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Juli 2009


Terror in Deutschland, endlich! Wovor der nimmermüde Innenminister seit Jahren warnt, es ist endlich eingetreten. Wer glaubte, die Aufrufe zur Wachsamkeit seien unnötig gewesen, wird nunmehr eines Besseren belehrt. Der Terror hat einen Weg zu uns gefunden, hinterlistiger als selbst die Wachsamsten annehmen konnten. Sie erwischten uns im Hinterland, an der offenen Flanke, im Urlaub. Wo der tapfere Infanterist sich Erholung erhoffte, schlugen die Terroristen zu, grotesk getarnte Söldner, die kein Wort arabisch sprechen.

Wir stehen erst am Anfang eines großen Kampfes für unsere Freiheit, weltweit. Wo immer Deutschland steht, ist auch der Terrorist nicht weit, am Hindukusch, im Sauerland, und jetzt auch auf Malle. In Kabul und Kreuzberg waren wir vorbereitet, die anstehenden freien demokratischen Wahlen müssen geschützt werden. Die dunklen Mächte glauben, wir können nicht überall sein, ihnen ist ein Überraschungsangriff gelungen. Werden wir deshalb schwach? Müssen wir einsehen, daß es kein Mittel gibt gegen den feigen Feind?

Ganz im Gegenteil. Es zeigt sich jetzt, daß die Vorsicht richtig war und die Anstrengungen vervielfacht werden müssen, Deutschland überall und zu jeder Zeit zu verteidigen. Kann es ein Zufall sein, daß gerade, als der deutsche Kanzlerkandidat sein Kompetenzteam vorstellte, eine Bombe die deutsche Kultur in ihren Grundfesten erschütterten sollte?

Zusammenrücken ist das Gebot der Stunde. Wir müssen eine gemeinsame Lösung finden, unsere Differenzen beseite schieben und die Reihen schließen. Nicht zuletzt unseren Spanischen Freunden sind wir es schudlig, mit einer starken Truppenpräsenz am Ballermann Flagge zu zeigen. Es gehört zu unseren Kernkompetenzen, dort unauffällig und im Schulterschluß mit den Eingeborenen zu agieren.

Neben den notwendigen militärischen Maßnahmen, die es also zu treffen gilt, können aber alle Deutschen etwas für ihre Freiheit und zur Unterstützung der Bundeswehr tun. Zu allererst müssen wir Mut beweisen und uns nicht zurückdrängen lassen. Eine Reise zu den Balearen darf nicht länger das Privileg des Prekariats sein. Es mag den Intellektuellen und Nörglern bislang als ihrer unwürdig erschienen sein, jetzt aber sind auch sie wie alle anderen gefragt: Es ist die patriotische Pflicht aller deutschen Demokraten, unserer Insel die Aufwartung zu machen. Jeder Deutsche, Kind, Mann oder Greis, ist aufgerufen, sich bald als möglich dort einzufinden. Jede Kluft und Bewaffnung ist willkommen, ob Tarnhemd oder Bermudashorts, Küchenmesser oder Karabiner.
Brüder, zur Sonne, zur Verteidigung der Freiheit!

Da gibt es wohl einige Probleme mit dem hiesigen feed, nicht wahr? Ich kriege den einprasselnden Spam auch kaum mehr in den Grifff und werde daher umbauen. Mal sehen, ob das heute Abend schon klappt.

[update:] So, doof genug, das letzte Design nicht ordentlich gespeichert zu haben.
Ich würde mich über Rückmeldungen zu Veränderungen beim Problem mit den Feeds freuen.

[update2:] Schade fast, alles sieht wieder so aus wie gestern ;-)

Ministerpräsident Oettinger wurde jüngst eine Ehre zuteil, die sonst Oskar Lafontaine vorbehalten ist: Er wurde von Journalisten, die ein Interview zu führen vorgaben, angepöbelt. Schon die Eingangsfragen bzw. -Statements bewegen sich auf einem Niveau, dem ich persönlich mich verweigert hätte:

SPIEGEL: Herr Ministerpräsident, wie fühlt man sich als Verlierer?“; und

SPIEGEL: Uns kommen Sie vor wie der Pannen-Ministerpräsident Nummer eins.

