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September 2011


 
kanotscr
 
Was hat ein Posting über ein Betriebssystem hier zu suchen? Erkläre ich gern noch einmal: Über den Kapitalismus schimpfen und sich von Microsoft oder Macinstosh abhängig machen, das ist irgendwie uncool. Selbst wenn man der Ansicht ist, den MS-Kram könne man ja klauen, fällt man aber auf die Marketing-Strategie des Monopols herein. Da die meisten Zeitgenossen ihre Kisten eh nicht selbst am Laufen halten, können sie den Nerd ihrer Wahl bei Gelegenheit doch auch mal auf eine Linux-Distribution anquatschen. Deshalb gebe ich beizeiten eine Meldung ab, wie es steht. Ich kann auf jeden Fall sagen: Im Gegensatz zu Windows wird Kanotix immer besser.

“Kanotix kann”, schrub ich zuletzt. Nach einem Jahr habe ich das rennende System aus Lust mal geputzt und durch die aktuelle Version ersetzt. Einiges war nicht optimal gewesen, was leider dazu geführt hat, dass ich hauptsächlich weiter XP benutzt habe. Zum Nachteil von Kanotix ist mir dann auch noch proprietäre Bildbearbeitungs-Software zugelaufen, an deren Vorversion ich mich gewöhnt hatte. Die läuft nicht unter Linux – natürlich wegen des Kopierschutzes. Ich werde daher in Zukunft darauf verzichten, das geht nämlich inzwischen ganz gut.

Alles läuft

War ich zuletzt von Kanotix begeistert, bin ich jetzt – begeistert. Es läuft einfach alles, wenn man nur ein wenig nachhilft. Dazu muss man sich auch nicht mehr nächtelang durch Foren wälzen. Alles, was man wissen muss, steht quasi am Eingang über dem Download. Sogar der ATI-Treiber und das Flash-Plugin ließen sich mühelos und flott installieren.
Die Probleme mit der Darstellung mancher Desktop-Themes in Firefox und Thunderbird (bzw. “Iceweasel und Icedove”) lassen sich zum Teil durch einen Mausklick beheben. Schwarz auf Schwarz ist nämlich nicht so prickelnd. Leider gibt es immer noch solche Menüs, daher muss ich (vorläufig) auf ein anderes Design als das coole schwarze umsteigen. Immerhin hat man eine Wahl.

Einzig die Belegung der 4. und 5. Maustaste bedurfte eines gewisses Mehraufwands. Eine Microsoft-Maus (jaja, soll ich das Ding wegwerfen?) nimmt sich das Recht auf Widerstand, wenn sie unter den Pinguin gezwungen wird. Dafür wurde kein passender Treiber beigelegt, komisch!
Da ich sowohl in WinXP als auch unter Linux den Thunderbird benutze, war es auch kein Problem, die Mailkonten zu überführen. Man muss wohl wissen, wo der “Profile” Ordner hingehört – in beiden Systemen. Keine große Kunst. Ein wenig ärgerlich ist die Bedienerfreundlichkeit, wenn bei der Installation bestimmte Netzwerkeinstellungen eingetragen werden, die man dann nicht mehr so leicht loswird. Ich muss allerdings gestehen, dass drei hintereinander geschaltete Router wie in meinem Haus auch nicht der Regelfall sind. Und welcher “User” richtet sich unter Win ein Netzwerk selbst ein? Das läuft da keineswegs geschmeidiger.

Der Konsument und das liebe Monopol

Vollends überzeugt hat mich dann die aktuelle Version von GIMP, das schon ewig zur Linux-Serienausstattung gehört. Die Bedienung ist anders als bei Adobe-Produkten, aber nachvollziehbar, die Resultate der Bearbeitung lassen sich absolut sehen. Für mein bisschen Gebastel im Blog reicht das völlig. GIMP gibt es übrigens auch für Windows.
Kenner wissen, dass es überdies eine ganze Masse von Open-Source Programmen gibt, die man mit einem einfachen Befehl installieren kann – ohne viel Geld oder einen Keygenerator zu bemühen. Ein sehr guter Dateimanager ist ebenfalls im Paket, Office-Pakete und der ganze Kram, den man sonst teuer bezahlen müsste.

