Hintergrund


Die Chefs von Guantanamo und den Verhörzentren befreundeter Diktaturen sollten sich ein Beispiel am Iran nehmen. Dort brauchen sie nur ein paar Tage bei “sehr guter” Behandlung, und schon gestehen alle entführten britischen Soldaten, daß sie selbst schuld sind und es nicht besser verdient haben. Scheich Mohammed hingegen mußte für sein Geständnis jahrelang hart rangenommen werden. Was soll man jetzt von den “alternativen Fragetechniken” der Amis halten? Schreiben die etwa die Antworten nicht auf?

pezeh

Und das Ding hat funktioniert!

Das Schweinesystem ist auch nicht mehr das, was es einmal war. Brigitte Mohnhaupt nutzt es, um unter die Abmahner zu gehen und sich ihre Website einzuklagen. Den militanten Antikapitalismus hat sie offenbar hinter sich gelassen. Überhaupt ist die RAF voll in der Fun Generation angekommen. Bislang war Hotte Mahler der einsame Star der ehemaligen Stadtuerilla. Wer aber dachte, sturzdumm und rechtsradikal wäre schon alles, was nach der Revolution kommen kann, sieht sich nunmehr ganz neuen Perspektiven gegenüber. (Wie sieht man sich einer Perspektive gegenüber? Es gibt gebrochene Metaphern, die ein Recht auf Leben haben! Aber weiter…) Christian (nicht mehr ganz) Klar zieht mit Sahra Wagenknechts tapferen Stalinisten um die Häuser, um seine Begnadigung zu erzwingen. Coole Strategie, denn wer so blöd ist, muß harmlos sein. Allerdings kommt er so nicht in die Charts. Warten wir auf die nächsten Folgen: Karl Heinz Dellwo als meuchelnder GI in Bagdad, Eva Haule (an der mir der verlustig gegangene Frimpong immer am besten gefiel) als Bundesvorsitzende vertriebener katholischer Mütter oder Pitter Boock als Bundesinnenminister? Letzterer Vorschlag ist natürlich Unsinn, denn dafür wäre der Mann nicht radikal genug. Außerdem käme dafür nur noch Margit Schiller in Frage. Ob sie reaktionär genug ist, wäre eine Frage der Ausbildung. Ansonsten ist sie qualifiziert wie zuvor schon Schönbohm, Schill, Schily, Schünemann und Schäuble. Anyway: Wer nicht komplett auf den Kopf gefallen ist, kann nur fordern, daß die letzte Schlacht endlich geschlagen wird und die Reste der RAF ihrer verdienten Lächerlichkeit preiszugeben.

cool
Heute will ich einmal über etwas schreiben, das meine Leser schon immer wissen wollten: Daß der neue Kühlschrank aus dem Hause Cool&Supercool nämlich ein echt geiles Ding ist. Man kann Essen darin kühlen und sogar Getränke! Bier zum Beispiel schmeckt wirklich besser, wenn es kühl ist, und dazu ist der Cooly genau das Richtige. Man kann es hinein stellen oder legen – das ist dem Cooly egal, macht ihm gar nix. Ich bin ja echt kritisch, aber das Ding ist eine Wucht. Einzig Blöde ist, wenn die Putzfrau mal längere Zeit keine Zeit hat. Aber selbst dann macht er das Bier noch echt kalt!
Also, wer sich dafür interessiert, kann ja mal bei Cooly 202o direkt reingucken, da steht alles über das tolle Ding. Und laßt ruhig einen Kommentar da. Darf auch echt kritisch sein!

Der Stadtrat von New York will das Wort “Nigger” verbieten. Das sei zwar, so die RP, “symbolisch” gemeint und habe keine “rechtlichen Folgen”, aber es ist nun offiziell definierte Politische Korrektheit. Schön, daß die schwarze Minderheit derart vor Diskrimnierung geschützt wird. Dumm, daß die schwarze Minderheit selbst längst am häufigsten den Begriff verwendet, um offensiv eine wenn auch zweifelhaft trotzige Identität damit zu behaupten. So lange der “Nigger” nur aufgehängt wurde, stieß sich niemand am Wort, jetzt, da er sich selbst so schimpft, tritt erst das ganze Grauen dieser furchtbaren Vokabel zutage. Da muß man sie natürlich verbieten, das hätte der Schäuble ganz genau so gemacht. Nicht gleich strafrechtlich verfolgen, da wäre der Schäuble konsequenter, aber der New Yorker weiß, daß der “Nigger” dann schnell sehr ungemütlich wird, also beläßt man es bei der Feststellung: Der “Nigger” ist verboten. Es gibt aber einen dritten Weg, den die geschäftstüchtige Gesellschaft sicherlich bald beschreiten wird: Einfach den “Nigger” urheberrechtlich schützen lassen und jeden abkassieren, der ihn ungefragt in der Öffentlichkeit nennt. “Nigger”, schwarz auf weißem Grund, eingetragenes Warenzeichen der White Slaveholders Inc..