SPIEGEL: Ihre jüngste Pleite trägt den Namen Porsche. Der kleine Sportwagenbauer aus Zuffenhausen hat mit Ihrer Hilfe versucht, den Riesen VW zu schlucken. Das Ergebnis dieses Versuchs ist erbärmlich: Porsche wird zu einem Subunternehmen von VW degradiert und in einer Reihe mit Edelmarken wie Skoda oder Seat stehen.

Nachdem sie sich also völlig zusammenhanglos erst einmal ein wenig warmgepöbelt haben, kreiden die Helden vom “Spiegel”, René Pfister und Simone Kaiser, Oettinger an, daß Wedeking gegen Piech den Kürzeren gezogen hat und nennen das “erbärmlich”. Wohlgemerkt: Das ist der Auftakt zu diesem “Interview”. Im weiteren Verlauf wird es nicht wesentlich freundlicher. Da wird Oettinger vorgeworfen, er habe Merkel “genervt”, er würde “immer das Falsche sagen, und das auch noch zum ungünstigsten Zeitpunkt”, und als ob das noch nicht rustikal genug sei, reiben ihm seine Inquisitoren unter die Nase, daß ein Porsche-Manager ein Verhältnis mit seiner Gattin hat.

Ich erfahre aus dem Interview nichts Neues von jedweden Hintergründen, sei es Porsche betreffend, Oettingers Rolle in der CDU oder sonst etwas Relevantes. Ich erfahre, daß der Ministerpräsident aus verborgenen Gründen von der Redaktion offenbar zum Abschuß freigegeben wurde und sich ob der peinlichen Unhöflichkeiten seiner Gegenüber wacker schlägt. Mir fehlt jedes Verständnis für diese Veranstaltung. Ich kann nur feststellen, daß inzwischen nicht einmal mehr ein halbwegs anständiges Interview zustande kommt, wenn die ABC-Schützen von der Brandstwiete losziehen. Ich nehme an, daß diese rülpsende Grobheit als “kritisch” gelten soll, da man ja keinen falschen Respekt vor dem großen Namen zeigt.

Aber eben auch keinen richtigen. Ich kann Günther Oettinger nicht leiden, seine Ansichten, sei es zu Filbinger oder Steuern auf Lebensmittel, sind mir widerwärtig. Hätte ich mich mit dem Mann auseinander zu setzen, dürfte er sich aber jederzeit einer Höflichkeit gewiss sein, die ohne Ansehen der Person zunächst einmal jedem gebührt. Sollte er sich dann inhaltliche Blößen geben, wäre es mir ein Vergnügen, ihn mit dem selbst gedrehten Strick aufzuknüpfen. Genau das aber kann beim Spiegel keiner mehr. Sie können tief buckeln und gemein treten. Mittlerweile kann man nicht einmal mehr erkennen, wen es wie warum trifft. Es herrschen Willkür und Beliebigkeit.

Hat Oettinger das verdient? Darüber ließe sich streiten, aber daß sich die Frage stellt, ist schon das Armutszeugnis. Egal ob einer Ministerpräsident ist oder Hartz-IV-Empfänger, ob ein Groschenblatt gegen ihn hetzt oder ein Magazin, er sollte wie jeder andere Bürger von staatlicher Willkür ebenso verschont bleiben wie von journalistischer.
Was sind das für Zeiten, in denen ich mich genötigt sehe, einen reaktionären Unsympathen vor dem “Spiegel” in Schutz zu nehmen!

Man könnte es eigentlich bei einem Satz, vielmehr einer Frage belassen: Wenn also auf Flüchtende geschossen werden darf, dann handelt es sich nicht um einen Krieg? Damit wäre zumindest eine Debatte, die um den semantischen Feuerschutz nämlich, beendet.
Aber es gibt natürlich noch mehr Fragen. Sehen so Polizeiaktionen aus, die geeignet sind, ein Land zu demokratisieren? Ist es die Aufgabe von Bundeswehrsoldaten, zu urteilen, ob jemand hinterrücks erschossen werden muß, weil er als gefährlich einzustufen ist? Wie sieht denn die dem entsprechende Ausbildung aus?

