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2007


Seit die Demokraten den US-Kongreß (und den Senat) erobert haben, darf in den USA wieder gedacht, geforscht und auch das veröffentlicht werden, was der Bush-Administration nicht in den Kram paßt. Wie Wissenschaft zugunsten von Glaubensbekenntnissen zurückgedrängt wurde, wird derzeit öffentlich. Es findet sich kaum ein Gebiet, auf dem nicht gekaufter und zusammengepfuschter Blödsinn als neueste Erkenntnis verbrämt wurde. Noch einige Jahre weiter, und die Amerikaner wären belehrt worden, daß die Sonne sich um die Erde dreht.
Damit sank das Niveau der Forschung in den Staaten auf einen Stand, der hierzulande angestrengt von Beamten und Lobbyisten der Autoindustire verteidigt wird. Fragt sich nur, wann die endlich abgewählt werden.

Es lebe die Analogie! Den Enzensberger (“Saddam=Hitler”) – Preis für die platteste Gleichsetzung verdient sich heute Peter Schneider in der ZEIT. RAF und al Qaida sind doch irgendwie dieselbe Mischpoke, sie stehen nämlich auf Tod und morden.
Sicher gibt es einen Bezug der militanten Todessehnsucht zur Zivilisation, der den “Terror” begünstigt, es mag eine besondere Form der “Mimesis ans Tote” sein, die den Tod im Produktionsprozeß sichtbar macht und die (menschlichen) Körper ganz plastisch und plakativ ‘verarbeitet’, ohne dabei Mehrwert zu erzeugen. Stattdessen erzeugt er ein Maximum an Resonanz, vulgo “Public Relations”. Von daher ist Terror eine der absurdesten Simulationen des industriellen Verwertungsprozesses und gleichzeitig deren drastische Negation. Das träfe für den “muslimischen” Terror ebenso zu wie für den der RAF. Selbst in dieser verschraubten Betrachtung bleibt aber noch einiges an Differenz, etwa, daß die RAF auf Effizienz setzte, wo die Heiligen Krieger auf Flächenwirkung bauen. Auch ist das Konzept “Stadtguerilla” kein wirklicher Terror, denn die Bevölkerung war nie Ziel von deren Attentaten. Die Hysterie zu Zeiten der RAF war von daher ein hundertprozentiges Produkt der PR von Staat und Medien. Auch in dieser Hinsicht laufen die Analogien beim “Feind”, dem verdorbenen Kapitalismus, zusammen. Die Täter von RAF und Dschihad, ihre Motive, hintergründe, der Rückhalt bei ihren Völkern, die Strategie, ihre Verbreitung, die Ideologie… alles dasselbe? Wer keine Unterschiede sucht, findet auch keine, muß sich aber nicht wundern, wenn er in seiner selbstverschuldeten Dunkelheit vor den nächsten Schrank rennt. Was will der Dichter uns denn sagen? “Ob RAF oder al Qaida – Schäuble schützt”? Ein peinliches Detail noch im Nachtritt: Um aus dem RAF-Terror ein globales Phänomen zu machen, muß Che Guevara herhalten, “der gleich nach dem Sieg in Kuba Straf- und Arbeitslager einführte“. Ein bichen Ironie hätte mir an der Stelle gefallen. Wie war das noch mit den Straflagern auf Kuba? Dazu paßt auch folgende Weisheit: “Kein Zweifel: Das Attentat vom 11. September 2001 ist in seinem monströsen Vernichtungswillen einzigartig“. Vergißt man für einen Augenblick, daß den Attentätern gar nicht bewußt war, daß die Türme einstürzen könnten, gehen wir also davon aus, daß sie einige tausend Menschen töten wollten. Einzigartig, nicht wahr? Hiroshima und Nagasaki, das war ja kein Terror, das waren legitime militärische Operationen.
Hundsgemein, solche Artikel beim Wort zu nehmen. Aber wer seine vermeintlich staatstragende “Meinung” in die Welt funkt und es mit den Informationen nicht so genau nimmt, verläßt den Boden des Journalismus und betreibt dumpfe Propaganda.