Fazit: Es geht nicht nur ohne Redmond, es sieht sogar besser aus, es ist in vielem besser und nur noch in einigen Belangen schlechter. Kein Grund, einen Milliardär noch reicher zu machen. Und selbst wer glaubt, absolut nicht auf die eine oder andere Anwendung verzichten zu können, die nur auf päpstlicher Software läuft, sollte sich beizeiten mal ein kleines Linux extra gönnen – was auf demselben Rechner problemlos geht. Das ist dann schon nicht mehr bloß labern, es ist ein kleiner Nadelstich gegen ein großes Monopol.

 
Respirationssteuer für Griechen

Test bestanden” meint das Hamburger Abendblatt zur neoliberalen Krisenverschärfung durch die griechischen Regierungsdarsteller. Der Befehl Steuern zu erheben, die alle treffen und damit eine gezielte Beteiligung der Profiteure zu verhindern, wurde befolgt. Eine Art “Haussteuer” von 4 Euro pro Quadratmeter wurde beschlossen. Ich kann in hunderten Artikeln leider keine Details dazu finden, die Erhebung über die Stromanbieter legt aber nahe, dass jeder Stromkunde zur Kasse gebeten wird.

Es ist gemeinhin von “Besitzern” von “Häusern und Wohnungen” die Rede. Im Endeffekt spielt das keine große Rolle, denn Vermieter werden sich das von ihren Mietern eh wieder holen, es zahlt also eh jeder für die von ihm bewohnte Fläche. Sie zahlen also fürs Wohnen an den Staat. Warum nicht gleich fürs Atmen? Kommt mir jetzt bitte nicht damit, es gäbe in Deutschland auch eine Grundsteuer. Ich habe nämlich noch nie kapiert, wieso die auch hier auf die Mieten umgelegt werden darf.

Deutschland erteilt Baugenehmigungen für Belgien

Unsere lockeren Nachbarn, die es schon beneidenswert lange ohne Regierung aushalten, zahlen jetzt den Preis dafür: Die Deutschen kommen! Wer in Belgien ein Grundstück besetzen und sich ein Haus darauf bauen will, bekommt jetzt die Genehmigung dafür durch die Bundesregierung. Einen kleinen Zuschuss für Mauern und sonstige Verteidigungsanlagen gibt es auch, außerdem ist die Bundeswehr in Alarmbereitschaft, falls die Pommesbäcker aufwachen und Krawall schlagen sollten.

April, April. So bescheuert sind nur die Israelis. Ob wohl bald wieder die Lavalampen übern Grenzzaun fliegen und die Panzer rollen, um die arabischen Terroristen dafür zu bestrafen? Ein weiterer Beleg dafür, dass Gott zumindest hirntot ist. Egal, welcher Konfession er zuvor angehörte.

200 richtungsweisende Artikel über eine tote Ratte

Zweihundert! Artikel sind bei Google News gelistet über ein blödes schielendes Stinktier. Das ist Deutschland hier. Das ist Journalismus von Welt. Das ist ein Volk von Dichtern und Denkern. Das ist …, ach lasst mich hier liegen. Seht zu, dass ihr durchkommt. Wenigstens einer muss durchkommen!

Wo ist das Valium?


brutaler denn je
völlig aus dem Ruder gelaufen
Gier nach Rendite
Angst vor einer deflationären Spirale
Sucht nach Cash
völlig irrationale Volatilitäten
aberwitzige Kursschwankungen

So beschrieben wird die Lage der “Märkte” heute bei den Querschüssen. Na dann beruhigt mal schön!

