Wirtschaft


Deutschland stirbt aus. Nein, nicht die Deutschen, die werden sich auch weiterhin, in mutigen Einzelfällen, vermehren. Was aus- und abstirbt, ohne das sogenannte Politische Eliten es je bemerkt hätten, ist das Weiter-so-Deutschland, das Du-bist-Deutschland.
Es ist das System. Man traut sich kaum mehr, diesen geschundenen Satz zu sagen oder zu schreiben, aber er ist wahr. Warum wollen die Leute keine Kinder? Weil sich niemand mehr welche leisten kann außer denen, die sich mit Hartz IV lebenslänglich arrangiert haben.
Die Probleme der Karrierefrauen sind eine Sache. Sie sind die Sache einer Kaste von Angebern, deren Statusgehabe derart zur Einstellung geworden ist, daß sie keinen Bezug mehr zum Sozialen haben. Sie sind Selbstsorger, Selbst- und Doppelverdiener, Führungs- und Leitungsroboter, die Gemeinschaft nur als das da unten kennen.
Jede Frau, die nicht ausgesorgt hat, kann sich Kinder schon deshalb nicht leisten, weil sie nicht so viel arbeiten kann wie sie Geld braucht, falls der Erzeuger sich vom Acker macht. Das gilt auch für eine Handvoll Männer, die nicht schnell genug weglaufen.
Ich selbst kann mir als alleinerziehender Vater und Angestellter nicht erklären, warum wir, deren Exleute keinen Cent Unterhalt zahlen, trotzdem sämtliche Belastungen in Steuer und Sozialversicherung zu tragen haben. Jaja, wir können unsere Hausangestellten von der Steuer absezten… und dann gibt es da den Unterhaltsvorschuß. Maximal sechs Jahre lang und höchstens, bis die Kinder 12 Jahre alt sind. Wer beschließt solche Gesetze? Wer läßt sie bestehen und zetert über Kinderlosigkeit?
Dann diskutieren sie darüber, ob das Kindergeld gekürzt wird, damit die KiTas finanziert werden können. Nicht die Neoliberallas waren das, sondern der Soziale Herr Steinbrück.
Die Marktwirtschaft regelt sich selbst am besten. Wenn eine Ware oder Dienstleistung den Anbieter nicht nährt, dessen Existenz also gefährdet ist, verschwindet sie vom Markt. So einfach ist das mit den Kindern.
Kindererziehung und ihr Unterhalt ist Privatsache der Eltern. Als Arbeit nicht anerkannt, gelten Leistungen, die dafür von der Gesellschaft erbracht werden, noch immer als Almosen. Die wichtigste produktive Tätigkeit in einer Gesellschaft wird nicht entgolten, sondern de facto bestraft.
Ein System, das Eltern dieser Situation aussetzt, ist zum Aussterben verurteilt. Die Frage ist nur, ob es friedlich sterben oder im Krieg fallen wird.

Die Bundesagentur für Arbeit, ein ewiger Quell der Freude! Sie vermittelt zwar nicht wirklich, vergeudet Milliarden in sinnlosen Weiterbildungsmaßnahmen, und was sie einen “Webauftritt” nennt, hat zwar einen 3-stelligen Millionenbetrag verschlungen, ist dafür aber von einer so miserablen Qualität, daß es nicht nur Experten die Schuhe auszieht.
Hervorragenden Service bietet sie allerdings auch im Bereich Datenschutz. Hier glänzt sie durch völligen Verzicht. Wer mit dieser Einrichtung des öffentlich ausgelebten Irrsinns zu tun hat, muß mit allem rechnen. Soll man das noch kommentieren?

Anlaß zum Schmunzeln und Kopfschütteln gibt ein Artikel der
taz über den Immobilienverkauf von Karstadt-Quelle. “für 3,7 Millionen Euro”, so die taz, verkauft der Konzern seine Gebäude. Wie weit er damit wohl kommen wird? Es sind natürlich 3,7 Milliarden, wie weiter unten auch zu lesen ist. Wenn außerdem ein “Spezialist für Handelsbetriebsleere” den Deal gutheißt, ist das sicher kein gutes Zeichen.
Seltsam aber ist auch die Kalkulation, mit der Karstadt-Quelle zuwerke geht. Sie bauen Personal ab und wollen so mehr Service leisten? Man darf zweifeln, daß das so funktioniert. Was überdies dem genialen Kniff der Eigenblutübertragung anhaftet, ist der Verlust an Substanz. Die Belastungen werden durch den Mietzins gleichzeitig höher, das schmälert Gewinne und vor allem Gewinnerwartungen. Die kleinste Krise kann sich also sehr schnell zur Existenzkrise ausweiten. Einen Preis für Nachhaltiges Wirtschaften werden die Manager dieser Luftnummer wohl nicht einheimsen.

