Währenddie Kosten im Hochschulbereich dramatisch zu steigen drohen und Studiengebühren das Loch nicht einmal stopfen können, geschweige denn Haushalte sanieren, ist der Protest gegen die Bildungsgebühr bereits im vollen Gange. Die Welle bricht sich also über der aktuellen Generation von Lehrenden und Lernenden. Die Welle, die seit den 70er Jahren immer wieder zu Protesten geführt hat, aber niemals zu Lösungen. Weil im Bildungssektor wie überall, wo echte Reformen nötig gewesen wären, seit den 70ern, in denen nur die dümmsten hoheitlichen Rituale abgeschafft wurden, nichts passiert ist. Professoren regieren unangefochten, einen Mittelbau gibt es nicht, die Verwaltung ist ineffektiv, und die Frage, wie man Schüler in eine postindustrielle Gesellschaft integriert, ist noch nicht einmal gestellt worden. Jedenfalls nicht da, wo Entscheidungen gefällt wurden.
Aber was soll’s? Die Zustände werden ja nur wieder noch schlimmer. Und das hat uns damals auch nicht geschadet.
2006
Studieren im Salat der 70er
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18. Jun 2006 23:16
Der vorletzte Linke in der SPD, Ottmar Schreiner, nährt den Verdacht, daß ein Politiker mit Verstand heutzutage zwangsläufig als “links” gilt. Der festgelegte Kurs der Bundesregierung, den der Bürger für politisch mittig halten soll, läßt nämlich arg an sozialer Weitsicht zweifeln. So ist die zu erwartende Rente des Durchschnittsverdieners nicht mehr auf Sozialhilfeniveau, wenn die Pläne von Merkel und Münte so umgesetzt werden wie derzeit vorgesehen. 37 Jahre lang müßte ein Normalverdiener einzahlen, um mehr zu bekommen als jemand, der gar nicht einzahlt. Würde eine Regierung auf die Idee kommen, so etwas von Selbstständigen oder Großbesitzern zu verlangen, wäre das Geschrei unüberhörbar und die Rede von “Enteignung”. Nicht zu Unrecht übrigens!
Höchste Zeit, Herrn Schreiner aus der Partei zu werfen. Sachliche Einwände stören nämlich den Koalitionsfrieden und können am Ende zu der Erkenntnis führen, daß die angeblich “sozial”demokratische Partei ein überflüssiger Etikettenschwindel ist.
Kein Wort wollte ich verlieren über diese WM, aber was bleibt einem, wenn man mitten drin lebt?
Einige Begebenheiten sind auch zu putzig:
Zum Besipiel daß die polnischen Reisebusse häufig ganz kleine Fenster haben und grünweiß lackiert sind. Apart!
Das Spiel haben sie wohl verloren, nicht wahr? Regelrecht sturmreif geschossen wurden sie und am Ende bitter bestraft. Das freut den Deutschen, der nunmehr an Gewaltbereitschaft seinem Nachbarn im Osten das Wasser nicht mehr reichen kann. Um viertel vor sechs steht hier auch kein Mensch mehr auf. Siegen geht also nur noch friedlich.
Aber der Anlaß, das Turnier doch zu erwähnen, ist ein Dialog, den ich hier zu Protokoll geben möchte. Die Leser sind aufgerufen zu erraten, welchen Geschlechts die Beteiligten sind:
A: “Was tippst du, wie das Spiel ausgeht?”
B: “3 zu zwei. Oder zwei zu eins. Oder eins zu null.”
A: “Du mußt dich schon entscheiden.”
B: “O.K. Dann eins zu eins.”
Bundestagsabgeordnete unterstützen Terror
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13. Jun 2006 11:39
Nach dem jüngsten Terrorabgriff auf die U.S.A. fallen ihnen jetzt auch wieder die Bündnispartner in den Rücken. Die Angreifer schlugen zu, wo Amerika derzeit am verwundbarsten ist: Auf Guantanamo. Drei derer, die sich verhaften ließen und ohne Urteil jahrelang dort einsaßen, haben sich selbst getötet. Diese Selbstmmordanschläge sind besonders deshalb so perfide, weil sie unter strengster Bewachung stattgefunden haben. Das müssen sie jahrelang trainiert haben!
In Deutschland unterstützen sie dieser Tage die Terroristen. Immerhin der Bundestagsvizepräsident und der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags nehmen die Angriffe zum Anlaß, den Bündnispartner zu kritiseren und die Schließung von Guantanamo zu fordern. Polenz spricht gar von einer “Form staatlicher Willkür”. Dabei sollte er wissen, daß Guantanamo zu gar keinem Staat gehört und im Zweifelsfall ein Teil Cubas ist.