Frauenförderung vom Feinsten ist deutscher Standard . Das geht zum Beispiel so: Statt Ganztagsschulen gab es hierzulande ein kompliziertes Verfahren, Schulkinder in “Horten” betreuen zu lassen. Dort arbeiteten fast ausschließlich Frauen, die oft selbst Mütter waren. Einige Reförmchen später stellte sich heraus, daß Horte nicht unbedingt notwendig seien, und man schaffte diese ab. Es wurde entschieden, diese Lücke auf ewig klaffen zu lassen zu schließen, indem “nachschulische Betreuung” installiert werden sollte. Diese ist alles andere als flächendeckend, und gern wurden dort Frauen ohne jede pädagogische Ausbildung beschäftigt. Dann wurde eine Notausbildung für Tagesmütter eingeführt, bis man nunmehr feststellte, daß ja viele Erzieherinnen arbeitslos sind, die man auch als Tagesmütter einsetzen kann, und zwar für noch weniger Geld als zuvor, da sie ja inzwischen Sozialschmarotzer sind, denen man Beine machen muß.
Derweil fordert der Wickert, die Kinder gleich vom Staat erziehen zu lassen. Kost’ ja nix mehr, ist also eine gute Idee. Anstatt Eltern besser zu stellen, indem sie eine zuverlässige Betreuung auf einem halbwegs akzeptablen Standard geboten bekommen und ihnen etwa als garantierten Service Elternschulungen anzubieten, sind wir inzwischen so weit, daß als Alternative zur Hausfrauundmutter billigste Verwahrung angepriesen wird, in deren Rahmen der Unterschied zwischen erwerbstätigen Frauen und Kinderbetreuungssklaven verwischt. Vielleicht hat der Mixa ja doch recht, wenn er Kinder quasi als Industrieprodukte bezeichnet.

Laut TAZ wird Gregor Gysi nach wie vor vom Verfassungsschutz beobachtet. Gysi selbst habe das mit den Worten kommentiert, das sei eine “verfassungswidrige Verschleuderung von Steuergeldern”, während Oskar Lafontaine weniger humorvoll von einem “Skandal” sprach. Gysi trifft zwar den Nagel auf den Kopf, wenn er kopfschüttelnd zur Kenntnis nimmt, daß die Superagenten des BVS Zeitungsartikel ausschnippeln, die Gysis politische Betätigung dokumentieren, aber so recht lustig ist die Sache dann doch wieder nicht. Mit der Überwachung von Bundestagsabgeordneten, deren Aufgabe es eigentlich ist, die Geheimdienste zu überwachen, wird ein weiteres Element autoritären Staatsgebarens öffentlich. Um es ganz deutlich zu sagen: Der Staat hat kein Recht dazu, und jede Aktivität gegen einen Mandatsträger hat öffentlich und unter Entzug der Immunität zu geschehen oder eben gar nicht! Auch wenn die NPD irgendwann im Bundestag sitzen sollte, wäre das uneingeschränktes Recht, das zu respektieren ist. Es ist äußerst besorgniserregend, daß von staatlichen Behörden derzeit beinahe gegen jedes Grundrecht verstoßen wird, das sie eigentlich schützen sollen. Woher sollen die Bürger das Vetrauen nehmen, daß solche Rechtsverstöße nicht massiv ausgeweitet werden und zu ernsthaftem Schaden am Rechtsstaat führen? Es ist allein ihr Desinteresse, das es den Verfassungsfeinden in den Behörden derzeit so leicht macht, ihre überwachungsstaatlichen Phantasien frei auszuleben.

Ein tolles Motto im Jahr des Schäuble, nach dem offenbar im Fall Kurnaz gehandelt wurde. Ich habe lange gezögert, mich zu diesem Thema zu äußern, weil die zugrunde liegenden Informationen zu widersprüchlich waren. Inzwischen komme ich zu dem Schluß, daß darin der Kern der Sache besteht. Derzeit wird natürlich einiges getan, um Steinmeier nicht zu belasten. Es ist fraglich, ob in bezug auf die Qualität seiner Arbeit im Fall Kurnaz das Informationschaos unter den Geheimdiensten eine Empfehlung für höhere Weihen ist. Für einen Rücktritt wird es nicht ausreichen.
Was aber deutlich wird, ist, wie der “Fall Kurnaz” verwaltet wurde. Im Vordergrund stand immer die Frage, was im Hinblick auf eine korrekte Behandlung der Angelegenheit auf Basis der Aktenlage zu tun sei. Es wurde erwogen und eingeschätzt, was dem Staate zum Vorteil oder zum Nachteil gereichen könnte und ggf. ob die zu treffende Entscheidung mit deutschem oder europäischem Recht im Einklang stünde. Als ginge es um ein Touristenvisum.
Niemand der Zuständigen hat die Angelegenheit unter dem Aspekt betrachtet, daß ein Mensch unter Bedingungen inhaftiert war, die eines Rechtsstaates unwürdig sind. Niemand hat sich klar gemacht, daß unzureichende Informationen in einem solchen Fall nicht hinnehmbar sind und daß alles getan werden muß, um zu einer klaren Einschätzung der Sachlage zu kommen. Der Mensch Kurnaz spielte keine Rolle, und die Menschenrechtsverletzungen durch die US-Administration spielten keine Rolle. Zu diesen Aspekten stand nichts im Manual der Beamten. Sie taten ihre Pflicht, zwar unengagiert, aber im Großen und Ganzen korrekt. Exakt darin besteht der Skandal, der sich täglich tausendfach wiederholt.

