Jetzt geht der Irre zu weit: “Bush würgt Queen bei USA-Besuch.” [edit: Inzwischen nicht mehr aufrufbare Meldung bei FR-Online: “Bush würdigt Queen bei USA-Besuch”, meiner selektiven Wahrnehmung zum Opfer gefallen]
Oder so…
Der Unterschied zwischen “würdigen” und “würgen” ist übrigens ein verstorbenes Mitglied der Royal Family. Zufall?
2007
Bush attackiert Old Europe
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08. Mai 2007 0:07
Via Dr. Dean bin ich auf einen weitschweifigen Artikel von Klaus Merten gestoßen, der die “Lüge” ins rechte Licht zu rücken versucht und (v)erklärt, warum PR gar nicht so schlimm ist. Im Ganzen ist der Artikel langatmig, eine Melange aus kommunikationstheoretischen Versatzstücken und einem Plädoyer gegen die Wahrheit. Die Wahrhaftigkeit simulierende Aufforderung: “Die hier vorgetragenen Argumente sind mitnichten als Freigabe der Lüge, sondern statt dessen als Aufforderung zu einem bewussteren Umgang mit derselben zu verstehen” will ich wörtlich nehmen.
Tatsächlich gibt es Grenzen der Wahrheit, die nur durch Dogmatismus zu halten wären. Irgendwo wird’s relativ, und tatsächlich ist es nicht hilfreich, immer die ganze Wahrheit herauszuposaunen. Die gesellschaftskonzeptionellen Extreme von Wahrheit und Wahrheitsverzicht liegen im Einparteienstaat einerseits und in moderner PR andererseits. Das Oktoberparadebeispiel für die Dummheit der “Wahrheit” ist ihre Festlegung durch das herrschende Dogma. “Die Partei hat immer recht” – exakt das ist die Wahrheit der Realkommunisten, heute noch zu finden in Kuba und Nordkorea. Das Gute daran: Das Dogma bewegt sich nicht, es gibt also gar keine Lügen, sondern nur Verkündung und Ketzerei.
Kompliziert sind aufgeklärte Zivilisationen, in denen es einen Kampf um Erkenntnis gibt, insofern auch um Wahrheit. Liberal ist die Gesellschaft, die unterschiedlichste Modelle von Wirklichkeit frei gegeneinander antreten läßt. Um nicht zu einer psychotischen Kultur freier Lügner zu verkommen, bedarf die Konstruktion von Wirklichkeiten aber der Grenzen, die ihr im besten Fall ein sozialer Konsens setzt. Wie auch immer Wahrheit als begrenzte Wirklichkeit zustande kommt, sie ist natürlich weniger flexibel als Lüge. Lüge darf alles, Wahrheit recht wenig. Insofern ist die von Wahrheit abgekoppelte Kommunikation unschlagbar flexibel, schnell und effizient. Sie ist das perfekte Vehikel der beschleunigten Tauschwirtschaft – allerdings nur für den Täuscher und nur befristet. Fortgesetzte Täuschung nämlich führt zum Ausschluß aus dem Kreis der Tauschenden, sofern sie bemerkt wird.
Hier nun kommt PR ins Spiel. Sie ist im Idealfall die fortgesetzte Täuschung, die kein Mißtrauen erregt. Sie transportiert Inhalte frei von einer Bindung an ideelle Werte, mit denen sie freilich dennoch hantiert. Was gestern mit XY der Renner am Markt war, ist heute ohne XY der letzte Schrei im Umweltschutz. PR hat kein Gedächtnis, kein Gewissen, keine Pflicht. Sie ist das Gegenteil von Wahrheit, die wiederum an Rituale, Instanzen, Behörden, womöglich an Bürokratie gebunden ist. Das macht Wahrheit so träge und really not sexy. Der Reiz der Lüge und ihrer Professionalisierung ist also nachvollziehbar. Wer ihm erliegt, muß sich dennoch damit abfinden, daß er als Abschaum der Menschheit bespuckt und geächtet wird. Es geschieht ihm recht, und keine noch so geniale Kampagne kann das ändern.