 
Peter Mooslechner im Standard:

Die Geschichte vom “höchsten Steueranteil” bezieht sich allein auf die Einkommensteuer. Bezieht man Sozialabgaben und indirekte Steuern mit ein, ergibt sich durch die Höchstbemessungsgrundlage in der Sozialversicherung und durch den hohen Mehrwertsteueranteil bei den niedrigen Einkommen ein deutlich anderes Bild.

Einige Sätze sollte man vielleicht auswendig lernen, um sie den Propaganda-Argumenten entgegen zu halten. Zum obigen kann man übrigens noch hinzufügen, dass das Verhältnis von Steuern und Abgaben zum real verfügbaren Einkommen, also dem, was man wirklich ausgeben kann, noch einmal dramatisch steigt in den niedrigeren Einkommensschichten. Dann stellt man auch fest, dass man es mit Leuten zu tun hat, die eine ‘Flat Tax’, gleiche Steuersätze für alle, für gerecht halten. Lasst uns denen mal beibringen, dass das in Ordnung geht – einschließlich der Sozialabgaben und wenn es abzüglich der Lebenshaltungskosten berechnet wird. Sie würden sich wundern. Einige von uns zahlen dann nämlich schon mehr als 100%.

 
Ab sofort werden folgende Maßnahmen durch die Nutzerschaft bedingungslos zu akzeptieren sein:
Das Recht auf Nutzung des Webauftritts hat nur, wer

- aktuelle Bilder von sich und seinen nächsten Angehörigen sowie Lebensgefährten einstellt (vorläufig auch bekleidet)
- eine Paybackkarte nutzt und deren Daten täglich mit dem Webangebot synchronisiert
- seine Cookies niemals löscht, Scripte nicht blockiert und auf jegliche Nutzung von Anonymisierungsdiensten verzichtet
- sich mit vollständigem korrekten Namen, allen Emailadressen, Geburtsdatum, Kontostand, Zeugnissen und Körbchengröße anmeldet
- seine Adressbücher, Fotosammlungen, Texte und Mitteilungen dem Betreiber des Webangebots zur freien Verfügung stellt und diesem die Urheber- und Nutzungsrechte überträgt
- weiteren Änderungen der Nutzungsbedingungen uneingeschränkt zustimmt.

Funny Game

fuboWitzig, nicht? Nicht? Was treibt ihr dann noch bei Facebook, ihr Dödel? Ach, ihr seid “post privacy“? Kinder, jedes mal wenn ich künftig diesen Blödsinn höre, erschieße ich ein Küken. Das hat der Herr Zuckerberg nämlich extra für Torfsammler wie euch erfunden. Das ist nicht cool und nicht Kult, hat weder Hand noch Fuß, sondern ist ein dreister PR-Gag, mit dem die Millionen dazu gebracht werden sollen, ihr Innerstes nach außen zu kehren, damit andere das zu Geld machen. Ihr seid der Schlachtabfall, aus dem Facebook sein berühmtes Hundefutter produziert. Dabei könnt ihr die Hunde nicht einmal leiden, die sich diese Leckerlis schmecken lassen. Ihr würdet sie sogar fürchten, hättet ihr euer Hirn nicht gleich mit in den Fleischwolf geworfen.

Und, springt der Reflex schon an? “Alles Blödsinn”? “Gequatsche eines Gestrigen”? “Man kann ja doch nichts machen”? “Es sind doch alle da”? “Ich habe nichts zu verbergen”? Na dann lest doch einfach noch einmal, was da oben steht. Klickt ruhig auch einmal die Links an und lest, was dort erzählt wird. Unterschiedliche Quellen, unterschiedliche Ansichten, aber im Kern bleibt eines bestehen: Bei Facebook seid ihr nackter als nackt. Mit diesem Datenporno werden einige reicher als reich. Ihr kriegt dafür nixer als nix. Ist das alles in Ordnung für euch? Na dann macht mal weiter so.

