Links

Archiv

Juli 2012


 
Wer ein Brechmittel braucht, muss nicht lange suchen dieser Tage, um in den Kommentarspalten der Massenmedien fündig zu werden. Dort gibt sich der losgelassene Pöbel alle Mühe, das Bild vom kotzenden geifernden Internetschmierer zu bestätigen. Ob es um die “Rettung” von “Spanien, Griechenland, Portugal, Italien” geht, um das Existenzminimum für Asylbewerber oder einen Hund, der ein Kleinkind angefallen hat: Überall wird nach Maßnahmen gerufen, die den faschistischen Kleingeist mit analem Machtgefühl füttern. Gönnt ihnen nichts, haltet sie arm, sperrt sie ein, lasst sie sterben, vernichtet sie!

tio

Der bürgerliche Kretin, der alles in sich unterdrückt, was einmal Leben und Freiheit war, muss sich rächen. Wenn er die Anpassung an eine grundwiderliche Welt, verlogen, ungerecht und im Sinne eines gnadenlosen Gegeneinanders leistet, ist da noch ein gewisser Widerstand: Der äußeren Unterdrückung soll bald die innere folgen. Neugier, Offenheit, Freiheitsdrang sind Eigenheiten, die wir uns nicht leisten können und die wir unseren Kindern schnellst möglich austreiben.

Das gelingt allerdings nur bis an die Grenze des jeweiligen Selbsterhaltungstriebes. Richtet sich die Gewalt später gegen andere, muss diese Hürde nicht mehr genommen werden. Die Spielzeuge, die als Trost und Ersatz verteilt werden und die ihnen im Gegensatz zu menschlicher Wärme oder Natürlichkeit als selbstverständlich gelten, richten die Subjekte(!) gleichzeitig auf ihr künftiges Dasein als Konsumenten und Alleinbesitzer zu.

Der Weg des Untertanen

Ist das gelungen, fällt das Streben auseinander in die Tätigkeiten des “Verdienens” weiterer Spielzeuge und Ansprüche hier und des Niederhaltens der Ansprüche anderer dort. Ganz organisch wird dabei der Artgenosse in die Flucht konkurriert, und wenn er auch noch komisch aussieht, wird er zumindest virtuell abgeschlachtet. Worst case: Ein Unverdienter, der sichtlich nicht dazugehört und dennoch Ansprüche stellt, und sei es den aufs Existenzminimum. Kein Spießer, der gelernt hat, dass nur Arbeit zum Essen berechtigt, kann verstehen, wieso eine unberechtigte Existenz ein Minimum braucht.

Der Fall mit dem Hund ist auch so einer, der tief blicken lässt. Da springen die Experten aus dem Unterholz und stellen erst mal ganz klar, keine Frage, erbarmungslos fest, dass ein Hund, der ein Kind anfällt, vergast gehört. Und eigentlich alle Hunde. Unberechenbare Viecher, die alle Alphatiere werden wollen und jede Gelegenheit ausnützen, sich nach oben zu beißen. Woran erinnert mich das jetzt? Außer, dass je ein Alphamännchen aus solchen Wichshähnchen wird, beschreiben da die Flachspachtel in ihren Vernichtungsphantasien sich selbst. Dass sie von Hunden auch keine Ahnung haben – geschenkt!

Denen kann man nicht mit Argumenten kommen, denn wenn sie eines nicht wollen, ist es irgend etwas wissen. Am Ende droht da nämlich die Selbsterkenntnis, und die ist so unerträglich für sie wie ihre Auswürfe für andere.

 
udodamax
 
 
 
Ich lese ihn seit Jahren und habe mich vor Kurzem erst dazu entschlossen, ihn auch mal auf die Blogroll zu setzen. Selbst mir ist er also quasi durchgegangen. Ich mag sein Talent für die Kurzfassung, seinen Humor und das schräge Design. Ich hasse dieses flimmernde Favicon, und auch das macht mir Spaß. Ich finde bei ihm oft Hinweise, die ich sonstwo nicht finde und vermisse überhaupt kein langatmiges Blabla, wie es zunehmend woanders zu finden ist. Dass er mich häufig verlinkt, qualifiziert ihn ebenfalls.
 
