Wer wissen will, was der Begriff “Nützlicher Idiot” meint und wie man sich zu einem macht, dem sei die Lektüre eines Artikels von Christian Denso empfohlen. Er enthält alle die Merkmale hanswurstiger Radfahrermentalität, die einen schmierigen Schreiberling ausmachen, welcher vor dem vemeintlichen Common Sense nicht tief genug buckeln kann. Nach unten trampelt er ungeniert herum auf einem Popanz, einem Stereotyp der irgendwie Anderen, einem Einzelnen, scheinbar isolierten, dem er mächtig am Zeuge flicken kann, und einem willkürlich Mitgehängten.

Jörg Tauss, der unter Verdacht stehende Kinderschänder und seine finstren Komplizen aus dem Netz, die aus Gründen keine Internetsperren wollen, sind in seinem Stück die Bösen. Der eine ist verdächtig und damit so gut wie überführt, die anderen wollen ihn partout nicht verurteilen. Um diese Kulisse zu stützen, ist keine Lüge zu simpel gestrickt, und wer jedwede Informationen erwartet, wird lange suchen müssen. Daß etwa das “Sammeln von Kinderpornographie” eine “Lappalie” sei, ist mir in der dreistelligen Zahl der Artikel zum Thema, die ich gelesen habe, nicht ein einziges Mal begegnet. Diese Haltung den “Piraten” zu unterstellen, ist allemal eine Lüge, und wie es sich gehört, gibt es für das vorgebliche Zitat auch keine Quellenangabe.

Wenn man wissen möchte, was Tauss da genau gemacht hat, muß man sich mit den Fakten auseinandersetzen. Ich selbst habe zunächst gedacht, daß jemand kaum so dämlich sein kann, private Recherchen zu betreiben, ohne sich abzusichern. Befaßt man sich näher mit Tauss, kann man allerdings zu dem Schluß kommen, daß der Mann zu so etwas fähig ist. Vor allem aber die Feststellung der Ermittler, man habe bei Tauss “szene-untypisch wenig Material” gefunden, ist ein sehr starkes Indiz dafür, daß er kein Pädophiler ist. Ich halte also fest: Tauss hatte Gründe, in der Szene zu recherchieren, da er als Bundestagsabgeordneter mit dem Thema beschäftigt war. Es finden sich entlastende Indizien. Er wird dennoch verdächtigt und hat sich überdies den Buchstaben des Gesetzes gegenüber unkorrekt verhalten. Er hat sich nicht abgesichert, was dämlich ist und Zweifel an seiner Unschuld begründet. Es hat seinen Ruf und seine Karriere ruiniert.

Nun hat sich Holger Klein als einer von hunderten zur Causa Tauss geäußert und festgestellt, daß das Timing der Veröffentlichung der Vorwürfe anrüchig sei. Zufällig zu einer Zeit, da Tauss der qualifizierteste Bundestagsabgeordnete wäre, der sich zum Thema Internetsperren äußern kann, ist er de facto mundtot gemacht, gerade weil man ihm unterstellen wird, er verteidige die Rechte Pädophiler. In hunderten von Blogs wurde spekuliert, argumentiert und kommentiert, wahrlich nicht nur im Sinne der Reinwaschung von Jörg Tauss.
Denso greift sich willkürlich einen raus, den er am Nasenring herumführen und ihn mit seinen üblen Pauschalverdächtigungen behängen kann. Google macht’s möglich.

Anstatt sich mit Fakten zu beschäftigen, sei es in bezug auf die Stopschilder oder die Causa Tauss, wird hier ein bigottes Moralgewäsch veranstaltet, dessen Niveau nicht einmal die Kante des Stammtischs erreicht. Mit den Schlußworten “Jede Gemeinde sucht sich den Helden, den sie verdient” gerät das unwürdige Spiel endgültig zum russischen Journalisten-Roulette. Hier gibt sich einer ohne Not die Kugel, in dem Glauben, er hätte jetzt aber mal ganz feste Tacheles geredet. Was sich als meinungstark geriert, ist aber eben alles andere. Keine Ahnung, keine Meinung, und wer in einem solchen Nebel von Klischees behauptet, dies sei seine “Meinung”, lügt, wenn er “ich” sagt.

Ich habe gar nichts dagegen, wenn sich einer weit aus den Fenster lehnt und auf den Putz haut. Im Gegenteil wäre es mir ausgesprochen sympathisch, wenn Verleger, Redakteure und Autoren öfter einmal auf vorgeschobene Ausgewogenheit verzichteten. Aber bitte nicht fernab aller Fakten, ohne jede Recherche und dann noch wie Richter Gnadenlos persönlich.

So etwas steht also in der “Zeit”. Ein wunderbares Beispiel für den Untergang des Journalismus durch die Macht des Internets. Niemand hier draußen kann mit solchem Mist bestehen. Einige schreiben ganz schönen Käse, aber auf diesem Niveau will das niemand lesen. Die Presse leistet sich das dennoch und behauptet weiterhin dreist, sie habe höhere Qualitätsansprüche. Dieser Artikel zum Beispiel ist aber so schlecht, daß er Wirkung entfaltet. Kaufe ich ein Blatt, das ja tatsächlich einmal für Qualität stand, wenn es mir solchen Schund zumutet? Sicher nicht.

Aber es kommt noch dicker: Das Netz ist nämlich gnadenlos, es hat das totale Gedächtnis. Christian Denso hat sich hier verewigt. Er mag vielleicht gedacht haben, sich der Majestät anzudienen mit diesem Akt eifriger Überanpassung. Was aber bleibt, ist ein handwerklich unterirdischer Artikel, der zudem noch menschlich äußerst fragwürdig ist. Mit einer solchen Bürde wird man als Autor nicht alt, wenn man ernstgenommen werden will.