Wenn Braun Schweigen verordnet
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04. Mai 2007 23:27
Erst jetzt wurde ich durch Die ZEIT auf eine Geschichte aufmerksam, die schon vorher in der TAZ veröffentlicht wurde: Der OB der Stadt Braunschweig, Gert Hoffmann (CDU), fühlt sich bemüßigt, seinen satirischen Kritiker Hartmut El Kurdi zu verfolgen, indem er etwa allen Mitarbeitern der Stadtverwaltung verbietet, Veranstaltungen zu besuchen, bei denen El Kurdi auftritt. Die fürwahr braunen Methoden, jemanden zum Schweigen zu bringen, sind nicht das einzig Komische zwischen Kalau und Schilda. Wirklich belustigend wird die Sache erst dadurch, daß der Ursprung der ungleichen Auseinandersetzung darin liegt, daß El Kurdi sich anmaßte, mehrfach an Hoffmanns Vergangenheit als NPD-Mitglied zu erinnern. Dies zeugt nicht nur von Unverschämtheit, sondern es ist auch völlig überflüssig. Schließlich hat Hoffmann nur die Partei gewechselt. Infam wäre die Behauptung, seine Überzeugung hätte sich je geändert.
Über den Film “Taxi to the Dark Side” läßt der Malzahn sich schreiben, ganz so, wie wir ihn kennen: Außer Attitüde bietet er vor allem brodereskes Geschwafel, Gegenaufklärung, die erst so tut, als hätte sie etwas zu berichten, um dann den Leuten das Maul zu verbieten. Sie könnten sonst gefahr laufen , die Verbrecherbande der verantwortlichen Administration beim Namen zu nennen. Es geht um Guantanamo. Dort verschwinden Menschen. Sie werden entrechtet, geschunden und ermordet. Das alles kennen wir von Unrechtsstaaten und Diktaturen, heute ist das Alltag in den von den U.S.A. in aller Welt errichteten Lagern. Darüber berichtet der o.g. Film, und der Malzahn stellt fest: Das darf der Film. Er stellt hingegen nicht fest, daß innerhalb der Grenzen der Diplomatie (die für die Bush-Administration ohnehin nichts gelten) dieses schreiende Unrecht nicht mehr kommunizierbar ist. Er stellt nicht fest, daß die Mörder und ihre Befehlshaber geächtet gehören. Er stellt nicht fest, daß solche Unmenschen keine Freunde mehr sein können.
Statt dessen Stereotypen, Popanz und ein Feindbild, das seinen Nutzer wieder einmal seiner unerträglichen Blödheit überführt:
“Bevor aber das alte Europa angesichts solcher Bilder wieder in antiamerikanischen Jubel ausbricht, muss man den Unterschied zwischen europäischer Denunziation und amerikanischer Aufklärung betonen. Diese schwere filmische Attacke auf die US-Administration geht von Amerikanern aus, die sich um ihr Land Sorgen machen.”
Der Malzahn ist der letzte, der die halbschwachsinnige Parole des sogar von Bush geschaßten Rumsfeld nicht nur wiederholt, sondern sie ernst meint. “Denunziation” ist es, wenn ein Europäer die Mörder “Mörder” nennt. Und weiter geht’s:
“Die Nörgler in Europa, die seit Jahren das dumme Lied vom amerikanischen Faschismus singen, sollten sich deshalb nicht zu früh auf Gibneys Film freuen. Sie haben zur Aufklärung der amerikanischen Verfehlungen in Afghanistan und im Irak so gut wie nichts beigetragen.”
“Nörgler” sind also diejenigen, die an dem bißchen Abschaffung der Menschenrechte etwas auszusetzen haben. Könnte man doch auch mit Humor nehmen. Wer nicht selbst vor Ort ist und “aufklärt”, muß sich mit Folter und Mord abfinden.
Zu früh gefreut! Wer freut sich worüber? Allmählich gleitet das Gelaber ins Psychotische ab. “Das dumme Lied vom amerikanischen Faschismus“? Da ist er, der ewige dumme Antifaschist, dem einzig einfällt, Amerika zu kritisieren. Malzahn, du Karikatur eines Westentaschenjournalisten, deinen Antiamerikaner gibt es nur beim Broder. Wenn du schon Mist abschreibst, dann sag doch wenigstens, von wem! Und ausgerechnet angesichts einer Wirklichkeit, die dem Faschismus so erschreckend nahe kommt, daß selbst gesetzte bürgerliche Freunde Amerikas entsetzt sind, erklärt dieser Hanswurst alle Kritik aus Europa zu hohlem Antiamerikanismus. Mit dieser Bewerbung hätte Claus Christian ein Praktikum bei Mc Carthy bekommen. Als Journalist hat er den endgültigen Offenbarungseid geleistet, und der SPIEGEL, so muß ich feststellen, ist in der Tat zu einem Spielplatz für hirntaube Schmierfinken verkommen. Einen noch, zum Abschluß:
“Der Film berichtet, argumentiert, klagt an – und ist aufgebaut wie das flammende Plädoyer eines zornigen Staatsanwalts – wie man ihn nur in den USA finden kann.”