 
5sinnEr rettet Deutschland: Hans-Werner Sinn weiß was. Wir brauchen ein neues Zockerpapier, das den Ausstieg Deutschlands aus dem Euro vorbereitet. Nachdem die Exportindustrie eingesammelt hat, was die Euroländer an Schulden machen können und die Zocker ein Land brauchen, in dem ihre Casinos noch durch harten Cash über die Runden gebracht werden, machen wir was anderes. Eine Anleihe, die nicht vom Schicksal der Euroversager abhängt, eine deutschnationale Anleihe, die nahtlos in die neue D-Mark überführt werden kann. Bis dahin gibt es noch niedrigere Zinsen für die BRD, noch höhere für den Rest der Welt. Und “steuerfrei” steht auch noch drin. Her damit!

Als wir Europa nämlich den Wettbewerb empfahlen als allein seligmachendes Mittel der Wirtschaft, meinten wir genau diesen Wettbewerb. Keine Gnade, keine Hilfe für Versager. Solidarität ist etwas für Wettbewerbsfähige. Hätten sie doch bloß das Manual gelesen in Süd- und Resteuropa, sie hätten gewusst, was kommt. Hatten wir nicht ganz deutlich von “Standortwettbewerb” gesprochen? Von globalem gar? Und hat sie das wirklich davon abgehalten, den Blick auf die direkte Nachbarschaft zu werfen? Oder gehört die etwa nicht zum Globus? Die Konkurrenz sind wir, liebe Europäer. Danke für eure tatkräftige Mithilfe, für niedrige Kurse hier und höhere Kosten bei euch. Danke für das blinde Vertrauen. Viel Glück noch, ihr werdet es brauchen. Wir sind dann mal weg.

 
sixDas verflixte siebte Jahr will auch gefeiert werden. Banaler Blogblues, beginnender Burnout oder Blockade – Feynsinns 6. Geburtstag fällt in eine eher zähe Phase des Schaffens. Es wird der periodisch unvermeidliche Blues sein, der meinen Blick auf die letzten Wochen prägt. Ich bin nicht zufrieden mit der eigenen Schreibe, mit der Entwicklung der Resonanz (wobei sich andere noch schwerer tun) und dem auf der Stelle Treten in den Gedanken um die Entwicklung einer Alternative zur Alternativlosigkeit.

Häufiger erwische ich mich dabei, beinahe krampfhaft ‘das Niveau’ halten zu wollen inmitten einer teils lähmenden, teils empörenden politischen Dekadenz. Heute keinen Bock auf gar nix, morgen wieder die kribbelnde Lust zum Amoklauf, zum Geifern und Rotzen, dazwischen Texte raushauen wie Steine Kloppen, stets bemüht um die nötige Disziplin, den Anspruch zu wahren. Auf dieser Grundlage entstehen nicht ewig Artikel, die noch wer lesen will.

Ich bin kein Freund von Vorsätzen, aber ich hoffe, dass das neue Jahr experimenteller wird. Ich nutze bislang nicht annähernd die Möglichkeiten, die das Netz und die Technik bieten, tue mich sehr schwer damit, Ton und Bild zu nutzen, das Terrain zu betreten, wo ich nicht Schreiber und Solokünstler bin. Ich weiß nur, was ich nicht will und dass ich ja keine Zeit habe. Das muss sich ändern.

Neuland ohne Kompass?

Gastautoren wären eine feine Sache, aber – eines von so vielen Abers – es ist nicht mein Ding, irgendwen hier schreiben zu lassen oder irgend etwas. Ich bin nicht frei von der Arroganz, das, was da draußen gemeinhin produziert wird, für nicht gut genug zu halten. Das ist so lange kein Problem, wie ich nicht jemandem sagen muss, dass er/sie meinen Standards nicht entspricht. Deshalb tue ich mich schwer damit Autoren zu finden, denen ich hier eine Plattform bieten möchte. Mir ist auch vollkommen klar, dass die anderen nicht auf mich gewartet haben.

