Hintergrund


Ewig lockt es, und nun sitzen alle nur noch vor dem Rechner wie das Kaninchen vor der Schlange. Porno versaut nicht nur Kinder, sie zerstört auch Beziehungen, macht Arbeitsscheu und frißt unser Rückenmark.
Ernstzunehmen, das weiß jeder, der surft, ist der allgegenwärtig verlinkte Spam, wenn man nicht möchte, daß Kinder unbekannten Menschen beim Coitus zuschauen. Das ist ein weites Feld. Einerseits halte ich Pornographie für weniger verwerflich als die noch präsentere Gewalt im Fernsehen, andererseits wäre es schön, wenn es dafür Grenzen gäbe. Die Lösung kann wohl nur sein, daß man Kinder, die noch nicht reif für solche Darstellungen sind, nicht alleine surfen läßt. Zeit mit den Kleinen zu verbringen, schadet ganz allgemein nicht.
Den Rest kann man getrost vergessen. Ob Porno in Heftchen, auf Videos oder eben im Internet einen Einfluß auf Beziehungen hat, kommt immer noch auf die Beziehungen an. Was soll der Blödsinn, nur die angenblich schädlichen Wirkungen von Porn aufzuzählen und so zu tun, als sei das die ganze Wahrheit? Eine Ahnung habe ich ja: Sex sells, und womöglich werden die hier vorfindlichen Begriffe auch dazu führen, daß mehr Besucher sich in dieses Blog verlaufen?

Sie scheinen undaufhaltsam, die Verbrecher, die jährlich Schäden in Millionenhöhe anrichten und zentausende Arbeitsplätze vernichten: Urheberschutz-Terroristen. Zwar ist es löblich, wenn ein Hamburger (sic!) Jurist Hoffnung macht mit den Worten: “Wir können alle erwischen”, aber das kann nur gelingen, wenn man mit der angemessenen Härte vorgeht. So ist etwa die Rasterfahnung auch dann oft erfolgreich, wenn sie illegal ist. Das sollte doch ermutigen! Die Fahnder ihrerseits stoßen auf vollstes Verständnis in der Bevölkerung, wenn sie es mit den Vorschriften nicht so genau nehmen – schließlich hält sich der Gegner auch nicht daran.
Daß allerdings nur Leute ernsthaft verfolgt werden, die mehr als 500 Titel per Download gestohlen haben, ist nicht hinzunehmen. Jeder Download ist ein Verbrechen und muß geahndet werden. Auch daß in einem Fall die Schadenersatzsumme von 40 Millionen Euro auf zehntausend gesenkt wurde, zeigt nur, wie verweichlicht dieser Staat ist.
Die einzige Hoffnung, die wir sehen, ist ein zentrales Schnellgericht für Downloadverbrecher mit angeschlossenem Straflager. Wie man hört, wollen Hamburgs Juristen eine demgemäße Petition einbringen.

Sährr mööde.
Darum lasse ich mich zu einer Schandtat herab, die unter Bloggern, Bloglesern und Blogwarten berechtigterweise als schändlich, ungehörig und strafverschärfend gilt: Einen Artikel unkommentiert zu posten! SPIEGEL

“Der bei einem Angriff in Potsdam schwer verletzte deutsch-Äthiopier befindet sich nicht mehr in akuter Lebensgefahr“. Ein “Togoer”, der ebenfalls auf offener Straße zusammengeschlagen wurde, hat das Glück, daß sein Schädel-Hirn-Trauma nicht lebensgefährlich ist. Es ist also gar nicht so schlimm. Verdächtige wurden in beiden Fällen festgenommen, obwohl die Ermittlungen schwierig sind. Oft gibt es kaum Anhaltspunkte, woher die Täter kommen. Die naheliegende Unterstellung, es handle sich um ausländische Täter, weil Ausländer eher kriminell sind, hilft der Polizei oft nicht weiter.
Dabei ist in Deutschland die Aufklärungsquote noch recht hoch, verglichen etwa mit dem Irak oder Israel, wo sich die Einzeltäter durch Unkenntlichmachen ihrer Person oft nicht nur der Verhaftung, sondern auch der Identifizierung entziehen. Allerdings verzeichnen die Behörden dort deutlich weniger Wiederholungstäter.
Alles in allem kann man aber nicht sagen, in Deutschland sei man weniger sicher als anderswo.

Nachrichtenarmut ist ein schreckliches Leiden, insbesondere in einem Land, in dem die Versorgung der Armen immer schwieriger wird. Aber ist das ein Grund, das unreflektierte Geblöke frustrierter Olli Kahn-Fans bis in deb hintersten Winkel zu verbreiten? Was geht’s etwas DIE ZEIT an, warum wer wann die “Torwartfrage” entscheidet? Und was ein “Stephan Lebert” da labert, ist so erbarmungswürdig infantil, daß wir eine Stunde Bällchenbad zum Abkühlen empfehlen.