Rhetorische Fragen, paradoxerweise vor allem für jemanden, der sie wörtlich nimmt. Aber es soll ja nicht gefragt werden. Es geht doch um unsere Sicherheit. Diese absurde Konstruktion ist offizielle deutsche Staatsräson.
Nimmt man ernst, was behauptet wird, daß es nämlich um Aufbau und Terrorbekämpfung gehe, längst in umgekehrter Reihenfolge, dann sollte man sich für einen Augenblick verdeutlichen, welche Welten dort aufeinander prallen. Die Afghanen kannten bereits Besatzer, die sie militärisch unterjocht haben. Viel mehr Erfahrung haben sie mit den Europäern und Amerikanern nicht. Sie verstehen nicht deren Sprachen, sie tragen nicht deren Kleidung, haben nicht deren Religion, spielen nicht ihre Musik und haben andere Gepflogenheiten. Das gilt nicht nur für die plakativ brutalen Extrem-Islamisten, sondern für alle Stämme und Völker in der Region.

Man hätte sich überlegen können, wie man diese Kulturen erreichen könnte. Meinetwegen auch, wie man sie unterwandern oder korrumpieren könnte – was mit den “Taliban” zum Zwecke der Russenbekämpfung ja auch hervorragend funktioniert hat. Was aber die dümmst mögliche Intervention darstellt, das ist eine Invasion in dem Glauben, man könne ein bißchen Polizei aufstellen, ein paar sprachbegabte “Politiker” in der Hauptstadt versammeln und hätte dann eine offene quasi-westliche Zivilgesellschaft.

Nehmen wir an, nach Weltkrieg zwo, als die Deutschen als der übelste terroristische Abschaum der Welt gelten durften, hätten Samurai das Land unter ihre Kontrolle gebracht. Sie hätten mit ein paar chinesichen Freunden und den besten Absichten ein wohlgeordnetes aristokratisches System aufbauen wollen, mit einer fairen Gerichtsbarkeit und materiellen Annehmlichkeiten – zunächst für eine kooperartionswillige Oberschicht. Was wäre wohl dabei herumgekommen? Einsichtige Deutsche, die eifrig die Befehle der Besatzer auswendig lernen und sich einem Mix asiatischer Kulturen anpassen?

Und nehmen wir an, sie hätten es nicht spontan getan, sondern es hätte militanten Widerstand gegeben – von Nazis ebenso wie von völlig anderen Gruppierungen, die aber allesamt als Nazis gegolten hätten. Hätte man Deutschland befrieden können, indem man Wahlen zugelassen hätte, bei denen das Volk sich aus verschiedenen Aristokraten die besten aussuchen kann? Hätten sie das wohl als “ihr Land” akzeptiert? Und wenn sie, weil es eben alles nicht in knapp acht Jahren funktioniert hätte, gehört hätten, daß sie auf der Flucht erschossen dürften, wenn man sie für gefährlich hält, hätte das wohl ihr Vertrauen gestärkt?

In Afghanistan wird auf diese Weise unsere Sicherheit verteidigt. Mit eben den beschriebenen Mitteln. Gegner sind “die Taliban”, denn jeder, der dort Widerstand leistet, gilt als ein solcher, auch wenn er nie den Koran in den Händen hielt. Im Zweifelsfall ist er halt ein Terrorist oder Verbrecher. Wer fragt schon nach Motiven?
Dieser Krieg ist einer reinsten Wassers, das Ende der Wahrheit und gerade dort barbarisch, wo er angeblich zivilisieren soll. Er ist eine Schande für jeden demokratischen Rechtsstaat, und es entscheidet sich nicht zuletzt an dieser Front, ob Deutschland noch einer sein möchte.
Jetzt heißt es wieder: “Auf der Flucht erschossen”. Es ist zum Heulen.