Das wäre ja noch schöner, wenn es andere Künstler wie z.B. Karikaturisten gäbe, die Feynsinn bereichern könnten. Mehr Kunst täte not, weniger verzweifeltes Gequatsche. Ich habe sogar mit Feynsinn.net noch eine Domain brach liegen, auf der alles Mögliche ausprobiert werden kann. Ich habe durchaus Lust, mich ein bisschen zu blamieren. Allein macht das aber keinen Spaß.

So. Keine Sorge, die Wut wird so schnell nicht Depression, und was wir haben, haben wir. Die ersten sechs sind geschafft, 2017 schauen wir dann mal wieder zurück und feiern hemmungslos die nächsten. Danke für den ganzen Fisch!

habe ich vor Ihrer Entscheidung, dem Rummel beim Postengeschacher um den Generalbundesanwalt durch Verzicht zu beenden. Ihre Kollegen ziehen das ja gern bis zum bitteren Ende durch, so dumm sind Sie immerhin nicht. Wenn es allerdings daran lag, dass der Bundesrat Ihrer Berufung offenbar eh nicht zugestimmt hätte, bescheidet sich Ihre Einsicht offenbar auf Ihre Chancen. Auch davor ‘Hut ab’, aber es wäre doch schöner gewesen, Sie und die Clique, die Sie protegiert hat, hätten mal das Thema der notwendigen Qualifikation angesprochen. Ach ja, und vielleicht sogar die Rolle des Parteibuchs. Nein, keine Sorge, ich tue nur so naiv.

Kollege Daniel Volk reiht sich derweil ein in die Riege der Erwischten. Schon wieder ein Abschreiberling, schon wieder aus der FDP. Vielleicht hat Frau Leutheusser-Schnarrenberger ja nur noch einen gefunden, der mit eigener Arbeit immerhin ein ‘befriedigend’ zustande gebracht hat und ein 1,8%er ist. Letzteres ist ja wohl conditio sine qua non, wie der Akadämelus sagt.

Bei der Gelegenheit noch ein paar Worte zu tagesschau.de (s.o.) und deren politischen Kategorien. Das fängt mal bei “gilt er als exzellenter Behördenchef“. Ich kann es nicht mehr hören. Ehe man noch dazu kommt, nach der Definition oder auch nur irgend einer Bedeutung von “exzellent” zu fragen, hupt einen schon dieses “gilt als” an, die Fanfare des Gefasels. Klare Aussagen gefährden die tendenziöse Neutralität!

Weiter geht’s:
Und durch seine Erfahrungen in der Terrorismusbekämpfung als früherer Präsident des Verfassungsschutzes in Baden-Württemberg hätte er der Behörde neue Impulse geben können.

Klartext: Der Mann kann Repression und Prävention, hat trotz des “F” keinerlei Probleme mit der Einschränkung von Bürgerrechten? Okay, das ist ein Unterstellung. Das bleibt aber nicht aus bei so viel nichtssagend-staatstragendem Lob eines Reaktionärs, dem folgendes unter Demokratie vorschwebt:

So elegant hätten sie in Stuttgart den wichtigen Posten des Regierungspräsidenten neu besetzen können, wenn Schmalzl gegangen wäre. Es zeugt von der mangelnden Regierungserfahrung von grün-rot in Stuttgart, dass man nicht frühzeitig dafür gesorgt hat, dass die Causa Schmalzl reibungsloser läuft.”

“Regierungsfähigkeit”. Reibungsloser Postenschacher. Ach so. Und wer schreibt das alles? Ein Journalist? Ein Politologe? Ein Jurist? Nein. Dies schreibt “Holger Schmidt (SWR), ARD-Terrorismusexperte“.
Keine weiteren Fragen.

