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Juli 2013


 

In einem Artikel von 2007 – mein erster mit mehr als 10000 Lesern übrigens – habe ich von meinen Erfahrungen mit SchülerVZ, dem dortigen Datenschutz und den problematischen Zugangsvoraussetzungen insbesondere für Eltern berichtet. Im Rückblick finde ich vor allem den suggestiven Druck widerlich, mit dem Kindern und Jugendlichen dort eingetrichtert wurde, dass Datenschutz und Zurückhaltung uncool sind. 2010 war der Laden noch Marktführer, seit dem 01.05 2013 ist er dicht.

svz

 
weg

Wie ich bereits in den vorherigen Artikeln habe anklingen lassen, ist die Linke im Hinblick auf Machtperspektiven der Rechten nahezu hoffnungslos unterlegen. In dem von R@iner verlinkten Interview hat Rudi Dutschke das schon vor 45 Jahren auf den Punkt gebracht: “Heute können nur rechte Minderheiten siegen.”. Der Rechten, deren Programm der Machterhalt Weniger über Viele und das Aufsplitten der Bevölkerung in Gruppen unterschiedlicher Wertigkeiten und Ansprüche ist, stehen alle Mittel zur Verfügung, der Linken nur die Einsicht und die Bedürfnisse der Vielen.

Dabei sind auch die Bedürfnisse noch verschüttet, sublimiert, der Herrschaft angepasst, und die Einsicht ist durch Propaganda verhüllt. Es scheint fast aussichtslos, gegen diese strategische Übermacht jemals an einen Punkt zu kommen, an dem es keine Herren mehr gibt und keine Sklaven, jedenfalls wenn man sich nicht von vornherein korrumpieren lässt und doch wieder ‘auf Zeit’ oder ‘begrenzt’ jene Mittel einsetzen will, die einer Minderheit die Macht über die Mehrheit verleiht. Wo das endet, wissen wir.

Selbstbestimmung

Die Wirkung der Einsicht ist ebenso arg begrenzt wie die der Versprechungen einer besseren Gesellschaft. Es ist dennoch überlebenswichtig, die Analyse nicht zu vernachlässigen und diejenigen über den Stand der Dinge aufzuklären, die zur Diskussion bereit sind. Das ist etwas, was man leisten kann, und es stellen sich durchaus stabile Erkenntnisse heraus, die sich von aller Propaganda nicht zersetzen lassen, weil sie eben wahr sind. Dass sie nicht wirksam werden, ist ein anderes Problem.

Es bleibt ebenfalls so, dass die Widersprüche des herrschenden Systems die stärkste Waffe der Veränderung sind. Wir wissen noch nicht, was die just hörbar geplatzte Lüge von der bürgerlichen Freiheit hinterlässt, aber wir haben es jetzt zu tun mit einer Erkenntnis, der man sich nur noch durch eine sehr aufwendige Form der Selbsttäuschung entziehen kann. Gleichzeitig bricht in ehemals als stabil empfundenen Staaten das Elend aus, wie man es noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten hätte.

Man kann nicht darauf warten, dass die Menschen sich jetzt plötzlich von allem abwenden, was ihnen noch kürzlich wichtig und richtig erschien. Vielmehr ist es an der Zeit, über Prozesse nachzudenken, die schrittweise und ohne den Einsatz fataler Mittel zu einer echten Veränderung führen können. Dazu gehört vor allem der in den sogenannten Demokratien immer versprochene und grotesk vergewaltigte Anspruch einer Selbstbestimmung der Menschen. Niemand außer gesottenen Faschisten wird argumentieren können, dass die Machtballung in Kapital und Politik, die uns an diesen Scheidepunkt geführt hat, wünschenswert ist. Es bedarf also einer radikalen Begrenzung von Macht in jeder Form, also Reichtum, Verfügung über Ressourcen und militärischer Macht.