Er ist derzeit im Urlaub, da kann er sich auch gar nicht wehren. Willkommen im Club:
daMax, Feynsinn Underdog 2012.

Ist das sinnvoll oder beunruhigend? Facebook lässt eine Spezialsoftware die Chats seiner Nutzer überwachen. Das Ziel: Extremisten und andere Terrorverdächtige aufzuspüren, die Anschlagspläne besprechen oder Nachwuchs rekrutieren.

Es ist einer dieser Grenzbereiche, in denen es schwer fällt, zwischen falsch und richtig, gut oder schlecht zu entscheiden: Facebook, das wurde vom Verfassungsschutz bestätigt, überwacht gezielt die privaten Chats seiner Nutzer, um eine mögliche terroristische Bedrohung schon im Vorfeld zu erkennen und gegebenenfalls die Behörden einzuschalten.

[via Burks]

Es ist faszinierend, wie sich jene Blindgänger die Welt zurechtinterpretieren, die ihre Intimsphäre verschenken und sich neuerdings auch noch als Sexualstraftäter denunzieren lassen, wenn sie das falsche Wort zur falschen Zeit eintippen. Aber hey, das trifft mich ja nicht, ich mache so etwas ja nicht. Ich habe nichts zu verbergen. Wer sich nichts zuschulden kommen lässt, muss auch keine Angst haben. Das dient auch meiner Sicherheit und der unserer Kinder. Der Mond ist rund, der Mond ist rund, er ist aus gottverdammtem grünen Käse.

Heldenhaft wirft sich der gestandene Antikapitalist und Gegner der Großbanken, Sigmar Gabriel, der Kanzlerin entgegen. Er droht offen mit einer Kündigung der Mehrheitsbeschaffung zur nächsten Legislaturperiode.

Wtf? Nachdem er der Ermächtigung des Stabilitätsmechanismus (ESM) zur Zweidrittelmehrheit verholfen hat, will er jetzt verhindern, dass der auch in Kraft tritt? Selten hatte die “Sozialdemokratie” einen würdigeren Vorsitzenden.

 
Parallel zu den Putschversuchen neoliberaler ‘Wirtschaftsexperten’, hinter denen sich eine Gilde erzkorrupter Banker versteckt, ist der herausragende Aspekt der aktuellen politischen Entwicklung die Militarisierung der Außenpolitik, wiederum einhergehend mit einer Hochkonjunktur der Rüstungsindustrie. Deren Einfluss auf die Politik war nie gering, aber so groß wie heute eben auch noch nicht. Wohin die Kanzlerin auch fliegt, stetes beweist sie ein Herz für Mörder und ihre Instrumente. An der Spitze der Bundesregierung steht eine Waffenlobbyistin.

Das deutsche Außenhandelsgesetz steht eigentlich zumindest einer Lieferung von Waffen, respektive Kriegswaffen, in Krisengebiete im Wege. Das hält das Wirtschaftsministerium aber keineswegs davon ab, zum Beispiel an Israel zu liefern, den explosivsten Krisenherd der Welt oder auch an die islamistische Diktatur Saudi-Arabien, das kürzlich noch ins Nachbarland einmarschiert ist. Heute wird über (mir leider nicht zugängliche) Referentenentwürfe berichtet, die das diesbezügliche Recht “lockern” sollen. Dieses Symptom ist sicher erwähnenswert, soll doch einmal mehr das Recht der gängigen illegalen Praxis angepasst werden. Immerhin wäre das diesmal nicht grundgesetzwidrig. Der Skandal ist aber ein ganz anderer.

