Hintergrund


Friedrich Karl Flick ist tot.
Das teilte sein Vermögensverwalter heute in Wien mit.” Zutiefst bedauerlich, daß der Mensch, mag er ein guter oder ein schlechter gewesen sein, selbst im Tod keine Rolle spielt. Sein Vermögen ist es, für das sich etwas geändert hat.

Da lacht der Hartzer:

“Der Übergang in eine andere Staats- und Gesellschaftsordnung und der Strukturwandel in der Wirtschaft in den neuen Bundesländern sind gelungen ­ soweit für solche Aufgaben nicht die Kräfte und Anstrengungen von Generationen nötig sind.
An vielen Orten der ehemaligen DDR zeigen sich die blühenden Landschaften.”
Helmut Kohl in RP-online.

Da ich bis Mittwoch Abend unterwegs sein werde und nicht zu einem ordentlichen Eintrag komme, feiere ich bei dieser Gelegenheit die damals spontane Idee, mir ein Weblog zuzulegen. Das war vor genau einem Jahr, in dem dann 287 Einträge zustande kamen. Ein guter Grund, sich an den Straßenrand zu stellen und sich zuzujubeln. *Konfettiiiiii*

Eine sehr unterschätzte Auszeichnung wurde jüngst verliehen: Der World Stupidity Award (Weltdummheitspreis). Die Juroren sind offenbar echte Philosophen, sie treffen so manche weise Entscheidung und wissen sie wohl zu begründen. Auch in diesem Jahr wurde wieder jemand ausgezeichnet, dessen Schicksal auch Feynsinn sehr am Herzen liegt: George W. Bush. Er wurde ausgezeichnet mit dem “Disinformation Stupidity Award for being most out of Touch with Reality”. Das ist extrem feynsinnig formuliert und entzieht sich deshalb auch einer halbwegs treffenden Übersetzung. Es handelt sich um den Preis für Desinformation und Realitätsverlust. Wir gratulieren der Jury und dem Kandidaten!

Ich bin eben beim Stöbern auf eine sehr belustigende und nicht weniger melodramatische Geschichte gestoßen, so recht nach meinem Geschmack: Hier soll ein Bundesbürger nachweisen, daß er nicht katholisch ist. Dazu reicht es nicht, öffentlich dem Satan zu huldigen und Ratzingerbildchen zu verbrennen, wie man denken könnte. Man muß vielmehr eine Instanz zwischen Himmel und Erde finden, die das bescheinigt.
Ich biete dem jungen Mann gern an, mich als Oberhaupt seiner Religion anzuerkennen und würde es ihm sogleich beurkunden. Als refomierter Pastafarian habe ich unlängst meine eigene Kirche gegründet und warte seitdem auf das erste Gemeindemitglied. Eine Hand wäscht die andere, nicht wahr?

Die antisemitische Hetze der Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul wurde von ihren Regierungskollegen relativiert und zum Teil sogar unterstützt. Damit wird die absolute Antistimmung gegen Juden in Deutschland auf einen neuen Höhepunkt getrieben. Wieczorek-Zeul hatte den Einsatz von Streubomben durch die israelische Armee kritisiert und eine Untersuchung durch die UNO gefordert, ohne gleichzeitig den Einsatz von Raketen durch die Hisbollah zu erwähnen. Der Jude an sich ist nämlich eine Streubombe als Antwort auf eine Katjuscha. Er ist keine Streubombe als Antwort auf keine Katjuscha. Das sollte Frau Wieczorek-Zeul wissen. Wenn sie also Streubomben kritisiert, beleidigt sie die Juden. Alle. Sie macht ihnen das Leben in Deutschland unmöglich.
Angesichts des Rechtsrucks in der Bundesregierung, die sich kaum mehr vom Naziregime unterscheiden läßt, hat NPD-Mann Uwe “Sonderzug” Leichsenring eingesehen, wie überflüssig er ist und ist in einen LKW gerast. Man darf wohl von Selbstmord ausgehen, da er Inhaber einer Fahrschule war und zuvor noch nie im Leben die linke Spur benutzt hatte.

Intime Fotos von David und Victoria Beckham verspricht RP-Online in einer als Artikel schlecht kaschierten Werbung für einen Stinkstoff, den Boring Victoria zusammengetröpfelt hat.

Die 32-Jährige soll monatelang damit beschäftigt gewesen sein, ihren Duft zu kreieren und die Verpackung auszusuchen” heißt es darin. Soll sie? Wenn man etwas über quasi nichts schreibt, kommt es auch nicht darauf an, ob es stimmt. Es könnte so gewesen sein. Hat mir jemand erzählt. Sagen sie da draußen.
Aber ich kann mir gut vorstellen, daß Akribie und Fleiß, die gern das Genie begleiten, ein solches Arbeitspensum erzwingen. Allein zwölf ihrer 32 Jahre soll sie mit der Auswahl ihrer ersten Sonnenbrille zugebracht haben, das arme Wurm.

