2009
Yearly Archive
Posted by flatter under
PolitikKommentare deaktiviert 04. Aug 2009 1:22
Vorab zwei Links zu Artikeln über die manischen Bemühungen Zensursulas, ihre hochherrschaftlichen Ansichten von demokratischer Kommunikation durchzusetzen – in der einzigartigen Hybris ihrer inkompetenten Auslegung ministerieller Kompetenzen:
Der Spiegelfechter und Klaus Jarchow.
Was will der Wähler, der Deutsche, zumal der Christ? Anstand, Sitte und Moral. Und wie bekanntermaßen Reinheit, Keuschheit und Jungfräulichkeit durch die katholische Kirche von einer statistisch überrepräsentierten Klasse von edel gewandeten Kindesmißbrauchern propagiert wird, tut sich die christliche Familienikone hervor mit ungeahnten Möglichkeiten.
Pädophile Arschlöcher aller Länder, frohlocket, eure Zeit wird kommen! Schon bald wird die große Suchmaschine euch die Freude bereiten, nach Stoppschildern zu fahnden, den DNS-Server zu wechseln und dahinter euer El Dorado zu finden. Das Familienministerium und das BKA weisen euch diensteifrig den Weg. Aber Stop! So unmoralisch seid ihr nicht, daß ihr einfach weiterfahrt, oder?
Posted by flatter under
JournalismusKommentare deaktiviert 03. Aug 2009 0:00
In einem halbwegs fairen Interview der Tagesschau/”Bericht aus Berlin” mit Oskar Lafontaine – sieht man einmal davon ab, daß die häufigste Frage der Zuschauer (“wie kann die Linke effektiv gegen die gezielte Medienkampagne vorgehen”) als “kleine Kampagne” bezeichnet wird, fällt mir eine Frage besonders auf. Sie ist ein Sinnbild jenes Qualitätsjournalismus, dessen Meinungsschmiede regelmäßig Chimären hervorbringt, denen man nicht mehr ansieht, ob sie Kabarett oder Propaganda sind. Rainald Becker fragt dort:
“Aber Herr Lafontaine, mit diesen Einsätzen geht es doch auch um unsere Sicherheit, um Schutz vor internationalem Terrorismus, das war ja mal die Begründung dafür. Wollen Sie Deutschland denn schutzlos für die Terroristen preisgeben?”
Daß Deutschland schutzlos sei, wenn die Brunnenbohrer aufhören, tageweise Taliban zu vertreiben, kann ja eigentlich nur ein blöder Witz sein. Ich fürchte allerdings, Becker meint das ernst. Jedenfalls hält sich dieser Fürbittensprecher für den Repräsentanten einer ungemein seriösen Nachrichtenredaktion.
Die verkorkste Grammatik mag subtil eine Wahrheit offenbaren: Deutschland wird für die Terroristen preisgegeben, nicht den Terroristen. Für Terroristen, so liest sich das also, wäre Deutschland damit preisgegeben. Das macht zwar keinen Sinn, läßt aber immerhin die Hintertür offen, daß solche Preisgabe nur in der Interpretation einer wirren Gruppe von Fanatikern stattfände. Das Gegenteil wäre für Menschen mit Verstand nämlich der Fall.
Spannender ist die offene Frage, wem denn Deutschland “preisgegeben” wird. Wirren Fanatikern, denen kein Argument zu dumm ist, ihre wahren Interessen zu offenbaren? Wer sind dann diese Fanatiker? Das ist hier die Frage.
Der Kern der Propaganda, so läßt sich vermuten, hat zu der sprachlichen Entgleisung geführt. “Für die Terroristen” ist die Nachricht, die transportiert wird. Wer gegen den Krieg sei, sei für die Terroristen. Das bleibt hängen, wenn man es nur oft genug wiederholt. Wenn keiner mehr wirklich Fragen stellt.
Posted by flatter under
Best of ,
Hintergrund[22] Comments 01. Aug 2009 23:31
Wäre ich nicht eh schon so müde, angesichts dessen, was uns in diesen Tagen politisch “kommuniziert” wird, würde ich sofort einschlafen. Was soll man dazu noch sagen? Während die Kanzlerinnendarstellerin ihre Richtlinienkompetenz in Form von Schnittmusterbögen verewigt, hat der Kandidat sich endgültig von dem verabschiedet, was er einst seinen “Verstand” zu nennen so kühn war. Die Heillosigkeit ist vollkommen, woran auch Hubertus wahrlich nichts ändert, der wohl erfolgloseste politische Marktschreier seit Carl Ranseyer.
