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März 2010


Nein, ich bin nicht im Osterurlaub. Seit Sonntag habe ich weder Telefon noch Internet. Mein ******* Nachbar kam auf die wundervolle Idee, “sein” Telefonkabel durchzuschneiden, an dem dummerweise auch ich hänge. Mein Provider konnte nichts tun, schickte die Telekom, die feststellte, daß Problem läge im Haus und Instruktionen vom Hausbesitzer forderte, wie sie den Laden neu verkabeln sollten. Nach ein wenig Recherche stieß ich dann auf oben genannte Erkenntnis, reparierte das Kabel, die Leitung steht wieder und – ich bin immer noch offline, weil offenbar das NTBA/Modem bei dem Streß den Geist aufgegeben hat. Aaargh! Wenigstens habe ich im Büro heute Zugang – gestern hatte ich zu allem Überfluß auch noch “frei”, d.h. ein Date mit der “Agentur”. Dazu später mehr.

Bin ich “internestsüchtig”? Oder weltsüchtig? Ich fühle mich von dieser abgeschnitten, ohne die ganzen Nachrichten, mein Blog, Emails und dies und das. Ist da draußen wer? Irgendwer??

Es wird nicht besser mit dir, und ich meine es auch nicht mehr gut mit dir.
Daß man unter “Titten und Hitler” bei Google an erster Stelle meinen Artikel über die Qualität der journalistischen Resterampe findet, haben wir beide verdient.
Heute habe ich mich zuerst ein wenig geärgert über den boulevardesken Artikel zum Fall Wolski. Wie treffend warnt uns Anne Seith doch vor ihrem Artikel:

Eigentlich ist die ganze Geschichte unglaublich, gleicht einer Seifenoper.

So wird das dann auch serviert. Während die FR seit Monaten am Ball bleibt und die Skandale um die Kochs und ihre Familie detailiert aufdeckt, hängt sich der “Spiegel” lustlos verquast an eine “Geschichte”, als sei sie kein Politikum erster Güte. Ich will nur einen Satz zitieren, der belegt, wie unabhängig von Fakten sich ein solcher Stil weiß:

Die Beamten taten nichts. Der Verdacht dränge sich auf, sie hätten bewusst weggesehen, sagt [Richter] Buss – wegen totaler Überlastung.
Die ‘mangelnde personelle Ausstattung habe dazu geführt, dass auch die Behörden in diesem Fall ein “unglaubliches Bild abgegeben’ hätten.

Kein Wort dazu, daß der verantwortliche Minister nicht nur systematisch eine Steuerfahndung verhindert, sondern erfolgreiche Beamte zu Psychopathen erklären lassen hat.
“Sex” und “Schmuddel” stehen stattdessen im Mittelpunkt der Interessen des “Spiegel”. Da halten solche Zusammenhänge nur auf.

Das wäre mir aber noch keine weitere Erwähnung wert gewesen, wäre ich nicht auf einen Kern des reaktionären Weltbildes gestoßen, dessen Verbreitung den biederen Brandstwietern offenbar ein Anliegen ist. Allen Ernstes leistet sich Matthias Matussek dort einen Kniefall vor der katholischen Kirche. Würde der Augstein sich heute beim “Spiegel” bewerben, man wiese ihn vermutlich ab. Er wäre zu nüchtern und nicht auf Linie. Das geht heute gar nicht mehr.

Angetrieben vom linken Zeitgeist, sind wir auf dem besten Wege in den Kommunismus. Mindestlöhne schießen wie Pilze in die Landschaft, und jetzt hat es die Pflege erwischt. 7,50 Euro bis 8,50 Euro bedeuten für eine Vollzeitstelle 1260 bis zu über 1400 Euro brutto im Monat.
Die “Welt” warnt daher vor der furchtbaren Gefahr der Schwarzarbeit und beruft sich dabei auf den größten Ökonomen seit dem Heiligen Hans-Werner, Professor Michael Hüther, der darin außerdem brutalen “Protektionismus” sieht. Vermutlich sind sogar unsere Exporte in Gefahr.

Verantwortungslos

Wären die Pflegekräfte, die zu solchen Hungerlöhnen arbeiten, nur im Entferntesten so verantwortungslos wie die Neoliberalen, sie gingen einfach nicht mehr zur Arbeit und würden so lange streiken, bis der letzte Halbtote sich dem Sturm auf die Marmorhallen anschlösse und mit letzter Kraft einen Manager erwürgte. Allein der verhasste Staat sorgt noch mit halbherzigen Gesetzen zur Sicherung wenigstens existenzerhaltender Löhne dafür, daß Pflege noch geleistet wird. Wenn Löhne in solcher Höhe wirklich nicht mehr finanzierbar wären, müßte man eben die Steuern entsprechend erhöhen. Und da man das Geld nur noch bei denen holen kann, die immer noch bleiern darauf sitzen, sind Mindestlöhne um die Ecke sogar eine Wohltat für Reiche.