Ich habe mir eben (just bevor ich den Artikel geschrieben habe, der einen Tag später erschienen sein wird) auf einen Hinweis von Klaus Baum hin das neue Programm von Georg Schramm angeschaut. Es beschlich mich dasselbe Gefühl wie vor knapp zwei Jahren, so dass ich noch einmal den damaligen Artikel empfehlen kann.

daumen2Die Idee, ein bestimmtes Einkaufsverhalten an den Tag zu legen, kam mir selbst ebenfalls schon vor langer Zeit, ich muss ihn wohl in einem Kommentar geäußert haben. Als struktureller Sozialdemokrat habe ich natürlich Angst davor, das selbst zu empfehlen – man weiß ja nicht, wie einem das ausgelegt werden wird. Diese Erklärung erscheint mir in der durch Herrn Schramm einmal mehr aufgehellten Stimmung wichtiger als etwa ein Kommentar zur glücklichen Neubesetzung der vakanten Stelle für Durchschnittsjuristen mit einschlägiger Parteizugehörigkeit.

Dazu sei nur kurz angemerkt, dass es ja keiner juristischen Kompetenz oder beruflichen Erfahrung bedarf, um Gesetze zu exekutieren, deren Autoren keiner gesetzgeberischen Instanz angehören und deren Beschlussfasser keine Hand mehr frei haben, die fahrlässig zum Grundgesetz greifen könnte. Es muss jetzt auf solche Posten entsorgt werden, was nicht einmal mehr vom letzten eisernen Talkshowzuschauer noch in irgend ein Parlament gewählt wird. Vermutlich ist dergleichen sogar ein kluges Vorgehen. Es könnte die Märkte beruhigen.

Zeitgemäß, sexy, erfolgsorientiert

Damit sind wir wieder bei eher relevanten Erwägungen. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wer das erstaunlich abwegige Motto dieses Webangebotes unter dessen Titel gehängt hat, aber die Parole “mehr Demokratie wagen” steht für den verschraubten Humor von Oldtimerfahrern oder ähnlich sentimentaler Freaks. Wir können nur hoffen, dass der Autor das nicht wirklich ernst meinte. Der neue Slogan ist zeitgemäß, sexy und zeugt von Erfolgsorientierung. Er offenbart eine Leistungsbereitschaft, die ich nicht länger leugnen will.

Ganz in diesem Sinne rege ich an, unsere Brüder und Schwestern im Geiste, die ihren Beitrag dazu leisten, gleichermaßen Volk und Markt zu beruhigen, zum Schulterschluss aufzurufen. Dass deutschsprachige Kabarettisten noch immer keine Bereitschaft zeigen, auch ihre bloggenden Mitstreiter um ein konstruktiv kritisches Bürgertum zu zitieren oder wenigstens zu erwähnen, ist bedauerlich. Wir stehen vor stürmischen Zeiten, da ist es unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit, das Schlimmste zu verhindern. Wenn wir eines nicht brauchen können, ist das ein Aufbegehren panischer Pessimisten und Nörgler, die statt gesitteter Kritik – durchaus verbunden mit derbem Humor – den Weg der Zerstörung wählen. Schaffen wir gemeinsam Vertrauen!

Man wird doch wohl mal drüber reden dürfen … Unsere amerikanischen Freunde, das Land der Freien, die Heimat der Tapferen, sie lassen sich nicht von Gutmenschen und Niggerfreunden vorschreiben, ob sie einen grillen, bloß weil dessen Schuld nicht so eindeutig nachgewiesen ist. Immerhin stehen zwei von neun Zeugen noch zu ihren Aussagen. Das ist weit mehr als noch vor wenigen Jahrzehnten nötig war, um die christliche Kultur vor dem ‘Planet der Affen’ zu bewahren. Einer von denen ist schon Präsident, reicht euch das immer noch nicht?

 
speichelDer Moslem ist nicht immer Kinderschänder, aber wenn er keiner ist, macht er zumindest mit. “Muslime, die von Angehörigen missbraucht werden, leiden meist still“, weiß die Boulevard-Postille für christlichen Kulturkampf. Sie erzählen die Geschichte des Missbrauchsopfers Laila und erklären:
Laila hat ihren Onkel angezeigt. Aus der Sicht ihrer Familie hat sie die Ehre verletzt“. Da ist er wieder, der Moslem, für den jedes Verbrechen an Frauen ein Kavaliersdelikt ist und dessen Kinderschänder-Ehre von allen gedeckt wird.