Raus aus der NATO

Nie war die Forderung so aktuell und plausibel, aus der NATO auszutreten. Diese Forderung muss wieder erhoben werden. Und wenn man dabei ist zu erkennen, dass transnationale Machtballungen nur das größte Übel sind, erkennt man auch, dass die Welt kopfsteht. Das Elend aller autoritären Herrschaft, da tun sich Plutokratie, Faschismus und Staatssozialismus gar nichts, ist die Hierarchie, die Befehlskette von oben nach unten. Eine demokratische Gesellschaft funktioniert andersherum:

Nur wenn die Menschen in ihren Regionen über sich bestimmen und die Kontrolle über alles ausüben, was überregional vereinbart wird, ist Demokratie möglich. Die Kommune muss bestimmen, was das Land darf und was der Bund darf, nicht umgekehrt. Die größte Gefahr für die Diktatur geht von Menschen aus, die sich um sich selbst kümmern und wissen, was geschieht. Sie brauchen weder Geheimdienste noch Panzer, denn sie sind unregierbar. Ein Albtraum allerdings für diejenigen, die sich als demokratische Vertreter® gerieren.

 
Ein recht einfaches Modell von Sexualität und Macht hat Conner Habib, Pornodarsteller, der glaubt, die Verheimlichung von Sexualität werde für die Mächtigen zum Problem und eine öffentliche Sexualität verleihe Macht. Dem kann ich absolut nicht zustimmen, aber es inspiriert mich zu einer anderen Betrachtung:

Ein Erfolgsrezept der 68er, einer grundsätzlich linken, in weiten Teilen auch emanzipatorischen und fortschrittlichen Bewegung, war die Verbindung des Politischen mit dem Sex. Das Versprechen von Freiheit auf beiden Ebenen gab der Welle einen enormen Schub. Linke Politik und Freiheit – in der Kombination – waren sprichwörtlich sexy. Man vergleiche das mit dem Pietismus der politischen Trockenpflaumen bei den heutigen Grünen und weiß, warum die inzwischen so muffig riechen.

Porn und Sexualisierung in der Werbung haben einerseits die vermeintlich befreite Sexualität gekapert und sie quasi durchkapitalisiert. Wenn man die Schriften Herbert Marcuses heute liest, könnte man heulen angesichts von dessen grandiosem Irrtum. Es steckt übrigens trotzdem sehr viel Wahrheit in seinen Betrachtungen, aber das würde hier zu weit führen.

Sexy Politics

Der Sex hat sich aber in seiner konsequentesten ökonomischen Form, dem Porn, ironischerweise gerächt. Wirklich verlässliche Daten sind schwer zu finden, aber es gibt Hinweise (und plausibel ist es auch), dass Porn einen gewaltigen Anteil am Webtraffic verursacht und damit den Ausbau der Netzinfrastruktur vorangetrieben hat. Dass staatliche Kontrolletis den Deckel nicht aufs Netz bekommen, verdankt sich auch dem Umstand, dass dieses schneller wuchs als sie reagieren konnten. Das Rennen ist verloren, thnx to porn.

Inzwischen ist das Streaming von (anderen) Videos und Musik vermutlich die nächste treibende Kraft. Das Gute für die APO: Es ist illegal, obwohl es jeder macht. Daher bekanntermaßen der Erfolg der Piraten. Auf diesen Ebenen – einer durch Vermarktung kanalisierten Sexualität und der Sucht nach Entertainment, findet heute der heimliche und weitgehend unbewusste Widerstand gegen den Kapitalismus statt. “Ohne Geld kein Spaß” ist die Regel, der sich alle beugen sollen.

Das ist zumindest einer der größten Hebel, um die Unversöhnlichkeit des Kapitalismus mit den menschlichen Bedürfnissen zu nutzen, denn er ist selbst dann nicht mit diesen Bedürfnissen zu versöhnen, wenn er sie selbst geformt hat. Wem es gelingt, diese Kluft nachhaltig ins politische Bewusstsein zu bringen, dürfte mehr erreichen als jeder emanzipatorische Versuch seit vierzig Jahren.

