Hintergrund


Die Idee, für Computer demnächst GEZ-Gebühren zu kassieren, ist zwar genial, aber sie geht nicht weit genug. Man kann nämlich mithilfe der Rundfunkgebühren nicht nur Sendemasten vergolden lassen und millionenschwere Sportler kaufen, sondern gleich die Staatsfinanzen retten, ohne über Reformen auch nur zu diskutieren.
Das geht nämlich so: Bei der GEZ käme niemand auf die Idee, Bürokratie abzubauen, denn genausogut könnte man versuchen, den pazifischen Ozean trockenzulegen. Übereifrige Reformer werden hier also niemandem im Wege stehen, der die Ründfunkgebührenabwicklungskonten nutzt, um etwa
- Steuern zu erheben
- Krankenkassenbeiträge durch die Hintertür zu erhöhen oder
- einfach so mal ein paar Kohlen abzuziehen, denn brauchen kann man’s ja immer.
Hier liegen 1000 Möglichkeiten, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen, so daß die Defizitkriterien kein Thema mehr sein werden. Die Begründungen für Gebührenerhöhungen kann man sich in Zukunft auch schenken, denn blöder als heute geht es eh nicht mehr. Wer weiß, ob nicht ein internetfähiger Microchip im Toaster sitzt? Beweisen Sie mal das Gegenteil!

Soweit es einer Karikatur des Mutes zur Ungerechtigleit bedarf, hat feynsinn sein Soll einmal erfüllt. Sigmar Gabriel hat doch mehr Ahnung, als ihm hier unterstellt wurde. Bleibt zu hoffen, daß die von ihm angekündigten weiteren Überprüfungen tatsächlich stattfinden und er bei den Restlaufzeiten wirklich standhaft bleibt. Wir werden das beobachten.

Die Hisbollah hat eine perfide neue Taktik entwickelt, die zu erheblichen Verlusten unter israelischen Soldaten geführt hat. In der Nacht zu gestern haben die Extremisten Fahrzeuge und Gebäude der gegnerischen Armee mit der Aufschrift “UN” versehen oder mit roten Kreuzen bemalt. Diese wurden dann amTage von israelischen Kampfhubschraubern zerstört. Flehentliche Aufforderungen ihrer Kameraden, den Beschuß einzustellen, wurden von den Piloten ignoriert.

Ein gar fröhliches Gut ist das Recht. Man kann es auslegen, nutzen, beugen, ändern und vor allem mit unterschiedlichem Maß bedienen. Das übrigens meint Justitias Blindheit, nicht etwa, daß sie nicht wüßte, wer da vor ihr steht.
Zwei Beispiele aus der aktuellen Scheinheiligkeit:
Der Radsportler Ullrich wird des Dopings verdächtigt. Juristisch wird ihm eine Schuld wohl nicht nachgewiesen werden, er bestreitet überdies, wenig überzeugend allerdings, jede Missetat, sprich: gedopt zu haben. Nützen wird ihm das womöglich wenig, denn die Organisation derer, die vom Doping ihrer Superhelden am meisten profitieren, wird ihm vermutlich mit einem Berufsverbot belegen. Evtl. vier Jahre, das ist in seinem Fall lebenslänglich. Schuldig bei Verdacht ist seit neuestem nämlich jeder, und was “Verdacht” bedeutet, darüber werden in Zukunft noch bizarre Schlachten geschlagen werden. Wie dem auch sei – es müssen Exempel statuiert werden gegen die Verbrecher am Sport.
Woanders geschehen die Dinge ganz legal, zum Beispiel dort, wo Israel bombt. “Die Verwendung von Streumunition ist nach internationalem Recht legal, und die israelische Armee verwendet solche Munition in Übereinstimmung mit internationalen Standards”, heißt es. Nach internationaler Realität ist es Standard, daß Streubomben zunächst sehr effizient sehr viele Menschen töten und gleichzeitig Blindgänger hinterlassen, die wie Landminen noch Jahre später hochgehen können. Ganz legal wird so eine Infrastruktur nicht nur zerstört, sondern mit explosiven Hinterlassenschaften verseucht.
Dafür wird niemand belangt, vor Gericht gestellt oder bestraft.
Wäre es nicht besser, man würde die Soldaten mit allem nötigen Dope versorgen, sie die Berge hochjagen und wenn sie dann noch Lust haben, sich gegenseitig totschlagen lassen? Könnte man statt dessen nicht die Hersteller solcher Bomben mit Berufsverbot belegen, sobald der Verdacht besteht, daß sie welche verkauft haben könnten?

