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September 2010


Ich habe mich heute Morgen verwirrt gefragt, was Landser Niebel da eigentlich verzapft, wenn er wie Anno Wernicke “bilateral, bilateral, bilateral” stammelt. Leider hatte Herr Barenberg auch keinerlei Spaß an Nachfragen, was man angesichts des Gesprächspartners verstehen kann. Niebel, der Entwicklungshilfe eigentlich ganz abschaffen will, setzt, na klar, lieber auf “private” Gelder und spart gern die paar Millionen für Hungernde ein, um ein Bankersalär damit zu finanzieren.

Wie gesagt aber die Frage nach dem Bi im Lateral. Die TAZ brachte mich schließlich drauf: Das heißt nichts anderes, als das man sich einzelne Regierungen kauft, die gewisse Gegenleistungen erbringen. Soll mal keiner sagen, der Niebel stochert im Nebel. Der Mann weiß vielmehr genau, was von ihm erwartet wird.

Ich mache mich mal noch unbeliebter: Ist der Kerl nicht ein Arsch? Es gibt nichts mehr extra für ein Maximum Break, deshalb muß Ronnie sich erst überlegen, ob er das zu Ende spielt.
Nein, das müßt ihr nicht verstehen. Das ist Sport, etwas für Blond-Leser.

Ich könnte jetzt einen aufgeregten Artikel über von der Leyens Hartz V posten, aber ich will erst einmal abwarten, was sie sich genau vorstellt unter einer Sozialhilfe, die sich am Lohnniveau bemißt. Sicher hat sie, oops, vergessen, daß man mit den Hilfen zum Lebensunterhalt diesen auch bestreiten muß. Das Nähere regelt wie immer das Bundesverfassungsgericht. Bis dahin wird man künftig argumentieren, die Löhne dürften nicht zu stark steigen, damit der Staat nicht pleite geht.
Wenn Sparen also angesagt ist, warum nicht lieber an der Software?

Alle Jahre wieder versuche ich mich an Linux und schaue nach, ob das besser wird. Meine Meinung dazu heute: Kommt drauf an, wie man’s sieht. Ich werde demnächst rechnertechnisch einiges umstrukturieren, wobei sich auch wieder die Frage stellt, ob ich auf Linux umsteige. Da man mir so oft so wärmstens (K)Ubuntu ans Herz gelegt hatte, habe ich es einmal mehr probiert, trotz schlechter Erfahrungen. Die haben sich leider bestätigt. Ein Rechner wollte Kubuntu erst gar nicht installieren. Es ist nicht völlig auszuschließen, daß das am DVD-Laufwerk lag, das ansonsten aber durchaus funktioniert.

KDE4Auf dem nächsten ließ es sich mühelos installieren. Dann aber ging praktisch nichts. Kein Ton, kein Bild bei den Videos (keine Codecs?), tote Links auf dem Desktop, nicht einmal der Browser ließ sich öffnen. Alles nur Pech? Ich weiß, bei anderen funktioniert das alles, aber mit Kubuntu habe ich fertig. Wenn vier von vier Installationen nur Müll hervorbringen, ist das einfach überzeugend.

Suse habe ich lange genug ausprobiert, also noch einmal Kanotix, diesmal eine aktualisierte Version. Die erste Reaktion: Begeisterung. Ein Betriebssystem, in wenigen Minuten installiert (es läßt sich übrigens auch von der CD komplett booten, ohne Installation) und für den Normaluser quasi komplett. Sogar die Netzwerk-und Internetverbindung installierte sich automatisch. Das einzige, was noch fehlte, waren der Flashplayer und ein 3-D-fähiger Treiber für die Grafikkarte.

Hier verläßt einen dann sehr schnell die Begeisterung. Mit KDE4 ist ein neuer Fenstermanager am Werk, der halt anders ist. Wieder andere Routinen und Pfade, immer noch die Konsole. Es gibt Schlimmeres, aber wer nicht ständig auf Ballhöhe bleibt, hat jedesmal wieder Forscherarbeit vor sich. Der ATI-Treiber läuft, und mit dem Blitzspieler werde ich sicher auch noch fertig.

Vielversprechend sind die Möglichkeiten, Windows-Anwendungen unter Linux laufen zu lassen. Das ist freilich ein noch viel weiteres Feld. Insbesondere die Anwendungen der Firma Adobe zicken hier mächtig herum, und gerade die sind es, die quasi alternativlos Verwendung finden.
Zum Basteln mit Bildern ist GIMP aber immer noch mehr als tauglich, und wer sich nicht zum Sklaven seiner geklauten oder ruinös teuren Software machen läßt, kann sich damit durchaus bescheiden.

