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November 2009


Für gewöhnlich findet man eine Nichtregierungsorganisation eben nicht in der Regierung, daher heißt sie ja so. In Deutschland ist das anders. An der Spitze der Bundesregierung steht eine Kanzlerschafts-Inhaberin mit beschränkter Haftung, die es anderen überläßt, politisch tätig zu werden. Ihr selbst ist das viel zu gefährlich, man könnte sie ja für etwas verantwortlich machen, das sie gar nicht entscheiden wollte und ihr einen Strick daraus drehen.

Ich habe sie in einem meiner ersten Blogeinträge zwar gar nicht so faslch eingeschätzt, habe aber nicht geblickt, daß ihre vermeintliche Schwäche eine geniale Strategie ist:

Nein, daraus folgt nicht, daß die da das darf! Im Ernst, wenn es denn noch geht: Wie soll sie denn einen Verein zusammenhalten, der die Mobbingprofis aus der ersten Reihe als “Parteifreunde” verkauft und den Erzfeind als “Partner” ?! Neben Koch, Stoiber, Wulff etc. etc. dürfen dann auch Steinbrück, Beck etc. etc. und am Ende der böse Gabriel auf Angela herumtrampeln?

Viel Feind, viel Tumult – soweit lag ich richtig. Daß sie aber dasteht, nichts tut und einfach darauf wartet, wie ihre Konkurrenten sich einer nach dem anderen gegenseitig zerfleischen – das ist hier die Antwort. Zuletzt waren es der von Koch geschickte Jung, der über sich und den Guttenberg stolperte, und Koch selbst, der erst den Brender erledigte und dann den Jung durch eine Jüngere ersetzte. Die Kanzlerin benennt die Minister? Nein, das macht der Proporz in Kooperation mit den Ministerpräsidenten. Sie hat die Richtlinienkompetenz? Dazu ein aktuelles Beispiel:

Da in Brüssel noch einmal die Innenminister zusammentraten, um über die SWIFT-Regelung zu befinden, ist Thomas de Maizière nach Brüssel gereist, um per Enthaltung die entschiedene Meinung der Regierung zu vertreten. Damit hat er dem Koalitionspartner ordentlich den Absatz in dem Fuß gerammt, der nämlich gegen die Überwachung der Kontenbewegungen durch die amerikanischen Freunde war. De Maizières Begründung ist noch eine Watschn obendrein:

Weniger ist mehr als nichts. Die Verhinderung des Ankommens wäre ein Bärendienst für den Datenschutz gewesen. Die Beziehungen zu Amerika im Kampf gegen den Terrorismus sollen aus meiner Sicht nicht belastet werden“.

Nun fühlt sich erstens für den Datenschutz die Justizministerin von der FDP zuständig, deren Meinung ihn ganz offiziell nicht interessiert. Dann kommt es aber noch besser. Mag man sich darüber streiten, inwiefern Datenschutz Sache des Innenministers ist, macht er gleich auch noch die Außenpolitik mit. Beziehungen zu Amerika? Die werden jetzt aus seiner Sicht geregelt. Da wird sich Herr Westerwelle aber freuen, daß de Maizière das erledigt, was Guttenberg übrig läßt.
Die Eingangsphrase “Weniger ist mehr als nichts” hat er sicher von einem Hedgefonds-Mathematiker aufgeschnappt. Versteht kein Mensch, klingt aber eben darum sauschlau.

Mutti ist derweil sicher wieder irgendwo auf Kreuzfahrt, Händchen schütteln. Alles paletti an der Heimatfront, Hauen und Stechen as usual. Ich kann mich regelmäßig amüsieren, wenn wieder einmal ein übermütiger Journalist ein “Machtwort” von ihr fordert. Liebe Gartenfreunde, so blöd ist Mutti doch nicht, daß sie ein Wort spricht, welches sie die Macht kosten könnte. Denn “Macht”, das ist für sie winken dürfen, roter Teppich, lecker Sekt und Party mit Ackermann. Was will man mehr?

Angesichts der Zustände in Hessen, der Fälle Brender und Lochthofen sowie des Minarett-Verbots in der Schweiz kam ich heute sehr ins Grübeln, aber meine feier-geschädigten Synapsen brachten nicht so recht Ordnung ins Chaos. So etwas wie “Hättens’ lieber einen Rechtsstaat oder eine Demokratie?” schwirrte da herum, und alle, die gern nach Volksabstimmungen rufen, sollten sich gut überlgen, ob sie das wirklich wollen. Und unter welchen Bedingungen.