 Die Tagesschau hat aus einem Bericht von Jugendschutz.net knallhart recherchiert:
“Rechtsextreme werben verstärkt über Soziale Netzwerke. Laut “jugendschutz.net” spielen diese eine zentrale Rolle für die Ansprache von Jugendlichen. Das Netz ist für die Rechten überlebenswichtig”

Nun überleben die “Rechten” schon ungefähr, warte … ach ja, seit sie zuletzt den Führer gestellt haben. Sie überleben u.a. in den Strukturen von Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden, die mehr als eine klammheimliche Freude daran finden, wie lebendig diese Szene doch ist. Sie überlebten so schon die Jahrzehnte vor der Nutzbarmachung des Internets. Von daher ist das da oben bereits ausgemachter Quatsch. Noch blöder ist es aber, weil man “Das Netz” im zitierten Satz auch ersetzen kann etwa durch “Wasser”, “Sauerstoff” oder “Telefon”.

Das Internet ausräuchern

Nicht ganz so dumm, aber ebenfalls recht bescheidenen Verstandes ist Frank Schirrmachers Konklusion in seiner ohnehin eher ärmlichen Betrachtung von Verhaltensweisen in der “Informationsökonomie”:

Die Frage ist, wie lange wir diese Hilflosigkeit angesichts einer Welt, in der der totale Verdacht zur Norm geworden ist, noch verantworten können.”

Sie verfällt bestenfalls demselben Irrtum, dass nämlich das Internet eine Art Option sei, die man ziehen könnte oder nicht. Als könnte man es irgendwie abschaffen, durch etwas ‘Gutes’ ersetzen oder auch nur sinnvoll wegdenken. Ansonsten fragt sich, wer denn eigentlich “wir” sind, was “verantworten können” bedeutet und vor allem, was den die Alternative ist. Angenommen, “wir” könnten diese Hilflosigkeit nicht verantworten, was dann? Dann sind wir nicht mehr hilflos? Und wieso soll das an eine Frist gebunden sein? “Wie lange noch”? Ein paar Jährchen können “wir” also unsere “Hilflosigkeit” verantworten, dann nicht mehr? Was hat der genommen?

Keine Ahnung, viel ‘Meinung’

Ahnungslosigkeit trifft auf die Dreistigkeit der Propaganda, die einem die Schuhe auszieht. Man kann sie also “dazu zwingen, immer unverschämter zu lügen”? Mission accomplished. (Btw: Ulrike Meinhof dürfte die Autorin des zitierten Satzes sein; im Netz wird er aber großenteils dem Neonazi Kühnen zugesprochen. Auch Dummheit ist hier repräsentativ verbreitet.) Heute z.B. faseln sie auf diversen Kanälen von Osama. Das reicht schon, um deutlich zu machen, dass die Propagandamaschine zur Rechtfertigung der Totalüberwachung läuft. In Orwells 1984 war es Emmanuel Goldstein, für uns ist es Usama the Evil. Aktuell werden Geschichten erzählt vom glattrasierten Osama, der mit Cowboyhut durch Pakistan lief, vor seiner angeblichen Hinrichtung wurde hingegen das Bild eines bärtigen alten Mannes vorm Fernseher (von hinten aufgenommen) gezeigt. Wie gut, dass wir vor dem Bösen beschützt werden!

In diese Kerbe haut auch das Schmierblatt, dessen Titel klingt wie “Locus”. Dort wird die Horrorstory aufgewärmt von bitterbösen Islamistenmoslemsen, die unsere Städte mithilfe ferngesteuerter Spielzeugflugzeuge in atomare Wüsten verwüsten. “Das BKA hatte recht”, werden dort die Balken gebogen, von Terrorverdächtigen im Großraum Stuttgart und München (Hervorhebung im Original) ging ein furchtbarer Terrorverdacht aus! Wir! Werden! Alle! Sterben! Verstanden?! Und wenn nicht, dann nur, weil der Große Bruder uns bewacht. Punkt. Und nochmal von vorn. Und nochmal. Okay, Noch einmal. Uund nochmal …

