Hintergrund


Aufatmen erst einmal! Auf den Straßen umarmen sich die Menschen, Hühner laufen fröhlich gackernd zwischen ihnen umher. Die Bedrohung durch die todbringende asiatische Hühnergrippe, die die Menschheit wochenlang in Atem hielt, ist überstanden [TAZ]!
Die Gnadenfrist wollen wir nutzen zu Buße und Einkehr, bis uns, wenn wir Pech haben, noch vor Weihnachten, das Magentfeld tötet. Denn merke: Der Erdkern ist flüssig, heiß und grausam. Ohne Magnet kommt die kosmische Strahlung. Alles geht kaputt: Strom, Haut, Ozonloch.
Ein Ding-aus-Papier, das selbst beim näheren Hinschauen noch Ähnlichkeit mit einer Zeitung hat (solange man es nicht liest), weist dieser Tage wieder darauf hin: Je schwachsinniger ein Konglomerat von Aussagen zusammengefaselt wird, desto schwieriger wird es, diese zu widerlegen. Wir kennen das Phänomen von Irren und der Logik: Erstere versucht man zu verstehen, indem man ihre Worte auf ihre Befindlichkeit bezieht, anstatt sie konkret inhaltlich zu deuten. Letztere weiß: Ein Konditional ist dann wahr, wenn die Bedingung falsch ist. [D.h.: Wenn in einem Wenn-dann-Satz das "Wenn" falsch ist, ist der Satz immer wahr. Bsp.: Wenn es heute regnet, nehme ich ein UFO und fliege in die Sonne. Bleibt es also trocken, ist der Satz wahr!]
Und genau deshalb haben sie immer recht: Die Partei und die Bildzeitung!

Wo wir gerade dabei sind: Wenn Politik Ökonomie ist, kann man sie ja gleich den Ökonomen überlassen, so quasi ein Leitmotiv des hiesigen Auftritts. Was die Herren allerdings so in ihrem eigenen Stall veranstalten, läßt Zweifel aufkommen, ob man ihnen überhaupt die Ökonomie überlassen darf. So hat sich jüngst die Deutsche Bank um den Humor am Kapitalmarkt verdient gemacht [SPIEGEL]. Da leg ich mein sauer verdientes ALG doch lieber unter die Matratze!

heise meldet, daß microsoft auf den afrikanischen Markt drängt. Die wichtigsten Produkte der Softwarefirma sind jetzt auch in Suaheli erhältlich und sollen demnächst auch in Zulu käuflich sein. Welche Freude!
“Wir wollen, dass mehr Menschen aus unserer Region Zugang zu moderner Technologie haben” sagte eine Übersetzerin zu den ehrenwerten Motiven des Projekts. In der Tat kann nur ein Anbieter aus der Sicherheitslückenproduktion und Lizenzkassierergilde dafür sorgen, daß es technologisch vorangeht. Linux-Usern etwa sind die wichtigsten Vokabeln der Branche weitgehend unbekannt, so daß die Förderung von Open-Source-Software nicht in Frage kam. Endlich gibt es auch in diversen afrikanischen Sprachen Begriffe wie “Lizenzgebühr”, “Abmahnung”, “Markenschutz”, “Kopierschutz”, “OEM-Echtheitszertifikat” oder “Allgemeine Schutzverletzung”. Vermutlich wird microsoft vorerst zu besonders günstigen Konditionen liefern und nicht so streng sein mit Raubkopierern. Wenn im Gegenzug die Regierungen dafür sorgen, daß in ihrem Hoheitsgebiet keine eigene Software produziert wird. Eine Hand wäscht die andere.