Aus aktuellem Anlaß (NIX los) hat Feynsinn sein Institut für Sozialforschung beauftragt, ein Ranking zu erstellen. Herausgekommen ist eine Gegenüberstellung der zehn je anerkanntesten und meist verabscheuten Berufe. Was ist

IN:
Waffenhändler
Hundefriseur
Berater (MdB)
Klingeltonhändler
Kreatiever (Werbunk)
Berater (gute Kontakte zur russischen Regierung)
Statistiker (Demoskopie, Rankings)
Berater (neoliberal, egal was)
Betriebswirtschaftler (Berater)
Partygirl

OUT:
Lehrer
Klofrau
Volkswirtschaftler
Handwerker (sozialversichert)
Arbeitsloser (auf Jobsuche)
Freier Journalist
Einzelhändler
Entwicklungshelfer
Forscher
Astronaut
23.07., 21:37, 28°.

Jetzt wird sich zeigen, ob die Coswiger ehrliche Menschen sind. Sie sind aufgerufen, sich einer DNA-Probe zu unerziehen, um ein Verbrechen aufzuklären. Von dern ersten gut 3000 Männern, die aufgefordert sind, hätten sich schon 500, “die am Wochenende verhindert sind, [...] vorab gemeldet”, so Tom Jährig vom zuständigen Landeskriminalamt.
Das LKA sei “beeindruckt vom Andrang und vom Verständnis der Bürger für diese Maßnahme“.
Wer nichts zu verbergen hat, entschuldigt sich also vorab, daß er nicht rechtzeitig freiwillig seinen Pflichten nachkommt. Die anderen 97000 werden dem Beispiele folgen, so daß nur noch solche übrigbleiben, die Dreck am Stecken haben. Wer sich nicht an der Massenstestung beteiligt, ist verdächtig. Das Gute daran: Man wird so nicht nur das eine Verbrechen aufklären, sondern man darf davon ausgehen, daß die Verweigerer in der Mehrheit Verbrecher sind. Diese sollten dann genauer unter die Lupe genommen werden, auch wenn sie nicht als Täter in Frage kommen. Aber schon aus einem anderen Grunde werden sie es nicht leicht haben: Es wird keinen guten Eindruck bei Nachbarn, Freunden und dem Arbeitgeber machen, wenn man verdächtig ist. Und das Volk braucht keinen richterlichen Beschluß, um gegen solche Subjekte zu handeln!

Es ist vorbei. Mit dem Ende der WM gehen einige Große von der Bühne, während viele Kleingeister weiter im Schatten der Ballartisten ihr trübes Dasein fristen.
Kerner! Beckmann! Während Jürgen Klopp uns für die eimerhohlen Fragen Kerners noch in Echtzeit entschädigen konnte, durfte Beckmann seinen Sermon ungebremst in die Ohren seiner Opfer spritzen. Diese affige Attitüde, mit der er “Lukkatooni” erkennt, den einzigen Fuballer, der einen Vornamen hat, wie er ständig dieselben Geschichten erzählt, als habe die Senilität ihn schon in grabesfeuchten Klauen, welche Vergleiche er aus den Ruinen seiner Halbbildung zieht! Das ist selten komisch, wenngleich er zu wahren Höhen unfreiwilligen Humors fähig ist. So etwa, als er eine Faustabwehr von Buffon mit der Bemerkung garniert, das habe der Torwart von seiner Mutter gelernt, die ja Kugelstoßerin gewesen sei. Vielleicht hat Beckmanns Mutter ihren Jungen auch zwei- oder dreimal zu oft durch die Küche gefaustet, oder woher hat der delirierende Schwatzarbeiter das Talent zu sinnfreiem Gelalle?
Zinedine Zidane hat die rote Karte verdient, ebenso wie die Auszeichnung als bester Spieler des Turniers. Aber wer kam auf die Schnapsidee, einen Beckmann überhaupt auflaufen zu lassen?