Steinmeier versucht ernsthaft mit einer Nummer aufzutrumpfen, die zwar dem Zocker Schröder einmal gelungen ist, aber seitdem eben bekannt. Vier millionen Arbeitsplätze, Vollbeschäftigung, Blabla und jetzt im Angebot bei Abnahme von zwei Vollbeschäftigungen den Weltfrieden als Rabatt. Was der Puffpeter Hartz versprochen hatte, entpuppte sich als dumpfer Bluff, und schlimmer noch: Der Erfolg blieb zwar aus, aber die Daumenschrauben, vulgo “Hartz IV”, sind geblieben. Was soll man also erwarten? Werden die millionen Arbeitsplätze geschaffen, indem Hausarbeit und unbezahlte Kinderbetereuung einfach zu solchen erklärt werden? Oder gibt es demnächst wieder die “Brigaden”?
Steinmeier träumt von Öko und Elektroautos, dazu noch irgendwie Mittelstand, macht insgesamt vier millionen. Zwar ist es durchaus möglich, daß massenhaft neue Arbeitsplätze in solchen Industrien entstehen, aber Frank-Walter, du Torf, dafür gehen die in den alten Industrien eben verloren. Davon gibt es reichlich in Deutschland – das sind die, die Kollege Steinbrück gerade zu retten versucht. Soll man sich abgesichts solch mageren Sinns wundern, daß Guttenberg sich erfolgreich als Genie verkauft?
Trauriger ist heute nur der Brüllmückenalarm, den die Inliner von der CDU mal wieder ohne Helm über die Leitplanke schubsen. Wir werden nämlich alle sterben. Natürlich nicht einfach so, sondern nachdem wir ordentlich duchgefoltert sind und unsere eigenen Eingeweide gefressen haben werden. Der Terrorist steht vor Berlin! Obwohl er das Hase und Igel-Spiel am Hindukusch zwar ganz witzig findet, ist er beleidigt und trachtet uns nach dem Leben. Mit dreckigem Atomzeugs und Massengeiselnahmen !
Massengeiselnahmen ! Damit ist nicht etwa die Entführung von Rainer Calmund gemeint, sondern ernsthaft das Szenario, daß ischlamischtische Terrorischte massenhaft deutsche Wähler gefangen nehmen.
Schlecht für die SPD: Dieser dümmliche Grusel wird die Omas und Opas weiterhin der CDU in die Hände treiben. Gut für die SPD: Der Anteil an SPD-Wählern unter den Entführten wird überschaubar bleiben. Hoffnung für die SPD: Nur eine wirklich große Katastrophe kann sie noch retten. Nach einem Atomkrieg zum Beispiel gibt es allerhand zu tun. Da wäre auch Vollbeschäftigung wieder drin.
Posted by flatter under
NetzweltKommentare deaktiviert 01. Aug 2009 16:16
Jadoch, die Herren, ich dachte gar nicht, daß ihr so ungeduldig seid.
Der Preisträger ist ein von mir besonders geschätzter Kollege. Er war einer der ersten, die mein Blog verlinkt haben (als ich noch bei blogg.de wütete) und schimpfte mich “linksliberal”. Das allein ist schon Grund genug. Ich mag sein Blog sehr und besuche es seit Jahren regelmäßig. Zuletzt ist sein Stern arg gesunken, was wohl auch damit zu tun hat, daß er nicht mehr gar so fleißig bloggt. Der Köter soll ihn ein wenig motivieren, uns öfter die linksliberale Harke zu zeigen. And here he is: Dr. Dean, John Dean oder auch einfach nur:

Posted by flatter under
NetzweltKommentare deaktiviert 01. Aug 2009 0:42
Mein allseits aus guten Gründen mißachteter Blog-Award steht kurz vor der Ziellinie. Die Jury hat getagt und ist seit 19 Uhr übernächtigt. Nun muß ich noch die Plakette zusammen nageln und ans Licht halten.
Eines vorab: Klaus Baum ist nicht der Preisträger, obwohl er äußerst preiswürdig wäre. Immerhin muß ich nächstes Jahr nicht lange suchen. ;-) Es ist zu ungerecht: Zweite Preise gibt es hier nicht, sonst müßte ich ihn mit Silber überschütten. Oma würde ihr Geschmeide allerdings vermissen. Was rede ich? Ich gehe besser ins Bett. (An dieser Stelle das Geräusch: “Mann fällt vom Stuhl” einfügen!)