Allein auf die Bundesmerklerin ist Verlaß. Sie pflegt noch immer ein herzliches Verhältnis zu ihrem Amerikapräsidenten. Nur hat sie den eigenen Stall nicht im Griff. Es ist an der Zeit, die Nörgler und Sympathisanten aus der Berliner Quasselbude zum Schweigen zu bringen.
Im Interview mit der ZEIT äußert sich Romano Prodi über seine Politik nach Berlusconi. Dessen Regime bezeichnet er im Einklang mit den Interviewern als “postdemokratisch”. Die Rolle der Medien spielt für Prodi eine entscheidende, verblödende Rolle in der Politik. So stellt er fest: “Bei diesen Wahlen haben rund 70 Prozent der Akademiker für mich gestimmt. 70 Prozent!” und
“Je weniger Stunden die Leute vor dem Fernseher verbringen, desto eher wählen sie die linke Mitte. Das ist die mathematische Gesetzmäßigkeit der Postdemokratie.”
Letzteres ist eine spannende These. “Postdemokratie” in diesem Sinne ist dann allerdings festgelegt auf eine kapitslistische Gesellschaft. Gleichermaßen Ware wie Herrschaftsinstrument, sind die Medien in einer solchen Gesellschaft denen ein Dorn im Auge, die sich nicht verdummen lassen wollen und die nicht von der Wirtschaftsordnung profitieren. Sie finden im Fernsehen also weder Hirnfutter noch eine Abbildung ihrer Lebenssituation. Diese Menschen sehen weniger fern und wählen eher links. Vor allem natürlich dann, wenn die Rechten sowohl die Medienlandschaft als auch den Staat kontrollieren.
Denkbar wäre theoretisch aber auch das Gegenteil: Eine vollständig staatlich kontrollierte Medienlandschaft, die den Sozialismus preist und auf ihre Weise die Massen verdummt. Nicht zwangsläufig also neigen Vielfernseher zum rechten Spektrum, vielmehr neigen sie zur Affirmation, sie mögen keine Veränderung und wählen den, der an der Macht ist.
Schließlich, das ist der Stand der Dinge, ist auch ein von Linken regiertes Land ein kapitalistisch organisiertes. Von daher bleiben private Medien in der Hand von Eigentümern, die ein vitales Interesse an einem begrenzten EInfluß des Staates haben – solange sie nicht, wie Berlusconi, selbst glauben, der Staat zu sein. Von daher haben die Privatkanäle sogar eine Kontrollfunktion, die fruchtbar sein kann für ein politisches Spektrum.
Eines aber zeigen alle Varianten der Organisation von Macht und Medien: Die schlechteste aller Möglichkeiten sind unkritische Medien und Machtkonzentration. Man kann, ganz folgerichtig, geradezu hören, wie Italien aufatmet. Zumindest der Teil, der noch schreiben und lesen kann.
Wahnsinnig modern dieses Merkel! Nicht nur, daß sie uns wie alle hundsmiserablen Werbetreibenden derzeit mit der Fußball-WM kommt, sie kommt uns auch noch per “podcast”. Ich weiß nicht genau, was das ist, aber es sieht aus wie eine schlecht synchronisierte Neujahrsansprache. Dabei liest sie ähnlich enthusiastisch vom Teleprompter ab wie der Präsidentendarsteller. Achja, und das ganze findet “im Internet” statt.
Diese Totgeburt wird wohl nicht lange das Netz belasten, so etwas schauen sich freiwillig nicht einmal gerontophile Masochisten zweimal an. Die Phrasendreschmaschine, die Frau Merkel dort bedient, krankt bei ihrem Debüt vor allem an einer schmerzhaften Inkongruenz: Sie spricht da dauernd von “fröhlich”, “freuen” und “Freude”. Dabei springt ihr die Last ihrer erbarmungswürdigen Existenz derart aus dem Gesicht, daß man nicht weiß, ob man zuerst sie oder sich selbst abfüllen soll, um das halbwegs erträglich zu gestalten.
Immerhin: Der Trailer ist cool. Angie mit all den berühmten Leuten, was sind wir stolz auf sie!
Geld und Politik werden hierzulande ja noch gern behandelt, als gäbe es da einen deutlichen Trennstrich zu ziehen. Der gemeine Wähler neigt gar dazu, eine Verquickung von finaziellen und politischen Interessen als “korrupt” zu bezeichnen und moralisiert gern gegen jene, die sich die Taschen vollstopfen.