Und jetzt stellt euch vor, da gibt es diese linkslastigen Whistleblowerfreunde von “Transparency International”, die behaupten doch glatt, immer weniger Menschen vertrauten noch den klassischen Medien. Dann aber schnell noch einmal! Und nochmal. Und noch einmal …

 
Seit 2001 die drei Hochhäuser durch die Einwirkung zweier Flugzeuge lehrbuchreif abgerissen wurden, wird der Terror beschworen, ohne dass je in der Öffentlichkeit wirksam diskutiert worden wäre, was “Terror” eigentlich bedeutet. Da muss sich erst die FAZ verleiten lassen, Fefe zu interviewen, damit der denen das erklärt:

Ich finde, dass man da gegenhalten muss. Terrorismus ist ja definiert als Einschüchterung, als Angriff, der nicht mich direkt angreift, sondern mir Angst macht und ich so meine Lebensart ändere. Das ist doch genau, was hier gerade passiert! Nur dass eben nicht „die Terroristen“ diesen Angriff durchführen, sondern die Geheimdienste.”

Was Terrorismus bedeutet

Widmen wir uns den Enthüllungen über die “Dienste” noch einmal im Rahmen eines Rückblicks über die Arbeit der Medien zum Komplex. Ich habe vor einigen Jahren die “Terrorexperten” Theveßen und Tophoven vorgestellt, die im Zuge ihrer Expertenschaft gleich die Pressearbeit für eine Terrorversicherung besorgt haben. Nichts, was diese Leute veröffentlicht haben, erwies sich je als aufklärerisch, verlässlich, valide oder auch nur annähernd wissenschaftlich. Was sie taten, war Grusel zu verbreiten, mithin Terror. Fürwahr Experten.

Ein anderer, der jahrelang von den Massenmedien als solcher herumgereicht wurde, war ausgerechnet Udo Ulfkotte, der sich später als “Islamkritiker” im Umfeld rechtsextremer Parteien bewegte. “Islamkritik” tritt derweil exakt auf wie die ‘Kritik’ am Judentum Anfang des 20. Jahrhunderts, mit allen Konsequenzen. Der Islam bedroht demnach das christliche Abendland und gehört bekämpft. Man nennt das Phänomen “Islamismus”, macht aber alle diejenigen zu “Islamisten”, die sich auf den Koran berufen oder als organisierte Muslime auftreten.

Eine tragfähige Unterscheidung zwischen diesen Milliarden Menschen und angeblichen Bombenlegern findet nicht statt. Die ‘Bedrohung’ ist entsprechend allgegenwärtig. Im Schatten dieses Narrativs, einer Spukgeschichte, wurde also ein allgegenwärtiges Bespitzeln aller Menschen – weltweit – respektive ihrer Kommunikation installiert. Emails, Telefonate, Kurznachrichten, Faxe, Briefe – alles wird erfasst. Der vorgebliche Grund: Siehe oben.

Permanenter Alarm

Man muss sich an dieser Stelle klarmachen, dass der Popanz “Islamismus” unverzichtbar ist für das Durchdrücken dieses quasi diktatorischen Geheimdienstregimes über die Daten der Menschen. Bürgerrechte sind in diesem Bereich faktisch völlig abgeschafft. Die fadenscheinigen Rechtfertigungen dafür, denen sogar ein Teil der Systempresse die Gefolgschaft verweigert, bestehen tatsächlich in der Behauptung, es seien einige Anschläge verhindert worden. Wo wäre der Überwachungsstaat ohne das Medienereignis 9/11 und wo ohne den permanenten Alarm der Massenmedien, die aus einer einer Singularität jahrzehntelangen Terror haben werden lassen?