Früher mußten Spiegel-Redakteure belesen sein. Heute sind lächerliche Kriecher gefragt, die offenbaren, daß sie ihre Bildungsinhalte aus Krimiserien beziehen. Malzahn berichtet nicht, argumentiert nicht, klagt nicht an. Er schwafelt.
Erst schreiben, dann vertreiben
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02. Mai 2007 23:54
Eine lustige neue Rechtspartei formiert sich in Hamburg, mit dabei alte Zossen der Schillpartei, Law-and-Order Kusch und Udo Ulfkotte, Ex-Redakteur der FAZ und Paranoia- “Terrorismusexperte”. Ulfkotte ist ein besonderer Journalist. Zwar verlor er eine Klage, weil er nicht nachweisen konnte, vom Shellkonzern nicht geschmiert worden zu sein, andererseits veröffentlichte er ein Buch, in dem er Kollegen Lügen und Betrug vorwarf – was in vielen Fällen den Nachweis vermissen ließ. Neben solch einträglichem und populärem Schaffen machte er sich um das Schüren der Ängste verdient, die er nunmehr politisch zu bekämpfen vorgibt. Effizient! Daß Ulfkotte Ausländer haßt eine kritische Haltung gegenüber Islamisten hat, versteht sich. Diese Mischung hat sich bislang ganz gut gemacht in Hamburg. Dumm nur, daß OB von Beust (CDU) als potentieller Koalitionspartner sicher keine Lust hat, sich noch einmal von einem Rechtsaußen wegen seiner sexuellen Orientierung anpinkeln zu lassen. Von daher hat das Kasperltheater nicht viel Aussicht auf Erfolg.
Nach der Tour de Farce im letzten Jahr, die Resultat der Inszenierung einer spanischen Ermittlungsbehörde und ihrer Helfershelfer war, ist beinahe ein Jahr vergangen, und alles, was inzwischen passiert ist, hat dazu beigetragen, daß “Radsport” immer tiefer in den Sumpf des Irrsinns gerät. Jan Ullrichs Karriere ist ruiniert, derzeit ist Basso reif, und ihnen werden Tröpfchenweise weitere Helden der Berge folgen. Das Vorgehen ist abstrus: Eine ominöse Hitliste Verdächtiger (!) wird abgearbietet, wer dabei ist, ist Glücksache, und am Ende der großen Rundfahrten stehen Leute auf dem Podium, von denen jeder annehmen muß, daß sie im Nachhinein disqualifiziert werden oder halt besonders clever geschummelt haben. Während gegen die Fahrer das Prinzip “Schuldig bei ausreichendem Verdacht” gilt, wird das System noch immer nicht hinterfragt, geschweige denn fände sich auch nur einer, der ehrlich wäre.
Fakt ist, daß seit Jahren, vermutlich seit Jahrzehnten, niemand mehr die Tour de France gewonnen hat, der nicht gedopt war. Jeder Insider weiß das, aber alle tun so, als gäbe es “Einzelfälle”. Selbst die tapferen Nestbeschmutzer, die gegen (frühere) Kollegen aussagen, tragen also zur Verfälschung der Wirklichkeit bei. Die Leistungen, die die Großen des Radsports erbracht haben, zumindest bei den großen Rundfahrten, sind ohne Doping nicht möglich. Es waren aber diese unglaublichen Leistungen, an denen sich alle ergötzt oder bereichert haben: Teams, Sponsoren, Medien, Zuschauer und Ärzte. Die einzigen, die recht wenig davon hatten, waren und sind die Radsportler selbst. Ihnen wäre es recht, wenn sie sich nur quälen müßten und nicht auch noch chemisches Training bräuchten. Sie sind die ersten, die die Konsequenzen tragen, egal, ob sie erwischt werden oder nicht. Im Blickpunkt der ewigen Ermittlungen ist ein Arzt, der wohl gutes Geld am Doping verdient hat und beinahe alle Spitzenfahrer betreute. Er scheint gut gewesen zu sein. Die Fahrer haben ihm vertraut, und offenbar ist ihm keiner tot von Rad gefallen. Das spricht für ihn. Seltsam auch, daß nur dieser eine im Rampenlicht steht. Gab es sonst keinen? Ist es besser, zu einem Quacksalber zu gehen, der dieselben Mittel verabreicht, aber weniger kompetent ist? Wenn man nicht erwischt werden will, schon. Dunkeldoping ist angesagt.
