selbstverständlich nicht. Do you have any idea?
Ein schönes Wörtchen, nicht wahr? Ich beanspruche fortan, als Quelle dieses Begriffs zu gelten. Einsprüche werden nicht akzeptiert, frühere Nennungen sind hiermit annuliert.
Nun, was ist Q-Journalismus? Er ist der Rest des Qualitätsjournalismus, der er noch immer zu sein behauptet. Er ist die Attitüde von Berufskommunikatoren, die qua Standeszugehörigkeit, beinahe möchte man sagen “Amt”, als Hüter der freien und gerechten Informationsvermittlung auftreten. Tatsächlich ist von der behaupteten “Qualität” gerade noch ihr möglicher Ursprung erkennbar. Der so entstehende Begriff ist nicht zufällig phonetisch identisch mit “Kuhjournalismus”. Denn die Tätigkeit, die dahintersteckt, ist nichts anderes als unbeteiligtes Wiederkäuen, in diesem Fall von Agenturmeldungen. Wenige vermögen die Kuh noch einigermaßen geschickt zu melken und aus der Rohmilch einen halbwegs brauchbaren Käse zu produzieren.
Zum Zumwinkel, fast zum Lachen und zum BND
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15. Feb 2008 2:18
Wie SpOn meint, hat der BND “den entscheidenden Hinweis” auf Zumwinkels Steuerhinterziehung geliefert. Der BND? Hat der sonst nichts zu tun? Ist das seine Aufgabe?
In § 1 (2) des BNDG (Gesetz über den Bundesnachrichtendienst) heißt es:
“Der Bundesnachrichtendienst sammelt zur Gewinnung von Erkenntnissen über das Ausland, die von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung für die Bundesrepublik Deutschland sind, die erforderlichen Informationen und wertet sie aus.”
Ist die Affäre also von “außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung” ? Ist da draußen vielleicht wer, der Mindestlöhne im Postgewerbe zum Anlaß nehmen könnte, die BRD anzugreifen? Ist Liechtenstein ein Schurkenstaat? Wohl kaum. Aber wenn das Managerschwein Steuern hinterzieht, fragt ja keiner, oder? Was deutsche Geheimdienste sich inzwischen auf allen Ebenen rausnehmen, ist atemberaubend. Man ist einmal mehr geneigt, die Koffer zu packen. Daß ein Topmanager versucht, seine nicht wirklich “verdienten” Millionen vor der Besteuerung zu retten, ist widerlich. Aber auch Zumwinkel hat das gottverdammte Recht, nicht von Geheimdiensten ausspioniert zu werden.
“Der Bundesnachrichtendienst darf die erforderlichen Informationen einschließlich personenbezogener Daten erheben, verarbeiten und nutzen, soweit nicht die anzuwendenden Bestimmungen des Bundesdatenschutzgesetzes oder besondere Regelungen in diesem Gesetz entgegenstehen, [...] über Vorgänge im Ausland, die von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung für die Bundesrepublik Deutschland sind, wenn sie nur auf diese Weise zu erlangen sind und für ihre Erhebung keine andere Behörde zuständig ist.
Das heißt nach meinem Rechtsempfinden auch glasklar, daß zufällig (wenn es denn zufällig wäre) gewonnene Erkenntnisse nicht unter der Hand jeder beliebigen Behörde zugeschanzt werden dürfen.
Offenbar hat sich aber inzwischen in allen Behörden, die mit sicherheitsrelevanten Aufgaben betreut sind, die Mentalität breit gemacht, daß sie für alles zuständig sind. Sie kennen keine Grenzen, kein Tabu und keine Bedenken. Was diese Leute zutiefst verinnerlicht haben, läßt eine rechtssaatliche Grundhaltung nicht mehr erkennen.