Das Verhältnis der realen Gefahr und realer Opfer der Verbrechen, die man als “Terroranschläge” bezeichnet, zu den Gefahren des Alltags, den Opfern von Kriegen oder insbesondere sogenannten “Antiterrormaßnahmen” ist verheerend und beweist, dass der angebliche Terror eine reine Erfindung ist. Erst durch die Arbeit der Radikalisierung des westlichen Bürgertums durch die Medien, das Aufhetzen der Massen gegen einen eingebildeten Feind, wurde die Totalüberwachung möglich. Es ist fast exakt wie in Orwells “1984″, nur hat der die verheerende Rolle einer angeblich ‘freien Presse’ nicht vorausgesehen.

p.s.: Ich werde sehr rigide alle Kommentare moderieren oder löschen, die sich mit dem Einsturz der Hochhäuser und dem Ablauf des Ereignisses befassen. Das ist hier nicht das Thema.

 
chespd.jpgDie Wahrheit ist eine Fünf-Euro-Hure, und ihre Zuhälter aus der politischen Kaste wissen, was sie tun müssen, um sie billigst mit jedem schmierigen Freier ins Bett zu zwingen. Edward Snowden hat ihr zum Durchbruch verholfen, der Welt gezeigt, was die demokratisch gewählten Volksvertreter® aller Länder unter Bürgerrechten verstehen und wird dafür jetzt verfolgt. Die versammelte neoliberale Parteiprominenz, von Schwarz über Grün und Gelb bis zu Sozialdemokratisch-Rostrot hätte nicht nur längst wissen müssen, dass es ist wie es ist. Sie wussten es zumindest zum Teil, denn das Aushorchen der ganzen Welt und ihrer umliegenden Nationen lässt sich nicht vor allen ihrer Funktionäre geheimhalten. Im Gegenteil ist man dafür auf Kollaboration und Kooperation angewiesen.

Sie haben ja nicht bloß die offiziellen Kanäle, sondern sitzen auch allesamt in den Clubs und Mauschelzirkeln der NATO und ihrer Zulieferer. Was also tun mit der Offenlegung der Totalüberwachung? Blöde Frage. Es ist Wahlkampf. Machen wir den Unterschied draus! Prompt schwingen sich Trittin und jetzt auch Gabriel auf, die besten Freunde des Whistleblowers sein zu wollen. Freies Geleit, Asyl, Zeugenschutz gar! Sie überbieten sich mit echt oppositioneller Haltungsakrobatik, mit der sie tatsächlich völlig anders auftreten als die anderen. Augenzwinkernd werden die atlantischen Freunde das goutieren, wohlwissend, dass sie selbst im Fall einer Regierungsbildung nichts davon umsetzen werden.

Pose des Freiheitskämpfers

Ärgern wird sich vielleicht der Kandidat, der bei dieser Arbeitsteilung keine Sympathiepunkte abbekommt und den ganzen Kuchen dem dicken Sigmar überlassen muss. Andererseits muss Steinbrück im GAU einer Kanzlerschaft das Wort nicht halten, das sein vorlauter Vorsitzender in dem Mund nahm. Business as usual, same procedure as every four years. Was allerdings so gar nichts ins Akkordschema passt, ist das Gekreische des von den heutigen Freiheitskämpfern ins Amt gehobenen Bundesgaucklers. Für den ist Snowdens Leak “purer Verrat”, und kriminelle Geheimdienste sind “öffentlicher Dienst”. Das klingt nach einem, der sich als angeblicher Gegner eines Geheimdienstes am Ende als Diener zweier Spitzeldienste entlarven könnte. Just als die einen ihn wollten, haben ihn die anderen gekauft? Und der wird dann auf dem Ticket des “Bürgerrechtlers” Staatsoberhaupt. Welch ein geiler Streifen, wäre die Story bloß nicht so maßlos übertrieben!

Und wo wir gerade bei den traurigen Geschichten sind und der halbgaren Opposition: Völlig richtig fordert jetzt auch die FR die Abschaffung des “Verfassungsschutzes”, jener Freunde der Nazis und des glühenden Schredders. Ergänzen muss man allerdings “Inkompetenz, die Blindheit, die Duldung oder gar durch die Billigung” durch “Förderung und “Mittäterschaft”, außerdem reden wir nicht von “einzelnen Mitarbeitern oder Ämtern“, sondern von dem ganzen Saustall, dessen Gründungsmitglieder aus der Gestapo für eine treue Nachfolgerschaft gesorgt haben. Dass diese feinen Herren, die unter dem Schutz der Schutzmacht überwintert haben, ihre Vorgesetzten nicht denunzieren, liegt ihnen im arischen Blut. Wie sollten die jemals etwas aufklären, was die Freunde aus dem “Hauptamt” ausbaldowern? Das wäre ja purer Verrat!