Unter all den Beweihräucherungen und bemühten Erklärungen der angeblichen Popularität des Freiherrn von Wirtschaft zu Guttenberg erscheint die halbgare in der “Zeit” zunächst noch erträglich, aber auch dort werden die entscheidenden Fragen erst gar nicht gestellt . Immerhin werden dort nicht nur angebliche Chrakterstärken eines Adligen aufgereiht, aber auch Jens Jessen läßt sich darauf ein, dem Adel per se Adel zu unterstellen. Als gäbe es keine krähenden Celebrities blauen Blutes, einen pöbelnden, pissenden und raufenden “Welfenprinzen” etwa oder eine Salonsirene von Thurn und Taxis. Bei Jessen ist der Adel edel:

Die Erziehung zur Contenance führt zu einer Verachtung der Larmoyanz. Ein Adliger wird sich selten wie der Bürger zu einem larmoyanten Seelchen entwickeln, allerdings auch selten zu einem Künstler oder Intellektuellen. Eine gewisse Verachtung für die eigenen Unpässlichkeiten und Gemütsbewegungen wird ihn immer auszeichnen, und das heißt nun auch: katastrophensicher und unter Umständen sehr tapfer machen.”

Nein, auch das ist ein Vorurteil, und wenn es im Gewande einer Halbkritik daherkommt, weil Jessen feststellt, daß die Guttenbergs und der Restadel wohl doch nicht alle im Widerstand waren, wird es nicht besser. Peinlich wird es gar, wenn Karl-Theodors Vater unwidersprochen zitiert wird:

Wir sind so erzogen worden, dass man für das, was man für richtig hält, zur Not auch sterben können muss.

So kennen wir das. Der Adel stirbt immer zuerst, wenn es zum Äußersten kommt.
Da setzt sich einer hin, um zu erklären, warum die Botoxbirne so populär sei und schreibt eine kitschige Eloge auf den Adel. Bei Jessens oben ist mal wieder keiner zu hause.
Selbstredend hat die Karriere des Mannes nach Glos mit seinem Stand zu tun. Daß er eine Stelle eingenommen hat, auf der zuvor ein bayrischer Problembär Winterschlaf gehalten hat, machte ihn wie jeden anderen erst einmal zu einer Aussicht auf Erlösung. Was dann kam, ist aber eben Boulevard und Klatschspalte. Der Mann sieht aus wie Oma sich einen Schwiegersohn vorstellt, er kann vor Geld nicht laufen und trägt beste Garderobe spazieren. Er ist nicht vom Schlage der normalkorrupten Emporkömmlinge und Radfahrer, die das Wahlvolk gestrichen satt hat. Daß er eben nichts hat leisten müssen für diesen “Erfolg”, schon gar nicht – wie unfaßbar lächerlich – sein Leben riskieren, ist dem Qualitätsjournalisten in seiner feuchten Anbetung keinen Gedanken wert.

Es scheint niemandem so recht aufzufallen, aber “Ka-Te” ist keine Charity-Lady, sondern Wirtschaftsminister. Seine vorgeblichen Kompetenzen für dieses Ressort, das wurde am Rande der Seite 10 abgehandelt, waren zunächst einmal erlogen. Schwamm drüber. Seine Rolle beim Fall Opel war kapriziös, zeichnete ihn aber weder durch besondere Klugheit aus noch durch irgend etwas, das man ein “Konzept” nennen könnte. Womit wir bein Hauptproblem sind: Konzepte, Ideen, Wissen, planvolles Handeln und Durchsetzungsfähigkeit, das wären die Kompetenzen, die ein Minister mitbringen sollte. War davon bislang auch nur die Rede? Im Gegenteil. Der Herr Freiherr muß über Geld nicht sprechen. Er hat es, und wie Jessen feststellt, bleibt ihm ja sein Adel, sollte es jemals anders sein. Welch ein Zeugnis für jemanden, der den Staat durch eine Wirtschaftskrise führen soll!