Wie naiv! In der Champions League spielt man anders. An der Weltspitze ist es weniger gemütlich, und wer Erfolg sucht unter den Erfolgreichen, muß das Anspruchsdenken in der Hängematte zurücklassen. In den U.S.A. weiß man, wie das geht: “Steuern runter!” heißt es dort, denn das belebt das Geschäft. Wenn also bald die Erbschaftssteuer für Multimillionäre abgeschafft sein wird, bringt das eine Menge Geld, das nicht nur die Wirtschaft in Schwung bringt, sondern auch reichlich für karitative Zwecke zur Verfügung steht. Zum Beispiel für den Wahlkampf der Republikaner.
Und damit das auch nachaltig den Haushalt nicht belastet, kürzt man bei der Krankenversicherung, die eh ihren Namen nicht verdient. Wie sagt man da? Bleiben Sie gesund!
Nach dem Krieg ist vor dem Krieg
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07. Jun 2006 22:03
Was hat die Bush-Regierung aus dem Desaster des Irakkriegs gelernt? Daß man keine brutalen Kriegstreiber unterstützt, nur weil sie Feinde der Feinde sind? Daß man eine Krisenregion nicht aufrüstet, weil sich die verteilten Waffen nicht nur gegen Unschuldige, sondern sogar gegen den edlen Spender selbst richten können? Daß man besser mit den UN kooperiert anstatt gegen sie zu arbeiten? Daß es überhaupt besser ist, den Frieden zu fördern als Kriege zu führen?
Nein.
In Somalia werden Warlords mit Geld und Waffen überhäuft, um dem bösen Terror entgegenzutreten. Sinistre Bandenführer werden zu Alliierten, ganz wie dereinst die Taliban, als es gegen die Russen ging.
Der Umgang mit den Vereinten Nationen ist derweil so dreist und rüde wie in den goldenen Zeiten vor Desert Storm. Wer die U.S.A., ihre Regierung oder sonst etwas vereint-amerikanisches kritisert, wird sogleich zur Beichte bestellt und mit Drohungen belegt. Ein solch diplomatisches Verhalten leisten sich sonst nur die gestörten Freaks, die jeden Donnerstag das Tor zur Hölle aufstoßen, um Ungläubige abzuschrecken. Sic transit gloria mundi.
Das Abendland schlägt zurück
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06. Jun 2006 21:22
“Wenn deine Hand dich zum Bösen verführt, dann hack sie ab! [...]
Verführt dich dein Fuss dazu, böse Wege zu gehen, dann hack ihn ab!
[... ]Wenn dich dein Auge zur Sünde verführt, dann reiss es heraus”, so wird Jesus von Nazareth im Markusevangelium zitiert. Das ist schon quite hard stuff, aber es geht noch härter. In Australien sind sie so weit, daß sie sich das Auge ausreißen, wenn sie nur jemandem begegnen, der zur Sünde verführt wurde, will heißen: Weil in Sydney Jugendliche mit ihren pulsierenden Karren durch die Gegend heizen und die Leute mit ihrer Plärre volldröhnen, geben sich die Einwohner dort öffentlich, laut und freiwillig Barry Manilow ! Das sei so uncool, daß es Jugendliche abschreckt, so glauben die Initiatoren dieses Geniestreiches. Ob es auch Terroristen abschreckt, wenn man sich öffentlich selbst ausweidet und den Kopf abschneidet? Gleich mal ausprobieren!
Angesichts von so viel Blödheit und Verkalkung muß man sie ja glatt mal loben – die Jugend von heute!
Zechpreller zu Gast bei Freunden
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05. Jun 2006 14:32
Immer noch streitbar und einer der letzten echten Liberalen in der F.D.P. ist Burkhard Hirsch, der sich jüngst zum Sicherheitswahn während der Fußball-WM geäußert hat. Seinen sehr differenzierten Betrachtungen wird kaum jemand in allen Aspekten zustimmen, gerade deshalb aber sind sie ein Zeichen von Charakter und Intellekt. Eine Aussage gefiel mir besonders gut, sie betrifft die Haltung derer, die glauben, sie hätten ja nichts zu verbergen und denen es deshalb wurscht ist, welchen Einfluß Überwachung auf den Zustand der Gesellschaft hat:
“Aber der normale Bürger hat das Gefühl: Ich werde davon nicht berührt. Er will für sich selbst mehr Sicherheit und sie mit der Freiheit der anderen bezahlen. Das ist politische Zechprellerei.” Hier denkt jemand die Freiheit des Einzelnen mit der Verantwortung vor der Gemeinschaft zusammen. Das nenne ich “verantwortungsbewußte Politik”.