Das Schweinesystem ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Brigitte Mohnhaupt nutzt es, um unter die Abmahner zu gehen und sich ihre Website einzuklagen. Den militanten Antikapitalismus hat sie offenbar hinter sich gelassen. Überhaupt ist die RAF voll in der Fun Generation angekommen. Bislang war Hotte Mahler der einsame Star der ehemaligen Stadtuerilla. Wer aber dachte, sturzdumm und rechtsradikal wäre schon alles, was nach der Revolution kommen kann, sieht sich nunmehr ganz neuen Perspektiven gegenüber. (Wie sieht man sich einer Perspektive gegenüber? Es gibt gebrochene Metaphern, die ein Recht auf Leben haben! Aber weiter…) Christian (nicht mehr ganz) Klar zieht mit Sahra Wagenknechts tapferen Stalinisten um die Häuser, um seine Begnadigung zu erzwingen. Coole Strategie, denn wer so blöd ist, muß harmlos sein. Allerdings kommt er so nicht in die Charts. Warten wir auf die nächsten Folgen: Karl Heinz Dellwo als meuchelnder GI in Bagdad, Eva Haule (an der mir der verlustig gegangene Frimpong immer am besten gefiel) als Bundesvorsitzende vertriebener katholischer Mütter oder Pitter Boock als Bundesinnenminister? Letzterer Vorschlag ist natürlich Unsinn, denn dafür wäre der Mann nicht radikal genug. Außerdem käme dafür nur noch Margit Schiller in Frage. Ob sie reaktionär genug ist, wäre eine Frage der Ausbildung. Ansonsten ist sie qualifiziert wie zuvor schon Schönbohm, Schill, Schily, Schünemann und Schäuble. Anyway: Wer nicht komplett auf den Kopf gefallen ist, kann nur fordern, daß die letzte Schlacht endlich geschlagen wird und die Reste der RAF ihrer verdienten Lächerlichkeit preiszugeben.

cool
Heute will ich einmal über etwas schreiben, das meine Leser schon immer wissen wollten: Daß der neue Kühlschrank aus dem Hause Cool&Supercool nämlich ein echt geiles Ding ist. Man kann Essen darin kühlen und sogar Getränke! Bier zum Beispiel schmeckt wirklich besser, wenn es kühl ist, und dazu ist der Cooly genau das Richtige. Man kann es hinein stellen oder legen – das ist dem Cooly egal, macht ihm gar nix. Ich bin ja echt kritisch, aber das Ding ist eine Wucht. Einzig Blöde ist, wenn die Putzfrau mal längere Zeit keine Zeit hat. Aber selbst dann macht er das Bier noch echt kalt!
Also, wer sich dafür interessiert, kann ja mal bei Cooly 202o direkt reingucken, da steht alles über das tolle Ding. Und laßt ruhig einen Kommentar da. Darf auch echt kritisch sein!

Daß die DAX-Konzerne trotz guter Gewinne massiv Stellen abbauen, berichtet Spiegel Online und formuliert: “Der Aufschwung geht an den deutschen Belegschaften vorbei.” Das stimmt ganz und gar nicht, wie etwa der Herdentrieb verdeutlicht. Der Zusammenhang zwischen Wachstum und Beschäftigung bleibt evident. Allerdings zeigt sich wieder, daß mittlere und kleine Betriebe für die Beschäftigung sorgen. Martin Kannegiesser schiebt das Elend auf die quasi normale Flurbereinigung und erklärt, “eine Firma könne auch bei günstiger Ertragslage nicht Mitarbeiter behalten, die sie nicht brauche“. Das klingt sehr plausibel, ist aber blanker Unsinn. Soziale Marktwirtschaft stellt an dieser Stelle nämlich die Frage, wie man die vorhandenen Mitarbeiter zumindest kostenneutral einsetzt. Bei noch besserer Auftragslage hätte man überdies motivierte und eingespielte Leute, die man eben doch braucht. Gewinne kann man auch so noch machen, und die reichen den nicht börsennotierten Gesellschaften derzeit. Wenn man allerdings selbst bei günstiger Ertragslage den Hals nicht voll kriegt oder einem gierige Großaktionäre im Nacken sitzen, ist das etwas anderes.
Was lehrt uns das? Es macht keinen Sinn, bei Großkonzernen ans Gerechtigkeitsgefühl zu appelieren. Konzentrieren wir uns lieber auf die Dynamik der Wirtschaft unterhalb der Konzerne, die in puncto “Gewinne” ein immer höheres Plansoll zu erfüllen haben. Hier herrscht noch ökonomische Rationalität, und hier ist der erste Arbeitsmarkt. Dem wird häufig viel zu wenig Beachtung geschenkt.

