Einen fürchterlichen Amoklauf haben die Behörden im Südwesten hingelegt. Nach dem Terrormoslem ist es nun der bewaffnete Killerspieler, der den Alarm in den glockenhohlen Köpfen der Sicherheitsfanatiker zum Schrillen bringt. Die “Amokwarnung bleibt bestehen”, so heißt es. Der ekelhafte Populismus, der hinter dieser aufgesetzten Panik steckt, nutzt die Atmosphäre der Verunsicherung durch die Überwachungspropaganda derer, die jedes Attentat freudestrahlend begrüßen, um sogleich ihre geniale Strategie anzupreisen: Überwachen, Strafen, Verbieten. Die Taktik hat bekanntermaßen schon zu Zeiten der Inquisition funktioniert und höchst erfolgreich die Reformation verhindert. Heute will man damit die Demokratie schützen. Hut ab!
Dem Ganzen setzen “journalistische” Arbeiten wie die hier verlinkte die Krone auf, indem sie die Propaganda ungefiltert verbreiten. Daß es keinen ersichtlichen Zusammenhang zwischen einem Selbstmord und der Androhung eines Amoklaufes gibt, wird nur am Rande mitgeteilt. Der vorgeblich eventuell potentielle Amokläufer aber habe “Counter Strike” gespielt. Das ist nicht einmal kein Zusammenhang, das ist pure Demagogie. Demagogen arbeiten rhetorisch mangels Argumenten und Information mit Assoziationen. Man muß nicht behaupten, jeder Ausländer sei kriminell, die Erwähnung der Vokabeln “kriminell” und “Ausländer” in einem Satz tut ihre Wirkung auch ohne erkennbare Aussage. Derzeit sind “Killerspiel” und “Amoklauf” die angesagten Vokabeln.
Man fragt sich, was das für Hanswurste sind, die in solchen Zeiten zu erkennen geben, daß sie Egoshooter spielen und dann derartige Drohungen aussprechen. “Trittbrettfahrer” ist die Antwort. Man fragt sich erst recht, welche Hanswurste nun hingehen und so tun, als würden sie künftig auf jeden Trittbrettfahrer derart hysterisch reagieren.
Schließlich drängt sich ein Verdacht auf: Wer hätte wirklich etwas von diesem Aktions-Reaktionsschema? War es vielleicht Edmund Stoiber, der sich mal eben auf einem Server eingeschlichen hat? Schnell ein paar Bots abknallen und einen auf dicke Hose machen? Dann die Polizei rufen und die Welt retten? Ich würde fast drauf wetten.
Politik
Zuerst muß man natürlich etwas gegen solche Statitstiken tun. In Bayern werden sie daher sicher verboten, im Rest der Republik schwärmen die Lobbyisten aus, machen hie eine kleine Spende, drohen da mit der Abwanderung von Kapital, und schon sieht die Welt nicht mehr so schlecht aus. Armut? in Deutschland? Ist denn noch immer nicht klar, daß Armut hierzulande nur das Reultat von Faulheit ist?
Teurer wird der Spaß allerdings, will man die ganze restliche Welt auch überzeugen. Da sieht es nämlich nicht viel besser aus. Man kann also nicht nur auf Volksaufklärung setzen, sondern muß auch etwas gegen die Ursachen des Problems tun. Arbeitsplätze müssen her! Wann werden endlich die Unternehmenssteuern abgeschafft und die völlig ungerechte Erbschaftssteuer? Wie lange noch sollen Kinder hungern, bis endlich etwas geschieht?
Eine geniale Strategie verfolgt die CDU, um den Raum im Osten nicht anderen Rechtsradikalen zu überlassen: Henry Nitzsche sitzt für den Wahlkreis Kamenz-Hoyerswerda-Großenhain im Bundestag und trötet ungebremst braune Parolen in die Landschaft. Hoyerswerda, Sie erinnern sich: Hier wurden vor 15 Jahren Wohnungen von Asylbewerbern mit Molotow-Cocktails beworfen und tagelang Menschen verfolgt, um den Ort “ausländerfrei” zu machen. Ob Herr Nitzsche damals dabei war und wenigstens applaudiert hat? Jedenfalls übernimmt er Naziphrasen als Wahlkampfthema, vertritt revanchistische Thesen in Reden vor “Vertriebenen”, diskriminiert Ausländer, nennt die Rotgrüne Ex-Regierung “Multikulitschwuchteln” etc. etc.. Man weiß, daß es solche Hanswurste gibt. Sie sind quasi Massenware, und man kann sie mit handelsüblichen Kopierern vervielfältigen. Traurig, aber real. Daß aber die CDU solche Figuren wiederholt an die Heimatfront schickt, um im Trübsten zu fischen, können nur Wahlkampfmanager schlau finden, die stolz sind, bei einer Wahl ein paar Prozent mehr einzuheimsen. So wird die Atmosphäre noch mehr verstänkert, die in den Nazihochburgen schon heute keine Atemluft mehr ist. Auch Wahlkämpfe sind so auf die Dauer nicht zu gewinnen. Braun können die Braunen nämlich besser. Mit deren Mist ein Feld zu düngen, auf dem längst nur dicke hohle Kartoffeln wachsen, kann niemandem dienen. Nazis wie Nitzsche haben im Bundestag und in einer demokratischen Partei nichts zu suchen.
