Hintergrund


Immer noch Vogelgrippe. Das Krankenhaus Deutschland hatte selten so viel Spaß an der gepflegten Panik. Die gute Nachricht: Da nicht mit einem Aussterben des Virus’ zu rechnen ist, können wir ewiglich seine Reise beobachten, Tabletten horten, uns gegen Krankheiten impfen lassen, die niemand hat, zittern und beten. Dabei wäre Prophylaxe so einfach:
“Der Bürger kann zurzeit nicht mehr tun, als die wichtigsten Ratschläge zu befolgen: in Rumänien und der Türkei keine Hühner streicheln” (https://www.zeit.de/2005/43/01___leit_2_43?page=2).
Ganz schön happig, was da verlangt wird, und irgendwie undemokratisch. Aber in Zeiten der Not muß man wohl solche Opfer bringen.
Wie immer lacht auch der Markt: Desease-Design ist groß im kommen! Da wird der Pickel zur Pestbeule, das Hämatom zum Kaposi-Sarkom und der Raucherhusten zur Tuberkolose. Gegen all das lassen sich wunderbar nutzlose Dinge tun und teure Arzneien kochen. Neue Formen der Psychotherapie werden den Menschen helfen, mit ihrer Angst zu leben. Und wenn die Wirtschaft endlich wieder wächst, fährt die Selbsthilfegruppe in die Türkei und streichelt die selbst mitgebrachten Hühner angstfrei ins Koma.

Es gibt Diskussionen, die allein schon deshalb verboten gehören, weil sie unter völlig falscher Flagge fahren. So falsch, daß am Mast keine Fahne hängt, sondern eine Unterhose oder dergleichen. Das Niveau des Geschreis um angeblich oder tatsächlich mißbräuchlich beantragte Hilfen zum Lebensunterhalt wird nur noch durch den Titel unterboten, mit dem es überschrieben ist: “Hartz-IV-Mißbrauch”!
Was ist das denn, bitte? Pflügt da jemand mehrfach durch den Unterbau eines Managers? Wird derselbe falsch zur Anwendung gebracht? Oder benutzt jemand vielleicht das letzte Kapitel des Konzeptes zur sogenannten “Reform des Arbeitsmarktes”, um sich damit abzuwischen? Wäre das verwerflich?
Nicht allein die Bezeichnung “Hartz IV” für “ALG II” oder auch “sozialer Abstieg” ist zu bemängeln. Schonder Begriff des “Gebrauchs” hinkt hier. Wie sollte man sich wohl den Gebrauch von “Hartz IV” vorstellen?
“Hast du mal ein Hartz IV?”
“Sicher, aber das brauche ich gerade selber.”
Treffender ist da schon die Feststellung, daß “Bevölkerungsgruppen unter Hartz IV fallen.” Lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf, wenn Sie sich vorstellen, was damit gemeint sein könnte!

Wunderbare Ideen haben manche Menschen. Und weil ihre Phantasie so beglückend ist, laden sie ihre tollsten Einfälle großzügig dem Nachwuchs auf, auf daß der sein Leben damit zubringt, es anderen zu erklären.
“Oliver Kai Google” heißt ein armes Schwedenwurm nun. (https://tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID4867530_TYP6_THE_NAV_REF_BAB,00.html)
Da tun sich nicht nur Abgründe auf, sondern, wie immer, auch Märkte!
Bleiben wir aber noch einen Augenblick bei den (Ab-)Gründen für die Namensgebung. Der Vater des Opfers ist Sofware-Entwickler. Seinem Besipiel folgend, könnten zum Beispiel Autobauer ihre Kinder “Porsche” nennen oder Fußballer die ihren “Werder” oder “Schalke”. Besonderer Beliebtheit dürfte sich aber hier bald der Vorname “Hartzvier” erfreuen. Vielleicht ginge dann ein Ruck durch Deutschland?
Sicher ein Wirtschaftsaufschwung, denn es kann nicht lange dauern, bis die Kinder “Marlboro”, “e.on” und “Signaliduna” heißen. Nicht wegen beruflicher Verbundenheit, sondern gegen Cash. Ein Hoffnungsschimmer auch für den Einzelhandel?