 
Es ist Zeit über Antiamerikanismus zu sprechen. Nicht über den Popanz der Kalten Krieger oder der Broders, die diese Vokabel als rhetorische Baseballkeule benutzen, wenn ihnen das Talent ausgeht, sondern über einen, der sagt, was er bedeutet: Die Haltung, die (tunlichst mit aller Konsequenz) den Amerikanismus ablehnt und sich ihm entgegenstellt. Jenem Amerikanismus, der sich derzeit anschickt, die Welt als erweitertes Staatsgebiet der USA zu betrachten oder wahlweise als Feindesland, in dem zu zerstören ist, was dem eigenen Herrschaftsanspruch nicht gerecht wird.

Volker Pispers sagte einmal, sein Antiamerikanismus sei gar nicht oberflächlich. Er konnte auch noch nie so undifferenziert sein wie der Proamerikanismus, die Vasallentreue, der Anspruch der Unkritischen, “unser Partner” stünde außerhalb jeder Kritik. Was sich nunmehr bewahrheitet, ist dass die eigentlich Klügeren unter den Kritikern, die es sich nicht haben nehmen lassen, die USA für alles zu kritisieren, was eben kritikwürdig war, am Ende zu zaghaft waren. Es sollen tatsächlich diejenigen zu ihrem Recht kommen, die immer das Schlimmste angenommen und das Übelste unterstellt haben. Grandioser Imperialismus, totale Rücksichtslosigkeit im Eigeninteresse, das Auftreten einer völlig ignoranten Besatzungsmacht und die sklavische Unterwerfung der sogenannten “Bündnispartner”, das ist Amerikanismus.

Amerikanismus

Die Sowjetunion als Zentralmacht des Ostblocks und seines Warschauer Vertrages musste immerhin mehrfach die Panzer rollen lassen um zu verdeutlichen, was sie unter “Völkerfreundschaft” verstand – gegen ihre Freunde wohlgemerkt. Hässlich, dieser Staatssozialismus, das können wir allerdings besser, zumindest das Design ist um Längen cooler. Es gibt nicht einmal ein Kommando, dem irgendwer folgt. Es passiert einfach. Die politischen Platzhalter in Europa stecken sämtlich im Gedärm der nordatlantischen Korruptionsanstalten. Ich hatte dieser Tage bereits ein Beispiel dafür gegeben.

Da sitzen Leute wie Özdemir, von Klaeden, zu Guttenberg, Koch-Mehrin, Thomas de Maizière und Kai Diekmann in einem Club, in dem alte Atlantiker ihnen das Gefühl geben, wichtig zu sein und ihnen die Karrieretüren weit aufstoßen. Sie haben sich noch alle angemessen bedankt. Jahre später sitzen solche Figuren, getragen von den Netzwerken des Kapitals und seiner NATO, in den Positionen, in denen Entscheidungen getroffen werden.

Prioritäten

Wenn es um die Frage geht, ob zum Beispiel auch nur die allermindesten diplomatischen Standards aufrecht erhalten werden oder die Interessen der Führung der USA durchgesetzt werden, zählt Diplomatie nichts mehr. Wenn die totale Überwachung eine Option ist, was zählt dann noch das Recht der Bürger? Nichts. Wer das durchsetzt, sind übrigens die von ‘uns’ demokratisch gewählten Volksvertreter®, die ihre Bürger an die Amerikanisten ausliefern.

Dieser Amerikanismus gehört bekämpft. Er ist antidemokratisch, tritt die Verfassungen und das Völkerrecht mit Füßen und hat mit “Partnerschaft” absolut nichts zu tun, es sei man verstünde unter “Freundschaft” die bedingungslose Unterwerfung unter einen Weltherrscher. Wenn diese Usurpatoren also Europa beherrschen wollen, dann sollen sie gefälligst die Panzer auffahren, damit man weiß, wo man dran ist.