Nach einem Bericht der „New York Times“ formiert sich die Terrororganisation [Al Qaida] ]im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet neu. Das Blatt beruft sich auf Mitglieder der Bush-Regierung. [via RP]
Nach einer Meldung von Feynsinn formiert sich der Terror täglich überall. Schläfer können sich jahrzehntelang auf Anschläge vobereiten. Das Blog beruft sich auf den Schäuble.
Und jetzt? Alle Autobahnen sperren? Straßenzug für Straßenzug die Häuser durchkämmen? Ja sicher! Und dann? Weiter zittern, sie sind immer noch da! Und da! Und da!

“Wir sind da alles andere als zart besaitet. Das bedeutet allerdings nicht, dass wir jede Schmähkritik akzeptieren.”

Media Markt

Während Journalisten immer angestrengt recherchieren -schließlich legen ihnen die Praktikanten jeden Mittag mindestens drei unterschiedliche Agenturberichte zurecht- können Blogger diese aufreibende Zusatzarbeit gar nicht leisten. Abgesehen davon, daß der Textmarker schon auf dem Röhrenmonitor versagt und beim TFT endgültig die mangelnde Qualifikation der Onlineschmierfinken belegt, sind diese stets mit allem und jedem beschäftigt und verlieren völlig den Blick fürs Wesentliche. Der Kardinalfehler der Blogger: Sie unterschätzen den Aufwand ihres Tuns. Das liegt nicht zuletzt daran, daß sich Blogger quasi per definitionem selbst überschätzen. Sie halten sich für so wichtig, daß sie glauben, ihr Gewäsch sei für andere Menschen von Interesse. Schlimmer noch wird es bei denen, deren Geschwätzigkeit zu täglichem Textauswurf führt. Entweder sie tun nichts anderes, und die Welt hat also mit jemandem zu tun, der dauernd im abgedunkelten Zimmer vor dem Rechner sitzt und den Leuten die Welt erklärt. Oder aber es sind Leute, die noch nebenbei einen Job machen und womöglich Familie haben. Diese denken anfangs, das bißchen Schreiben kostet ja keine Stunde am Tag!
Was der Einstiegsblogger vollkommen übersieht, sind die Kollateralschäden: Mit der Zeit erhöht sich zwangsläufig die Anzahl der Blogs, die er lesen und in denen er seinen Senf in Form von Kommentaren hinterlassen muß. In der nächsten Phase macht er sich vor, er könne das alles kontrollieren. Alle vier Wochen schreibt er einen Beitrag weniger, und wenn er merkt, daß er inzwischen die fünffache Zeit mit Lesen und Kommentieren zubringt, schwört er, das Ganze auf wenige Stunden am Tag zu reduzieren. Die gehen zwangsläufig vom Schlaf ab, und bei “wenigen Stunden täglich” bleibt es auch keine zwei Wochen. Es dauert nicht lange, und er sieht so erbärmlich aus, daß seine Frau, die er eh kaum noch sieht, von sich aus das Liebesleben einstellt. Jedenfalls das unseren Blogger betreffende. Weitere Kollateralschäden wie ständige Erschöpfung, Drogensucht und soziale Isolation treiben ihn immer tiefer in den Sumpf von Bloggerei und manischem Narzißmus. Solche Leute also sollen die Journalisten von morgen sein? Wäre es nicht so absurd, man müßte tatsächlich Angst davor haben.

deuce

Feynsinn hat den Blues. Es fließt nicht so recht in diesen grauen Tagen. Beim Bohren in der Nase kommt die Frage auf, ob es nicht an der Zeit wäre, erfolgreich zu bloggen. Stattdessen hocke ich mit meinen zerknitterten Kommentaren immer noch in einem Eckchen der Sphere und bediene ein Häuflein aufrechter Sprach-und Stilfetischisten. Wie gern wäre ich eine Bloghure! Die Großen der Branche echauffieren oder amüsieren sich über PR-Schorsche, die ach so gern auch Blogger wären, aber immer gleich als Büttel  geldgebender Interessenten auffliegen – wobei das Interesse dummerweise nicht dem Bloggen gilt, sondern dem Geldgeben. Um nachher um so mehr davon zu nehmen, versteht sich. Als junger unverbrauchter Zeilenschinder ohne große Reputation wäre ich hingegen das ideale Objekt für eine aussichtsreiche Investition! Ich bin billig, man kann nacher sagen, daß ich schon immer Partner von XY gewesen sei, und ich bin auch sehr flexibel, was die Branche und die Art der Zuwendungen angeht. Ein Opel, ein Notebook, Dollars, Yen und kultivierte Getränke – noch bin ich für alles zu haben!
Nun gut. Mal sehen, was die nächsten Tage so bringen. Ehrbar und unbestechlich kann ich dann ja immer noch bleiben.

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