Es ist zum Heulen. Wenn deutsche Richter sich mit Problemen der Internetnutzung befassen, fragt man sich regelmäßig, ob sie wirklich derart ahnungslos durch die Weltgeschichte surfen oder ob womöglich Motive vorliegen, über die man nicht öffentlich spekulieren darf. Seit heise online dazu verpflichtet ist, eine Vorzensur der Beiträge in seinen Foren zu leisten, ist die Netzwelt wieder enmal sinnlos im Aufruhr. Jeder Spinner, der in einem Forum oder einem Blog Schwachsinn verzapft, bringt die Betreiber in Teufels Küche. Eine Güterabwägung zwischen dem Recht auf Meinungsäußerung und anderen Interessen kann hier wohl kaum stattgefunden haben. Es sei denn, es hätte sich schon ein neuer Wert im deustchen Recht durchgesetzt: Das Recht auf den juristischen Erstschlag. Wer zuerst klagt und Aussicht auf einen satten Gewinn dabei hat, bekommt recht. Durch möglichst hohe Streitwerte steigen die Gerichtskosten entsprechend, da freuen sich die Juristen aller Parteien. Zudem wird das Recht stark vereinfacht, steht doch das Urteil von vornherein fest. Die Standardurteile vieler Gerichte in Fragen rund ums Internet gehen ohnehin in diese Richtung.
So lange der Gesetzgeber nicht endlich aus dem Quark kommt, den Robenmännchen die nötigsten Fortbildungen aufzwingt und ihnen von Menschenverstand infizierte Vorschriften an die Hand gibt, bleibt es also gefährlich, sich in diesen Medium zu äußern. Geradezu wagemutig ist es, einen Webauftritt zu betreiben, um zu kommunizieren.
Wo kämen wir auch hin, wenn jeder sagte, was er will! Feynsinn nimmt sich das zu Herzen und tut folgendes kund und zu wissen:
Wer sich in diesem Blog auf nicht staatstragende oder Rechte Dritter verletzende oder beleidigende Art und Weise äußert, wer den Markenschutz verletzt, den Euro nicht ehrt oder sein Butterbrot nicht aufgegessen hat, wird aufgespürt, enttarnt, genannt, öffentlich bloßgestellt, gelöscht, gebannt und der CIA gemeldet!
Anno Domini 2005, am Nikolaustage

Ein “Astronom des Vatikans” TELEPOLIS macht sich Gedanken um das Seelenheil von Aliens. So fragt er sich: “Hat Christus, der auf die Erde gekommen ist, auch gleichzeitig die Wesen auf anderen Planeten erlöst?” oder “Würden Außerirdische auch von Adam abstammen oder wurden sie aus anderen Paradiesen erschaffen und vertrieben?” Ja sicher! Wie denn sonst? Die Bibel ist schließlich keine Auslegware. Steht dort nicht klipp und klar, daß Gott die Menschen nach seinem Vorbild geschaffen hat? Und kann denn die Himmelfahrt etwas anderes gewesen sein als die Reise zu anderen Planeten, um Kunde zu tun von der Krone der Schöpfung und wie geil Kreuzigungen sind? Daß der Papst jetzt auch Chef auf Maximegalon 4 ist und die sich ja beim römischen Präfekten beschweren können, wenn ihnen das nicht paßt? So wird das wohl gewesen sein.
A propos Kreuzigung: Schnell noch einen Glückwunsch an Gottes neues Volk: 1000 Hinrichtungen in 30 Jahren, das ist doch schon mal nicht schlecht. Allerdings gibt es Argumente gegen die Todesstrafe, die man ernst nehmen sollte. So ist zum Beispiel erwiesen, daß sie zur Abschreckung nicht taugt. Da müssen wir was tun! Kreuzigungen wären sicher ein probates Mittel. Und falls der Schöpfer mal wieder vorbeischaut, wird er sich ganz wie zu Hause fühlen, wenn wir ihn dann unschuldig martern. Damit das auch klappt, legen wir ein USA-Visum in die nächste Raumsonde, ausgestellt auf den Erlöser, gültig bis Himmelfahrt.

Uschi Glas erhält einen “Wissenschaftspreis” TAZ, weil sie nicht nur schrottige Creme produziert hat, die Frauengesichter in Streuselkuchen zu verwandeln vermag, sondern danach auch noch endlos rumgezickt und selbst nach einem verlorenen Prozeß gegen die Stiftung Warentest noch geifernd ihr Recht behauptet.
Ich nehme das zum Anlaß, meinerseits einen Preis auszuloben: Den Blackknight-Memorial-Award. Wem es gelingt, in hervorragender Weise öffentlich zu dilettieren und nach verlorenem Duell ohne Arme und Beine der Welt die Muskeln zu zeigen, soll dafür reich belohnt werden!
Einsendeschluß ist, wenn ich das sage. Bei mehreren Einsendungen entscheidet das Los. Der Preis in Höhe von 40cm (Topfpflanze, evtl. nicht reanimierbar) wird dann in einer Feierstunde etc. etc.