Dazu paßt auch das öffentliche Selbstbild: Sei es Tarnung oder echte Naivität – wie der BND sich repräsentiert, ist erschütternd dumm und wäre zum Lachen, hätte es nicht absehbar furchtare Konsequenzen:
Auf seiner Website befindet es der Geheimdienst für zwei der acht wichtigsten Fragen, darüber aufzuklären,
- wie man “ein Autogramm des Präsidenten” erhält und
-”wie man Geschenkartikel des BND erwerben” kann.
Gute Nacht, Deutschland!
Die gefährlichen Kommunisten
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15. Feb 2008 0:08
Eine niedersächsiche Landtagsabgeordnete der “Linken” macht den Doppelmaulwurf und schwadroniert von Stasi und Mauer als gerechtfertigte Maßnahmen zur Wahrung des Guten im Sozialismus. Wenn es denn stimmt, was da gemeldet wird. Jämmerlich wie sie sind, stürzen sich deutsche Spitzenjournalisten auf die Auswürfe dieser Irren, als ob die Stasi von der Linken wiederbelebt würde! Im Gegenteil ist die Linkspartei neben den Grünen die einzige, die klar gegen die Einführung grundgesetzwidriger Überwachungsmaßnahmen ist. Etwas Besseres konnten sich die ewigen kalten Krieger gar nicht wünschen, als daß eine Hirnentkernte wie Christel Wegner für die Linke in ein Parlament einzieht.
Wie blöd müssen die Verantwortlichen in Niedersachsen sein, wenn sie solche Flitzpiepen auf ihre Liste setzen? Haben die sich nicht mal angehört, was die Dame so denkt? Ich kenne eine ganze Menge alter KPler, also DKP-Mitglieder wie Christel Wegner. Und selbst als ich noch jung, einigermaßen naiv und revolutionärer Gesinnung war, gingen mir diese vom Osten geschmierten Sesselfurzer auf den Sack. Spießiger als diese Kissenfaltenrevolutionäre ist nicht mal der Verein rechtskatholischer Beamter. Wer linke Mietmäuler erleben wollte, mußte sich nur mit diesen weltfremden Besserwissern an einen Tisch setzen. Und wer es nicht wollte, traf sie trotzdem überall, wo irgendwer etwas auf die Beine stellte, das irgendwie “links” zu sein schien. Sie hatten stets die größte Klappe und die größten Fahnen, leider aber meist den bescheidensten Intellekt. Daß einige dieser Genies bei der Linkspartei sitzen, war zu erwarten. Das ist auch auszuhalten. Aber es sollte doch zu verhindern sein, daß sie in den Landtag einziehen.
Mehr als lächerlich ist eine Christel Wegner nicht. Dumm, aber harmlos, weil sie in der eigenen Partei keinen Rückhalt hat. Angst vor der Stasi muß man dennoch haben in diesen Tagen, aber es wird eine gesamtdeutsche Stasi sein. Eine Stasi der “Mitte”. Eine, von deren Mitteln das Original kaum zu träumen wagte.
Von innen nach außen nach innen
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13. Feb 2008 23:48
Was EU-Gollum Frattini da durchsetzen will, ist nicht nur für die Schnarre eine “Horrorvorstellung“. Die Grenzen der EU will er mit Drohnen und Satelliten überwachen lassen, Nicht-EU-Bürger sollen ihre Fingerabdrücke bei der Einreise abliefern, und als besonderen Service für “Vielreisende” will er Iris-Scan und ebenfalls die Abnahme von Fingerabdrücken anbieten. Den Schäuble wird’s freuen, ebenso wie viele seiner Kollegen in Europa. Was ein Inneminister können muß, ist da meist ähnlich wie hier: Von “Härte” palavern und vorgebliche Sicherheit über die Grundrechte stellen. Was angeblich der äußeren Sicherheit dient, ist aber gar nicht dafür vorgesehen. Daß die Innenminister letztendlich solche Vorgaben der EU umsetzen und das Europäische Parlament gar nicht gefragt wird, ist schon ein Hinweis darauf. Daß dieselben Mittel, die da an den Grenzen eingesetzt werden sollen, auch im Innern schon eingeführt oder avisiert sind, ist bekannt. Von daher läßt es tief blicken, was da noch auf uns zukommt, um uns vor den bösen Terroristen zu schützen. Der Einsatz von Drohnen in Städten etwa, Satellitenüberwachung zur Verbrechensbekämpfung, eine Ausweitung der Anwendung auf Bagatell- und Routinefälle. Wir sprechen hier nicht mehr von dunklen Utopien oder weit entfernten Horrorvisionen. Wir sprechen von der faktischen Durchsetzung des Überwachungsstaates. Und zwar eines Überwachungsstaates, der von keiner furchtbaren Utopie der Vergangenheit übertroffen wird.