Gibt es nur eine deutschsprachige Nachrichtenagentur, von der alle abschreiben? Sogar die NZZ ödet heute mit Münte, Gerd und Angela. Seit Tagen werden Minister vorgestellt, die keine sind und z.T. auch keine werden. Außer dem neuen AA-Chef alles alte Gesichter, auch wenn sie als “jung” gelten. Was soll man dazu sagen? Lassen wir sie doch erst mal arbeiten, auch wenn es bisher so aussieht, als sei die Losung “Hauptsache Minister” ausgegeben worden. Was soll die Welt mit einem Umnweltminister Gabriel? Will man den Mann kaltstellen? Und seit wann versteht der etwas von dem Ressort?
Wer ist Frank-Walter Steinmeier? Man muß dem Mann wohl dankbar sein, daß er quasi Otto Schily verhindert hat, aber qualifiziert ihn das?
Oh, jetzt rede ich auch schon über den Blödsinn, über den alle reden!
Wo sind die mutigen Zeitungsleute? Wo die originellen Nachrichtenagenten? Solche Zeiten muß man nutzen, um gut gefütterte Enten zu lancieren. Aber sicher haben sie Angst, daß man die an der Grenze abfängt und unter Quarantäne stellt. Ich glaube, ich gehe wieder ins Bett!

In Oldenburg haben Physiker eine Idee von Albert umgesetzt und ein 300 kg – Monster von Kühlschrank gebaut. (https://www.wz-newsline.de/sro.php?redid=4365&ID=304735) Der Kühleffekt beruht auf dem Verdampfen von Alkohol, angetrieben wird das Ding nicht durch Strom, sondern durch Wasser. Davon verbraucht es allerdings bis zu 300 liter pro Stunde.
Solche Einfälle haben deutsche Akademiker. Was oberflächlich betrachtet so aussieht, als sei es ökologisch motiviert, hat psychologisch betrachtet ganz andere Hintergünde. Man muß sich nur einmal in die Maschine einfühlen. Ich bin ein Kühlschrank. Ich wiege 300 kg, verdampfe Alkohol und brauche 300 liter Wasser.
Erfahrene Hochschulabsolventen denken da weniger an Physik, sondern stellen die rhetorische Frage: “War hart gestern, ne?”

Dresden wählt! Um Gottes Willen, wie konnte das geschehen? Kann er das zulassen?
Nur ein Spaß, denn die Ergebnisse sind völlig bedeutungslos. Wenn man einmal davon absieht, daß unter den gegebenen Umständen eine zu große Mehrheit der CDU für sie zum “Verlust” eines Bundestagsmandats führen kann. Tatsächlich ist natürlich auch das nicht richtig, denn sie können nichts verlieren, was sie nicht haben, und man vergißt leicht: Die Stimmen der gesamten Wahl sind erst ausgezählt, wenn Dresden fertig hat.
Bemerkenswert ist nur der Rummel um nichts, den die Sondierer und Anspruchsteller in Sachsen machen, und delikat obendrein. Man kann sich also einmal in Ruhe anschauen, was Wahlkampf eigentlich bedeutet, in einem gänzlich sinnentleerten Zusammenhang. Dies ist eine Übung, nehmen Sie es nicht zu ernst! Die Sachsen werden es verschmerzen, sie kennen sich zum großen noch Teil noch aus mit Wahlen, die keine sind.
Mich erinnert das an das Bügeleisen von Man Ray, eine geniale Darstellung der Zweckfreiheit, was uns lehrt: Politik ist Kunst!
Große Koalitionen, so darf man daraus schließen, sind große Kunst.

Wer ist eigentlich IFO? Das Institut, das uns den kalten Kaffeesatz liest, befragt regelmäßig “Firmen” (siehe auch https://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,376849,00.htm), wie es ihnen geht. Bzw. wie es ihrer Zukunft geht. Als ob das nicht Magie genug sei, wird das “Ergebnis”, dessen Qualität wir anhand der Wahlprognosen der Kollegen Demoskopen erahnen, mit den “Erwartungen” von Volkswirten abgeglichen. Wir dürfen annehmen, daß diese sich nicht an unseriöser Spökenkiekerei beteiligen, sondern ernsthaft ihre Kristallkugeln befragen.

Das sollen sie ruhig tun, denkt man. Allein, dieser Mumpitz hat regelmäßig unerhörte Folgen. So manchem Manager ist schon vor Schreck der Kaffee in den Kristallascher geschwappt, so daß er daraufhin unverzüglich verantwortlich handeln mußte – und flugs ein paar Leute entlassen hat.

« Vorherige Seite