Kurzes persönliches Fazit in 2010: Es besteht Hoffnung. Und es geht nix über Kanotix. Auf XP werde aber ich aber vorläufig nicht verzichten, denn die nächste LAN-Party kommt bestimmt. Der Screenshot oben ist übrigens ganz frisch von meinem Rechner. Wer auf chice Sachen steht (Schuhe, Designs von Arbeitsflächen) ist mit dem Zeug hervorragend beraten. Die Windows-DAUs rufen ja auch dauernd wen an, der sich damit auskennt.

Von allen Dampfplauderern und Dünnsuppenköchen ist Hermann Gröhe ein ganz besonders abgebrühter. Was der Mann an hohlen Floskeln raushaut, kann beim unbedarften Zuhörer ein schweres Trauma auslösen. Und selbstverständlich hat auch er die Kampagnenhupe der Stromwirtschaft im Anschlag, um jeden, der den Unterschied zwischen erneuerbaren Energien und erneuerbaren Großlügen kennt, zu übertönen. Wer gegen die Projekte der Monopolisten oder sonstige blödsinnige Riesenprojekte ist, soll als Depp dastehen, da sind sich die Industrie und ihre politischen Handlanger einig.

riot

Ganz Große Lyrik ist allerdings der Begriff “Stimmungsdemokratie”. Ausgerechnet ein Martkschreier der Zunft, die eine stumpfinnige Meinungsumfrage nach der anderen kauft oder verdreht, um ihre “Erfolge” anzupreisen, findet es plötzlich irrelevant, was das Volk denkt. Das läßt tief blicken. Wenn die Menschen sich nicht zur Bestätigung vorgeformter Aussagen drängen lassen, sondern sich engagieren und ihrer Meinung aufs Deutlichste Ausdruck verleihen, dann sind das “Stimmungen”, denen nachzugeben “gefährlich” sei.

Klarer kann man seine Verachtung gegenüber der Demokratie und dem obersten Souverän kaum äußern. Das Volk hat nicht das Recht auf eine Meinung, schon gar nicht, wenn sie von den Plänen seiner abgehobenen ‘Stellvertreter’ abweicht. Das Volk besteht nämlich aus Wählern, und eine Wahl ist die Zustimmung zu allem, was die Gewählten fortan zu tun gedenken. Ablehnung und Kritik sind nicht vorgesehen. Und wenn die vereinigte Schlipsträgerkaste es dann fertigbringt so zu dilettieren, daß es selbst den Michel auf die Straße treibt, dann ist Ignoranz die oberste Direktive: Der Bürger hat das Maul zu halten.

Wenn die SPD wieder mehr mit Gewerkschaftern reden würde, statt mit Grünen und Linken um Attac-Fans zu buhlen, wüsste auch sie, dass moderne Industriepolitik ein Gebot der Stunde ist – geleitet von den Interessen unserer Bevölkerung.
Das ist Gröhes Schlußwort.
So ist das also: Hie Grüne, Linke und Attac-Fans, dort vernünftige Industriepolitik, die gleichbedeutend ist mit den “Interessen der Bevölkerung”. Die “Bevölkerung”, so lernen wir also, das sind die Vorstände und Aufsichtsräte. Alle anderen sind jene Fanatiker, die noch immer nicht verinnerlicht haben, daß “sozial ist, was Arbeit schafft”.

Fürwahr: Dieses Weltbild ist so reaktionär, daß es sich von der Stimmung im Volk auch dann nicht abhängig macht, wenn Hunderttausende auf die Straße gehen. Woher kennen wir das bloß? Die “Stimmung” ist exakt dann relevant, wenn der Bürger wiederkäut, was ihm zuvor gefüttert wurde. Denn eines lernt der organisierte deutsche Demokrat schon in der Parteijugend: Vox populi vox Rindvieh.

Nur mal so eine Bemerkung am Rande: Die beim Strom-Monopoly bestens postierte Firma Vattenfall, bekannt durch den beinahe zarten Schmelz von Reaktorkernen und ihre fossilen Kraftwerksfossilien, ist ein quasi kommunistischer, weil volkseigener Betrieb. Alter Schwede!

Daß Thomas Fricke sich inzwischen als “Chefökonom” beschimpfen lassen muß, sei es auch nur als der der FTD, erregt mein herzliches Mitleid. Auch seine Forderung nach höheren Löhnen wird ihm nicht mehr als das eintragen bei der Mehrheit derer, die woanders so heißen. Eine Provokation! Satte zweieinhalb Prozent mehr gönnt er den Abhängigen und Lohnkostengeneratoren. Sind wir jetzt bei Keynesens unterm Sofa?