Die aktuelle Wirtschaftsideologie ist ein seltsames Vehikel. Man nennt sie gern “neoliberal”, und einiges spricht dafür, von einem Geldliberalismus zu sprechen. Motto: Geld kommt von Geld und Markt regelt Markt. Dumm genug, versucht die politische Kaste aber, diesen Unfug schmerzhaft um eine weitere Weisheit zu erweitern: Schulden kommen von Schulden.
Seit den späten 80ern wird das schon gepredigt, und man könnte fast froh sein, daß trotzdem fröhlich weiter Schulden gemacht wurden. Wenn sie gut investiert worden wären. Wenn…
Wie man umgekehrt durch Entschuldung Geld verplempern kann, zeigt die Stadt Dresden mit ihrem viel bejubelten Wohnungsverkauf.
Der “Stabilitätspakt”, die Leier von den “Lasten kommender Generationen”, das Gequatsche vom Sparen und der heiligen Kostensenkung – es ist zum Davonlaufen.
Ein wirtschaftlicher Radikalismus ließe sich auf eine simple Formel bringen: “Sieh zu, daß du nachher nicht weniger hast als vorher und denke auch an morgen!”
Für dieses Ziel darf man streiten. Was wurde dafür bisher getan? Was verspricht wirklich Erfolg? Welche Mittel sind in welchem Zeitraum dafür geeignet? Wie investieren? Das wären Fragen.
Geboten werden statt dessen Antworten, und zwar immer dieselben, die schon immer falsch waren, weil sich keine dazu passenden Fragen finden. Da geht es dem “Neoliberalismus”, an dem nichts Neues ist, genau wie allen anderen Dogmen.
Das Elend wird abgerundet durch eine schon wortlos hingenommene Phantasie- und Ziellosigkeit. Wer auch nur einen Zehner investieren kann, braucht vor allem eines: Eine gute Idee. So entstehen echte Investitionen. Über den Umgang mit Ideen in diesem Land wollen wir bei einer anderen Gelegenheit verzweifeln.

Die Arbeitsagenturen, von denen wir schon lange wissen, daß sie nicht in der Lage sind, Jobs zu vermitteln, erweisen sich immer wieder und auf allen Ebenen als ein unkontrollierter Saftladen. Während man bei der Kontrolle von Entgeltempfängern vor keiner Intimsphäre mehr halt macht und vor keiner bürokratischen Schikane zurückschreckt, hat man es nicht nötig, die Qualität der eigenen Arbeit einer wirklichen Pfüfung zu unterziehen.
“Viele Arbeitgeber meldeten der Bundesagentur zwar offene Stellen, aber nicht, wenn sie einen passenden Kandidaten gefunden hätten. “Darum müssen unsere Mitarbeiter da stärker nachfragen”, sagt Hammersen. Vor allem aber seien die zahlreichen Zeitarbeitsfirmen an dem Missstand schuld [...]”
In den Arbeitsagenturen hat niemand eine Idee, wie man die gemeldeten Stellen mit deren Besetzung abgleicht! Schuld daran sind selbstverständlich andere. Das heißt im Klartext: Nachdem bekannt wurde, daß die Vermittlungsstatistiken gefäscht wurden, stellt man nunmehr fest, daß eine Vermittlung im Grunde ohnehin nicht stattfindet. Daran soll sich auch auf Seiten der Arbeitsagenturen nicht viel ändern, denn sie sind ja nicht schuld. Daß die “Mitarbeiter stärker nachfragen müssen”, heißt nicht, daß sie es auch tun werden, denn sie sind ja eh schon überlastet. Womit eigentlich?
Ceterum censeo: Schafft diesen Hort hoheitlicher Hirnlosigkeit endlich ab!

Wie man auf Kosten anderer wirtschaftet, wußte vor allem die Regierung Kohl. Nicht nur, daß der Patriarch das Geld ausgegeben hat, wie es ihm paßte, die Politik seiner Finanzminister war oft eine Einladung zur Selbstbdienung. Weil die CDU dereinst Kernkraft für das Nonpluslultra hielt, wurde erst gar nicht mehr gerechnet, was der Spaß kostet. Auslöffeln muß die Suppe heute u.a. Forschungsministerin Schavan [ TAZ ]. Was sie die Reaktorleiche kostet, sollte sie ihrem Parteifreund Koch einmal erzählen. Und ihm gleich die Rechnung vorlegen, wenn der sich tatsächlich mit seiner Forderung nach neuen AKWs durchsetzt.

Anstatt sich mit den lärmenden Symptomen der Gegenwart zu beschäftigen, empfiehlt es sich, einen Ausblick auf die Zukunft der Ursachen zu wagen. Das Stichwort ist noch immer “Leben ohne Öl” oder zumindest mit einer deutlich reduzierten Abhängigkeit vom schwarzen Gold.
Schweden ist offenbar soweit. Wie der guardian meldet, ist die schwedische Regierung sehr ambitioniert in dieser Hinsicht:
“‘Our dependency on oil should be broken by 2020′, said Mona Sahlin, minister of sustainable development.”
["'Unsere Abhängigkeit vom Öl sollte bis 2020 beendet sein', sagte Mona Sahlin, Ministerin für nachhaltige Entwicklung."]
Das ist nicht nur eine erfreuliche Perspektive, sondern auch eine große Herausforderung. Denn die vom Ölexport abhängigen Staaten sähen sich erheblichem Verlust an Macht und Wirtschaftskraft ausgesetzt, würde sich diese Tendenz durchsetzen. Nun kann man hämisch lachen und den Mullahs das gönnen. Oder man denkt einmal an die bevorstehenden sozialen und politischen Verwerfungen, die damit verbunden sind. Dann wäre es bald an der Zeit, partnerschaftlich an der Umstrukturierung der betroffenen Regionen zu arbeiten. Denn ohne Ölexporte schrumpft deren Wirtschaftsleistung rapide gegen Null.