Auch liegt die Bezeichenung “mafiös” in einigen Verflechtungen der endzeit-demokratischen Politikorganisation nahe. Man kann jetzt darüber meditieren, wieviel Gewicht dem Unterschied zwischen gewissen Hessen und dem echten Berlusconi (via) beizumessen ist.

Kaum zu bestreiten ist der auch amtlich beförderte Niedergang des kritischen Journalismus und die fatale Wirkung dieser Entwicklung. In Fieberträumen vom großen Geld deliriere ich über die Gründung einer Journalistenschule und eines auch-Print-Mediums. Ich bin davon überzeugt, daß Qualität noch organisierbar ist und darin eine notwendige Bedingung für eine Demokratie besteht, die dieser Bezeichnung würdig wäre. Wo zur Hölle sind bloß die Förderer einer unabhängigen Öffentlichkeit?

Der Verdacht darf geäußert werden, daß Karl Heinz Weimar persönlich verstrickt ist in das verbrecherische Mobbing gegen Beamte der hessischen Finanzverwaltung. Nach den durch die FR aufgedeckten Vorgängen ist sein Rücktritt das Mindeste, was fällig wäre. Und da er seit zehn Jahren in den Kabinetten von Roland Koch dessen wichtigster Minister ist, müßte dessen Kopf gleich mitrollen.
Wie gesagt: Allein anhand dessen, was bereits öffentlich ist, ist diese Forderung unumgänglich. Vermutlich werden wir noch einiges mehr erfahren, gegen das die bisherigen Erkenntnisse als Bagatelle erscheinen mögen.

Aber Halt: Wir haben es hier mit Hessen zu tun. Ehe der Hesse zurücktritt, wird er erst ein paar Mal befördert. Erst wenn er seine Inkompetenz oder Dreistigkeit in einer Position zelebriert, in der das niemand mehr übersehen kann, hat das im Optimalfall Konsequenzen. Franz Josef Jung hat das immerhin geschafft.
Roland Koch hingegen hat das Zeug zum Bundeskanzler. Oder zum Präsidenten. Oder Gottkaiser aller Deutschen. In Hessen führt er sich längst so auf, dann kann er das auch im Bund übernehmen. Sein letzter Coup, die Absetzung von Nikolaus Brender, ging auch deshalb so geschmeidig durch, weil man von ihm nichts Demokratisches gewöhnt ist. Man stelle sich einmal vor, Andrea Ysilanti hätte in gleicher Manier Peter Hahne verhindert. Alles eine Frage von Macht und ihrer konsequenten Anwendung.

Aber was mäkeln wir herum, wir haben es schließlich mit echten Ehrenmännern zu tun. Karl Heinz Weimar ist Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande, Koch gar des großen Verdienstkreuzes mit Stern und Schulterband. An den großen Orden hat man noch in jeder Epoche diejenigen erkannt, die sich ihre Verdienste mit allen Mitteln erworben haben. “Brutalst möglich” quasi.

Hartz-IV-Empfänger werden immer häufiger beim “Betrug” erwischt. Die WAZ ist sich nicht zu blöd, völlig unkritisch von Betrügern und Sanktionierten zu reden und meldet, “die Situation in den Argen” habe sich “personell, organisatorisch und fachlich verbessert” – was sich in der Praxis der Sanktionierungen niederschlage.

765000 Sanktionen, das trifft statistisch jeden siebten ALG II-Empfänger. Kein Wort von zigtausenden Klagen, die dagegen anhängig sind und in einem erschreckenden Maß das Unrecht belegen, das sich hinter den Sanktionen verbirgt. Wer betrügt eigentlich wen angesichts dieser Zustände? Man fragt sich unwillkürlich, ob hier “paranoid-querulatorische” Hobbyfahnder am Werk sind, die Spaß am Drangsalieren haben. Das bezieht sich sowohl auf die “Sachbearbeiter” als auch auf “Journalisten”, die nicht zwischen Betrügern und Opfern eines idiotischen Sozialssystems unterscheiden wollen.

Verantwortungs- und Leistungsträger hingegen wissen stets die schützende Hand der Seilschaft über sich. Das gilt nicht nur für Steuerbetrüger, sondern ebenso für Minister, die noch jedes Verbrechen als besondere Raffinesse ausweisen – oder eben als Business as usual.