Ich kann nicht verstehen, warum sich noch immer keine Fahrergewerkschaft findet, die dafür sorgt, daß die Szene endlich professionell arbeiten kann und der “Betrug” in geordnete Bahnen kommt. Was nicht wirklich nachweisbar ist, muß freigegeben werden. Generell muß Doping erlaubt sein, denn man kann es nicht verhindern. Eine rote Liste verbotener Substanzen soll es weiterhin geben, aber deren Nachweis muß unter sportlich tragbaren Bedingungen möglich sein. DNA-Tests und Hausdurchsuchungen gehören definitiv nicht dazu. Wenn man wissen will, wie Tests verbessert werden können, muß man wissen, wie sie verwässert werden. Das wissen die am besten, die es schon immer gemacht haben. Fragt sie! Eine Generalamnestie ist hier das einzige Mittel, um endlich die nötigen Informationen zusammenzubringen. Nur wenn die Opfer – die Fahrer – nicht zu Tätern gemacht werden, ist Aufklärung möglich. Nur in vernünftigen Grenzen ist der Kampf gegen Doping sinnvoll. Das heißt auch, daß er nur dann Sinn macht, wenn man ihn nicht endgültig gewinnen will.
Soso, Susanne Albrecht arbeitet seit über zehn Jahren als Lehrerin? Das findet die CDU natürlich entsetzlich, empörend und wahlkampftauglich. Da wird Resozialisierung “auf dem Rücken unserer Kinder” betrieben, da werden kleine, unschuldige Kinder mit süßen Knopfaugen und zu großen Pullovern zu Terroristen erzogen! Über zehn Jahre hat es gedauert, bis die CDU das auch schon gemerkt hat. Jetzt weiß ich auch, warum präventive Verbrechensbekämpfung so wichtig ist: Damit das Eintreten des Ereignisses schon fünf Jahre später zur Kenntnis genommen wird und man früher mit der Vergangenheitsbewältigung anfangen kann. Oder auch einfach, um jederzeit Wind zu machen, obwohl gar nichts passiert ist.
Zurück zur Wirklichkeit und ihren Nebenschauplätzen: Frau Albrecht kann ihren Job vermutlich an den Nagel hängen. Die Schulen, für die sie arbeitete, dürfen sich eine neue Kraft suchen, und die Kinder, die sie aktuell betreut, müssen sich an diese gewöhnen. Womöglich werden sie fragen, wo Frau Albrecht denn hin ist. Dann möchte ich gern Herrn Perschau durch die Schulen tingeln sehen, um das zu erklären. Aber den Spaß überläßt er vermutlich den Schulleitungen, die sich dafür herzlich bedanken werden.
Diejenigen, die derzeit so ein Faß aufmachen, sollen sich doch bekennen wie dereinst der gesunde Volkswille. Der stand vor den Toren Stammheims und forderte die Todesstrafe. Heute kommt das Ganze moraltriefend daher und stinkt derart nach ünwürdigstem Wahlkampf aus der untersten Schublade, daß einem die Luft wegbleibt.
Keine Arbeitsagenturen in der EU
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30. Apr 2007 11:46
Während die Bundesregierung und die ihr angehörenden Parteien bedauerlicherweise noch immer nicht die notwendigen Schritte zur Abschaffung der Arbeitsämter eingeleitet haben, dulden sie, und das ist löblich, derartige Bürokratie in der EU nicht. Zwar nennt SpOn das eine “Lachnummer”, aber was dort beschrieben wird, ist doch nur ein kleines Beispiel für den Irrsinn, der in Brüssel täglich vermurkst wird. Vielleicht hat der eine oder andere bald das Einsehen, daß man die vergrößerte EU nicht mehr verwalten kann wie den heimischen Aktenzoo.
Humor ist, wenn der Stammtisch lacht
Posted by flatter under KulturKommentare deaktiviert
28. Apr 2007 18:17
Wie auch der Öffinger feststellt, gibt es Bestürzung, Empörung, ja “Entsetzen” über eine satirische Aktion von Stefan Raab. Er stellt den Musiker Buskohl dar, wie ehedem Schleyer von der RAF abgebildet wurde. Das Thema “RAF aktuell” ist mir in dem Zusammenhang zu blöd, dazu wurde genug geschrieben. Was aber die Deutschen und den Humor anbetrifft, fällt mir einiges ein. Vorab: Ich mag Raab nicht. Sein Humor geht zu oft auf Kosten anderer, er ist flach, beliebig und proletenhaft. Gerade aber weil das nicht my cup of tea ist, liegt mir etwas an der Feststellung, daß auch solcher Humor zulässig und sicher nicht politischen Gesichtspunkten zu unterwerfen ist.