Da muß spätestens morgen eine Klarstellung von Hans-Werner Sinn erfolgen, von Raffelhüschen, Hüther oder Straubhaar. Jetzt muß verhindert werden, daß der zarte Aufschwung durch überzogene Lohnforderungen kaputtgemacht wird. Sonst müssen wir ruckzuck die Exporte anderer kaufen und haben womöglich sogar das Geld dafür. Was erlaube Fricke!

[Update: Die Arbeitgeber haben schon mal vorgelegt: "Nur eine Fortsetzung der moderaten Tarifpolitik sichere Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze." Sag ich doch!]

Yapp. Ich bin ein wenig übermütig und trage mich mit dem Gedanken, auf dem neuen Server ein paar Sachen auszuprobieren, die ich zuletzt abgeschaltet habe. Mein Blog ist einfach viel zu lange nicht mehr gehäckt worden.
Ganz oben auf der Liste steht, jadoch – auch wieder eine Editierfunktion für Kommentare. Was wollt ihr sonst noch so? Maoam?

Es begab sich aber zu der Zeit, daß abgehalfterte Neoliberale Bücher bewarben, als ob sie geschätzt würden. Ist denn schon wieder Weihnachten? Nach seinem Genossen T.S. hat auch Peer Steinbrück jetzt einen verzichtbaren Schmöker veröffentlicht, mit dem er selbst aktiv an seiner Legende strickt. Es ist zu hoffen, daß das die letzte Runde ist, die wir noch ertragen müssen, denn der Anblick des Pappmachee-Superhelden ist ein gar zu trauriger.

Daß es immer noch Leute gibt, zumeist Journalisten, die ernsthaft glauben, er könne Kanzlerkandidat werden, ist wieder einmal ein schlechtes Zeugnis für die Zunft. Ja, Sigmar Gabriel hat auf eine Anfrage erklärt, er könne sich “jedes Amt” für Steinbrück vorstellen. Dies aber ist schon alles andere als Zustimmung von dem, der das entscheiden wird. Und die alte Regel, daß der, der als erster genannt wird, aus dem Rennen ist, wird sich einmal mehr bestätigen.

Der heldenhafte Bankenretter läßt sich das Ego von allen pinseln, die sich davor nicht ekeln, verweist stets kokett auf seine “Eitelkeit” und tut so, als sei es ganz unmöglich, daß er wirklich das wichtigste politische Amt antreten könnte. Was er noch nicht weiß: Das stimmt.

Safari Larifari

Wie dem auch sei, er läßt sich interviewen und bewundern und gibt dabei wenig Überraschendes von sich. Beispielhaft seine ‘Stellungnahme’ zur Rente:

Das letzte Beispiel ist in der Tat die Rente mit 67, wo ich zwar die Argumentation von Sigmar Gabriel teile, die da lautet, wenn denn diejenigen, die bis 67 arbeiten sollen, keinen Job finden, dann ist das eine Rentenkürzung – ja. Damit hat er recht. Aber ich würde darüber die Rente mit 67 nicht suspendieren, sondern ich würde versuchen, dafür Sorge zu tragen, dass es solche Jobangebote gibt, auch über Umschulungen, über eine Berufsschule im Alter, was immer man sich da vorstellen kann.

Ja, was man sich da so vorstellen kann. “Berufsschule im Alter” ist schon denkwürdig abstrus und legt den Verdacht nahe, daß die ganzen untauglichen Zwangsmaßnahmen aus den Hartz-Gesetzen jetzt auch über die Rentner kommen sollen. Wer im Alter keinen Job mehr hat, aber einen machen müßte, wird zur Schule geschickt. Damit ist er aus der Statistik, und wenn er diese Demütigung nicht mitmacht, dann gibt es halt kein Geld. Was man wirklich tun könne, selbst ob man etwas tun könnte, um Menschen länger in Jobs zu halten, dazu fällt ihm nichts ein. Das wären ja womöglich konkrete Ideen. Man lese sich einmal das Larifari durch, das er da von sich gibt. Pures Pustefix.

Das ist in diesem Interview übrigens kaum besser. Regulär komisch ist allerdings die Forderung, die er da, übermütig wie so oft, in den Raum stellt:

Versager gegen Versager

[TAZ:] Sie machen den hübschen Vorschlag, dass SPD-Abgeordnete ihr Mandat verlieren sollten, wenn sie im eigenen Wahlkreis mehrmals weniger Zuspruch erhalten, als die Partei insgesamt.