Posted by flatter under
HintergrundKommentare deaktiviert 31. Jul 2009 0:04
Terror in Deutschland, endlich! Wovor der nimmermüde Innenminister seit Jahren warnt, es ist endlich eingetreten. Wer glaubte, die Aufrufe zur Wachsamkeit seien unnötig gewesen, wird nunmehr eines Besseren belehrt. Der Terror hat einen Weg zu uns gefunden, hinterlistiger als selbst die Wachsamsten annehmen konnten. Sie erwischten uns im Hinterland, an der offenen Flanke, im Urlaub. Wo der tapfere Infanterist sich Erholung erhoffte, schlugen die Terroristen zu, grotesk getarnte Söldner, die kein Wort arabisch sprechen.
Wir stehen erst am Anfang eines großen Kampfes für unsere Freiheit, weltweit. Wo immer Deutschland steht, ist auch der Terrorist nicht weit, am Hindukusch, im Sauerland, und jetzt auch auf Malle. In Kabul und Kreuzberg waren wir vorbereitet, die anstehenden freien demokratischen Wahlen müssen geschützt werden. Die dunklen Mächte glauben, wir können nicht überall sein, ihnen ist ein Überraschungsangriff gelungen. Werden wir deshalb schwach? Müssen wir einsehen, daß es kein Mittel gibt gegen den feigen Feind?
Ganz im Gegenteil. Es zeigt sich jetzt, daß die Vorsicht richtig war und die Anstrengungen vervielfacht werden müssen, Deutschland überall und zu jeder Zeit zu verteidigen. Kann es ein Zufall sein, daß gerade, als der deutsche Kanzlerkandidat sein Kompetenzteam vorstellte, eine Bombe die deutsche Kultur in ihren Grundfesten erschütterten sollte?
Zusammenrücken ist das Gebot der Stunde. Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden, unsere Differenzen beseite schieben und die Reihen schließen. Nicht zuletzt unseren Spanischen Freunden sind wir es schudlig, mit einer starken Truppenpräsenz am Ballermann Flagge zu zeigen. Es gehört zu unseren Kernkompetenzen, dort unauffällig und im Schulterschluß mit den Eingeborenen zu agieren.
Neben den notwendigen militärischen Maßnahmen, die es also zu treffen gilt, können aber alle Deutschen etwas für ihre Freiheit und zur Unterstützung der Bundeswehr tun. Zu allererst müssen wir Mut beweisen und uns nicht zurückdrängen lassen. Eine Reise zu den Balearen darf nicht länger das Privileg des Prekariats sein. Es mag den Intellektuellen und Nörglern bislang als ihrer unwürdig erschienen sein, jetzt aber sind auch sie wie alle anderen gefragt: Es ist die patriotische Pflicht aller deutschen Demokraten, unserer Insel die Aufwartung zu machen. Jeder Deutsche, Kind, Mann oder Greis, ist aufgerufen, sich bald als möglich dort einzufinden. Jede Kluft und Bewaffnung ist willkommen, ob Tarnhemd oder Bermudashorts, Küchenmesser oder Karabiner.
Brüder, zur Sonne, zur Verteidigung der Freiheit!
Posted by flatter under
HintergrundKommentare deaktiviert 29. Jul 2009 10:41
Da gibt es wohl einige Probleme mit dem hiesigen feed, nicht wahr? Ich kriege den einprasselnden Spam auch kaum mehr in den Grifff und werde daher umbauen. Mal sehen, ob das heute Abend schon klappt.
[update:] So, doof genug, das letzte Design nicht ordentlich gespeichert zu haben.
Ich würde mich über Rückmeldungen zu Veränderungen beim Problem mit den Feeds freuen.
[update2:] Schade fast, alles sieht wieder so aus wie gestern ;-)
Posted by flatter under
Journalismus[16] Comments 28. Jul 2009 23:45
Ministerpräsident Oettinger wurde jüngst eine Ehre zuteil, die sonst Oskar Lafontaine vorbehalten ist: Er wurde von Journalisten, die ein Interview zu führen vorgaben, angepöbelt. Schon die Eingangsfragen bzw. -Statements bewegen sich auf einem Niveau, dem ich persönlich mich verweigert hätte:
“SPIEGEL: Herr Ministerpräsident, wie fühlt man sich als Verlierer?“; und
“SPIEGEL: Uns kommen Sie vor wie der Pannen-Ministerpräsident Nummer eins.”