Nun kann die Europäische Kommission keine Gesetze für die Mitgliedsstaaten erlassen, dementsprechend verkauft Frattini seine Horrorshow auch als “Vorschläge”. Mit diesen “Vorschlägen” werden die EU-Innenminister jeweils in ihre Kabinette gehen und vermelden, “die EU” sehe das so vor, man sei sich einig und müsse da mitziehen. Derart erzeugen sie Druck auf ihre Regierungen, bzw können die Regierungen, die eh nur drauf gewartet haben, behaupten, das sei halt jetzt der Stand der Dinge in der EU.
Ob in der EU, den USA, im Vatikan oder sonstwo: Die Mittel, die da zum angeblichen Schutz der Demokratien aufgefahren werden, schreien nach der Diktatur, die sie einzig rechtfertigen könnte. Und wir dürfen sicher sein: Wenn das durchkommt, ist die Phase der demokratischen Rechtststaaten in Europa vorüber. Dieser Irrsinn muß verhindern werden. Mit allen wirksamen Mitteln.
Den ganzen Tag Zeit und zu doof zum Einkaufen
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12. Feb 2008 0:06
In Berlin regiert ein rot-roter Senat. Wie wir von Guido Westerwelle wissen, bedeutet dies: Kommunistische Herrschaft, Steuergelder werden en masse verpraßt, und alles ist für alle umsonst. Stimmt nicht ganz. Er hat, wie viele Bundesbürger, bereits vergessen, was “Hartz IV” bedeutet und wer das eingeführt hat. Der Finanzsenator von Berlin, Thilo Sarrazin, ist einer dieser bis zur Selbstaufgabe sozialen Demokraten, SPD-Mitglied und selbstverdienter Emporkömmling. Seine Karriere begann in der Friedrich-Ebert-Stiftung, und er hat sich seitdem von Posten zu Posten unter den Fittichen der Partei und ihrer Mandatsträger gehangelt. Wenn einer weiß, was Sozialdemokratie ist, dann er. Leider hat er keine Ahnung, was demokratisch oder sozial ist, denn ob seiner guten Kontakte wurde er um jede eigene Lebenserfahrung gebracht.

Solchermaßen nüchtern und objektiv gegenüber den Lasten des Alltags, hat er einen für Arbeitslose sehr nützlichen Hinweis zur gesunden und kostengünstigen Ernährung gegeben. Sarrazin hat vorgerechnet, was eine Bratwurst mit Sauerkraut kostet (38 cent+12cent=50 cent) und auf diesem Wege festgestellt, daß der Hartzer mehr als genug Geld fürs Essen bekommt (4,25 pto Tag). Man darf nur “kein Geld für Alkohol” ausgeben. Und da sieht man’s wieder: Der Hartzer versäuft seine Bratwurst und macht nachher einen auf hungrig. Verwerflich! Wie gut, daß der Finanzsenator rechnen kann und seine Bratwurst kennt.
Der Senatschef, Klaus Wowereit, versteht das alles nicht und hält es vielmehr für “nicht notwendig”, den Leuten vorzurechnen, wie gut es ihnen eigentlich geht. Daß der Herr Finanzsenator mit seiner feudalen Ader mindestens so verzichtbar ist, wie seine Rechenkünste, hat Wowereit leider nicht erkannt.