Intime Fotos gibt’s obendrein. Einem Milliardenpublikum in die Retina gebrannt – genau so intim! Absolut privat sollen sie sein, die Bilder. Hört man. Wird berichtet.
Intimately Beckham for Him. for Her“, so RP-Online, heißt das Zeug. Diesem semantischen Massaker schließt sich der winzige Artikel mordlüstern an, in dem sich kein Satz findet, der nicht preiswürdig Wort und Schrift aufs Übelste mißbraucht, Sprache bestialisch schändet und jeden Sinn mit wütender Attitüde zu Boden trampelt. Ein Kleinod!

Peinlich, daß mir dieses Licht erst jetzt aufgeht: Der mit allen Wassern gewaschene Radikalmarxist Schröder und seine Mannen bereiten die Revolution vor. Während der Kanzler sich in Rußland auf Fortbildungsurlaub befindet, macht die SPD hier weiter, wo er aufgehört hat: Beim Aufbau des revolutionären Subjekts. Das bezieht heute “Hartz IV” und wird nach Kräften gedemütigt, getreten und gepiesackt. Jahrzehntelang war der deutsche Arbeiter staatstragend, treu, fleißig und bescheiden, dann wurde er rationalisiert, globalisiert, gefeuert, geneppt und entsorgt. Und wie hat er darauf reagiert? Richtig, gar nicht. Apathie, Depression, nörgelndes Gemurmel. Aufbegehren ist des Deutschen nicht.
Die Sozialdemokratie, sehend, daß ihre integrativen Bemühungen, die Versöhnung der Arbeiter und Angestellten mit ihren Ausbeutern, weit übers Ziel hinaus geschossen war, verfiel selbst in unentschlossene Lethargie und brauchte fast zwanzig Jahre, ehe sie das Konzept und die Leitfigur fand, mit denen sie den langen Marsch antreten konnten: Schröder und die Agenda 2010. Wer etwas verändern will, so ihre Besinnung auf die Marxsche Krisentheorie, muß die Gegensätze verschärfen und ins Bewußtsein der Massen agitieren. Es war also klar: Wir brauchen mehr Arbeitlose, und wir müssen sie schlechter behandeln. Was Kohl schon kongenial vorbereitet hatte, vollendeten Schröders Kampfpöbler, und sie sind noch nicht fertig damit. Wurden die Asozialen bislang nur beschimpft und auf Wasser und Brot gesetzt, dräut ihnen Ungemach ohne Grenzen. In Zukunft werden sie noch sinnlosere Jobs angeboten bekommen, die es noch weniger gibt, sie werden noch weniger vom Kuchen bekommen, noch bürokratischer drangsaliert, und wenn das alles nicht hilft, wird für ihre verzweifelten Anträge endgültig niemand mehr zuständig sein. Das Amt, die Agentur, die Anstalt, die Forderungsstelle für Arbeit wird jährlich umbenannt. Nach den Job Centern kommen Centres Travailles, dann die Dienststuben, Beschäftigungsläden, Tu-was-Filialen. Aber selbstverständlich werden diese Einrichtungen nicht einander ablösen, sondern gleichzeitig nebeneinander her wirken und die Ersatzleistungsempfänger zermürben, daß es knirscht.
Und dann, irgendwann, wird er wiederkehren und die Geschundenen siegreich gegen Berlin führen. Er, der Eine, Anfang und Ende, Alpha und Omega.

RP-Online berichtet über seltene Käfer und ihre seltsamen Namen:
Der augenlose Hitlerkäfer gehört zu den Laufkäfern. Er frisst kleines Höhlengetier, das ihm vor die kräftigen Kieferzangen läuft.

TELEPOLIS thematisiert die Frage, welchen Hintergrund denn denn die angeblichen Anschlagsversuche auf englische Airlines hätten. Zwar ist TP bekannt für eine gewisse Nähe zu Verschwörungstheorien, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, daß ein krasses Mißverhältnis besteht zwischen der Rhetorik, mit der das Ereignis verkauft wurde und den Informationen, die dazu geliefert werden. Wenn von “Massenmord” “unvorstellbaren Aumaßes” die Rede ist, sollte doch etwas dahinter stecken?
Daß Deutsche sich Massenmord nicht vorstellen können, hat ja seine Gründe, daß aber die angloamerikanische Presse “Faschismus” inzwischen stets bei Islamisten sucht, nimmt wunder. Ist Verdrängung ansteckend?
Die Lehre, die es zu ziehen gilt, ist jedenfalls: Der Faschist ist fremd, geheim und unsichtbar, stets gefährlich, und in seinen Händen wird alles zur Waffe. Der Westmensch hingegen hat nichts zu verbergen, macht alles mit, und in seinem Kopf findet jeder Schwachsinn ein kuscheliges Plätzchen.

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