Und zwar auf dem Informationsschlachtfeld, der gigantischen Quelle für alles Böse. Das Gute ist hier natürlich herausgefordert. Das Pentagon macht sich also Sorgen um den Einfluß von Bloggern auf die Informationen, die im Netz kursieren und will eine eigene Suchmaschine entwickeln, um die Guten von den Bösen zu trennen und diejenigen, die auf Abwegen sind, zurück auf den Pfad der Tugend zu bringen. Das dazu gebildete Team “soll Blogger ‘freundlich’ kontaktieren, wenn sie “‘falsche, ungenaue oder unvollständige Informationen’ [verbreiten]“. Wie freundlich das dann wirklich zugeht, wird man sehen. Allerdings besteht der Verdacht, daß sie es ernst meinen und wirklich glauben, Kritik an den U.S.A. und ihrer Strategie der präventiven Vorwärtsverteidigung sei nur möglich, weil die da draußen nicht bescheid wissen oder dumme Vorurteile haben. Sonst würden sie doch quasi am Rande des Datenhighways stehen und Wimpelchen schwenken zum Gruße des Allbefreiers, des amerikanischen.

Kein Wort wollte ich verlieren über diese WM, aber was bleibt einem, wenn man mitten drin lebt?
Einige Begebenheiten sind auch zu putzig:
Zum Besipiel daß die polnischen Reisebusse häufig ganz kleine Fenster haben und grünweiß lackiert sind. Apart!
Das Spiel haben sie wohl verloren, nicht wahr? Regelrecht sturmreif geschossen wurden sie und am Ende bitter bestraft. Das freut den Deutschen, der nunmehr an Gewaltbereitschaft seinem Nachbarn im Osten das Wasser nicht mehr reichen kann. Um viertel vor sechs steht hier auch kein Mensch mehr auf. Siegen geht also nur noch friedlich.
Aber der Anlaß, das Turnier doch zu erwähnen, ist ein Dialog, den ich hier zu Protokoll geben möchte. Die Leser sind aufgerufen zu erraten, welchen Geschlechts die Beteiligten sind:

A: “Was tippst du, wie das Spiel ausgeht?”
B: “3 zu zwei. Oder zwei zu eins. Oder eins zu null.”
A: “Du mußt dich schon entscheiden.”
B: “O.K. Dann eins zu eins.”

Wahnsinnig modern dieses Merkel! Nicht nur, daß sie uns wie alle hundsmiserablen Werbetreibenden derzeit mit der Fußball-WM kommt, sie kommt uns auch noch per “podcast”. Ich weiß nicht genau, was das ist, aber es sieht aus wie eine schlecht synchronisierte Neujahrsansprache. Dabei liest sie ähnlich enthusiastisch vom Teleprompter ab wie der Präsidentendarsteller. Achja, und das ganze findet “im Internet” statt.
Diese Totgeburt wird wohl nicht lange das Netz belasten, so etwas schauen sich freiwillig nicht einmal gerontophile Masochisten zweimal an. Die Phrasendreschmaschine, die Frau Merkel dort bedient, krankt bei ihrem Debüt vor allem an einer schmerzhaften Inkongruenz: Sie spricht da dauernd von “fröhlich”, “freuen” und “Freude”. Dabei springt ihr die Last ihrer erbarmungswürdigen Existenz derart aus dem Gesicht, daß man nicht weiß, ob man zuerst sie oder sich selbst abfüllen soll, um das halbwegs erträglich zu gestalten.
Immerhin: Der Trailer ist cool. Angie mit all den berühmten Leuten, was sind wir stolz auf sie!

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