Reform und Schule gehören zusammen wie Ehrlichkeit und Politik. Nachdem internationale Vergleiche eindeutig belegt haben, daß das deutsche Schulsystem nichts taugt, wird wieder reformiert, daß die Aktentasche knarzt. Es handelt sich allerdings um deutsche Reformen, also hektische Betriebsamkeit ohne Mut und Ideen. So bastelt Hessen derzeit an einem Modell, das zwar Schulformen integriert, aber die CDU-Regierung will unbedingt das Gymnasium erhalten. Das stößt zwar auf Kritik, wird sich aber sicher durchsetzen, denn so reformiert man hier: Oberstes Gebot ist immer, Bewährtes zu erhalten. Daß damit der Wurm weiter nagt und eben nie etwas Neues entsteht, ist die Folge.
In der Zeit wirft Martin Spiewak derweil die Frage auf, ob die Reformen nicht zu schnell durchgedrückt werden. Er weist außerdem mit Recht darauf hin, daß im Ausland oft diverse Helfersysteme integriert sind (, die den Lehrern die Arbeit nicht nur erleichtern, sondern auch Synergien nutzen, die hierzulande in der Differenzierung Schule/Jugendhilfe/Freizeitangebote/Tagesstätten aufgerieben werden). Erschreckend ist allerdings der Kernsatz, der zeigt, das auch der Journalist keine Vorstellung davon hat, was eine Reform ist und das System nur aus dem System heraus denkt:
Denn was machen Beamte, die dem Multitasking der Innovationen nicht gewachsen sind? Sie erledigen ihre Pflicht nur pro forma.” Richtig. So machen Beamnte das. Beamte machen auch keine “Pause”. Sie haben lebenslänglich und daher die Wahl zwischen Dienst (nach Vorschrift) und Frühpensionierung. Warum zur Hölle sind Lehrer dann Beamte? Warum werden sie fröhlich weiter verbeamtet und dazu gar gezwungen, weil ihre Pension, ihr Sold und die Sicherheit der Altersversorgung einfach ein Schlag ins Gesicht der angestellten Lehrer sind? Warum geht man nicht wenigstens hin und bezahlt die angestellten besser?
Reform also: Das Gymnasium soll bleiben, die Jahrgangsklassen sollen bleiben, der Beamtenstatus soll bleiben, die Ausbildung soll bleiben. Dann reformiert mal schön. Bis der Turm endlich umfällt!

Der Stadtrat von New York will das Wort “Nigger” verbieten. Das sei zwar, so die RP, “symbolisch” gemeint und habe keine “rechtlichen Folgen”, aber es ist nun offiziell definierte Politische Korrektheit. Schön, daß die schwarze Minderheit derart vor Diskrimnierung geschützt wird. Dumm, daß die schwarze Minderheit selbst längst am häufigsten den Begriff verwendet, um offensiv eine wenn auch zweifelhaft trotzige Identität damit zu behaupten. So lange der “Nigger” nur aufgehängt wurde, stieß sich niemand am Wort, jetzt, da er sich selbst so schimpft, tritt erst das ganze Grauen dieser furchtbaren Vokabel zutage. Da muß man sie natürlich verbieten, das hätte der Schäuble ganz genau so gemacht. Nicht gleich strafrechtlich verfolgen, da wäre der Schäuble konsequenter, aber der New Yorker weiß, daß der “Nigger” dann schnell sehr ungemütlich wird, also beläßt man es bei der Feststellung: Der “Nigger” ist verboten. Es gibt aber einen dritten Weg, den die geschäftstüchtige Gesellschaft sicherlich bald beschreiten wird: Einfach den “Nigger” urheberrechtlich schützen lassen und jeden abkassieren, der ihn ungefragt in der Öffentlichkeit nennt. “Nigger”, schwarz auf weißem Grund, eingetragenes Warenzeichen der White Slaveholders Inc..

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