Terroristen töten unsere Kinder
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28. Nov 2006 12:59
Nein, wir wollen niemanden unnötig alarmieren, sondern nur darauf aufmerksam machen, daß im Rahmen unserer Recherche festgestellt wurde, daß Terroristen auch davor nicht zurückschrecken würden. So viel Transparenz muß sein!
So in etwa argumentiert die Bundesanwaltschaft, nachdem sie zugeben mußte, daß die Aufdeckung angeblicher Anschlagspläne auf ein Verkehrsflugzeug eine Ente war. Daß derartiges wie ein Erdbeben durch die Nachrichten rollt, liegt doch nicht in der Verantwortung der Bundesanwaltschaft! Das Dementi wird dann prompt auch deutlich leiser kommuniziert, und Frau Harms hat den Alarm ja bereits in Politik umgemünzt. Bei jeder Gelegenheit wird der Denunziant im Bürger auf seine Wachsamkeit angepingt, aber daß man tatsächlich einfach ruhig schlafen könnte, ist keine Meldung wert. Nach diesem Fauxpas zu erklären “Von Alarmismus” könne “keine Rede sein”, ist ein deutliches Zeichen für Realitätsverlust und völlige Inkompetenz. So etwas kann man sich vielleicht als Politiker leisten, die dauerpanische Generalbundesanwältin aber sollte dafür umgehend in den Ruhestand geschickt werden.
Diktatur light: Freundlicher Despot gesucht
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26. Nov 2006 22:36
Keine 2 Wochen nach dem Vorschlag von Feynsinn springt jetzt auch die Los Angeles Times auf den Zug auf (berichtet auch SPIEGEL Online): Sie wollen Saddam wiederhaben! Alles war besser, als er noch herrschte. Mehr Ordnung im Land, die Welt sicherer und die Lage für die U.S.A. vor allem wesentlich billiger. Saddam ist gefürchtet im Irak, und zwar bei Schiiten und Sunniten gleichermaßen. Keine schlechte Voraussetzung, wenn es darum geht, sich um den Posten des starken Mannes zu bewerben. Gut, er ist ein wenig vorbelastet, aber mangels Konkurrenz derzeit wohl der aussichtsreichste Kandidat. Mal sehen, vielleicht gibt es ja noch einen, am besten mit Migrationshintergrund, vor allem aber dem festen Willen zur Alleinherrschaft sowie guten Kontakten zu Milizen, Banden un der ehemaligen Armee. Nicht schlecht wären außerdem ein Hang zur Korruption, internationale Verbindungen zu Geldwäschern und Ölbaronen sowie brauchbares Englisch in Wort und Schrift. Geboten wird ihm Öl ohne Ende, ein Volk, das Kummer gewohnt ist und bei entsprechendem Erfolg ein Status nicht unähnlich dem des Messias. Da müßte sich doch wer finden!
Killerspiele und Amokläufe verboten
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23. Nov 2006 0:09
Nach dem jüngsten Amoklauf eines Schülers rattert wieder die Gebetsmühle, und das Rennen der Inkompetenten geht in die nächste Runde. “Killerspiele” sind schuld und gehören verboten. Stoiber fordert das natürlich wieder an vorderster Front und läßt an Deutlichkeit nichts missen, wenn es darum geht, seine Ahnungslosigkeit zu belegen. Nicht nur, daß er nichts beizutragen hat zu der Frage, ob zwischen Spielen und Töten ein signifikanter Zusammenhang besteht, er lebt auch nach wie vor in einer Welt, in der Deutschland, Bayern oder sonstwer Software einfach verbieten kann. Als ob jemand, der sich eine Waffe besorgen kann, nicht auch den Schrank voller illegaler Software hätte, wenn er es wollte.