Das letzte Gefecht

Die verfassungswidrige Neudefinition von Aufgaben der Bundeswehr – Sicherung der Handelswege – betrifft unmittelbar auch das Geschäft des Tötens. Deutsche Waffen sind ein Exportschlager, von Schusswaffen über Panzer bis hin zu U-Booten. Diese Geschäfte haben allerhöchste Priorität, so dass es sogenannten “Pleitestaaten” wie Griechenland oder Portugal auch nicht gestattet wird, an Deals mit deutschen Waffen zu sparen. Der Tod ist ein Exportweltmeister aus Deutschland, und er kennt keine Gnade oder Ausnahme.

Deutschland hält sich in keiner Weise an die eigenen Gesetze. So werden Panzer in und für Saudi-Arabien von Bundeswehrsoldaten getestet, die bei einem solchen Deal nun wirklich absolut nichts verloren haben. Dass die Kosten für den Einsatz eines Stabsoffiziers und “Experten” von Krauss-Maffei Wegmann selbst übernommen werden, macht die Sache keineswegs appetitlicher. Im Gegenteil könnte das durchaus den Tatbestand der Bestechung erfüllen. Eine merkwürdige Vorstellung, dass ich mir einen Polizisten einkaufe, um auf einer Auslandsreise mein neues Auto zu testen.

Auch das ist nur ein Schritt, der zwangsläufig erfolgt, wo es um die letzten gewinnträchtigen Absatzmärkte geht. Das Kapital kann nur so lange Rücksicht auf geltendes Recht nehmen, wie es dem Profit nicht effektiv im Wege steht. Spätestens wenn die legalen Möglichkeiten erschöpft sind, sucht es sich eben die anderen. In der entscheidenden Phase des Niedergangs kommt es dabei darauf an, auf welcher Seite die verfassten Organe des Staates stehen. Auf welcher Seite Frau Merkel und das Gros der politischen Funktionäre dabei stehen, bedarf keiner langwierigen Untersuchung.

 
Gehen mir eigentlich sonstwo vorbei, interessieren mich nicht, können meinetwegen gern ausfallen. Über Korruption in Organisationen wie FIFA und IOC wird ausreichend berichtet, wobei es eher selten vorkommt, dass einer von denen, die ihre schrägen Milliardengeschäfte zum eigenen Vorteil machen, vor einem Gericht landen. Der Chef selbst lässt sich in der Öffentlichkeit immerhin zu der Aussage hinreißen, dass er da ein Problem erkannt habe.

Eine Lösung ist derweil nicht in Sicht, was nicht wunder nimmt, denn wo solche Summen bewegt werden, müsste die organisierte Kriminalität schon arg verschnarcht sein, ließe sie lange auf sich warten. Nachdem die Heuchelei des sogenannten “Amateursports” in den 90ern endgültig ad acta gelegt worden war, ist der Damm gebrochen, und was da inzwischen an Schacher stattfindet, ist so ekelhaft, wie das eben ist im Kapitalismus, insbesondere da, wo es nicht mehr um Peanuts geht. Olympia ist ein Multimilliardengeschäft, das sagt eigentlich alles. Wer da an etwas Gutes glaubt, hat das Zeug zum Wirtschaftsredakteur bei SZ oder FAZ.

Braucht kein Mensch

Auch das reicht nicht wirklich aus für einen Beitrag hier, aber die Organisatoren versuchen ganz en passant, ihre eigenen Regeln bezüglich Internetnutzung und Meinungsfreiheit zu etablieren. Die opalkatze hat das in der Übersetzung gepostet: Die Nutzungsbedingungen sehen vor, dass das Setzen eines Links u.a. nur unter Verzicht auf abwertende oder anstößige Darstellung (“derogatory/objectionable”), siehe Punkt 5, “Linking Policy”, erlaubt sei.

Ich persönlich lasse mir allerdings weder von diesen noch anderen Freunden diktatorischer Marktmacht vorschreiben, unter welchen Bedingungen ich auf ihre Machenschaften hinweise, ob nun per Link oder sonstwie. Ich glaube, es blitzt!
Hatte ich eh schon geringe Ambitionen, mir dieses Brot-und-Spiele Fest anzutun, werde ich nach dieser Attacke auf die Freiheit im Netz alles meiden und ignorieren, was darüber gesendet, berichtet oder getrommelt wird. Man macht sich ja nicht mit Zensoren gemein.

