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April 2006


Überrascht und erfreut darf man zur Kenntnis nehmen, daß es in der CDU Menschen mit Verstand gibt, die sich mit dem Thema Integration verantwortlich beschäftigen. Wenngleich aus den eigenen Reihen, vor allem der Schwesterpartei, gern gegen Zuwanderer gegeifert wird, so gibt es doch auch differenzierte Betrachtungen, die das Problem sehen, wie es ist.
Ob es allerdings hilfreich ist, wenn ein Armin Laschet in NRW die Dinge auf den Punkt bringt, darf bezweifelt werden. Die Kanzlerdarstellerin nämlich droht mit dem nächsten “Gipfel”; es soll der “Integrationsgipfel” werden. Zum hundertsten Mal beim neunzigsten Thema lädt sie “Experten” ein, die ein bißchen schwadronieren, um nachher einen Kompromiß zu verkünden. Getan wird wieder nix, aber auf höchstem Niveau. Das Bündnis für Currywurst könnte sich direkt daran anschließen, eine Expertenkommission könnte in dessen Rahmen für eine Stärkung des deutschen Brauchtums sorgen und die heimische Küche gegen die Unterwanderung durch Pizza und Döner verteidigen. Denn wie man hört, steht der Türke schon wieder vor Wien – mit einem Imbißwagen!

Erschreckt las ich in der SZ das Wort “Biografie” in bezug auf den Fußballer Ballack. Tatsächlich präsentierte der aber nur ein Büchlein, in dem “Sein Weg” zur WM 2006 beschrieben wird, da er von Reportern einige Monate lang begleitet wurde.
Schmerzt es schon das Auge, “Biografie” mit “f” lesen zu müssen, tröstet es auch nicht wirklich, daß es ja keine Biographie ist. Ein Leben nachzuzeichnen, so denkt man gern naiv, empfiehlt sich frühestens in hohem Alter und bei Menschen, an denen sich die Nachwelt bilden kann. Inzwischen schreibt aber jeder Hohldübel Klamotten aus seinem Nähkästchen auf und nennt das “Biografie”. Die nächsten großen Werke der Weltliteratur, die wir dann erwarten dürfen, sind schon in der Mache. Michael Ballack: “Chelsea” und Lukas Podolski: “Scheel Sick”. Ein Glück, daß die avisierten Käufer zumeist ohnehin nicht lesen können

Warum die Spritpreise vor Ostern steigen, sollten wir eigentlich wissen: Es ist der Weltmarkt, es sind die hohen Steuern, der Luftdruck und die Krise der Krankenkassen. Der Weltmarkt zum Beispiel zeitigt vor jedem Ferienbeginn Preiserhöhungen. Die Steuern natürlich auch. Wer also die Entwicklung des Marktes und die Auswirkungen von Steuern auf Preise kennen will, und zwar auf den Tag genau, muß nur in seinen Kalender nach den Ferienterminen gucken. Von den ganzen Deppen, die glauben, man müßte dafür Wirtschaftswissenschaften studieren, sollte man sich nicht irrititeren lassen.
A propos Wahrheit: Wer die wissen will, muß nur zu Berlusconi gehen. Der weiß immer ganz genau, wer sich gerade wie gegen wen verschworen hat, in der Regel natürlich gegen ihn. Er hat sich selbstlos für sein Land aufgeopfert wie weiland der Heiland, und wie dankt man es ihm? Wie man hört, wurde ihm Asyl in Weißrußland angeboten. Sagen Sie jetzt nichts, und

Er ist ein Verlierer, wie er Demokrat ist. Wenn er eines Tages mit einem Zettel am Zeh in der Pathologie schläft, wird man ihm die unterste Schublade zuweisen. Silvio Berlusconi will neu zählen lassen, und zwar so lange, bis Prodi verloren hat. Allerdings könnte das Ding heftig nach hinten losgehen. Hat man ihn nicht schon kurz nach der ersten Hochrechnung toben hören: “Wie konnte das passieren? Ich habe tausende Wahlhelfer bezahlt, damit das nicht passiert!” ?
Hat man nicht, richtig. Aber wie wir den großen Duce, den Vater der letzten Republica, den Primus inter Primis kennt, hat er getan, was er konnte. Es hilft jetzt niemandem, wenn die Welt und Italien noch einmal drastisch vor Augen geführt bekommen, was er alles getan haben mag für einen Sieg, der trotzdem keiner wurde.