Für die Menschen in Europa bedeutet die aktuelle Offenbarung allerdings zuerst eines: Wir müssen uns der Marionetten entledigen, die sich weder für ihre Verfassungen interessieren noch für die Bürger, von denen sie sich haben wählen lassen. Dieses Pack hat keinerlei Legitimation.

 
Wir zeichnen für Sie auf

Sehr praktisch: Wenn man eine Sendung im Radio oder eine Diskussion in der Familie nicht sofort hören kann oder sich später genau erinnern will – einfach zum Telefon greifen, eine beliebige Nummer wählen und nachher bei der NSA den Mitschnitt abrufen. Besser als jede Mediathek!

Nie wieder Datenverlust

Mails verloren? Platte gelöscht? Mal wieder das Backup vergessen? Kein Problem, die NSA hat das alles vollständig und nach Stichwörtern geordnet.

Ordnung in allen Bereichen

Keine Ordnung in den Archiven? Filme, Musik, Dokumente, Dateien wild verstreut? Auch hier hilft die NSA und bietet beliebige Sortierverfahren: Nach Datum, Namen, Länge, Relevanz oder Qualität (Ihre Leistungen werden gern von den Fachleuten der NSA benotet: Nach Gefahrenpotentital, Ausstrahlung, Witzigkeit und Fail!-Score).

Da war doch was …

Sie haben den Namen ihrer Exfreundin vergessen, suchen Schulfreunde oder den Typ, der Ihnen vor Jahren die falsche Rolex angedreht hat? Anruf genügt. Sagen Sie einfach, die Zielperson sei irgendwie verdächtig, sie laufe zu langsam oder zu schnell, trage seltsame Kopfbedeckungen oder trage Sachen aus dem Alkaidacontainer.

Die Macht mit mir

Mein Freund, die NSA: Wenn sie erst einmal einige Erfahrungen mit dem Denunzieren gesammelt haben, können Sie stets mit ihrem Support arbeiten. Jemand nervt Sie? Lassen Sie ihn einfach verschwinden! Einer hält sich für besser und ist es auch? Zeigen Sie ihm, wo Klugscheißer bei Ihnen landen. Sie haben in Verhandlungen die schlechteren Karten? Zählen Sie einfach auf, wen sie schon so alles unauffindbar auf Urlaub geschickt haben, das bringt Sie ganz weit nach vorn.

Karrierevorteile

Wohnungssuche, Jobsuche: Die NSA weiß, wo bald etwas frei wird. Geben Sie vielleicht selbst den entscheidenden Hinweis, und schon ist eine Stelle für sie offen. Achtung: Andere können das auch, also sehen Sie zu, dass Sie etwas wirklich Interessantes zu bieten haben!

Finden statt suchen

Sie vergessen ständig PIN, PUK und Passwort? Kein Problem: Ihre NSA findet das im Handumdrehen. Am besten speichern Sie alles in einer Datei und fügen folgende Begriffe hinzu: Terror, Bombe, 9/11, Jihad, Motherfukcin’ Obummers, Atom, Gay Guys in Bondage, Rakete, Anschlag, Allaheiligen. Schon haben Sie einen zuverlässigen Partner, der sich regelmäßig für Sie einloggt.

Das sind nur die wichtigsten Vorteile der Betreuung durch unseren Bündnispartner. Lassen Sie sich also nicht von Miesmachern die Laune versauen. Alles ist gut. Wir passen auf Sie auf. Immer.

 
Ich habe einige Tage nichts Neues geschrieben, stattdessen hier diskutiert und da draußen und stelle fest, dass eigentlich keiner mehr so recht weiß, was er zu dem ganzen Zirkus noch sagen soll. Mich persönlich stört das technisch betrachtet nicht so arg, denn das Verhältnis von Reden und Tun kann sich ja gern mal verändern mit der Zeit. Ich habe mit einigen Leuten gesprochen und dabei die Frage aufgeworfen, wie sie sich die Welt in zehn Jahren vorstellen, und niemand hatte eine klare Idee. Was die Arroganz des westlichen Kapitals in seltener Gründlichkeit bereits geschafft hat, ist jeden Glauben an die Zukunft zu zerstören. Das wird Folgen haben.