Die Argumentation mit der “Schwarzarbeit” ist schlicht kriminell. Warum fordern Genies wie Hüther nicht Warenpreise unterhalb der Produktionskosten? Schließlich können die Leute sich alles klauen, was sie nicht bezahlen wollen. Aber halt, das wäre ja auch ein staatlicher Eingriff. Würde es den Interessen der Wirtschaftsverbände entsprechen, wir hätten dergleichen längst aufgetischt bekommen.

Zuerst stirbt der Mensch

Der Mensch kommt in solchen Erwägungen nicht mehr vor. Die Sicherung von Eigentumsverhältnissen, das Recht auf Gewinn und ein “Wachstum”, das eines der ohnehin prall gefüllten Konten ist, geht über alles. Daß es die kleine Kaste der Großeigentümer ist, der einzig derartiges “Wirtschaften” nützt, bleibt unausgesprochen. Der Profiteur als Person kommt nicht vor.

Auf der anderen Seite stehen die Kostenfaktoren, die gering zu halten sind. Auch sie tauchen nie mit Namen und Gesicht auf, ihr Leben ist irrelevant. Die miserabel bezahlten Lohnsklaven sind in den Verlautbarungen der Ideologie die meist verschwiegenen Existenzen. Um als “Leistungsträger” erwähnt zu werden, haben sie nicht genug, so lange sie Arbeiten, kann man sie nicht als Schmarotzer denunzieren. Erst wenn sie von ihrem Recht gebraucht machen, sich diesem Markt zu entziehen, trifft sie Acht und Bann. Eventuell zerrt man die Abstraktion dieser Exemplare in falschen Beispielen als enteignete Steuerzahler ans trübe Licht, um diejenigen noch mehr zu beschämen, die nicht einmal solche Jobs bekommen.

Die Kosten der Würde

Mindestlöhne wie die für den Knochenjob der Pfleger und Pflegerinnen sind das Minimum reformistischen Gegensteuerns. Wer nicht dumm genug ist zu ignorieren, daß künftig Millionen Pflegebedürftiger ihrem Siechtum überlassen blieben, kommt gar nicht umhin, die immer noch viel zu niedrigen Löhne auf ein halbwegs erträgliches Niveau anzuheben. Neoliberale Menschenfresser träumen hingegen von der Sklavengesellschaft, die sich zum Wohle des Profits ihre Leibeigenen schon irgendwoher holt. Dabei schreien sie hemmungslos nach dem Staat, wenn es darum geht, sie zur Arbeit zu zwingen.

Ethisch kann man das gar nicht mehr diskutieren, es ist so widerwärtig, daß selbst der trockenste Philosoph zum Eimer greift. Diejenigen, deren akademischer Zynsimus solche Zustände noch rechtfertigt, sind politische Extremisten reinsten Wassers. Ihre Ideologie ist menschverachtend und zutiefst verfassungsfeindlich. Die Würde des Menschen ist für sie eine Frage der Kosten, und die sind ihnen immer zu hoch.

Sie zerstören willentlich und organisiert die Demokratie. Ihr Ziel ist der Umsturz, sei er revolutionär oder autoritär. Sie nehmen die Zerstörung des inneren Friedens, Tod und Leid wissentlich in Kauf.
Gegen solche Verbrechen gibt es Gesetze. Ein weniger “schlanker” Staat würde sie anwenden.

Und zwar “juristisch”, wie die Saar-Grünen drohen. Wohlgemerkt: Es wird nicht etwa mit den Mitteln der Justiz nachgeforscht, wenn der berechtigte Verdacht geäußert wird, daß jemand geschmiert wurde. Das ist nämlich Deutschland hier. Hier wird verfolgt oder bedroht, wer Korruption “Korruption” nennt.
Im Fall des Grünen Polit-Aals Hubert Ulrich hatte ich bereits darauf hingewiesen, daß er die Grenze dessen, was woanders Bestechlichkeit wäre, locker genommen hat. Seine Ausflüchte waren zum Erbarmen, und dann stellte sich heraus, daß er die ganze Partei hat ölen lassen.