Herrlich, diese schlechten Aussichten! Wir hatten uns schon fast mit guten Prognosen für das Wirtschaftsjahr 2006 abgefunden, da erbarmt sich ein mobiler muslimischer Medienmob und gibt wieder Anlaß zum Schwarzmalen.
Nachdem aufeinanderfolgende Medienereignisse zu einer ordentlichen Eskalation geführt haben, ist es an der Zeit, einen draufzusetzen, und sie stehen schon alle in den Starlöchern: DIW, Banken und “Wirtschaftsexperten” sehen dunke Wolken aufziehen und den Ölpreis steigen [WAZ].
Man könnte natürlich auch abwiegeln. Man könnte erwarten, daß der Mob wieder nach Hause geht, Ruhe einkehrt und man aus der Sache lernt. Man könnte optimistisch davon ausgehen, daß man sich zunehmend vom Öl unabhängig machen wird und vor allem vom Öl aus dem Nahen Osten. Gerade Deutschland hat einen großen Standortvorteil, wenn es um effiziente Energienutzung geht.
Wer aber würde das lesen wollen? Wo bliebe das Medienereignis, wie wird daraus eine reißerische “Headline”?
Lieber springt man auf den Zug zur Hölle auf und macht auf Frontjournalismus. Nicht einmal das scheinen viele “Wirtschaftsexperten” kapiert zu haben: Wirtschaft wird nicht nur in der Wirtschaft gemacht, sondern vor allem in den Medien.

Die TAZ veröffentlicht ein interview mit Uwe Foullong, “Ver.di-Bankenexperte”, und kündigt in der Überschrift an, dieser wolle “betriebsbedingte Kündigungen bei hohen Gewinnen verbieten lassen”. Es ist nicht ganz so dumm, was der Mann tatsächlich gesagt hat, denn er wird zitiert mit den Worten:
“Wenn die Unternehmen ihre Strategie nicht freiwillig ändern, dann müssen wir betriebsbedingte Kündigungen bei profitablen Unternehmen gesetzlich verbieten”.
Der Gedanke an eine freiwillge Änderung paßt nicht ins Bild der ewig reglementierenden Gewerkschafter und stört das Plakat? Man ist von der TAZ bessseres gewöhnt.
Immerhin aber droht Herr Foullong noch mit dem Gesetz. Das ist dann noch dumm genug, denn es hieße doch, ein Konzern, der gute Umsätze und Gewinne macht, dürfte nicht mehr umstrukturiert werden. Es bestünde also quasi die Pflicht, die Körperschaft periodisch an den Rand der Pleite zu führen, um sich veränderten Produktionsbedingungen anpassen zu dürfen.
Schade, daß er nicht beim Kern der Sache geblieben ist: “Unverantwortliches und unmoralisches” Handeln wäre ja das Thema gewesen. Solches kann man aber nicht gesetzlich verbieten lassen, es muß aus Überzeugung verändert werden. Es gibt sehr gute Gründe, zu investieren, wo heute noch blind auf Gewinnmaximierung gesetzt wird. Das soziale Element des Wirtschaftens besteht in der mittel- und langsfristigen Stabilisierung eines Unternehmens unter Beachtung der volkswirtschaftichen Effekte der Unternehmensentscheidungen. Ein solches Denken ist nicht per Gesetz herzustellen. Man könnte ebenso gut ein Gesetz erlassen, das verbietet, durch Drängeln vorwärts zu kommen.

Der Traum aller Abgemahnten ist gestern im Streit um einen Hocker wahr geworden [ WDR ]. Es ging um den sogenannten “B9″ von Marcel Breuer. Die Firma Tecta wähnte sich im Recht, das Möbel exklusiv produzieren zu dürfen. Daher verklagte Tecta u.a. die Firma Knoll, die ebenfalls “B9″ baut. Der Schuß ging gehörig nach hinten los: Knoll konnte nämlich einen Vertrag mit dem Designer selbst vorweisen, der älter ist als der zwischen dessen Witwe und Tecta geschlossene. Revision gegen das Urteil ist übrigens nicht möglich. Tecta, die sämtliche Gewinne der letzten Jahre an Knoll abführen müßten (siehe hier), wollen es jetzt mit der Berufung versuchen. Die Aussichten dürften eher mager sein.
Vielleicht ist das ein guter Tip für die Betreiber von Webauftritten: Schaut doch mal, ob sich nicht irgendwo ein alter Knebelvertrag aus dem Mittelalter findet, mit dem sich die fleißigsten Abmahner reinlegen lassen! Den Spaß hätten wir doch gern öfter.

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