Keine Folgen wird es haben für die blöde Propaganda, die wie schon oft gezeigt inzwischen unter DDR-Niveau gesunken ist, bloß in Hochglanz und Dolby Surround. Die wird uns weiter bis zum Tinnitus mit Wohlstand®-Wachstum®-Zukunfts-Bullshit volldröhnen. Es wird aber Folgen haben für das, was die Propaganda eigentlich erreichen soll, nämlich die Menschen einzubinden in das Herrschaftskonzept. Wer an nichts mehr glaubt, nicht an die Rente, nicht an die Privatsphäre, nicht an “Bündnispartner”, nicht an irgendein politisches Versprechen oder auch nur daran, dass es dann noch das liebe Geld gibt, der wendet sich ab.

Vom Staat nichts zu erwarten

Vermutlich stehen die Bürger der USA deshalb noch am ehesten hinter ihrem System – obwohl auch dort der Zweifel grassiert – weil sie immer darauf geimpft waren, sich selbst zu helfen. Dies führt u.a. zu Formen der Solidarität, die der Neoliberalismus anderswo zerstörte, ehe sie wachsen konnten. Europa war stolz auf die Integration aller Randgruppen und eine staatlich wohlorganisierte Solidarität. Mit dem Zerschießen der Staaten, ihrer Haushalte und Sozialleistungen wurde auch diese Solidarität zerstört.

Die Erosion des Vertrauens in die Politik ist auch eine der Solidarität, wiel diese immer ein Ergebnis staatdsdemokratischer Verhandlungen war. Die Europäer glaubten mehrheitlich an ihre verfassten Staatsgebilde. Ganz anders als die Amerikaner, die gern statt der hier üblichen “Wähle Notruf 110″-Schilder das genaue Gegenteil plakatieren: “We don’t call 911″ – darunter hängt dann gleich der Colt, damit auch klar ist, was sie stattdessen tun.

Sich nicht auf den Staat zu verlassen, wozu wir längst gezwungen sind, bedeutet auch, die Autorität sowie die Solidarität wieder in die eigene Hand zu nehmen. Man schenkt sich wieder was anstatt für jeden Handgriff zu kassieren. Man erkennt ganz langsam, dass man selbst der ‘Feind’ ist, den sie im Zweifel bekämpfen werden und dass es den Nachbarn genau so gehen wird. Ein schwaches Pflänzchen noch, aber wenn das nicht gedeiht, gehen wir alle mit ein.

Schweigt stille, Lemminge

Was man sonst noch tun kann, dazu muss ich im Zusammenhang mit der angestrebten totalen Kontrolle des Netzes auch noch ein paar Takte sagen. Fefe hat das schon in sehr passende Worte gekleidet. Hier im Haus laufen inzwischen einige Linux-Installationen, zuletzt fiel mir wieder Kanotix sehr positiv auf, das jede Maschine fehlerfrei zum Rennen brachte, auf die ich es gepackt habe. Ja, Linux ist anders, etwas komplizierter und hat nicht alle ‘Features’, die andere haben, insbesondere die Unterstützung der IT-Großindustrie.

Das ist am Ende aber wie der Unterschied, ob man zu Mäckes geht oder sich selbst etwas wirklich Essbares kocht. Kann man lernen, auch schrittweise, geht nebenbei, man muss nicht sofort ganz umsteigen. Wer das aber nicht (ggf. auch noch einmal) versucht, wer immer nur das Gängigste benutzt, das Bunteste und Einfachste, der kann sich nicht mehr ernsthaft beschweren. Es ist eure Faulheit, euer Verzicht die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, der es ihnen derart leicht macht, euch zu kontrollieren.

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