Ulrich, der Grüne Befehlshaber der saarländischen Jamaica-Kollaboration, ex-Beschäftigter des FDP-Chefs, hat seiner Partei nicht einmal verraten, daß dieser auch Großspenden an die Grünen geleistet hat. Jetzt meldet die TAZ, daß mehrere Steuerstrafverfahren gegen den sauberen Herrn Ostermann eingestellt worden sind.
Die Linke und die SPD setzen deshalb einen Untersuchungsausschuß ein, um etwas herauszufinden, das es gar nicht gibt: Daß es sich bei diesen durchschaubaren Spielchen eben um Korruption handelt.
Ach Leute, das weiß doch jeder, der es wissen will. Es darf nur niemand sagen. Wie wäre es also mit Gesetzen, die derartige Schweinereien endlich unter Strafe stellen?

Wir mischen uns da nicht ein“, läßt die SPD-Fraktion verlautbaren, wenn sich ein Geheimdientsmitarbeiter einen Parlamentarier mit dessen Wissen nutzbar macht, um sich im Bundestag zu tummeln. Ist doch nichts dabei. Das verstößt sicher nicht einmal gegen das Grundgesetz, dessen Autoren sich nicht jedes kognitive Selbstmordattentat haben vorstellen können, zu dem ein Abgeordnetenhirn fähig ist. Die Verfassungsschützen werden sich gefreut haben, die parlamentarischen Kontrolle geschickt umdrehen zu dürfen.

Artikel wie der von SpOn verschwinden ganz schnell in der unteren Scrollradwüste der Sparte. Es ist schließlich viel wichtiger, vor “linker Gewalt” zu warnen, an der die Demokratie zugrunde zu gehen droht.

Hier könnt ihr einen Ausschnitt aus dem WDR-Radiobeitrag “Stichtag” von heute hören. Erstaunliche Parallelen zu aktuellen “Argumenten” tun sich da auf.
Den ganzen Beitrag (“Ausstellung ‘Das Wunder des Lebens’ eröffnet”) gibt es für einige Zeit noch beim WDR als Podcast. Das kommt exakt zur rechten Zeit – Hörbefehl!

… in dem die Ärzte und die Piloten streiken und die wirklich Ausgebeuteten sich brav buckelnd in ihr Schicksal ergeben? Ein einig Volk von FDP-Wählern, deucht mich.

Gestern habe ich mir noch einmal “From Dusk till Dawn” angeguckt. Heute las ich ein weiteres Statement vom ewigen Jörges auf seinem Kreuzzug für das Wahre, Gute und Journalistische, in der das Böse – “Blogger” – seinen festen Platz hat. Ich finde Jörges gruseliger als Tarantino, vor allem, weil er so fad humorfrei durchs Leben doziert.
Es gibt viele Pussies, wissen wir vom Türsteher des Titty-Twisters, und es gibt ebensoviele Blogger.

Wir haben
Fotoblogger, Freizeitblogger, Wirtschaftsblogger, Politiblogger, Fetischblogger, Kochbuchblogger, Metablogger, es gibt ach
linke Blogger, rechte Blogger, liberale Blogger, bürgerliche Blogger, langweilige Blogger, rüde Blogger, intelligente Blogger, saudoofe Blogger, wir haben
Amateurblogger, Samtblogger, Holzblogger, Videoblogger, Textblogger, IT-Blogger, Reiseblogger,
da sind so viele Blogs und Blogger, wir wissen gar nicht, wohin mit all denen. Wer noch mehr Blogger oder noch andere Blogger findet -
lest sie !

Das ist freilich zuviel für einen, der anderen sagen will, worüber sie zu schreiben haben, was sie dabei sagen dürfen und was nicht. Zu unübersichtlich für den Ankläger und Richter, der allein darüber befindet, wer Aufmerksamkeit “verdient” hat, und wer nicht. Jörges schwingt sich auf zum Dieter Bohlen einer publizistischen Castingshow, die nur in seiner eitlen Einbildung stattfindet. Obendrein steht schon immer vorher fest: Gewinner ist der Journalist.

Daß immer noch die Leser entscheiden, wem sie Aufmerksamkeit schenken und wem nicht, geht dem Jörges gegens Credo, da hat der Leser halt keine Ahnung und verschleudert seine Aufmerksamkeit an Nichtverdiener.
Das alles kennen wir schon, es wäre keine Zeile wert, garnierte seine Heiligkeit das Hohelied auf seinesgleichen nicht mit einer quer zum Anzug gebügelten These:

Das wertet den Journalismus auf. Das macht ihn noch unverzichtbarer. Und das verlangt nach Journalisten, die für ihr Blatt zur Marke werden – vom Leser gesucht, von der Redaktion herausgestellt, vom Verlag gepflegt. Um es anders auszudrücken: Das Autorenprinzip gewinnt im rasenden Wettbewerb um Aufmerksamkeit an Bedeutung.

