Archiv

2006


Er ist ein Verlierer, wie er Demokrat ist. Wenn er eines Tages mit einem Zettel am Zeh in der Pathologie schläft, wird man ihm die unterste Schublade zuweisen. Silvio Berlusconi will neu zählen lassen, und zwar so lange, bis Prodi verloren hat. Allerdings könnte das Ding heftig nach hinten losgehen. Hat man ihn nicht schon kurz nach der ersten Hochrechnung toben hören: “Wie konnte das passieren? Ich habe tausende Wahlhelfer bezahlt, damit das nicht passiert!” ?
Hat man nicht, richtig. Aber wie wir den großen Duce, den Vater der letzten Republica, den Primus inter Primis kennt, hat er getan, was er konnte. Es hilft jetzt niemandem, wenn die Welt und Italien noch einmal drastisch vor Augen geführt bekommen, was er alles getan haben mag für einen Sieg, der trotzdem keiner wurde.

Als Münte ging, schrieb ich:
“Nur eines muß man heute nicht fragen: Wer der neue wird. Es dürfte kaum der Mühe wert sein, sich den Namen zu merken.” Und schon ist es soweit, daß man beginnen darf, ihn zu vergessen! So viel Speed hätte man der alten Tante SPD gar nicht zugetraut. Zwei Hörstürze innerhalb kurzer Zeit haben Platzeck erkennen lassen, daß er am Ende das eigene Geschwätz nicht mehr hören wollte. Die Politik seiner Partei als “sozial” zu verkaufen, lag ihm ebensowenig wie eine Richtungsänderung, für die er hätte einstehen können. Jetzt ist also Kurt Beck dran, der dicke Mann aus Rheinland-Pfalz. Das letzte Aufgebot quasi ist das letzte Schwergewicht der SPD. Nicht nur deshalb, so sei hier wieder ein Orakel gewagt, wird er lange ihr Chef bleiben. Beck ist einer mit einem eigenen Kopf, der Werte noch kennt als etwas, das sich nicht einfach in Euro umrechnen läßt. Selbst, wenn sein Konservativismus nur Attitüde wäre, ist er der richtige Mann zur richtigen Zeit. Ein Dicker aus Rheinland-Pfalz? Erwache, Angela, das Ende ist nah!

Kaum beachtet bleibt bisher die hoffentlich letzte Mißachtung demokratischer Spielregeln durch den italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi. Er ging mit seiner Mutter in die Wahlkabine und forderte sie dort ungeniert auf, seine Partei zu wählen.
Daß Wahlen auch in Italien geheim sind und Berlusconi damit massiv gegen das Wahlgesetz verstoßen hat, interessiert ihn wenig. Kritik an solcher Chuzpe kontert er lässig: “Er repräsentiere wirklich ein kleinliches Italien, warf er dem Anhänger seines Rivalen Romano Prodi vor, der sich dagegen verwahrte.”
Wirklich kleinlich, vergleicht man diesen kleinen Fauxpas mit dem , was der große Führer bislang so auf geltendes Recht gegeben hat. Die große Enttäuschung überkommt einen aber angesichts der Nachlässigkeit von Italiens Noch-Regierung. Derartige Wahlbegleitung hätte man doch für alle Bürger organisieren können. Die Faschisten, mit denen Berlusconi koaliert, sollten doch noch wissen, wie das geht.

Wenn eine öffentliche Debatte entsteht, schwärmen sofort die Clowns der Meinungsindustrie aus, um Erheiterung in Form bedeutungsloser Zahlen zu verbreiten. Ihr zweckfreies Spiel mit Fragen und Statistiken darf wohl als zeitgemäße Form der Kunst anerkannt werden.
So auch aktuell, da es um den Erhalt der Hauptschulen geht. Weiß der Volksmund sehr wohl um die Weisheit “Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal das Maul halten”, ist Kompetenz für die Artisten der Demoskopie keine Größe, die man irgend berücksichtigen müßte. Eifrig fragen sie die Menschen nach deren “Meinung”, ob diese nun eine haben oder nicht.
Bezogen auf die Hauptschulen fragen sie ein Volk, das gar nichts anderes kennt als die Dreigliedrigkeit. Sie fragen ein Volk, das Gesamtschulen kennt als Hauptschulen mit Zusatzoption. Ein Volk, das sich in einer unsäglichen “Stop-Koop”-Kampagne hat vormachen lassen, integrative Beschulung sei kommunistische Gleichmacherei. Kurz: Das befragte Volk reagiert auf jede Alternative zum bestehenden Schulsystem mit Angst aus Unwissen.
Der besondere künstlerische Wert besteht nun darin, daß sich das Volk in seiner Inkompetenz nicht im mindesten von seinen verantwortlichen Vetretern unterscheidet. Das ist das eigentliche Ergebnis der Umfrage.

“Auf deutschem Boden darf nie wieder eine Apotheke schließen”, so könnte ein Motto deustcher Gesundheitspolitik lauten. Die Lobbyisten von Apothekern, Pharmaindustrie und Ärzten haben es bislang noch immer geschafft, daß ein echter Kostendruck im System nicht entstanden ist. Immerhin haben die Regierungen bisher versucht, die Kosten im Griff zu behalten. Frau merkel verzichtet hingegen darauf. Sie ist eine ehrliche Haut und sagt klipp und klar: Wir brauchen mehr Geld und nehmen es euch ab.
Während die Binnenwirtschaft totgespart wird, ausgerechnet Personalkosten weiter gedrückt werden, kommt jetzt die Kapitulation vor einem maroden System, in dem die alten Selbstbediener fröhlich ihr unbezahlbares Unwesen treiben. Die Kanzlerin ist sich nicht zu blöd, selbst zur Lobbyistin der Geldverschwender zu werden. Wie immer werden die Leute begeistert sein, die Stimmung steigt, endlich mal eine, die die Wahrheit sagt!
Die Wahrheit hinter der Wahrheit ist allerdings, daß diese Regierung keinen Plan hat. Expertenkommissionen tagen, echte Reformen werden vertagt, neue Ideen hat niemand. Die Lösung für alles ist: Mehr Steuern und Abgaben. Die F.D.P. hat ihre Wähler immer mit Steuersenkungsversprechen belogen und ist deshalb keine Alternative. Aber selbst sie kommt noch gut weg im Angesicht der tumben Schröpfungspolitik der Regierung Merkel.

Reinraus

Links

Kategorien:

RSS Feeds:


flatter

lesendu