Wir wissen doch längst, daß die faulen Säufer sich lieber in ihrer selbstverschuldeten Not suhlen, als arbeiten zu gehen. Neu ist, daß man die “Linke” wählen muß, um sich das von einem Amtsträger erklären zu lassen.
Mir ist in den vergangenen Tagen aufgefallen, daß es nicht immer hilfreich ist, über ein Thema so viel wie möglich zu wissen oder gar eine Ausbildung vorweisen zu können, die jemanden als “Experten” ausweisen. Selbstverständlich ist ein gewisses Grundwissen Voraussetzung zur sinnvollen Teilnahme an einer Diskussion. Mindestens so nützlich ist meist eine solide Allgemeinbildung, wenigstens aber die Fähigkeit und der Wille sich “schlau zu machen”, wenn es in die Tiefe geht.
Etwas ganz anderes als die Kenntnis von Hintergründen sind die Fähigkeit und der Wille, zu überzeugen. Hier stehen gerade die (gern selbsternannten) Experten oft in einem fahlen Licht. Wenn jemand etwa anbringt, er sei seit zweiundneunzehn Jahren in der IT-Branche tätig, womöglich gar selbständig, dann ist das schlicht kein Argument dafür, einen relevanten Wissensvorsprung zum Thema “Internet” zu haben. Nicht nur ein studierter Wirtschaftswissenschaftler kann fundiert zum Thema “Marktwirtschaft” argumentieren. Im Zweifelsfall wird aber das angebliche Expertentum selbst häufig zum (Totschlag-)Argument. Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Experte, der nicht überzeugend argumentieren kann, ist keiner. Jedenfalls nicht im Rahmen einer Diskussion. Er mag sich selbst ein äußerst fundiertes Bild der Lage machen, aber wenn er es nicht vermitteln kann, ist er fehl am Platze.
Im bezug auf Nachrichten und ihre Auswertung sind Blogger ein zurecht selbstbewußtes Völkchen, das sich von Journalisten die Welt nicht vorkauen läßt. Für viele ist die Unzufriedenheit mit der Qualität journalistischer Erzeugnisse ja gerade der Grund, selbst zu publizieren. Inwieweit dieses Selbstbewußtsein im Einzelfall simple Selbstüberschätzung ist, will ich nicht diskutieren. Es ist mir allerdings daran gelegen, daß die Öffentlichkeit der Laien, die Blogs darstellen, das Gegenteil von Expertentum und Stellvertreterpublizistik ist. Wir sind keine ausgebildeten Informationsarbeiter, sondern äußerungsfreudige Menschen, die ihre Gedanken kundtun und austauschen. Das hat vor allem den Vorteil, daß wir uns auf einem großen Forum der Konkurrenz um Überzeugungen stellen müssen. Es macht da keinen Sinn, möglichst vielen Leuten irgend einen Blödsinn unterzujubeln. Das haben verdammt viele Blogger nicht kapiert, vor allem diejenigen, die glauben, es hätte eine Bedeutung, soundsoviele Links vorweisen zu können oder mehr Leser zu haben als andere. Letzteres ist auf lange Sicht natürlich ein Kriterium, aber nur dann, wenn die Besucher wirklich lesen wollen, was man schreibt. Sie mit ganzjährigem Karneval anzulocken oder immer dieselben Claqeure zu versammeln, sticht nicht. Das kann das lokale Anzeigenblättchen besser.
Was mich erfreut, sind gute Argumente, wohlgesetzte Spitzen und vor allem die richtigen Fragen. Wenn ich sehe, daß jemand eine Meinung hat und sich kultiviert zu streiten weiß, bin ich da, wo ich hin will. Leute, die immer schon die Weisheit mit Löffeln gefressen haben oder ihr häßliches Ego mit dem öligen Lappen polieren, öden mich an.
Also: Immer her mit den Neugierigen, die trotzig den kleinen Sinn im großen Ganzen suchen!