Was Guttenberg als Figur, als Promi und Gesicht in den Medien so dankbar geeignet macht, ist aber das, was in den Wirtschaftsspalten des Qualitätsjournalismus derzeit en vogue ist: Verdrängen, Verschweigen und Gesundbeten. Und wenn dann doch die nächste Blase platzt, haben wir ja immer noch unseren Adelstitel.
Das beruhigt das Volk, denn es repäsentiert die Zustände angemessen und nimmt viel Gift aus der Debatte:
Die zu kurz kommen, fühlen sich wieder aufgehoben. Sie müssen sich nicht mehr als Leistungsverweigerer und Versager beschimpft fühlen, sondern sie sehen, daß sie von vornherein keine Chance hatten. Die anderen, die es haben, finden das ohnehin gerecht.
In die Oberschicht, so erkennen alle zu ihrer Beruhigung, wird man eben hineingeboren.

Es gibt in diesem Zeiten ja eine Menge dummer Propaganda, die mehr oder minder verschämt von den Großmedien betrieben wird. Man einigt sich auf einen gewissen Sprachgenrauch, da wird der eine “Populist” genannt, der andere mit “Rettung” in Verbindung gebracht, es werden Sympathiewerte ausgewürfelt und dem Volk derart “objektiv” untergejubelt, was es von seinen “Vertretern” zu denken hat.

Es geht aber auch anders: Unverblümt, direkt und derart verlogen, daß Widerspruch zwecklos erscheint. Die pure Meinungsmacht wähnt sich hier am Werke oder ist es tatsächlich. Da wird behauptet, gewertet und etikettiert ohne einen Anflug von Information, Begründung oder Zurückhaltung, da wird schlicht agitiert.
Was Cicero-Mann Weimer im “Stern” von sich gibt, ist fürwahr atemberaubend. Er will “Querdenker” entdeckt haben, “kantige Klartext-Sympathen”, die so ganz anders seien als die Mainstream-Politiker und die ihre ganz eigenen Ansichten vertreten. Und wen meint er damit? Jürgen Trittin? Oskar Lafontaine? Oder vielleicht Heiner Geißler?

Nein, die verrückt-sympatischen Querdenker sind zu Guttenberg, Steinbrück und Westerwelle. Ausgerechnet diese aalglatten Sprechpuppen neoliberaler Binsenweisheiten will Weimer als intellektuelle Rebellen verkaufen. Man kann mich ja davon überzeugen, daß die Leser überflüssiger Hochglanz-Magazinchen auch mittags am Äquator noch einen langen Schatten werfen, aber daß sie im Gros so dämlich sind, die eifrigsten Mitläufer nicht von Widerständlern unterscheiden zu können, halte ich dann doch für arg optimistisch. Zumindest muß man verdammt hart daran arbeiten, sich eine derart verblödete Leserschaft zusammen zu schmieren. Der darf Herr Weimer seinen erbarmungswürdigen Kotau dann auch gern präsentieren, aber könnte nicht wenigstens der “Stern” seine unbedarfte Laufkundschaft davor warnen?

Der Wettbewerb unter solchen Kuhjournalisten mit flexibler Wirbelsäule scheint ausgesprochen hart zu sein. Die Wahrheiten und Weisheiten der vergangenen Jahre lösen sich in Luft- und Spekulationsblasen auf, die Helden entpuppen sich als Versager, die Deckel, unter denen der Mief der Korruption gehalten wurde, weichem dem Druck ungeminderter Unverschämtheit. Da ist es mit “Augen zu und durch” nicht mehr getan. Da ist schon schwer im Hintertreffen, wer nicht wirklich taub und blind ist. Da macht sich schon überflüssig, wessen Lügengeschichten noch letzte Hemmungen zu erkennen geben.

Wolfram Weimer ist in dieser Hinsicht von keinerlei Zweifeln beeinträchtigt. Er hat getan, was er kann und gezeigt, daß er sich für Höheres eignet. Seinem kritischen Geist entspringt die Art spitzer Zunge, die selbst feinstes Stiefelprofil noch zu reinigen vermag, ohne daß die Majestät sich dazu vom Sitze erheben muß.

hund

Soo … derzeit trage ich mich mit dem Gedanken, jemanden mit dem Hund vor die Tür zu schicken, mit dem niemand rechnet. Aber wie das so ist bei Online-Awards, machen die Nachnominierungen den meisten Spaß. Ich bitte also um letzte Vorschläge oder die Bestätigung der Erkenntnis, daß wir alles schon kennen.
Ich putze dann schon mal den Pokal.

nachdem inzwischen sogar das DIW erkannt hat, daß Erbschafts-und Vermögenssteuer dringend erhöht bzw. wieder eingeführt werden müssen, wird es allmählich reichlich einsam auf der Spur, der eure Chefs folgen. Ausgerechnet aus einer Großen Koalition heraus und inmitten einer Wirtschaftskrise wollen sie ausdrücklich darauf verzichten, Steuern bei denen zu kassieren, die reichlich haben, außer etwas geleistet. Das ist putzig. Wen genau wollen sie damit eigentlich überzeugen, und vor allem: Wovon?