Die mal bestechenden, mal staatstragenden Leistungen der ministeriellen Allzweckhaubitze Jung bedürfen keiner Aufklärung mehr. Er wäre unter erträglichen Umständen längst im Bau, in der drögen Wirklichkeit sieht es freilich anders aus. Der Mann ist einfach zu cool zurückzutreten. Unerhört bauernschlau, brüstet er sich damit, gar nicht wissen zu wollen, wovon er mit Inbrunst redet.

Wenn es Fakten gibt, die seine kompetente Meinung erschüttern könnten, nimmt er sie erst gar nicht zur Kenntnis. Das ist das erklärte Prinzip seiner Arbeitsweise. Warum sollte es für ihn Konsequenzen haben? Was gestern richtig war, kann doch heute nicht plötzlich alles falsch sein, und als Arbeitsminister sitzt er schließlich genau da, wo es keine zivilen Opfer gibt, sondern ausschließlich (Sozial-)Terroristen zu bekämpfen sind.

Dietmar Hopp, Besitzer einer Fußballfirma aus der Bundesliga, ist ein echtes Opfer. Die Jugendlichen, mit denen ich täglich zu tun habe, würden das genau so sehen. Und ihm vermutlich noch auf den Kopf zusagen, seine Mutter gehe einer Beschäftigung im ältesten Gewerbe der Welt nach.
Das kann er auch von Kölnern haben, die ebenfalls den “Hurensohn” in ihm erkannt haben wollen. Die Dortmunder wiederum würden ihn gern abschießen. Auch das ist rustikal.

Nun, wenn das also eine Morddrohung war, dann schicke ich doch gleich eine hinterher. “Verbrennt den Hopp”, so fordere ich, und zwar rituell und als Vergnügen fürs ganze Volk. Aber eins nach dem anderen!
Traditionell, das wissen nicht nur die Erzfeinde aus Mönchengladbach, kennt der Fußballfan den FC Köln etwa als die “Scheiße vom Dom”. Ist das nicht schrecklich diskriminierend? Wie solche sollen die Kölner also behandelt werden? In ein finsteres Loch gespült werden? Kollektiv ersäuft? Ist das nicht Volksverhetzung, ein Aufruf zum Genozid gar?
Andere haben schon zu Walzermelodien vom Blut der Bayern gesungen: “wenn es spritzt, wenn es schwappt, dann ist es gut”. Das ist ja Bürgerkrieg. Oder nicht?

Ich bin zwar kein Fußballfan, aber sogar ich weiß, daß diese Gesänge und Gebärden nicht wirklich wörtlich zu nehmen sind. Es ist ein Ritual, wenn Fans sich singend beschimpfen, verhöhnen und böse Plakate malen. Viel böser als das Androhen mittelalterlicher Strafen und die Bezeugung tiefen Hasses sind übrigens als “kultiviert” geltende Aussprüche. Je näher sie der Wahrheit kommen, umso verletzender. “Ihr werdet nie deutscher Meister”, dem aktuellen Tabellenführer trocken ins Gästebuch geschrieben, oder eine Salatschüssel mit der Aufschrift “Nur gucken, nicht anfassen” für gewisse Blauweiße – das sind die eigentlichen Brutalitäten von den Rängen herab.

Dieses einträgliche Treiben des Pöbels war bislang keiner Erwähnung wert, und Hunderttausende geben sich dem hin, ohne daß sich die “Beleidigten” je weinerlich darüber beschwert hätten. Nein, da muß schon ein Milliardär daher kommen, sich einen Klub ohne Fans kaufen und zur Boulevardpresse marschieren, um seine ganze fundierte Kenntnis des Betriebs in die Waagschale zu werfen. “Morddrohungen” will er gesehen haben und fühlt sich in seiner Menschenwürde verletzt. Hätte er “Majestätsbeleidigung” angezeigt, man hätte ihn verstanden.
Der Herr hat doch seine schwer erbeuteten Millionen nicht auf den Tisch gehauen, um jetzt als Arsch der Woche dazustehen. Er hat ein Recht auf Liebe! Der Mob soll seinen Klub anfeuern und nicht dessen Besitzer mobben. Bei anderen Klubs geht das doch auch.