Warum die Spritpreise vor Ostern steigen, sollten wir eigentlich wissen: Es ist der Weltmarkt, es sind die hohen Steuern, der Luftdruck und die Krise der Krankenkassen. Der Weltmarkt zum Beispiel zeitigt vor jedem Ferienbeginn Preiserhöhungen. Die Steuern natürlich auch. Wer also die Entwicklung des Marktes und die Auswirkungen von Steuern auf Preise kennen will, und zwar auf den Tag genau, muß nur in seinen Kalender nach den Ferienterminen gucken. Von den ganzen Deppen, die glauben, man müßte dafür Wirtschaftswissenschaften studieren, sollte man sich nicht irrititeren lassen.
A propos Wahrheit: Wer die wissen will, muß nur zu Berlusconi gehen. Der weiß immer ganz genau, wer sich gerade wie gegen wen verschworen hat, in der Regel natürlich gegen ihn. Er hat sich selbstlos für sein Land aufgeopfert wie weiland der Heiland, und wie dankt man es ihm? Wie man hört, wurde ihm Asyl in Weißrußland angeboten. Sagen Sie jetzt nichts, und

Er ist ein Verlierer, wie er Demokrat ist. Wenn er eines Tages mit einem Zettel am Zeh in der Pathologie schläft, wird man ihm die unterste Schublade zuweisen. Silvio Berlusconi will neu zählen lassen, und zwar so lange, bis Prodi verloren hat. Allerdings könnte das Ding heftig nach hinten losgehen. Hat man ihn nicht schon kurz nach der ersten Hochrechnung toben hören: “Wie konnte das passieren? Ich habe tausende Wahlhelfer bezahlt, damit das nicht passiert!” ?
Hat man nicht, richtig. Aber wie wir den großen Duce, den Vater der letzten Republica, den Primus inter Primis kennt, hat er getan, was er konnte. Es hilft jetzt niemandem, wenn die Welt und Italien noch einmal drastisch vor Augen geführt bekommen, was er alles getan haben mag für einen Sieg, der trotzdem keiner wurde.

Einen Drückeberger erwischt haben THW und Bundeswehr, wodurch der Nation Schlimmes erspart blieb. Der Mann, der tagelang für die Feuwerwehr Schnee von den Dächern schippte, anstatt mit derselben Tätigkeit seine Stunden beim THW abzuleisten, erhielt sofort einen Einberufungsbescheid zur Bundeswehr. Der Bursche hat offenbar nicht begriffen, daß nicht sein soziales Engagement, sondern sein Gehorsam gefordert ist. Man stelle sich vor, jeder könnte selbst entscheiden, mit welchem Schüppchen er sein Eimerchen füllt, womöglich noch, ohne das Schüpchenfüllformular FSF 3/1 auszufüllen! Heerscharen langhaariger Formularverweigerer fallen wie die Heuschrecken über unsere Dächer her und schippen illegal Schnee, während die Ein-Euro-Jobber von den Arbeitsagenturen abgemahnt werden müssen, weil für sie kein Platz mehr auf dem Dach ist. Ein Lob dem wachsamen Denunzianten von THW!

Das “WM-Jahr” interessiert mich nicht. Ich bin weder ein ausgesprochener Fetenmuffel noch jemand, der keine Ahnung von Fußball hat, aber das Ereignis, das keines ist, nervt, schlimmer noch als Weihnachtssterne im September.
Zum Beispiel Radio: Seit Monaten halten Werbeagenturen es für eine Supiidee, unschuldige Autofahrer vor den Nachrichten hysterisch anbrüllen zu lassen. Alles, was irgendwie so zurechtgebrochen werden kann, daß es etwas mit Fußball zu tun haben könnte, wird derart angepriesen. Für die Hörer ist das purer Streß, müssen sie doch während der Fahrt Zettel und Stift bedienen, um zu notieren, was sie nie wieder kaufen wollen.
Zum Beispiel Politik: Alle müssen plötzlich vom Fußball reden statt ihren Job zu machen und so tun, als hätten sie schon immer gewußt, was Abseits ist. Mir ist wurscht, ob Merkel das Wunder von Bern kennt, solange sie uneseren Soli nicht dorthin überweist.
Was ist überhaupt mit Fußball? Haben sich die Experten eigentlich je gefragt, wer Jürgen Klinsmann ist und was er vorhat? Offenbar nicht. Warum ist die deustche Abwehr so löchhrig? Warum setzt er ständig unerfahrene Verteidiger ein? Wie konnte es geschehen, daß die ganze Welt weiß: Da kannst du beim Durchspazieren ruhig einen Haken extra schlagen – die tun nix!?
Liebe Fußballfreunde, der Mann ist Stürmer! Abwehrspieler kann er nicht leiden. Die Typen, die ihm seine historische Torflaute beschert haben, müssen jetzt endlich bluten.
Laßt ihn also besser die Spiele 4:3 gewinnen, dann wird alles gut. Und für alle, die nicht auf dem Platz stehen heißt es: Klappe halten und an die Arbeit!

Wie letzte Woche gemutmaßt, geht das Gemerkel weiter. Jetzt hat sie “zu einer Expertenrunde mit den wichtigsten DFB-Vertretern geladen“, um den Deutschen Fußball auszudiskutieren. Das wird sicher helfen. Das Innenministerium und das Auswärtige Amt haben bereits Unterstützung zugesagt und wollen Flachpaßfälscher bereits an der Grenze abweisen. Zur Gefahrenabwehr (vulgo: deutsche Viererkette) werden die Stadien durch zusätzliche Barrieren gesichert (Zaun vors Tor).
Gut, das ist nicht sehr witzig, aber ist ein Fußballgipfel bei Angie vielleicht weniger deprimierend?
Immerhin sind wir dem Bündnis für Currywurst damit einen großen Schritt näher gekommen, für das ich bereits ein für alle demokratischen Parteien zustimmungsfähiges Konzept erarbeitet habe.

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