Als Münte ging, schrieb ich:
“Nur eines muß man heute nicht fragen: Wer der neue wird. Es dürfte kaum der Mühe wert sein, sich den Namen zu merken.” Und schon ist es soweit, daß man beginnen darf, ihn zu vergessen! So viel Speed hätte man der alten Tante SPD gar nicht zugetraut. Zwei Hörstürze innerhalb kurzer Zeit haben Platzeck erkennen lassen, daß er am Ende das eigene Geschwätz nicht mehr hören wollte. Die Politik seiner Partei als “sozial” zu verkaufen, lag ihm ebensowenig wie eine Richtungsänderung, für die er hätte einstehen können. Jetzt ist also Kurt Beck dran, der dicke Mann aus Rheinland-Pfalz. Das letzte Aufgebot quasi ist das letzte Schwergewicht der SPD. Nicht nur deshalb, so sei hier wieder ein Orakel gewagt, wird er lange ihr Chef bleiben. Beck ist einer mit einem eigenen Kopf, der Werte noch kennt als etwas, das sich nicht einfach in Euro umrechnen läßt. Selbst, wenn sein Konservativismus nur Attitüde wäre, ist er der richtige Mann zur richtigen Zeit. Ein Dicker aus Rheinland-Pfalz? Erwache, Angela, das Ende ist nah!

Kaum beachtet bleibt bisher die hoffentlich letzte Mißachtung demokratischer Spielregeln durch den italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi. Er ging mit seiner Mutter in die Wahlkabine und forderte sie dort ungeniert auf, seine Partei zu wählen.
Daß Wahlen auch in Italien geheim sind und Berlusconi damit massiv gegen das Wahlgesetz verstoßen hat, interessiert ihn wenig. Kritik an solcher Chuzpe kontert er lässig: “Er repräsentiere wirklich ein kleinliches Italien, warf er dem Anhänger seines Rivalen Romano Prodi vor, der sich dagegen verwahrte.”
Wirklich kleinlich, vergleicht man diesen kleinen Fauxpas mit dem , was der große Führer bislang so auf geltendes Recht gegeben hat. Die große Enttäuschung überkommt einen aber angesichts der Nachlässigkeit von Italiens Noch-Regierung. Derartige Wahlbegleitung hätte man doch für alle Bürger organisieren können. Die Faschisten, mit denen Berlusconi koaliert, sollten doch noch wissen, wie das geht.

Wenn eine öffentliche Debatte entsteht, schwärmen sofort die Clowns der Meinungsindustrie aus, um Erheiterung in Form bedeutungsloser Zahlen zu verbreiten. Ihr zweckfreies Spiel mit Fragen und Statistiken darf wohl als zeitgemäße Form der Kunst anerkannt werden.
So auch aktuell, da es um den Erhalt der Hauptschulen geht. Weiß der Volksmund sehr wohl um die Weisheit “Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal das Maul halten”, ist Kompetenz für die Artisten der Demoskopie keine Größe, die man irgend berücksichtigen müßte. Eifrig fragen sie die Menschen nach deren “Meinung”, ob diese nun eine haben oder nicht.
Bezogen auf die Hauptschulen fragen sie ein Volk, das gar nichts anderes kennt als die Dreigliedrigkeit. Sie fragen ein Volk, das Gesamtschulen kennt als Hauptschulen mit Zusatzoption. Ein Volk, das sich in einer unsäglichen “Stop-Koop”-Kampagne hat vormachen lassen, integrative Beschulung sei kommunistische Gleichmacherei. Kurz: Das befragte Volk reagiert auf jede Alternative zum bestehenden Schulsystem mit Angst aus Unwissen.
Der besondere künstlerische Wert besteht nun darin, daß sich das Volk in seiner Inkompetenz nicht im mindesten von seinen verantwortlichen Vetretern unterscheidet. Das ist das eigentliche Ergebnis der Umfrage.

“Auf deutschem Boden darf nie wieder eine Apotheke schließen”, so könnte ein Motto deustcher Gesundheitspolitik lauten. Die Lobbyisten von Apothekern, Pharmaindustrie und Ärzten haben es bislang noch immer geschafft, daß ein echter Kostendruck im System nicht entstanden ist. Immerhin haben die Regierungen bisher versucht, die Kosten im Griff zu behalten. Frau merkel verzichtet hingegen darauf. Sie ist eine ehrliche Haut und sagt klipp und klar: Wir brauchen mehr Geld und nehmen es euch ab.
Während die Binnenwirtschaft totgespart wird, ausgerechnet Personalkosten weiter gedrückt werden, kommt jetzt die Kapitulation vor einem maroden System, in dem die alten Selbstbediener fröhlich ihr unbezahlbares Unwesen treiben. Die Kanzlerin ist sich nicht zu blöd, selbst zur Lobbyistin der Geldverschwender zu werden. Wie immer werden die Leute begeistert sein, die Stimmung steigt, endlich mal eine, die die Wahrheit sagt!
Die Wahrheit hinter der Wahrheit ist allerdings, daß diese Regierung keinen Plan hat. Expertenkommissionen tagen, echte Reformen werden vertagt, neue Ideen hat niemand. Die Lösung für alles ist: Mehr Steuern und Abgaben. Die F.D.P. hat ihre Wähler immer mit Steuersenkungsversprechen belogen und ist deshalb keine Alternative. Aber selbst sie kommt noch gut weg im Angesicht der tumben Schröpfungspolitik der Regierung Merkel.

Reinraus

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