Ich erlaube mir aus aktuellem Anlass einen fluffigen Wohlfühlartikel, weil das Unerträgliche zu so weitreichender Taubheit geführt hat, dass man es schon wieder ungespitzt in Amüsement überführen kann. Man stellt routiniert fest, dass die Demokratie in herzlicher Umarmung mit ihrer sozialen Marktwirtschaft® am Ziel ist. Die korrupten Banker zum Beispiel machen sich gleich ihre Parameter selbst, das ist ungefähr so, als brächte bei den Olympischen Spielen jeder seine eigene 100-Meter-Strecke mit und bei einigen wäre sie halt kürzer.

Ein Mappus

Die neue Berechnungseinheit “Mappus” misst die Dreistigkeit, mit der regionale Tyrannen sich Vorstands- und Aufsichtsratsposten verdienen, derweil sie den Schaden des Staates mehren und den Nutzen “outsourcen”. Der Staat kann halt nicht mit Geld umgehen, da schenken wir es besser gleich den Banken. Das geht auch ganz ohne Rettungsschirm. Nur erwischen lassen sollte man sich nicht dabei. Nicht einmal das wissen sie mehr, unsere “Vertreter”. Wir müssen dringend mehr in Bildung investieren.

Nuhr Nullen

Der Konservativismus hat sich einen kondebilen Ablenker und Wertschöpfer zugelegt, der sich bei schlechtem Wetter für einen Kabarettisten hält. Nicht nuhr, dass der Dieter Menschen, die gegen politischen Irrsinn demonstrieren, gern beleidigt oder ACTA-Gegner für Diebesgesindel erklärt, nein. Er moderiert jetzt eine Spielshow, in denen die anderen Nullen sprichwörtlich mitgewinnen und macht dafür Werbung. In der Hörfunkversion streiten sich dafür zwei Frauen darüber, was ihre Männer im Leben erreicht hätten. Die Haus-Auto-Pferd Nummer halt, aber weil es eben doofe Weiber sind, müssen ihre Kerle das alles “verdienen”. In Dieters Welt ist das so in Ordnung. Die guten alten Zeiten kommen wieder, da gehört er zur Avantgarde.
Bei der Gelegenheit ein Satz, den ich schon lange mal loswerden wollte: Hätten Frauen in diesem Land etwas zu sagen, wäre uns Merkel erspart geblieben.

Rettungsrettung durch Zinseszins

Auch sonst ändert sich nix. Ein Wirtschaftsministernchen verliert “die Geduld mit Griechenland”. Und jetzt? Besetzen? Aushungern? Brandschatzen? Läuft doch längst. Auch die Ideen zur Rettung der Rettung sind geistiger Zinseszins bei totaler Insolvenz: Eine “Reichenabgabe” wird vorgeschlagen. Das geht so: Um die Zinsen auf die Schulden der Staaten bei ihren reichen “Bürgern” noch abzahlen zu können, leihen sich die Staaten bei den Reichen Geld, das diese später verzinst zurückbekommen. Genialer Plan! Ich hätte dabei gern einen variablen Zins, bzw. eine Anleihe, die an den Börsen gehandelt wird und nicht von den Zentralbanken gekauft werden darf.

Karrierealos

Aus dem Mappusland hört man heute von einem grünen “Realo”. “Realo”, Kurzform von “Realpolitiker”, das ist einer, der in Parteien, die als “links” gelten, die reine Lehre des Neoliberalismus vertritt. Das ist einer, der als “Pazifist” im Verein Atlantikbrücke Kriegspläne ausbrütet und im Bundestag für die nötigen Mehrheiten sorgt. Das ist einer, der als Demokrat dafür sorgt, dass die Interessen einer Minderheit mit Zweidrittelmehrheit durchgepaukt werden. Das ist einer, der als Innenminister einer “Bürgerrechtspartei” dafür sorgt, dass es ordentlich auf die Fresse gibt, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