Nun hat sich selbst ein Sympath wie Uli Hoeneß über Jahrzehnte die Verachtung des Gegners redlich verdient und zudem seinen Weg von Spieler zum Funktionär im meist gehaßten deutschen Traditionsverein gemacht. Ist es wohl möglich, daß einer, der nichts geleistet hat und trotzdem als “Leistungsträger” Huldigung einfordert, genau das provoziert, was ihm da entgegenschlägt?

Dietmar Hopp ist eine steinreiche Witzfigur, nicht mehr und nicht weniger. Er sollte einfach mit seinen Golf spielenden Zigarrenrauchern Kaviar mampfen und sich von seinen PR-Beratern erklären lassen, wie man Fuball kauft und sich am Gewinn(en) erfreut, obwohl man nie dazugehören wird. Oder seinen Psychiater aufsuchen und sich bei dem ausheulen.

Besser wird das sicher nicht werden für ihn. Im Gegenteil sehe ich schon eine Fusion aus Fußballfieber und rheinischem Karneval, mit ihm in einer köstlichen Hauptrolle. Der Narr, der Griesgram, der Hoppeditz und der doofe kapitalistische Funktionär zu einer Figur verschmolzen. Der Depp vom Dorf, der es nicht rafft und den anderen den Spaß verdirbt, wird einmal im Jahr feierlich verbrannt, am 11.11., am Aschermittwoch oder auch am Karfreitag. Man heißt ihn den “Hopp”, er ist nicht nur im Kopf ganz aus Stroh, und er trägt ein Fußballtrikot.

Och nöö, der Güllner wird schon wieder zitiert. Von Springers über die FR bis Heise hauen die journalistischen Hutzelmännchen noch immer Güllners Zahlengülle raus, als sei das eine Nachricht. Was muß man eigentlich können, um den Mist zu verbreiten, den Forsa zusammenwürfelt? Außer sich die Hilti schmerzfrei durch die Fontanelle jagen, meine ich?

Wie dem auch sei, der Genosse Rechtsaußen hat Gabriels Resterampe noch ein Prozentchen weggenommen und schon sind sie wieder “historisch”. Beck war auch immer “historisch”. Dann kam Münte zurück, und fortan hieß der Stimmverlust “noch nicht erholt”. Die Lösung des Problems dürfte auch klar sein: Deutliche Abgrenzung von der Linken, Beck und Ypsilanti. Besser noch: Den verdienten Genossen Steinmeier in Front bringen, um die Mitte zurück zu gewinnen. Dann erholt sich die SPD zwar nicht sofort, aber die 15%, die sie in der Mitte holt, sind wenigstens nicht mehr historisch.

Man könnte sich natürlich auch ganz gelassen fragen, woher die Sozen derzeit mehr Stimmen holen sollen – oder auch bei welcher Wahl. Sollen die jahrelang auf Linie getrimmten Wähler es plötzlich gut finden, daß “ihr” Münte nicht mehr gewollt wird? Sollen die Leute jetzt aus Überzeugung Loser wählen?
Oder sollen vielleicht diejenigen, die schweren Herzens endlich wirklich links gewählt haben, denken, bei Gabriels sei alles wieder gut?

Das “historische Tief” liegt inhaltlich bei Schröder und politisch irgendwo zwischen Münte eins und zwei. Ich traue weder dem Gabriel noch den vorgerückten Hinterbänklern zu, noch tiefer zu sinken. Aber die SPD hat uns ja schon oft überrascht. Das nächste Riff kommt bestimmt.

Marktfreiheit, Ungleichheit, Eigentumkeit, die drei Leitblödheiten der großbürgerlichen Restauration, durchmiefen den Restgeist der Friedhofswärter des Liberalismus. “Freiheit”, das bedeutet für die einen die Befreiung ihrer Lebenswelt vom Pöbel, für die anderen die Befreiung von ihren Rechten und ihrer Existenzgrundlage. Freiheit als Eigentum meint in bezug auf Wohnraum zum Beispiel, daß man so viel wie möglich davon besitzen und so wenig wie möglich bewohnen kann. Eine Wohnung nicht zu benutzen, ist gleiches Recht für alle. Die es sich leisten können, haben es eben und stellen nicht den Anspruch, sich in all ihren Immobilien abends ins Bett zu legen. Die es sich nicht leisten können, müssen ihr Bett halt unter freien Himmel beziehen. Freier geht es doch gar nicht.