Ach, es ist anstrengend mit euch. Schaut doch mal bei Wikipedia nach unter dem Namen “Brandt, Willy”. Oder laßt euch ein Filmchen von Guido Knopp zeigen zur Geschichte der SPD, ja, genau, das ist die Partei, deren Mitglieder ihr seid. Da werdet ihr feststellen, daß “Sozialdemokratie” einmal etwas damit zu tun hatte, daß es möglichst vielen möglichst gut gehen soll. Laßt euch einmal ältere Parteiprogramme vorlesen oder wenigstens das aktuelle. Da steht nichts von Steuergeldern für Banken, die von Angestellten aufgebracht werden sollen. Ganz im Gegenteil.
Na gut, links blinken und rechts abfahren konnten eure Großen schon immer gut. Wenn die Geisterfahrer ihre Dauerlichthupe aber inzwischen mit Zusatzscheinwerfern ausstatten, ist doch irgendwann einmal Feierabend. Nicht?

Habt ihr einmal die hunderttausend gefragt, die zuletzt aus der Partei ausgetreten sind, was mit denen los ist? Wundert ihr euch nicht, daß eure Kommunistische Plattform “Sozialdemokraten in der SPD” heißt?
Worauf genau wartet ihr? Daß die FDP eine Vermögenssteuer einführt? Und dann? Sicher, dann seid ihr auch dafür, aber wenn ihr eh an der 5%-Hürde scheitert, könnt ihr euch solch radikale Positionen ja auch leisten.
Von den ganzen Fachökonomen, Wirtschaftsfördereren und Lohnsenkern sitzen 99% in eurem Präsidium, den Ministerien und den Zirkeln, die immer im Fernsehen und den Zeitungen zitiert werden. Ist das nicht irgendwie seltsam? Und nur einen einzigen seid ihr losgeworden, weil selbst die ihm noch nicht rechts genug waren. Der Clement Wofgang, ihr erinnert euch? Euer Superminister und -präsident, der ausländische HartzIV-Parasiten nicht mochte und überhaupt die ganzen Sozialschmarotzer.

Die anderen werden alle noch hofiert und dürfen euch vertreten. Bei der Bundesbank etwa euer Golfprofi Sarrazin. Ganz oben im Elfferrat Agenda-Münte. Euer Kanzlerkandidat mit Westerwelleformat steht bei 20%, aber das sind die richtigen 20 – die der “Mitte”, gelle?
Die wohl erfolgreichste Saboteurin einer vertretbaren Gesundheitspolitik ist eure dienstälteste Ministerin. Sie hat für explodierende Kosten und Großhirnrinden gesorgt, und zwar auch schon für die Zukunft. Die Gesundheitskarte is so denkwürdig krank, das verzeiht man hierzulande nur einer Frau aus der SPD. Die Pharmaindustrie freut sich über ihre gestammelten Werke und die Arbeitgeber sind weniger belastet als Arbeitnehmer, wie das halt so ist in einer “Sozialdemokratie”.
Ganz groß ist natürlich auch euer Mister Augenmaß, der Finanzsteinbrück. Souverän reagierte er auf das Herbeigerede der Krise mit Milliarden für die Banken. Dort ist das Geld besser aufgehoben als bei Asozialen, die es nur in “Zigarretten” und “Pils” investieren, meint er.