Unter der Hand werden also Autoren ohne Presseausweis zu Nichtautoren erklärt. Was sonst ist ein “Journalist”? Einer wie Rainer Meyer vielleicht, der als Historiker und Ur-Onliner schreibt und sich nebenbei auch “Journalist” nennen darf? Thomas Strobl, der als streitbarer und stilsicherer Ökonom ebenfalls von der FAZ eingekauft wurde? Heribert Prantl womöglich, der sich als Jurist und publizierender Verfassungsverteidiger auch “Redakteur” nennen darf? Verdanken diese Leute ihre Autorenschaft und Autorität dem Umstand, daß sie “Journalisten” sind?

Sind die Bildungshänflinge aus den einschlägigen Ausbildungsgängen, die sich durch Kaffeekochen und das Abschreiben von Agenturmeldungen ihre Meriten verdienen, die Zukunft der deutschen Autorenherrlichkeit? Sind tausende deutscher Journalisten, deren Artikel so wiedererkennbar sind wie Eier aus der Legebatterie, journalistische “Autoren”, die Aufmerksamkeit verdient haben?

Das unerträgliche Wiederkäuen kuhjournalistischer Stupiditäten wie die Behauptung aufwendiger Recherche will niemand mehr hören. Jörges mag beim “Stern” eine Qualitätsoffensive erkennen wollen, die das Niveau der Hitlertagebücher überbietet. Daraus sollte er freilich nicht die Lizenz zum Steinewerfen ableiten.

Er hat keine Ahnung von Blogs oder sonstigen publizistischen Auftritten im Netz, die keine abhängige Redaktion und keinen profitorientierten Verlag hinter sich haben. Das wird ihn nicht davon abhalten, auch weiterhin erfolgreich unsinnige Abhandlungen zu verbreiten. Karl May schrieb auch Reiseberichte, die reißenden Absatz fanden. Vielleicht meint Jörges ja das mit dem “Autorenprinzip”.

Sollte er allerdings wollen, daß zukünftig weniger Androide mit Infrarot-Schnittstellen zu Faxgerät und Redaktionsmeinung teures Papier zerstanzen und stattdessen respektable Autoren an die Höfe der Holzmedien geholt werden, kann er sofort damit anfangen. Die Autoren wird er am leichtesten finden, wenn er sich endlich einmal mit denen beschäftigt, die er bislang ohne Ansehen der Person niederschreibt.

Ich gebe ihm gern die Chance, über sein wohlfeiles Lob der Autorenschaft eine Weile nachzudenken und neu lesen zu lernen. Vielleicht bekommen wir dann auch von ihm etwas zu lesen, das Aufmerksamkeit nicht nur erregt, sondern sie auch wert ist.

Die CD mit den Daten von Steuerhinterziehern enthält offenbar Daten, die geeignet sind, eine Fahnung in Gang zu setzen. Über tausend Verdachtsällen werde nachgegangen, und es wird spekuliert, dadurch 400 Millionen Euro an Nachforderungen erheben zu können.

Das Land Nordrhein-Westfalen hat den Kauf der CD betrieben, da dort offensichtlich die hessische Mathematik nicht greift. Danach würden 1100 Fälle nämlich nur 229.020 Euro einbringen. Da frage ich mich doch, ob irgendwo irgendwer nicht rechnen kann oder die Verbrecher nicht überall unwilkommen sind. Nein, eigentlich frage ich mich das gar nicht.

Ist “Professor” zu sein, heute eigentlich noch attraktiv?

Es gibt in der Schwätzerszene Leute, die sind in der Uni brav angepasste Beamte, und in den Medien lassen sie “die Sau raus”, steigen in ihre Kampfrhetorik und werden zu verbalen Amokläufern. Wir beobachten da eine merkwürdige Existenzspaltung. Einerseits die bürgerliche Existenz zum Geldverdienen, andererseits eine “Freiheitsexistenz” zum Ausleben von Lust an Demagogie. Einer der ernsthaften Ursachenfaktor dafür ist, das viele junge Leute sich durch Überanpassung und Ahnungslosigkeit in Propagandisten-Rollen bewegen. Irgendwann will man das dann auch einmal real tun und nicht nur vor wehrlosen Studenten.

[Grammatikalische Schlaglöcher sind ungeteert dem Original entnommen]

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