“SPIEGEL: Ihre jüngste Pleite trägt den Namen Porsche. Der kleine Sportwagenbauer aus Zuffenhausen hat mit Ihrer Hilfe versucht, den Riesen VW zu schlucken. Das Ergebnis dieses Versuchs ist erbärmlich: Porsche wird zu einem Subunternehmen von VW degradiert und in einer Reihe mit Edelmarken wie Skoda oder Seat stehen.”
Nachdem sie sich also völlig zusammenhanglos erst einmal ein wenig warmgepöbelt haben, kreiden die Helden vom “Spiegel”, René Pfister und Simone Kaiser, Oettinger an, daß Wedeking gegen Piech den Kürzeren gezogen hat und nennen das “erbärmlich”. Wohlgemerkt: Das ist der Auftakt zu diesem “Interview”. Im weiteren Verlauf wird es nicht wesentlich freundlicher. Da wird Oettinger vorgeworfen, er habe Merkel “genervt”, er würde “immer das Falsche sagen, und das auch noch zum ungünstigsten Zeitpunkt”, und als ob das noch nicht rustikal genug sei, reiben ihm seine Inquisitoren unter die Nase, daß ein Porsche-Manager ein Verhältnis mit seiner Gattin hat.
Ich erfahre aus dem Interview nichts Neues von jedweden Hintergründen, sei es Porsche betreffend, Oettingers Rolle in der CDU oder sonst etwas Relevantes. Ich erfahre, daß der Ministerpräsident aus verborgenen Gründen von der Redaktion offenbar zum Abschuß freigegeben wurde und sich ob der peinlichen Unhöflichkeiten seiner Gegenüber wacker schlägt. Mir fehlt jedes Verständnis für diese Veranstaltung. Ich kann nur feststellen, daß inzwischen nicht einmal mehr ein halbwegs anständiges Interview zustande kommt, wenn die ABC-Schützen von der Brandstwiete losziehen. Ich nehme an, daß diese rülpsende Grobheit als “kritisch” gelten soll, da man ja keinen falschen Respekt vor dem großen Namen zeigt.
Aber eben auch keinen richtigen. Ich kann Günther Oettinger nicht leiden, seine Ansichten, sei es zu Filbinger oder Steuern auf Lebensmittel, sind mir widerwärtig. Hätte ich mich mit dem Mann auseinander zu setzen, dürfte er sich aber jederzeit einer Höflichkeit gewiss sein, die ohne Ansehen der Person zunächst einmal jedem gebührt. Sollte er sich dann inhaltliche Blößen geben, wäre es mir ein Vergnügen, ihn mit dem selbst gedrehten Strick aufzuknüpfen. Genau das aber kann beim Spiegel keiner mehr. Sie können tief buckeln und gemein treten. Mittlerweile kann man nicht einmal mehr erkennen, wen es wie warum trifft. Es herrschen Willkür und Beliebigkeit.
Hat Oettinger das verdient? Darüber ließe sich streiten, aber daß sich die Frage stellt, ist schon das Armutszeugnis. Egal ob einer Ministerpräsident ist oder Hartz-IV-Empfänger, ob ein Groschenblatt gegen ihn hetzt oder ein Magazin, er sollte wie jeder andere Bürger von staatlicher Willkür ebenso verschont bleiben wie von journalistischer.
Was sind das für Zeiten, in denen ich mich genötigt sehe, einen reaktionären Unsympathen vor dem “Spiegel” in Schutz zu nehmen!
Posted by flatter under
PolitikKommentare deaktiviert 27. Jul 2009 22:45
Man könnte es eigentlich bei einem Satz, vielmehr einer Frage belassen: Wenn also auf Flüchtende geschossen werden darf, dann handelt es sich nicht um einen Krieg? Damit wäre zumindest eine Debatte, die um den semantischen Feuerschutz nämlich, beendet.
Aber es gibt natürlich noch mehr Fragen. Sehen so Polizeiaktionen aus, die geeignet sind, ein Land zu demokratisieren? Ist es die Aufgabe von Bundeswehrsoldaten, zu urteilen, ob jemand hinterrücks erschossen werden muß, weil er als gefährlich einzustufen ist? Wie sieht denn die dem entsprechende Ausbildung aus?