Das, liebe SPDler, ist nur der Auftakt, der Anfang einer meterlangen Liste von Funktionären in euren Reihen, die ein recht merkwürdiges Verständnis von Politik aus euren Programmen ableiten. Findet ihr auch? Dann geht doch noch einmal hin und fragt artig nach, was denn nun so schädlich an besagten Steuern ist. Und warum es überall eine Vermögenssteuer gibt, nur nicht in in Deutschland, seit sie hier regieren. Fragt dann gleich auch noch einmal nach, wieso das DIW inzwischen doch einen Sinn darin sieht, Reiche zu besteuern. Ob das vielleicht Kommunisten sind, ihr wißt schon: Die mit Mauer und Stacheldraht.

Und wenn euch dann eventuell ein Lichtlein aufgeht und ihr nicht recht glauben könnt, was ihr da seht, wenn ihr endlich aufwacht und euch die Augen gerieben habt, dann fackelt bitte nicht lange. Sie werden winseln und heulen, sie werden sagen: “Wartet, ihr macht einen Fehler”, wie das alle Versager in allen schlechten Filmen tun. Hört nicht auf sie. Gebt ihnen all das geduldige Papier zu fressen, auf das eure Programme gedruckt wurden und verbannt sie in die FDP. Die hat dann eh genug Mandate und Pöstchen für ihre Freunde von der “Agenda”, und allen wird es besser damit gehen.

Es ist noch immer kein Krieg in Afghanistan. Zwar werden dort jetzt auch deutsche Panzer eingesetzt, um “Taliban” zu jagen und zu töten, aber auch das ist noch kein Krieg, wie gehabt: Kein Krieg im Krieg gegen den Terror. Die Afghanen dürfen bald zwischen unterschiedlichen korrupten Kandidaten für das Amt des Präsidenten von Kabul wählen. Um diese Farce schon im Vorfeld militärisch aufzuwerten und dafür zu sorgen, daß auf jeden Fall Kampfhandlungen stattfinden, gibt es heuer einige Geländegänge mit Granateneinsatz. Nützen wird das nichts, aber sterben werden dafür weitere Menschen.

Die Illusion, man könne durch miltiärische Operationen auch nur kurzfristig die bewaffneten Islamisten, Drogenbosse und sonstige Warlords zurückwerfen, ist schon zur Zeit der sowjetischen Besatzung geplatzt. Aber unser Verteidigungsminister ist davon überzeugt, daß die deutschen Brunnenbohrer durch ihren Nichtkrieg mehr Erfolg haben werden.
“Dann schießt mal schön”, möchte man sagen, wären da nicht die Leute, die tot umfallen und das unerträglich zynische Spiel um angebliche Sicherheit. Die Bundeswehr sei am Hindukusch, um die Sicherheit der BRD zu gewährleisten. Das ist an sich schon so kreuzdämlich, daß es einen nicht wundert, wenn dafür seit Jahren kein einziges nachvollziehbares Argument geliefert wird. Im Anfang war da übrigens die “uneingeschränkte Solidarität” mit den USA, da war von deutscher Sicherheit noch gar keine Rede.

Es sprengt einem aber die Schädeldecke weg, wenn dann wiederum verlautbart wird, die Einsätze der Bundeswehr führten daheim zu einer größeren/schärferen/gefährlicheren “Bedrohunglage”. Diese wiederum muß durch schärfere Maßnahmen zur Inneren Sicherheit und die Einschränkung von Freiheitsrechten bekämpft werden. Derweil werden Vergeltungsmaßnahmen der “Taliban” durch stärkere Truppenpräsenz und Gegenoffensiven beantwortet, die zu weiteren Bedrohungslagen führen. Auf diese Weise wird die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland am Hindukusch verteidigt.

Das stimmt auch völlig, sofern es sich bei “Sicherheit” um den Einsatz von Sicherheitstechnologie, Militär und Polizei handelt. Das exakt wird am Hindukusch verteidigt, gefördert und auf irrwitzige Weise “legitimiert”. Deutschland will dahin, wo die USA und Russland längst sind: Hin zu ständigen sinnlos blutigen Auslandseinsätzen und einer paranoiden “Inneren Sicherheit”. Ginge es wirklich um Frieden und Sicherheit, gäbe es nur eine Option: Sofort diesen Irrsinn zu beenden. Es ist ein unfaßbares Armutszeugnis für diese Gesellschaft, daß sich die Menschen in Zwiesprech einlullen lassen und diejenigen bestärken, die solche sinnlosen Kriege führen.
Vor einigen Jahren noch hätte man jeden für verrückt erklärt, der solche Zustände vorausgesagt hätte. Man hätte diese Demokratie für gereifter gehalten.