Daher ist es auch erzliberal, wenn Mieter ebenso lange Kündigungsfristen einhalten müssen wie Vermieter. Es kann zwar niemand schon ein Jahr im Voraus wissen, daß er sich womöglich genötigt sieht, den Wohnort zu wechseln, aber auf solche Probleme kann der Markt doch keine Rücksicht nehmen. Was kann der Eigentümer dafür, daß sein langjähriger Wohungsnehmer sich den marktbedingten Preisanpassungen nicht beugen will? Oder daß der mietende Arbeitnehmer plötzlich keiner mehr ist und das Schicksal, vulgo “Arbeitsagentur” ihm einen neuen Platz im Vaterland zuweist?

Niemand hat die Absicht, Rentner vor die Tür zu setzen. Aber fair ist fair, auch hier gilt “gleiches Recht für alle”. Daraus folgt, und da sind der Markt und seine Hüter ganz kulant, daß es eben keine langen Kündigungsfristen mehr geben wird. Wer das nicht einsieht, wird sich dafür verantworten müssen, wenn Wohnungen ins Ausland verlagert werden. Wer wollte das ernsthaft dem Standort Deutschland antun?

Dem sehr liberalen Datensammer und NRW-Innenminister Wolf ist völlig klar, daß die Schar der Uneinsichtigen, die sich jeder Reform verweigern, unter den Bedingungen der konsequenten Standortsicherung zunehmend zum Extremismus neigen könnte. Daher hat er sein Superman-Cape angelegt und zeigt der verführbaren Jugend den rechten Weg – in einem Comic. “Uiuiui” sagt da die linkslastige Lotterjugend, “das ist aber gefährlich!” – und wird fortan Treue schwören zu Markt und geschützter Standort-Verfassung. Oder etwa nicht?

Ich vertraue auf die Stärke des Rechts, nicht auf das recht des Stärkeren“, sagt der gute Junge im Comic zu den Bösen.
Komisch nur, daß der Böse das nicht nur wörtlich nimmt, sondern sich auch noch das Recht, gegen die Stärkeren ins Feld zu ziehen, weiß er doch aus seinen Büchern: “Leeres Wort, des Reichen Pflichten, leeres Wort des Armen Recht”.
Dann kommt es wie im richtigen Leben, und so lernen wir: Gegen Extremismus ist kein Kraut gewachsen. Es sei denn, man wollte den Kapitalismus abschaffen. Und worüber sollte man dann noch so herzhaft lachen?

Ein Pessimist ist ein Optimist, der nachgedacht hat. Was sagt das über den Optimisten aus? Und was macht Hans Ulrich Jörges so furchtbar optimistisch?
Die Diskussion über Albrecht Müllers Buch “Meinungsmache” ist zwar interessant, hat aber mit mehr als zwei Stunden dezente Überlänge. Beteiligt waren Der Autor selbst, Oskar Lafontaine, Hans Ulrich Jörges und Zuhörer, moderiert wurde das Ganze von Sabine Adler vom DLF.

Die Zusammensetzung ist ein wenig asymmetrisch, weswegen Frau Adler auch gleich eingangs Jörges als “Bad Guy” einführt. Er wird dieser Rolle nur bedingt gerecht.
Das Gespräch hat deutlich mehr Niveau als die üblichen Talkshows, in denen sich die Protagonisten zuweilen auch schon begegnet sind.
Für Leser der Nachdenkseiten ist der Erkenntnisgewinn sehr übersichtlich, allein die Beiträge von Jörges sind interessant und der Verweis von Lafontaine auf die Notwendigkeit von mehr Basisdemokratie in den Parteien.

Gezählte neun Mal wiederholte Jörges sein Hauptargument, daß die Menschen “nicht so blöd” seien. Für ihn ist die Welt des Journalismus in Ordnung, gegen jede Kampagne habe es auch andere Meinungen gegeben in den Medien – womit er in der Hauptsache sich selbst und den “Stern” meint. So unterschätze Albrecht Müller eben auch die “Gegenkräfte”, als die Jörges nicht nur die klugen
Leser betrachtet, sondern auch die vielen Anbieter freier Informationen im Internet. Ausgerechnet. Für alles Böse kennt er etwas Gutes. Einflußnahme von Konzernen, Verlegern, Anzeigenkunden? Iwo, Bertelsmann habe nicht einmal angerufen, als er den Rücktritt Ackermanns gefordert habe. So frei ist dieses Land!