Die Rektoren der deutschen Hochschulen fordern 8000 zusätzliche Professuren TAZ . So wird in Deutschland Politik gemacht. Wenn man sich anschaut, wie es im sog. “Mittelbau” aussieht, wird einem übel. Es gibt nicht wenige Stellen für Hochschullehrer unterhalb der Professuren, es gibt quasi gar keine. So sieht das System dann auch aus: Man darf sich nach dem Abschluß bzw. nach der Promotion als Sklave verdingen, in der Regel unbezahlte Lehraufträge annehmen, um nach einigen Jahren festzustellen, daß man trotzdem keine Chance auf einen Job hat.
Oder man darf habilitieren, weiter dem Chef die Tasche tragen, und wenn man dann völlig abgeschliffen ist, gibt es eine eigene Professur, mit deren Hilfe man sich an der Welt rächen darf.
Hinzu kommt das unselige BVG-Urteil von 1973, wonach die Professorenschaft ihre Hochschulen beherrschen wie Lehnsherren. Es ist diese Struktur, gepaart mit einem Leistungsnormkult, die aus sich heraus nichts Brauchbares mehr hervorbringt.
Ceterum censeo: Befreit die Bildung von den Beamten, stellt junge Wissenschaftler/innen ein und laßt sie endlich das tun, wozu Hochschulen da sind: Forschen und lehren. Professoren sind dazu ob ihres Werdegangs nicht geeignet.
Die Forderung nach mehr Professuren ist jedenfalls so sinnvoll wie die, mehr Millionäre ins Land zu holen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Schon wieder so ein nachrichtenarmer Vormittag. Das Spannendste waren noch Artikel über ein Automodell von 1975, das man sofort kaufen muß, weil es bald “Kult” sein wird, und einer über “Guerilla-Marketing”. Meine Abos bei AP, Reuters und dpa sind auch abgelaufen, deshalb muß ichs mir woanders besorgen. Also Blogs lesen. Was soll ich euch sagen? Wenn ich mir anschaue, was bei Zeit.de und dergleichen an Magerkost angeboten wird, kommen mir die Tränen. Hier verdorrt eine Perle in der Bedeutungslosigkeit, während andernorts die gebrochenen Metaphern völlig unbemerkt unters massenhaft linksklickende Volk gestreut werden. Aber ihr paßt auf mich auf, ja? Hallo? Hört mich jemand? Irgendjemand?

Bin ich dick? Und wer sagt’s mir, wenn ich’s bin? Na klar: Der BMI! [SPIEGEL] Es mag ein Luxus sein, aber ich weigere mich immer noch zu verstehen, daß von Medien mit der Verbreitung eines “Spiegel” ständig Artikel gepostet werden, deren Schreiber ihren eigenen Murks nicht lesen.
“Der Body-Mass-Index berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm, geteilt durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat. Als normal gilt ein BMI zwischen 18,5 und 25.” Aha. Und wenn man so etwas schreibt, muß man das selbst nicht verstehen, oder?
Für mich heißt das da oben, mein Gewicht sollte zwischen 62 und 82 Kilogramm liegen. Bei 1,82 m Größe liegt der BMI mit 62 kg über 18,5 und mit 83 kg schon über 25. 62 kg sind also normal? Und ist das Risiko eines Herzinfarktes wirklich wichtig, wenn man gerade verhungert? Ich nähme dann doch lieber die 83. Aber vielleicht ist das ja im Sinne des Erfinders, und er will uns deutlich machen, daß wir getrost gut essen sollen, weil wir eh nie mehr den “normalen” BMI erreichen werden? Letzterer kann übrigens gar nicht dafür. Der Schreiber hat schlicht falsch abgeschrieben, zu wenig differenziert und sich womöglich unseröser Quellen bedient. Er wird sicher einmal Chefredakteur.
Kurz noch ein Wort zu einem der letzten politischen Talente in der SPD, Sigmar Gabriel: Ist der noch dicker geworden? Ich mache mir langsam Sorgen!

Gott, ist das langweilig! Spiegel-online läßt Camilla gegen Mette-Marit antreten und faselt etwas von Milliarddärssöhnen, die Sex mit Transvestiten haben. Sehr investigativ! Die Onlineausgaben von WZ und WAZ öden mit gleichlautenden Artikeln, was zu bemerken mich als Dummbatz outet, der da wohl wieder eine Kooperation verschlafen hat. Ich habe wohl von nichts eine Ahnung!
Und wißt ihr was? Über diese Geflügelkrankheit werde ich kein Wort nicht mehr verlieren! Das Dumme ist nur: Dann bleibt quasi nichts mehr außer dieser Berliner Zeitungsübernahme, die nun auch schon hinlänglich durchgekaut ist. Ich bin kurz davor, mir meine Schlagzeilen selbst zu machen

Der Samstagswitz zur Vogelgrippe? Nein, stimmt ja gar nicht! Was man sich manchmal für einen Blödsinn zusammenliest…

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,381033,00.html

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