Rhetorische Fragen, paradoxerweise vor allem für jemanden, der sie wörtlich nimmt. Aber es soll ja nicht gefragt werden. Es geht doch um unsere Sicherheit. Diese absurde Konstruktion ist offizielle deutsche Staatsräson.
Nimmt man ernst, was behauptet wird, daß es nämlich um Aufbau und Terrorbekämpfung gehe, längst in umgekehrter Reihenfolge, dann sollte man sich für einen Augenblick verdeutlichen, welche Welten dort aufeinander prallen. Die Afghanen kannten bereits Besatzer, die sie militärisch unterjocht haben. Viel mehr Erfahrung haben sie mit den Europäern und Amerikanern nicht. Sie verstehen nicht deren Sprachen, sie tragen nicht deren Kleidung, haben nicht deren Religion, spielen nicht ihre Musik und haben andere Gepflogenheiten. Das gilt nicht nur für die plakativ brutalen Extrem-Islamisten, sondern für alle Stämme und Völker in der Region.
Man hätte sich überlegen können, wie man diese Kulturen erreichen könnte. Meinetwegen auch, wie man sie unterwandern oder korrumpieren könnte – was mit den “Taliban” zum Zwecke der Russenbekämpfung ja auch hervorragend funktioniert hat. Was aber die dümmst mögliche Intervention darstellt, das ist eine Invasion in dem Glauben, man könne ein bißchen Polizei aufstellen, ein paar sprachbegabte “Politiker” in der Hauptstadt versammeln und hätte dann eine offene quasi-westliche Zivilgesellschaft.
Nehmen wir an, nach Weltkrieg zwo, als die Deutschen als der übelste terroristische Abschaum der Welt gelten durften, hätten Samurai das Land unter ihre Kontrolle gebracht. Sie hätten mit ein paar chinesichen Freunden und den besten Absichten ein wohlgeordnetes aristokratisches System aufbauen wollen, mit einer fairen Gerichtsbarkeit und materiellen Annehmlichkeiten – zunächst für eine kooperartionswillige Oberschicht. Was wäre wohl dabei herumgekommen? Einsichtige Deutsche, die eifrig die Befehle der Besatzer auswendig lernen und sich einem Mix asiatischer Kulturen anpassen?
Und nehmen wir an, sie hätten es nicht spontan getan, sondern es hätte militanten Widerstand gegeben – von Nazis ebenso wie von völlig anderen Gruppierungen, die aber allesamt als Nazis gegolten hätten. Hätte man Deutschland befrieden können, indem man Wahlen zugelassen hätte, bei denen das Volk sich aus verschiedenen Aristokraten die besten aussuchen kann? Hätten sie das wohl als “ihr Land” akzeptiert? Und wenn sie, weil es eben alles nicht in knapp acht Jahren funktioniert hätte, gehört hätten, daß sie auf der Flucht erschossen dürften, wenn man sie für gefährlich hält, hätte das wohl ihr Vertrauen gestärkt?
In Afghanistan wird auf diese Weise unsere Sicherheit verteidigt. Mit eben den beschriebenen Mitteln. Gegner sind “die Taliban”, denn jeder, der dort Widerstand leistet, gilt als ein solcher, auch wenn er nie den Koran in den Händen hielt. Im Zweifelsfall ist er halt ein Terrorist oder Verbrecher. Wer fragt schon nach Motiven?
Dieser Krieg ist einer reinsten Wassers, das Ende der Wahrheit und gerade dort barbarisch, wo er angeblich zivilisieren soll. Er ist eine Schande für jeden demokratischen Rechtsstaat, und es entscheidet sich nicht zuletzt an dieser Front, ob Deutschland noch einer sein möchte.
Jetzt heißt es wieder: “Auf der Flucht erschossen”. Es ist zum Heulen.