Verfassungsschutzstaffel

Womit wir beim Stichwort der Woche sind und bei des Pudels Kern: Was sogenannte “Sicherheitsbehörden” in Deutschland treiben, dass der braune Abschaum innen nicht mehr von dem außen zu trennen ist und neben einem traditionsorientierten Wertekonzept (Blut, Boden, Vaterland) der blanke Irrsinn herrscht, daran hat man sich schnell gewöhnt. Wer soll sich noch darüber aufregen, dass der angebliche Topterrorist ein harmloser Student ist? Niemand weiß, wie sein Bild in die Fahndungsakten kam. Man darf sich aber darauf verlassen, dass es nie mehr hinaus kommt. Spätestens beim nächsten Besuch in den USA gibt es einen Kubaurlaub gratis, wetten dass? So ist das halt in der großen Spielshow mit den vielen Nullen. Besser man arrangiert sich damit, denn so ist sie, die Realpolitik.

 
udoEs ist wieder soweit: Ich bitte wie in jedem Jahr um Vorschläge zum “Feynsinn Underdog”, dem Blog-Award der objektivsten Jury dieser Welt. Nachdem ich im letzten Jahr einmal mehr auf einen alten Bekannten zurückgreifen musste, ist das Kontingent der Inzucht so gut wie erschöpft. Ich suche Blogs, gute Blogs, herausragende Blogs. Aber eben nicht die, die eh schon jeder liest, sondern solche, die eher unbekannt sind oder zumindest noch nicht die Resonanz haben, die sie verdienen. Wer einen kennt oder einen kennt, der einen kennt … immer her damit.

Dies ist übrigens noch immer keine Wahl oder so ein demokratischer Schickschnack. Ihr könnt mir gern sagen, was ihr gut oder schlecht findet, eine öffentliche Abstimmung abhalten oder euch verschwören. Für die Jury ist das unerheblich. Die setzt sich ebenfalls wie immer zusammen aus mir, mich und ich. Und jetzt her mit den Vorschlägen!

 
Wer an den Fleischtöpfen der Macht neuen Wein aus alten Schläuchen serviert, dem sage ich: Das ist mit mir nicht zu machen. Es kann nicht sein, dass Deutschland der Zahlmeister Europas ist, und wer seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, braucht gar nicht erst in Brüssel an die Tür zu klopfen. Wer in Lohn und Brot ist, muss jetzt die Ärmel hochkrempeln. Es werden händeringend Fachkräfte gesucht, das ist eine Binsenweisheit. Butter bei die Fische!

Wer heute auf Kosten zukünftiger Generationen schmerzhafte notwendige Einschnitte verweigert, hat den Ernst der Lage nicht erkannt. Eine Reformpolitik mit Augenmaß schaut über den Tellerrand. Die vorgenommenen Sparmaßnahmen sind die einzige Alternative zum Anziehen der Steuerschraube. Wir wollen aber die Konjunktur nicht abwürgen, darum werden wir die Rahmenbedingungen für nachhaltiges Wachstum schaffen.

Wir wollen Eigeninitiative und Verantwortung fördern, nur so kann der Konjunkturmotor wieder anspringen. Dabei sollen sich die Leistungsträger getrost einen großen Schluck aus der Pulle gönnen, sofern es bei der entsprechenden Lohnzurückhaltung bleibt. Ich sage dies im vollen Bewusstsein der Gefahren, die in einem Zögern lauern.

Es geht um Europa. Es geht um Deutschland. Wir haben in einen tiefen Abgrund geschaut und sind es unseren Kindern und Enkeln schuldig, dass wir den Sozialstaat nicht durch immer mehr ausufernde Wohltaten ruinieren. Die fetten Jahre sind vorbei. Wir müssen alle den Gürtel enger schnallen. Es geht um unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, kommt der Berg halt zum Propheten, meine Damen und Herren. Wo kämen wir hin, wenn nicht jeder sein Scherflein beiträgt. Freiheit in Verantwortung, das ist mehr als ein Ziel, wie wir alle wissen. Wer für Frieden und Freiheit einsteht, darf bei Wachstum und Wohlstand nicht nein sagen. Die Welt wartet nicht auf Deutschland. Wir stehen im globalen Wettbewerb, da beißt die Maus keinen Faden ab. Denkverbote bringen uns da nicht weiter.
Die Hunde bellen, doch die Karawane zieht weiter.