Erschütternd auch der Beitrag der Süddeutschen zur Debatte. Schon die Behauptung, Spielehersteller legten Wert auf den “den Thrill des authentischen Tötens” ist unsinnig und widerspricht dem Vorwurf der Horror-Ästhetik. Wenn man den Unterschied zwischen den Monstern aus “Doom 3″ und einem Schüler nicht mehr erkennt, ist man wahrscheinlich Journalist. Amokläufer brauchen dazu andere Ressourcen als nur ein “Killerspiel”. Gerade die von der SZ benannten “entmenschlichten Bilder” markieren die Grenze zwischen Fiktion und Realität. Genial auch das Argument, “dass Computerspiele auch nur zeigen, was das Fernsehen zeigt. Stimmt, doch gerade darum kann man sich den Zustrom an überflüssigen Computer-Bildern sparen“. Kann man, tut man aber nicht. Und jetzt?
Die Debatte, immerhin das erkennt Bernd Graff, ist nicht neu und entbrannte bereits an anderen Medien wie Comics und Videos. Wenn man also etwas erreichen will, muß man anders ansetzen. Wie die Droge nicht für die Sucht verantwortlich ist, sind auch die Medien nicht verantwortlich für die psyschischen Zustände der Konsumenten, seien es die als “normal” empfundenen oder die extremen. Hier sind Symptom und Ursache klar unterscheidbar. Moralisch mag man formulieren können, daß wer so etwas herstellt, die Welt nicht besser macht, und man hätte sogar recht. Moral ändert aber herzlich wenig an einer ökonomisch orientierten Gesellschaftsorganisation. Nicht nur, daß es einen florierenden Markt für solche Spiele gibt, den man nicht durch Moralvorstellungen ändert, es gibt vor allem ein Bedürfnis nach solchen Produkten. In der Tat: Es geht um Leben und Tod, Leben zum Tod, Töten und Überleben. Eine soziale Realität, die dem Lauf der Dinge folgt, deren Gesetze sich aus der Produktion von Gegenständen herleiten und die überdies den realen Tod wie schon die Geburt in sterile Krankenhäuser abdrängt, erzeugt das Bedürfnis nach simuliertem Tod – wie übrigens auch simuliertem Leben, was den Erfolg von Spielen wie “Sims” ausmacht. Adorno nannte das Phänomen die “Mimesis ans Tote”, und eine Mimesis ans Restleben ersetzt zusehends die sozialen Beziehungen. Wer das nicht will, will keine Industriegesellschaft. Darüber sollte man vielleicht unaufgeregt debattieren. “Killerspiele” zu verbieten hat hingegen ähnliche Erfolgsaussichten wie ein im Grundgesetz verankertes Verbot von Amokläufen.
Hunderte deutsche Studenten verhungert
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17. Nov 2006 12:46
Was der Spiegel über die Bürokratie in den BAFöG-Ämtern schreibt, ist nur die Spitze des Eisbergs und transportiert nicht ganz die Wirklichkeit, die sich dahinter verbirgt. Daß die Ämter gern monatelang nicht zahlen, bedeutet nämlich für die Antragsteller, daß sie völlig mittellos sind. So kommt es vor, daß sich aus Gründen, die nicht von den Studierenden zu vertreten sind, die Sache erheblich verzögert, etwa, wenn ein Elternteil nicht auffindbar ist. In einem mir bekannten Fall wurde der Antragstellerin 3 Monate nach Antragstellung mitgeteilt, die Bearbeitung könne sich weitere Monate hinziehen. Einen Vorschuß oder ähnliches könne man ihr auch nicht zahlen. Die junge Frau, die keine zahlungsfähigen Angehörigen hat, hat monatlich also Null Cent zur Verfügung. Das Sozialamt erklärt sich für nicht zuständig und teilte ihr mit, sie müsse sich exmatrikulieren, wenn sie Hilfe zum Lebensunterhalt erhalten wolle. Das würde bedeuten, daß 1600 Euro Studiengebühren verloren wären. Aber immerhin gibt’s dann was zu essen.
In einem Land, in dem täglich über faule Schmarotzer geschimpft wird, in dem Millionen zu sinnlosen Bewerbungstrainings geschickt werden, werden Menschen gezwungen, ihre Ausbildung abzubrechen, oder man läßt sie sprichwörtlich verhungern. Dieser feinsinnige Umgang mit Menschen, die an ihrer beruflichen Laufbahn arbeiten wollen, steht uns gut zu Gesicht. Er steht repräsentativ für die Qualität des deutschen Bildungssystems und der dahinter stehenden Bürokratenmentalität. Er steht ebenso repräsentativ für die unmenschliche und blinde Organisation des hiesigen Sozialsystems.