Säbelrasseln, Basta-Politik, eine Sozialdemokratie, die ihr Klientel als Schmarotzer beschimpft und Golfclubs fördert, Verherrlichung des Adels, Begünstigung von Reichen bei Senkung von Sozialleistungen, Medien, die die Einheitsmeinung verbeiten, gnadenloses Mobbing gegen Andersmeinende – und weit und breit keine APO, die solche prädiktatorischen Entwicklungen anprangert. Deutschland 2009 – Es ist wieder zum Fürchten.

Wenn man sich so anhört, was unsere Bundesregierung für eine demokratische Gesinnung hält, kann man sich nur bedanken bei den Eltern führender Politikdarsteller, daß sie ihren Sprößlingen nicht allzuviel Hirn und auf jeden Fall ein beachtlich bescheidenes Redetalent mitgegeben haben. Ein weiteres Gelöbnis für Hohlhaubitzen, die von “Ehre”, von “Stolz” und “Treue” faseln, und dieser Guttenberg ist so dezent verschämt, sich quasi einzureihen in den Reigen der Hitler-Attentäter. Die kamen nämlich alle aus seiner Familie, der stammadeligen. Was außer dieser schräg verschraubten Selbstbeweihräucherung hat ansonsten ein Wirtschaftsminister auf einer Rekrutenvereidigung verloren?

Mit Demokratie hat das alles nichts zu tun, mit Verteidigung übrigens auch nichts, wenn die Reichstagskanzlerin “nationale Interessen wahrnehmen” damit verbindet und “Sicherheit” [.. ] auch weit entfernt von Deutschland” schützen läßt. Der Adel, die Offiziere, der Widerstand gegen die Diktatur, das sitzt jetzt wieder tief in demselben Klumpen aus Nationalem, Stolz und Interessen und am Ende dem Militär, das tut, wozu es aufgestellt ist – Krieg führen. Die Verbindung zu Demokratie und Rechtsstaat, einer Parlaments- und Verteidigungsarmee, will und soll da gar nicht gelingen. Es sind andere Werte im Spiel, höhere, so hoch, daß keiner mehr drankommt.

Unnachahmlich faßt der Stauffenberg für Frühindoktrinierte, Baron von Guttenberg, das in Worte, in einem semantischen und syntaktischen Massaker eines Selbstmordattentats gegen Sinn und Sprache:

Tatsächliche Vorbilder für verantwortungsvolles Handeln entspringen jedoch nicht der Erkenntnis von Übermenschlichkeit, sondern im Ergebnis ist es gerade das Menschliche, was die Taten groß, auch heldenhaft erscheinen lässt. Es wäre ein Ausweis der Armseligkeit, wenn der moralisierende Maßstab des Übermenschlichen – angelegt von allzu menschlichen Vertretern – das Land seiner Vorbilder berauben würde“.

Suchen Sie nicht Subjekt und Objekt, begeben Sie sich nicht in das Labyrinth von Übermenschen, fragen Sie sich nicht, wen was meint. Unterlassen Sie alle Versuche, ein Prädikat vor dem Würgegriff eines wütend erscheinenden Konjunktivs zu retten – der Fall ist hoffnungslos. Merken Sie sich einfach: Helden, Vorbilder, ein beraubtes Volk. Setzen Sie ggf. an eine beliebige Stelle den Begriff “Rasse”, und Sie geraten auf Tuchfühlung mit Texten, die gemeinhin im Giftschrank lagern.

Den Beraubten wird es schnuppe sein, denn die aus dem Volk sind Elend gewöhnt, äußerst geübt im Weghören und machen sich nichts draus, wenn sie dem hochwohlgeborenen Wortbrei keinen Inhalt entnehmen können. Allein in letzterem Umstand schließlich liegt ein wenig Trost.

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