Posted by flatter under
Best of ,
PolitikKommentare deaktiviert 27. Jul 2009 0:18
Unter all den Beweihräucherungen und bemühten Erklärungen der angeblichen Popularität des Freiherrn von Wirtschaft zu Guttenberg erscheint die halbgare in der “Zeit” zunächst noch erträglich, aber auch dort werden die entscheidenden Fragen erst gar nicht gestellt . Immerhin werden dort nicht nur angebliche Chrakterstärken eines Adligen aufgereiht, aber auch Jens Jessen läßt sich darauf ein, dem Adel per se Adel zu unterstellen. Als gäbe es keine krähenden Celebrities blauen Blutes, einen pöbelnden, pissenden und raufenden “Welfenprinzen” etwa oder eine Salonsirene von Thurn und Taxis. Bei Jessen ist der Adel edel:
“Die Erziehung zur Contenance führt zu einer Verachtung der Larmoyanz. Ein Adliger wird sich selten wie der Bürger zu einem larmoyanten Seelchen entwickeln, allerdings auch selten zu einem Künstler oder Intellektuellen. Eine gewisse Verachtung für die eigenen Unpässlichkeiten und Gemütsbewegungen wird ihn immer auszeichnen, und das heißt nun auch: katastrophensicher und unter Umständen sehr tapfer machen.”
Nein, auch das ist ein Vorurteil, und wenn es im Gewande einer Halbkritik daherkommt, weil Jessen feststellt, daß die Guttenbergs und der Restadel wohl doch nicht alle im Widerstand waren, wird es nicht besser. Peinlich wird es gar, wenn Karl-Theodors Vater unwidersprochen zitiert wird:
“Wir sind so erzogen worden, dass man für das, was man für richtig hält, zur Not auch sterben können muss.”
So kennen wir das. Der Adel stirbt immer zuerst, wenn es zum Äußersten kommt.
Da setzt sich einer hin, um zu erklären, warum die Botoxbirne so populär sei und schreibt eine kitschige Eloge auf den Adel. Bei Jessens oben ist mal wieder keiner zu hause.
Selbstredend hat die Karriere des Mannes nach Glos mit seinem Stand zu tun. Daß er eine Stelle eingenommen hat, auf der zuvor ein bayrischer Problembär Winterschlaf gehalten hat, machte ihn wie jeden anderen erst einmal zu einer Aussicht auf Erlösung. Was dann kam, ist aber eben Boulevard und Klatschspalte. Der Mann sieht aus wie Oma sich einen Schwiegersohn vorstellt, er kann vor Geld nicht laufen und trägt beste Garderobe spazieren. Er ist nicht vom Schlage der normalkorrupten Emporkömmlinge und Radfahrer, die das Wahlvolk gestrichen satt hat. Daß er eben nichts hat leisten müssen für diesen “Erfolg”, schon gar nicht – wie unfaßbar lächerlich – sein Leben riskieren, ist dem Qualitätsjournalisten in seiner feuchten Anbetung keinen Gedanken wert.
Es scheint niemandem so recht aufzufallen, aber “Ka-Te” ist keine Charity-Lady, sondern Wirtschaftsminister. Seine vorgeblichen Kompetenzen für dieses Ressort, das wurde am Rande der Seite 10 abgehandelt, waren zunächst einmal erlogen. Schwamm drüber. Seine Rolle beim Fall Opel war kapriziös, zeichnete ihn aber weder durch besondere Klugheit aus noch durch irgend etwas, das man ein “Konzept” nennen könnte. Womit wir bein Hauptproblem sind: Konzepte, Ideen, Wissen, planvolles Handeln und Durchsetzungsfähigkeit, das wären die Kompetenzen, die ein Minister mitbringen sollte. War davon bislang auch nur die Rede? Im Gegenteil. Der Herr Freiherr muß über Geld nicht sprechen. Er hat es, und wie Jessen feststellt, bleibt ihm ja sein Adel, sollte es jemals anders sein. Welch ein Zeugnis für jemanden, der den Staat durch eine Wirtschaftskrise führen soll!
Was Guttenberg als Figur, als Promi und Gesicht in den Medien so dankbar geeignet macht, ist aber das, was in den Wirtschaftsspalten des Qualitätsjournalismus derzeit en vogue ist: Verdrängen, Verschweigen und Gesundbeten. Und wenn dann doch die nächste Blase platzt, haben wir ja immer noch unseren Adelstitel.
Das beruhigt das Volk, denn es repäsentiert die Zustände angemessen und nimmt viel Gift aus der Debatte:
Die zu kurz kommen, fühlen sich wieder aufgehoben. Sie müssen sich nicht mehr als Leistungsverweigerer und Versager beschimpft fühlen, sondern sie sehen, daß sie von vornherein keine Chance hatten. Die anderen, die es haben, finden das ohnehin gerecht.
In die Oberschicht, so erkennen alle zu ihrer Beruhigung, wird man eben hineingeboren.
« Vorherige Seite — Nächste Seite »