[Steinbrück:] Ja, ich habe Abgeordnete erlebt, deren Erststimmenergebnis regelmäßig viel schlechter ausfiel als das Zweitstimmenergebnis der Partei. Das hinderte sie aber nicht, im selbstreferentiellen System der SPD die lauteste Stimme zu führen. Mir würde dieser Widerspruch zu denken geben.

Das sagt der Mann, der nie ein Direktmandat für den Bundestag geholt hat. Der Mann, der bei seiner einzigen Wahl im Amt das Stammland NRW für die SPD verloren hat und nur Ministerpräsident geworden war, weil ein anderer die Wahl gewonnen hatte. Der Mann, der als Bundesminister für den historischen Niedergang seiner Partei mitverantwortlich ist. Das hindert ihn aber nicht, sich noch immer für einen ganz Großen zu halten.

Immerhin läßt das allgemeine Gejubel über den Scheinriesen merkbar nach. Mit Hans Peter Schütz rückt ihn im “Stern” endlich wieder einmal ein Journalist ins rechte Licht. Es ist sehr zu hoffen, daß die Zeiten, da er zum Alleinretter Deutschlands und der umliegenden Ortschaften verklärt wurde, bald endgültig passé sind.

Das war eine interessante Erfahrung heute. Wenn man dem Grauen nicht nur beiwohnt, sondern ihm tief ins Auge schaut. Ich meine natürlich die Bundestagssitzung. Sich nicht nur die Hauptredner anzuhören, sondern alle und das auch noch aufmerksam, ist extrem anstrengend. Das Ganze auch noch ab neun Uhr morgens, wenn das Hirn noch weit vom erwünschten Zustand erntfernt ist.

Nach all den Stunden an den Rechnern und im Blog habe ich jetzt keine Lust mehr zu recherchieren und zu tippen. Das ist auch gut so, zumal der Artikel von gestern es gar nicht verdient hat, von untalentierten Rednern in den Schatten gestellt zu werden. Herzlichen Dank an die Kommentatoren, die mein Leiden geteilt und gemindert haben.

So, nachdem auf dem dritten Rechner der Livestream endlich läuft, kann’s losgehen.

Achja, der Gabriel. Schwätze kanner ja. Wäre da bloß nicht die mehrere Fußballfelder große Glaubwürdigkeitslücke, das wäre eine Riesenrede gewesen. Wenn er allerdings Norbet Röttgen auffordert, sich gegen die Kanzlerin zu stellen, erinnert uns das an die Zeit, in der er heldenhaft die “kleinen Leute” gegen Schröder verteidigt hat, nicht wahr?

09:40 Die Kanzleuse spricht, noch ehe der erste Kaffe ausgetrunken ist. Ich glaub, ich reiß mir mal ne Büchse Bier auf.

09:41 Merkel frißt zwei Millionen Arbeitslose. Da willste nicht die Keramik sein.

09:47 Der Haushalt drückt aus, ein Beispiel für Europa zu sein. Ich will den Gabriel wiederhaben.

09:49 Weil die Zinsen höher sind als die Investitionen (was verfassungswidrig wäre), muß also die Verfassung geändert werden, damit das verfassungswidrig bleibt? Schnell noch ein Bier.

09:53 Merkel schreibt Geschichte – um. Als sie in der Gyroskrise die NRW-Wahl abgewartet hat, war die SPD das schuld. Das haben nicht mal die Sozen verdient und resche sisch mäschtisch uff. Respekt!

09:56 “Wir werden weiter für eine Finanzmarktsteuer arbeiten”. Solange wir nicht krank sind, im Urlaub oder nicht zuständig?

09:59: “Das Thema Gesundheitsversorgung ist zu ernst”. … “weil sonst die Gesundheitskosten nicht im notwendigen Umfang zur Verfügung stehen”. Wie wahr, der Umfang der Kosten für Arzneimittel wurde ja just in großem Umfang gesichert.

10:03 Ich verstehe die Frau nicht, was hat macht die da mit der Grammatik?

10:04 “Das Energiekonzept beruht zum ersten Mal auf klaren Konzepten… für die nächsten 30 Jahre.” … “Wir wollen das Zeitalter der erneuerbaren Energien erreichen”. Welch ein Schwurbel. Jetzt kommt die Eon-Propaganda von der “Brückentechnologie”, ein Plan bis 2050, Blabla. Ist das da ein Prospekt von Vattenfall, aus dem sie vorliest?

[... da das Posting meterlang ist, habe ich den Inhalt dorthin verlegt. Kommentare bitte weiter hier unten. ]

15:23 An dieser Stelle verabschiede ich mich aus dem Fernseh-Bundestag und übergebe an die Kommentarspalte.

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