Auf die komplexe Struktur von Manipulation und Meinungsmache, von skandalösen Kampagnen wie die gegen Ypsilanti bis hin zur Schere im Kopf, geht Jörges nicht ein, und es führt ihn leider auch niemand auf diesen Weg. Mit vielem ist er sogar einverstanden, sieht ein Versagen von Politik und Wirtschaft. Keiner kam auf die Idee, ihn einmal zu fragen, warum die klugen Menschen angesichts dieser Faktenlage massenhaft FDP gewählt haben. Zur Causa Ypsilanti hat er hingegen eine Meinung: Die war nämlich “so blöd” zu tun, was sie tat. Na wenigstens eine.
Blöde gibt es auch in den Parlamenten: dort stimmten Abgeordnete nämlich “Gesetzen zu, die sie weder gelesen noch verstanden haben”. Die Deppen seiner Welt sitzen sämtlich in der Politik. Das ist immerhin eine Aussage.

Er stimmt Lafontaine voll und ganz zu, sofern es darum geht, die innerparteilichen Strukturen zu demokratisieren. Jörges sagt ganz offen, daß in diesem Land die Machtstrukturen nicht demokratisch sind. Die Macht der Wirtschaft ist erdrückend, die Parteien in der Hand der Funktionäre. Der Einfluß der Parteien auf die Öffentlich-rechtlichen Medien ist ihm ein Dorn im Auge. Das ist verständlich und auch weitgehend richtig.

Daß er aber das gigantische Systemversagen der eigenen Zunft nicht sehen will und vehement leugnet, macht ihn, Pardon, zum Nützlichen Idioten gerade der Mächte, die er so gern beschneiden will. Wer derart den Lampenputzer macht und mit seinem Ego jeder kritischen Betrachtung der eigenen Kollegenschaft im Wege steht, ist eben Qualitätsjournalist. An der “vierten Gewalt” liegt ihm nichts, im Gegenteil scheint es ihm zu gefallen, wenn flächendechend Quark getreten wird. Der “Alphajournalist” wirft einen tollen langen Schatten, was geht’s ihn an, daß die Sonne kaum über den Horizont steigt?

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Originalbild: Wikimedia Commons

Ich will hier den hervorragenden Vorschlag aus den Kommentaren aufnehmen und es nicht allein bei der verbalen Unterstützung belassen. Der große Aufklärer und Wahrer jüdischer Vermächtnisse, Herrscher über Steuern und geistige Gesundheit, Tribun der Überfremdeten, Beschützer der Bedrohten und Wächter über verleitete Rundbefunkte, braucht uns.

Wir sind nicht reich, können uns kaum die Koffer leisten, in denen er die Geschenke für die Seinen vor den Klauen der Enteigner rettet. Wir können ihm nicht geben, was zu nehmen er großherzig sich bescheidet. Wir können ihn nicht in all die Ämter tragen, die zu bekleiden ihm zustünde und haben nicht die Macht, ihn vor der unbarmherzigen Verfolgung durch seine verblendeten Feinde zu bewahren.

Aber wir können ein Zeichen sezten. Wir sind viele. Wir können lobpreisen und Jubeln. Wir können unseren Dank in die Welt hinaus rufen. Wir können ihm huldigen, ihm unsere Zuneigung und Anerkennung zuteil werden lassen.
Laßt uns massenhaft zusammen stehen und bekennen. Werfen wir die falsche Scham über Bord, wie er es uns gelehrt hat. Schieben wir die schäbigen Verleumder und Kriktikaster beiseite. Sagen wir es einfach:
Roland, du großer Bruder und Landesvater, wir lieben dich!

Gleich 35 “Juristen” fordern weniger Einfluß der Parteien auf den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Es zeigt sich wie so oft, daß Juristen, insbesondere in Italien und Hessen, mehrheitlich kommunistisch unterwandert sind. Bei den Querulanten, die sich dem besorgten Landesvater Koch entgegen stellen, um den linken Hetzer Brender zu unterstützen, kann es sich nur um psychisch Kranke handeln, die bald möglichst von der Ausübung ihrer Tätigkeiten zu befreien sind. Auch ein Einsatz der Bundeswehr im Inneren sollte erwogen werden.

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