Das paßt nicht ins Bild der Schäubles und anderer Innen-und Justizsheriffs: Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt, laut aktueller Kriminalitätsstatsitik. Die GdP poltert auch sogleich dagegen: Die Politiker hätten ja keine Ahnung wie es aussieht da draußen, in den Straßen von Berlin. Die GdP will mehr Personal, mehr Geld, mehr Mittel. Deshalb muß sie immer so tun, als sei überall der Wilde Westen. Im Endeffekt stellt sie ihren eigenen Beamten damit ein schlechtes Zeugnis aus, das diese offenbar nicht verdient haben. Bewiesen hat ihr Vorsitzender jedenfalls, daß er nicht weiß, was eine Statistik ist. Er kennt sich besser aus mit “Wahrnehmung” und “Wohlgefühl”. Eins zu Null für “die Politiker”, die hier den vergleichsweise höheren Sachverstand auf ihrer Seite haben. So sieht es auch die Sueddeutsche,die ebenfalls zu dem Schluß kommt: Den Leuten wird erfolgreich Angst gemacht, es fehlt jedoch jede reale Grundlage dazu. Was will also der Vorsitzende der GdP noch? Daueralarm? Milizen? Panik von früh bis spät? Das würde die Welt zwar ganz bestimmt nicht sicherer machen, aber er bekäme dann ein paar neue Glänzestiefel.
Die täglichen Nachrichten vom Terror im Irak erscheinen bisweilen wie publizistische Watte, die verhüllt, mit welchen Behauptungen und Versprechen die Marines 2002 losgeschickt wurden. Freiheit, Wohlstand, Völkerfreundschaft, Kampf dem Terrorismus, Hurra, und Osama eins auswischen. Nun gut, wer lesen kann, wußte schon damals, daß das von der falschen Seite an Schwachsinn grenzte, aber selbst wir haben uns nicht vorstellen können, was aus diesem Abenteuer werden würde. Hatten wir dem Amis doch wenigstens zugetraut, eine halbwegs funktionierende Besatzung auf die Kette zu kriegen und fröhlich Öl zu plündern.
Nichts haben sie geschafft. Jedes Plansoll eines Ultrapessimisten wurde übererfüllt. Neue Dimensionen gegenseitigen Abschlachtens, ein Morden, das nur deshalb nicht “Bürgerkrieg” heißt, weil es viel perfider ist und eine Hoffnungslosigkeit, die Züge großer Tragik trüge, würde sie nicht von dem infantilen Hurragelaber einer US-Regierung täglich zur Groteske verzerrt.
Die großartige Befreiung des Iraks sollte der Anfang der Befreiung der ganzen Region werden. Das immerhin scheint zu gelingen. Frei von Ordnung und Menschenwürde fühlt sich jeder bemüßigt, Gott zu spielen und nicht an morgen zu denken.
Das einzige Ziel, das ironischerweise so erreicht wurde, wie es geplant war, trägt am Ende zum Elend noch bei. Der letzte Garant der Ordnung wurde gefangen und verurteilt. Ob seine Häscher das inzwischen schon bedauern? Wundern kann einen gar nichts mehr, und vielleicht lassen sie Saddam ja wirklich wieder raus, damit er aufräumt.
Schwert und Schild der Republik
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13. Nov 2006 0:51
“Wir müssen sehr, sehr wachsam sein”, souffliert Generalbundesanwältin Monika Harms der Kanzlerin, und diese komplettiert als geübte DDR-Bürgerin: “Wir brauchen wachsame Bürgerinnen und Bürger [...] wir brauchen genauso Bürgerinnen und Bürger mit Zivilcourage. Lassen Sie uns alles dafür tun, damit unser Land noch sicherer wird”. Die Zivilcourage des guten Staatsürgers heißt also “Wachsamkeit.” Und nehmen wir ihren letzten Satz wörtlich, so müssen wir zur Kenntnis nehmen: Alles untersteht der Sicherheit. Kann man sich nun wirklich darauf verlassen, daß Frau Merkel nicht weiß, was sie sagt? Reicht es, sich damit zu beruhigen, daß die Stasiphantasien, die da aufleben, sich nur einem Person gewordenen rhetorischen Mißgeschick verdanken? Schützt die Unfähigkeit der Koalition, Gesetzesvorhaben umzusetzen, wirklich vor dem Überwachungsstaat?
Ich würde nicht darauf wetten. Darum ist ihr völlig zuzustimmen: Wir brauchen wachsame Bürger, die sich nicht bespitzeln lassen.