Ich danke Ihnen.

 
Sie solle uns genauer erklären, wie der neoliberale Putsch gegen das Grundgesetz konstruiert ist, hat der als Kritiker der Kritiker bekannte Bundespräsident leider nicht gesagt. Er meint, die Kanzlerin müsse irgend etwas besser erläutern, “sehr detailliert” nämlich, und zwar im Zusammenhang mit der “Eurorettung”. Was sollen das wohl für Details sein?

Dass das Grundgesetz außer Kraft gesetzt wird? Dass kein Euro nicht gerettet wird, sondern immer und immer wieder Banken und ihre Großkunden? Soll die Kanzlerin ihrem Wahlvolk diejenigen volkswirtschaftlichen Hintergründe erläutern, die sie selbst nicht verstanden hat oder ignoriert und die ihre Berater seit Jahren zum Vorteil der Spekulanten in Dunkelheit tauchen?

Kalkül der Macht

Oder soll sie vielleicht das Kalkül ihres Machtgebrauchs offenlegen? Wer mit wem wo was abgesprochen hat zum Beispiel, von ACTA über Rüstungsexporte bis hin zum ESM? Soll sie uns vielleicht erklären, wieso Griechenland so kurz und klein gespart wird, dass es in den Familien nicht mehr für den täglichen Bauernsalat reicht – während die Milliarden für deutsche U-Boote uneingeschränkt fließen?

Wie soll einem schmackhaft gemacht werden, dass künftig ohne jede parlamentarische Kontrolle, ohne jede Klagemöglichkeit und zeitlich unbegrenzt ein Gremium aus “Experten” nach Belieben Steuergelder aus ganz Europa anfordern darf, die damit ihre Kollegen in den Casinos mit neuem Geld versorgen, wenn sie wieder zu viel davon verbrannt haben? Jene Experten, die von dem ganzen Schlamassel schon immer profitiert haben und derart verfilzt sind, dass die Mafia neidisch wird?

Oder die völlige Untätigkeit, diesem Irrsinn etwas entgegenzusetzen, geschweige denn ihn zu beenden? Jahre einer Krise, in denen nichts geschehen ist, um die Ursachen auch nur annähernd zu beseitigen. Keine der finanziellen Massenvernichtungswaffen wurde seitdem eingesackt, im Gegenteil: Anstatt das weiterhin fröhliche Gezocke mit Verbriefungen, Hochfrequenzhandel und anderem tödlichen Schwachsinn aka “Finanzprodukten” oder “Trade” einzudämmen, wird nicht einmal effizient gegen die Spekulation mit Staatsanleihen, formerly known as “sicherste Anlage” eingeschritten.

Nichts mehr zu sagen

Oder anders gefragt: Ist die einzig wahre Erklärung nicht längst in die Gebetsmühle gewandert? Wissen wir nicht längst, welcher Dämon da am Werk ist – nämlich die schiere “Alternativlosigkeit”?

Wird schwierig, das. Zumal wir inzwischen selbst dort, wo die Parlamente immerhin noch “tagen”, auf eine Weise vereimert werden, die nach Faustschlägen schreit. Beispiel gefällig? Wenn die Daten aller Bundesbürger verhökert werden an jeden, der daraus Kapital schlagen will, werden keine Gefangenen gemacht. Zwei “Lesungen” des deutschen Bundestages in 20 Sekunden. Es wird nicht mehr gesprochen, sondern nur noch in die Alten geschmissen. “Reden zu Protokoll genommen” heißt das im Jargon. Eimer bereithalten!

« Vorherige SeiteNächste Seite »