Der Pakistani als solcher schaut fern und vergewaltigt Kinder:
Zu Hause ist es wie in Pakistan. Nonstop läuft pakistanisches Fernsehen, aus dem Radio dudelt pakistanische Musik, es gibt pakistanisches Essen, an den Wänden hängen Fotos aus Pakistan. In ihrem Zimmer vergeht sich der Onkel an Laila. Sie beginnt, Pakistan zu hassen.”

“Sie beginnt, Pakistan zu hassen.”

Nein, das ist kein Witz, kein Fake, keine Satire. Das steht wortwörtlich im Artikel. Der schließt übrigens mit dem Beleg der These, dass der Moslem immer frei kommt:
Drei Jahre lang kämpft sie für ihr Recht, [...] Sie fühlt sich immer wieder retraumatisiert, sagt sie. Jetzt wurde das Verfahren eingestellt.”

Warum, das erfährt man nicht. Auch erfährt der Leser nicht, warum die Redaktion es für erwiesen hält, dass Lailas Onkel schuldig sind, wenn sie nicht verurteilt wurden. Von ihnen erfahren wir im übrigen, dass sie “nach Deutschland kommen, sich einnisten und langweilen.” Anders kommt der Qualitätsjournalismus dem Moslem wohl nicht bei. Und schon gar nicht dem heiklen Phänomen des Missbrauchs, das hier ausgeschlachtet wird, um haarsträubende Journaille der untersten Schublade zu betreiben.

Ein vergleichender Blick auf die durch christliche Nächstenliebe und Offenheit geprägte Kultur und deren Umgang mit Kindesmissbrauch erkennt nicht bloß eine schon traditionelle Regelhaftigkeit der Kindesmisshandlung in christlichen Einrichtungen und ebensolche Vorfälle an nicht religiösen Internaten. Hier sind das “Verfehlungen”, ggf. “kriminelle Strukturen”, wenn jahrzehntelang geschwiegen wird. Die deutsche Familie ihrerseits kann das auch, des “Spiegels” Pakistan liegt zum Beispiel im tief christlichen Franken. Bekannt wurden Fälle z.b. 2007 und auch aktuell wieder, ohne dass die Mitwisser je eingegriffen hätten. Muss man deshalb jetzt Franken hassen?

Blut, Sperma und fremdrassische Verbrecher

Der ekelhafte Boulevard der Spiegel-Redaktion läuft dem Springer-Verlag allmählich in allen Kategorien den Rang ab. Betroffenheit zwischen Blut, Sperma und fremdrassischen Verbrechern legen gar noch andere Vergleiche nahe. Die Strategie, dabei vermeintlich aus der Perspektive des Opfers zu erzählen, ist infam, zumal der Artikel zu dem Schluss kommt, dass es aussichtslos ist, Täter anzuzeigen. Dem Tenor nach fühlt man sich bewogen zu bedauern, dass ihre Suizidversuche gescheitert sind. Wer Opfern helfen möchte, bietet ihnen andere Perspektiven als die vermeintliche völlige Hoffnungslosigkeit.

Gut ankommen wird so etwas dafür bei denen, die das hören wollen. Seit dem furchtbaren Sozialdemokraten weiß man an der Brandstwiete, dass sich dergleichen hervorragend verkauft. Die aktuelle Diskussion über rechtsradikale Blogs und ihre Klientel macht deutlich, dass es ein breites und dankbares Publikum dafür gibt, vor allem im Internet. Offenbar ist der “Spiegel” endlich dort ankommen, wo dieses bedient wird. Willkommen in der Gosse!

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