Der Öffinger stellt zurecht fest, daß sogar der Nationalsozialismus veralbert wird, hierüber ist die Empörung in der Tat übersichtlich. Auch dazu habe ich meine Meinung: Ich kann nicht darüber lachen, daß jemand wie Hitler herumschreit, sich ein Chaplin-Bärtchen anklebt und dann Belanglosigkeiten von sich gibt. Ich bin der Ansicht, daß derartiger Blödsinn verkennt, wo Satire aufhört und dumme Ignoranz beginnt. Letztere finde ich überflüssig, gelegentlich verdammenswert, aber für Empörung reicht das nicht aus.
Nun lag ich ganz zufällig gestern im Wachkoma vor dem Fernseher und durchlitt eine ungemein stumpfsinnige Rankingshow, in der demonstriert wurde, warum der deutsche Humor selbst dann todernst ist, wenn er gut ist. Da saß ein Freak wie Pocher auf einer Couch mit Loriot und Dieter Nuhr, da wurde jeder, über den jemals im TV gelacht wurde, gerankt, geränkt, gerenkt, und am Ende gewann Loriot vor Heinz Erhardt, wen interessiert das schon? Das Beste aber war die für das ZDF unerläßliche Moderation durch Johannes Baptist Kerner. Tiefsinnig und doch offenherzig, freundlich, aber gern auch sarkastisch, voller Selbstironie und Souveränität. So kennen wir den Deutschen Humor, so kennen wir auch die Sportreportagen und die Talkshow Kerners leider nicht. [edit] Und so hat er die Granden und Sternchen des Deutschen Humors denn in seiner bekannt desinteressierten Art öffentlich verwaltet. Fragen ohne Sinn und Verstand, ein Abfertigen der Befragten, das Zuhören nicht vorsieht, schleimiges Getue, mit dem ein hellwacher alter Mann wie ein Schwachsinniger angesprochen wurde, und überhaupt: Völlig humorfrei zog der Talkinator das Ding bis zum bitteren Ende durch.
Was lernen wir daraus? Es gibt durchaus witzige Deutsche und sogar eine Menge mit Humor. Aber das geht nur gut, solange alle, die Lachen, über dasselbe lachen. Man ist gern unter sich und pflegt den reinrassigen Humor. Wer es hingegen wagt, mit seinen abartigen Vorstellungen eines abweichenden Humors an die große Öffentlichkeit zu gehen, kann sich des Zorns und der Verachtung aller anderen sicher sein.
Eigentum vs. Marktwirtschaft
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27. Apr 2007 11:56
Ein sehr lesenswerter Artikel findet sich heute bei FR-online. Die Autoren nehmen sich der fatalen Dynamik der Märkte an, die durch neoliberale Ideologien und Strategien geprägt sind. Besonders das Auseinanderdriften von Produktivitätszuwachs und Produktionszuwachs führt zu volkswirtschaftlich unerwünschten Effekten, wie ich neulich bereits schilderte.
Es kommt noch ein Aspekt hinzu, der selbst Neoliberalen aufgehen dürfte und nur von den verbohrtesten Ideologen geleugnet werden kann: Ein Übermaß an Aneignung schadet der Marktdynamik. Werden Konzerne oder Personen also aufgrund ungeregelter Eigentumszuwächse zu mächtig, wird Konkurrenz als tragende Säule der Wirtschaft außer Kraft gesetzt. Gegen Monopolbildung gibt es (schwache) Gesetze, die Aneignung selbst darf weiterhin ungebremst stattfinden. Daraus folgt, daß Entscheidungen häufig nicht mehr an Rationalität gebunden sind und die ohnehin in den Konzernhierarchien angelegten autokratischen Strukturen noch durch das Treiben einzelner Marktdespoten überboten werden. Eine Kontrolle wirtschaftlichen Handelns findet so nicht mehr statt, weder personell noch strukturell. Während nun neoliberale Demagogen bei jeder Besteuerung von “Enteignung” sprechen und das Abendland untergehen sehen, entgeht ihnen vollkommen die Gefahr ungeregelter Aneignung. Letztere ist die aktuelle Gefahr, und man kann eben nicht alles dem Markt selbst überlassen. Überlegungen, die zu mehr Kontrolle über die Märkte führen sollen, sind also sehr im Sinne des Funktionierens der Marktwirtschaft und keineswegs zwangsläufig bürokratische Schikane.
